Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2217 (23.4.1925)
- Date
- 1925-04-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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[Polen: 30 flroazyl Wien: Zum Abholen in det Expedition, IL Taborstr. 1-3, oder in einer Venchleisstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkaut ln Wien durch die Kolporteure der Firma Gol dachmied, 1., Wollzeile 11 x Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tsehecho- Slowakei: Mon. K22. dugoslavien: Mon. Din. 60. Pol en: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nadutahhumen bet Prel*- erhtbnagen »orbehallen 9ucetin SHAR(4 das mühelose ParkelUGlanzmittel Erhaimdl tu ailett ctftfdMiliea Qefdilften Wiener orgenreitung I Praia 80 ul G n g 1 a n d: Mon. 4 Schilling, Italien: Monatl. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170 Lei, Bulgarien: Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, n.Taborstr«! Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-242 IX„ Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Nr. 2217 Wien, Sonttetsina. 22 April 1928 7. Jahrgang JABaaewiki iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiminmiiiiimiiiiiiiiiinniiiimiiiiiitmiiiiiiiiiimiiiiiiitiiiiin Schnäpse, Liköre Spezialität: Baczewskl - Stanlslauer Doppelt rektifiziert und destilliert Seil 1782 weltbekannt Wilhelms Kandidat. -y. Wie n, 23. April. Am Sonntag wird in Deutschland die Wahl des Reichspräsidenten im zweiten Gang erfolgen. Die Entscheidung wird diesmal wahrscheinlich fallen, obzwar drei Kandidaten aufgestellt sind. Die Parteien Weimars haben sich in einen Block zusammengeschlossen, der den gewesenen Reichskanzler Marx, den hervorragenden Führer des Zentrums, zur Wahl stellt. Von rechts ist Marschall Hindenburg auf den Schild gehoben worden. Seine Nennung wurde mit viel Erstaunen ausgenommen. Die Wähler hatten doch im ersten Gang den Ludendorff deutlich genug abgelehnt. Der Oberbürgermeister Jarres war an erster Stelle gestanden und eine geradlinige, loyale Politik hätte wieder für ihn an die Wähler appellieren müssen. Mer der Rechten handelte es sich darum, die ihr nahestehenden Gruppen und die Wählerreserve auf ein besonders klares und deutliches Programm zu sammeln. Jarres, der Mann der aktiven Politik, der gewesene; Innenminister, ist trotz allem zu sehr Sachverständiger, uns als Präsident den Versuch zum Sturz der Republik und zur offenen Restauration zu: wagen. Er hat die Hemmungen des erfahrenen Bureaukraten, t der die Hindernisse genau kennt und es sich dreimal überlegen würde, den Bürgerkrieg zu entfesseln. Seine Wahl war ein Probegalopp gewesen. Zehn Millionen deutscher Männer und Frauen hatten sich für ihn/ für die sogenannte nazjonale Sache ausgesprochen. Das schien der Rechten eine sichere Basis, es mit einer unmißverständlichen Persönlichkeit zu versuchen, deren sachliche Unkenntnis alle Hemmungen ausschaltet. Das kann nur ein General sein, der nur die Psychologie der Kaserne, das Befehlen und Gehorchen kennt. Hrndenburg kann beides. Er wird gehorchen und befehlen.' Er verfügt über eine große Autorität — soweit sie nicht fein Kamerad' Ludendorff geschmälert hat —, er ist vaterländisch, königstreu und ein politisches Kind. In Doorn. wo der Exkaiser sich außer mit Holzhacken und Bibelkritik auch noch mit Deutschland beschäftigt, wurde das entscheidende Wort gesprochen. Mmival Tirpitz war dort und weckte mit seiner submissesten Anfrage hellstes Entzücken. Ist die Zeit nicht reif? Der Kronprinz wird allerorten mit Spalier und Blumen begrüßt, die Patrioten, von der Sorge um den Dawes-Plan, der mit ihrer Abstimmungshrlfe Gesetz wurde, befreit, haben scheinbar freies Terrain, die Reichswehr ist gut kaiserlich, die republikanischen Beamten abgebaut. Die Landräte mit dem Monokel sind wieder am Ruder, die Demokratie eingeschüchtert und aktionsunfähig, der Kommunismus fest an der Stange Reventlows. Für die Rückkehr wäre es noch zu früh. Das Ausland läßt nicht mit sich spaßen. Hindenburg? Der ist gut. Er weiß nicht zuviel, ist ein alter Mann, dankbarer Borwurf für Ansichtskarten, Biergläser und Kriegervereinsdiplome. Er wird gehorchen und stramm stehen. Das Reich auch. Tirpitz fährt nach Hannover, Hindenburg nimmt an und fügt sich rasch in die Rolle. Er zieht die Uniform an, hängt das Schlachtenblech um und hält Reden. Genau so, ivie seine Drahtzieher sie vorschrerben. Faust auf den Tisch, Donnerwetter, Wacht am Rhein, einig Volk von Brüdern/ Kriegsschuldlüge. Fügt einige Sentimentalitäten hinzu: Abend des Lebens, Dienst am Vaterland, deutsches Volk, kann nicht aus der Haut heraus. Me Schwarz- Weiß-Roten singen unter Tränen „Donnerschall, .Schwertgeklirr und Wogenprall". BiÄeicht ist die in Wilhelms Exil aufgestellte Rechnung richtig. Die Gemüter sind gut dressiert. Das Ae politischen Konferenzen in Jerusalem. Ae Mandatspolitik wird nicht geöndett. (Eigendienst der „Wiener Morgemeitung".) R. Jerusalem, 21. April. Me Ihr Korrespondent bereits angekündigt hat (stehe „Wiener Morgen, zeitung" vom 15. d.), sindie englischen Minister L. S. Amerh und Sir Samuel Hoarc, von Bagdad kommend, in Jerusalem vingetrofsen. Sie wurden vom Oberkommisfär Sir Samuel erwartet und sind für die Dauer ihrer Anwesenheit seine Gäste im Regierungspalais. Am 15. d., abends, fanp zu Ehren des Kolonialministers und des Luftzeugministers ei« Rout statt. Am 16. d. nahm Minister Amerh die politischen Besprechungen auf. In Anwesenheit des Oberkommissärs empfing er zunächst zu gesonderter Ans spräche die Führer der jüdischen Bevölkerung und eine Abochmmg aller arabischen Parteien. In diesen Konferenzen handelte es sich darum, die Wünsche der beiden Teile rm einzelnen kennen zu lernen und das Terrain für wettere Pourparlers abznstcSen. , - - Gestern vormittags erschien bei Amerh eine Abordnung der in dem sogenannte« KoMetz .vereinigten nati o- « alt p i sch e» und e xtr e m i st i s ch e n P a r i t i e n der Araber. Der Minister erklärte, die englische Regierung werde sich nicht um eine Kooperation mit den Arabern bemühen, sondern warte die arabischen Schritte cch. Die Regierung hatte an dm in dem BSlkerbundmandat vorgezeichneten politischen Linien unverändert fest. Gestern empfing Minister Amerh die Vertreter der Presse. Cr gtch eine längere Erklärung ab, in der er seine große Freude über den schönen Verlauf der Universitätsfeier auf dem SkopnSberge ausd r L S t e. Er führte weiter aus, baß hie Mandatspolitik Engbands, die von drei aufeinander folgenden Regierungen aller Parteien und vom Völkerbund bestätigt worden ist, ««verändert aufrecht bleibt. Die Balfonr-Deklaration vom November 1917 ist von Winston Churchill als verantwortlichem Außenminister authentisch interpretiert worden in seiner Erklärung, die feststellt,* daß die Juden in Palästina ans der Grundlagedes internationalen Rechtes und nicht der Duldung lebe», zugleich aber den Arabern die Zusicherung gibt, daß ihre Interessen bezüglich Sprache und Kultur keineswegs Werden mißachtet werden. Leider ignorieren, fuhr Amerh fort, die Araber diese Erklärung ebenso, wie ihre Führer es ablehnen, Vertreter ins Parlament zu entsende«. Die britische Regierung kann keine neue» Angebote mache«. . Das Ziel der englischen Politik ist die Wohlfahrt des ganzen Landes und nicht einzelner Teile der Bevölkerung, Der Zwischenfall in Damaskus ist wohl bedauerlich, desto erfreulicher aber der höfliche Empfang Lord Balfours durch die Araber Palästinas. Ueberhaupt sollten die politischen Differenzen nebensächlich sein gegenüber dem großen Fortschritt des WtttschastsWns, der tiefen Eindruck machen mutz und leider «och nicht genug beachtet wird. - ' '' Balsam an Samuel und Weizmauu. r. Ierusa^tem, 21. April. Lord Balfo « r (der inzwischen, wie berichtet, zu längerem Aufenthalt in Nizza eingetroffen ist) hat nach feiner Abreise von Damaskus aus Alexandrien an den Oberkommisfär von Erez Israel, Sir Herbert Samuel, ein Schreiben ge« richtet, in welchem es u. a. heißt: „Jetzt, nachdem die Feier der Eröffnung der Universität vorüber ist, da ich mich bereits außerhalb der Grenzen Erez Israels befinde, vermag ich mir ü b e r m e i« e E r lebnisse im heiligen Land Rechenschaft zu geben. Ich fühle mich glücklich, daß es mir veschsiedeu war, die hebräische Universität auf dem Skopu sverg zu eröffnen. Während meiner Besuche in den jüdischen Kolonien habe ich Viel Neues kennen gelernt «ud die Ueberzengung gewonnen, daß die hebräische Universität niemals deutsche Voll — sagt Hindenburg — muß einen Fetisch haben. Es hat zwei: den König und den Juden. Der König selbst ist dieser Ansicht. Er hat gefunden, daß dem deutschen Volk nur deshalb weh geworden ist, weil es sich von den Juden den Jahwe hat aufschwätzen lassen. Es muß eine blonde, blauäugige, in Runen redende Religion kriegen. Die Juden sirvo das Unglück, sie allein, sonst niemand. Tausend eifrige Federn arbeiten an der Verbreitung der Legende. Die Juden haben alles bestochen. (Von den Bestochenen muß man nicht weiter reden.) Kutisker, Barmat — tnerfft du was? Diesen konnte allerdings nichts nachgewiesen werden, und es sitzen einige Dutzerck streng und treu erzogener Altpreußen. Sprechen wir nicht von ihnen. Die Juden sind weltherrschaftsbegierig; das Imperium mundi Willems ist schon vergessen, in den Friedhöfen des Krieges vermodert; aber die Juden sind da und man kann auf sie lospauken. Sie sind geheim organisiert und denken, wenn sie aufstehen, wenn sie schlafen gehen, wenn sie spazieren, nur über die Untergrabung der Autorität auf Befehl ihrer Alliance oder der Freimaurer nach. Das ganze große deutsche Volk, das englische, das russische, das französische und noch ein Paar Dutzend andere werden von den Juden wie blinde Hündlein an der Leine geführt. Das muß ein Ende nehmen. 300 Juden, hat Rathenau geschrieben (er hat es nie geschrieben), beherrschen die Welt. Weshalb sollen ihnen die Hohenzollern dieses gute, schöne Geschäft überlassen? Willem haut kräftig die Axt ins Holz. Hindenburg muß Präsident werden. Me Guten, Treuen, alle, die die Kaserne wollen, die die Faust in den gepanzerten Handschuh stecken, hoffen darauf, daß er gewählt wird, daß er dann als Präsident das Seine tun wird. Ojen rechts! Das bißchen Eid, das er schwört, tut nichts zur Sache. Der belgische Vertrag war auch nicht von Pappe. Und sollte die Zahl der Getreuen noch zu gering sein, dann gehts mit Jeld. Der Hugenberg-Konzern, dem 1200 Zeitungen gehorchen, spendet es. Hundsgemeine Flugblätter wer-, den das übrige tun. Es kann glücken. Die Stimmung für Hrrchenburg ist nicht schlecht. Und vom Standpunkt einer rechtlich-logischen Demokratie wäre es nicht so von Unrecht. Ist die Mehrheit des deutschen Volkes monarchistisch, reaktionär, antisemitisch, kriegerisch — dann ist es nur recht und billig, daß dies offen geklariert wird. Der Zusammenbruch wird kommen, Rhein und Ruhr bleiben besetzt, die Anleihen schwimmen ins Blaue. Mer je rascher sich dieser Prozeß abwickelt, um so besser ist es für Deutschland und fiir die Welt. Wilhelm soll nur kandidieren lassen. Frflhialirs^Nealieiten In Domen- und Herrenstoffen zu sehr billigen Preisen Del i Schiff mann II. TaborstraSe 48 Taleahon 47-1-70