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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-29 · Heft 2223 (29.4.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2223 (29.4.1925)
Date
1925-04-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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1 Polen: 20 droszyl Wi en: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschieisstellc (Trafik) monati. 5 Schilling Strassenverkaut in Wien durch, die Kolporteure der Firma Gol d schmied, L, Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling T sch echo- Slowakei: Mon.K22. Jugoslawien: Mon.Din. 60. Polen: Mon. 4ZIoty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bei P r et *» erbAhanlen Vorbehalten Rk. 2223 Wiener wem das mühelose Parkett-Glanzmittel EfhiUlldi in allen etnfchiagigen Qefehifien orgenzeitung Men. Mittwoch. 2». April 1925 I Preis 20 g England: Mon. 4 Schilling Itali en: Monati. 18 Lire Rumänien: Mon. 170 Lei Bulgarien: Mon.IOOLewa Schweiz und das übrig« Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-1S Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6*£ (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7.8Mgang einste Wurstwaren"bm7, I ,WEDO‘, 93.*|.h381 Las neue Deutschland. -/.Wie n, 29. April. Die außenpolitische Wirkung der Wahl Hindenburgs hat sich bereits gezeigt. Die Unruhe in der Welt ist verstärkt worden. Die Begründung ist überall die gleiche, daß der Feldmarschall nicht auf Grund seines politischen Programmes, sondern vermöge der Revanchehoffnungen, die sich an.seinen Namen knüpfen/ gewählt worden ist und daß demgemäß mit einer Verschlimmerung der Zustände im Reich gerechnet werden müsse. Hindenburg selbst ist in seinen Aeußerungen sehr vorsichtig gewesen und er hat es vermieden, sich nach irgend einer Seite festzulegen. Aber gerade diese Reserve ist das wichtigste, und seine an den Reuter-Korrespondenten gerichtete Bemerkung, daß eine Volksabstimmung in Deutschland auch die Frage des Monarchen lösen könnte, steht doch im Widerspruch zu der Kandidatur selbst. Man kann von einem General kein Verständnis für politische Detailfragen erwarten. Aber soviel Stolz darf man auch bei ihm voraussetzen, daß er die Wahl durch ein ganzes Volk, den Ausdruck des höchsten Vertrauens, für höher einschätzt als die Frage des Erbkaisers, der für seine Stellung nichts mitbringt als das Recht der Geburt. Aus den Bemerkungen Hindeirburgs geht hervor, daß er selbst seine Wahl als einen Auftrag ansieht, die alten Zeiten so zurückzuführen, wie das die Rechtsparteien wünschen. Am 8. Mai soll er vor dem Reichstag beit Eid auf die Republik ablegen. Der innerpolitische Kampf in Deutschland wartet aber diese paar Tage nicht ab. Die Rechte will bereits die Probe auf die neue Situation machen und sie ist bestrebt, im Reichstag und im preußischen Landtag die große Wendung so scharf zu markieren als dies nur möglich ist. Otto Braun, der gehaßte sozialdemokratische Ministerpräsident Preußens, konnte gestern seine Programmerklärung kaum zu Ende lesen. Die Hindenburg-Partei, bestehend aus den Radikalnationalen und den Kommunisten, will ihn um jeden Preis stürzen, und die Begleitmusik in der chauvinistischen Presse läßt genau erkennen, was von Hinden- ' bürg erhofft wird. Die „Deutsche Zeitung" sagt in schöner Offenheit: „Wir müssen dem Gegner zeigen, daß der schöne Sieg nicht schnell verfliegende Aufwallung war, sondern daß dahinter der einmütige Wille des nationalen Deutschland steht, das Steuer in die Hand zu nehmen und Deuffchland durch die schweren Zeiten des Niederganges zu neuer Blüte hinaufzuführen. Dabei soll Hindenburg unser Führer sein." Das ist die Proklamierung des Reichspräsidenten zum Parteiführer, und man darf seine Erklärung, er lasse sich von keiner Partei beeinflussen, mit gerechtfertigter .Skepsis aufnehmen. > Jedenfalls ist zu konstatieren, daß die Presse des neuen Mannes in der wildesten Art den antisemitischen Grundton der ganzen Kampagne festhält. Alle Frechheiten der hakenkreuzlerischen Lügenliteratur marschieren da nach- und miteinander auf. Es ist so, als bätte die Oberste Heeresleitung einen großen Sieg über die Juden errungen, und alle Blätter und Blättlein, die seit Jahren die Weltreklame für den Feldherrn besorgten, werfen ihren ganzen hochbezahlten Elan gegen die „semitischen Schwarzalben". Die Forderung nach Ausweisung und Ausnahmsrecht für die Juden, verbunden mit Bermögenskonfiskation, taucht wieder mit verschärftem Nachdruck auf und sie trägt diesmal einen weitaus bedrohlicheren Charakter. In allen Städten wurden knapp vor der Wahl Pogromaufrufe der Ritualmörder verteilt, und in Hamburg gab es Sonntag einen Sturm des Pöbels auf das Bankhaus Marburg. Daß solche Vorfälle, die an sich nicht überschätzt seien, zumal sie ja zum eisernen Vorrat des balkanischen Deuffchland gehören, nicht dazu beitragen, dem neuen System vor der Kulturwelt Sympathie zu erringen, ist wohl nicht verwunderlich. Sie geben einen Vorgeschmack von der Art Ordnung, zu der das deutsche Volk jetzt zuruckgeführt werden soll. Sie zeigen, daß der Chauvinismus, der nach außen hin die Grenzen seiner Macht kennt und sich hüten wird, mit den bewaffneten Gegnern anzubinden, sein Arbeitsfeld im Inneren suchen und finden wird. Und das nächste Objekt sind die. Juden. Zer Kampf um die MM Reue Wahle» in Deutschland. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 28. April. In der heutigen Sitzung des preußischen Landtages gab Ministerpräsident Braun, von den Oppositionsparteien mit Lärm empfangen, die Erklärung ab, er werde die Staatsgeschäfte nach den Grundsätzen leiten, die sich in den letzten dreieinhalb Jahren bewährt hätten. Im wesentlichen mache er sich das Programm zu eigen, das sein Vorgänger am 18. Februar entwickelt habe. Die Rede des Ministerpräsidenten war fast ununterbrochen von lärmenden Kundgebungen der Kommunisten und der Rechten begleitet. si: Der Landtag nahm nur die Erklärung des Ministerpräsidenten entgegen und vertagte sich sodann auf morgen, wo die Debatte Aber die Erklärung eröffnet werden wird. Braun erklärte, er habe die Wahl zum Ministerpräsidenten nur angenommen, weil der sich nun beinahe drei Monate hinziehenden Regierungskrise ein Ende gemacht werden müffe. Alle Versuche, eine aktionsfähige Regierung zu bilden, seien an der Sabotage und der Zerstörungswut des deutschnational-kommuni st ifchen Blocks gescheitert. Dieser Block hätte bisher jede Regierung gestürzt, jede nach der Lage der parlamentarischen Verhältnisse und der politischen Einstellung der matzgebenden Parteien mögliche Kombination zum Scheitern gebracht. In jedem parlamentarisch regierten Lande gelte es als selbstverständlich, -atz die Parteien der Opposition, die eine Regierung mit Mehrheit stürztzn, die Pflicht hätten, eine neue R e g i e r u n g zu b i l d e n. Die Parteien -es deutschnational-kommuniftischen Blocks hätten bisher noch keine auf diese Mehrheit gestützte Regierung zu bilden vermocht, sie hätten nicht einmal den Versuch dazu gemacht. Der Ministerpräsident erklärte weiter, datz er das Programm annehme, das sein Vorgänger Marx entwickelt habe. Brauns Rede wurde unausgesetzt von lärmenden Zwischenrufen der K o m m u n i st e n und der Deutsch nationalen unterbrochen. Die Kommunisten empfingen ihn mit stürmischen „Amnestie k"-Rufen, die Rechte demonstrierte mit Lärm und Gelächter, als der Redner seinem Amtsvorgänger den Dank aussprach. Als Braun erklärte, er hätte lediglich seine Pflicht erfüllt, als er sein Amt übernommen habe, ertönte der Zwischenruf: „L e i ch e n r e d e!" Ministerpräsident Braun ist entschlossen, zurLandtagsauflösung zu schreiten, wenn ihm in der morgigen Sitzung nicht das Vertrauen des Landtages ausgesprochen wird. Die Neuwahl würde dann am 14. Juni stattfinden. Der Kid des Präsidenten. Luther bei Hindenburg. Berlin, 28. April. Der ,Zokalanzeiger" meldet, daß sich Reichskanzler Dr. Luther gestern abends nach Hannover begeben habe, wo er mit Hindenburg eine Zusammenkunft haben werde. Es handle sich sowohl um einen H ö f l i ch k e i t s- und Begrüßung^- besuch als auch um eine vorläufige erste Aussprache über die Fragen der innere n und äußeren Politik. Hierbei dürften auch diejenigen Fragen berührt werden, die im Zusammenhang mit der Neuwahl des Präsidenten in nächster Zeit geregelt werden müssen, wie znnr Beispiel das Z e r e m o n i e l l >d e r V e r e i d i g u n g und des Amtsantrittes in Berlin sowie die Frage des Staatssekretärs beim Reichspräsidenten. Der Reichswahlleiter hat Gen-eralfcldmarschall Hi nden burg aufgefordert,' ihm 'bis zum 4. Mai zu erklären, ob er zur Annahme der Wahl bereit sei. Die Krawalle in Hamburg. Der Sturm aus das Bankhaus Marburg. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Hamburg, 28. April. In Hamburg benützten die H a k e n k r e u z l e r den Wahlsonntag zu einer P ogrom hetze gegen die Juden. Es wurden Pogvomausruse verteilt, worauf sich einige hundert Hakenkveuzler zu einem Demonstrationszug formierten. Mit Rufen: ^Hinaus mit den Juden aus Deutschl a n d!" „Juden, gehet nach Palästina!" „Hoch der deutsche Held Hindenburg!" u. Vgl., zogen die Demonstranten vor das Bankhaus Marburg und schickten sich an, e s z u si ü r m c n. Da es ihnen nicht gelang, in das Bankhaus einzudrillgen, zertrümmerten sie durch Steinwürfe 'sämtliche .F e u st c r s ch e i b e n des Gebäudes. Die herbeigerufene Polizei wurde von den Hakenkreuzlevn mit einem Steinhagel eurpsangen. Bei dem Zusammenstoß gab es mehrere Verletzungen. Die Polizei hat zwW" Verhaftungen vorgenommen. kl» Hindenburg-Agitator. Berlin, 28. April. (Tel.-Komp.) Der LandwirtschastSeleve R e h n i g, der Samstag, in Berlin-Schöneberg den Angehörigen des Reichsbanners Schultz erschoß, ist heute nach Abschluß der vorläufigen Untersuchung unter der Beschuldigung der Körperverletzung mit tödlichem Ausgang der Staatsanwaltschaft übergeben worden. Der Verteidiger Rehnigs sucht für diesen Not w ehr geltend zu machen. Der durch das Revolverattentat des früheren Konditors Laube Sonntag nachmittags in einem Wahllokal mit seiner Frau angeschossene Fabriksbesitzer Wachtel ist den schweren Verletzungen, die er durch die vier Schüsse Laubes erlitten hat, erlegen. Frau Wachtel schwebt i n L e b e n s g e f a h r. Der Attentäter Laube wurde zur Beobachtung seines Geisteszustandes i n e i n e - I r r e n a n st a l t gebracht. Sozlaldemottaten gegen Kommunisten. Berlin, 28. April. Der. Vorstand der sozialdemokratischen Partei Deutschlands veröffentlicht einen Aufruf, in dem eine scharfe Abrechnung mit den Kommunisterl wegen ihrer Sonderkandidatur bei der Reichspräsidentenwähl angekündigt wird. Deutscher Reichstag. Berlin, 28. April. (Wolfs.) In der i P l e na r» s i tz u n g des Reichstages führte?ReichspostmiMter Sti ngl unter anderem aus, fsir das Jyhr 1925^würden die Einnahmen aus den Postgebüh.ren.'auf 851 Millionen Reichsmark geschätzt, Aus dem Telephonverkehr werde mit einer EimrahlG/von 662 Millionen Reichsmark gerechnet. Das Rechnungsjahr 1924 werde. mit einem Ueberschu ß von - mindestens 29 Millionen Reichsmark abschließen, der zur Rücklage fließt? Der Voranschlag für!l925 schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 1743 MPonen Reichsmark ab. Im Ver- ^591395822

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