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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-26 · Heft 2220 (26.4.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2220 (26.4.1925)
Date
1925-04-26
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2220 Wien, Sonntag Ksgvlmiioigoi' Nitagltr* und Worendlenat von TRIEST nach inuiiimiiiiimiitiiifiitimmiiiiiiiMii Aegypten, TUrhel Dalmatien, Griechenland, Syrien, den Schwarzen« Meer-tffifen, Indien - und dem fernen Daten Oeneralagentur:Wien, I. Kärntner ring 6 BrudeMatt der „Wahrheit" anziehen. Nach der zionistischen „Wiener Morgenzeitung" von: 2. Februar 1935 wurde Kamen ew als Nachfolger Lenins deswegen abgelchnt. well er Wischer Abstammung sei (!). Demnach besteht das Dreimännerkomitee aus zwei Luiden und einem Russen, wenn man Stalin schon als Nichtjuden gelten lassen will. Wer hat also Recht — die indische „Wahrheit" oder die südische „Morgenzeitung"? Wir müssen das Vergnügen stören. Die „Wiener Morlgenzeitung" ist am 2. Februar .1925, der bekanntlich ein ÄrbeitHeiertag war, gar nicht erschienen. Wie sie kin Nachfolger Kecskemells. Budapest, 25. April. Die Polizei Hai den Postbeamten Mexander Lengyel, der mittels gefälschter Postanweisungen den Staat um ungefähr ZOO Millionen Kronen geschädigt hat, verhaftet. Lengyel, dessen Vater Postmeister in -inem kleinen Provinzorte ist, schmuggelte die mit gefälschten Poststempeln versehenen Postanweisungen in den Postsack. Die Anweisungen lauteten meist auf hohe Betrage und waren an Banken, Juweliere oder Viehhändler gerichtet, bei denen sich die Komplicen Lengyels einstellten, größere Käufe machten und den Rest der Gelder übernahmen. Als Helfershelfer Lenghels wurden die Agenten Josef Kerekes und Arnold Klein sowie der Buchdrucker Andreas Bard verhaftet. Set Reinltz-Prozeß. Morgen beginnt in Szatma r der Sensationsprozeß gegen den Händler Jakob Reinitz. dem sechs Mordtaten zur Last gelegt werden. Der Angeklagte ist seit fast zwei Jahren in Haft, doch konnte bisher in keinem Falle gegen ihn ein schlüssiger Beweis geführt werden. Bttt ihm ist der . Kaufmann Nikolaus Reimann aus Miskolcz angeklagt. Beide werden auch wegen Balutenschmnggels zur Verantwortung gezogen. MNcher Autounfall tu der guueren Stadt. In der Spie geil gaffe ist gestern das dom Chauffeur Anton Lenk geführte Auto A 6 24 während der Fahrt ins Schleudern geraten, so daß es auf den Gehsteig auffuhr. Dabei wurden die sechzigjährige Private Klara Stimmer schwer und der zweiunddreißigjährige Tischler Johann Rotensteiner aus Wimpassing sowie fein vierjähviger Sohn leicht vorletzt Frau Stimmer ist bald darauf ihren Verletzungen erlegen. Nach Angabe von Augenzeugen ist der Chauffeur an dem Unfälle s ch uld tragend. Die Volksoder gesperrt. Endgültiger Bruch mit den Musikern. — Bildung eines neuen Orchesters? In der Volkso per ist es gestern durch das Verhalten der Musiker zum endgültigen Bruch gekommen. Die gestrige Vorstellung wurde abgesagt und auch die heutige Vorstellung findet nicht statt. Die Musiker haben, an die Volksoperbetriebs-A.-G. ein Schreiben gerichtet, in dem sie ihren Austritt animeldeten. Der Stroit gcht bekanntlich um die Flüssigmachung der rückständigen Gagen und volle Bezahlung der Uvlaulbsmonate. Mit dom darstellenden und technischen Personal wurde schon lange eine E ittigun g erzielt bahingchend, daß sie auf die Bezahlung der rückständigen Gagen verzichten Md für die zwei spielfreien Urlcuchsmolnate nur 50 Prozent ihrer Bezüge erhalten. Die Musiker erklärten sich damit nicht einverstanden und bestehen mmachgiebig auf strikter Erfüllung «ihrer Vertrüge. Im Verlause der Lohnkämpfe in der BoÄsoper sind die Musiker mehrmals in den Ausstand getreten, so daß das Theater .gesperrt werden mußte. Dar Bovwaltungsrat der BolkSoPer hat icun irr einem Schreiben den Musikern mrtgoteilt, daß er ihren Austritt nicht z u r K e n n t n i s nimmt, weil er der "Ansicht ist, daß Gagenrückstä-nde überhaupt nicht existieren, da sie durch den Schaden, den die Musiker durch ihr Verhalten -dem Institut zugchügt haben, m-chr als ausgeglichen sind. Auch für den durch deir jetzigen Austritt entstehenden Schaden sollen die Musiker haftbar gemacht' werden. Ms Antwort auf den Austritt der Musiker hat die BoWoPerbetriebs-A.-G. nun ihrerseits deur gesantten Orchester gekündigt. Die Boistellung eines neuen Orchesters Wurde von der Musikovorgamsation wegen der vor einem Jahre über die BolkSoPer verhängten Sperre abgelehnt. Die Direlttion wird sich nun bemühen, ein neues O r ch e st e r aus Nichtorganisierten Musiker,n zusammenzustellen. Gestern machte int Gegenwart der Vertreter des darstellenden und technischen Personals Direktor Dr. Stiedry über die Ursachen des Z tt sa nt m e n b r u ch e s Mlttvilunlg. Als Vertreter des darstellenden und technischen Personals erklärte Präsident H e r r m a ti n, daß die Musiker an der Sperre die alleinige Schuld tragen und daß die Organisationen des Wiener Msretenzettimq. «r. 'tapm ia*> » . Das Urteil eines Praktikers über krez Israel. Me. s. s. Lamport i« Wien. Seit einigen Tagen weilt, auf der Mckreist aus Erez Israel begriffen, Mr. S. C. Lamport, Chef der großen . Wollfirmen gleichen Namens in New-York, Texas und Mexiko, in unserer Stadt. Der Name S. C. Lamport hat-auf dem Gebiete des Handels und der Industrie in den Vereinigten Staaten wie auch jm öffentlichen jüdischen Leben Amerikas einen so guten Klang, -daß es uns von Interesse und von Nutzen für unsere Leser schien, die Ansichten dieses praktischen amerikanischen Juden über die Wirklichkeiten und Möglichkeiten in Erez Israel, wo er während seines einmonatigen Aufenthaltes die Verhältnisse studierte, kennen zu lernen. Mr. Lamport wurde m Mari ampol in Polen vor 44 Jahren geboren. Er war ein Jahr alt, als seine Eltern nach Amerika auswcmderten. Seine Erziehung ist am besten durch die von ihm mit Stolz erwähnte Tatsache gekennzeichnet, daß sein Vater chm aus Polen einen hebräischen Lehrer nach.New-Aork kommen ließ, damit der Junge im amerikanischen Milieu gut jüdischen Unterricht genieße. Heute ist Mr. S. C. Lamport Präsident einer Anzahl großer Industrie- und Exportgescllschasten. Er und seine Familie gehören zum engeren Freundeskreise des Präsidenten der Vereinigten Staaten Coolidge. Als Handelsminister Ho oder erfuhr, daß Mr. Lamport eine Reise nach dem Orient unternehme, schrieb er ihm einen Brief, in dem er nebst den besten Wünschen für die Reise die Zuversicht aussprach, daß der amerikanische Handel und Export dank der großen Fachkenntnisse und Beobachtungsgabe des Mr. Lamport von 'dessen Studienreise gleichfalls sehr viel profitieren werden. Diese hervorragende Stellung Mr. Lamports in der amerikanischen Gesellschaft und Geschäftsweilt hinderte ihn nicht, auch an allen großen Aktionen, die die Juden Amerikas bewegten und noch bewegen, in vorderster Reihe teilzunehmen. So war er unter anderem der B izepräsident f. des Joint Distribution Committees, dem die Herbeischaffung der großen Geldmittel oblag, die der Joint in den vom Kriege betroffenen europäischen Ländern zur Verteilung gebracht hat. An allen der Förderung der jüdischen Erziehung und des jüdischen Wissens dienenden Aktionen sind Lamport und seine Gattin werktätig interessiert, so zählt auch die große, moderne jüdische Hochschule, die Jeschiwah Rabbi Elch an an, die Familie Lamport zu ihren Haupt-- fördevern. Der Vater unseres Gastes, Mr. Nathan Lamport, ist der Präsident des Kuratoriums dieser Anstalt. . Es war bei solcher Einstellung . nur natürlich, daß Mr. Lamport mit ganzem Herzen dabei war, als nach dem Kriege die Frage des Zionismus und des Aufbaues von Erez Israel die gesamte Judenschaft der Bereinigten Staaten in Bewegung setzte. Man erinnert sich der schweren Konflikte zwischen W e i zm,a nn und der Br anders-Gruppe. In diesem Kampfe der Meinungen nahm Mr. Lamport die schwere, aber um so wichtigere Rolle des ausgleichenden Vermittlers auf sich, und er. zählt es zu den schönsten Erfolgen seines Lebens, daß er an der fchließlichen Einigung hervorragenden Anteil hatte. . Bei der Eröffnungsfeier . der hebräischen Universität iu Jerusalem war Dir. Lamport als Delegierter des großen jüdischen Swdentenverbandes von Amerika, Menorah. erschienen. Er üborbrachte auch eine Balfour-Büste, ein Meisterwerk des jüdischen Bildhauers Glicenstetn, das -in der. Universität! zur Ausstellung gelangte. Für' den UniversttätZfonds. spendete Mr. Lamport 30.000 Dollar. „Sie wollen wisse«, was ich aus Palästina mitbringe?" sagt Mr. Lamport, als er von seinen Eindrücken in Erez .Israel zu sprechen beginnt. „Vor allem eine Stärkung nrcines Selbstbewußtseins als Mensch und als Jude. Jetzt komme mir niemand mehr mit herablassendem Schulterklopfen und mit der gönnerhaften Bemerkung, daß ich „trotz alledem ein braver Mensch sei". Ich fühle mich im Bewußtsein, eine Heimat zu haben wie der Angehörige eines jeden anderen Volkes, stärker, sicherer und zuversichtlicher. Wir beleben den Idealismus der ganzen Welt. In uns lebt der Idealismus des Wissens, der Hoffnung auf die Menschheit, fort. Das zeigte sich bei der Gründung und Eröffnung der Universität, das habe ich in den Kolonien, beim Straßenbau, .beim Bau der Häuser und bei der Bearbeitung des Bodens gesehen. Was die Möglichkeiten für die künftige Entwicklung Erez Israels -betrifft, so lege ich als konservativer Handelspolitiker auch hier einen konservativen Matzstab an. Ich bin für die nächsten Jahre gegen eine überstürzte Masseneinwanderung. Ich wünschte eine jährliche Einwandereryahl von 10.000 bis 15.000 Einwanderern. Das wichtigste an Palästina ist sein Böden und die Naturschätze, die er trägt und in sich birgt. Diesen Boden zu erwerben, die Kräfte aus ihm hervorzuholen und seine ungeahnten Naturschätze zu heben,'muß als die erste und wichtigste Aufgabe angesehen werden. Dem müßte sich auch die Jndustrieaktion anpassen. Landwirtschaft und Verarbeitung der vorzüglichen landwirtschaftlichen Produkte. Schaffung und Forderung der Touristenindustrie, Erschließung der Heilquellen —'die Quellen von Liberias sind noch immer vernachläsiigt —, Ausgestaltung der Salzindustri e: das alles gibt sehr viel und sehr Ersprießliches zu tun. Mit dem Anwachsen der Einwanderung steigen die Anforderungen ' an den Nattonalsonds und an den Keren Hajeffod in entsprechendem Matze. Aber diese beiden fundamentalen In« stitute haben zu wenig Mittel Jeder Einwanderer fall sein Dach, sein Stück Boden haben. Mer ohne rationellen Aus< bau eines gefunden Hhpothekarkreditwesens. wird.das nicht zu erreichen fein. Es ist daher die Pflicht eines jeden Juden, ohne Rücksicht auf seine.Parteistellung den Nationalfonds und den Keren Hajessod unausgesetzt zu stärken. Die Übertragung der Lodjzer Textilindustrie nach Erez Israel, muß, meiner Ansicht nach, mit besonderer Vorsicht behandelt werden; denn ein Mißlingen, dessen Ursachen nicht im Lande, sondern in der übereilten, nicht gut durchdachten Organisation liegen würden, könnte mehr Schaden als Nutzen anrichten. Ueberhaupt muß Behutsamkeit der Leitgedanke be-i allen Unternehmungen in Erez Israel sein." Zum Schlüsse sprach Mr. Lamport noch von feinen Beobachtungen in Oesterreich. ,Zch kann es nicht begreifen, warum ich hier bei Ban-, kiers, großen Kaufleuten usw. immer wieder eine gewisse Scheu antraf, sich als Juden zu gebe». Ich bin ein guter, von niemandem angezwrrfelter Amerikaner und ich kchre jetzt, nach meinem Besuch in Erez Israel, erfüllt von der Liebe für unser Heimland, nach Amerika zurück: ich glaube, ich bin ein besserer Amerikaner geworden, seitdem ich weiß, daß mein Volk ein Heim mit großer Zukunft hat." I. Kr. darstellenden und technischen Personals sich <m den Gegenmaßnahmen gegen die Musiker beteiligen werden. Eine Darstellung btt Musiker. Wie uns der. Anwalt der Boilksopevmusiker Dv. Egon Perez mittelt, .entspricht, die von der Bolksoperbetriebs-- A.-G. gegebene Darstellung nicht den Tatsachen. Die Musiker halben sich.bemüht, ein Einvernehmen hsrzustellen, doch konnten sie unter.den. jetzigen Be-chältwissen ihren Dienst nicht mehr versehen, da . sich ihr t ä g l i ch e s Einkommen nur mehr auf 10,000 bis 20.000 Kronen beläuft. Da es bei den gsgenwärtigen Verhältnissen ausgeschlossen ist, während der Somutermonate ein Engagenrent zu evhalten, mußten sie auf volle Bezahlung der UrlanbÄnonäte bestehen, um so mehr als sie sich bereit eMävten, ans die namhaften Gagenrückstände zu verzichten. Die Musiker p r o t e st i e r e n dagegen, daß ihnen die S ch n l d an dom Zusammenbruch der Volksoper zugeschoben wird. Pab mit Fingerabdruck. Die Einwandenmgsbestimmungen in Brasilien. Nun erschwert a>uch Brasilwir die Eiuwandevung. Ääich den neuesten MNtlscheu. Verfügungen Isiud die wichkiE-- sten Erforderlüsse für die Zulassung gegenüber den bis-- horigelv Bestimmungen nicht nur die eines Passes, sondern auch eines Ausweises mit Fingerabdrücke«, die beide vom brajManischen Konsul legalisiert sein müssen. Die Einwanderung ist ab 1. Juli 1925 nur über die Häsen Rio de Janeiro, Beleni, Recife, Bahia, Bietoria, Santos, Paranagua. Sao Fvanoiseo und Rio Grando gestattet. Alle Einwanderer, das heißt, alle Passagiere Ktveiter und dritter Klasse, die iit Rio de Janeiro das 'Schiff verlassen, konrmen zunächst nach der Blunmninfel, bis. Kriminal- und Sanitätspolizei das Betreten der Hauptstadt gestatten. Zur Beförderung von Einwanderern bedarf es einer besonderen Lizenz, ebenso zur Einführung von Ausivanderern. Auf hoher See untergegaugen. > Bor den Augen der Retter. New-Vork, 21. April. Die Zeitungen vevöffenMchen sensationelle Schilderungen über den Untergang des japanischen Frachtdampsers ,Fiaifuku Maru", dem der White-Star- Dampser „H o m e r i c" vevgMich zur Hilfe geeilt ist. Als die „Homeric" die drahtlosen Hilferufe des in schwerster Seenot LefiMichen japanischen Frachtdampsers vernahm, machte sie sich mit Volldampf zur Hilfeleistung auf. Bier Stunden lang währte die Fahrt der „Homeric" in schwerem Sturm nordwärts, wobei das Schiss seinen vorgcschriebeneN Kurs vollständig verließ. Sämtliche Passagiere der „Homeric" wußten, warum es ging und schlossen hohe Wetten ab, ob es dem Kapitän der „Homeric" gelingen werde, den Eildampfer rechtzeitig an die sinkende „Raifuku Maru" heranzubringen. Als endlich 'die „Homeric" die „Raifuku Mavu" erreichte, bot sich den zu Hunderten auf dem Verdeck vorsamMn Passagieren des Schnelldampfers ein schauerlicher Anblick. Der japanische Frachtdanlpfer käurpft« mit haushohen Wellen, die unMässig über das Verdeck hinwogspülten. Die Bemannung des japanischen Schisses klammerte sich an die Maste, Mehrere Rettungsboote wurden oben ausgefchwungen, als der Retturrgsdampfer in Sicht kam. Der Zuschauer an Bord der ,Homeric" bemächtigte sich ungeheure Erregung, die sich in einem donnernden Hurra Luft umchte. Gleichzeitig wurden särntliche Rettungsboote der ,Homeric" flottgemacht und von den Matrosen besetzt, um die Mannschaft des japanischen Dampfers aufzunchmen. Kaunr war das Hurra von der „Homeric" verklungen, als die „Raifuku Maru" vor den Angen der entsetzten Zuschauer an Bord der „Homeric" plötzlich wie ein Stein mit Mann und Maus in die Tiefe ging. Nicht ein einziger von der 60 Mann starken Besatzung des japanischen Dampfers konnte gerettet werden. Das SchU versank vor den Arvgen der Retter spurlos.

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