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Wiener Morgenzeitung · 1925-05-01 · Heft 2225 (1.5.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2225 (1.5.1925)
Date
1925-05-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seile 2 _Wien, Freitag_ Sie erwachende Erzherzogin. Unna von Sachsen als Fahnenmuttcr einer Mörderbande. Aus Budapest wiruns berichtet: Großes Aufsehen erregt eine Verlautbarung des Verbandes der Erwachenden Ungarn, in tvelcher mitgetei-lt wird, daß bei der am 3. Mai in H a t v a n ftattfindeuden Fahnenweihe des dortigen Lokalvereines der Rassenschützler die Gattin des königlichen Erzherzogs Dr. Josef Franz, Anna, Prinzessin von Sachsen, als Fahnennmtter fungieren tverde und ihr pavsönliches Erscheinen in Begleitung ihres erz-- l-erzoglichen Gemahls bestimmt zugcsagt habe. Die Festrede HM der Präsident des Zentralverban-des der Erwachenden, Tibor Eckhardt, während der Abgeordnete Johann Zfirkay über den Rassenschutz sprechen wird. Zu dieser Meldung schreibt „Vilag": Es mag als interne Angelegenheit des Verbandes der Erwachenden Ungarn hrngastellt werden, daß die ungarische Rasseusch^levei durch den Namen einer vor einigen Monaten eingewanderten sächsischen königlichen Prinzessin gedeckt und ihre Person als Schutzpatronin gewählt wird, wenn man daran geht, den gesellschaftlichen Frieden einer kernmagyarischen Stadt zu stören. Indent die ungarischen Rassenschützler ein Mitglied einer ausländischen entthronten Herrschersamilie. das noch vor wenigen Monaten das Ungartmn kaum dom Namen nach gekannt hat, zu ihrer Patwnin erwählen, bekunden sie bloß, daß sie ihren Traditionen, die sich in ihren Führern verkörpern, treu geblieben sind. Wir müssen es loyal zugoben, daß Prinzessin Anna van Sachsen einen nicht um vieles kleineren Rechtslitel auf das oberste Patronat über den magyarischen Rassenschutz besitzt als die Wolff, Haller, Zisilinsky, Eckhardt, Alain und die übrigen ungarischen rassenschützlerischen Führer. Einer ganz anderen Beurteilung unterliegt jedoch das Verhalten der Prinzessin Anna von Sachsen und ihres Gatten Erzherzog Josef. Die sächsische Prinzessin kennt gewiß nicht die ungarischen Verhältnisse, kann sie auch in der kurzen Zeit ihres hiesigen Aufenthaltes noch nicht kennen gelernt haben, mn anzunehmen, daß sie sich nach reifer Uaberlegung in den sozialen- Kampf - eingemengt hätte, der sich oft an der Grenze des Bürgerkrieges bewegt und von jener Bereinigung geschürt wird, dessen Protektorat sie leichtsimngerwerse übernommen hat. Es wäre Pflicht ihres Gatten und seiner Familie, die sächsische Prinzessin aufzuKären und von Ausflügen, wie dom jetzigen nach Hatvän, abzuhalten. Die ungarische Gesellschaft darf dies mit Recht von der Familie erwarten, die kein Geheimnis daraus macht, daß sie bei der Dur chführung ih re r weitgehenden Pläne auf das Vertrauen der Gesamtheit der Nation aspiriert. Ser Prozeß »ege« Re bulgarische« Somit«* attentSter. Sofia, 30. April. (Bulg. Tel.-Ag.) Die dem Kriegs-- Gericht übermittelte Anklageschrift stellt fast, daß das Attentat in der Kathedrale, der Anschlag gegen den König, die jüngsten Bandenemfälle bei Godet sch und mehrere andere Gewalttaten das Werk eines Bersch w ö r e rk o m i t e e s sind, das aus Angehörigen -des komnnmistischen Geihevmkomitees und des Geheimkomitees der Agrarier bestand. Entgegen der früheren Version Mt die Vorbereitung der Explosion in der Kathedrale nicht M i n k o w, sondern einem gewissen A b a d s ch i e w, einem Techniker, zur Last, der die Explosivstoffe. beschafft und die Höllenmaschine angefertigt hat. Die wegen der Attentate Angeklagten sind: Fr i dm an, der Kirchendiener, Abadfchiew, Gran tf charow, Petr in i, Kossowski, K o o w und Dimitrew. Von diesen befinden sich nur zwei in den Händen der Justiz; die anderen sind geflüchtet oder getötet worden. Die Anklageschrift verlangt für alle diese Angeklagten die Todesstrafe und für Daskalow und Kanvburow, die beschuldigt sind, den Kirchendiener und Abadfchiew verborgen gehalten zu haben, eine Gefängnisstrafe bis zu acht Jahren. Abschriften der Anklageschrift sind den Angeklagten sowie ihren amtlich bestellten Verteidigern übergeben worden. Die Zahl der vorgeladenen Zeugen «beträgt etwa sirnfzig. Re Vorgänge in Bulgarien. tägliche Meldung. Sofia, 30. April. Gestern erhielt die Polizei die Nachricht, daß Grantscharow, ein Mitglied des Ver-- schwövungskamitoes, das die Terrorakte organisiert .hat, sich in einem Bauerngehoft von D a r w i n tz a in der Umgebung von Sofia verborgen halte. Eine Abteilung Polizei unter Führung dos Polize «Präfekten begab sich in Automobilen in das genannte Dorf, umzingelte das Haus und spürte Grantscharow auf. Dieser feuerte vom Fenster des Dachbodens aus auf die Polizei, ohne jemand zu treffen. Die Polizei erwiderte das Feuer, wobei Grantscharow getötet wurde. Die Erpressungen in Mazedonien. Zu den Meldungen der Jüdischen Telegraphen« agentur über Erpressungen an Juden in Bulgarien, die dann von der Bulgarischen Telegraphenagentur zum Teil bestritten wurden, meldet die Agence d'Athenes: Im Gegensatz zu den Dementis der Bulgarischen Telegraphenagentur bringen die jüdischen Zeitungen von Saloniki Einzelheiten über die Verfolgungen der Juden in Bub _ Mlener Msraenzettitriq.^_ garten, vor olb-.u übcv Erpressungen durch makedonischbulgarische Komitees. Tie Zeitung „Fo r t fr«i r i t t", das Organ der israelitischen Genkeiude in Saloniki, meldet: Ein revolunonärer Sonderallsschuß, der scine Weisungen von einem mazedonisch-bulgarischen Komitee evWt, forderte d i e jüdische Gemeinde in Sofia auf, sechs Millionen Letva in eine angebliche Wohl1ätigke itskasse eilrzuzahlcu. Da die Gomeinde erklärte, sie könne u n« möglich eine solche Summe leisten, verlangte das Komitee von allen Juden Bulgariens ein« Summe von sechzig Millionen, die nach inehrfachen Berhandlungerr auf zwanzig Millionen Lewa herabgesetzt wurde. Ter Minister des Aeußern K als off. der um sein Eingreifen ersucht wurde, antwortete, es sei der Regierung u n m ö g l i ch, die Tätigkeit der Komitees zu unterdrücken, di« Juden sollten jeder ein« bestimmte Summe zahlen, um einen Beweis guten Willens zu liefern. Die Zeitung „Fortschritt" versichert, Miniisterpräsident Z a n k o f f habe einem Mischen Kaufmann, ider mit ihm befreundet ist, auf dessen Klage erwidert, er müsse sich unmittelbar mit dem betreffenden mazedonischen! Komitee verständigen. Das Blatt erwähnt anßerdoin den Fall des amerikanischen Konsuls in Sofia, Goldstein, der beinahe zu einem diplomatischen Zwischenfall geführt hätte, weil das Komitee von ihn: als Juden eine halbe Million Lewa gefordert hätte. Ter Mische Kaufmann Jakob Amar aus Philippopel wird vermißt. Die bulgarische Regierung hat, wie bekannt, in der Vorwoche wieder ein Dementi der Sofioter Mischen Kreise veranlaßt. Kela Attentat »ege« Shamberlain. London, 30. April. ,Morning Post" erklärt, aus amtlicher Quelle erfahren zu l>abe.n, daß das Gerücht von einem Anschlag gegen Ehamberla in vollkommen unbegründet ist. Die Union Wischer Frauen Amerttar und die tzinwauderun». New-Aork, 29. April. (I. T. A.) Mß Flovina L a ske r, die Präsidentin des Einwanderuugsausschusses der Union jüdischer Frauen Amorikäs, berief für den 26. April nach New-Pork eine Konferenz über Emwandevungsfragen ein, -welcher Vertreterinnen aus fünfzig Städten des Ostens beiwohnten. Die Konferenz befaßte sich amt der Erschwerung der Einivanderung von Personen aus den osteuropäischen Landern und mit der oft grausamen Handhabung der Einwanderungsvorschriften gegenüber osteuropäischen Mischen Gmigranfen. <g& würde eine umfangreiche Aktion zugunsten. Der Naturalisierung der ausländischen Juden in Amerika -beschlossen. Der 3iomstenkongreß kommt. Kaufet den Schekel! Kosteten» des guteruationalea Frauearater. New'Vork, 29. April. (I. T. A.) Zivifchen dem 4. und 14. Mai findet in Washington die siebente Fünfjahreskonferenz des internationalen Frauenrates statt. Das vordere it-ende Komitee steht unter der Leitung der Bizepräsi-- dentin des Nationalratt's der jüdischen Frauen Mrs. Nathan ial E. Harris. Die Marquise von Aberdeen und Temair, di« Präsidentin des internationalen Frauenrates, wird der Konferenz -beiwohnen. Ferner werden ertvartet: Dr. Miee Salomon aus Berlin, ein« der Bizeprästdeutinnen; -dann Frau- Dr. -Fanny Readiug, die Präsidentin des jüdischen Frauenrates in New-Sonth- Wales, Australien; Miß Rose Brenner, die Präsidentin des jüdischen Frauenrates der Bereinigten Staaten; Mrs. Gstelle M. S t e u b e n g e r, die Sekretärin 'der Exekutive - des internationalen -FrauenrateS. Lessmtlkchkeitsrecht für da« hebräische Lehrerseminar i« Wllna. Wilna, 29. April. (I. T. A.) Der Unterrichls-ininister Stanislaw Grabski verständigte das Präsidium des Jüdischen Nationalrates in Polen durch ein persönliches Schreiben, daß er bereit fei, dem hebräischen und dom jüdischen Seminar zu Wi'lna Rechte einer öffentlichen A n st a l t zu verleihen; er stelle aber die Gvdrngung, daß die Schlußexamen vor einer von der öffentlichen Schulbehörde -eingesetzten Kommission unter Vorsitz eines Regiernngsvertveters abzulegen seien. Die Absolventen werden als Lehrer in Bolksschttlerv mit heibräischer und jüdischer Tluterrichteispvache wirken; an allgemeinen Volksschulen werden sie judalstischen Unterricht erteilen dürfen. Hiadeuburg akmatt an. Berlin, 30. April. (Wolff.) GemräWdrnarschall von Hindenburg hat in einem heute beim Reichslvahtteiter eingsgangenen Schreiben vom 39. April erklärt, daß er bereit sti, die Wahl zürn Reichspräsiderrten auzunechnen. 1. Mo' . Nr. 2826 Ae Sieger. Berlin, 30. April. (I. T. A.) Die 'Willst Hindeuburgzum Reichspräsidenten hat im Pogromlager großen Julbel. hervorgerufen und gennsse Hoffnungen ge-weckt. DieS kommt in zahlreichen Preffestinrmen znur Ausdvuck. In der „Deutschen Zeitung", dem Organ de'S großen völkischen Flügels der deutschnatioualen Volkspartei, schreibt Otw v. Schilliug: „Unser Sieg stellt eine tief 'beschäm-eude, -furchtbare Niederlage des deutschen Todftindes dar. des i uter »atio nalen Judentums. Seit dom August 1914 ist iXMit Juden tu Nl in D eutschland nicht derartiges Unheil widerfahren. Die vier schndählich durch Uneinigkeit und .Habgier -unterlegenen Parteien der Hindenburg-Feinde, Z c n t r um, Demokraten, Sozialdemokraten und Kommunisten, bilden die gesandte Kampfmacht des Judentuuts in Deutschland. Das heutige Zentrum ist derartig jüdisch durchsetzt und' zersetzt, daß man es nicht anders mehr denn als eine Hilfstruppe der Juden botverien kann. Wer hat denn den Hoefle ins Unglück, in Schande und Tod gebracht? Wer hat den Kuhhandel mit der völlig verjudeten preußisch c n R e g i c r u u g ins Werk gesetzt? Die ganze domokratifche Partei wird von der J-udenpresse -behorrscht, alle -bodeuten-den Führer der So-zialdemokratie sind Juden oder Judenstämmiliuge. und die KouvMunisten schwören auf die Mordjude u Rußlands. Wären alle diese Ju-den am Sonntag einig gowesen, daun »vüvde Marx mit genau devsolben Mehrheit deutscher Reichs-Präsident sein, wie es jetzt G o t t s c i D a n k der Foldrnarschall Hiudeuburg ist... -Ueber diesen Erfolg, dessen Größe in Anbetracht der U'NMschöPflichen Geldmittel und sonstigen Untevstützungsmöglichkeiteni -des nationalen Judentums gar nicht hoch genug einzuschätzen ist, können wir heute wohl froh und stolz sein... Aus der schwersten Not und Gefahr, geradezu vor dom Untergang sind wir orrettet worden, doch -tvahvlich nicht durch unser eigenes Verdienst, sondor-n lediglich!rnd ganz allen! durch di-e. Gnade des Herrn." rer Bund der A«frechteu. Berlin, 30. April. (I. T. A.) Eine Berliner WLittagSi.. zeittmg hatte vor kurzem mitgeteilt, daß der Schwiegersohn Hindenburgs, Herr v. B r o ck h u s e u, der Gründer dos Bundes der Aufrechten, cs war, der den Marschall zur Ueibernahme der Kandidatur bewogen hat. Dazu teilt der Vevein zur Abwehr des Antisomitismus mit: „Der Bund der Aufrechten bedient sich in feiner auj Wiederherstellung der Hohenzollernmonarchie gorichteten Propaganda ' einer wüsten antisemitischen Hetzerei, voll von genreinen Verleumdungen und haltlosen Angriffen. Zwar ist der Bund der Auftechten nach der Ermordung Rathenaus aufgolÄft worden. Wird aber sein Führer... bei seinem Schwiegervater nicht einen Einfluß zu erlangen suchen, daß er ihm die alten Ziele 'weiter zu verfolgen erlaubt? Ein Man-n, dor unter Republik nur Jnd-okratie verstehen kann, der seinerzeit die Berl-vu-mdung verbreitet hatte, daß die Judokratie Berlins Obcvschlasien aufgegeben habe... Weit idavon entfernt, dem Feldmarschall die Ungerechtigkeit a-ntisemitrscher Einstellung zuzutrauen, glauben wir doch ans die Gefahren hintoeiisen zu müssen, die in der nächst« Umgebung Hindenburgs ihren .Herd haben." Meißner bei Hi»de«b«r». (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) Berlin, 30. April. (Tel.-Kmup.) StaatSftkvetär Doktor M «i ß n e r 'hatte honte in .Hannover eine erngo'hende Besprechung mit dem neuen Reichspräsidenten d. Hindenbnrg über die mi der Amtsübernahme verbundenen Feierlich-, keiten. Ms Termin für die Amtsübernahme wurde der 11. oder 12. Mai festgesetzt. Die Feierlichkeiten werden in einen Haupt- und in einen Nebenakt geteilt sein. Als Hauptakt wird die B e reidigung Hindenburgs auf die Republik u-nd die Verfassung bezeichnet. Hindenburg wird den Eid im Reichstag in die Hände des Reichstagspräsidenten Loebe leisten. Bor den! Reichstag wird eine E h r e u k o -m P a g n i« der Reichswehr Aufstellung nehrnen, deren Front der neue Präsident nach seiner Vereidigung abschveiten wird. Darauf begibt sich -der Reichspräsident in das Präsidentenpalais in der AZilhelmstraße. Nach A'bteguug des Schwures wird Hindenb-urg eine kurze Ansprache an die Reich'stagsa'bgeordneteu und au die Vertreter der deutschen Länder richten. LStzawr gagd. (Lizeudienft der „Wiener Mvrgenzeitung".) Berlin, 30. April. (Lel.-Komp.) Gegen den in Unter» suchuugshaft befindlichen Freihorrn v. Lützow, der sich - als Leiter des LaudeserziehungSheintes in Zossen schwere, sittliche Verfehlungen hat zuschulden konunen lassen, ist nnmne'hr di« Anklage erhoben worden. Die Ge»! richtSverhan-dlung wird zu einem der größten Prozess« der letzten Jahre werden. Bisher wurden schon im Unter» suchungSverfahren rnehr als 400 Zeugen ve-rn-ommen, di« zum Teil schiver belastend für den Angeklagten aussagden. Das Menmatcriat umfaßt -nicht weniger als zwölf sha-r-ö Bände.

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