Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2227 (3.5.1925)
- Date
- 1925-05-03
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981312--22664-3010101- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Wiener Morgen-ettung. Gm 8 Dien, Sonnig geb Nisse der tzislicriacu zionistischen Arbeit iltl Lande auf untere <Hiiiti' nt iidi! c n. u n ' er S «I fo ft ö « r t r ft u c n ae’"tftvft!) a f. Ein den bedeutendsten Pcrsönlichkeilen. 'die an der Eröffnung»- seien teilnahmen, zählt mu»tt«ttrc»»vrr .VNoemelne Ki-.ikNie!iver!?!c!iemne8Ai!5t.iIt Wien, I. Bösendorferftlr.a / Fernspr. .r>1027 u.57125 \ der Schweizer Professor Roppord. Ich reiste mit ihm und ich kenne :1m als Skeptiker. Täe SteF lung, die er früher zum Zionismus einacnommcit hatte, ist durch ddn Satz charakterisiert, den er mir gegenüber einmal gebrauchte: ,^Der Zionismus ist die nnnormale Lösung für eine unnormale Frage." Jetzt bat sich Professor Rappard selbst ein Urteil gebildet. Er hielt sich nirgends an die offiziellen Führer, suchte sich selbst dre Menschen heraus, mit denen er sprach. Sie wissen, zu welchem außerordentlich günstigen Resultat dieser überaus kritische Mann gekommen ist. Die Lage in Ere; Israel haben ihn veranlaßt, die zionistische Lösung nickt mebr als „unnormal" anzusoheu." Ueber Amerika sagte Mr. Fisch mann: .Man hört vielfach den Vorwurf, daß sich in Amerika der ZioniSinus nicht vertiefe. Er ist unbegründet. Wenn man für eine Sache Geld gibt (inebcs'.mdcre tuenn Juden für eine Sache Geld geben), dann vertieft man sich in die Sache. Die amerikanischen Zionisteit beschäftigen sich jetzt ganz besonders intensiv mit dem Jugcndproblem. Daß man es so ernst nimmt und die wichtigsten Kräfte cinsetzt, dieses brennendste zionistische Problem zu lösen, ist ein Beweis für die Vertiefung des amerikanischen Zionismus. Auch hatten wir niemals in den großen nordamerikanischen Städten den starken zionistischen Einfluß erlangt, der setz: am Werke ist, wenn wir ..oberflächlich" geblieben wären. lieber die Frage der Erweiterung der Jewish Agency oat man bei uns nicht sehr viel diskutiert. Dies erklärt sich daraus, daß wir in Amerika Wohl indifferente Elemente, aber keine aktiven A ss-im 11 a tt t e it haben. Die Gefahr, daß die Vertreter der anderen Gruppen das nationale zionistische Werk gefährden könnten, war von vornherein nicht gegeben. Es haben ja bereits amerikanische Gruppen, die außerhalb u-m strer Reihen stehen, in Palästina gearbeitet, wie zum Beispiel die Benderly-Gefeilschaft, und es ist von großer Wichtigkeit, daß alle ökonomischen Unterirchmungen mit uns Zusammengehen. Wir amerikanischen Zionisten wünschet! die Erweiterung der Jewish Agency, weil man in Amerika beson- )ertes Verständnis für Disziplin und Organisation hat. Durch die Erweiterung der Jewish Agency treten keine so ausschlaggebenden Veränderungen ein, wie die 'Kritiker dieses Planes, S ol-owc i tj ch i k, Grünbaum und Stricker, es vermeinen. Die Zionistische Weltorganisation haben wir immer als eine „Conditio sine qua non" vetrachtet. Wir Zweifeln nicht, daß unsere Organisation mch nach der Erweiterung der Agency vollkommen intakt bleibt. Gegen den Vorschlag, den Louis Brandeis im Jahre 1921 machte, sind wir ja deshalb ausgetreten, weil die Durchführung seines Planes die Auslösung der Zionistischen Organisation ooraussetzte. Wenn jetzt die Brandts-Gruppe in die Agency rintritt, geschieht es unter anderen Voraussetzungen, und ihr Führer weiß, daß die Zionistische Organisation bestehen bleibt. Die Aussichten für das Zustandekommen der erweiterten Jewish Agency sind sehr günstig und es 'bestehen nur mehr SchwieriKeiten bezüglich des Schlüssels, nach welchem die Mandate an die neueintretenden Gruppen zu verteilen sind. Bemerken will ich noch, daß ,mm in Amerika das Eintreten in die erweiterte Jewish Agency nicht von dem Verhalten der Juden in anderen Ländern Zur Agencyfrage abhängig macht. Unsere amerikanischen Partner treten unter jeder Bedingung in die Agency ein, ohne Rücksicht, ob auch europäische nichtzionistische Gruppen Eintreten." Aus die Frage, in welcher Stärke die amerikanische Delegation auf dem Wiener Zionistentongrrß erscheinen werde, antwortete Fischmann: Mir sind derart mit Arbeit für den Keren Hajessod beschäftigt, daß wir nicht daran denken, unsere zionistischen Reihen durch sammeln von Mitgliedern" aufznfüllen, um eine größere Anzahl von Delegierten zu entsenden. Aber der Keren Hajessod ist ein Korridor für den Zionismus. Durch die angestrengte Keren-Hajessod-Arbeit haben wir diel NYOIBMR.AU8ST8LLUNG, KOJE 34 Ocfchlftsstellen In: Grax, Ktananfurt, Lina« Saiiburg, Innabrueh, Bregen«, St. PSIton, Kram«, Wlanar-Nauatadt Durdiii'ihriin" von VcrsicherunRen auf Tägliche* Krankengeld Operation* koste n- und Spltalsverpflegskostenersatx Freie Aeritewa hl V 0174 .X neue Menschen zionisiert und die Organisation ist infolge der Arbeit des Keren Hajessod um -0.000 Mitglieder gewachsen. Was die jetzt akute Frage des anzusiedelnden Menschenmatcrrals betrifst, vertreten wir die Ansicht, daß nach Palästina auch Inden mit Kapital als Pioniere einwandern müssen. So war;> gewiß segensreich, daß der Bostoner Jude S ch n l m a n n in Haifa, der Znknnftsstadl von Palästina, ein großes Grundstück gekauft hat, tun dort ein Gcschästsviertel zu errichten. Es ist auch zu wenig bekannt, daß setzt schau jeder dritte amerikaniscl>e Zionist Palästina bereist har. Wir werden tricht überrascht sein, wenn in den kommenden Jahren zur Pessachzeii 10.000 amerikanische Touristen Palästina besuchen. Se'egiertenrat der österreichischen Monisten. Mittwoch den 29. April tagte der Delegiertenrat der österreichischen .Zionisten. Es lourden eingchende Referate über den Ziand der Nati onalfouds-arbeit und der Arbeit für den Keren -Hajessod in Oesterreich erstattet. Der Leiter des Keren Kajemeth in Oesterreich. -Herr Doktor Tartakower, berichtete, daß während der österrcichischert Keren-.hcrjessod-tLlk tion auch ganz besonders günstige Resultate für den Jüdischest Nationalfon-ds erzielt wurden. Die vorn Nationalfonds gerade ' m dieser Zeit erlangte R e k o rd e i n na h m e ist ein Beweis dafür, daß bei richtiger Auffassung der Zwecke der einzelnen Fonds und bei richtiger Arbeitseinteilung beide für die jüdische Heimstätte überaus wichtigen 'Finautzinstrumenle sich günstig entwickeln. Dr. Tartakower besprach ferner die neuen Aufgaben des Indischen. Natlionalsonds, die sich aus dem brennend gewordenen Bodenproblem ergeben, wies auf die Wicht'gkeit der S e l b k o n ti n g e n t i e r u ng hin und besprach das 'erneute Bedürfnis nach Errichtung von L a u d s m a -n n s cha f t s s i e d l u n g e n. Ter Leiter des Keren Hajessod, -Herr Dp G e l h c r. besprach die günstigen Ergebnisse der österreichischen Keren-Hajessod- Äkktion, die in diesem Blatte bereits veröffentlicht wurden. Der Delegiertenrat sprach anläßlich der erfolgreichen Durchführung der österreichischen- Keren-Hajessod-Aktion der Beamtenschaft der vereinigten zionistischen Bureaus, ins-besondere aber dem Leiter -der Aktion, Generaldirektor Dr. N. M. Gelbe r und Herrn Dr. Otto A b e l e s, Dunk und Anerkennung aus. Für die nächsten W-ochen -wurde die Abhaltung eines Schekeldriv c beschlossen-, in dessen Verlauf das österreichische Schekelton-tildgent von 30.000 Schekel anfzubringen ist. Krieg gegen Wische Grabsteine. Der Friedhof von Bonyhad. Airs Budapest wird uns geschrieben: „VUag" -i.nd „Egyenlöseg" brachten im Oktober 1963 Berichte über einen Vorfall, der sich im jüdischen Friedhöfe von Bonyhad zuget-ragen hatte. Tonmach hätte eine Anzahl von jungen Leuten umn'itteliba-r nach der Mhal-tung ci-uer Feier des dortigen Vereins der Er- »vacheliden Ungarn die Grabsteiire im jüdische-n Fr i e dh ofe aus der Erde gehoben und mit Inschriften schmähenden Inhalts versehen. „EgtMöseg" fügte diesem Berichte hinzu: „Die tvanrigen Helden dieser Abscheulichkeiten konnten nunmehr mit Recht lder Budapester Zentrale -nr der Sörihazgasse die Mekdrng ersta-tten, daß die besiegten Grabsteine nnumchr Kn ihren Füßen -liegen." Der Verein der Envachondon Unigamr in Budapest sowie auch die Bonyhader Gruppe des Vereins » » 8 i ■ 3 ■ S Onfi Anglo-Danubian Lloyd ALLGEMEINE VERSICHERUNOS-AKTIEN-GESELLSCHAFT DIREKTION: WIEN, I. ASPERNPLATZ NR. 1 TELEPHON 55 S» 20-61 Uebernimmt zu den kulanteslen Bedingungen: 1. Versicherung gegen Feuer-, Blitz- und Ex plosionsschäden 2. Chomage- (Betriebsstillstandsu. Gewinstentgang-) Versicherung 3. a) Land-, See- und Fluss-Transport-Versicherung b) Land-, Seeu. Fluss-Casco-Versicheruug c) Valoren-Versicherung 4. Automöbilversicherungen aller Art Spezialität: Auto-Universal-Versicherung 5. Einbruchdiebstahl-Versicherung 6. Kautlons- (Veruntreuungs*) Versicherung 7. Unfall-Versicherung 8. Haftpflicht-Versicherung Bts*9ffKSBxag«MMaaaMmaaMMaaaaaeauwuuiraMi ans ■s 8 8 8 l 3. Mai IM 3(*. HM -——————-- —..—--— ■" 1 V und deren Präsident belangten dcShavb die beMm gvMMkea Matter wegen Verleumdung. Zn Beginn der hierüber beiim Strafgerichtshvf stottge« habten Verhandlung gab der Mitarbeiter der Mag, Wm Fotz o r, die Evk-lärnng ab, daß er dem Vevsin der Erwachenden Ungarn in keiner Meise nahetreten wollte, »vovans klägevischer Vertreter Dr. Stephan Kißely die Klage zevückzog, der Gerichtshof aber das Bevfahvsn gegen Dibor Fvdor entstellte. Zweitangeklagter Dr. Ludwig Szab ol csi, Netzaktsu-r des „Egpcitlöseg", war nur in dom Falle geneigt, eine ähnliche Evklärnng abzngebcn, wenn der Vertreter des Vorarns der Eowachendeit Nngarn hier ansdrücktich erkläre, daß der Verein der Evwachenden Ungartt solchen Gemvinheiten vollständig fernstohe und diese entschieden ntißjbillrge. Da Dr. Kißely eine solche Erklärtlnp nicht abgeben wollte, wurde die Verchatldlung gegen Doktor Szabolosi fortgesetzt. Angeklagter Dr. Szabolcsi sagte, er habe «dm iwkrimrniierten Bericht Än öffentlichen Jntovesse geschrieben. Sein Verteidiger Dr. Ernst Ballagi berief sich mff eine Anzahl vmr Urkunden, um deren Bevles-ung er bat, ferner bat er um Vernehmung mehrerer Zeugen, die voit den hier in Frage konnnenden Vorfällen direkte Kenntnis besitzen. Privatklä ge rischer Vertreter Dr. Kißely widersetzte sich dieser Botvcisfiihrnng. Ter Gerichtshof ordnete daö BeweiSversahren ans der gan-zen Linie an und setzte den Tevntm der nächsten Vcr - ' han-dluitg ans den 38. d. fest. Mordversuch auf der Landstraße. Schüsse aus den Gläubiger. In dem Hause Lötvcngassc 35 hat sich gestern ein Bluttat abgespielt. Dort wohnen der 49jährige Hermann Rischelcs und seine 42jährige Gattin Rosal-ie. Gestern, abends gegen halb 7 Uhr, kam nun zu dem Ehepaar der Kaufmann Georg Kleibel, der Geldschitlden dem Rischelcs gegenüber hat. Man sprach über die.se Schuldest, es fam zit S t r e i t r g k c i t e n, in »deren Verlaus Kleibel plötzlich einen Revolver zog und gegetr das Ehepaar z w e i S ch ü s s e abfeuertc. Eine Kugel drang dom Rischel-es in die rechte Brustseite. Das Projektil blic'b ihm in der Brust stecken. Der Oveiie Schuß durchbohrte dcit rechten Ellbogen der Gattin des Rischeles. Die Rettungsgesellschaft brachte beide in das Rrrdolfsspital. Der Täter wuvde verhaftet, Kleibel gab bei seiner Einvernahme folgendes an: Er tvar in früheren Jahren Konditor, hatte jedoch seine Stellung verloren und tnnßte sich nunmehr als P o rtier in der Brigittenau seinen Erwerb schaffen. Er ist verheiratet.und wohnt zurzeit mit seiner Gattin im Hotel Nordwestbahn in der Taborstraße. Kleibel hatte » vor längerer Zeit von Rischeles einen Anzug gekauft und sich verpflichtet, den Gesamtbetrag in Raten zurückzuzahlen. Im vergangenen Monat sollte er nun die letzte Rate begleichen und »var sehr erstaunt, als chm Rischeles mitteilte', daß das Schuldenkonto noch nicht erschöpft sei. In der Zwischenzeit hatte nämlich Frau Kleibel, ohne ihren: Gatten, hievon Mitteilung zu machen, Kleider erstanden und ivar die Kauffumme schuldig geblieben. Rischeles hatte den Betrag auf das Schuldenkonto des Kleibel geschrieben, ohne daß Kleibel hievon Kenntnis hatte. Als Kleibel die Geschichte echchr. erklärte er dem Rischeles, daß er Wohl zahlen werde, daß man sich aber auf Ratenzahlungen einigen müsse. Da der Kaufmann jedoch erfahren hatte, daß Kleibel die. Absicht habe, mit seiner Gattin in die Tschecho- Slowakei zu reisen, hatte er vor wenigen Tagen beim Polizeikommifsariat Leopoldstadt gegen seinen Schuldner die Strafanzeige Ivegen Verdachtes des Betruges erstattet. Kleibel wurde von Kriminalbeamten zum Kommissariat dorgeführt und hier wurde ihm auf Grmnd der Anzeige des Kaufmannes sein Reisepaß inVerivahrung genommen, mit dem Bemerken, daß er ihn aüsgefolgt erhalte, ivenn er seine Schulden getilgt habe. Daraufhin war dann Kleibel zu seinem Gläubiger' gegangen und hatte, ihn gebeten, da er in die Tschocho-Slowakei übevsiedeln wolle, um dort eine bessere Stellung zu erhalten, beinr Komnrissariat Leopoldsiadt zu bewirken, daß Kleibel wieder den Paß ausgefolgt erhalte. Rischeles erklärte sich unter der Bedingung hierzu bereit, wemr Kleibel sofort eine Mllion Kranen erlege. Kleibel konnte der Bedingung nicht entsprechen, und als seine nochmalige Vorsprache bei Rischeles gestern abends nichts fruchtete, voll brachte er die Tat. «ine Muttat in Lttatting. Die Lebensgefährtin erstochen. Gesternt gegen 6 Uhr früh hat der Mtsche-r Jos^f Hol» n e r, 16. Bez., Ncv'.seccgasse 28, in seirrer Wohnmrg, die er mit seiner Lwonsgofährtin, der Lbjährigen Privaten Karölim Schneider te»ilt, die Schneidsr im Verlaufe eines Streites mit einen: Küchenmesser in die rechte Rippenseite uächsi dem Schulterblatt und in die rechte HalSgegond gestochen. MI der KüchenlMesseMuge im Halse brach die Frau leblos zusammon. Der Arzt der Rettungsgrsellschaft konnte nur mch: den Eintritt des Todes feststellen. Frau Schneider lebte seit 14 Jahren Mit -Horner, zusammen. Ihre erste Ghe ifft geschieden. Daö Zusammen-' leben mit Horner gestaltete sich sehr unglücklich, da dieser, ein toc-gvn Diebstahl und öffentlicher Gewalt« tätigte it vorbestrafter.Mann, dem Dvrüke ergeben und sehr gewalttätig war. In der Wohmmg der beiden kam es wiederholt zu lärmenden Austritten. In der letzten Zelt hat, Frau Schneider ein Berhältiris mit einem Straßenbahnbedieusteten angoknüpst und hatte offenbar den Plan. M Hör,rer zu brechen. Gestern früh kam es zwischen beiden zv einem Streit, iw dessen Verlauf Horner die Tat beging. Ei» Rachbar hörte die Hilferufe der Fran. Als er auf den Ganz kam, sch er, ivie Horner ohne Uebevrock die Wchmmg verließ. In der Küche lag die Frau! in einer großen B l u t l a ch e »