Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2217 (23.4.1925)
- Date
- 1925-04-23
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Wien, Domm-tag Wiener MorOenHeilunst. fraget l'lBI h Schuhel mit eingebautem „Berson“-Gummi-Absatz Mi Möglichkeit habe» wird, zu ein« hohen Stuft «mporzusteigen, wenn sie nicht auf festem, gesichertem Loden stehe» wird. Schon aus diesem Grunde erfüllte es mich mit großem Vergnügen, als ich die Arbeit der jüdischen Kolonisten beobachtete, die blühenden jüdischen Siedlungen im S m e k I e s r e e l und G a l i l sah und ich dachte mit Freud« daran, tafc das geniale Werk, -atz am Skopusberge begonnen wurde, hier die Mensche» finden wird, die es fortfetze» werden.Obgleich sich auf Ihrem fitmmek oft schwarzeWolken zeigen, bin ich von dem Glauben beseelt, daß I h r Endsieg nahe ist. Lord V a t f o u r hat ferner von seiner Reise an de» Prüfidente« W e i z m a n n nach Jerusalem ein Schreiben gerichtet, das am 17. d. hier ankam. In diesem Brief führt Lord B a l f o u r autz, er freue sich, noch einmal Gelegenheit zu habe«, Herrn Dr. Ä e i z« mann für die Einladung zur Universitäiseröffnung zu danken, wodurch ihm Gelegenheit geboten lvurde, den Fortschritt des großen Unternehmens in PaUiftina, „d a s u n s allen ei» so tiefes Interesse ab ringt", festzustellen. „Das Hauptereignis meines Besuches", setzt Lord Balfour fort, „war die Eröffnung der Universität. Aber auch die höchsten geistigen uud moralischen Ziel« haben nur halben Erfolg, wenn nicht bi« materielle Entwicklung Hand in Hand mit ihnen vor sich geht. Deshalb »ar es mir eine Freude zu sehen, wie g r o tz rer Fortschritt in der alten und in rer neuen jüdischen Siedlung ist. Ich hoffe, ratz dies« Erfolge eine freundschaftliche Zusammenarbeit aller Schichten der Bevölkerung herbeisühren werden.^ dar Vertrauensvotum für Paintcve. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeiiung".) Paris, 22. April. Die gestrige Kämmersitzung touerfc bis 1 Uhr 10 Minuten nachts. Mit 304 gegen 218 Stimmen wurde eine Tagesordnung Leon 3 Cu nt'S angenommen, in der der Regierung das Vertwtueit der Kammer ausgesprochen wird. Sie hat folgenden WovAmt:? .; Die Kammer ist ^-entschlossen, Uebereinsti mmung mit der Regierung die wirksamsten Lösungen zu suchenum die vollständige Sanierung der wirtschaftlichen Lage;u vevwiMchen. Sie vertraut, daß die Regierung ihre Politik des internationalen Friedens, des sozialen Fortschritts, der Lai enge setzgebuug und der Steuergerechtigkeit in' Uebereinstimmung mit den Ergebnissen der Wahlen vom 11. Mai 1924 fortsetzeu werde. Nach der Annahme des Vertrauensvotums 'brachte die.' Regievung in der Nachtsitzung noch die Vorlage über die Budgetzwölftel für Mai und Juni ein. Die Finanzkommission der Kammer die heute nachmittags im.Palais Bourbon gusamlnentritt, wird den Bericht über die Budgetvorlagen, noch rechtzeitig erstatten, so daß die Kammer schon morgen über die Budge^wölftel abstimmen kann. Morgen oder spätestens Freitag wird sich die Kammer b i's Ende Mai v e rlagen. Die übliche Vereinbarung zwischen Kammer und Senat über die 'Vertagung des Parlaments ist bisher nicht zustande gekommen, so daß der -Senat wahrscheinlich noch nach Schließung der Kammersession weiter tagen wird. Herrlot — Präsident der Kammer. Paris, 22. April. (HavaS.) Die Kammer hat mit 266 von 267 abgegebenen Stimmen Herriot zum Präsidenten gewühlt. Herriot wurde im zweiten Wahlgarrg mit 366 von 267 abgegebenen Stimmen znm Prüfidenten der Kammer gewühlt. Die Opposition enthielt sich der Stimmenabgabe. Im ersten Wahlgang ist die zur Wahl nötig« absolute Stimmenzahl nicht erreicht worden. Marx für die Gleichberechtigung. Berlin, 21. April. (I. T. A.) Der Kandidat der im Bolts-block veveinigten großen, republikanischen Parteien Deutschlands für die Reichsprasidentschast, Doktor Wilhelm Marx, hat irr den letzten Tagen in großen Zentren Deutschland!: sich den Wählern vorgestellt und in seinen Ansprachen stets seinen Standpunkt der Gleichberecht i g u n g der Angehöriger: oller Konftssiomn betont. In seiner Wahlrede in D r e s d e n sagte er u. a.: „Es gibt keine Staatssorm, die so sehr geeignet ist, das Gemeinschaftsgefühl der Bürger zu stärken, wie die Demokratie. Wir geben jedem Bürger seinen gerechten Anteil am Staate. Und noch eine dritte SchUdelinie aus der Bovkriegszeit trösten wir allmählich aö: d!e Politisierung des ft nfessio ne II s n (>S cgensatzes. Der Krieg hat erwreftu. daß der konfessionelle l'-egensotz kein politischer, kr'n nationaler Gegensatz ist.. St a t h o'l i k eP x o t estanken, Anden Md Freigeister sinh gemeinftun für die deutsche -Heimat gestorben, gemeinsam sind sie in fremder Erde begraben. Ein neuer Tag bricht an in der deutschen Geschichte, ein Tag» dessen Losung heißt: Wir alle sind Glieder einer Nation. Bürger eines Staates. Lastet uns dem Staate und der Nation gemeinsam dienen. Im Dienst an der Nation Einheit! In anderen Fragen Frei- Ijeitr Di« .Haltung Dr. Nklvx' in der Frage der Okeichberechiigung der Konfessionen ist bckanrit. In: Dezember 1923, noch Antritt der Reichstnzlerschaft. empfing Herr Dr. Wllhelm MarL den Berliner I. T. A.-Bertteter und -beantwortete ihm einige an ihn gerichtete Fragen in der folgenden Weise: „Die Rcchte der Ir:den sind, soweit sic deutsche Staatsangehörige sind, durch die Verfassung gcwährleistet. Dementsprechend hält auch dir ReichSregierung an den: Grundsatz fest, daß niemand deshalb, weit er ein Jude ist, eine andere Behandlung erfahren dürft wie ein Nichtsirde. Wie der Genuß aller bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte sowie die Zulassung zu öffentlichen Aemtern unabhängig von d e ni religiösen Bekenntnis sind, so legt die Reichsregierung auch darauf Gewicht, daß eine Difftreuzierung der Staatsbürger nach Rasse oder Religion nicht in sozialer und gesellschaftlicher Beziehung erfolge. Arralog wird -bei der BehaMung der Au s l ä n d c r dahin gewirkt, daß dieses Prinzip durchgeführt wird, so daß eine S o n d e r behänd l u tt g von Inden nicht stattfindet und nicht g e d n l d e t iw e r d e n dürfe. Wenn nur: von gewisser Seite versucht wird, die große Not des deutschen Volkes zuantiseMitischcu Hetzen auszunützen, so findet diese Beivegung nicht nur keine Untevstützul^ von seiten der Reichsvegierlrng mitr der einzelnen Landesregierungen, sondern .sie wird, auch als für das allgemeine Interest« überaus schädlich auf das entschiedenste bekämpft." Ludendorff will Hindeoburg helse«. Berlin, 22.* April. (Tel.-Komp.) Wie das „8-Mp- Abendblat^, au^s München -berichtet, trägt sich Lude ndorff mit der Absicht, im Falle der Wahl Hiudenburgs zum Reichspräsidenten. nach B e r l i u; u übe rsiedeln, um in der allernächsten Nähe Hindenbukgs . zu weilen und ihm jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehen zu können. Die vorübergehende Trübung des Freumdschaftsverhältnisfts Mischen Hindenlhuvg und Ludendorff. sei wieder einem ausgesprochenen Bertrau e nsverhältnis der beiden KrieyMureraden gewichen. Eins Bestätigung der. Absicht Ludendorfss, nach Berlin zli übersiedeln, könne darin gesehen werden, -daß Ludendorff bereits in VerhaMMgon.über den Verkauf seines. H a u s e 's in Ludwigshöhe eingetreten sei und daß MMtzmänner von ihm bemüht, seien, iy Berlin emv Villa ausfindig zu machen, die feinen Wünschen, entspreche. Ser Leipziger Tschelavrozeß. Drei Todesurteile, US Jahre Zuchthrnrs. fEigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Leipzig, 22. APvN. In der hentiM Sitzung des Tschekaprozestes vor dem Staatsgerichtshof verkündete der Vorsitzende »ach Verlesung der umfangreiche» Begründung das Urteil. Es werden verurteilt: Neunmann zum Tode, zu acht Jahren Zuchthaus uud 500 Mark Geldstrafe; P o eg e zum Tode, sieben Jahve» Zuchthaus und 500 Mark Geldstrafe; Skoblewsky zum Tode, .zwölf Jahren Zuchthaus, 500 Mark Geldstraft und Ausweisung aus dom Reichsgebiet; Margies zu 15 Jahren Zuchthaus, 300 Mark Geldstrafe, zehn Iahten Ehrenrechtsverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht; S zouzu elf Jahre» Zuchthaus und 500 Mark Gelldstraftz König 5Vj Jahren Zuchthaus und 300 Nkark Geldstrafe; Diener zu 3 Jahren 1 Monat Zuchthaus und 300 Mark Geldstrafe;, Mens zu drei Jahren Zuchthaus und 300 Mark'Gelhstraft; M ö r s n e r zu 1 Jahr 9 Monaten Zuchthaus und 200 Mark Geldstraft; Mäher zu sechs Jahren Zuchthaus und 300 Mark Geldstrafe. I» der Begvüydung des Urteiles wird ausgesührt: Die .Pauptverhattdlung habe ergaben, die kom wunistische Internationale, die ihren Sitz in Rußland habe, und allen ihten Sektionen, also auch der deutsche:: Kommunistenpavtei, bindende Weisungen erteile, habe sich zum Zie-l« gesetzt, die zurzeit bestehenden Regierungen zu stürzen und an deren Stelle eine Räteregierung nach rufsischem Muster zu setzen. Das sollte auch in Deutschl a nb geschehen. Im Dezember 1923 . sei die deutsche KomnnmiswNd Partei aus Weisung der konnnunistischen Internationale und auf eigene Initiative dazu: übergegailgen, dar Ziel, die deutsche Regierung zu stürzen, als ein ganz bestimmtes aufztrfasftn, das in unmittelbare Nähe gerückt sei. Um dieft Zeit seien u m s a n g r c ich e neue Organist tionen der Kommunisten geschaffen worden. Die Organisierung erfolgte n a ch u: i l i t ä r i s ch e m M u st e r. Auf Veranlassung des Revolutionskonliwes in MoSkan fti ün Jahre 1923 in Berlin eine Konnnission gegründet worden, die den Namen R e v o l n t i o n s l o m i t e e trug und der Zentrale der deutschen Koinmunistelchartri und der iommunistlschen Internationale unterstellt wurde. Auf Veranlassung des Moskauer Revolutionskontitees seien dann in allen Be-krken Deutschlands RevolutionskoMitees gründet uyd mit fremder Valuta gespeist worden, mit Dslla^ die aus R^tzlantz kg me», __S3. April 1925_ Nr. Mf:j -GUMMISCHUHE-, Spielbülle, Gummimäntel und Gummi* waren aller Art ru Fabrlksprclsert! SPIRMANH ft HOROWITZ Wien, II. B«2., Tabotütfassc Nr. 11b - Telephon Nf. 47-0*86 In der russischen Botschaft in Berlin hatten gemeinsan:« Besprechungen mit der Zentvckl« der Kommunistelchartei und dem RevolutioMomitee stattgesunden. Bei dieftn Versammlungen seien die Mobilmachung. Parteibefehle zur Revolution, Ausrufe und Operationspläne an .Hand von militärischen Karten ausgearbeitet worden, um die Revolution zur Durchführung zu bringen. In dieser Zeit sei in Deutschland die Tscheka nach russischem Vorbild geMndet worden. Die in der Anklage behaupteteu Tatsachen seien von den Angeklagten, unter denen sich g«mz hervorragende FuEionare der deutschen Konrmunistenpartoi befanden, bestätigt worden. Außerdem hätten dem Gericht beweiskräftige Urkunden in großer Menas Vorgelegen. Sie Vorgänge in Bulgarien. Der Rönkft will ein Kottzentrationsknsiinett bilde. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Sofia, 22. April. Die Nachricht über einen Kouslik: zwischen König Boris einerseits und «der Militärliga und Geneml Lazarow andererseits wird m unterrichteten Kreisen e n t s ch i e d e n i u A b r e d e g e st eilt. Der Einfluß der Atilitärlrga, die der liberalen Opp osition nahe steht, ist in der letzten Zeit stark zurückgegangen, überdies ist General Lazarow, der Stadtkommandant von Sofia, nicht Prüsideut dieser Liga. Kriegsminister Wolkow hat die Offiziere und 'Las Heer fest in der .Hand. Danach erscheint es ausgeschlossen, daß General Lazarow über den Kopf seines obersten nrilitärischen Chefs hinweg eine politische Tätigkeit entfalten und mit dem König i-n Meinungsverschiedenheiten wegen politischer Fragen geraten könnte. Richtig ist jed-och, daß König Boris den Wunsch hat, im Interesse der Befriedigung «des Landes so'bald wie möglich ein Konzentrationslkabinett auf breitester parla- »nentarWer Basis mit der Uebevnahme der Reglernn-gSgeschäste zu betrauen. Zu dieftm Ziveck müßte der gegenwärtige Ministerpräsideut Zanko-w seinen Platz verlassen, wozu er aber nicht geivillt ist, da die augeublick'iche Lage, knapp nach den Anschlägen der agrav-EoUrmuni-stischen Desperados^ für einen Regvemngswechsei, der zugleich aüch emen Shstemwechsel bodsuteu würde, noch wenig geeignet' erscheine. Trotzdem muß für die kommende Zeit mit der Bildung ebnes Konzentratioiwkabinetts unter Teilnahme der liberalen, dem o'f vatifcheu und -sozialistischen Opposition in Bulgarien gerechnet werden. An -die Spitze einer solche>: Regierung könnte kein änderet als Malinow tvcton. Die Sitzung des Sobranje. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Sofia, 22. April. Gestern nachmittags um beeioiend 4 Uhr begann die Sitzung des Sobranft. Ms erster sprach der PräsitzöNt Kulrw. Er erklärte, daß da's Parlament einberuftn wurde, um das Regierungsdekret über den Be° lagoruNgMstand verfassungsmäßig zu genehmigen-. Nach Hm ergriff Minfftevpräsident Zankow das Worb De« Mi-nffftr führte in Besprechung des Attentats aus, daß .. die blutigen Ereignisse der letzten Zeit, durch die -die besten Söhne Bulgariens den Tod gefunden haben, die Regieung zwingen, von Belagerungszustand zu verhängen. Glauben Sie mir, sagte der Miniisterpräisident, daß ich mich schäme.-daß dieseß Attentat von Bulgaren MAgchihrt wurde; die vom Ausland bezahlt worden sind. Wir haben ihnen die Amnestie gegebci: und darauf antwovteton sie mit einem neuen Attentat. CÄ besteht eine Verbindung zwischen dem Anschlag auf -dqs Leben des Königs Boris und dem Attentat iu der Kirche. Minister d«S Innern Rusiew gab eine ins einzelne geheüde Darstellung der Porbereu-u ng des Attentats in der Kathedrale und führte aus: Im -Jänner sei der Beschluß dazu von dem geheimen kommunistischen Kvnütoe gefaßt und bie Durchführung M i nk o w mit Unterstützung des Sakristans der Kathedrale, der unter dem agrarischen Reginre eine Vertraucuspcrsou der Führer gewesen war, Übertrager: worden. Zwei Tage rrach den: Mlschlag st «Ute s i ch der Sakr i st a n d eu Behörden u>nd legte ein volles Gestänbni's ah. Danach reichen die Vorbereitungen bis in den Dezember vorigen Jahres zurück. Das Leichenbegängnis G e o rgiews sollte de.» Llulaß zu einen: anderen verbrecherischen Anschlag liefern, dessen Zeitpunkt von Moskau ftstgesetzt werden sollte. Dre Anhänger der Einhvrtsftont reckrieten damit, daß sie «S zur Ausrufung der Revolution wüchsn ausuützen können. Dev Sakristau gab an, daß Minkow Mitte ZMuer zum ersten ma l die Kirche besichtigt habe. Nach diesem ersten Besuch fti Mnkow alle drei oder vier Dag« wt^ MMS»» Md Me. m*A