Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2225 (1.5.1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IPolen8 aöumgyl Wien: Zum Abholen Inder Expedition, IL Taborstr. 1*3, oder in einer Verschleisstelle /Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien and Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon.K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachsahltmaen bei Preis« erhOhanlen Vorbehalten das mühelose Parkett-Glanzmittel ErbaUUdi la allen eiaichlSgigen Qefdi affen Wiener Morgenrettung IPraia 20 al England: Mon.4 Schilling, Italien: Monatl. 18Lire, Rumäni en: Mon. 170 Lei, Bulgarien: Mon.ICOLewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion. Administration: Wien, Ü.Taborstr.l Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21*102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Rr. 2225 Wien. Freitag. 1. Mai 192S 7. Fahrgang Ler repräsentative Rat in krez Israel. ßinberulung vor V« Währungsreform. — Ser Hafkn in Haifa. Jerusalem, 29. April. (I. T. A.) In Beantwortung einer Reche von Anfragen der arabis chen Nati onal* Partei (gemäßigte Richtung) teilte die Palästinaregierung mit: Der palästinensische Repräsentantenrat wird, sobald die verantwortlichen Personen ihre Bereitschaft, sich an den Wahlen zu beteiligen, kund tun, zur Wahl gestellt und dann unverzüglich einberusen werden. Bezüglich der n e u e n p a l ä st i n e n s i s ch e n W ä h--- rung wird mitgeteilt, der Beschluß, die palästinensische Währung auf dem Pfund Sterling basieren zu lassen, wurde vom Kolonial amt gefaßt. Die Einzelheiten des Projekts sind noch Gegenstand einer Prüfung. Die neue Währung soll in möglichst naher Zeit eingeführt werden. Die Palästinaregierung gedenkt, vor 'der Aufgabe der neuen Noten und Münzen die beratende Körperschaft einzuberufen, um deren Billigung zu erlangen. Bezüglich des H a f e n b a u e s i n P a l ä st i n a teilt die Regierung mit, es sei beschlossen, den Hafen in Haifa unter Aufwand von einer Million Pfund Sterling zu bauen, Der Amschwms in Fusoslawien. Bor dem Eintritt der Radie-Partei in die Regierung. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Belgrad, 3V. April. Der König hat das Kabinett Paste, das bisher nur als Wahlministerium fungierte, heute als ordentliches Ministerium im A m t e b e st a t i g t. Zugleich hat die Regierung Pasie eine teilweise Rekonstruktion erfahren. An Stelle des zurücktretenden Dr. Surmin wurde der selbständige Demokrat Dr. Grisogono zum Handelsminister ernannt, an die Stelle des bisherigen Radikalen Verkehrsministers Strnie tritt der Radikale Abgeordneter Radojevie und an Stelle des selbständigen Demokraten Dr. Krisman übernimmt der Radikale Simonovie das Agrarportefeuille. Der Minister ohne Portefeuille Mate Drinkovie ist aus der Regierung ausgeschieden. Die beiden kroatischen Minister Surmin und D r i n k o v i e gehören dem rekonstruierten Kabinett Paste nicht mehr an, da sie bei den letzten Skupschtinawahlen kein Mandat erhalten haben. Die parteimäßige Zusammensetzung der Regierung hat sich sonst im wesentlichen nicht geändert, Dem neuen Kabinett gehören vier selbständige Demokraten an, während in der bisherigen Regierung fünf selbständige Demokraten saßen. Die Verhandlungen wegen des Eintrittes der Radie-Partei in die Regierung werden inoffiziell weiter geführt. Endlich wirb mitgeteilt, daß die Eintragung von P alästinensern in die Listen der Hedfchas- A r m e e den Landeßgesetzen zuwiderläuft und bestraft wird Aeußerung einer kanadische« Politiker». Bei der am 6. April in Ottawa (Kanada) abgehaltenen Feier aus Anlaß der Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem sprachen der Ministerpräsident von Kanada, W. L. Mackenzie King, und der frühere Premier und Führer der konservativen Opposition, Artur Meighen. Nach einer Begrüßung durch den Präsidenten der Zionistischen Organisation Kanadas, Mr. A. I. Freiman, hielt der Premierminister eine Ansprache, worauf Mr. Meighen 'das Folgende ausführte: Von allen Resultaten des Weltkrieges ist keines so wichtig und fo menschlich erhebend, wie die Wiedergabe Palästinas an das jüdische Volk. Wir alle find uns der Schwierigkeiten der britischen Regierung in der Durchführung der. Politik der Balfour-Deklaration bewußt, wir wissen aber auch, daß Großbritannien das erfüllen wird, was seine heilige Pflicht ist. Der 1. MaL Die Maifeier: in Jugoslawien vevboten. Graz, 30. April. Die ,Tagespost" meldet aus Belgrad, daß die Feier des 1. Mai im ganzen Staate Vevboten 1 Alle Veranstaltungen sind untersagt worden, Keine Umzüge in Parkis. Paris, 30. April. (De'l.-Komp.) Der Ministerrat beschloß in einer heute abgvha'ltenen Sitzung, für den 1. Mai alle Versammlungen unter freiem Himmel und die Veranstaltung von Umzügen zu verbieten. Die Abhaltung von Versammlungen soll in bestimmten Vorstädten von Paris erlaubt «werden. Cachin davf nicht nach Belgien. Brüssel, 30. April. (Tel.-Komp.) Auf Verfügung des , Innenministers Massen wurde denr französischen Kommunisten Maroeil Cachin, der am 1. Mai in einer Kommunisienversammlung in Brüssel sprechen sollte die Einreise nach Belgien untersagt. Sicherheitsmaßnahmen in New-Dork. New-Aork, 30. April. (Tel.-Komp.) Am 1. Mai wird in New-Iork die. polizeiliche Bewachung aller öffentlichen Geibäuden verstärkt werden. Auch sonst werden umfassende Sicherheitsmaß-« nahmen vorbereitet. Doch glaubt man, daß es anläßlich der Wlaifeiern zu Ruhestörungen nicht kommen wird. Wegen deS Staatsfeiertages erscheint Me nächste Nummer den „Wiener Morgenzettung" morgen Samstag den 2. Mai, vormittags. Händler und Helden. -7. W i e n, 1. Mal . - .eine furchtbare Niederlage des internationalen Judentums." Das ist nach der Berliner „Deutschen Zeitung", einem Junkerblatt, die Wahl des Marschalls Hindenburg. Zwar ist der Gegenkandidat Marx einer der namhaftesten Führer des katholischen Zentrums. . Aber da nun einmal unter den Neogermanen die Tendenz besteht, das römische Christentum, wie überhaupt das Christentum, der jüdischen Herkunft wegen mit dem großen Bann zu belegen, ist der Sprung bis zur Niederlage des Judentums nicht so weit. „Die Gnade des Herrn," sagt das zitierte Blatt weiter, „hat das deutsche Volk aus der schwersten Not, aus der Gefahr des Unterganges errettet." Die Gnade manifestiert sich in etwas sonderbarer Art in den kommunistischen Stimmen, die die Position Marx' so weit schwächten, daß Hindenburg die Mehrheit erhielt. Und da die „Deutsche Zeitung" die Kommunisten zu den Gegnern zählt, so würde sich die Tatsache ergeben, daß die Juden sich selbst ent Bein gestellt, sich selbst die furchtbare Niederlage bereitet hätten. Die Mentalität des Hakenkreuztums stößt sich nicht an derlei Ungereimtheiten. Sie ist gewöhnt, in einem Atemzug via Juden für Licht und. Schatten, für den Krieg und für den Frieden verantwortlich zu machen, und so ist es nur selbstverständlich, daß die Gnade des Herrn, die durch das viele Geld der Schwerindustriekonzerne verstärkt wurde, zur Erklärung des Wahlausganges herhalten muß. Die Herrschaften, die sich/anschicken, Deutschland En die neue Zeit zu führen, sind sehr fromm. Sie denken immer an das Heil ihrer Seele, aber auch an das Wohl der Menschheit, so wie sie es nämlich verstehen. Den Krieg haben sie mit den Lutherchorälen begonnen und durch die Kriegszeit hindurch war es ihr vollstes Bestreben, möglichst viele Menschen in die Ewigkeit zu befördern. Die Konfessionen waren nebensächlich. Katholiken und Protestanten, Juden, Türken, und selbst die heidnischen Neger mußten heran, die Friedhöfe zu füllen. Und jetzt nach dem Krieg spielt die religiöse Erneuerung des deutschen Volkes eine sehr wichtige Rolle in dem Weltprogramm der deutschen Reaktion, die nicht bloß die Juden, sondern auch den Katholizismus mit ihrem Hasse beehrt. Das ist eigentlich wieder unlogisch und undankbar. Denn der antisemitische Kampf wird auch von Rom aus geistig alimentiert und die Geheimnisse der Weisen von Zion wären nie zu ihrer heutigen Popularität gelangt, wenn sich nicht die katholische Presse in den Dienst der guten Sache gestellt hätte. Das Problematische, dieser ganzen alldeutschen Argumentation zeigt sich aber am stärksten in ihrer rein materialistischen Weltauffassung. Der Heroenkult war gut für die Agitation. In den Versammlungen wurde die romantische Glocke geläutet und das Sombartsche Lied von den Händlern und den Helden gesungen. Hindenburg ist der schlachtgewaltige, schwertklirrende Recke der großen Zeit. Er ist die Absage an den jüdischen Rationalismus, die Abkehr von einer nur, von wirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgehenden Lehre. Reparationen, Schulden und Geldsorgen schwinden ins Blaue, ins Walhall. Von dort muß ein anderer Geist kommen. Aber diejenigen, die dies kündeten, hielten die Blicke fest auf Walstreet gerichtet. Es waren ia gute Sachverständige, die Ruhr- und Rheinmagnaten, die sich den passiven Widerstand von Stresemann hatten feste bezahlen lassen, die an der Inflation dick verdient hatten, nachdem ihnen schon der Krieg fette Lieferungsprofite gebracht hatte. Diese Nationalen, die das Vaterland nicht gepachtet, sondern im sicheren Besitz haben, decken sich gut nach allen Seiten. Ihre Presse verdammt den Dawes-Plan als indische Ausbeutung im Dienste der Freimaurerei, aber bei der entscheidenden Abstimmung versagte den Nationalen ihr völkisches Gehirn. Sie stimmten dafür, isn den Wahlversammlungen schrieen sie, daß nunmehr ein neuer Ton in die Politik komme, daß das deutsche Volk sich auf sich selbst beschränken und den Versailler Frieden zerreißen werde. Aber ihr Hindenburg mußte dorlesen. daß ex alles zur Kenntnis nehme. den Frievrar «M eine Lollaranlelhe. Graz, 30? April. In der heutigen Sitzung des Gemeindevates -teilte Bizebürgermeifter Rückl mit, daß der Vertrag mit dem Bankhaus Richards in New - 8) ork wegen Aufnahme einer Anleihe in der Höhe von 2,5 M i l-> Itonen Dollar definitiv abgeschlossen und die erste Tranche im Betrage von einer Million, Dollar Nominale, bereits der Gemeinde Graz überwiesen worden sei. den, die Grenzen, die Reparationen, den Dawes-Plan, überhaupt alles. Bon Walhall scheint's ein weiter Weg nach Wallstreet, aber die Leute, denen die Gnade des Herrn sichtbarlich zuteil wird, wagen ihn doch. Im Wahlsaal sind sie Helden, draußen sind sie Händler.' Und handeln mit der jüdisch orientierten Entente, mit der amerikanischen Hochfinanz (die wirklich nicht jüdisch ist, sogar antisemitisch, aber in Europa dafür ausgeläutet wird), sie würden aber auch mit Juden handeln und ihnen das deutsche Volk und den deutschen Gott verkaufen und liefern. Ihr Gott ist nämlich das Geld, und deshalb haben sie immer wieder nach Amerika klsenftadt — Hauptstadt der Burgenlande». Eisenstadt, 30. April. Der Landtag hat mit 20 gegen 9 Stimmen «beschlossen, die Stadt Eisenstadl zum Sitz der Landesregierung zu erheben. In der Sitzung des burgenländisch-en Landtages ist der bisherige Präsident dieser gesetzgebenden Körperschaft Abgeordneter Mora Witz von feiner Stelle zurückgetreten. telegraphiert, daß die Wahl Hindenburgs nichts an der Politik Deutschlands ändern werde. Aus dem Sieger von Tannenberg wurde über Nacht ein Börsenmakler. Nach der Wahl liest pn alles anders. Nach der Wahl ist der Sieg der Händler ein Sieg der Helden. Sie sehen wieder den Wotan mit seinen Reben und drehen sich geschwindiglich wie das Eichhörnchen Ratatöskr um die Weltesche. Eine Niederlage des Judentums ist der Sieg der Reaktion, die sich jetzt beeilt, an die Staatskrippe zu kommen, und, innner feste druff, einzupacken, was sich an Goldmark findet. Dazu singen sie fromm und aotteraeben: Eine feste Bura