Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2220 (26.4.1925)
- Date
- 1925-04-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Gelte 4 Dien, Sonntag Neu eröffnet / Neu eröffnet! ™VonOgl.KUcho35 im Restaurant H. HOROWITZ Wien, //. Kleine P/arrgasse 29 So Couchs Feiwel zum Volks- und Dalmudschüler heran. Es zog ihn den Spielplätzen der Schulkinder hin und er fürchtete sie zugleich. So oft er sich zu ihnen hinschlich, bekam das Spiel ein neues Ziel. Spielbälle, im Winter auch Schneebälle, schwirrten um seinen Kopf, herzloser Kinderwitz vergällte ihm sein jun-ges Leben. Die Buben schlossen Wetten ab, wer den Feiwel mit einem Wurf treffen würde, denn es muhte schon ein vorzüglicher Schütze wie Jakob Diamant fein, der imstande war, diesen wackelnden „Delegraphendraht", wie manche Feiwel nannten, zu treffen. Deshalb wagte Feiwel nie, sich mitten unter die spielenden Kameraden zu mengen, sondern lehnte sich, eine Rückendeckung suchend, an eine Wand, von wo ans er midvoll die tollen Streiche der Altersgenossen verfolgte. Bald hatte es jedoch Feiwel heraus, daß er sich die Gunst des Jakob Diamant, des gefürchteten und von allen respektierten Anführers der Schulbuben, ertausen müsse, um von den andere,r unbehelligt tzu bleiben. Es handelte sich bloß darmni mir ihm nicht nur die Jause zu teilen, sondern, was noch wichtiger war, ihm täglich einen Tribut von drei bis sechs Hosenknöpfen zu liefern, un, seines Schutzes sicher zu sein. Hosenknöpfe waren damals die gangbarste Valuta unter dem ■SUcuttooIif der Judengasse. Sie hatte ihre eigene Börse mit eigenen, je nach der Konjunktur auf- und absteigenden Kursen. Uni Knöpfe ivnvde nicht nur „Anmäuerln" gespielt» sie bil- >ckell auch den Einsatz bei Wetten und wurden gegen Kupfergcld eingewechselt. Feiwel lieferte lvährend der ganzen BoWschulzeit täglich funkelnde neue und alte Hosencknöpfe als Toleranzgvbühr an Jaküb Diaurant. Die Folge davon war, daß er trotz des Hausbochers in der Schule nicht vorwärts kam, und hätte sein Klassenlehrer nicht drei ausgelassene Buben zu Hause gehabt, veuen „Gott's Kleider zu wenig waren", und hätte Sure Mannsbild nicht ab und zu einen der drei Rangen des Herrn Lehrers in die Werkstätte gelockt und mit neuen Hosen ausgestatlet oder die zerissenen flicken lassen, wer tveiß, ob Feiwel nicht als Volksschuler gestochen tväre. So über ha-t Feiwel die Elementarschule gut absolviert n») d.-r Student konnte ins Haus kommen und die Arbejt be- Wlenrr Mortdenzertuna. Sorbe» Morgan in Die». Freitag abends ist aus Paris der bekannte amerikanische Großbankier Forbes Morgan angekommen und im Hotel Imperial abgestiegen. Der Großbankier dürfte sich in geschäftlichen Angelegenheiten längere Zeit in Wien aufhalten. _ ginnen, durch welche Feiwel Glückskind erst zum Menschen gemacht werden sollte. Sure strahlte vor Freude, lud die Nachbarn zu einem kleinen Fest ein, erzählte von den großen Fähigkeiten ihres Einzigen, und der Lehrer des Talmud-Thova- Kuvfes mußte sogar eine Rede halten, in der, er es schwer beklagte, daß ein so seiner Kopf, ein so ,Herrliches Gesäß zur Ausnahme von Thora", sich nicht vollständig der Heilligen Lehre widmen könne. Nur Nute ließ sich durch all diesen äußeren Schein nicht verführen und spannte Feiwel ivährend der Ferienmonate noch mehr zu ,-seinen" Arbeiten ein. Eines Tages sollte Feiwel an Hevschl Schuster, der am selben Dag unter die Chuppe gehen sollte, einen funkelnagelneuen Anzug Miesern. Nute hatte seine ganze Kunst angewenidet, um den Hochzevtsgästen zu zeigen, daß er ein Schneider sei, der auch in Wien seimsgleichen nicht hat. Er arbeitete die ganze Nacht, um rechtzeitig liefern zu können, und trug Feiwel auf, geradeaus zu Herschl zu gehen, damit dieser noch vor der Chuppe Zeit habe, ihm für ein Paar neue Schuhe Maß zu nehmen. Der Weg zu Herschl Schuster führte über den Spielplatz im Tempelhof. Er war nicht zu umgehen. Die Jungen waren gerade mitten in einer großen Schlacht um einen Hausen Hosenknöpse. Als Jaküb Diamant Feiwel erblickte, rief er ihm erregt entgegen: ' J ,Oevivel, ich muß zumindest sechs Knöpfe haben! Ich habe heute furchtbares Pech; die Schufte haben mir alles abgeknöpft. Du mußt mir helfen, Feiwel!" Feiwel kramte in den Taschen, fand aber leinen einzigen Knopf. Diamant tobte und drohte, Feiwel der spotthungrigen Meng« Pveiszugeben. Fellvel erblaßte, er dachte an die Schießübungen gegen den „Telegraphendraht". Da erinnerte er sich, daß wenige Schritte vom Spielplatz das Geschäft war, in denl sein Vater die Knöpfe kaufte. „Halte einetl Augenblick den Anzug, ich komme gleich! Aber passe auf, daß der Anzug nicht schmutzig wivd, es ist bw Ehuppeanzug vom Herschl Schuster." Feiwel rannte davon. Als er zuvückkehrte, fand er Diamant wieder im Spiel. ,^Jch brauche dein« Knöpfe nicht mehr, du Trottel, das Gluck hat sich gewendet." und er klimperte mit den vielen Knöpfen m der Tasche. 86. AM 1926 Nr. SM sind Dr. HOFFBAUERS ENTFETTUNGSTABLBTTEN von bester Wirkung, angenehmem Oeschmack, vollständig un* •chädllch. Die Tabletten stellen eine schlanke, graziöse Figur her, ohne Diätzwang oder Aenderung der Lebensweise, prompte Gewichtsabnahmen. Keine Schilddrüse! Depot! Kein Abführmittel! Apothtk« HUGO BAYER. Wien, I. Wollxall« 13/12 Vom Volksgeiundheitsunt bewilligt Nr.211 Men aohta auf de» Samt« Dr. Hoffbaoer mOmlmmm pagne muß im Interest« der notleidenden Juden Osteuropas unterstützt werden. Der Präsident des anrorikanisch-jüdischen Kongresses, Rabbi Dr. Stephan S. W i s e, appellierte an den Weltvvden, sich an dam Werke des Wiederaufbaues Palästinas zu beteiligen. Ae Ausgrabuogeu in der Lavldr-Stadt za Jerusalem. Die palästinensische archäologische Gesellschaft (Palestine Exploration Fund) teilt mit, daß 'der Schatzmeister der Gesellschaft Kobonel Sir Charles Close und der Sekretär Dr. E. W. M a s f e r m a n n sich dieser Tage nach Palästina 'begeben haben, eimt mit denn in Palästina lweilenden Rev. Gavrow D u -n e a n, der als Astistent ides Profestors Ma ca liste r di« Ausgrabungen in der DavidS-Stadt leitet, über die Arbeit i>m kammenlden Sommer zu beraten. Es besteht der Plan, als Obsekt für neue Forschungen die Gegend der westlichen Mauer von Ophel, die an >das Thropoeon-Tal grenzt, zu lvählen. Die Linien der nördlichen und der östlichen Mauer aus der vorhebräischen Zeit sind bereits fixiert worden, über die Linie der westlichen Mauer besteht noch UnMarheit, obwohl einige Oberflächenzeichen vorhanden sind. Es ist von großer Bedeutung, diesen Punkt auszuklären. Sollte man im Verlauf der SommerausgrabMgen auf eine starke I e b u s i t e n m auer im Westen von Ophel stoßen, so wird das Ergebnis ein befriedigendes genannt werden können. Man hofft, ^daß die Ergebnisse der neuen Sa i sonarbeit zu werteren Unternehmungen ermuntern werden (I. T. A.) _ Wie sie lügen! Unter diesem Titel schreibt das Wiener Wochenblatt der Haiknkreuzler: „In der jüdischen Wochenschrift „Die Wahrheit", Folge 8 vom 27. Feibruar 1926, schreibt oin Dimitri Bulaschow in einem Ausiatz „Die Leigende vom jüdischen Bolschewismus" u. a. folgendes: „Es wird ferner behauptet, daß das Dreimännerkomitee, das seit dem Tode Lenins an der Spitze der Kommnnistenpartei steht, aus lauter Juden zusaMnengesetzt sei: Sinowjoiv, Kamenew, Stalin, Sinowjew ist allerdings Jude von Geburt. Mer Stalin ist Grusiner und heißt Dugaschwicti und hat mit Juden ebensowenig etwas gomsin, wie etwa seine Landsleute Zeretelli oder Dscheidze, di« in der Revolution obenfalls eine große Rolle spielten. Der Dritte der Genannten, Kanrenew, ist nicht der durch die Antisemiten so berühmt qgwordene Rosenseld, sondern der ehemalige zaristische Oberftloutnant, der jetzt unter dom Oberbefehl Trotzkis Kommandant Vor Roten Armee ist. Es sind also zwei Nichtsnden und nur einer jüdischor Rasse". Wir müssen dieser frechen Lüge der jüdischen .^Wahrheit" kurze Beine machen und wollen zu diesem Zwecke ein Niedergeschlagen zog Feiwel ab, um die Lieferung auszuführen. Er wurde schon nervös erwartet. In feiner Zerstreutheit wegen des Zwischenfalles mit Jakob Diamant vergaß er, sich für die Schuhe Maß nehmen zu lassen. Feiwel war kaum zu Hause angekommen, als im Hofe ein furchtbares Geschrei laut wurde. Die Mutter von Herschl Schuster, Wlalke, und sein zukünftiger Schwiegervater, Eisig Fuhrmann, kamen Polternd, fluchend, durch den Hos. Eisig fuchtelte mit der eben gelieferten Chuppehose, stürzte sich dann auf Nute, warf ihm die Hose an den Kopf und schrie: „Lumperei, Gemeinheit! Nur mit einem jüdischen Handwerker soll man nicht ansangen! So eine Niederträchtigkeit, einem die ganze Hochzeit zu zerstören! Herschl steht zu Hanse ohne Hosen. Und im Schulhof wird schon die Chuppe ausgestellt ..." Nute und salbst die redegewandte Sure Mannsbild standen wie versteinert und glaubten, die Leute seien verrückt geworden. Als sie aber sahen, womm es sich eigeirtlich handelte, daß die Chuppehose Herschls keinen einzigen Knopf hatte, siel Nute in Ohnmacht. . . Jakob Diamant hatte, während Feiwel 'ihn den Anzug halte» ließ, uni Knöpfe zu hole», sämtliche Knöpfe von Herschls Chuppehose abgoschnitten und damit eine Wendung seine' Spielglückes herbeigefiihrt . . . Sure fand zuerst ihre Rtche wieder. „Du sichst, Nute, unser Feiwel ist nicht zum Schneider geboren. Feiwel muß ein Mensch werden." Wenige Wochen danach fiel Feiwel bei der Aufnähms Prüfung fürs Gymnasium durch. Mit innerer Genugtuung sagte jetzt Nute: „Siehst du, Sure, aus unserem Fettvel wird in seinem Leben kein Mensch." „Aber ein Schneider wird er nicht werden," befahl Duri Mannsbild. Am nächsten Tage hatte Sure eine lauge Unterredung mit dem Lehrer der Talmud-Thora-Schule. Am Albend nach dieser Unterredung wurde über Wunsch Suves einvernehmlich beschlossen: Feiwel gebt in die Jeschiwah. trag Garantien für den Frieden auf dem BaVan enthalten tverde. Als Grundlage des Vertrages diene der alte Vertrag vom Jahre 1913. Sie Prager deutsche UniversiM gegen den Pnmernr rlansns. Prag, 25. April. Der Akademische Senat der Deutschen Universität in Prag befaßte sich in seiner gestrigen Sitzung mit der vom Unterrichtsministerium gestellten Anfrage hinsichtlich einer Einschränkung der Aufnahme von Hörern. Diese wird unter allen Umständen abgelehnt. Bei der medizinischen Fakultät sei die Ucbcrfüllung nur vorübergehend. Es bestehe k e i n e N o t- Wendigkeit für die Aufnahnieeinschrän- I u n g von Ausländer n. Ihre Zahl betrage seit dem Umsturz ungefähr acht Prozent, was der Zahl in der Vorkriegszeit vollkommen entspreche. Sie amerikanischen Setreidebörsen. New-Iork, 25. Tlpril. Die amerikanischen Getreidebörsen wiesen houte wieder eine flaue Haltung,auf und Rückgänge bis zu drei und vereinzelt mehr Punkten bildeten die Regel. Bon der BölkerbnndfeMon. Wie die Politische Korrespondenz erfährt, ich Marchese Cusa n i, der Nachfolger des Senators Pantaleoni, im Präsidium des österreichischen Kontrollkomitees, vor einigen Tagen hier eingetroffen, um der österreichischen Regierung und dem Generakommistär Dr. Zimmerm a n vor der am 1. Mai beginnenden Tagung des österreichischen Kontrollkomitees einen Besuch abzustatten. Marchese Cusani ist heute abgereist. Sie Handelgvertragsverhandlungen. Wie der Politischen Korrespondenz mitgeteilt wird, werden die Verhandlungen über den Handelsvertrag mit Ungarn Donnerstag in Budapest beginnen. Fortsetzung der Personalabbaues bei der Post. Der Gewerkschaftstag der freien Postgowerkschaft, der Freitag und Samstag im Sitznnigssaale des Alten Rat- 'hauses abgehalten wurde, beschloß eine R e s o l u t i o n für die Reorganisierung des Posüwesens, 'das frei von Parreipolitik und frei von der Finanzbureaukratie aus-- uud umgestaltet «werden inüsse. Sekretär Dr. Maier teilte mit, daß den: Bundeskanzleramt, dem Generaldirektor H o h c i >s e l und dem Generalkommissär Dr. Zimmerm a n nunmehr der Bericht der beiden belgischen Experten für das Postwesen, Chokaert und de Smeet, zugekonrmcn ist. Ter Bericht ist in französischer Sprache abgefaßt und umfaßt 300 Seiten. Danach sollen noch 2900 An-- gestellre bei der Post und beim Telegraphen«- und Telephonbelrieb a b g e b a u t werden. Sie Bodenresotm in 6m Sfroel. Die Enquete der Zionistischen Organisatwn Oesterreichs. Heute um halb 10 Uhr vormittags beginnt im Saale des Iikgenieur- und Architektenvereins, 1. Be;., Esckienibachgasse 11, die vom Zionistischen Landeskomitee einbcvnsene Ans spräche über das Bodenproblem in Erez Israel. Die Tagung wird mit einer Ansprache des Präsidenten der Zionistischen Organisation Dr. Jakob Ehrlich eröffnet iverden. Referieren werden die .Herren Mols Böhm, Oberbanrat Robert Stricker und Dr. Ehaim Tartakower. Nach den Referaten folgen die Debatte und Resolutionen. Zur aktiven Teilirahinte sind berechtigt: Die Mitglieder de's Landeskoinltecs, des Parteirates, der Landeskoinmissiouen des Keren Kajometh und 'des Koren Hajessod, «die Ausschüsse der Bezirkssektionen und Sondervevbäirde, die Kommissäre des Keren Kajemeth sowie diejenigen SeWkontingcntler, die zumindest eine Viertel ihres Kontingents aufgebracht halben. Zutritt nur gegen Voriveis-ung der auf den Namen des Berechtigten lautenden Legitimation. SBettfonfereni der Lrdenr 9’nni B'rtth. Frauen sollen Ordensmitglieder werden. Am 20. d. begann in A t l a u t i c C i t y die Welt'kon>ferenz des Ordens B'uai B'rith, zu welcher Vertreter aus allen Teilen der Welt erschienen waren. Der Präsident des Ordens, Mr. Adolf Kraus, begrüßte die Delegierten und hielt dann ein längeres Referat, in welchem er die Aufnahme von Frauen als Mitglieder des Ordens befürwortete. Von der Mitwirkung der Frauen erwarte er eine große Entwicklung des Erziehungswevkes des Ordens. Der Präsident berichtete daun über die Tätigkeit der von ihn: begründeten Anti-Defamation League, die sich in der B e k ä m p f u n g d e s A n t i s e m i t i sm u s in den Veremigtcn Staaten große Verdienste erworben hat. Der Sekretär der Orientgr-oßloge B'nai B'rith, Herr Dr. Aakir Behar aus Konftantinopel, berichtete cm Namen des Orien-tdistriM über die am 1. d. in Jernscklem eröffnete hebräische Universität. Er erklärte, die Jerusalamor Universität kröne das große und verdienstvolle, von der Alliance Jftaelite Universelle und den B'nai B'rith cm Orient ausgeb a u t e umd. unterhaltene Schnlwerk. Dies sei die Meinung der Qrient-B'nai-B'rith. Das Mitglied der Exekutive des Verbandes zur Förderung des jüdischen Handwerkes und der Landwirtschaft nivter den Juden „Ort", Dr. Leo Bramson, richtete an die Weltkonferenz den Ächpell, das Wieder au fbauprogramm der Gesellschaft ,O>vt" kräftigst zu unterstützen. Die Gesellschaft „Ort" hatte sich zur Aufgabe gemacht, das in der Periode der Wirren in Rußland zusaurmeirgebrochene jüdische Handiverk und die jüdische Landwirtschaft wieder aufzuvichten sowie die zugrundegegangauen Schichten des jüdischen Kleinhandels pwdnktiver Arbeit durch Ansiedlung aus denn Lande zuzusuhren. Gegenwärtig wekle in den Vereinigten Staaten eine Abordnung der Gesellschaft ,>Ort", die für den Wroderausba'ufonds der „Ort" wirbt. Diese Kam-