Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2226 (2.5.1925)
- Date
- 1925-05-02
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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jÜNt I' _Wien, SamStag taugen wave« mrgleich, größeren Umfang erreichten ßr lddiKich in Me und Lyon. In Italien. Nnn 1. SM. Der heutige Tag ist m ganz Italien k« allgemeinen ruhig verlaufen. In allen öffentlichen Betrieben wurde gearbeitet. Nach der „Tribuna" feien vibev in Mailand wart mehr alb die Hälfte und m Turin etwa 40 Prozent der Arbeiter den BetriebsstKtten sovngeblieben. In Florenwurden die Arbeiter der Eisenibahnwerkstätten von der Poliizei nach nmstüvzlevifchen Drucksachen unte rsucht. Aehnliche Unterfuchungen wurden in den Eisenbahnwerkstätten von Lucca und Siena vorgemommen. In Ravenna hat ein Mitglied der extremen Stufen, hgS Plakate in den Straßen anschlagen wollte, auf die hovbeieÄe-nde Poliizei geschossen und hiebei einen Soldaten der nationalen MN; tödlich sowie einen KayMvieve leicht verwundet. Hiudenburgs Kideslelftung. Berlin, 1. Mat. Wie das WolGsche Bureau erfahrt, findet die Amtseinführung und die Eidesleistung des vmm Reich Shr als identen am Iß. Mai wm IS Uhr mittagstatt. Meißner blvM. f Berlin, 1. Mai. Wie die Blätter ««Wen, bibeM das Bureau des Reichspräsidenten mit Staatssekretär Dr. Meißner an der Spitze unverändert. Re Subventionen an die Ruhr- Industrie. i EinöevnaHrne -es Reichskanzlers. Berlin, 1. Mai. Im Ruhr-Unkersuchungsa u s s ch u tz wurde heute Reichskanzler Dr. L u t h e r über die Frage angehört, welcher Art die Bedingungen gewesen seien, die damals zwischen der Reichsregrerung und den Ruhr-Industriellen eingogangen worden find. Hierzu erklärte der Reichskanzler: Der Zweck des damaligen Abkommens war nach den ausdrücklich von den Vertretern der Sechserkonmrvffion geäußerten Wünschen, eine Erklärung der Reichsregierung herbeizuführen, auf Grund deren der Kohlenbergbau sich Kredite verschaffen konnte. Was wir damals getvollt haben, heißt in der Sprache der Jurisprudenz privatrechtliche Bindung. Wir haben ohne jeden Zweifel nach der Lage der Dinge der anderen Seite einen Anspruch geben wollen, der unmittelbar klagbare Rechte erzeugt. Denn der Zweck war ja, etwas Diskontfähiges zu schaffen, auf dessen Grundlage man Geld bekommen werde. Auf die Frage des Vorsitzenden fugte der Reichskanzler noch hinzu: Nach dem Inhalt der damaligen Erörterungen ist die Möglichkeit gar nicht erwogen worden, daß die Reichsregierung bei der Wahl eines anderen Reichstages dieses Versprechen etwa nicht erfüllen könnte. Die Zahlungen sollten nach Sanierung der Reichsfinanzen erfolgen. Die Abmachung mit den Ruhrindustriellen war nicht eine politische in dem Sinne, daß man über die Sache in Wirklichkeit erst spater entscheiden wollte, sondern es war eine Abmachung, die die Grundlage für ein Geldgeschäft abgeben und' ihrer Idee gemäß die Zurückgewährungvon Leist u n g e n darstellen sollte, die die Ruhrindustriellen für das Reich gemacht hätten. Auf den Vorhalt eines Ausschußmitgliedes, daß einige Monate nach dem Zustandekommen des Briefwechsels m i t S t i n n e s einzelne Minister und überhaupt die Reichsregierung öffentlich den Standpunkt vertreten haben, daß von einer Tragung der Micum-Lasten durch das Reich nicht die Rede sein könne und daß der finanzielle Zustand des Reiches einen Beitrag zw Milderung der Micum-Lasten schlechterdings unmöglich mache, erklärte der Reichskanzler, das habe nur für die damalige Zeit gegolten und man habe die Verpflichtung ja auch für die Zukunft übernommen. Abg. Robert Schmidt (Sozialdemokrat), der in der fraglichen Zeit Minister für Wiederaufbau war, erklärte, daß er an den mündlichen Verhandlungen mit der Sechserkommission nicht teil genommen habe, und deshalb in der entscheidenden Kabinettssitzung gegen den Abschluß der Abmachung Einspruch erheben wollte, weil er als zuständiger Wiederau f h a u m i n i st e r nicht h i n z u g e z o g e n worden sei. 'Eine Ablehnung habe er jedoch nicht.aussprechen wollen, weil er natürlich auch ein Interesse an dem Ingangkommen der Industrie gehabt habe. Der Minister des Innern, Sollmann, habe sich seinem Standpunkt angeschlossen. Daß er und seine sozialdemokratischen Kollegen auch zu den Vorbesprechungen nicht hinzugezogen worden waren, sei ihm nicht aufgefalle n, da seine Kollegen mit der Sache nichts zu tun gehabt hätten. Las österreichische Komitee des Völkerbundes. Paris, 1. Mai. Das Oeste rr e i chische Kontrolk o m i t e e des BWevbundes trat heute nachmittags im Ministerium des Asnßem im Bureau des politischen UrvterbiiMors Seydoux, der zugleich Delegierter im Kontvollkonlibee -ist, z-u. lammen. DenBorsitz führte der italienische Delegierte Cuzani- Gensalieniere. England war durch Leith-Roß, die Dfchecho-Slowakei durch Roß und Holland durch de Bes von Sleorwhn vertreten. Die Cchlve-iz hatte keinen Delegierte« entsandt. Gemrälkomimissär Dr. Zimmer man «stattete feinen Bericht. Die nächste Ssitzung findet morgen nachmittags statt. _ Morgettrrttrms._ Mitteilungen aus Dem Publikum. wi.«.rtn MbMi lAn Bur ein: Orl). tränt. ÜMIWM J W P «m, M, «muhm m Kultus* und Justiz-Tulure und Barette erhalten Sie vorrätig oder nach Maas bei der bekannten Speziatflrma RUDOLF DOLDSTEIN, SSÜWr-T» Grosses Lager feiner Stoffe für Massbestelinngen Tfi. 48 Q.as WfgN, II. TABOBSTRAS« 54 o.Q- 1««0 Sie Borgllnge in Bulgarien. Sofia, 30. April. (Bulg. Tel.-Ag.) Die Untersuchung -gegen zahlreiche Mitglieder ungesetzlicher agr arkoinninnistischer Organisationen wird eifrig svvdgefschrt. Die terroristischen Akte bSschukdigdm oder in die Delfchwbvmvg i «d verschiedene Verbrechen verwickelten Personen werden ailSbckd vor das Kriegsgericht gestellt werden. Sie Semeinderatswahlen kn Frankreich. Paris, 2. Mm. Morgen finden m Mnz Frankreich die Gerne imdewähllen, und. zwar in 37J963 Gemeinden statt. Insgesamt find etwa. 430.000 Gemeinderäke zu wählen. Bon den gegenwärtig amtierenden Bürgermeistern, die zur Neuwahl kommen, gehören 162 der Kammer an. Sie polnische Kohle für Sesterreich. Warschau, 1. Mai. (Poln. Tsl.-Älg.) In DurchfuhMny des am 23. April in Warschau zwischen der Dfchecho- Slowakei und Polen Unterzeichneten Vertrages treten mit 1. Mai die neuen Eisenbahniarife für den Transport der polnischen Kohle nach Oesterreich über die Dschecho-Slowakei in Kraft. Seneral Seikol verurteilt. Warschau, 1. Mai. (Wolff.) General Seikol, der bei ^dem Aufruhr der Krakauer Arbeiterschaft im November 1926 den Befehl zur Waffenftreckung der Krakauer Garnison gegeben hatte, ist gestern vom Krakauer Militärgericht zu drei Monaten Festung verurteilt worden. Ser Goldstandard in England. London, 2. Mai. A 'squith besprach gestern im Liberalen Klub in Glasgow die Rückkehr Englands zum Goldstandard. Die Maßregel beweise, daß England ferne Stellung als das Finanzzentrum der Welt zrv-- vückgewonnen habe. Ser englische Fnnenmiusster gegen Rußland. Londorr, 2. Mai. In einer Versammlung der Primvose-Liga besprach der Innenminister Hicks die Lage in Osteuropa und erklärte: Solange dort eine Regierung herrscht, deren Hauptzweck es ist, bie verfassungsmäßigen Regierungen der ganzen Welt zu stürzen, so lange werden wir vor den Emissären dieser Regierung ans der Hut sein mussen. Solange sich die Sowjetregierung nicht erschließt, sich nur mit ihren e ige nen Angelegenheiten zu befassen, kann es kein« wahre .Freundschaft zwische u Engknid und Sowjetrnßland geben. Sine italienische Anleihe in Rew-Hork. New-Aork, 2. Mai. In den Kreisen der Wallstreet wird bestätigt, daß die italienische Regierung mrit New-Dorker Banken über die Gewährung einer Anleihe in Unterhandlungen eilige treten sei. Es soll sich um 12 5 Millionen Dollar handeln. Ser Polizeikongreß in New-Pork. Bremen, 1. Mai. (Wolfs.) Zur Teilnahme au der vorn 12. bis 16. d. in New-Pork tagenden internationalen Poli^ikonfeveng hat heute die größere Anzahl höherer Polizeibeamten aus Deutschland, O e st e r r e i ch und Ungarn an Bord de's Dampfers „Columbus" vom Norddeutschen Lloyd die Reise nach Amerika angetveten. Unter den Reisenden befindet sich auch der Polizeipräsident von Wien Schober und zwei Vertreter der Polizervevwcvltung von Budapest. Schüsse auf die Gattin. Nach einmonatiger Ehe. Vorgestern abends hat der 23jähvige Tischte Mhifie Gustav Micholitsch in der gonremsa-men Wohnung, 14. Be;., Dreihausgasfe 28, auf seine Hiattvn, die 19jährige Marie Micholitsch, zwei Schüsse abgegeben. Er traf sie nicht, ging dann aus dem H.mse mit der Frau, trennte sich von ihr und wurde am 1. d. früh bei der Rückkehr ins Wohnhaus verhaftet. Micholitsch hat seine Frau vor etwa zlvei Monaten kennen gelernt. Sir gefiel chm und am 5. April fand die .Hochzeit statt. Schon in den ersten Tagen der Ehe änderte er sein Wesen in auffälliger Weise. Bald sprach er von einem großen Vermögen, das er besitze oder zu erwarten habe, bald sprach er davon, daß es 'das beste sei, wenn ficibe Gatten sich umürächte n. Dann wieder war er zeitweise liebevoll und zärtlich. Der Frau kam das Wesen des jungeni 6)atten förmlich unheimlich vor, Es ergaben sich auch. Mißhelligkeiten mit feinen SchoregeMern und Wvcholitsch bildete sich ein. daß bei dom Zwist die Frau auf _8. m\ 1926_ Nr. 2626 Seite ihrer Eltern stünde; das nahm er ihr besonders übe^ und deshalb bedrohte er sie öfters. Vorgestern abends kam er um ein« halbe Stunde später als sonst von der Arbeit heim, war ganz verstört und von einem jungen Arbeitskollegen begleitet, den die Frau noch nie gesehen und der auf dem Gauge wartete. Ohne Gruß trat er ins Zimmer, trat auf die Frau zu, zog einen Revolver und hielt ihn mit den Worten schußbereit: ,I c tz t Hab' ich dich. .!" Im nächsten Augenblick krachte ein Schuß aus einer Entsernung von ettva drei Schritten, die Frau blieb aber unverletzt. Dann hörte sie noch eine Patrone fallen, allein der Schuß ging nicht los. Micholitsch ging danach auf den Gang und übergab den Revolver denr Burschen, der auf ihn gstvartet hatte und mit der Waffe wegging. Danach forderte er die Frau auf, mit ihm fortMsgshen. Sie folgte ihm und das Paar kam bis flunt Gmndenzdorser Gi'rrtcl. Auf dem Wege sagte er zu der Frau: „Wennst auf d' Nacht nach Haus kommst, wirst schon fdjeu! Ich Hab' noch was anderes!" Er hatte nämlich noch ein großes Küchenmefser mitgsnommen. Frau Micholitsch ging zu ihren Gltem rmd machte dann die Anzeige bei nt Kommissariat. Gestern früh wurde MichMtsch verhaftet. Er behauptete, er habe feim Frau lediglich erschrecken wollerr. Den Burschen, dem die Waffe gehörte, hatte sich Micholitsch zu feiner Wohnung bestellt unter dem Vorwand, daß e>" Kärrfer auf den Mvolver warte. Haselschlag kn Wien. Der Mai hat rnfveundlich ein,gesetzt. Gestern gab es bis zum Spätnachmiittag WolkeMveiben. Dam setzte ein hostiger Platzregen ein, der an vielen Stellen Wiens und in der Umgebung von Hagel begleitet war. Der Regen, der die ganze Nacht hindurch anhieli, brachte empfindliche Abkühlung. Much hmie früh fielen Niederschläge. Die Vüdtm Wetterlage ist unsicher. Ser deutsche Berfchutzverein und die rituelle Schöchtuug. Bor kurzem tagte in München die 17. Jahres» Versammlung des Verbandes deutscher Tierschutz- Vereine. Der Schriftsteller Fvitz W e ist p h a l unternahm einen Vorstoß gegen die Methode der jüdischen rikcellen Schächtung und brachte den Antrag ein: Der Verband der Tierfchutzvereine des Te>uts,chen Reiches möge bei den gesetzgebenden Körperschaften vorstellig werden, daß in Deutschland der B etä ubu ngszwang für alle Schlachttiere Vorgeschvieben wird. Der Antrag rief eine lebhafte Dislusiion hervor. Rabbiner Horowitz (Frankfurt a. M.) verwies antf die Gutachten der hervorragendsten.Physiologen hin, die bekundeten, daß den geschüchteten Tieren schon nach wenigen Sekunden das Bewußtsein schwinde. Neuere Untersuchungen über den Mutdruck haben die Wahrnehmungen der Physiologen beistätigt. Bon einer Dierq-uälerei könne Beim Schächten nicht die Rede sein. Die Juden sind von jeher schon auf Grund ihrer religiösen Satzungen Freunde des Tierschutzes. Rabbiner Horowitz regte an, es solle in dern Ausschuß für Schlachiviehtötüng ein Nabbiner au!fgenomnten werden, damit die Vorbereitungen für 'die Niederlegung der zur Schächtung bestimmten Tiere möglichst ver- -bessert werden. Rabbiner Dr. Stein (Schweinfnrt) erklärte, durch Einführung des Betäubungszwauges würde den gefctzestreuen Isealiien der Fleischgenuß vollkommen unmöglich gemacht 'werden. Auch Geheimrat Volkmar und Komineyzienrat F r a e n k el traten für die Ablehnung des Antvages Westphal ein. Veterinärrat Storch (Schmalkalden) unterstützte Westphal. Krämer (Berlin) erklärte, wenn die Israeliten sich ans einen Gewissenszwang berufen, so bestehe für die Anhänger des Tierschutzes ebenfalls Gewiflen-sZwaug, wenn sie zug-eben würden, daß die Tiere durch «das Schächten unnötig gequält werden«. Schlachthllfsdivektor Dr. May begründete einen Antrag des niederrheiniischeu Tierschutzvcreines Krefeld auf „Verlbot des Schächte ns der Bullen, da «das Niedertegen und das Dirrchschneiden der dicken .Haut besonders schwierig ist und im Großbetrieb gefährlich werden kann." Es lwurde zunächst der Antrag des Düsseldorfer Vereines, der dtlrch Westphal gestellt winde, mnit 36 gegen 18 Stimmen vertagt. Der Antrag Dr. May (Niederrheinischer Dierschlttzverein Krefeld) wurde angenommen. Zum Schluß wurde ein Antrag des Vereins Kiel angenommen, das Reiche,Ministerium fiir Ernährung und Landwirtschaft zu ersuchen, eine Verfügung zu erlassen, durch die für da's ganze Reichsgebiet Bestimmungen über das Schlachten der Tiere getroffen werden; diese Bcstiinmtungen foICctt bei der Novelle zum Strafgesetzbuch berücksichtigt werden. Sas Schachturnier in Baden-Baden. Baden-Baden, 1. Mai. (Wolff.) Im internationalen Schachmeistertttrnior ivurdc die 12. Runde gespielt. Rubin st ein verlor seine erste Partie, wodurch G r ü n f e l d an zweite Stelle tritt. Auch A l j e ch i n uiufcte sich mit remis begnügen. Sämisch gewann ein Damenbauernspiel gegen te Kolste, Nabinowitsch verlor gegen N i e»mz ow i ts ch in 44 Zügen. Dates gewann eine spanische Partie gegen Mieses, 50. Züge. Rosells gctvann gegen Colle, 26. Züge. Rubinstein verlor gegen Tartakower, 37 Züge. Bogoljubow verlor fein Damenbcvuevfpiel gegen Grünselid in 64 Zügen. Eine spanische Partie S p i e l in a n n gegen Aljechin wurde nach 21 Zügen remis. Auch die Partie Marshall gegelc Torre endete umntschichen. Abgebrochen wurden die Partien Thomas gegen Reti uyd Carl gegen Tarrasch. Spielfrei war Dr. Trehbal.