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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-03 · Heft 2227 (3.5.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2227 (3.5.1925)
Date
1925-05-03
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Getter_Wien, Sonntag Wiener MorftenzeltuiiG. 3. Mar 1925 Nr. g&v Leset die Montagsnummer derWienerMorgenzeitunö! Siehe Mitteilung auf Seite 1 fraget k\v>r. 70* Schuhe! mit eingebautem „Berson“-Qummi-Absatz bin neues arabisches Memorandum. —y. Wien, 3. Mai. Die Mandatskommission des Völkerbundes soll in der zweiten Hälfte Juni zusaminentreten. Das Programm dieser Session ist bisher nicht verlautbart worden und so ist es noch nicht sicher, ob sich die Kommission diesmal wieder mit den Fragen des Palästinamandats;u befassen haben wird. Es ist jedoch immerhin möglich, daß diese Angelegenheit noch vor dem nach Wien einberufenen Zionistenkongreß zur Sprache kommt. Die arabische Exekutive^hat an den Völkerbund und an seine Mandatskommission ein neues Memorandum gerichtet, das sich sowohl gegen die grundlegenden Bestimmungen des Mandatsvertrages wendet als auch die alten Beschwerden gegen die „zionistische Politik" und gegen die Mische Einwanderung wiederholt. Im besonder« wird die Errichtung einer verfassungsmäßigen Regierung gefordert, in welcher beide Nationen im Verhältnis ihrer Anzahl vertreten sein sollen. Dieses Verlangen ist in gewissem Sinne eine Annäherung an die durch das Mandat geschaffene Lage. Die Araber hätten dieses Postulat bereits erreicht gehabt, wenn sie die ihnen im August 1922 vorgelegte Verfassung akzeptiert hätten, die die Wahl eines gesetzgebenden Rates vorsah. Leider wurden die Wahlen von den Führern der Araber aus staatsrechtlichen Gründen boykottiert und auch die Beteiligung an der sodann eingesetzter! beratenden Körperschaft abgelehnt. Wahrscheinlich ist die auf der arabischen Seite eingetretene Sinnesänderung aus die Erklärungen des Kolonialministers Amery zurückzuführen, der bei seinen Konferenzen in Jerusalem ne Sachlage klarlegte. Er hat bei dieser Gelegenheit wieder auf die Churchillsche Interpretation verwiesen, die aus dem Juni 1922 stammt und den Sinn der Balfour-Deklaration dahin definiert, „daß das Mische Volk als Ganzes wisse, es ist in Palästina auf Grund eigenen Rechtes und nicht durch die Duldung seitens anderer." Diese nochmalige Anerkennung des durch den Völkerbund ausgesprochenen jüdischen Rechtes zeichnet der britischen Regierung den Weg für ihr zukünftiges Verhalten zu den arabischen Postulaten vor, die heute wie je kaum in Haifa oder Jerusalem, sondern in Rom textiert worden sind. Jede gesetzgebende Körperschaft, die in Erez Israel eingerichtet wird, kann ihre Tätigkeit nur so entfalten, daß sie in keinem Punkte mit den Mandatsbestimmungen in Konflikt gerät. Die Berfasiungsurkunde Sir Samuels spricht dies in einwandfreier Diktion aus: „Kein Gesetz darf angenommen werden, das mit den Bestimmungen des Mandats irgendwie in Widerspruch steht." Das ist keine neue Erfindung Englands oder der Juden. Jedem Landtag sind von der Regierung die Grenzen vorgezeichnet, die er nicht überschreiten kann. Das Memorandum - berührt denn auch diesen Punkt und es ist klar, daß Amery hier präjudiziert hat. Was die arabische Exekutive verlangt, tangiert das Lebensrccht der Juden und' so wie wir jede Beeinträchtigung arabischer Interessen vermieden wissen wollen, so sehr müssen wir an unseren! Vertrag festhalten und das bißchen Recht schützen, das nuns in recht homöopathischer Verdünnung zuspricht. In dem Protest an die Mandatskommission ladet die arabische Exekutive die Mitglieder ein, sich persönlich von dem Stand der Dinge irn Lande zu überzeugen. Wir haben vor einigen Tagen die Vertreter der geistigen Wir haben vor einigen Tagen die Vertreter der geistigen Welt in Erez Israel zu Gaste gehabt und was sie gesehen und erfahren, das haben sie in soundso vielen herzlichen Aeußerungen ausgesprochen. Auch Professor Rappard, der Mitglied der Mandatskommission ist, hat seine beste Zufriedenheit ausgedrückt. ^Er hat zuerst, eine Konferenz mit der antizionistisch-cnglischen Agitatorin Miß Thompson in Haifa gehabt und dann an der Seite Balfours die jüdischen und die arabischen Siedlungen besucht. Er hat ebenso wie Balfour auch mit den Arabern gesprochen. Was diese, die mit den Juden, mit den jüdischen Bauern und Arbeitern in täglicher Fühlung leben, ihm sagten, stimmt herzlich.Mechtzü den Behauptungen des Memorandums. Trotzdem wollen wir dieses Schriftstück als ein An-. zeicheü einer Verständigungsabsicht nehmen. Dje .jüdische Arbeit in Erez Israel hat die Prüfung bestanden. Sie ist von tausenden Menschen gesehen und beurteilt worden und es ist nicht mehr möglich, deu Refrain von her Unterdrückung der Araber abzusingeu. Vielleicht i,i diese Erfahrung die Quelle des Memorandums gewesen und vielleicht erkennen die Araber die Unfruchtbarkeit jeder , negativen Abstinenzpolitik. Der Zionismus würde es begrüßen, wenn sich die Möglichkeit für Verhandlungen öffnet. Sollte dies nicht der Fall sein oder-eine neuerliche Kampfansage vorliegen, dann würde eS sich wieder ergeben, daß das Mandat eine feste unabänderliche Tatsache ist. _— Shambeklain für die englisch>srauzSstsche Entente. Als Unterbau für de« Weltfrieden. London, 1. Mai. (Wolfs.) Bei einem Esien der vereinigten britisch-französischen Verbände hielt Chamberla-i n eine Rede, worin er unter anderem auSführte: Es war ein günstiger Umstand, daß sich in den: Augenblicke, als ich das Amt übernahm, unsere BerMmugeu zu Frankreich in live item Maße von kleinen Mißverständnissen erholt und bereits gebessert haben. Frankreich und Großbritannien nt i t alt ihre n M e i n lt n g s- Verschiedenheiten ergänzen einander und sind st a r k e Hüter der G r u n d s ä tz e, auf denen die we st liche De nto f ratic begründet ist. Wenn unsere Freundschaft fest und unser Einverständnis Vollständig ist, was i) a b e n w i r d a n n V u n s o n st irgendjem and c n z u befürchte n? Wir sind dann in der Lage, den A r g w o h n der V erga n g e u h e; t anszugebeu und zu versuchen, die Siche r h e -i t f ü r Europa und den Weltfrieden auf unsere Freundschaft aufzubauen. Ich babe die Hoffnung. aus der englisch-französischen Entente den wahren Weltfrieden zu errrichten, der uns gestatte!, die Besorgnisse der Gegenwart zu vergessen und unsere Gedanken auf die Zukunft unseres Landes und unserer Völker zn richten. Der französische Botschafter sagte in seiner Anprache, ec werde sich mit allen Mitteln für die Besserung und Förderung der Beziehungen zwischen Frankreich und England entsetze n. Eifersucht u n d V o r n r! e i f, sagte er, haben in die Sphäre der internationalen Beziehungen ein sehr gefährliches Element eingeführt, denn sie schaffen zwischen den Völkern eine Atmosphäre des Argwohns und hindert sic, Vertrauen zueinan'der zu haben, das die einzige feste Friendensgrnndlage ist. Redner sprach schließlich die Hoffnung aus, daß es gelingen werde, das Programm der Entente cordiale denk Geiste und dc-m Buchstaben nach durchzusilhren. Frankreich wird die drulschrn Borschliige prüfen. Paris, 2. Ä)!ai. (Tcl.-Koinp.) Der „Teiups" schreibt in Besprechung der gestrigen Rede Cchamberlains, die das- Vertrauen in die englisch-französische Freundschaft nur stärken könne, daß Frankreichin keinen! «Falle eine eingehende Prüfung der deutschen Sicherheits-Vorschläge von vor nehe re in zurückweisen werde. Doch hätten sowohl Frankreich wie England das größte Interesse -daran,- daß zwischen ihnen erst Einigkeit übe r diese Frage bestehe, ehc Ilnterhandlungen mit Berlin eröffnet werden. Es sei zu wünschen, daß es Ehambevlaiu gelinge, das ganze Kabinett B a l dwi n und das englische Volk von dem unermeßlichen Vorteil einer englischfranzösischen Zusannueuatbeit zu überneugeu. Lord Drrbtz gegen eine Allianz. London, 2. Mai. Auf der Jahresversammlung der Britisch-französischen Gesellschaft besprach heute Lord Derby, einer der Djetards, die. Möglichkeit einer französisch-englischen Alliance. Er be- ,zeichnete ein solches Bündnis im gegenwärtigen Augenblicke als praktisch w e r t l o s. Um so mehr müsie das gegonseitige Fveu-ndschaftsverhältnis gepflegt tverden. ein Slowaknkoagreb. tEiaendienftder „Wiener R'orgen-reitnng" Paris, 2. Mai. Die hiesige Zentrale der slowakischen Emigranten gibt bekannt, daß der nächste s l o >w a k i s ch e W e l t'k o n g r e ß im Laufe dieses SM« iners stattfinden wird. 'Auf ihn! tverden die slowakischen Ovgamsa-tionen in den Vereinigten Staaten durch 40 Delegierte vertreten sein. Auch Vertreter der flmvakischen Verbände in Polen, Ungarn, Oesterreich, Frankreich sö-vre in' dcr Slorvaker selbst werden an dout Kongreß teilnchmen. Der Ort der Konferenz ist noch nicht festgesetzt. Zionistische Bezirtrsektion Leovoldftadt. M o n t a a den 4. 3M 1925, vrcizise 7»° Ubr abends, im Cafg „Sächsischer Hof", tl.Tabor'ttaße 4(5 (Souterrain, Eingang Novaragasse 2). ' Bortraa »p.;« Tr. Zsrael Waldmann ..DK -rov'-me des %\v. Sianissch - Kongresses" .(1 c ’ StL x* ■ UttWfInes 9v'.u>ftt!ourk rn) >!n'ch!ics-rud Diskussio,: Eintritt frei 'm Gäste willkommen .GUMMISCHUHE- Spielballe, Gummimäntel und Gummiwaren alter Art zu Fabrikspreisen! Wien, n. Be2., Taborstrasse Nr. 11 b — Telephon Nr. 47-0-86 SPIRMANN HOROWITZ Facadentünche. Die Konjunkturw^t^^rft des fasziftifchen Genua ist der Hafen Italiens, das Wirtschaftsbaromct«r dieses schmal ins Meer gestreckten 'Landes. In dieser Stadt und ln dem vier SchnellzugSstunden nahen Mailand Wägt der WirtschaftSpuls der Appen inen Halbinsel. Er schlägt fieberhaft rasch. Es wird produziert, hastig produziert; immer neue Produktionszweige erfaßt die Tendenz der wirtschaftlichen „Unabhängigkeit" vom Ausland: die Messe in Mailand auf der übrigens Oesterreich, was bezeichnend ist, als einer der wenigen. ausländischen Staaten nicht vertreten war — gab lehrreichen Ueberblick über die neue italienische JnduftriekonjunAur. Das italienische Erzeugnis ist billig, dem aktuellen Bedarf eutsrechend.und gefällig. (Die neue Tuchiuduftrie hat sich zum Beispiel vorwiegend auf solche Artckel geworfen, in denen bisher Italien ausschließlich auf England und Deutschland angewiesen war.) Es gibt Aufträge, es gibt Arbeit in dieser Konjunktur. Auch sonst wird Arbeit geschaffen. Neue Straßeubaulen, Bähnelektrifizierungen, Häusevbau. Und doch) sagte mir ein deutscher Ingenieur, mit den: ich die Mailänder Messe besichtigte: „All das ist 'Fassadentünche." Der Ausspruch ist nur zu tvahr; dieses Aufbvaufeu der 'Arbeit verebbt wenige Stunden -von den Zentren der Prodnktion, und in Mittel/ und Süditalien herrscht dasselbe Arbeitstempo wie früher, dieselbe Not, nur verschärft durch die geringere Auömander'Ungs'möglichkLit (das große Reservoir für den italienischen Bevölkernugs-überschuß, in welches cr periodisch abgeslosscir ist, die Bereinigten Staaten, haben sich durch ihre Inrntigrationsgesetze hauptsächlich gegen den jüdischen, italienischen und japanischen Zustroin gesperrt). Und dort, wo die Arbeit jetzt in so überraschen'dsm Tempo vor sich geht, in jenem vberitalienifchen Industrie- und Handelszentrum, hat sie Konfunkturanstrich. Denn Italien produziert jetzt noch immer deu Ersatz feiner Kriegsschäden oder der Kriegsschäden der ihm zugefallenen Gebiete; aber für eine dauernde Konkurrenz aus dem Weltmarkt fehlen die Voraussetzungen: das Unterbieten der Preise ist vorübergehend; die Produktionsmittel (Kohle, Eisen usw.) muß Italien ebenso wie eine Anzahl von Rohstoffen aus dein Ausland beziehen; die billige Produktion basiert eigentlich nur auf der billigen Arbeitskraft, die int Landevorhanden ist, deren Standard durch die Arbeiter- Politik des Faszismus noch mehr gedrückt ivnrde. Aber das italienische Kapital, dem solche LvhnvechLltnisse für die Ausnützung einer IvelthändelKPolitischeU ' Konjunktur ge legen kanten und das 'daher dem Mussolinistnus hilfteiche Hand bot, sieht die weitere Entwicklung -der Dinge 'nicht allzu .optimistisch an. Der Grund liegt tu der Valuta. Die italienische Währung hat sinkende Tendenz, trotz aller Bemühungen sie zu stabilisieren, und die seit je notorische Geldknappheit Italiens, die man nun sozusagen durch die Auspeitschung der Konjünkturleidetrschasten zu verhüllen, sucht, besteht weiter atnd muß sich — trotz aller augenblicklichen Vorteile, welche niedrige Währung für Industrie und Handel bringt, allmählich, immer mehr ins Krisenhafte entüvickeln. Denn die Erhaltung des produktiven Standes und die Eyvssiterung desselben erfordert weit mehr Kapital, als Italien zur VerfügU'Ng hat. AuAändisches Kapital ist teuer und erhöht die ProduLtionskosten, so daß 'der Vorsprung, den die Lohnverhältnisse jetzt der italienischen Produktion geben, illusorisch wird.' Ohne fremdes Kapital aber ist das gegenwärtge Tempo «des — sagen wir — „befohlenen ivirtschastlichen Aufschwunges", 'der das Um und Ans d'er nnissolinischea Wirtschaftspolitik bildet,- nicht zu halten. rtnd -der Konjunktur mutz die Krise folgen. Das ist auch der Grund, weshalb ausländisches Kapital für Italien nur zu deu drückendsten Bedingungen' zu haben ist, das mit der Grund, weshalb die Lira an den französischen Franken gespannt Meibt (die Uobevschuldung Italiens durch 'den Krieg ist verhältnismäßig größer als die Frankreichs und die Aussicht auf Entschädigungen noch geringer als beim Nachbarstaat). Diese Krise ist «um so eher zu erwarten, alÄ die mitteleuropäischen und englischen WirtschaftSvcrhältnisse sich zu konsolidieren beginnen; England wird durch die gegontvärtige politische Entwicklung 'der Dinge im Lande seines gefürchteten Konkurrenten Deutschland nur gewinnen können, ebenso wie die lebensfähigen Nachfolgestaaten der Monarchie. Deutschland aber gcht trotz seiner politischen Fehler wirtschaftlich — wenn es auch diesmal wieder die so oft bewiesene organisatorische Fähigkeit aufbringt, das schwere Problem der Aufwertung richtig zu lösen — denn doch der ökonomischen Gesundung immer näher. Dann hat der befohlene WtrtfchgiftSaufschwung des faszistischen Italien ein Ende (dies um so schneller, als dasitalienische Erzeugnis schlecht ist, noch' immer zu sehr für die Levante gearbeitet, nicht für deu Wet-ftnarkt). Dann ist in Italien wieder die alte Krise offen am Tageslicht: Uebertzölkevung, Kapitalmangel, geringe Arv.'ilsintensitäs, all das verschärft durch emen ge< ivouueueu Krieg, der einen zu großen Gewinn gebracht hat, innd durch die dWWMgtzM AtuMM WKK»

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