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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-26 · Heft 2220 (26.4.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2220 (26.4.1925)
Date
1925-04-26
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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ffitett, Sonntag Witntt Msrsemenu«« qy. SPwrr rsso Nr. 2220 mit einsebautem „v«e«on"-6ummr.^b8Lt2 Schuhel Herr I. Goldbevg, der jetzt hier ift, faßt mit gleich« faHö, daß Dschlonow in diesen Tagest hi-Lher kontmen werde, ebenso Sokolow. Es wäre gut, daß auch Sie dann hieher- Lommen, damit wir zusamn^n beraten und die Grundziige für die gemein' Arbeit festsetzen. Sonst lkönnte eine große Katastrop^ . .'tstchen... 2. An Dr. CH. Weizmann, Manchester. London, 16. Dezember 1911. Heute erhielt ich Ihr Schveiben von gestern; ich las hon Brief 'wiederholt durch und ich ka«m zur Erkenntnis, daß Ihnen (oder richtiger — u u 's) eine große Sache gelungen ist. Komntt die Stunde, so wird die Hilfe B.(alfonrs) «mehr Wert 'haben als die Gegnerschaft aller unserer „Führer" zufantmengenommelt. Besonders ba es nach der gegenwävtig-en geistigen Einstellung in diesem Laude sehr wahrscheinlich ist, «daß die Regierung nach dem Krieg in die Hände der Konservativen übergeht und B. an der Spitze der Regierung stehen wird. Kurzum — Jejascher Kochacha! Die Frage Ihrer Reise nach Amerika kann vor der Ankunft Tischlenows nicht entschieden werden. Ihr Zusaimmentreffen -mit L.(loyd) G.(eorge) und H.(erbert) S.(amuel) -kann für die Entscheidung nt dieser Frage gleichfalls von große-nl Einfluß sein. Ich würde Ihnen daher rateil, diese Frage vorläufig unbeantwortet zu lassen. Am -Freitag besuchte mich Simon. Er sagte mir, daß ein Teil des Memorandums bereits fertiggestellt fei. Trotzdc-m glaube ich, daß die Arbeit nicht so schnell vollendet sein wi-rd. Bezüglch L. G. scheint -mir jedoch, Laß Sie ihn auch ohne Memorarrdum aussucheu und es ihn: nachher zusenden könnten, denn sonst -müßten Sie die Audienz verschieben, bis er vorerst die Denkschrift durchgegangen ist, und das tväre unrichtig... Die zionistische Fraktion im Sejm. Warschau, 2-4. April. (I. T. A.) Am 21. d. tagte -in Warschau der Zentralrat der geeinten zionistischen Organisationen in der pölnischelr Republik. Die z-ionistischen Deputievten und Senatoren wohnten der Sitzung bei. Es «wurde über die Tätigkeit und Taktik der zio-mstischen Fraktion int -polnischen! Schm und Senat beraten. Znur Präsidenten 'der zionistischen Fraktion im jüdifchen ParlamentLölub wurde Deputierter Hart gl aß, Zum Vizepräsidenten Deputierter Sommerstein geivählt. Die Maiseier in Budapest. Budapest, 25. April. Wie die Blätter melden, wird die Regierung anläßlich der bevorstehenden Maifeier der Arbeiterschaft am 30. April sowie am 1. und 2. Mai die Abhaltung von öffentlichen Versammlungen oder Straßenumzügen nicht gestatten.. Auf die ArLeitsruhe am 1. Mai wünscht die Regierung keinen Einfluß zu nehmen und auch Zusammenkünfte nichtpolitischer Natur werden erlaubt «sein. Ae 8ndn im ungarischen Sberhauo. Budapest, 25. April. Ueber Sen gegenlvärtigen Stander Frage einer Vertretung der Juden im künftigen Oberhaus äußerte sich der Staatssekretär mt Kultusministerium, Dr. Johann T o st, dem auch das Ressort für die Angelegenheiten der jüdischen Konfession untersteht, folgendermaßen: Prinzipiell hält die Regierung daran fest, daß der jüdische Vertreter voll den jüdischen Gemeinden präsentiert und, falls die Nominierung kcinenr Anstand seitens der Regierung begegnet, vonl Reichsverweser ernannnt werden soll. Bezüglich der Modalitäten, unter welchen die Wahl durch die Gemeinden durchgeführt werden soll, wird die Regierung für den Monat Mai eine Enquete einberufen. An dieser 'werden Delegierte der größeren jüdischen Gemeinden, der Landeskanzleien und einzelne im öffentlichen Leben stehende Persönlichkeiten teilnehmen. Sie AuMnder in Budapest. Budapest, 25. April. (U. T.-K.-B.) Der Minister des I n n e r n hat die bisherigen Verordnungen über dcll Aufenthalt der Ausländer einer Revision unterzogen ulld lvird in den nächsten Tagen eine neue Verordnung erlassen, die für die Ausländer viele Erle i ch t c tungen enthält und gleichzeitig die unkontrollierte Einwanderung der Fremden verhindern soll. Frenlde, die sich nur vorübergehend im Lande aufzuhalten beabsichtigen, bedürfen keiner besonderen Erlaubnis. Die ständige Niederlassung ist an eine besondere Bewilligung gebunden« Eine Vorzugsbehandlung werden jene Ausländer genießen, die schon vor dem 1. Jänner 1911 ihren Wohnsitz in Ungarn hatten, und seither ohne Unterbrechung im Lande lebten. Advokat und Sffizier. , Dr. Hofmokl schießt im Gerichtssaal. Warschau, 25. April. (Tschech.-slow. Preßbur.) Im Verhandlnngssaal des hiesigen Strafgerichtes, vor dem seit einigen Tagen die ehemaligen Funktionäre der S o w j e t g e s a n d t s ch a f 1 sich wegen Spionage zu verantworten haben, wurde gestern einer der Verteidiger, der bekannte Rechtsanwalt Dr. H o f m o k l, von einem der Zeugen, dem Oberleutnant Jendrusza, geohrf e i g t. Als' derselbe Zeuge in der Nachmittagssitzung neuerlich aussagte, richtete Dr. Hofmokl einen Revolver a u s^i h n und f e u e r t e s e ch s Schüsse ab, die aber ihr Ziel verfehlten. Dr. Hofmokl wurde entwaffnet uud verhaftet. Er war vor dom Krieg Mitglied der Wiener A d v o k a t e n k a m m c r, hat jedoch wegen eines Konfliktes mit dem damaligen Polizeipräsidenten Wien verlassen müssen. Zionistische BezirkSsektion Leopoldstadt Montag, 27. April 1925. präzise V,9 Uhr abends, im Cafe „Sächsischer Hof", 2. Bez., Taborstraße 46 (Souterrain, Eingang Novara^asse 2) Vortrag des Herrn Architekten H. Sobelfohn: „Skizzen von meiner Palästinareise“ Nachher Rezitation 2)as vornehme ßekleidungshaus , ’ R. Herz & Söhne I. Nibeluogengasse 7 Lieferanten für die Mitglieder des I. Wiener Consumvereine*! und der Rohö, in Damen- und Herrenkleidung i Much ‘Gcilzahlunoen! 1 :«lj Mostul an die Türken (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 25. April. In politischen Kroifen Verlaim% daß ein Vorbericht über die Entscheidung 'der Grenzregulierungsko-mmission des Völkerbundes für die Grenze zwischen der Türkei und dam Freistaat I r a k ein für England ungünstiges Ergebnis erwaMi läßt. Die Grenzregulierungskommission soll ihren Schiedsspruch in der Weise getroffen haben, daß die Oe-lfelder des Wilajets Mossul der Türkei zugesprochen werden. Sollte der Völkorbundrat auf seiner -bevoristeherrdcn Tagung den 'Schiedsspruch der GrenzregulierungsLommission, der uöben: einem belgischen und schwedischen! Mitglied auch der gewesene ungarische Ministerpräsident Graf Paul T e l e k i angehört, ratifizieren, so würde die PetroleumEonzession, die die Regierung des unter englischem Protektorat stehenden Freistaates Irak vor einiger Zeit der Anglo-Pcrsian und «der Royal Tutch-Petroleum" g-esellschaft gewährt ha«t, gegenstandslos werden. Aach dm Warschauer Konferenzen. London, 25. April. (Tel.-Komp.) Die ,Mmes" schrei^ ben, daß die Unterzeichnung des Schiedsgerichtsvertrages zwischen Polen und der T^checho-Slowakei nicht nur eine neue Ae-ra in den Bezi-chungen zwischen diesen beiden Ländern, sondern überhaupt in Mitteleuropa eröffne. Polen sei if>isher der kle i ne n Entente n ich t be iget ret e u, und es scheine wenig lwahrschein- Lich, daß es 'das überhaupt tun werde. Auf die europäische Politik werde das Abkommen von Warschau großen E i n fluß zunächst lbei der Neuberatung des Gerrfer Protokolls, dann «aber auch in der Richtung ansüben, «daß davon die Bedingungen beeinflußt werden, unter denen Deutschland in d e n V ö l k e r b u n d ausgenommen wird. „Daily Heräld" schreibt, das Abkommen von Warschau -bedeute das Ende der kleinen Entente., Man 'könne jetzt beobachten, daß sich ein nordslawischer Bund bilde, dem ein südslawischer Bund entspreche, welchem sich auch Griechenland und Rumänien anschließer dürften. _ Sie Keine Entente. Bukarest, 23. April. (Orient-Radio.) Die Konferenz der kleinen Entente in Bukarest ist ofsiziel" sü^ den 9., 10. und 11. Mai festgesetzt worden. Sriechisch-serbischer Bündnis. Graz, 25. April. Die „Tagespost" meldet aus Belgrad; Montag beginnen die SchlußvechaMuugeu über den Bündnisvertrag - zwischen Jugoslawien und und Griechenland. Der Chef der griechischen Delegation erklärte Pressevertretern gegenüber, «daß der Ver- Feilvel Glückskind. Eine Le«'bensg-esch ichte in drei Abschnitten Von Jakob Krausz. E r st >e r A b s ch n i t t, in welchem epzählt wird, wodurch -es zum erstell Male osfeilbor wltvde, daß Feiwel ein Glückskind ist. Wir rrannten tf)ti Feiwel Glückskind, und keiner von uns Lachte mehr Äarall, daß Feiwe-l, der Sohn des Nllte Schneider llnd dessen Gattin, ,/Sure Mannsbild", in der jüdischen GÄrirtsmafrlkel unter einem ganz anderen Namen eingetragen steht. Mir selbst brachte erst jetzt, nach mehreren Jahrzehnten, elne Zeitungsnachricht voll dem Ableben Feiwels nnd seiner unter großen Ehrell erfolgtell Bvstattnllg seinell wirtlichen Namen wieder in Erinnerung, und ich wäre nicht würdig, dereinst unter gleichell Ehren dem Jenseits überantwortet zu werdell, wüvde ich denr gefügigstell Medium iiuferer Jugendstreiche dielsen Nachruf vorellthalten, dieser llil-evschöpslichen Quelle der Er-heiter-lUl-g m-eimr Kindheits- und J-ünglingsjalire nicht dieses Delltnral setzen, das, wie ich bei -lnemer bekauiltell Bascheidenheit hoffen will, das Grabmal aus brüchigem Sandstein, das ihnl „die große Gemeinde seiner Verehrer und Freunde" gestellt hat, lange überdauern wird. Mr ilannten ihll Feiwel Glückskind. Das erinnert mich wieder an einen meiner vielen Weltvevbessernngsvorschlägr. der mir schon einmal das einmütige Hohng'lächter einer verständnislosen Bersanlmlnn-g eingetragen hat. Aber der allzufrühe Tod unseres unvergeßlichen Feiwel Glückskind reizt meinen prophetischell Neformtrieb, vom geschützten Schreibtisch aus AUHällger für meillell Reformplan zll wevben. Zu deri schwersten Leiden der Mens'hheit gehört die Willkür, mit welcher dem schutzlosen, neugeborenen Menschenkind der S'came aufgedrällgt wird, den es bann sein ganzes Löben lang zu tvageu gezwun'gen ist. Das ist eine brutale Eiuschräubltug der persönlichell Freiheit des Menschen, der doch kas Rechhalben muß, sich einen Namen zu erwerben. Eo -achtelt wir J-u-ngert der Judengasse nnd vert-i-ilterl Namen uild Prädikate mit rovolntionärer Grandezza nach Verdienst und Gebühr. Und sonderbar! Diese Namen geleiteten die mit ihnen Bedachten durch ihr ganzes Leben und waren cm sicherereL Erinnerungszeichen für alle, die, aus der Gasse heroorgegan-gen, i-n alle Welt zerstreut wurden, als die Jamiliennamsn, die in den amtliche,r Dokumen./n verzeichnet »nren. So kam auch Z:'vel, der Sohn von N ne Schneider und Sure Ma:»stbild, » i 'ninem Wohlverdi'.n.en Namen Gl''tL"r"nd. Schoit in der Wahl seiner Eitern erwies sich Feiwel als ausgesprochenes Glückskind. Sein Vater Nute war ein dürres Männcheit von auffalteild -kleinem Wuchs mit spärlichem Kopfhaar und ei„>e,n schütteren Spitzbärtchen. Sein Hausarzt nannte ihn das lebende Diminutiv. Bloß sein Kopf stand irgendwie nicht im richtigen Verhältnis zu seiner sonstigen Korpergestalt. Er gillg wohl auch nicht -in die Breite, -crbec es war eilt ungewöhnlich langer Kegel'kopf, auf beiden Seiten Plattgedrückt, wodurch das zu lang geratene Gesicht einen ewig heiteren dl-usdruck hatte unb -der niemals geschlossene Mund ständig aussah, wie wenn er ein lustiges Liedchen pfiffe. Spottete man feiner in der Judengasse wegen feiner Kör-Pevbeschasfenheit, so rechtfertigte sich N-ute damit, daß er am Tage nach der Barmizwah zu einem Lehrmeister gebracht worden sei, -der, so oft er einen Artlmt-f zlun Wachsen nahm, durch kunstgerechte „Dämpfer" aus die Schädeldecke seilt Wachstum eindämmre, und als sein gottseliger Vater die Befürchtmtg auSsprach, Nute könnte sein Leben lang mit einem Plattschädel behaftet bleiben, die gutherzige Lehrmeisterin durch ehrlich gleichmäßig verteilte Ohrfei-gell den Schädel wieder in die Höhe trieb, bis er schließlich seine heutige Form annahm. Sich einen Mann von den körperlichen und geistigerl Vorzügelt Nutes zum Vater erkoren au haben, würde jedoch noch nicht zu denr Urteil berechtigen, daß Feiwel schon bei der Wahl feiner Eltern ein vom Glück bevorzugtes Kind gewesen sei, wenn sich nicht in den Kegelkopf des dürren Schneiderleins der kluge Gedanke eingenistet hätte, sich Sure Mannsbild zur Fmu zu nehnlen. Damit war das Leberisglück Feiwels im Himmel, wo auch Nutes Che geschlossen worden war, -besiegelt, noch «ehe er mit einem laugen, dünnen Freudenschrei in diese Welt eirlgetreten war. Sure war körperlich das gerade Gegenteil von Nute. Groß — sie überragte ihr Männchen um mehr als zwei Kopflängen —, vollbusig, mit zwei kräftigen muskelstrotzenden Armen und einem in Gesundheit rötlich strahlenden Gesicht, aus welchem zwei große, schwarze, unruhige Augen ununterbrocheu drohend Befehle ztl erteilen schienen. Dazu eine tiefe, kräftige Stimme, die ihr allein schon die Herrschaft im Hause sicherte. So hatte Nute jetzt alles im Hause, was ihm als Jllnggesellelr albgegan-gen war. Er hatte jetzt einen Schutzpatron im Hause, und nahm er sich auch, wenn -er a-n Samsta-gnachmittagen an der Seite feiner Gattin durch «die Judengassen schleuderte, wie ein Spazierstock in der Hand von Sure Mänllsbitd alls, so genügten doch ein Blick in die siegesbewußt rollenden Augell Eures -und ein Wort aus ihrem Munde, um jeden Spott verstummen zu lasien. Pünktlich, wie cs einer guten, jüdischen Ehe geziemt, hat Sure Mannsbild 9lute den Schneider mit Feiwel beschenkt. And wie es von einer gilücklichen Mischen Ehe nicht anders zu erwarten war, hatten «beide Elternteile ihrem Spvößling etwas Charakteristisches von sich auf seinen Lebensweg mitgegeben. Feiwel war larrg wie Sure Mannsbild und dürr wie Nute Schneider, er hatte schwarze, nnrilhige Augen wie seine Mutter urid einen Kegelk-opf wie sein Vater. Wem Feiwel seine geistigen Qualitäten zu danken habe, bleibe unerörtert, es sei «bloß verzeichnet, daß die Eltern über den nachdrücklichen Wunsch Sur-es einvemehmlich beschlossen hatten, die Erzichung des Kindes ganz in die festen Hände der Mutter zu legen und aus Feiwel nicht einen Schneider, sondern «einen Menschen zu -machen. Das bedeutete zu jener Zeit so viel, als daß Feiwel mit fünf Jahren einen Hausbocher bekam, der ihn für die Talmud-Thoramilb die Volksschule zugleich vorzubereiten, durch die garvze Volksschule zu begleiten hatte, -um dann von einem Studenten abgelöst zu -werden, der den talentierten Jungen in die Geheimnisse des Lateinstndinms einzuweihen hatte. Aus solche Weise hatte Sure, wie Nute zu sagen Pflegte, zwei Bügeleisen im Feuer. Nute traute offenbar der Fassuugs- «gabe des Kegelkop-fes seines Sohltes nicht allzu viel, denn er legte, gewissermaßen verstohlen, ein „drittes Bügeleisen" ins Feuer, indem er Feiwel auch zu Lehrliugsavbeiten in seiner Werkstatt heranzog, zu Hi-eferungsgängen dertvendete uud äb und zu m verschiedenen Schnitten und Kunststichen unlerlviüL.

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