Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2228 (4.5.1925)
- Date
- 1925-05-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- r Kr.WSS Wiener Mornenzettnn-. 4. Mai 1925 ' Seite 5 Wien, Montag / Darin ist das Wesen der ganzen Sache zu suchen. Bon den endgültigen Aufgaben zu sprechen, sind keine müsstgen Worte. Die endmtltigen Ziele bestimmen letzten Endes die praktischen Matznamen des morgigen Tages, wenn das endgültige Ziel der Judenstaat ist. So wie das Mandat und die Iewish Agency unentbehrlich sind, so unzulässig sind parlamentarische Institutionen. Nimmt man von diesen Zielen Abstand, dann verschwindet jeder Unterschied zwischen Palästina und sagen wir Aegypten und Mesopotamien, und der Traum der Araber von der internationalen Regierung, welche allein schon das sür das Land nützliche Matz der jüdischen Minderheit bestimmen wird, bekontmt den Charakter eines ganz vernünftigen Schlagwortes. ES hat keinen Sinn, mit den Arabern darüber zu streiten, ob in Palästina 10 oder 20 Prozent Juden sein werden. Nicht dafür kämpfen wir durch zweitausend Jahre und nicht deswegen haben wir an die ganze zivilisierte Welt appelliert. Das ist «S, warum man nicht schweigen darf, warum man nach voller Klarheit streben muß. Man muß dem Terminus Judenstaat einen so breiten Klang geben, datz eine Sterilisierung des endgültigen Zieles des Zionismus künftighin unmöglich wäre. Das ist die Aufgabe einer großen Propaganda. Die Konferenz der Revisionisten mutz hierfür die Grundlage schaffen. Hl. ES bleibt nun noch die Frage übrig: Wird der Redisionistenüerband selbständige Schritte unternehmen oder wird er sich damit begnügen, auf die Zioniften-Revisionisten eittzuwirken? Diese Frage wird bei allen politischen Beschlüssen der Konferenz auftauchen, bei der politischen Offensive, LegionismuS, den Beziehungen zu den Arabern usw. Da gibt es zwei Arten der Taktik: die eine propagiert unsere Beschlüsse bei den Zionisten, die andere strebt die Realisierung dieser Beschlüsse aus eigenen Mitteln an. Man muß sich dabei vor Augen halten, daß beides gleich möglich ist. Der Revisionismus befindet sich zwar in der Anfangsperiode seiner Organisation aus eigener Kraft. Wir überschätzen seine Kräfte nicht, aber dank einer Reihe besonderer Bedingungen bat diese Bewegung schon jetzt ernstliche Möglichkeiten zu einer unabhängigen politischen Handlung. Die Konferenz wird diese Möglichkeit entweder annehmen oder ablehnen müssen. Wenn man diese Frage kaltblütig betrachtet, so sind die Ausführungen für und gegen gleich wichtig. Daß eine politische Tätigkeit nach außen strenge Zentralisation erfordert, ist so klar, daß dieses hieße, die Anarchie zu sanktionieren, wenn jeder Fraktion politische Handlungsfreiheit gewährt würde. Andrerseits ist es aber schwer, etwas dagegen zu sagen, daß die jetzige Lage im Zionismus nichts als politische Anarchie beinhaltet. Der 13. Kongreß hat eine Reihe politischer Resolutionen angenommen, folglich hat, wenn man formell sein will, der Wille der Organisation nach einer bestimmten Politischen Richtung Ausdruck gefunden. Aber die Exekutive hat ebenso bestimmt sich nicht gewillt , gezeigt, diese Richtung zu verfolgen, folglich wird der Wille der Organisation nicht erfüllt. Das bedeutet schon an und für sich den Zustand der Anarchie. Dieser Zustand verschärft sich noch dadurch, daß die Organisation nicht dagegen protestiert und auch, nicht auf dem ihr zustehendeu Kontrollrechte besteht. Die Jahreskonferenz, welche-laut Statuten unbedingt stattfinden muß, ist im vorigen Jahre überhaupt nicht zusammengetreten und niemand erhob dagegen Einspruch. Man bekommt den Ewirruck, daß die Organisation überhaupt keinen politischen Willen besitzt oder datz es, wie viele behaupten, überhaupt keine Organisation im politischen Sinne des Wortes gibt. Nach einigen Monaten droht jbiejje Lage sich noch .mehr zu verschärfen. Man sieht die, Bildung einer jüdischen Agency mit einer faktischen Diktatur der Assimilanten voraus. Es fällt damit auch' die letzte Fiktion eines politischen Willens im ZiorsisrnuH weg. Welche Forderungen der Kongreß künftighinauch erheben wird, auch wenn die Exekutive sich mit ihrer ganzen Kraft dafür Einsetzen wird, sie wird auch in diesem Falle die Verwaltung nicht mehr berichtigen können, wenn der Assimilationsteil der Agency.seine Zustimmung dazu nicht wird geben wollen.- Das bedeutet augenscheinlich eine volle Paralyse der politischen Bewegung. Das stellt gleichzeitig an ein jedes loyale Mitglied der zionistischen Organisation eine ganz neue Frage. Natürlich muß eine Loyalität zur eigenen Organisation bestehen. Aber diese Organisation verpflichtet sich, von nun an keinen Schritt ohne die Zustimmung von Joint, I. C. A. und anderen zu unternehmen. Muß sich nun die Loyalität des SchekelzahlerS auch auf den Joint, auf die Alliance, auf den Hilfsverein, auf die Aguda Israel erstrecken? Ein zentralisierter politischer Wille ist natürlich eine vorzügliche Sache, aber nur dann, wenn er vorhanden ist. Dazu gehört ein souveräner Kongreß, eine Exekutive, welche im Sinne seiner Instruktionen handelt, eine ständige Kontrolle. Dort, wo dies alles fehlt, bleibt entweder etn Vakuum, ein gänzlicher Mangel politischen Handelns oder eine freie Ausstrahlung des politischen Willens von verschiedenen Zentren, welche genügen, um vielleicht eine gemeinsame Wirkung zu erzielen. Din» ffidlsdie Haus I as fddische Blatt S 9ns Soveaproblm w PalSstüm. Girre Konferenz der Sftrrreichifche« Zionisten. DivNstag den 28. April Md di« Fortsetzung der Speziattagung über daS Bodenpwbleiu *) itt Palästina statt. D« Teilnahme war wieder sehr stark. Die Tagung bewies, daß ernste zionistische Probleme «in willige- Ohr fmden und sächlich «behandelt werden. Zunächst erstattete Herr Dr. Ehaim Tartakower sein Referat. Er beleuchtet« das BodeirprMem vom nationalen Standpunkt. Der ZioniSnM sei eine Bewegung, die sich nicht auf den Boden der Tatsachen stellt, sondern die Tatsachen meistern will. In allen entscheidenden Momenten sei der echte BolkSinstinkt zur Herrschaft über die Stunde gelangt. Er erinnerte an die zweite Alijah, bei der der -wahre Charakter der zionistischen Bä.vegrrng, nämlich die Schaffung eines selbst arbei'tenden Volkes in alllen Zweigen menschlicher produktiver Tätigkeit, entgegen den damaligen Tatsachen des jüdischen Löbens sich Geltung verschaffte. Er erinnerte ferner an den Ugandastreit, wo aus tiefstem Instinkt der Zionistenkong veß es ivagte, das Angebot der englischen Regierung, das erste seiner Art, an die kleine zionistische Organifanvn mit Rücksicht aus Palästina abz-ulehnen. Er führte den Karrrpf in Palästina gegen die Alliance ivnd den Dartschen Schnkvevein um, die namens der TageS- Tttitettffcn der einzelnen Juden des Landes sür eine unjüdische Erzichtmg eintraten. Der Zionismus führte den Kantpf erfolgreich .durch, aufe der tiefsten Sehnsucht nach der Wiedergeburt unserer Sprache. Schließlich wies er auf den Kampf Brandeis-Weizmann hin, in tvellchsm Brandeis die zionistische Organisation mit Rücksicht vius die ellglis'che Verwaltung im Laude für überflüssig erklärte. Der gegentvärtige Moment erheische mehr als je, daß die Zionistische Organisation die Interessen der jüdischen Gesamtheit gegenüber den einzelnen Juden durchsetze. Die Situation dor Judenheit Polens beweise, wie falsch die Grundlage ist, aus der sich unser GoluSleben ausbaut. Wir konnten uns in Polerr so -lange .behaupten, als wir eine Lücke rm Wirtschaftsleben ausfüllten. Heute, da di« Polen einen eigenen Handwerks- und Kausmannsstand schaffen, sind wir ihnen lästig und die große Judenverfolgung setzte ein. Den Zionisten muß es daher klar sein, daß wir in Palästina eine andere Grundlage unseres'Lebens schaffen müssen, und zwar eine solche, die eine WiederherkMpsung unseres Volles mit dem Erdboden und der Natur ermöglicht. Daß wir fähig sind, Städte zu bauen, haben wir in der GoluSgeschichte wiederholt gezeigt. Auch in Palästina vermochten wir es, aber der Zionismus tüwf sticht aus dem Auge verlieren, daß Wist die jüdischeste Stadt der Welt, Del-Äwiw» vorläufig aus Sand gebaut ist, da das starke Anwachsen der Stadt in erster Linie eine Bereicherung' und Stärkung deS arabischen Elementes bedeutet, btt die Araber für’ Sandwüstengewaltige Summen einhermsen und zum größten Teil die jüdische Stadt DÄ-Mwiw mit Lebensmitteln versehen.' Referent Weilst auf bis letzte Rede des Koloniem Ministers A jn«ry hin, der. den Juden Tel-AwiwS empfahl, eine landwirtschaftliche Zonein der Stadt zu errichten. Wie dringend das jüdische Voll einer diesbezüglichen Umschichtung bedarf, könne aus dem Vergliche Mit anderen, gesünderen Bollern ' ersehen werden. Die Wiener nichtjüdische Bevölkerung, die doch noch sehr normale Beziehrmgen zum Boden und zur Natur hat, empfindet heute irach einer schr kurzen Trennung von dem Loben im Schoße der - Natur ein Bedürfnis nach Umschichtung. Giöbzigtäüsenb Familien siedeln sich in der Umgebung Wiens an, um wieviel stärker «also muß dieses Bedürfnis für uns Juden bestehen! Aus diesem Instinkte heraus sei ja die EMstzbewegung in unserem Volke entstanden, der die Möglichkeit, zum Boden vorzudringen, durch die Zionistische Organisation gegeben werden muß. 14.000 Ehaluzim harren der Ansiedlung in Palästina. Dieses Verlangen nach der Umschichtung hohe Minder hetzten Zeit auch Erwachsen« ergriffen: Juden aus Polen, die ihre Handels- und Dermittlungsberufe auf« geben, der Anziehung Tel-Awitivs -und der anderen jüdischen Städte widerstehen und sich landwirtschaftlich anstedoln. Di« Zionistische Organisation muß im Auge behalten, daß Bodenspekulation nicht produktiv ist, sich vielmehr zwischen dem Boden und den produktiv Arbeitenden stellt. Die BodeNfpÄuvatton behindert juist jene Elemente, die im tiefsten Sinne des Wortes an der Renaissance unseres Volkes wirken wollen. Der Zionismus hat den «nationalen Charakter unserer Siedlung zu wahren und der Keren Kajemeth ist die Institution. welche, .wir möchten sagen, den mystischen Zusammenhang Mschon Volk und Land wieder hequstelle« hat. Di« Geringschätzung der Leistung des Keren Kajemeth l'Jfrael ist -nicht begründet, denn die Arbeit für diesen «nationalen Fonds ist kaum in den Anfängen, trotz des zwanzigjährigen Bestandes des Keren Kajemeth ^Israel. ES genügt, daraus hinzuweisen, daß zum Beispiel bei den 50.000 Wiener jüdischen Familien wum über 5000 Büchsen angebracht sind und daß die in Oesterreich Angeführte Selbstk-ontingentierung tarnt einen Bruchteil der Zionisten umfaßt. Das Interest« für den Keren Kajemeth ist im Steigen begriffen, was aus dein Entstehen neuer Formen der Betätigung für den Keren Kajemeth l'Jfrael hervorgeht: Eine Wiener Chetvra Kadi schal; hat anläßlich ihres 00jährigen Jubiläums 30 Dunmn gespendet, mit der Bedingung, daß Kche ,Wiener Morgengestuns" fett» M. «WL.W das hiefür einzuka-ufende Stück Boden für alle Zeiten mit dem Namen des Vereins verknüpft sei. Ein GesinnungS. genoste hät sich bereit erKärt, 50 Dunam Boden in einer Arbeitervorstadt PalSstmas zu erwerben, unter folgenden Bedingungen: Ueber. die Hälfte des Bodens solle der Keren Kajemeth a priori verfiigen können, für die andere Hälfte will er sich und feiner Familie -das Ansiedlungsrecht resewiereu, das jedoch mit so lange zu dauern habe, alS die Kinder deS Spenders in Palästina leben wollen. Es habe den Anschein, daß die bereits tot geglaubte Idee land mannschaftlicher S iedlu nge n unter dein Einfluß des verstärken Palästinaintercsses wieder anfznleben beginne. In Wien entstand in der letzten Zeit eine Chaluz bewegung, di« schr vieles zur Hdsnistischen Belebung .Ser Ortsgruppen und Sektionen beiträgt. Es wird jetzt Aufgabe der Verwaltung des Keren Kajemeth sein, dem Bedürfnis nach Stiftung von Boden Dr solche Gruppen entgegenzukommen. Rudolf Steiner behandelte seinen in der „Wiener Morgeuzeuuntz" vom 27. April veröffentlichten Vorschlag, betreffend owe Anleihe und stellte folgenden Antrag: „Tie Konferenz erklärt, das ihr vorgelegte Projekt einer festverzinslichen Prämienanleihe als geeignetes Mittel zur Behebung der Bodennot anzuerkennen und der Exekutive die rascheste Durchführung dieser Anleihe zu empfehlen." Ueber Antrag. Picker wird diese Resolution der NationaffondSkommiffwn zürn Studium übevwiesen. Leo Kaufmann: Dir Bodenfvage muß man unter, dem Aspekt der gesamten Entwicklung deS jüdischen Palästina betrachten. Di« «außerordentliche Steigerung des Tempos der Einwanderung hü-t die Gefahr mit sich gebracht, daß der Galuth ans Palästina überpflanzt wird. Der Sink des Zionismus ist die Herbeiführung einer vollständigen Umschichtung des Judentums aus palästinensischer Scholle, die Erzielung eines geschlossenen, nicht mehr zu entwurzelnden jüdischen Produllionsprozessts. Wahrend früher die Aufgabe der zionistischen Bewegung verdunkelt war, ist jetzt die Aufgabe, den oben ge^euiHeichneten Zustand herbeizuDhren, klar umschrieben. Es ist wohl richtig, daß man der Bodenspekulation nicht das Attribut ,/gewissetÄos" geben kann. Aber da die Bodenspekulation eine große nationale Gefahr ist, muß man sie durch Erweckung des nationalen Verantwortungsgefühls einzüdäMmen trachten. Man halte sich'doch vor Augen, daß die Judenstadt Tel- Awiw immens wächst, datz aber gleichzeitig 'die Landwirtschaft nicht gewachsen ist. Stärkung des Nationalfonds, Kontrahierung einer Anleihe, deren Form ernstlich durchbevaten werden muß- und Ankauf von Reg-ierungsböden, wie eß zmn Beispiel die Negewböden sind, seien Mittel zur Linderung der Bvdennöt, Mr v-ußerst wichtig Mt Kaufmann, datz -di« chaluzischen Elemente den Primat bei der Änsiedlung behaupten. Mch Mett Echchnvttgen tM Lande sei die Ansiedlung vött klsinbürgsklichdtt (bülMtischen) Elementen ei-Äe schwirre Belastung' und n«icht'ausfichtsreich. Zur Umschichtung Ln landwirtschaftliche Berufe seien nur junge Elemente Lau>gl-ich, die eine entspvechende EchiehUngSPeriode hinter sich haben, Granwalb legt eine Reche von ResölNtiönen vor, die er eingehend begründet. Er betöNt hauptsächlich die Notwendigkeit und Mägflchksit eiM Anleihe zugunsten des Keren KüjeMeih ünld Nnterstveicht die dringende Notwendigkeit der Mitarbeit astet Zionisten Dr den Keren Kajemeth. und Mtr in der Form der SoWsttontingentiernng. M. A. Tennenblatt verteidigt die P. L. D. C. gegen die im Laufe der Tagung Vovgebrachten Anwürfe. In Palästina erkenne man die Notwendigkeit, den Boden in jüdischen Besitz zu bringen. May könne jedoch nicht warten, bis der Keren Kajemeth' genügend Mtttel habe. Die P. L. D. C. biete jeden Bode», den sie erwerbe, dem Keren Kajemeth an. Er äußert.die Meimmg, daß die Chaluzkolonisation nicht zum Ziele führen könne, Werl die nationalen Mittel Dr die Ansiedlung der vielen Ehaluzim nicht ausreichend seien. Man muffe daher großes Gewicht aus die besitzenden Elemente legen, die ebenfalls zur Landwirtschaft drängen und eigenes Geld -in die Mrtschast investieren. Auch müsse mit aller Kraft daDr gesorgt werden, daß unsere Kolonisation billiger sei. Daß so Manche Inden in Palästina Bodenspekulation treiben, ist zum Teil dadurch verschuldet, daß sie keine Möglichkeit haben, neben ihrem eigenen Kapital entsprechende Darlehen zu bekommen und produktive Berufe zu' ergreifen. In dieser Beziehung müßte eben die Zioni. stlsche Organisation Slbhiffe schaffen. Dr. E. M. Zweig führt aus, daß schon unter den heutigen Verhältnissen eine Möglichkeit besteh«, gesetzliche Maßnahmen gegen die Bodenspekulation zu treffen. Solche Maßnahmen sind in einzelnen Gemeinden teilweise bereits durchgeführt. So müssen Leute, die unbebauten Boden besitzen, jährlich 3 Pfund an Steuern an die Gemeinde bezahlen. Der Keren Kajemeth sei eine Jnstitutiondes Üaa&tft BslisS. m iänns tzahsx kiszelH«