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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-29 · Heft 2223 (29.4.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2223 (29.4.1925)
Date
1925-04-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Gerte 8 Wien. Mttwsch **",m m —— - ■" ' - .---- u—-E- ..- gleich zum Jahre 1924 ist die Finanzlage der Post im Jahre 1925 cttvas gespannter. Tie Tarife müssen so niedrig gehalten werden, wie es die Wirtschaftsinteressen irgendwie zulassen. Gegenüber dem Jahre 1913 haben, nach dem Voranschlag für 1925 die Gesamteinnahmen um 96,8 Prozent, die Gesamtausgaben dagegen um 107,8 Prozent zugenommen. Ser B-lkrblock. Berlin, 28. Zl-pril. (Wolfs.) Der interfraktionelle Ausschuß des preußischen Landtages aus Zentrum, Demokraten und Sozialdemokraten hielt heute ein Sitzung ab. Dir Demokraten vertraten, wir aus parAmentarischen Kreisen verlautet, den Standpunkt, daß das Kabinett durch die Wahl vom 3. d. das Vertrauen bekundet erhalten habe und daß daher eine Billigung der Erklärung genügen würde. In sozialdemokratischen Krossen ist die Stimmung vorwiegend für die Auslösung des Landtages. Das Zentrum will vor der endgültigen Stellungnahme zur Frage der Aluflöfung oder Nichtauflösung die für Donnerstag erwartete RücKchr Dr. Marx' abwarten. Sine englische Srllllrnng. London, 26. April. Das Reuters ch c Bureau meldet: Auch die letzten Erwägungen in gut unterrichteten englischen Kreisen über die Wahl Linde nburgs bestätigen die ursprüngliche Ansicht, daß die deutsche Regierung ihre Verpflichtungen einhalten werde, wir sie das bisher getan habe. Es bestehe kein Grund zu einer gegenteiligen Annahme. Man hofft, daß der neue Präsident Las, womit er sic in seiner neuen Kundgebung einverstanden erklärt hat, durch die Tat bekräftigen und keinen Schritt noch rückwärts machen rverde. Das deutsche Volk legt jetzt eine Prvbe ab. Man muffe abwarten, welche Vorschläge Deurschland machen werde. Ein interessantes Beweisstück werde Deutschlands Haltung in der Frage der Ausnahme, in den Völkerbund sein. ALan ist der Ansicht, daß die Rückkehr des Generalfeldmarschalls nicht als Wendung zum Preußentum betrachtet werden darf. Die ausschlaggebenden Faktoren für die Wahl waren erstens die Persönlichkeit Hindenburgs an sich und dann der Abwehrwille gegen eine kommunistische Bewegung, wie sie «sich kürzlich in Bulgarien gezeigt 'hat. Es. läßt sich kaum denken, daß sich der neue Präsident zu irgend welchen Ränke spielen und monarchistischen Bestrebungen hevgeben wird. Man kann auch nicht annehmen, daß die Wahl notwendigerweise eine besondere Wirkung auf die augenblickliche Sage' in der Entwaffnung und Militävkontrolle Deutschlands ausüben werde. Der Bericht des Versailler Militärkomitees zählt wicht > e und belanglose Verfehlungen Deutschlands aus. Neuerdings hegt man jedoch die Absicht, die bedeutenden Vorwürfe von dem andern zu trennen und dann Forderungen an Deutschland zu richten, die es erfüllen kann. Line Mitteilung in diesem Sinne wird in kurzer Zeit 'vrliggestellt sein. Irland gegen Hludeubnrg. Befürchtung «in« Annexion Oesterreichs. London, 26. April. Der Minister des Aeußern Briand erklärte de>m Pariser Korrespondenten des „.Daily Expreß" gegenüber: England und die Vereinigten Staaten können durch die Wahl Hinden'burgs überrascht worden sein, Frankreich ist nicht überrascht morde n. Wir halben nie a.uf den Sieg Marx' spekuliert. Ich glaube, daß einer der ersten Schritte tzindenburgs darin 'bestehen wird, Oesterreich zuannektieren. Aber im ganzen genommen erivarten wir keine sofortige Aenderung.der Außenpolitik. Wir glauben nicht, «daß Deutschland in die glatte Abwicklung des Da wes-Planes eingreifen wird. Es mag notwendig sein, die Militärkontrolle fortzusetzen,' und 'da e's wahrscheinlich ist, daß der neue Präsident viele seiner alten militärischen Genossen in die Wilhölmstraße berufen wird, mag es gleichfalls notwendig fein, g e m e i n s a m mit allen unseren Alliierten unsere Wacht am Rhein aufrechtzuerhalten. Wir haben bis jetzt keine Einladung erhalten, diese Angelegenheit mit der englischen Regierung zu erörtern, aber wir würden eine solche Ein-! ladnng mit größter Bereitwilligkeit an- \ nehnren. Wenn die deutsche Regierung uach dem üblichen Verfahren uns die Wähl Hindenburgs anzeigt, werden wir e i n e B e st ä t i g u n g d i c s e r M i t t e i l u n g als Antwort senden, kein Wort mehr. Poinrare und Milleranü. London, 28. April. Führende Pcrsvttlichkeiteu in Frankreich lhaben dem Berichterstatter des „Daily Expreß" auseinandergesetzt, daß es infolge «der Wahl Hindenburgs ivahrscheinlrch schon im Frühsommer zu Neu-' wählen komnien werde, da die Außenpolitik des Linkskartells durch das Wahlergebnis untergraben worden sei. Das Ergebnis werde eine Kammer sein, in der Mil'leraud und Poincarc die Mehrheit haben tverden. Da« englische Budget. London, 28. April. (Reuter.) Das U n t e r h ans hat allen von der Regierung zum Budget eingebr.ichteu Anträgen zugestimmt. (Si^he,^Volkswirt" 'Wffri Wiener MorftenzeUunA._20. April 1925__ Presseem-sang bei 60(0(0». Sie aktuellen Fragen der zioulrmu«. R. Jerusalem, Mitte April. Bei dem Empfang der Vertreter der auswärtigen Presse durch den Präsidenten der Zionistischen Exekutive N. So ko low bildeten mehrere der aktuellen Fragen des Zionismus Gegenstand der Aussprache. Die erste Frage war, ob die Demission * Herbert Samuels bereits endgültig angenommen worden sei und der da--’ kommissär seinen Posten nach Ablauf seines Amtstermms verlassen werde, wer als fein Nachfolger ausevsehen sei und schließlich, welche Stellung die Zionistische Exekutive zu dieser Frage einnehme? Antwort Sokolow's: Die zionistische Leitung -hat alles, was ihr geziemend schien, getan, um Samuel zum Verbleiben zu bewegen. Die englische Regierung befolgt in Fragen dieser Art traditionelle Grundsätze. Bisher ist es bloß ein einziges Mal gesä-ehen, daß ein Gouverneur nach Ablauf seines fünfjährigen Amtstermins wieder für denselben Posten ernannt worden wäre. Das war ■' in Aegtptcn Und horste Gründe militärischer Natur. Sir Herbert S a m u c l >hat dieser Gepflogenheit gemäß jetzt vor Beendigung feines fünfjährigen' Mandats die Demission gegeben. Es kann im Augenblick nicht mehr über diese Angelegenheit gesagt werden. In der zweiten Frage wollten die Pressevertreter darüber Aufklärung haben, warum das Gesetz über das BürgerschaftSrecht bisher noch nicht veröffentlicht wurde und ob die zionistische Le itung Schritte zur B e s ch l e u n i g u n g 'der -ringenden Angelegenheit unternommen habe? . S o ko lo w erwiderte: Die Ausarbeitung dieses Gesttzes geht aus verschiedenen Gründen langsam von statten. Vor allem deshalb, weil Erez Israel nicht Äs ein« der viele« englische» Kolonien, für welche England bereits Grundsätze für die Gesetzgebung besitzt, behandelt werden kann. Die juridische Lage des jüdischen Natioualheims in Erez Israel unter dem Schutz Englands als Mandat'simacht ist bis jetzt ohne Präzedenz in der Geschichte Englands. Die zionistische Leitung hat -verschiedene B e r-> besserungsvorsch'läge für denihr bekanntgegebenen Gesetzentwurf vorgelegt und die Ausarbeitung und Veröffentlichung des Gesetzes u r g i c r t. Svkolow glaubt, daß die Sache unnmehr in wenigen Monate« erledigt sein wird. Die dritte Frage, betraf ' die Jewish Agency. Die Journalisten stellten die Frage, ob durch eitle Erweiterung der Ivwssh Agency durch nichtzimüstssche Mitglieder nicht eine Schwächung der Zionistischen Organisation und ihrer höchsten Instanz, 'des Kongresses, herbeigeführt tverden wird? Auch, wollten sie wissen, ob die Leitung mit bestimmten Vorschlägen. vor den Kongreß treten werde. Einer der Anwesenden machte auch eine Bemerkung über die inr Uin'lauf befindlichen Gerüchte von einer angeblichen Uneinig k e i t rnnerha'lb der Leitung selbst in dieser Frage. Ser zionistische Seleoiertenrat. .Heut« abend tritt der zionistische Delegiertenrat lParteirat) im Sitzungssaal -des Zionistischen Bureaus (1. Bez., Kärntnerstraße 28) zu einer Sitzung zusammen. Es werden Referate iiföev die Organisation, die Aktion für den Keren Hajess-od, über -den Nationalfonds sowie über den -bevorstehenden Kongreß erstattet tverden. Die Konferenz 'beginnt um 6 Uhr abends. Ser Ausbau 8m Israels. Vom K«ren Hajesfod. Im gesamten Gebiet der Vereinigten Staaten wurde, wie bereits initgeteilr, von der jüdischen Bevölkerung die Eröffnung -der hebräischen Universität festlich begangen. Hierbei wurde auch für den Aufbaufonds gearbeitet. Befonders eindrucksvoll «war die Fe-er in N e w - $) 0 r k. Die bei dieser Gelegenheit erzielte Gesamtsumme übersteigt den Betrag vou 600.009 Dollar. H'prvon waren 400.000 Dollar in barem, 340.lXX) Dollar wurden demHaupibureau überwiesen. An führender Stelle steht die Bronx-City mit 40.229 Dollar in barem. allem l>at miiflctcilt, daß es auf einem Universirätsinassenmeeting seine .D.000 Dollar erreicht habe. Phi 1 adeip h i a, die Stadt, die im vergangenen Jahr durch ihren eindrucksvollen Kcrcn^Hajeffod-Ausmf 3001)00 Dollar ausgebracht hatte, hat siir die 1926er-Kam- P.igne ein Koniingont von-350.000 Dollar übern-orrmivn. Die Borbewitungen für den Dvi-ve in Äashing« t 0 11, das sich 50.000 Dollar zum Ziel gesetzt hat. sind in vollem Gauge, der Drive ist für den 17, b'.tz Mai au- S 0 k 0 l -0 w erklärt« mit besonderem Nachdruck! Keine äußere Macht ist geeignet, die Autorität und Intcnsivität der Zionistischen Organisation zu schwache«, die niemals aufhören wird, tonangebend in allen Fragen -des Jischuw zu sein. Die Zionistische Organisation -hat alles geschaffen, was im Lande vorhanden ist und sie 'wird auch die Initiativ« in ihren Händen behalten. Die wirkliche Gefahr -liegt in der Verbreitung von Gerüchten über eine angebliche Krise und Liquid! erungstendenzen innerhalb der Organisation. Er könne sich überhaupt keinen Fall^denken, in dem irgend welch« ernste Mißver-stän'dnisse mit den anderen 60 Prozent der MWivder der Iewifh Agency entstehen könnten, 'besonders, da der Vorsitzende der Agency gleichzeitig der ' Vorsitzende -der Zionistischen Organisation ist. Seine Stimme wird immer die einuudfünfsigste sein. Sokolvw zieht einen konkreten Fall als Beispiel heran. Es käme die Frage wegen der ljebräischen Sprack>e, das heißt die Erziehungsfrage in Erez Israel aufs Tapet. Fünfzig Prozent zionistischer Stimmen für hc-bräisch sind gesichert. Nehmen wir an, daß auf der anderen Seite eine größere .Zahl Gegner vorhanden wären, so -werden sic dock, ständig in der Minderheit sein, denn se lbst in Polen ist die Mehrheit für hebräisch, geschweige. denn in Amerika, wo die nichtzroniisttschen Juden immer für die -hebräische 'Sprache in Erez -Israel plädiert halben. ' Auf dem kommenden Kongreß wird die Iewffh Agency einen der Hauptpunkte der Vera düngen bilden, da die Crtvciterung der Agency erst vom Kongreß wird angenonrmen tverden müssen. Auf di« nächste Frage, wie es um die angeblich bevorstehenden Ein Wan der uugs erleichte run ge n stehe und ob es währ sei, daß zehntausend Einwandorerzertifikate ausgegeben worden seien, erklärt Sokolvw: Leider. fhib diese Behauptungen nicht ganz w a h r, ErMvandeMNgsevl-vichtcrungen können nur unter der Bo^ auSsetzung gewährt werden, daß die Arbeitsmöglichkeiten im Lan-de an Umfang zunohmen. Das eine hängt vom anderen ah und ein« Forcierung der Einivanderung, ohne den Einwanderern Arbeitsmöglichketten vvrzuberetten, ist nicht denkbar. Zum Schluß wurde auch das Verhältnis zwischen Juden und Arabern in Erez lIsraöl berührt. Hierüber sagte Svkolow: ,Ich halle mich fetzt im Laude auf und habe mich überzeugt, daß das arabische Volk durchaus keim Interesse daran kundgrbt, die jüdische E i« w a n d e r u n g z u st ö r e n. Was in dieser Richtung in die Erscheinung -tritt, ist bloß di« Folge -der shstomatischen .Hetze der arabisch-nationallistischeu Berufspolitiker. Als ich mit Balfour in TiberiaS war,, sah ich, wie echte — und nicht, wie von stindlicl-er Seite behauptet wird) unaskierte — Araber Balfour mit Warme und aufrchtiger Freundlichkeit oinpfingen, und ich bttc mehr denn je überzeugt, daß das Verhältnis Ivischon Juden und Arabern in Erez Israel sich fri edl ich und freundschaftlich gostälten wird." Pitts bürg nähert sich immer wehr den fest gesetzten 60.000 Dollar; über 30.000 Dollar sind bereits eingegangen. lNvbeu Zentmloigansationeu der jüdischen Jugend Amerikas sind in New-Nork zu einer Kon-- ferenz zusanrMLNgetreten, die über eine In teuf ivierung der Arbeit in Amerika für den A u f b a u P a l ä st i n a s beraten soll. Die teilnchmeudeu' Organisationen, Jung Hadassah, Jung M'srachi, Liga jüdischer Jugend, Menorah, Iung-Israel, Jung Jüdah und Verband der Jugendlichen der Vereinigten Synagogen, werden sich zu einem P i 0 n i e r v e rb a n d zusammonschlleßen, dem die Anfga-be. zufallen soll, den Boden in Amevifa für «irre intensive Kanrpagne zugunsten der A u fb a u i n st -i tu tiou c n, wie Nationalfonds, Keren Hajessod nsw., vopzuberetten. Die Konferenz -war mit einer Feier -der Eröffnung der hebräischen Univevsität verbntt'don. In der Konferenz sprachen Louis Marshall, Dr. David de Sola P o 0 l, der Präsident des nationalen Verbandes Jung-Inda, ferner die Präsidentin der Inng- .Hadassäh Mrs. Frieda Silber t, der Bertrootr der P^vlästinajugend Dr. Glieser H i e g e r. Dr. Mossinsohn in VLidattterita. Aus London wird uns geschrieben: Nachdem Dr. M 0 s s i n s 0 h n in B r a s i l i« n eine erfolgreiche KamsxMe für den Keren Hajessod durchgesührt hat, begab er sich am 12. Februar nach Wt 0 n t e v i d e 0^ wo er von einer Delegation der argentinischen Z i 0 u i st i s ch e u O r g a n i s a t i 0 n eiupfangeu wurde, uns zwar mm den Herren M. Nosovsky, Direktor dev Natioualsouds, Dr. Wolf Nijeusohn, Direktor des Keren .Hajessod, und I. Grodsinsky. Am 10. d. traf Dr. Mossinsohn in Buenos Aires 7-v,-vi:>

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