Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2224 (30.4.1925)
- Date
- 1925-04-30
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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fft. 8TS4 Men, Donnerstag Wiener Morste rizeitung Hindenburg wird eine Amnestie erlasten. Berlin, 29. April. (Tel.-Komp.) Der „B. Z." zufolge soll beim Amtsantritt des neuen Reichspräsidenten v. H t n d e nb u r g eine allgemeine Amnestie erlassen werden. Ser prevbische Landtag vor der AnMang. Berlin, 29. April. (Tel.-Komp.) Der Preußische Ministerpräsident Dr. Braun ist mit einigen rechtsstehenden Parteien wagen Erweiterung der Regierungsbasis in Fühlung getreten, doch glaubt man nicht, daß diese Unterhandlungen die Auflösung des Landtages tuenden aufhalten können. Die entscheidende Zlbstimniung über die von Braun gestellte Vertrauensfrage findet erst am Freitag nächster Woche statt, da Braun an der Einweihung des Deutschen Museums in München teilnimmt. Englands Rücklehr rar GoldwShrung. Hausse an den amerikanischen Börsen. Paris, 39. April. Aus New- Vor! wird gemeldet: Der Entschluß der britischen Regierung ans Wiedereinführung der Goldwährung habe an der Börse e i n o H a u s s e in AuSlandSwerten hervorgerufen. Der polnisch-tschechische Schiedoverttag. Prag, 29. April. (Tschech.-slow. Preßbur.) Morgen wird gleichzeitig in P r a g und W a r s ch a u der T e x t d e S tschechisch-slowakisch-polnischen Vertrages über ein Vergleichs- und Schiedsgerichtsverfahren veröffentlicht. Der Vertrag enthält 25 Artikel, die sich vorwiegend auf die f o r m a l e S e i t e des Vergleichs- und Schiedsgerichtsvertrages beziehen sowie ein S ch l u ß p r o t o k o l l. Der Vertrag tritt dreißig Tage nach Austausch der Ratifikationsurkunden in Kraft und hat fünf ^ahre G eltung. Ae Borgiinge kn Bulgarien. Die tägliche Meldung. Sofia, 28. April. (Bulg. Tel.-Slg.) Boi einer Mchsovschung der P o l i z e i ln einem äußeren Stadtteil stießen die Polizeiagenten auf den Widerstand eines Mannes, der das Feuer eröffnete und einige Gendarmen tötete und verwundete. Es gelang chm, sich in einen Kanal außerhalb der Stadt zu flüchten, wo er jedoch umzingelt und getötet tw'nvde. Gs wurde festgestellt, daß er ein wiederholt bestraftes Individuum ist, nach dom die Behörden seit längerer Zeit fahndeten und das vor zwei Tagen den Gemeindesekretär von Bojana e rmordet hat. Verhaftungen« Sofia, 29. April. (Bnlg. Tol.-Ag.) In Philippopel sind gestern Hausdurchsuchungen vorgenommen Und einige verdächtige Leute verhaftet worden. Die Polizei verhaftete gestern in Sofia drei au sw e i s l o s e Russe n, die sich in oiuvm Keller versteckt gehalten hatten. Es wurde auch Munition entdeckt. Zurückziehung der Arbeitervertreter aus der ZaderkommWon. Die Vorständekonferenz der Gewerkschaften beschäftigte sich Dienstag mit der Frage der Jndexberechnung. Bon der Erwägung ausgehend, daß die jetzige Berechnungsgrundlage des Index nach erfolgter Stabilisierung der Währung wohl die Richtung der Preisbewegung, nicht aber ihr Ausmaß verläßlich und erschöpfend zu erfassen vermag, wurde beschlossen, die Vertreter der Gewerkschaftskommission aus der paritätischen I n d e x k o m m i s s i o n z ur ü st z u z i e h e n. Damit hat wohl diese K o m m i s s i o n, die alluwnatlich ant 14. aus der Preisbewegung einzelner lebenswichtiger Bedarfsartikel die Steigerung der Lebenshaltungskosten berechnete, ihr Ende gefunden. In der letzten Zeit hatten die Berechnungen der Jndexkommission oftmals zu berechtigtem Z w c i f e l Anlaß gegeben, ob denn die ihrer Prüfung überlassenen Berechnungsgrund« läge:: überhaupt entscheidend für die Bewegung der Lebenshaltungskosten seien. Man wies ans die große Diskrepenz des Großhandelsindex und des Lebenshaltungsindex hin und kritisierte es lebhaft, daß die Kommission überhaupt nur die Preisbewegung weniger Artikel berücksichtige, die seinerzeit zwangsbewirtschaftet wurden. Die von der Statistischen Zentralkommission angestellft'n Jndexberechnungen ergaben auch ein jedes Mal andere Resultate als die Errechnungen der paritätischen Kommission. Der Index hat übrigens heute nur mehr platonischen Wert, da die öffentlichen Angestellten mit ihren Bezügen nicht mehr an die Jndexschwankllngen gebunden sind und auch die Privatwirtschaft sich im allgemeinen schon von der Einstellung der Lohnunb Gehaltsbezüge auf den Index emanzipiert hat. Die Hauptstadt de» Burgenlandes. Eisenstadt, 29. April. Die Frage der burgenländischen Hauptstadt ist in der heutigen Sitzung des burgenländischen Landtages noch ui cht entschieden worden. Die Wahl liegt zjanschon Pinkafeld, Sanevbruuu und Eisenstadt. Bei der Neuwahl der Mitglieder der Landesregierung wurden Abg. Leser (Sozialdemokrat) zun» Landeshauptmannstellvertrter, die Mg. Koch (chrWichsozial), Burg man u (christlichsozial), Till (Sozialdonrokrat), Boit (Landbund) zu LmÄeSväten gowählt. Mitteilungen aus dem Pudlttum. 'üSZviiA, 31. Akt n O r* o Wieder *U haben! I AM Bureau: Orlfl. fram. Zljarellenpaplw J W P »im, MI. iniam» m Kultus- und Justiz - Tulnre und Barette erhalten Sie vorrätig oder nach Mass bei der bekannten Spe?iaifirma RUDOLF GOLDSTEIN, %.S.r,or,% Grosses Lager feiner Stoffe für Massbeatellungen Tel. 48-e-ao WIEN, II. TABORSTRASS« S4 a«ar, Ein Antrag der Abgeordneten des Land b n n d e s auf Absendung eines Glückwunschschreibens an H i n d e nb u rg wurde nach einer Entgegnung des LglNdes'hauptmanustellvortveters Leser (Sozialdemokrat) mit allen gegen die Stimmen des Landbnudes abgeilehnt. Reinitz vor Gericht. Die Morde in den Wäldern von Szatmar. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung") Szatmar, 28. April. Das Verhör mit Reinitz wird in uragyarffcher »spräche vorgenommen, nachdem der Angeklagte auf eine Frage des Richters geantwortet 'hatte, daß er nur j ü d i s ch und u n g a r i s ch verstehe. „Erzählen Sie die Einzelheiten der Ermordung des Hermann Grosz", fragte ihn der Vorsitzende Erd öS unvermittelt. ( Reinitz weist die Mio-rdbeschuldigung energisch zurück. Er erzählt dann, daß Grosz ihn seit dem 1. Mai 1922 'sorttvähvend beftüvntt hatte, mit ihm Geschäfte abznschließeu. ,-Schließlich bin ich mit chm in Kompagnie gegangen, 'habe chm 22.000 Lei geborgt und noch am selben Tage sind wir nach Nagybanha gegangen, wo wir den Advokaten des Grosz hätten treffen sollen. Er war aber nicht zu Hanse. Bor dem Hotel „zum König Stephan" hat sich ein junger Mann namens Kaufmann, ein Bekannter des Grosz, zu uns gesellt. Gros; hat mit ihn: gesprochen. Dann hat er zn mir gesagt, daß wir nach Felsvbanya hinüber müssen. Es -rar kein Magen zu haben, weshalb wir zu Fuß gingen. Unterwegs hat-uns ein starker Reoen erwischt. Auf einmal ist diu Mensch aufgetaucht, ein Jude. Ich kannte ihn nicht, -unb weiß bis heute nicht, tve>r er -rar. Er war total durchnäßt. Ans Mitleid habe ich ihm eine»» Krage»» und eine Kratvatte gegeben. ^Herniann Grosz hat -überhaupt kein Ge-päck ge- 'habt und hat sich von mir Daliß und Tefillin ansgelicheri. In meinem Kragen war ein Monogramu». .In Felsöbanha hat mir Grosz schließlich mitgetei-lt, daß der Betresifende nicht gu Hau-se ist. Wir reisten zurück nach Szatmar. Am 7. halben wir uns wieder getroffen. Er meinte, wir müßten nach Klausenbnrg fahren, -was wir auch taten. Hier unterbricht 'der Vorsitzende: „Nremand hat damals Grosz in der Bahn gesehen, weil er eben schon ermordet war." Reinitz fährt ruhig fort: ,>In Klausenburg hat er dann zugegeben, daß ans dom Geschäft nichts geworden ist." ,>Wchin sind Sie von Klausenbnrg gereist?" — „Mch »Hanse, nach Szatmar." — „Wußten Sie, wohin Grosz dann gefahren ist?" — ,>Fa." — ,Mar»mr haben Sie dann behanpiest daß er nach London gefahren sei?" — Reinitz bittet, in feinen Auszeichmulgen nachsehen;u dürfen und sagt dann: ,Weilte Bekannten haben dds behauptet und ich habe es wiedevhoilt." Nachmittags -wurde die Witwe des Hermann Grosz verhört. Stuf Gelheiß des Richters bringt die Wache di« Kleider des ermordeten Grchz in den Saal. Beim Anblick des Auztlgc's, in dem ihr Mamr von -ihr lveMfahren war, schluchzt die Witwe laut auf und sinkt oh u nt ächtig auf die Bank. Sie erholt sich dann. Der Vorsitzende läßt mm Reinitz horeinrufen. Im dichtgedrättgten Raunt herrscht atent-lose Spannung. Soldaten mit an-fgopflanztont Bajonett führen Reinitz in den Saal. Die Wittve Grosz' springt, ihm entgegen und schreit: „Mörder. Sie h a b e n nt eine n M a n n u nt g e b r a ch t!" R e i n i tz (entrüstet): Ich verbitte mir diesen Ton! Der Vorsitzende zur Frau: Neunen Sie ihn niclit Mörder. Es ist noch nicht bewiesen und noch kein Urteil gesprochen. Frau Grosz (schreiend zum PubMmn): „Ja, er hat ReismanM aemordet und die anderen!" SO. April 192.1 Seit« 1 R o i n i tz: Ich b tt u n schuld! a. Dann ivird er hittansgeführ!. Der .Zeuge Lorenz Riffel gibt au, Reinitz yade ihn d.rzu verleitert wollen, einen bekannten Szatmarer .Kaufmann auszurauben. Er wird trotz des Einspruches der Verteidiger beeidigt. Dann wurde die Verhandlung abgebrochen Groschen- und SchiAingmarken. Ab 1. I u ni jverden neue, auf Groschen um Schilling lautende Briefmarken in dev allgemeinen Verkehr gelangen. Der Verkauf der Briefmarken der Kronenwährung wird mit 31. M a i e i n g e st e l l t, die bisherigen Marken werden aber noch tz i s 3 0. I u tt i 1 9 2 5 gültig sein. Mit 1. Oktober 1925 werden auch n e u e P o st k a r t e n für das Inland, für die Tfchecho-Slowakei, Ungarn, Rumänien, Italien und Polen und für das übrige Ausland ausgegeben werden. Es gelangen zur Ausgabe: B r i e f m a r k e n in den Werten von 1, 2, 3. 5, 6, 7, 8, 10, 1b, 16. 18, 20. 24, 30, 40, 4b, 80, 80 G r o s ch e n und 1, 2 S ch i l l i n g; ferner N a chmarken im Werte von 1, 2. 4, 6, 8, 10, 12, 1b, 20, 23, 30, 40, 60 Groschen und 1 Schilling, und Flugmarken int Werte von 2, 5, 6, 8, 10, 1b, 30, 80 G r os ch e n und 1, 2 S ch t l l i n g. Der Wahl des 1. Juni als Ausgabetag für die neuen Marken komntt überdies eine besondere Bedeutung bei, denn an diesem Tage sind es 7 b I a h r e, daß die Briestnarke in Altösterretch ihren Einzug gehalten hat. Mit dieser Ausgabe wird eine bleibende Erinnerung an dieses Ereignis verkttüpft sein. Als Auftakt dazu soll Ende Mai e i n e A u s st e l l u n g stattfinden, die die geschichtliche Entwicklung des alt- und neuösterreichischen Briefmarke,twesens zur Darstellung bringen wird. Das Schachturnier in Baden-Baden. Baden-Baden, 29. April. (Wolfs.) Internationales Schachturnier. Zehnte Runde. Trehba-'l (Tscheche- Slowakei) gewann eine spanische Partie gegen T e K olstc (Holland) in 63 Zügen, Thoma's (England) verlor gegen AI j e ch i n (Franikreich) nach 53 Zützen, R a b i n owitsch (Rußland) gewann ein Damengambit gegen Tarrasch (Deutschland) in 60 Zügen, Sä misch (Deutschland) gewann gegen R i e nt z o w i t sch _ (Dänemark) in 50 Zügen, Spiel nt a n n (Oesterreich» geivann ein Läufevspiel gegen Aales (England) in 45 Zügen, Carl (Deutschland) gewann eine englische Partie gegen Torre Wexiko) in 33 Zügen. Remis waren die Partien Bogoljubow (Ukraine) gegen Rubinstein (Polen), Mars hall (Amerika) gegen Tartakower (Oesterreich); a b g e b r o che u wurde di« Partie Mieses (Deutschland) gegen Co-lle (Belgien); spielfrei war Rcti (Oesterreich). _ „Soll und Haben" in zablungrschwierigteiten. Molinari und Söhne. Aus Breslau wird uns gemeldet r Eines der ältesten deutschen Äaufhäuser, das seit mehreren hundert Jahren - bestehende Kolonialwarenhaus M o l i n a r i u n d S ö h n e, ist in Zahlungsschwierigkeiten geraten und bat Geschäftsaufsicht beantragt. Das Haus Molinart ist dadurch besonders bekannt geworden, daß es Gustav F r e y t a g als Vorwurf fiir seinen Roman „Soll und Haben" gedient hat. Wien, 30. Slpril. Im redaktionellen Teile enthaltene entgeltlichc Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. * Das Wetter. Gestern nachmittags trat A-nsheiternng ein. Dic Boraus-sage 'lautot: Veränderlich, zeitweise regnerisch, k-alt. * Iran Breitner gestorben. Stadtral Hugo B r e i t u c r hat einen schweren Verlust erlitten. Seine Frau Marie ist ttach langem Leiden aostoriben. Die Leiche wurde Montag im Krernatoriuu, eingeäschert. * Der Straßenbahttverkehr am 1. Mai. Vtorgen.Freitag iStaatsfeiertag) wird der Betrieb ans den städtischen Straßenbahnen erst nach 14 Uhr, gerechnet ao Ring, anfgewttwtwu. * Festhekeuchtug des Rathauses aul 1. Mai. Am Abend des 1. Mai wird die Festbeleuchtung des Rathauses, wie sie anl 1. Jänner erfolgte, lviodecholt werden. Die Belouchtimg findet in der Zeit von ha-kb 9 bis 10 Uhr abends statt. Dre Rachaustürme tverden von drei Scheinwerfern bestrahlt werden. * Die Selbstmörder. Der Mähris Schtchmachernteister Ioisös Gerber hat sich gestern vormittags aus unbokaitnter Ursache erschossen. — Der 65jährige Zolloberitrspektor d. R. Heinrich Guschil hat sich ans tmbekannter Ursache erhängt. * Tätlicher Autvuusall. Die 72jährige Private Bot lg Stritt, Soitnetrselsgasje 7 wähtchaft. wurde gestern nachmittags auf der Ddarkthallenbrncke von einem Antu niedergestoßon ttttid schtver' verletzt. Sie starb ans der Unfallstation. * In einem Ziegelteich ertrunken. Gestern nachuttttags sah ein Passant, der an dem Ziege-lteiche, der an das Gaswerk Meidling angrotrzt, vorbeikam. den Kopf er nee Adenschett a-tts dein Teiche vagen. Der Manu wurde durch dir Feuerlvehr leblos ans Ufer göbvacht. Die Leickio wies keim Berletznngett auf. Ob Sel-bstmoch oder Unfall vorliegt, ist noch nicht aufgeklärt. * Der Streit um das Hotel National. In dem Stroit in» das Hotel National in der Taborstraße, der darum,ging ob das Hotel ttvch als solches anzusehen oder vb es eitt privatem Wohnhans sei, ionrde gestern vont Bezirksgericht Leopoldstab eine Entscheidung gestillt. Eitt Mieter halte nämlich gegen ei tu K ii it d i g n n g Elttspruch erhoben ntid diesen damit begründet, das; es sich um ein MK'lvertMnis handle, das den 'Mieterschutz genieste. Der Richter enischted aber, Vast der Hoteb vetrieo noch gt Recht bestehe, die Knndigtmg also rechtswirksam sei. und Lernrteillio den Kläger zur Räumung det Zimmer.