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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-05 · Heft 2229 (5.5.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2229 (5.5.1925)
Date
1925-05-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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j Polens 20 aroszy | Wien: ZumAbhoien in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle 'Trafik: monatl. 5 Schilling Strasscnverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Gol d schmied, 1., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho - Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bei PreiserhOhunger Vorbehalten Nr. 2229 Wiener Preis 20 a orsenMima England: Mon. 4 Schilling, Ital i en: Monatl. 18 Lire, Rumäni en: Mon. 170 Lei, Bulgarien: Mon.IOOLewa Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion. Administration: Wien, II.Taborstr.1 Telephone: 44-0-38,43-3-1$ Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Las Spiel mit der Waffe. —y. Wien, 5. Mai. In Genf find gestern die Vertreter von 43 Staaten;u einer internationalen Konferenz zusammengetreten, Deren Inhalt die Kontrolle des Waffenhandels bildet. Es wird eine Konvention zur Annahme vorgelegt, welche die Schaffung eines Zcntralamtes Vorsicht, das die Dokumente und Ausfuhrlizenzen der sich anschließenden Staaten sowie alle Gesetze und Verordnungen, die sich auf den Waffen- und Munitionshandel beziehen, sammeln, ordnen und veröffentlichen soll. Das ist gerade kein imponierender Beginn der großen Kampagne gegen den politischen Massenmord, und es werden nur fleißige Statistiker und Professoren der Moralphilosophie für das ihnen zufließende Material dankbar seüi. Daß es sich in reichem Strom ergießen wird, daran kann kein Zweifel bestehen. Denn alle Staaten sind an dem Handel beteiligt und auch politische Parteien treten, wie man aus vielen Polizeiberichten weiß, As lebhafte Nachfrager auf. Da der Frieden, dessen vir uns erfreuen, nur eine Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln ist, steht auch das Geschäft mit Mordwerkzeugen in hoher Blüte. Ganze Horden von Schiebern und Agenten finden reichlichen Verdienst und die Konjunktur ist so lebhaft wie am ersten Tag. Die Auspizien dieser Konferenz von 43 Staaten sind denn auch danach angetan, in der Oeffentlichkeit dieser Staaten ungetrübteste Heiterkeit zu erregen. Die Vertreter der Vereinigten Staaten, Deutschlands, der Türkei werden unter den Anwesenden.genannt. Bekanntlich sind dies drei Staaten, die dem Pazifismus nicht gerade frönen. In den Vereinigten Staaten wird setzt der Ausbau der Flotte durchgeführt und es steht ein Marinemanöver bevor, bei dem der Angriff einer fremden Macht auf die pazifische Küste und eine forcierte Durchfahrt durch den Panamakanal supponiert wird. Wer diese fremde Macht sein soll, darüber schweigt des Diplomaten Höflichkeit. Deutschland steht unter der Präsidentschaft des Marfchalls Hindenburg, der wohl nicht als Friedensschwärmer gilt. In der Türkei herrscht Mustafa Kemal, der orientalische Repräsentant des europäischen Militarismus. Und so wkd diese drei Staaten stehen auch die.anderen dem Problem des Waffenhandels gegenüber, der doch nicht möglich wäre, wenn es keine Fabrikation gäbe, die wieder ihrerseits in der Politik und im nationalistischen Patriotismus ihre nährenden Wurzeln besitzt. Es ist tief bedauerlich, daß mit dem Prestige des Völkerbundes dieses heillose Spiel -getrieben wird. Die Gesetzgebung aller Staaten kennt die geheimen Winkel der offiziellen Luge, und man muß, um dies zu illustrieren, nur an die Prostitution erinnern, die zur gleichen Zeit verboten und toleriert ist. Mit dem Waffenhandel steht es insoweit besser/ als er gegen gewisse Lizenzen gestattet ist. Er ist ein Hilfsmittel für die Polizei, das aber noch jedesmal versagt hat. Kein Mörder, der morden wiÜ, hat es schwer, sich einen Revolver zu kaufen, und wenn er schon die Kontrolle des Verkaufenden scheut, dann muß er sich nur einer der lieblichen Parteien anschließen, deren Programm der Revolver ist. Wir in Oesterreich haben die Hakenkreuzler, und die Mitglieder dieser Sekte sind auf den Waffenpaß nicht angewiesen. Es ist eine sonderbare Schwärmerei, die die Lizenzen sammeln und sichten will, die den Esel beim Schwanz aufzäumt. Und .es. geht so wie mit der Abrüstung, die die Mächte in Paragraphe und Resolutionen fassen wollten. Weil sie aber die Hauptsache, die Diffamierung des Krieges, nicht niederzuschreiben wagten, fiel ihr ganzes Werk wie ein ausströmender Kinderballon in sich zusammen. Um die Bekämpfung der Mordatmosphäre handelt es sich. Das Uebel muß an der -Wurzel gefaßt werden und diese Wurzel sitzt zu tief, als daß sie mit einer Regestensammlung bloßgelegt werden könnte. Alle Völker, alle Staaten sind von Haß . und Mißtrauen gegeneinander erfüllt. Sie wünschen, wie jener französische Politiker, daß die Mörder mit der Todesstrafe aufhören sollen, und wollen selbst nicht mit der ersten Maßregel beginnen, ihren eigenen Hetzeck: das Handwerk zu legen. Es ist alles Lüge und deshalb ist auch die Konvention ein Stoß in die Luft. Wien. Sienrtqg, 8. Mai 1925 Oesterreichisches Postspa* kassen-Konto Nr. 150.693 7. riahrgang Der Au bau Paliiftinas. England steht in unerschütterlicher Pflichttreue zu seinen Versprechungen. krllärunsen Srmsby-Sorer. — Sir Alfred Mond über den wirtschaftlichen Fortschritt 8rer Israels. London, 4. Mai. (I. T. A.) Die Leitung des Keren Hajessod und die englischezionistische Föderation gaben am 29. April ein Diner zu Ehren des Unterhansmitgliedcs und früheren Innenministers, Sir Alfred Mond, im Hotel Cecil. Ter britische Unterstaatssekretär für die Kolonien Mr. Ormsby-Gore hielt bei dieser Gelegenheit eine bedeutsame Ansprache; im Namen der britischen Regierung bekundete er die unerschütterliche Treue zu der zionistischen Sache. Unterstemtssekretär Oi:mshtt-Goxe der als dritter Redner sprach, erklärte: „Sie dürfen sicher sein, daß die Regierung zu den Versprechungen, die die bisherigen Regierungen Englands in der Angelegenheit der Balfour-Deklaration gegeben haben, in unerschütterlicher Pflichttreue steht. Der Aufbau Palästinas, das jüdische Nationalheim, ist eine Angelegenheit, die durch die öffentlichen Gesetze Europas gesichert ist. Die Regierung ist von den bisherigen Erfolgen in Palästina sehr befriedigt Die zionistische Bewegung schafft mchtnur praktische Arbeit in Palästina, d u r ch i h r e n h o h e n I d e a l i s m u s ist sie von - ungeheurer Bedeutung für die Judenheit der ganzen Welt. In den allerletzte» Wochen sind zwei Dinge von großer Wichtigkei' in Palästina geschehen. Von dem ersten Ereig- ’*?s. der Schaffung»e irrer Universität in Jerusalem, weiß die ganze Welt; die Schaffung der Universität ist eines jener hohen Ziele, die nicht allein die Regierung, sondern auch das britische Bolkfördern will. Das zweite Ereignis wird Ihnen unbedeutend erscheinen: Der Zehent wurde in Palästina von 12,5 Prozent auf 10 Prozent ermäßigt. Das ist ein Symbol der fortschreitenden wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas. Zu dieser Entwicklung hat die Arbeit des Keren Hajessod sehr viel beigetragen. Jeder Penny, für Palästina gespendet, trägt zur Entwicklung einer höheren Lebensst v. f c für Palästina bei. Palästina wartet auf Kapital und Energie, auf Menschen mit Idealen, um nicht allein ein Zentrum der Judenheit zu werden, sondern auch für die benachbar ten arabischen Länder, ja für alle Völker des Nahen O st e n s in der Aufklärung und der Wissenschaft beispielgebend zu werden. Im Kolonialamte sitzen zwei wahre Freunde des Zionismus: D e r M i n i st e r Mr. Ameryundich, die wir in Palästina waren, seine Möglichkeiten kennen und ihm h ö ch st e n E r f o l g wünschen. Es wird der Welt gezeigt werden, daß d e r I u de, d e r A r a b e r u n d d e r englische A d m i n i ft r a t o r Hand in Hand für ein besseres Wohlergehen der Menschheit arbeiten können. Den Vorsitz bei der Feier führte Baron James Rothschild. Er entwarf in seiner Rede ein Lebensbild von Sir Alls red Mond und erinnerte daran, daß sich Sir Alfred Mond als großes Verwaltungstalent, als Förderer der industrieilen Entwicklung und als Philanthrop int Dienste des englischen Volkes ausgezeichnet 'hat. Hier aber, sagte der Redner, huldigen wir ihm als gutem, ernstem und hingebungsvollem Zionisten. Auch als M i t g l ied des P a r l a m e n t s gab sich Sir Alfred Mond stets als Jude und als Zionist. Es sei nicht zu verwundern, wenn ein Mann^ wie Tr. Weizmann, der in jüdischen: Milieu erzogen worden ist, ein Zögling des Eheder, e i n Zeuge der P o g r o m e gewesen war, sich zun: Zionisten entwickelt 'habe. Hingegen Sir Alfred Mond, in dessen Sphäre das jüdische Problem nie diskutiert worden ist, ist cs hoch anzurcchnen, daß er nach Bekanntgabe der Balfour-Deklaration sein jüdisches Blut answallen fühlte und seine wertvolle Unterstützung denjenigen lieh, die es unternommen haben, das jüdische NationaPheim in Palästina ausznbanen. welches für ewige Zeiten in den Augen der Welt den Gradmesser für jüdische Schaffenskraft und Größe 'bilden wird. Sir Alfred Mond * ergriff hieraus das Wort und schilderte seine Eindrücke in Palästina, das er nach einer Zwischenzeit von vier Jahren jetzt eben wieder gesehen hat. Schon sein erster Besuch hatte in chm die Ueberzeugnng gefestigt, daß Idee und Plan des Ausbaues Palästinas keine Träume sind, sondern auf realen: Boden beruhen. Dennoch habe er es nicht erwartet, daß schon nach vier I ahreu ein so erstaunlicher Fortschritt sestzustellen sein wird. R i e se nschritzte sind in Palästina getan worden. Eine Woche oder vierzehn Tage genügten lange nicht, um alles in Augenschein zu nehmen. Festgestellt muß werden, daß man in Palästina auf , der gleichen gesunden Basis wie in jedem anderen Lande der Welt Kapital investieren kann. Wenn die Juden in der ganzer: Welt es verstehen lernten, daß Palästina schlechthin ein gutes Geschäft ist, so würden viele Hunderttausende von Pfund in das Land strömet: und viele Schwierigkeiten wären über' wunden. Der Markt Syriens wird von Palästina kontrolliert werden könne::. H aisa wird einer der größten Häfen des Mittelländischen Meeres und eine derbe de n t e n dst e n Hand c l sstädt e des Orients werdet:. Mat: würde aber Palästina schlecht dienen, wenn man >mit «jeb'Ci: Kritik zurückhalten würde. Kritisieren kann man e i n e gewisse Dezentralisation iu der Gründung neuer Unternehmungen. Bot: jedem Plan wird 'behauptet. er sei glänzend; aber es nu:ß immer festgestellt werden, welchen: Plan die Priorität gebührt. Nichtig ist, daß der Bau des Hafens und die Ruthenbergs che Elektrifizierung eilte Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes sind. Ich sah Elektrizirätsanlagen in der ganze:: Welt, aber nirgends sah ich b e s s e r angelegte und a u s g e st a t t e t e Kraftwerke als in Palästina. Es ist nicht wahr, daß die Juden aus den osteuropäischen Ghettos nur iu die große:: Städte Palästinas strömten. Sßidc von ihnen wandten sich mit Erfolg der Landwirtschaft zu. Die Siedler evstattett da-' ihnen vorgeschossene Geld zurück. Die Araber lernen von den jüdischen Siedlern, zu denen sie sich freundschaftlich verhalten. Mir erzählte viele Araber, daß sie mit ihren jüdischen Nachbarn in «bester Freundschaft leben. Palästina wird mit der Zrit ein aktives Land werden, so daß jede Hilfe von außen entbehrlich werdet: wird. Sir Alfred Mond schloß: Nach den: Erfolg in Palästitta wird man die Wesenheit der Juden äbschätzen!. Bon der Arbeit dort wird es abhängen, wie die Well üben die Inder: denkt. Der Präsidenl der Anglo-Jewish Associatiot: Mr. O. E. d'Avigdor Golds m i d, der ebenfalls vor kurzen: aul Palästina znrückdekehrt war, sagte, die Fortschritte in Pa« lästina haben aujs ihn «inen sehr stacken Eindruck gemacht. Die Beziehungen zwischen Arabern und Inden haben siH enorm gebessert. Man soll nicht alles glauben, was die Hetzblätter schreiben. Nach der Rede des Unterstaatssokretärs Ovm'sby. Gore sprächet: noch der Finanzminister der Labouv Regierung Mr. Philipp S n o w d e n, Mr. Philips Guedalla, Oberrabbiner Dr. I. H. Herz und Sü Frühjahrs-Neuheiten »'S'K» Uli Schiffmann II. TaborsfraOe 4* Telenhon 47»1»7S En gros En «Intai

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