Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2218 (24.4.1925)
- Date
- 1925-04-24
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Wiener Mm?aerizeltiriia._ 24. April 1925 m. 3AS SteuerbeBnftigungen für Hotels und Theater. Für Mal bl« einschließlich August. Unter Führung des Direktors Löwy sprach Astern die Vcreinigrrng der Wiener.Hotelbesitzer beim städtischen Fiiiarrzrcfer.'men Stadtrat B r e i t n c r vor. Präsident L ö w y legte dar, daß der F r e m d e n v e r k e h r nachgelassen habe und die Hotels nicht mehr jenes Mindestmaß an Besetzung auszuweisen haben, daß zur Tragung der hoher: Regie- und Steuerlasten und klaglosen Instandhaltung der Häuser notwendig sei. Es liege die Gefahr vor, daß ans Kosten von wünschenswerten Verbesserungen oder selbst unerläßlichen Reparaturen der Betrieb aufrechtevhalten werde, schließlich aber eine solche Rückständigkeit i m H ot e l w e s e n sich ergeben müsse, die auch vom s i i* kalischen Standpunkt der Gemeinde Schaden bringen würde. Im Gegensatz zu vielleicht allen übriger: Gewerben, hätten sich bei den Hotels keine neninrnSwerteit B e s i tz v e r ä n d « r u n g e n ergeben. Gegenüber der Vorkriegszeit sei viel-nrehr durch Umwandlung von Hotels in G e s ch ä s t snn d B n r e a u h ä n se r ein A b ba u zu verzeichnen. Der W u n s ch der Hotelbesitzer ge he dalhitt, daß nach ausländisch e m Beispiel, wenn schon nicht die gänzliche Abschaffung, so doch eine st a r k e Herabsetzung der Fremdenzimmera b g a b e verfügt tverdc. Stadtrat Br e it ne r erwiderte, daß die Gemeindevertvaltnng auf Grund der Sheueveingäuge Kenntnis von dem minder günstigen Geschäftsgang der Wiener Hotels habe. Erstaunlich aber wäre nur, daß nicht noch weit schwerere Rückgänge im Fremdeüoerkohr stattfinden. Wenn stzstenra tisch rurd ohne den entsprechenden Protest der Interessenten immer wieder verkündet -werde, daß Wien die langweiligste und teuerste Stadt der Welt sei, dann dürfe es niemanden überraschen, daß die Fremden schließlich diese Lügen glauben und nicht nach Wien kommen. Dabei sind es aber keineswegs unverantwortliche. Stellen, die derartige Sensationsmeldmrgen fabrizieren. Diese Kanchagne irumut ihren Ausgangspunkt von Stellen, die der Bunde s r e gier n n g se h r na hefte he n. D ie „Ch r i ft I i ch soz ial c Nachrichtenzentral c", also das Organ der Regierungspartei, hat am 20. März in seiner AuslandsanZga'be geschrieben: „Auch die Fremden meiden Wien, denn Wien ist eine teure Stadt." Die Preise in den Wiener.Hotels sind einschließlich der Gemeindesteuer keineswegs höher als die gleichartiger Hotels im Ausland, vielfach sogar niedriger. Dabei find auch die bescheiden ausgestatteten Wiener Hotels durch größte Reinlichkeit ausgezeichnet. So lange die Wiener Hotelbesitzer sich nicht gegen diese Schädigung des Fremdenverkehres wehren, können sie nicht erwarten» erklärte Stadtrat Breit ne r, daß die Gemeinde ihre Klagen ernst nimmt. Es sei n i ch t b e k a n n t geworden, daß die Hotelbesitzer etwa beim Bundeskanzler gegen die Anssendung der „Christlichsozialen Nachrichtenzentrale" protestiert hätten. Wenn anderswo selbst die Opposition verbreiben würde, daß das Land als zu teuer von den Fremden gemieden werde, würde jede solche Partei am nächsten Tag von einem allgemeinen Sturm des Unwillens hinweggefegt werden. In Oesterreich geschieht dies ganz ungestraft durch die Nachrichtenzentrale der Regierungspartei selbst. Der für die ersten drei Monate dieses Jahres gewährte Nachlaß an Fvemdenziurmerabgabo macht rund 750 Millionen Kronen aus. Stadtrat Breitrwr erklärte, er werde dem Bürgermeister über die Unterredung berichten und Vorschlägen, für die Monate Mai bis einschließlich August 1925 eine Ermäßigung der Fremdenzimmerabgave um zwanzig Prozent eirrtreten zu 'lasten. Dies bedeutet für die Gonrein.de einen Entgang von rund 3500 Millionen Kronen Fremdenzimmerabgabe. Darüber hinansgehende Wünsche, die vorgebracht wurden, erklärte der Finanzveserent, nicht vertreten zu können. Die Gemeinde Wien hat die Absicht, in Verbindung mit dem Land Niederösterveich ein g r o ß z ü g i g c Fremdenverkehrspropaganda einzuleiterr. In diesem Zusammenhang kann mitgeteilt werden, daß auch eine Zeitweilige Herabsetzung der Lustbarkeitsabgabe während der Sommer« zeit int gleichen A uS-ntatz >w ie im Vorjahr erfolgen wird. Dies bedeutet für Opern- und Sprach bühnen die Herabsetzung der Abgabe auf nur fünf Prozent, für Öp « rettentheater um ein Drittel, für Ranch- und Lichtspieltheater um ein V i c iv te l der sonst geltenden Slbgabesätze. Seite 4 _Wien, Freitag Siet Zogt $81)1. Im Mietengesttz^r n's schutz setzte gestern Abg. H ö l 31 seine vorgestern begonnene Rede fort. Abg. Hölzl wird honte m seinen Ausführungen fortfahren. Rationalrat. Der Rationalvat wurde für Dienstag den 28. d., I Uhr nachmittags, Zn einer Sihnng einbernsen. Tagesordnung: Gesetz betreffend di« Abänderung des Gesetzes über die Krankenversicherung der Staatsbcdiensteten. Die Krauttaverstcherung der S«ndc«> angestellten. In der gestrigen Sitzung des Ausschusses für soziale Verwaltung wurde die Novelle zum Krankenversicherungsgesetz der Staatsbediensteten nach längerer Debatte in der Form angenommen, daß von den Bezügen der Bund^angestellten die Prozente für die Krankenkasse ohne Einschränkung berechnet -worden, während der Bund seine Beiträge nur bis zu einer Be r ech n n ng sgru n dla ge von 600 Schilling im Monat leistet. Das Gesetz tritt am 1. Mai d. I. in Kraft, wirkt jedoch, was die Befreiung des Bundes von den höhereir Beiträgen anlangt, auf den 1. Mai 1924, als den Tag des Inkrafttretens des neuen Gehaltsgesetzes, zurück. strsetzaag de« Prelslreibereigesetzer durch ei« Wuchergesetz. Der christlichsoziale Exminister J ch m i tz besprach dieser Tage in einer Versammlung den Kampf um das Preistrei-bereigesetz und kam zu dem Schluß: „Das Preistreibereigesetz kann in der heutigen Form nicht weilerbestehen, kann aber rrnr ausgelassen werden, wenn es durch solche gesetzliche Bestimmungen ersetzt wird, die jeden Wucher, gleichgültig wo er gefunden wird, rücksicht'slos bestrafen. Man kann den Ruf nach Abschaffung des Preistreibereigesetzes mit einenl Ja beantworten, aber mit einem doppelten; ein Ja, das ungeeignete Gesetz, das auch viele unangenehme und nicht gewollte Wirkungen zum Schaden der Wirtschaft hevvorgeb rächt hat, Jbmt beseitigt werden, wenn das ztveite einirrfst: ein breiter Schutz unserer Volks Massen gegen den. Wucher in Leben s- Mitteln oder sonst notwendigen Artikeln." Die Aushebung de» Bisumzwanger im Verkehr mit Deutschland. Eine antisemitische Ausnahmsklausi Der Bis umzwang int Verkehr mit Deutschland wird schon in den nächsten Wochen aufgehoben 'werden. Die deutsche Regierung hat sich jedoch in den letzthin ill dieser Angelegenheit geführten Verhandlungen auf den Standpunkt gestellt, daß die Koni r 0 l lr des Reis e- Passes nach Aufhebung der Visa unbedingt verschärft werden -müsse. Es werden, wie die ,Miener Bank- und Börsezeitung" meldet, nur gültige, nicht abgelaufene Pässe als Ausweise der österreichischen Staatsbürgerschaft angenommen. Die Verschärfung der Kontrolle bezwecke die Verhinderung von eventuellen Mißbräuchen, die sich des öfreren ergeben könnten, da zum Beispiel die Frage der Staatsbürgerschaft in Polen lange Zeit nach -dem Kriege nicht vollkommen geregelt -war und viele polnische Staatsbürger in den Besitz öfterreich i s ch e n P ä s s e gelangen konnten. Nachdem aber die Taxe eines polnischen Visums in Deutschland und daher auch eines deutschen Visums in Polen ziemlich hoch ist, müsse der Gefahr des Mißbrauches von illegitimen österreichischen Pässen vorgebeugt werden. Diese Verschärfung der Paßkontrolle 'würde sich also als eine A u s n a h m s v e r f ü g u n g gegen alle aus Pölert stammenden Personen darstellen, die von 'den österreichischen Polizeibehörden einen Jnterimspaß erhielten oder die der famose Iustizvertveser Waber um ihre österreichische Staatsbürgerschaft geprellt hat. Diesen Personen sollen nun bei dar Einreise nach Deutschland alle möglicher: Schwierigkeiten gemacht und eine. Kopfsteuer auferlegt avevdem. Es Iväre unerträglich, tverm tatsächlich von den deutschen Grenzbvhörden eine Unterscheidung zwischen österreichischen Staatsbürgern erster oder zweiter Güte gentacht würde. Ja« Sperrsechserl der Apotheker. Das Ministerium für soziale Verwaltung hatte jüngst die Nachttax« für die Apotheken mit 85 Groschen urrd für die Zeit nach 9 Uhr abends bis 7 Uhr früh mit 5 0 Groschen festgesetzt. Daraufhin Gezeichnete ider Pharmazeutische Reichsverband, eine hakenkveuzlerische und darum ,>unarte>nlose" 'Fachorganisation, diese Nachtraxe als geradezu lächerlich rmd verlangte eine einheitliche Festsetzung der Nachttaxe nr i t e i n e rn S ch i lli n g. Es wurde weiters das dringende Ersuchen um nochmalige Revision der Nachttaxe gestellt, ,^amit nicht etwa wegen «üner solchen Lappalie unliebsame Weiterungen entstehen". Das Ministerium stellte di« Eingabe mit dem Bemerken zurück. daß .sie mit Rücksicht aus den T0 u, in dorn sie gel-altem ist, nicht zur Kenntnis genommen tverden könne. Der ReichSverband wandte sich nun in einem Schreiben an den Minister Dr. Ref ch, worin die in der Erledigung enthaltene Zurechtweisung abg e- Lehnt wird, rverl gerade m der letzten Zeit das Ministe- «äu« Dr sospale .Verwaltung den Apotheker:: gegenüber ein« äußere Form gezeigt habe, die 'bei ei neu: Ministerium in einer demokratischen Republik b es re rüde nd wirken müsse. In der Sache selbst wurde angeführt, daß der Hausmeister für das nächtliche Toröfsrrer: <m ehr bekomm e a l s d c r A p 0 th e k e r. Ter Reichsverband will nunmehr seinen Kanrpf gegerr das Minksternnn mrd ff'rr die Erhöhung der Nachttaxe fortsetzen. Jle Zustizwachebeamten drohe» mit knthülluugen. Bc.'.rr Abba.u sollen -nunmehr atrch die Iustrzwachebeainten <Gefa.n>Ainen!.ruffeher) -betroffen werden. Sie hielterv vorge-stern eine Bersam.nr'lung ab rmd beschlossen, das Brrndeska.rrzleranrt vor jedem '2( bba u de r Iu st izwa ch e zu war rr c n, da diese erttschlossen .sei, sich gegen jede derartige Maßnahme mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zur Wehr zu setzen. Was unter diesen Mitteln gemeint ist, erfuhr nrau aus der De-'batte. Es wurde rruter artderom ^betont, -daß di« Justiz,wachlcute, rverm das B>urr>deslanzleramt nicht Einsicht tvalten lasse, sich nicht mehr an das Dienstgeheimnis kehren, sondern der Oefsentlichkeit die Verhältnisse in den Haftanstalten bekamrtgebon werden. Unr dieser Drohung m-ehr Nachdruck zr: Verleiher:, rnachteu eirrzelm Redner unter and« re nt folgende vorläufig« Mitteilungen, -daß in Wien in einem großer: Ge-richisgefängms mit einem durchschnittlichen Stand von 250 Gefangenem zur Bewachung ivährend der Nachtzet n u r zwei A u f s i ch t s b e a m t e zur Verfügung stehen. In einem arrdererr Gefängrns 'beaufsichtigt ein einziges weibliches AuffichtSorgau achtzig Gefangene. Es -ist Reget, daß in großen Gerichtshosgefängnisse-n ein einziger Aufseher zwei «bis vier Stockive-rke zu Äberiva-cheit hat. Ir: einem anderen Gefängnis muß «in einziger Aufsichtsbeamter rvährend der Nacht 3 6 0 E i n z e l z c ll e n beaufsichtigen und visitieren.. Schließlich machten die Redner die Oefsentlichkeit darauf auf-inevksanr, daß -ein Abbarr der Iusttztvachebeanrten zu einer schwerer: Gefährdung der öffentlichen Sicherheit führen müßte. Jer Aobbach'Mörder vrüttr-Lehver au«« Beliefert. Aus dem Hakenkrruzsumpf. Gestern ist von den ungarischen Bchörden der l8jährige .Hannoveraner und arvgebliche Student Robert Grütte-Lehder nach Wien gebracht worden, mn über Passau de»r deutschen Bchörden, di« lhir wegen Rau b- Mordes Vovsolgen, ausgeliofert zn werden. Ein unter dem Namen ,-O'berleutnant Müller" bekanutes Mitglied d e u 1 s ch v ö l k i s ch e r Parteürr war, wie berichtet, an: 16. Novencher 1923 im Tegeler Forst bei Schulzendorf nächst Berlin ermordet ansgesunderl worden. Aiufänglich wurd.: ein Mt der Rache oder politische Feme als Ursache der Tat angenommen. Zu den damals als bcdeuklich Belasteten gehörte^ auch Gvütte-Lohder, der trotz-seiner I r: g e n d sich schon politisch bemerkbar g«.n:acht hatte. Er nmßte aber, da sich kein SchuMboweis evgab, wieder freigelassen werden. Später aber ergaben sich Montente, die armchmen ließen, daß es sich gar nicht um em politisches Verbrechen, sondern um «inen Raubmord handelt. Grüttc-Lchdcr ivandt« sich darur nach M u n ch e n und nach aitdercr: deutschen Orten, betätigte sich als Mitglied der Abteilung Roßbaß im Freikorps „Oberland" und bei in ehre rer: anderer: -nationale-r: Verein-igur:gen, nannte sich „Graf v. Lenz" und hatte auch einen Paß ans beit Namen „Ed rr a-rd Falstaf-Gy örfsh"; er verschwand aber rechtzeitig aus Deutschland, ehe ein neuer Steckbrief wegen Raubrnordes gegen ihn evlassen war. Im Frühjahr 1924 ist er nach Wien gekommen, hat hier in einer Knopffäbrik gearbeitet, ist aber auch von Wien verschwunden, a-ls seine Bersogung eiittzeleitet wurde. Er floh nach R a a b und tvurde dort verhaftet, a«ber dann wieder entlassen, da er sich verantwortete, daß er an der Vollstreckung des Todesllrtei'ts an Heintz Dämmers — so hieß eigentlich der evrnordete „Oberleutnant Müller" — nicht beteiligt war. Er wurde dann wieder verhaftet; a!ber mehr als ein Jahr beschäftigte die Angelegenheit der Ausliöferun-g die Behörden dreier Staaten, sie hatte einen lU-msangroichen diplomatischen Notenwechsel zur Folge, bis schließlich die ungarische Regierung dem Auslieferungsbegehrerr, da ein gewöhnlich er Raub, mord vorzulieger: scheint, stattgab. Sine M'lliarde in «Nie» gestohlen. Dudaoest, 38. April. (Tel.-Komp.) Aus der Stahlkammer der E s k 0 m p t e b a n k in der Dorotheergaffe sind in der letzten Zeit auf geheimnisvolle Art A k t i e n in großer Menge verschwunden. Die Oborstadthauptmannschaft hat heute, nach langwierigen Recherchen, einen Beamten der E S k v m p t e° bank verhaftet. Der betreffende Beamte war ln der Safeabteilung der Barrk tätig und hat, wie festgestellt ist. die A k t i e n d i e st ä h l c aus den Tresor» der Bmrk verübt. Nach den bisherigen Erhebungen erreicht die Schadeussumme über ein» vi i l l i«r d e Kronen. Der Beamte hat di, Diebstähle »iugestauden. Die Uutvrsuchung bemüht sich jetzt, darüber Klarheit zn schaffen wo der Beamte die Aktien versteckt oder verwertet hat. Yinsteln-Kommentare. 8775 Bücher über die RrlativitStstheorie. Nach einer Zniarnrnenstellung de» Professor» an der Universität in Löwen, M 0 r r i s - L e g 0 t, sind in den letzte» zwei Zähren 3775 Bücher erschienen, dle sich ausschließlich mit der Erklärung der Einstelnschen NelativitätSthearle befass«. Bov den Büchern sind 435 in deutscher, 1150 in englischer, 500 ii französischer, 315 tzg italienischer rmd 13S in holländischer Sprach» erschieuem