Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2225 (1.5.1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. SSSS Wen, Freitag gPfeiteis Morgrirzrttittts.___1. Mai 1925_ Sei«» s. 3n d« Stadt Hindenburss. Berlin, 80. April. In Hannover kam es nach einem von Mitgliedern des Rerchsblocks veranstalteten Fackelzug zu einer furcht-baren Prügelei zwischen den Demonstranten und Angehörigen des Reichsbanners SchivarzMot-Gold. Bier Personen wurden schwer verletzt in ein Krankenhaus geschafft. Rn sozialdemokrMcher PoNzeipriifident von Berlin. Berlin, 30. 2lpril. Der sozialdemokratische Abgeordnete, Obervegiernngsmt Grzesinski, der, wie die Blätter melden, znm Berliner Polizeipräsidenten e rnannt worden ist, ist aus dem Arbeiterstande hevvorgegan-- gen 1022 wurde er Präsident des Landespolizeivimtes mit dem Titel Obervegierungsrat. Als die Ausgaben dieses Amtes erledigt waren, trat er als Referent in das preußische Ministerium des Innern ein. Ser Mißtrauensantrag gegen Stto »raun. Berlin, 30. April. (Tel.-Komp.) Die Dentsch-- Natianalen haben im preußischen Landtag ein Mißtrauensvotum gegen die preußische Regierung eingebracht. Der -Antrag beschränkt sich auf den einen Satz: „Der Landtag wolle beschließen: Das Staatsministerium besitzt das verfassungsmäßig zu feiner Amtsführung notwendige Vertrauen nicht." In der heutigen Lan-dtaMitznng hielt Ministerpräsident Brau u eine Rede, in der er unter anderem erklärte: Es müsse möglich fein, auf dem von ihm eingeschlagenen Weg eine treue arbeitsfähige Regierung zustande zu bringen. (Lävm rechts.) Gelinge dies nicht, so bliebe nichts anderes übrig, als den Landtag aufzulöfen. Wenn das deutsche Volk zur Ruhe kommen solle, so müsse die Rechte den Kampf gegen die republikanische Staatsform aufgeben. Der Landtag hat sich dann nach Beendigung der politischen Aussprache auf Freitag den 8. Mai mit der Tagesordnung: Abstimmung zu'den Anträgen zur Vertrauensfrage vertagt. gntervarlamentarische Union. Paris, 30. April. (Havas.) Der Rat der Interparlamentarischen Union ist zu einer Konferenz zusamwengetveten, an der Vertreter von siebzehn Nationen teilnehmen. Ministerpräsident Painle ve hielt an die Konferenzteilnehmer eine Begrüßungsansprache. Der Rat hat die Organisation und das Programur foer 23. Konferenz der Interparlamentarischen Union, die im Oktober in Washington und Kanada stattsinden soll, erörtert. Das Programm soll besonders folgende Punkte enthalten: Aendevumg des internationalen Rechtes, Entwicklung der Panamerikanischen Union, Schaffung einer europäischen Zollentente, Mindecheitenprvbleme und die Frage der Abrüstung. Kanya — ungarischer Gesandter in Berit«. Budapest, 30. April. (Tel.-Kontp.) Wie „Pesti Raplo" im informierter Seite erfährt, wird der Berliner Gesandte Ungarns, Gustav E m i ch, in allernächster Zeit von fernem Posten scheiden. An seine Stelle soll der erste Sektiouschef im Ministerium des Aeußern und gewesene Chef des literarischen Bureaus im gemeinsamen Ministerium des Aeußern, Koloman v. Kau ha, als ungarischer Gesandter nach Berlin gehen. Ungarische Nationalversammlung. Budapest, 30. Apoll, (»ng. Tol.-Korr,^Sur.) J,r tzw NationMversammlung unterbreiteten heute der Referent des Wahlvechtsa-usschuffes den Bericht über den Wahlreformentwurf, der Referent des staatsrechtlichen Ausschusses den Bericht über die Oberhausvorlage. Am Schlüsse der Sitzung der Natiionalversammlung kam es anläßlich der Erörterung eines Zwischenfalles ans der jüngst in Rom abgelhaltenen Handelst onferenz zu überarrs stürmischen Szenen. Abgsordtlleter B a r o ß hatte auf der Konferenz den Vertrag v o n T r i a n o n zur Sprache gebracht uud durch feine Ausfühvntlgen lärmenden Widerspruch der Delegierten der kleinen Entente hervorgevufen, woraus Abgeordneter Hohos erklärt hatte, daß Baroß n u r s e i n e i n d i v i d u e lle A n si ch t znm Ausdruck gebracht habe. Tlbgeordneter Hohos ergriff nun znm Schluffe der heutigen Sitzung das Wort, unr fein Auftreten zu rechtfertigen. Die Mgeordneten der Rasse nschutzgruppe unterbrachen ihn durch fortwährende lärmende Zurufe, in denen sie Hohos als Vaterlands- Verräter -bezeichneten. Der zweite Prozeß gegen die Csongrader Bombenwerser. Budapest, 30. April. (Tel.-Komp.) Heilte begann vor der königlichen Tafel der Prozeß gegen die Cs o ngrad er Bomben Werfer. Der Szolnoker Gerichtshof hatte die Attentäter, die am zweiten Weihnachsta-g des Jahres 1023 eme Bombe in den Tat: saa-'l des Hotels „zum König voll Ungarn" in Cf-ongvad ivarfeli, dlirch welche drei Personen getötet nnd 25 schwer verwundet wurden, in erster Jlchauz freigesprochen. Die Staatsanwältschast legte gegen den Freispruch Benlfung ein -und -die königliche Tafel ordnete die Ergänzung -der Uuterlllchltllg in der Angelegenheit des Csongrader Bonckenattentats an, welche von: Szot- «^er Gerichtshof dnr.chgeführt AUÜe. kin polnttcher Selehüer gegen den Rumems rlausus. DK Broschüre der Broseffor« Dr. Richard SonszvnKc. Dieser Tage erschien in Lemberg eine Broschüre in polnischer Sprache, die sowohl üvegen ihres Inhalts nnd mehr noch wegen ihres Autors viel besprochen wird. Die Schrift führt den Titel: „Der Numerus clausus und seine prinzipielle Bedeutung" und hat den Professor der Lemberger Universität Dr. Richard Gonszhniee zum Verfasser. Wenngleich Prof. Gonszhniee >wenig Verständnis für die nationalen Bestrebungen der Inden in Polen verrät, so m»tß seiner. Beweisführung gegen den Numerus clausus, den er gatlz richtig als eine antisemitische Aktion kennzeichnet, schon deshalb besondere Bedeutung beigemessen werden, weil er unseres Wissens der erste polnische Gelehrte und ganz sicher der erste aktive polnische Hochschullehrer ist, der den Mut aufbringt, inmitten einer leidenschaftlichen Agitation der reaktionären Hochschulkreise gegen den judenfeindlichen Numerus olausus seine Stimme zu erheben. Der Verfasser wirft zunächst die Frage auf: ,Mas ist eigentlich der Numerus clausus und was soll mit ihm bezweckt werden?" Hiemit rückt er der Frage an den L-eib und gibt die Entschlossenheit kund, eine Verschleierung der Ziele, die mit dieser Freiheitssbeschränkung angestrebt werden, nicht zuzu-lassen. - „Numerus clausus", kautet die Antwort, „ist die schamhafte BenenRt-ng einer Sache, die beim richtigen Namen zu nennen, ihren Erfindern und Propagatvven der Mut fehlt. Cs handelt sich Kipp und klar unr einen „Numerus olau-s-us judaeorum", mn eine Begrenzung der Zahl der jüdischen Hochschüler." Es handelt sich bloß um die Juden, diese Begrenzung ist nur gegen sie ersonnen worden und wird n -u r g e g e n s i e a n g e w e n d e t. Die Gründe >für die Einführung des Numerus olausus sind zweifache: ein i n nerpoli tischer und ein außenpolitischer. Es wird zur Rechtfertigung des Nu-mevuS olausus der Platzmangel an Hochschulen angeführt. Die Universitäten haben — so wird verkündet — nicht genügenden Raum, um alle, die ausgenommen werden möchten, aufzunehmen. Der Wert dieser Begründung ist jedoch ein sehr zweifelhafter. Ist wirklich zu wenig Platz vorhanden, so gibt es zweierlei Mittel, diesem Uebelstand zu steuern. Entweder man vermehrt durch Errichtung neuer Hochschulen die Zahl der Plätze oder man führt Privilegien nach Maßgabe der Reife und der Fähigkeiten der um Ausnahme werbenden Studenten ein. Aber dieser Grund ist nichts anderes als ein Vorwand, znm Export ins Ausland bestimmt. Der wirkliche Beweggrund ist ein ganz anderer: man will die JU-den an den Universitäten -nicht dulden. Das müsse offen eingestanden werden. So gelangt der Autor zum Kern der Frage, zum Antisemitismus, den er bedingungslos Me-hnt. Der Antisemitismus werde gewöhnlich mit Rassenhaß begründet. Wer wage es aber, ehrlich zn behaupten und daran zu glauben, daß die jüdische Rasse auf niedrigerer Stufe stehe und eine verbrecherisch veranlagte Rasse sei? Eine solche Behauptung treffe doch vor allem das Christentum. Die festesten Säulen des Christentums stammen von Juden ab, und das Christentum selbst war in seinen An sänget: eine jüdische Sekte. Da seien die d e u t s ch e u A n t i s e m i t e n neuester Richtung doch konsequenter, irrdem sie das Ideal der „arischen Reinheit" verkünden, gleichzeitig eine Abkehr vom „jüdischen Christentum" und Rückkchr zum „rein arischen Götterdienst" propagieren. Abgesehen hiervon sei die semitische Rassenrernheit der Inden infolge ihrer Vermischung mit anderen Rassen im Laufe der Geschichte problematisch. , Auch die anderen Argumente des Antisemitismus, die Blutlüge, 'das Schlagwort vonr „Staat int Staate", W Losungen für den wirtschaftlichen Boykott und dergleichen ntehr werden von Prof. Gons-zyniee untel die kritische Lupe genommen. Diese kritische Beleuchtung führt zn dem Schluß, daß der Antisemitismus dem Land« Polen selbst in jeder Beziehung nur schädlich sein könne. Mit Entrüstung weist Prof. Gonfzymec jene Richtung im Antisemitismus, die die Juden durch Repressalien uv^ Begrenzungen zur Taufe zwingen möchte, zurück. Was haben wir Polen von der Tanfbewegung? fragt der Verfasser. War der Jude vor der Taufe ein an« ständiger Mensch, so wird ihn die Taufe, wenn nicht schlechter, aber auch tticht besser machen. Wkr er aber als Jude gegen die Polen ein Hautschiuder, so wird er als g etaufter Jude die Haut doppelt schinden. Ein gutes Geschäft macht hierbei bloß der Täufling, der seine Tauft mit .Hilfe seiner „völkischen" guten Freunde bald in Geld umfetzt. Die polnischen Antisemiten verkünden die Forderung: ,-Entweder muß der Jude sich taufen lassen oder er wird aus dem Lande gejagt." „Es hat schon einmal", sagt Prof Gonszyniec, „ein Land gegeben, das dieses Rezept angewendet hat. Das war Spanien. Und was ivar das Resultat dieser Kur? Spanien ist heut, arm und elend. In diesem klerikalen Land wird auf die hungrige Gesellschaft geschossen; das Land führt Krieg, weil der König an den Geschäften vor Schiffsgesell schäften beteiligt ist, und die Bevöb kerung wird nur durch eine terroristische Diktw t u r niedergehalten. So sieht das von den polnischen Chauvinisten und Klerikalen gerühmte Paradies aus." Tie Hakenkreuz-Technik. Ern Erlaß des Rektors. Die Raufereien,- die am Montag Zwischen sozialistischen und dentschnationalen Studenten an der Technik begonnen hatten und am Mittwoch in größevein Umfang ihre Fortsetzung fanden, ibewogen endlich das Rektorat, das durch s-eiu-e Duldung viel Schuld an diesen Vorfällen trägt, in einem Erlaß Stellung zu nehmen. Der gestern vm schwarzen Brett angeschlagene Erlaß lautet: : In den letzten Tagen wurde von einer Gruppe, die nur zum Teil aus Studenten der Technik besteht, durch hetzerisches Ve-rhalten Unruhe in die Studentenschaft getragen, die zu lärmenden Kundgebungen geführt hat. .Ich spreche den Stövefrieden »meine schärfste Mißbilligung aus und warne sie ueuerdings vor der Fortsetzung ihrer verderblichen Tätigkeit. Ich untersage jede Handlung auf akademischem Boden, die seinen Frieden bedroht. Die von außen kommenden Hetzer werden der zuständigen Stelle augezeigt und die Mchtvergesieuen Angehörigen der Hochschule haben die strengste Disziplinarstrafe zn erwarten. ' > Ich vertraue auf die Studentenschaft in ihrer großen Mehrheit, daß sie die akademischen Behörden in ihrem Streben nach EHaltung der friedlichen Arbeit tatkräftig unterstützen werde. Es wäre angezeigt gewesen, wenn Hofral Saliger uttzweideutig ausgesprochen hätte, wen er eigentlich rügt. Da er der Schöpfer der Studentennationen ist, kann man Wohl annchmen, daß er sich gegen die Verbreiter des Flugblattes wendet. Das ist aber nicht ganz Kar gesagt, und so bostsht die Möglichkeit, daß sich doch irgend einer der 'Hakenkveuzritter getroffen fühlt. Es ist nur s-Mstverstäudlich, baß der Rektor nicht mit einem Worte d-en Skandal berührt, daß die jüdischen Studenten ausnahmslos am Betreten «dev Vorlesungssälü verhindert wurden. Offenbar ist dieses Verhalten der Juden, die durchaus studieren wollen, ein hetzerisches und Mt unter die -rektovliche Rüge. Für die heutige Berhandümg des Sensationspvozesses hatte ldas Präsidium der königlichen Tafel selbst außerordentliche Vorsichtsmaßnahmen von der Oberstadthauptinamrschalft verlangt. Dementsprechend erschien ein u u g e >iv ö h n ll i ch großes P o l i z e ianfgebo t i-m Gerichtsgebäude, was deshalb bemerkenswert ist, weil eine Verhandlung der königlichen Tafel zum erstenrnäl unter polizeilichent Schtttz dttrchg-eführt wird. Als Angeklagte erscheinetr Ladislaus Simko, Nikolaus Bülöu, Johann und Georg Piroska, Ibha-nu und Rochus Sagt -und Andor Fülöp. Die Angeklagten werden-, -wie in Szolnok, vour Abgeordneten Dr. Franz Ulain und dem 'Szegediner Rechtsanwalt Dr. Stephan Szechenyi verteidigt. Als erster der Angeklagteit wird Ladislatts Simko eillvernottlUlen. Er verantwortet sich a-berntals datnit, daß ihm fein erstes Geständnis durch unmenschliche Arißhan-dlungen der Polizeiorgane von Csongrad erpreßt wordert sei. Der Allgeklagte beschuldigt den Ministerialrat D ioszeghy, daß er die Detektivs angeeifert hätte, alle Baschu-ldigteu solange zu prügeln, bis sie sich als Urheber des Bonlbenauschlages ibekennen. Berhastung des Ge«eraldkettors Sarah. Budapest, 30. April. (Tel.-Komp.) Der wegen Betruges und mchrsacher U-ntevschlagnngen seit vier Tagen steckbrieflich verfolgte Generaldirektor der „Transeuropa", Ele-m-er Hazay, wurde hertte ntorgens in Preßbnrg v -e rha ft e t. Die -notwendigen Schritte zur Auslieferung Hazatzs an die nngarischuf Behörden «sind bereits eingeleit-et, SeftemM vor dem Völkerbund. Paris, 30. April. Die nächste Sitztlng des öst-e ra re i chi-sche n Ko n t r oll k-omitee s des Völkerbundes findet morgeli uni 3 Uhr uachiuittags unter -dem Vorsitz des italienischeu Delegierten Cusano-Confalonievi in Paris statt. Generalkomittissär Dr. Z i m nt e r «nt a n ist heute ln Begleitung der Herrelt Rost -u-nd Pelt hier e-illgetroffeu. Frankreich wird durch den politische-n U-nterdirektor im Außenministerium Seydoux vertreten sein, Die Ko nirollko mmissivn des Völkerbundes Ultter dem Vorsitz des tschecho-sloivakischen Gesandten in Paris, Ossuckh, ist zu ihrer ordentlichen SeSiWMwWMÄM ' '' *1» ■ l : « , i i V: •S '{ M y| ■ ----- ssaä