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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-03 · Heft 2227 (3.5.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2227 (3.5.1925)
Date
1925-05-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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t mt. mi Wien, Sonntag Wiener WlatMnttUun*. 3. ffllai 1925 Sette A Dergijftrmg, welche die Methoden des Faszismus nicht de- Reinitz vor Gericht. Lar Sehelmair von Sratmar. fertigt, sondern noch gesteigert haben. Wird der Faszismus diese Krise 'bestehen können? Er wird vielleicht wieder eine außenpolitische Expanstonsbewegnng versuchen — schon jetzt hört matt Stimmetr von der „Superioriät Italiens im östlichen Mittelmeer". Wie immer ein solches Experiment aussehcn mag — es. stürzt Italien in neue Krisen, vor allem im Innern. Ter Faszismus mit seinen auf kurzsichtigetr Wirtschafts- Programmen ansgebauten Ideologien ist nicht imstande, aus Italien öa§ alte Gespenst zu bannen: den Hunger. Ein bezeichnendes Synrptonr für die Entwicklung der Dinge ist, daß der Faszismus heute gerade von den Kreisen mit besorgten Augen angesehen wird, die ihn iit den Sattel heben halfen: von .Handel und Industrie. Daran ändert auch nichts Prunk und Pomp der Aufzüge, welche der Drroe und seine Apostel veranstalten, tut: die Macht der Partei eindrucksvoll zu machen. In Genua sah ich eine solche Massenszene. Einen Tag, bevor der König kaut, um im Hafen eine neue Werft zu eröffnen und — bezeichnend '— idasDenkmal eines Generals ciuzulveih-en, -hielt der Generalsekretär der faszistischen Partei Farinacci „Heerschau" in Genna. Fahnen, knrulischer Stuhl, lärmende Begeisterung, Reden von: Balkotr, Bankette, Fackelziigc. Riesige Plakate hatten nur Begeisterung für „Alala (ein Klubname, nach italienischer Sitte populär zu machen gesucht) mit dem süßen Mund" geworben; sehr eindringlich und sehr metallen. Der „süße Mund" sagte: „Zwei Freiheiten... Ordnung irr Italien... der Faszismus hat weniger Opfer gefordert als die Kathedrale von Sofia... Disziplin... Aktion gegen die Reaktion..." Also Drohirng am Schluß. Und in Genua, d c m Hafen Italiens, kein Wort von Arbeit, von Brot. Wahrscheinlich hält es Farinacci nicht für nötig. Demi für den schlimmsten Falt — >m Golf von Genua kreuzt die italienische Flotte; sie hält demnächst Manöver. Die Fassadentünche des Fasztsmus. Nervi. Dr. Siegfried Schmitz. Sttafheihett für Bombenwerfer in Ungar«. Budapest, 2. Mai. Die Königliche Tafel hat heute das f r e i s p r e ch e n d c Urteil der ersten Instanz im Prozesse wegen des C s o n g r a d e r B ö m L e n a t t e nt a t e s mit der Begründung bestätigt, daß auch im Lrgänzungsverfahren die Einvernahme der Zeugen den Beweis erbracht habe, daß das Geständnis der Angeklagten erzwungen worden sei. Einer der Mitangeklagten im Prozeß wegen des Bomöenattentates gegen das E l i s a b e t h st ä d t c r Kasino Karl N e ß, der zur Zeit des Attentats Militärdienst leistete, war damals der Militärbehörde zur Aburteilung Übergeben und nach mehrnronatiger Haft bedingungsweise auf freien Fuß gesetzt worden. Vor einigen Lagen sollte ihm eine gerichtliche Vorladung zugestellt werden, doch war er unterdessen flüchtig geworden. Gegen ihn wurde ein Steckbrief erlassen. Der dritte Verhandlungstag (Mittwoch) sollte in die geheimnisvolle Woche Klarheit bringen, in der.Hermann Groß verschwunden ist. Am 1. August 1923 war, wie bekannt, Groß z u s a m m e n mit Reinitz von Szatmar abgereist. Reinitz behauptet, daß er am 8. August zusammen mit Groß nach Klausenbnrg gefahren fei, wo Groß den Brief an seine Frau aufgegeben haben soll. Ter Poli zei chef von F e l s ö b a n y a beschreibt, wie die Leiche des Groß gsfundetr wurde. Er stellt dann entschieden in Abrede, daß Reinitz während der Untersuchung geschlagen wurde. Reinitz, der dem Poltzeichef gegeuübergestellt wird, bleibt dabei, daß er von Mnreschan einige Male blutig geschlagen wurde, damit ihm ein Geständnis erpreßt werde. Der Beamte Bela Szasz fand im Bache irr der Nähe des Tatortes, beim Fischen einen Schlüsselbund, der sich dann als Eigentum des Reinitz herausstellte. Ter Gastwirt Weiß erkennt Reinitz als einen Gast aus dem Jahre 1923, der in Begleitung eines jungen Mannes bei ihm gegessen hat. Reinitz soll sich ihtn unter dem Namen Schwarz vorgestellt haben. Den jungen Mann hat Reinitz damals als taub ansgegoben. „War er ein Jude?" fragt der Vorsitzende den Zeugen. „Wahrscheinlich!" antwortet der Zeuge, „er hat mit dem Hut aus dem Kops gegessen und sich vorher die Hände gewaschen." Reinitz behauptet dagegen, daß er seinen wahren Namen nicht verschwieg. Der jutrge Mann habe Schwarz geheißen. (Die Anklage ist der Aufassung, daß der damalige Begleiter des Reinitz der wiederholt genannte Re i m ann, der.Spießgeselle des Angeklagten i-st.) Im Lause der Verhandlung stellt sich heraus, daß der ermordete Groß im ganzen von zwei Zeugen zwischen dem 1. und 7. August gesehen worden sein soll. Sie können aber n i ch t m i >t B e st i m m t h e i t angeben, ob er es wirklich«, war. Am 1. August war er bestimmt noch am Leben, weil an diesem Tage der Zeuge Kaufmann mit ihm im Bahnhof von Nagybanya gesprochen hat. Das Ze.ngenvevhör wird auch anr Donnerstag fortgesetzt. Der Konditor Ludwig Berger aus Nagybanya will zwischen dorn 1. und 10. August einen ungefähr 35jährigen, blonden Juden in seinem Geschäfte Kaffee trinken gesehen häben. Bor dem Geschäft sei ein Jude mit Bart aufgeregt ans und ab gegängelt. Der Fremde hat öfter in das Lokal hineingeschaut. Es lvar, wie er jetzt sieht, Reinitz. Auf die Frage, ob der Gast damals mit dctll Hut auf dem Kopf den Kaffee trank, sagt Berger: Ohne Hut. Bei diesen Worten springt die Witwe Groß' auf: „D an n kann es nicht mein Man n gewesen sein." In eitler chm vorgelegten Photographie des Groß glaubt Berger seinen damaligen Gast zu erkennen. Nur die Zeit kann er nicht genau angeben. Dev Holzhändler Lederer gilbt an, daß er anfangs August in der zweiten Klasse zusammen mit Reinitz nach Klausenburg fuhr. Den Groß hat er in der Bahn nicht gr« sehe n. Zllm Zeugen Julius Jeremias sagt Reinitz: Erinnern Sie sich, daß ich Sie, wie wir im Wagen zusammen nach Klausenburg hinein gefahren find, über Ihre Familienverhältnisse befragt habe? —Zeuge: Ich erinnere mich. Reinitz wendet sich nun an Veit Gerichtshof mit folgetlden Worten: Hoher Gerichtshof, kairn ntan annchmcn, daß ein Mensch, der einen änderet! ermordet hat, gleich darauf in aller Ruhe mit einem Fremden über dessen Familienverhäll. nisse sprechen kann? Dann wird der Szatmarer Oberrabbiner David Grünwald verhört. Bon zwei Bucharim begleitet, betritt er den Saal. E» wird sehr respektvoll attfgettommen. Der Vorsitzende bietet chm. einen Stuhl an. Der Zeuge sagt: Ich habe Reinitz nur flüchtig gekannt. Auf Ersuchen der Frau Groß habe ich ihn zu mir gerufen. Auf meine Frage, wo Groß sei, hat er, obwohl ich chm lange znredete, nur geantwortet, daß er es nicht wisse. Der Vorsitzende, der Staatsanwalt und der Verteidiger fragen den Oberrabbiner, ob er Reinitz für fähig halte, eiuetr Mord zu begehen. Daraus der Zeuge: Von einem frommen Menschen kann ich nicht annehmen, daß er mordet. Ob Reinitz fromm war, weiß ich nicht. — Verteidiger: Hat Ihnen Reinitz die Hand darauf gegclben, was er über Groß erzählt hat? — Zeuge: Ja! — B e,rleidiger: Was bedeutet das, wenn ein Jude dem Rabbiner auf eine Behauptung hin die Hand gibt? — Zeuge: Das i st f o v i e l wie ein Schwur. Auf diese Bemerkung des Qberräbbiners macht Reinitz eine Bewegung, äls weint eine Entscheidung für ihn gefallen wäre. Der Vorsitzende zum Zeugen: Falls Reinitz Ihnen feine Tat eingestanden hätte, gibt es vielleicht'ein Glaubenshindernis, sein Geständnis dem Richter mitzuteilen? — Zeuge: Ein solches Verbot gibt es nicht. Wenn ex gestanden hätte, würde ich es hier sagen. Der Geschäftsinhaber K a n s m a tt n gibt an, daß Reirritz bei chm emgekauft hat und später öfter schuldig blieb. Am 3. August sei er in das Geschäft gekommen und habe auf einmal 15.000 Lei ausbezahlt. , Das Dienstmädchen Emma Kertesz war zwei Monate im Sommer 1923 bei Reinitz angestellt. Sie behauptet, daß ihr Dienstgeber einmal von irgend einer Tour mit Kot '£>&' spritzt nach Hanse gekommen ist. Am Auge halte er einen blauen Fleck. Auch dev Zeuge E i s n e r aus Szatmar will Reinitz anfangs August trotz des schönen Tages auf der Station über und über mit Kot bedeckt getroffen häben. Reinitz Hab? damals gesagt, daß er im Wald aus ge glitten fest Der nächste Zeuge'ist der Oberrabbiner von Nagh-Karoly, Lazar Schönfeld. Er macht Angaben über den schon einvernommenen Nisse l. HÜIltel ÄUS ^U*em’ imPrä8n^er^en Waterproof MÖntel aus gutem Covercoat, rein Wolle . S 45 MÜlltel 3US *eins*en imprägnierten Schafwollg(j HÜntOl aus gediegenem Schafwollrips . . 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