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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-03 · Heft 2227 (3.5.1925) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2227 (3.5.1925)
Date
1925-05-03
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 0227 ©fett, Sonntag gBtettet Moraenzettmn. 3. Mar 1926 Seit« 7 L FOR DAS HEIM bieten meine Spezlalhäuser eine überwältigende Auswahl aur Neueinrichtung und Ausschmückung* Die Preis« meiner Häuser Ist bekennt« Der Düte meiner Dualitäten verdenken meine Häuser Ihr stetes Wachstum htm auch int Fahrplan: Morgens noch im Millioneirstadtsiarrb, im .Häuferdrmst, zum Gabelfrühstück tit der HochgebirgSmeierei. Zwei «Munden Eisenbahn? Nein, eine Arrtospazierfahrt. In einer Landschaft, die geographisch, geologisch, klimatisch echteste Natur ist, bleibt man durch Telephon und Tellegraph mit Wien verbunden, Geschäfts- und Alpenwelt, sie scheinen sich zu fliehen, und haben sich, ehe man es glaubt, gefunden. Wer in Wien Finanztransaktionen, Geschäftsinteressen sucht, braucht durch die Aussicht auf den ewigen Schnee nichts zu versäumen. Er kämt beistahe durch den Nahsprecher nach Wunsch spekulieren und konferieren. Deshalb konnte der Berg in der Inflation das Bedürfnis der Wiener und Fremden, das Geld auf die mögllichst angenehme Art zu verdienen, wie kein anderer Kurort befriedigen. Deshalb wurde er auch, wie kein anderer, von den Inflationsspekulartten überschwemmt. Und deshalb, weil seine Romantik, seine Tradition, seine Poesie damals stark mit Börsenkursen und Schiebergefchästen amalgamiert, der Luxus oxidiert, als diese zweistündige Entfernung lvon Wien durchaus kein Hindernis war, in glwei Minuten drei Vermögen zu verdienen. Daimals stieg der Berg. In der Frequenz, in dett Preisen. Und geriet in den Ruf, daß ihn nur Milliardäre (im Auto) erklimmen könnten. Er rückte — damals — von den Wienern ab, gegen die Grenzen der «schweren Valuten, die Wien und die Wiener Umgebung besetzten. Seine HotM gerieten in den Ruf, für Steuer- und Gefällskontrollore schwerer erreichbar KU fein als die Wiener Hotels. Wir sprechen, was tticht erst bemerkt werden muß, von dergangenen Zeiten. Die Bewohner der Fürstenzimmer sind, obgleich sie die Berge nur vom Rauch- oder Musiksaklon sahen, abgestürzt. Sie haben ihr Geld, das Fürstenzimmer und das Auto, das scheinbar so fest in ihrem Besitz, verloren. Und mit dem Fallen der Börsenkurse begann wieder die Qualität des Berges zu steigen. Er hat an Komfort, an Luxus, an Reiz der Landschaft keinen Kursverluft erlitten. Me Preise stabilisierten sich. Und es stabilisierte sich auch 'das Publikum wieder. Die Sportjugend kehrte ebenso zurück wie zumindest der besser situierte Mittelstand. Es kamen wieder die Ministerialräte, die Politiker, die Advokaten, die Aevzte, die Kaufiente. Und nicht zuletzt der distinguierte Fremde, der nicht mehr durch die Inflationsflut aus den Tiefen hevaufgeschwentmt wurde. Mag sein, daß heute am Halse der Dinningroom-Besncherinnen wenider Perlen strahlen. Es sind Perlen, die nicht zu zittern brauchen. Gräbt man tiefer out die chronologischen Schichten des Berges, fo findet man ein historisches Wien: Staatsmänner und insbesondere eine reiche Auswahl an k. u. 'k. und k. k. Ministern. Alle Titell, von der Exzellenz abwärts, alle Parteigrößen des alten Parlaments und des Herrenhauses, der Aristokratie, vom Baron aufwärts, die Offiziere mit Apanagen oder Privatvermögen, Fabrikanten und Kauf- Leute aller Branchen. Die Exzellenzen haben den Berg, offiziell, zu hochnotipeinlichen Konferenzen, und lediglich zu Urlaubszwecken, als die Zeiten noch idyllischer und ruhiger waren, im Touristenauzug mit Nagelschuhen bestiegen. An einem Sommertage, mitten im besten Alpenglühen, zer- Dochter gelben, ausgesorgt hätten Feiwel und wir gehabt «und — da bringt er eine solche Schande über «unsere Köpfe. Ich Hab' immer gesagt, aus Feiwel wird in seinem Geben kein Mensch werden!" ,Mas redest du für dummes Zeug zusammen, du Schafskopf!" schrie Sure ihren Mann an. Herr Ghrenreich schreibt, daß er morgen kommen werde und fordert, daß Feiwel Frieda schleunigst heirate. Gottes Wege sind «unerforschlich. Warst -du nicht stolz darauf, daß Ghrenreich sich mit uns verschwägern «will? Na also! Geschieht jetzt was anderes? Nein! Was schreist du also?!" Feiwel, der jetzt ins Gebet genommen wurde, schwört alle heiligen Eide, daß ihm ein Scheker Bilbul, eine Bervenmduug, atlfdisputiert «werde. Zum erstenmal in seinem. Leben wagte es Feiwel, eine eigene Meinung zu Haibon. Er erklärte, unter keinen Umständen die Verfehlungen eines leichtsinnigen Frauenzimmers ans sich zu nehmen «und ihren Fehltritt gewissermaßen entschuldbarer erscheinen zu lassen. Mayer Ehrenroichs Ankunft in der Keinen Stadt wirkte wie eine große Sensation. Mart beeilte sich, die glücklichen Eltern Feiwels zur artsgezeichneten Partie zu bsMckwünschen. Im Hause Nutes des Schneiders war art diesen! Tage ,/Tischa beaiv". Ghrenreich nannte Feiwel einen gewissenlosen Lumpen, einen „Gottsfopper", der ein ' anständiges jüdisches Mädchen ins Unglück «stürzt, Sure weinte, Nute brummte ungläubig, während Feiwel enirüstet schrie, daß er sich nicht als «Sündenbock mißbrauchen lasse, daß Herr Ghrenreich sich besser mit dent Herrtt Oberlehrer artsoinaudersetzeu möge. Als Mayer Ghrenreich iu die Ieschiwähstadt znvückkchrte, ließ er jedem, «der e's wisserc wollte, verkünden, daß er über Feiwel und seine Familie die besten Auskünfte erhalten habe und Feiwel als sein zukünftiger Schwiegersohn anzusehen sei. Da aber Frieda noch nicht einwilligen wollte, habe er sie zu einer Tante geschickt und mit Feiwel besprochen, seine Studien in einer größeren Ieschiwah zu vollenden. Korklinoleumreste Alle Breiten, per 1 m3.. . K 60., K 55.— Korklinoleumreste m. durchgehendem Muster, unabtretbar, per 1 m* K 105.— Englische Möbelkretonne 75 cm breit, echtfärblg, durchgemustert . . 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Dennoch sind die Aktiven des Berges gestiegen: Einer seiner wertvollsten Schätze: Der Wintersport ist ausgebaut und in erhöhtem Maße verwertet worden. Eine Folge der sportfreundlichen, sporttreibenden Zeit. Die Semmeringinteressenten klagen: Der Ort leide darunter, daß er in Oesterreich siche. Dadurch sei er von dem österreichischen Schicksal, verkannt und unterschätzt zu werden, betroffen. Keine andere Großstadt sei von dem Glücke begünstigt, das Hochgebirge gewissermaßen als Vorort einvevleiben zu «können. Als Sommerort und Wmteraufenthalt für jene, die den Frieden der Alpenglocken, wie für die anderen, die -das Glockenläuten der Table dlhote suchen . . * _ Der Pfründner Zeidler als lrrünnig erllürt. Wie seinerzeit berichtet, hat sich der wegen Mordes schon abgestrafte und dann begnadigte 67jährige Pfründner Karl Zeidler im Wachzimmer. Salzachstratze mit der Selbstanzeige gestellt, er habe das 18 Monate alte Töchterchen Margarete seines Quartiergebers Richard Z ö h r e r bei der Floridsdorfer Brücke in den Donaustrom geworfen» weil ihm in der Wohmlng 490.000 K. aus dem Versteck in der Zither verschwunden feien. Zeidler widerrief später sein Geständnis, behauptete erst, das Kind sei von seinem müden Arm in die Donau geglitten; noch später stellte er die Behauptung auf, er habe das Kind verschenkt. Nun ist, wie wir erfahren, das Strafverfahren vom Landesgerichte gegen Zeidler eingestellt worden. Der Mann wurde wegen Altersblödsinn nach dem Steinhos gebracht. Sin Gespräch mit Jakob Fischmann. Eindrücke von der Jerusalemer Feier. — Der Zionismus in den Bereinigten Staaten. Der Chefredakteur des „Jewish Morning Journal", Herr Jakob Fisch mann, ist eine der markantesten Persönlichkeiten «des jüdischen Amerika und einer der verantwortungsvollsten Zionisten. Cr hat an der Eröffnung der h ebrä i schen Universität in Jerusalem teilgenommen und stand als einer der angesehensten Publizisten mit den großen politischen Persönlichkeiten während der ganzen Zeit der Eröffnungsfeierlichkeiten in engster Fühlung. Es war daher naheliegend, ihn anläßlich seiner vorübergehenden Anwesenheit in Wien über seine Eindrücke zu befragen und die Gelegenheit wahrzunchmen, von dieser authentischen Seite Näheres über die Zionistische Bewegung rn Amerika, ihre Entwicklung und ihre gegenwärtige Richtung zu erfaihren. Nachstehend geben wir im wesentlichen wieder, was der geschätzte Gast einem unserer Redakteure mit« teilte: „Die „Wiener Morgenzeitung" hat ihre,: Lesern ausführlich über das große Ereignis «berichtet, und ich kann es mir ersparen, zu bekräftigen, daß die Univerfitätsfeier sür alle Jude«' der Erde ein großer und beglückender historischer Moment war. Ich hielte es sür geschmacklos, zu wiederholen/ was über den Verlauf der Festlichkeiten oft und wirkungsvoll berichtet wurde, und beschränke mich auf ergänzende Mitteilungen/ die mir nicht unerheblich scheinen und die das Gesamtbild «in mancher Hinsicht vervollständigen. Ich glaube, Weizmann selbst hat leinen solchen Erfolg nicht erwartet. Wir wußten alle: das Wort „Eröffnung der hebräischen Universität" klingt ein wenig verstiegen, hochstaplerisch. Es lag die Sorge nahe, daß die Gäste beim Anblick der bescheidenen Gebäude am Skopusberge enttäuscht sein und sich „geblufft" sehen würden. Aber es trat das Wunderbare ein, daß die Geringfügigkeit der Baulichkeiten übersehen und die Ansätze, die noch winzigen Ansätze des großen Werkes, dom die Feier galt, nicht kritisch gewertet wurden weil alle von dem Gefühl erfüllt waren, einem wirklich h i st o r i s ch e n Ereignis b e i z u w o h n e n. Schon der Zug zum Skopusberg war .überwältigend. Einen solchen Zug hat man in Jerusalem seit Menschengedenken, nicht gesehen. Auch viele andere Großstädte dürften eine solche Menschenwanderung in ihren Annalen kaum verzeichnet finden. Ueber 3000 Autos fuhren zum Skopusberg, von den anderen Fahrgelegenheiten nicht zu sprechen Wir hatten in jeder Beziehung Glück. Während «der Eröffnungsfeierlichkeiten war prachtvolles, sonniges Wetter, am nächsten Tage brach ein Unwetter los; hätte das schlechte Wetter am Eröffnungstage geherrscht, wäre die Feier im Freien unmöglich gewesen. Dafür brachte der Sturm des nächsten Tages starke Regengüsse und es wurde der bereits sehr empfindliche Wassermangel behoben. Nach dom Aberglauben der Avaiber gilt «derjenige als großer Mann, bei dessen Einzug im Lande der Himmel hell ist, der aber doch „Regen mitbringt". So hat die Wetterkonstellation die arabische Bevölkerung für Balfour eingenommen. Ich kann Ihnen nur versichern, daß dieser Greis auf de»' Tribüne des Skopusberges tatsächlich den Eindruck eines Propheten machte. Und Herbert S amuel hat sich in seiner denkwürdigen Ansprache nicht nur als großer Politiker, sondern als einer der größten und wertvollsten jüdischen Zeitgenossen erwiesen. Beim Anblick dieser wirklich herrlich inszenierten Feier und bei der Bege.gnung mit diesen großen Menschen betrachtete niemand die Ansätze zur hebräischen Universität mit kritisch prüfendem Auge und keiner sprach davon. Nur Weizmann war taktvoll genug, zu betonen, daß das Wort ^Universität" nur symbolisch zu nchmen sei. . Die Feier am Skopusberge war übrigens nur der schöne und wirkungsvolle Prolog. Politisch wichtiger war das Banket^ am nächsten Tage. Ich erinnere an Lord Allebhs bedeutsame Rede, in der er sich zum ersten Male kategorisch zum Zionismus bekannte; daß der Vertreter der niederländischen Regierung hebräisch sprach und «daß der polnische Konsul in seiner Rede niemals das Wort Palästirm gebrauchte, sondern stets ,/Erez Israel" sagte, sind bemerkenswerte Details. Nicht minder wichtig als dieses Bankett war die Stunde, da nach der Eröffnung des Einstein-Instituts W Vertreter von Universitäten im GouvernementsgMude ihre Begrüßung schriftlich Merreichten. Ein bezeichnender Dialog sei festgehalten: Storrs brachte eine Entschuldigung vor, weil er seine Begrüßungsurkunde in lateinischer Sprache. alb-gefaßt habe, Magnes antwortete: ,M stört uns nicht; wir Juden haben in diesen Jahren der Erneuerung auch schon an Titus «vergessen." Der Epilog war die Reise Balfours durch die Kolouien. Ich bin Augenzeuge, daß Balfour tatsächlich von dem Anbliä der jüdffchen Siedlungen und von der Begegnung mit den usuell jüdischen Menschen überrascht und gerührt war. Und-ich holte es für eines der größten und wichtigsten Ergebnisse .Universitätsfeier, daß der Eindvu-ck, den die

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