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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-29 · Heft 2223 (29.4.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2223 (29.4.1925)
Date
1925-04-29
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 8228 Wien, Mittwoch ttifattoitcu der ganzen Republik begrüßt wurde. Auch Lie Kampagne m Argentinien verspricht einen erfolgreichen Verlauf. Lev Jüdische Nnliomrlfon-s. Aus Jerusalem wird uns berichtet: Die Einnahmen des Jüdischen National fon ds betrugen im März 21.708 ägypt. Pfund. Die Gesamteinnahmen des Jüdischen Nationalfonds betrugen im ersten Halbjahr 6665 103.047 ägypt. Pfund, beinahe ebensoviel wie im ganizen Jahr 5684. Der m o n atlichc Durchschnitt der abgelaufenen sechs Monate >des Jahres 6685 beträgt somit 18.000 ägypt. Pfund gegen einen Monatsdurchschnitt von 14.000 ägypt. Pfmrd in: Jahre 6684. Im Monat März hatte der Jüdische Nationalfonds in Ostkleinpolen eine Rekordeinnahme von über 60.000 Zloty zu verzeichnen. (8500 Zloty iiber das Monatskontingent.) Davon haben Lemberg 8263, Stanislau 6000 und Drohobycz 3700 Zloty aufgebracht. Statt des Zehent eine feste Steuer. Jerusalem, 27. April. (I. T. A.) Die Regierung von Palästina erließ eine Verordnung, derzufolge der auf Getreide, Früchte und Gemüse zu leistende Zehcut dorr 12,6 auf 10 Prozent evnräßigt wird. Die Regierung beäbstchtgt, das System des Zehent, welches aus Grund von Gesetzen der früheren ottomanischen Regierung aus den Jahren 1889 und 1891 stammt, iiib c rhaupt aufzuhebe n und durch eine feste Landstener zu ersetzen. Nie Auswanderung aus Polen nach Paläftlnu. Uetber die z u u e h m e u d e A n s w a u d e r u n g aus Polen nach Palästina geben folgende vom Warschauer P a l ä st i n a a m t uritgeteilten Zahlen Ausschluß: In runden Zahlen wanderten aus Polen nach Palästina aus: 1920 1000 Personen, 1921 2000, 1922 8100, 1928 3060 und 1924 8000 Personen. Während im Jänner 1924 nur.' 90 Personen nach Palästina abreisten, ivaren es -irn Dezember 823, ine Jänner 1925 1200, i-m Februar 1200 und int März 3000 Personen. Balfours Rückkehr nach London. Ans London wird uns geschrieben: Lord Balfour hm am 24. d. abends von seiner Reise nach Palästina aus dem bahnhof Victoria Station an. Obwohl kein offizieller Empfang Itattfand, hatten sich viele Hunderte von Verehrern und Mit- Msdern der Zionistischen Organisation ans dem Bahnsteig tingefunden, und die Ovationen dauerten einige Minuten, als Kord Balfour den Znig verließ. Sie erneuerten sich als er ton Wagen bestieg. Lord Balfour war über die Herzlichkeit dieses WÄllkonlmrs erfreut. Er sah braun gbbraldut und wohl aus. Er vurdo von seiner Nichte, seinem Sekretär und Herrn Joses Löwen, denr Mitglied der Exekutive der Zionistischen Organisation, erwartet. In einem Gespräch mit einem Mitarbeiter der „Times" jagte Lord Balfour, daß diese Reise vom Anfang bis zu Ende sehr interessant gewesen fei. lieber die Vorgänge in Damaskus befragt, sagte er: ,Jch wurde in keiner Weise durch das, was in Damaskus geschchen ist, behelligt, auch halbe ich ineine Anschauungen nicht geändert. So bin ich, was die Zukunft des Zionismus betrisst, von größter Znverficht erfüllt. Ich glaube, daß man den rechten Weg b a f ch r i t t e n hat, und die Juden sich der Notwendigkeit voWomnre-il botonßt sind, in Eintracht init den ^lraborn zn arbeiten. Tatsächlich kommt es so, und man hielte schon dort, wenn die Agitatoren den Dingen ihren Lanlf ließen." Balfour — Kurzons Nachfolger. London, 27. April. (Reuter.) Der König wird, wie anstokündigt, denr nächsten Gchei.mou Rat die Ernennung B a lf o u r s zum Lordpräfidenten des Gcheimvu Rates üu Stelle des verstorbenen Lord Cnrzon unitte-ilen. Lordgeheimisiegelbowahrcr Salisbury wird als Sprecher i,n Haufe der Peers fungieren. Caillaux will sparen. Paris, 28. April. (.Havas.) Finanzuriilister Caillaux richtete au alle Minister ein Schreiben, worin er sie auffordert, ihre budgetären Vorschläge für 1926 vor dem 16. Mai aufzustellen, wobei in ihren Ausstellungen d i e st r e u g st e Spa r f a m k e i t'geübt und die iveitestgeheude DvosfelU'Ng der Ausgaben, durchgeführt werdest solle. Der Finanzmiuister erklärt, er werde Vorschlägeil, die nicht eilt wirkliches Bestreben nach Sparsamkeit beinhalten, sein« Zustimmung nicht erteilerr. gugoslatvien und Bulgarien. Dev Konflikt noch nicht beendigt. Belgrad, 28. April. (Avala.) Der bulgarische Gesandte Wakarelski stattete gesterll denr Gehilfen des Ministers des Aeußern, Markovic, einen Besuch ab und teilte ihni im Aufträge seiner Regierung -mit, daß das Kabinett in Sofia der: Wunsch hege, daß zwischen beu beiden Ländern so aufrichtige und so feste Beziehungen wie nur möglich bestehen ulögeu. Die Politik Zankows würde in beut Sinne der Erklärung fortgesetzt werden, die dieser hei seine m B e s w ch! n B e l g r a d abgegeben ha be. _Wiener Moegenzettnng.__ Sodann hatte Gesandter Wakarelski eine längere Unterredung mit denr Minister des Aeußern Doktor N i n c i c. Der bulgarische Gesandte wird heute vom Mnisterpräsidenten Pasie enrpfangen werden, vor dem er diese Erklärungen neuerlich abgeben wird. In politischerr Kreisen ist man der Ansicht, daß die Beziehungen zu Bulgarien, die infolge gewisser Erklär u »r g e n üoit Mitgliedern der bulgarische n Regierung etwas gespannt waren, nunmehr nahe daran seien, in das alte Geleise zurückzufindeu. Ein neuer Mord in Sofia. Sofia, 27. April. (Bullg. Tel.-Ag.) Als der Bürger- Nt ei st er und der Gemeiudesekretär von Bojana, einer Vorstadt von Sofia, einen Verdächtigen fest n c h m e n wollten, eröffnete dieser das Feuer. Er tötete den Sekretär, verletzte eine andere Person und ergriff die Flucht. In einem von ihm zurückgelassenen -Sack wurde eine Bombe gefunden. In den letzten zwei Tagen hat die Kommission zur Prüfung des erhobenen Belastungsmaterials etwa weitere 600 B e r h a f t e t e in Freiheit gesetzt. Eine italienische Demarche in Selgrad. Rom, 28. April. Der Sonderberichterstatter 'des „Sccolo" in Sofia berichtet, die italienische Regierung 'habe in Belgrad eine sehr höfliche, aber e n t s ch i ed c n e Erklärung abgegeben, wonach Italic n eine eventuelle jugoslawische Aktion gegen Bulgarien nicht z ulassen könnte. Die bulgarische» Studenten in Berlin. Berlin, 28. April. Der größte Teil der vor einigen Tagen verhafteten und nach ihrer Vernehmung wieder freigclasseneu 32 bulgarischen Studenten hat einen A u s w e i s rl ll gsbcfe h l erhalten, der ihnen eine 14tägige Frist zunr Verlassen des Deutschen Reiches setzt. Die bulgarischen Studenten -haben darauf die Fürsprache der bulgarischen Gesandtschaft angerufen, auf deren Vermittlung hin die Ausweisungsbefehle zwar nicht zurückgenonlmen, die 14tägige Frist aber in eine B e- >iv ä h r u n g s f r i st umgewandelt wurde. Die deutschen Behörden haben sich also Vorbehalten^ die bulgarischen Studenten bei nicht einwandfreiem Verhalten sofort auszuweifen. Eine Aeußemng Llotzd Georges. London, 26. April. (Tel.-Komp.) Lloyd George, der gesterll von feinem Erholüugsaufenthalt auf Madeira in London wieder eingetroffen ist, erklärte auf die Frage eines Journalisten, daß die Mahl Hindenburgs die Folge der französischen Nadelst ich Politik der letzten Jahre sei. Frankreich habe durch sein Vorgehen am Rhein und in der Ruhr Deutschland wieder auf den Weg de's Imperialismus gedrängt. Es sei nicht wahrscheinlich, daß Hindenburg irgend welche unüberlegte Taten begehen werde. ,Jm allgemeinen sei er ein besonnener Mann, der keinen Geschnrack an Abenteuern habe. Die Wahl sei ein Anzeichen für e i u e n n e u e n Geist in Deutschland, der das Ergebnis der Politik der französischen Nationalisten fei. Bezüglich der nellen französischen lRegievuug erklärte Lloyd George, daß er Caillaux für einen außergewöhnlich fähigen Mann halte. Painleve sei im vollstem Sinne des Wortes ein Ehrenmann von großen Fähigkeiten, der sich jeder Na delsti ch Politik gegen D e u t s ch l a n d e n t h a l to n werde. B r i a n d halte er für den ersten Staatsmann Frankreichs, Eine verhiuderte Hiudenburg-Kundgrbung des Ratkonalrater. H i n d e n b u r g s Mahl zum Reichspräsidenten, die als ein Sieg der kleindelltfchen Elemente im Reiche angesehen lverderr muß, Hat bei den österreichischen Großdeutschen gleichwohl helle Begeifterung aüsgstöst, und sie wollten darum gestern den Nationalrat zu einer Kundgebung für H i n d e n b u r g veranlassen. Ueber die Fornr ware»t sie sich selbst nicht recht im Aaren. Sie hätten sich schließlich auch «nt einer Ansprache des christlichsozialen Präsidenten Miklas an das Haus, in der ex präsidio H i n d e n >b u r g viel Glück gewünscht worden wäre, begnügt. Die Sozialdeuwkraten machten ihnen aber einen Strich durch die Rechnung und drohten, die Feie rlichkeit zn stören. Daraufhin sagten auch die C h r i st l i ch s o z i a l e u ab, und den Großdeutschen blieb nichts anderes übrig, als Drahtgrüße an Hinde nburg und die ihnen gesinnungsverwandten Deutschnationalen und Bolksparteiler ms Reich zu senden. Mit ihnen telegraphierte Oskar Teufel namens der Monarchisteil denr Marschall alles Gute. Das Haus nahm nach kurzer Debatte die Novelle Zum Krankenvers-icherungsgesetz der Staatsbediensteten an. Nächste Sitzung am 5. Mai. Jinr Einlauf befanden sich unter anderem das H a nd e l s ü b e r e i n k o m m e n mit Spanien, das Zllsatzübereinkomlnell z»r dein in R o m Unterzeichneten Uobereinkolnmen zwischen Italien, Polen, Rumänien, Jugoslawien und der Tschecho- Slowakei betreffend die Ausscheidung von Guthabeit und Depots aus der Gebarung des P o ft s p a r k a s s e n a m t e s, ■ das internationale Uebertzinromrnen über den Eisenbahn-- 29. April 1926 Seite 3 Personen- und Gepäckverkehr und über den Eisenbahnfrachtverkehr und die fünfte Gericht s e n t l a st n n g s n o v e l l e. Die Sozialdemokraten überreichten einen Antrag auf Streichung der Bestimmung in de^ letzten Novelle zuur A r b e i t s l o s e n v e r s i ch e r ll n g s g e setz, nach welcher Arbeitslose, die das 26. LebeliÄjahr noch nicht vollendet haben und die nach einem 30wöchigeu Bezug der Arbeitslosenunterstützung bereits durch 22 Wochen die außerordentliche Notstandsunterstützung bezogen haben, sowie Arbeitslose zwischen dem vollendeterr 25. und dem vollendeten 60. Lebensjahr, die nach einem 30wöchigen Bezug btt Arbeitslosenunterstützung bereits durch 48 Wochen die außerordeu>tliche N-otstalsdsunte»stützuug erhielte«, eine a u ß e r o r d e n t l i ch e N o t ft a n d sunterstütznn g nicht m ehr beziehe n können. Die Wiener Grobdeutschen. Der großdeutsche AbgeordntzteMub hat bsschlossc^ eine Begrüßungsdepesche an den deutschell Reichspräsidenten Hindenburg zu richten. Aul 8. Mai veranstaltet die großdeutsche Volkspartei eine H i n d e n b u r g- Feier in Wien im Saale des Hotels „zmil Auge Gottes", in welcher der dentschnationale Abgeordnete des deutschen Reichstages v. Li n d e i n e r - W i l d a ll sprechen wird. Auch die Abgeordnete.il des La u dlb u n de 's haben au Hindenburg. der Ehrenmitglied des Laudbundes ist, eine Begvüßullgsdepefche gerichtet. Da» Hakenkreuz im Finanzministerium. Vor einigen Taigen hatte der Kanzleibeanlte im Finallz» Ministerium Franz Goldbrun ne r dc-m hicsigell Hakenkreuzler'blättchen unter aildevem mitgeteilt, daß eine Dame, die in seinem Bureau eine Auskilnst einholte, ihn, der das Hakenkreuz als Krawattennadel trage, „in schuip- Pische-nr Tone" gefragt habe, ob es in einem öffentlichen Amte gestattet und Sitte fei, ein Hakenkreuiz zu tragen, wobei sie hinzufügte, daß bei ihr im Comptoir lliemand das Hakenkreuz tragen dürfe. „Ich klärte sie über den uupolitischell Charakter des Hakenkreuzes auf", schrieb Goldbrunner weiter, „worauf die, aller Voraussicht nach, Hebräer! u, wieder in frech - f ch n ipp if ch em Tone meinte: „Es hat Ihnen halt dies bis jetzt noch niemand g>esagt, aber die Leute werden sich ihren Teil schon gedacht haben." Diese Herausforderung war mir mld meinen Amtskollegen denn doch zu viel des Guten gewesen und wir belehrten die Dame, daß wir in einer freien Republik leiben, wo jeder tragen kann, was er will. Solange einer der Zionistenführer Wiens, Dr. Plaschkes, selbst einen in Brillanten gefaßten Zionsstern als Krawattennadel trägt und damit in Aenltern erscheint, kann es niemandem verwehrt werden, auch das Abzeichen der .Arier — das Hakenkreuz — zu tragen." Die Sozialdemokraten haben nun gestern im Äiationalrat wagen dieses Vorfalles den FinanMinister interpelliert und in der schriftlichen Anfrage unter anderem «usgeführt: „Das Gchäben des Kanz'leibeamten Franz Goldörunner läßt ganz sonderbare Rückschlüsse auf die Zustände im Finanzministerium zu. Im Finanzministerium hat man offenbar, oder wenigstens die dort tätigen Hakenkrenzler und ihre Vorgesetzten, keine Ahnung davon, daß das Tragen politischer Älbzeichen im Dienst unzulässig ist; der natürliche Tukt, der das Tragen politischer Abzeichen durch Beamte irn Dienst verbietet, scheint offenbar bei Herren vom Schlage des Kanzleibcamtcu Franz Goldbrunner nicht vorhanden zn sein. Der auf >den Namen Goldbrunner hörende Hakenkrenzler weiß anscheinend nicht einmal, daß die nationälfozialistisctye Partei in wiederholten Eingaben an die Bchören das Hakenkreuz als ihr Parteiabzeichen in Anspruch genommen hat; er besitzt <cher die Frechheit, Staatsbüyger, die amtlich mit ihm verkehren mußten, in einw Zeitung anzuflegeln. Es muß wohl als ganz unzulässig betrachtet werden, daß öffentliche Angestellte mit einenk Abzeichen, wie es das Hakenkreuz ist, auf der Brust oder der Krawatte den das Amt aufsuchenden Staatsbürgern eutgegentreteu." Der Finanzminister wird schließlich ansgefordert, zu veranlassen, daß das Tragen des Hakenkreuzes von den Beamten seines Ressorts jm Dienst sofort eingestellt wird. ein Genosse Marssys. Budapest, 26. April. Bor dom Budapester Sirafgeri chtshof fand heute unter dem Vorisitz des Prüstdenten Eugen Langer die Hauptverhaudluug gegen Franz Kiss wegen Teilnahme an donr Bvmbenattental Marffy und Genossen statt. Franz Kiss hatte im Laufe der U-ntersuchnng belastende Aussagen gegen Marffy und Genossen gemacht. Er wurde dann auf freien Fuß gestellt und ist vor der Hauptverhandlung. gegen Marffy und Genossen geflüchtet. Dann kehrte er zurüä und stellte sich selbst den Behörden. Er erklärte, daß er aus Furcht vvr den D rohuuge n fei ner Mitaugeklagten geflüchtet wäre. Kiss hatte vor einigen Wochen aus Angst vor den Freunden seiner Mitangeklagten auch tatsächlich einen. Selbstmordversuch gemacht> In der heutigen Berha'Mung erklärte Kiss sich für nicht schuldig. Kurze Zeit, nachdem er mit Mtarffy bekannt geworden war, sagte ihm dieser, man müsse die AnÄarldanleihe verhindern, indem uralt eine Bombe anfeAige uni vor der tschecho-slolvakifchen Gesandtschaft zur Explosion bringe. Drei Tage später erklärte ihm Marffy, daß das Attentat auf höhere Weisung unterbleiben solle..! Der Gerichtshof sprach Fwnz Kiss frei mit der Begründung, daß der Angeklagte nitr Pläne ge schmiede Wte. Her StaatGMM Mellürte gegett den Freispru-ch.

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