Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2226 (2.5.1925)
- Date
- 1925-05-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I Polen: 20 groszy I Wien: Zum Abholen in der Expedition, 11., Taborstf. 1*3, oder hi einer Verschlefsstelle 'Trafik) monatl. 5 Schilling Strassen verkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Gol dschmied, I.. Wollzeilc 11 Mit Postversand für Wien und Ocsterreicli monatlich ü Schilling F sch echo-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4 Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich. Felgten: Mon. Frcs. 18 Nachsahlattaea Uel Frei»* erhShoaien ▼erbehalten Nr. 2226 raceth das mühelose Parkeit*Glanzmtttel Erhlltlldh In allen elnfdilSgltfea Oefdilften Wiener Wien. Snmstng. r. Mai 1925 I Praia 20 q| England: Mon. 4 Schilling, Italien: Monätl. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170 Lei, Bulgarien: Mon.iOÖLewa, Schwei* und das flbfIge Ausland monatlich Ff«. 5 Redaktion, Administration: Wien, n.Taborstr.l Telephone: 44-0-38,43*3-19 Ab 6 Uhr: 21*102, 25*2*82 IX., Universltätsstfasse 6*8 (Druckerei lg. Steinmanm Oesterreichlsches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. SaHrsim» Urteil im Ankerbrot-Prozetz: ©eiterfllDireftor Fried zu 8 Monaten schweren Kerkers und lv Millionen Schilling Geldstrafe verurteilt! I r I'Sug auf freier Strecke entgleist. — 28 Lote. — Kn verbrecherischer Anschlag. Schneidemühl, 1. Mai. Der Zug D4 Eydtf u 1) n on—.93 erlin ist heilte imi 1 11 hr morgens im polnischen Korridor zwischen den Stationen Swaroschin und Preußisch-Stargard auf freier Strecke entgleist, Wobei die Lokomotive und mehrere Wagen den zierulich steilen Abhang h i n u n t e r st ü r zt c il. Wie von Reisenden gemeldet wird, steht nur noch der Schlafwagc n und ein Wagen erster Klasse. Nach Angaben von Reisenden soll die Zahl der Loten 30 betragen. Tie Zahl der Verwundeten wird vorläufig auf 40 geschätzt. An der Entgleisungsstclle macht der Bahnkörper eine g r oße K u r v e. Der Zug wird durch den Korridor von polüischen Beamten geführt. Mit Polen sind vorläufig alle Verbindungen nnterbrochelh da die Leitungen dnrchgerissen sind. Eine amtliche Meldung steht aus. Berlin, 1. Mai. (Wolfs.). Wie die Pressestelle der Deutschen Reichsbahngesellschaft mitteilt, liegt nach einer Meldung der p o l n i schen.Sta.atsbahndirektion Danzig bei dem Unglück des. D-Zuges 4 e i n v e rbrccherischer Anschlag vor. Die Zahl der Toten beträgt 25, darunter 11 Männer, 12 Frauen und zwei Kinder, die der Schwerverletzten 12 und die der Leicht- 'erletzten sechs. Ein Geleisedefekt. Berlin, 1. Mai. Wie die Blätter feststellen, kann mit ziemlicher Sicherheit erklärt werden, daß die Eisenbahnkatastrophe bei Preußisch-Stargard nicht aus ein Verschulden des Zugspersvuals zurückzuführen ist. Im Gegensatz zu der Version, das; das Unglück auf einen A nschlag zurückzuführen sei, der möglicherweise ans poliitschen Ursachen verübt wurde, erklärt im „Berliner Tageblatt'^ e i n a n s l a n d i s ch e r I o u r n a l i st, der sich in dem verunglückten Zllg befunden hat, daß die Ursachen der Katastrophe in einem Geleiscdefekt zu suchen seien. Nach der Aeußerung des Lokomotivführers soll der Zustand der Geleise an der betreffenden Stelle schon seit längerer Zeit so schlecht gewesen sein, daß die Züge nur i n lang s a m e r F a h r t Passieren konnten. Trotz wiederholter Meldungen des Zugsführerpersonals sei die I n- Nie Maifeier in Wien. 400.000 Teilnehmer, 3500 Ordner. . Die gestrige Aiaiseier des Wiener Proletariats überkraf alle Feiern der Vorjahre um vieles. Pie die Korrespondenz Hevlvei berichtet, marschierten mindestens 100.000 Arbeiter und Arbeiterinnen, >darnnter auch Greise iutb Greisinnen, in geschlossenen Zügen aus den Ring, um sich an der .großen Kundgebung zu beteiligen. 35.000 Ordner versahen' den Ordnerdienst, acht Rettungsambulanzen der Arbeiter mit Automobilen und Tragbahren lvaven an verschiedenen Plätzen ausgestellt, um in Ohnmachtsaufällen sofort Hilfe zu spenden. Die Rettungsgesellschaft hatte gleichfalls zwei Ambulanzen errichtet. Auf der Ringstraße war ein Feldtelephon angelegt, durch das der beim Rathaus befindlichen Zenimllleitung fortlaufend über die Bewegung der einzelnen Züge aus den Bezirken berichtet wurde,. Außerdem sorgten noch, zahlreiche Radfahrer für den Meldedienst. So war es möglich. daß sich der Aufmarsch dieser gewaltigen MenschenmZsen ■■■■>■ in vollster Ordnung und ohne Störung vollziehen konnte, wozu auch die wunderbare Diszipl...;:v standsetzung der Stelle noch nicht erfolgt. Schon am Tage vorher hätten sich polnische Lokomotivführer geweigert, die Strecke zu befahren. Nur der Geistesgegenwart des Lokomotivführers und des Heizers sei es zu verdanken, daß das Unglück nicht noch größeren Umfang angenommen habe; sie hätten durch Ablöschung des Feuers eine Kesselexplosion verhütet und auch die Heizung abgestellt. Warschau, 1. Mai. (Poln. Tel.-Ag.) Zu dem Eisenbahnunglück bei Stargard wird gemeldet, daß sich der polnische Eisenbahnminister Eberhard und der Verkehrsdirektor C z a p s k i mittels Flugzeuges an die Unfallstelle begeben haben. Der Eisenbahnminister habe an den deutschen Eisenbahnminister ein Beileidslr''; .\rniu gerichtet. .' Nn Attentat. Danzig, 1. Mai. (Wolfs.) Wie von einem von der Eiscnbahnunfallstelle zurückgekehrten Sonderberichterstatter gemeldet wird', sind von dem verunglückten Zug zwei Wagen dritter Klasse vollkommen zertrümmert. Beide Wagen waren stark überfüllt. Bei der Entgleisung wurde der vierte Wagen des Zuges in den dritten h i n e i n g e s ch o b e n. Die letzten Wagen des Zuges sind unbeschädigt. Nur die ersten Wagen sind entgleist und stehen zwischen den Schienen. Die Verletzten wurden zum Teil in das Dirschauer Krankenhaus, zum Teil in das Stargader Krankenhaus gebracht. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist der Unglücksfall auf einen frevelhaften Anschlag zurückzuführen, denn an den Schienen sind die Muttern von den Bolzen gelöst und die Bolzen herausgezogen. 28 Tote. Berlin, 2. Mai. Die Zahl der Todesopfer der Eisenbahnkatastrophe im polnischen Korridor ist auf 28 gestiegen. Unter den Toten befinden sich e i n e Mutter von acht Kindern. In dem zertrümmerten Schlafwagen wurden die Personaldokümcnte einer Französin und einer Russin gefunden, die beide noch n i ch t e r m i t t e l t werden konnten^ Die Angestellten sagen aus, daß das Unglück auf ein Attentat zürückzuführen sei. Die ganze Ringstraße trug ein festliches Gepräge. Von den Lichtmasten flatterten rote und weiß-rote Wimpel herab und sogar der eiserne Rathausmann war mit einer weiß-, roten Fahne versehen. Die Teilnehmer an der Aiaifeier der äußeren Bezirke marschierten um viertel 9 Uhr, die der an die Innere Stadt angrenzenden Bezirke um viertel 10 Uhr vormittags von chren Sammelplätzen mit klingendem Spiel und unter Vorantragung von Fahnen und Standarten mit Aufschriften wie: „Heraus m i t d e r A l t e r su n d I n v a l t d itatS-, Witwen- und Waisenversicherung!", „Es lebe die kampfende Internationale!" zu den Versa mmlungsMtzen. „Nie wieder Krieg!" lautet die Aufschrift einer Standarte der. Kriegsinvaliden und eine große Gvnppe von Arbeitslosen trug Tafeln mit der Aufschrift: „Arbeit und Brot für die Arbeitslosen!" Vor dem Parlament trugen drei Männer eine Tafel mit der Inschrift: „Der Erde Glück, der Sonne Pracht, dem ganzen Volke sei's gegeben!" Eisenbahner, Straßenbahner und die Angestellten der Gas- und Elektrizitätswerke erschienen in ihren Uniformen. Eine Gruppe Radfahrer hatte die Fahrräder ErmckvM mit Wen MMiM Rosen Mmück, W8 ,WEDO yOrlMogar. DEBRECZINER für Wiederverklufef' ' ’ III., Heumarkt 6,Tel. 95438 r eine schöne Augenweide bot. Die Teilnehmer an der Kund- , gebung waren alle in ihren Festtagskleidevn gekonimen. Die Versammlungsorte waren der Platz vor dem Rath N n 8, der Pla tz vor dem BurgtheaterderPlatz vor dem Parlament und der Platz vor der U n i v e r- ' fität. Da aber die Stimmen der Redner von-diesen Tribünen nicht ausreichten und sich diese nicht, in einem-so weitem Umfang vernshmlich machen konnten, nmßte - noch von Nebenplätzen aus gesprochen werden. Vor dem Rathaus sprach als erster. Redner Bürgermeister S e i tz, vor dem Parlament Abgeordneter Doktor Deuts ch und der Magdeburger Statdtverövdnete Höltermarm als Vertreter des Reichsbanners. - ' Gegen-HM 12 Uhr wurden fünf rote Luftballons aufgelassen, dies war das Signal für den Schluß der Feier. Ordnungsgemäß lösten.sich die Versammlungen auf und kurz nach 12 Ulhr mittags bot der Platz vor dem Rathause > wieder fein gewohntes Bild.! Nachmittags um 3 Uhr hatte die sozialdernokyä tische T urnersHast ein großes Schauiurnenveraüstaltet^ da» sich ebenfalls eines MafferEefnches erfreute. Die Konrmuniisten hielten auf dem Platze vor' th Votivkirche eine Maifeier elb, zu der sie alle.ihre Anhänger beorderten. Es mochten ungefähr 3000 Komm U n i steit, versammelt gewesen sein. Dazu kamen dann' noch viele Neugierige. Einzelne Kommunisten waren, in . W.pärzen ' HemMufen gekommenwährend die MädchM.Mb Hüte,^ ödor^vM' Kvpftüchel trugen. Eilte Gruppe KbpWAristeü wia-r unter ' Borantragung eines Galgens, auf dem eine Puppe baumelte, mit der Untevschvift: ,,-L o . wird es noch der Regierung gehen!"^herangezogen. Die Polizei verlangte die Entfernung dieser Puppe, was die Kommunisten verweigerten. Es kam mii einigen Kommnnisten und der Polizei zu dluseivanderfetzungen, worainf die Kommunisten dann die Puppe c n F fernten. Ruhe in Berlin. Berlin, 1. Mai. (Wolfs.) Abgesehen von einigen ' Zusammenstößen, die durch rasches Erugveiftn der Polizei rechtzeitig beigelegt Iverden konnten, ist die Maifeier in Berlin ruhig verlaufen. Auch bei der kommünistis ch e n Demonstrationsdevsammlung im Lustgarten ist es zu keinen Zwischenfällen gekonimen. Aus dem Reich liegen bis in die späten Abendstunden keine Meldu-u. gen über ernsthafte Zusammenstöße vor. Der Dienst in dev Betrieben von öffentlichem Interesse funktioniert allge. mein n ormal. In der P r ivati n dnstrie wurde nur teilweise gefeiert. , In Paris. Paris, 1. April. (Ha-vaS.) Der heutige Tag ist in Paris ruhig verlaufe n. Einige syndikalistisch« Straßenkundgebu'ngen wurden von der Polizei zerstreut. In Binzen-neS wurden drei und in Versailles zwei Personen verhaftet, die in der Umgebung -er Kasernen antimilitaristische Flugschriften zu. verteilen versuch hatten. 40.000 Exemplare davon wurden beschlagnahmt. Auch in der Provinz verliefen die üblichen Maifeiern i» vollkommener Ruhe. In St. Denis kam es zu einem Zwischenfall, wobei auf zwei Wagen der elektrischen Straßenbahn einige Schüsse abgegeben wurden. Di« Polizei verhaftete die Insassen zweier Mietaut» in ob i l e, welche die Aufschrift trugen: „Gewerkschaftliche Kontrolle". Unter den Verhafteten befinden sich zwei Redakteure des kommunistischen Blattes ,Humanite". In den Automobilen wurden Kautschuk knü t t e l und photographische Apparate beschlagnahmt. Flugzeuge mit Radioapparate. Paris, 2. Mai. Die Polizeibehörden hatten für den gestrigen Tag 'umfangreiche Vorsichtsmaßrege'lv getroffen. Gin Flugzeug des Polizeipräsideutan, überflog Purist um Straßenansammlungen sofort melden zu können. Das Flugzeug ivar mit einem A a di o* a ppa rat versehen. Die Wache vor dem Mmiister'W« und vor den Banken war durch In fa n tetfco^*c b vMMt »srdW. Dir NrLLttseinstel.