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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-22 · Heft 2216 (22.4.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2216 (22.4.1925)
Date
1925-04-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Wette 4 Dien. Mittwoch ÄSmofc in Sofia. Dke verschanzten Verschwörer. Sofia, 21. Apvil. Der Polizei gelang cs gestern abends, «ts Versteck Iankows, eines der Führer -er kommunistischen Derschwöoidng, ausfindig zu machen. Iaickow, -er aufgefordcrt wurde, sich .zu ergeben, gab Schüsse ab trud «tvarf Bomben, worauf die Polizei von der Schrtßwaff-e Gebrauch machte. Jnr Laufe des Kampfes wurde Jankow erschossen. . U-ober diese .Kämpfe wird noch mitgeteiA: Jankow, der sich m einem Kellcrgewölbc des von der Pviizei u>m- Mgelren .Hauses verschallet hatte, wtrrde wiederholt onrfgesordert, sich zu ergaben. Da er dies immer ivieder ablebnte, beauftragte die Polizei einen seiner Mitverschworene«, den sevt mehreren Tagen in Haft befindlichen ehemaLigen Offiziar K o d s ch e i k o w, ihn zur Uekevgvbe zu überreden. Kodschovkow utachte jedoch gemeinsame Sache mit Jankow und die Polizei mutzte nun ihre Anstrengun. geu verdoppeln, um den hartnäckigen Widerstand der beiden zu brechen. Bon beiden Seiten wurde scharf geschossen. Die Polizei schleuderte zahlreiche Bomben, wodurch das Haus in Brand geriet. Unter den Trünunern wurden die Leichen Iankows und Kodscheikows hervorgezogen. Di« Aktion der Polizei hatte sich von 3 Uhr nachmittags bis Mitternacht hrngezogen. Keine Revolution. Sofia, 20. April. Außer in Sofia sind auch ä u f b c m flachen Lande eine Anzahl Verhaftungen vor- Mmmvman worden. Aus der Provinz liegen in den letzten Tagen keinerlei Meldungen über Zwischenfälle vor. Alle Personen, von denen sich heranSstellt, daß sie mit den Aktionen der .Kommunisten nicht in Verbindung stehen, »verden nach denr Verhör freigelasson. Aus allen Teilen des Landes sowie aus dem Ausland treffen zahllose Telegramme ein, die die größte «Sympathie für den König, die Regierung und das Volk von Bulgarien zuu Ausdruck bringen. AuS Belgrad, Wien und .Italien find mehrere Korrespondenten eingetroffen. . Die in? Ausland in Umlauf befindlichen Gerüchte über eine Revolution in Bulgarien sowie über Mossenhinnchtungen entbehren jeder Begründung. Sämtliche Minister sowie der Platzkommandant von Sofia General Lazarow sind wohlauf. Gegenwärtig nimmt die Untersuchung ihren Lauf, um die Schuldigen so rasch wie möglich gemäß dem Staatsschntzgesetz vor Gericht zu bringen. Erhöhung der Miliz. Paris, 20. April. (Havas.) Das intevalliierte Mrlitür- ^onniree in Versailles hat der B otschaftevkonfer-enz das technische Gutachten betreffend die Forderung Bulgariens nach einer Erhöhung des Standes der Miliz um 10.000 Mann übermittelt. Das Gutachten der Sa chverstä ndig e y soll, wie verlautet, für die Forderung günstig lauten. Die Ermächtigung, die wahrscheinlich morgen von der B o t schäfte rko n fe renz erteilt werden wird, wird provisorisch bis zur Wiederherstellung der Ordnung «pn Bulgarien gelten. Verhaftungen in Berlin. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 21. April. Die Berliner Polizei hat den Berliner bulgarischen Klub ausgchobvn und 38 Studenten in Charlottenburg, wo sie gerade eine Sitzung abhietten, verhaftet. An der Spitze des Klubs stehen der Student Tschernow und ein Dr. Luitj ew. Luitjew hatte im vorigen Jahre in Berkin. sein Doktorexamen gemacht und wollte im .Herbst schon nach Bulgarien zurückkehren, war aber infolge von Warnungen in Berlin geblieben. Der Klub verfolgte kommunistische Tendenzen und stand mit der deutschen Kommunistenpartei in Verbindung. Gegen die Verhafteten besteht der dringende Verdacht, daß sie mittelbar an den Ereignissen in Sofia beteiligt waren. Die Vernehmung der Verhafteten ergab wichtige politische Festsiellungen, auf Gwnd deren die- Aufrechterhaltung der .Haft 'verfügt wurde. Die Untersuchung wird streng geheim geführt. Es verlautet, daß mehrere der Klubmitglieder sich ohne Paß nach Deutschland eingeschmuggelt haben, «während andere von der «bulgarischen «kommunistischen Partei mit falschen Pässen versehen worden waren. Raufereien bulgarischer Studenten in Graz. Aus Graz wird gemeldet: Der abadeimsch-iwiffenschastliche Bund der lbulgavischen Studenten hielt gestern nachmittags im Saale des Schanzelwirtes eine Ber- ' samntlung ab. Mitglieder des «akademischen Vereines Bulgavia und des bulgarischen nationalistischen Vereines Rodlna drangen in den Saal ein und bewarfen die Versammelten, die sie kommunistischer Umtriebe beschuldigten, mit Glasern und anderen Gegenständen. Die überfallenen Studenten flüchteten zmn Teil durch die Fenster des Saales ins Freie. Bei der Schlägerei, der v o n de r P «olizei ein Ende gemacht tvnrde, Wurden mehrere Studenten nicht unerheblich verletzt. Eine Anzahl der Bulgaren wurde auf die PolizeNrMvn gebracht. An dom ZufaumrenM waren etwa -hundert Vulgär en -beteiligt« " Vlrnrv Morgeuzeltutta. [ 9M „JtojnwiMRflnn auf Steifen. Der Pfarrer Hilchen in Padua. Wie wir bereits meldeten, hat der Leiter einer aus polnischen Studenten bestehenden Rompilgergruppe, Doktor Henryk Hilchen, durch seine antisemitischen Hetzreden in «der Universitätsau-la von Padua allgemein« Empörung hervorgcrufen. Pfarrer -Hilchen, der sich brüstet, einer der Gründer des polnischen Hetzblattes ,Kozwoj" zu sein, erklärte, auf seiner ganzen Tour durch Italien für den Antisemitismus Propaganda machen .zu wollen. Der polnische Generalkonsul in Triest, M. P. Kwiatkowsk i, an den sich die jüdischen Studenten in Padua wegen Hintaichattung weiterer antisomidischcr Hetzpropaganda geivendet hatten, anttvortet« mit einem Schreiben, in «welchem er das Verhalten tzilchens bedauert und verspricht, die erforderlichen Schritte zu unternehmen. ,Hch bitte, doch nicht außer acht zu lassen", schließt der Konsul die Zuschrift, „daß ein solcher Zwischenßlll nicht gegen ein ganzes Volk ausgelegt werbciv darf, dac. für die tlnverschä-mtheit und das w a h n s i n n i g e Verhalte u eines einzelnen nicht verantworttich gemacht werden kann." Auch der Rektor der Universität von Padua sprach feine Mißbilligung über die Friedensstörung,des ,Il»ozwoj"- Mannes aus n-nd selbst der Klub der katholischen Studenten in Padua lehnte jede Gemeinsamkeit mit dem Feldzug des antisemitischen Pfarrers und seiner Presse ab. ______ Sie Lbmannwahl in Permanenz. Der Mietengesetzausschutz setzte gestern seine konstituierende Sitzung fort. Nachdvnt der Christlichsoziale Jlklner auf da's Wart verzichtet -hatte, sprach der Sozialdemokrat Hö-lzl, dessen Ausführungen die ganze Sitzungsdauer aus füllten. Hölzl wird seine Rede haute fortsehen. zimmennan nnb Trailer. Großdeutsche Manieren. (^cneralikontnnssär Dr. Z i m m e r m a n ist gestern mit tom Triester 'Schnellzug von seinem Osterurlaub A>rückgekehrt. Mährend sein Schlvfcmipe in Ordnung gebracht wurde, begab er sich in Hausschuhen in ein Cotrpe erster Klasse, wo er den ihm unbekannten großdeutschen Nationalrat Grailer antraf, der es sich dort bequem genracht hatte. Grailer, der «wahrscheinlich allein bleiben wollte, -kam dieser Zutvachs sehr ungelegen. Er «begann zu räsonieren und, als Dr. Z i nt m c r m a n, der für kurze Zeit das Coupe verlassen hatte, um sich eine Zeitung zu Kaufen, wieder zurückkehrte, wurde er von G r ä i «l e r angefahren, der 'teha«uptete, «der neue Fahrgast habe mit seinen Füßen die P o l st e r s i tz e beschmutz t. Grailer rief auch gleich «den Schaffner herbei und forderte ihn auf, von dem Fahrgast die Rein«igungSgebühr zu verlangen. Der «manierliche Nationalrat schrie dann noch im «Waggon herum und gebrauchte Ausdrücke, wie ,/S ch «w e i n e r e i", „Sauere i" usw., worauf sich Generalkomntissär Doktor Z i m m e r m a n vorstellte -und nach Bezahlung,de-r Reinigun-gsgebühr von einem Schilling das Coupe verließ. Herr Grailer eilte vom Bahnhof schnurstracks ins Parlament und erzählte den Vorfall brühwarm dem Herausgeber einer Zeitu ngsk orrespo nd e n, z, wobei er es nicht unterließ, sich gehörig in Szene zu setzen. Seinen Männerstolz vor dem Beauftragten des Völkerbundes will er dadurch beweisen, «daß er dem Dr. Ziiwnerman angeblich gesagt habe, es sei tief bedauerlich, «daß «der GenerMommissär die bestehenden Vorschriften niG beachte und pstichtbewußten Bearnten ob ihrer Pflichterfüllung drohe. —- Doktor Zi-mmermann hat jedenfalls den richtigen Eindmck von den Manieren der „Unarterdlosen" erhalten. gngoflawlen stellt die Lurchreisevisa ein. Die jugoslawische Regierung hat dir Erteilung de» D u r ch* re i s e v 1 s» m » «ach Italien im Zug cm Reisende au » Ungarn und Oe st erreich eingestellt und verfügt, daß da» jugoslawische Durchreisevisum vor Relseautritt bei den jugoslawischen Konsulaten beschafft werden muß. wegen der Nnfchrstnwng de» «erverkimfes. London, 91. April. Nach eitler Meldung aus Bloemsontain in Südafrika haben 2 000 Eiirgeborne ome Kundgebung vevaustaltet, um gegen die Ginschrünikung des Bierverkaufes zu protestieren. Es kam zu einem Handgemenge mit der Polizei, wvbei ein 'Manifestant getütet und nrehrer« Polizisten verletzt ivurden. Die Polizei gewann schließlich die Oberhand. Etwas später brachen nette Unruhen aus. Alle emgvbovnen Arbeiter, inSgofamt 22.000 Matm, traten in den Streik. Bei einem neuerlichen Zusammenstoß mit «der PoUzei wurden v!er Ma«n>isestant«n getöte t und zwanzig verletzt. Unter den Bevlehtstr 'befinden sich auch zwei Europäer. Es wurden zahlreiche Bechaftungen vor- «genommen. In der gattzett Gegend herrscht sin« starke ettglandseinidliche Stimmung. Seit einiger Zeit werden. Tausende von Flugblättern verbreitet, in denen «die Bevölkerung aufgefordert wird, bei der bevorstehenden Ankunft des Prinzen von Wales eine ähnliche Haltung einzunehmen wie die Araber bei dev Ankunft Lord BalfourS. In «dem Flugblatt wird er- Mxt, daß dir Giligeborrien «von C'ngland iu scha ullofer Weife auSgebeutet werdet,, um 'den Veriretevtt -es e«nglischeu Jmperialism«us riesige Ge- 'mw lMeMu'br.iMen, SS. April 1826 Nr. 9M »ItAentnegc AanDttmtnr. New-Dork, 21. April. (Wokff.) Die „Times" melden» daß einige New-Novker Bankiers, die sich mit deutschen Indttstrieanleihen befassen, sich entschlossen hatten, diese Anleihen zeitweilig aufztchalten, bis der AnSgang der Präfidentemvaihl in Deutschland bekannt sei. Vnige Bankiers hätten sich dahin geäußert, daß ein Erfolg HindenburgL das Ende deutscher Judustrieauleihen auf dem Nsw- Aorker Markt bedeuten tvüvde. Die Mehrzahl der Bankiers sei jedoch durchaus geneigt, die weitere Entwicklung abzvwarten. _______ Soest« IoD nnanfnenart. Berlin, 21. April. Die Leiche des früheren ReichSo posiminifters Dr. Hoefle ist heute nachmittags obduziert worden. Eiue bestimmte Todesursache konnte dabei nicht fest ge stellt werden. Die Aerzte gaben die Erklärung ab, daß zum Ableben Dr. Hoeffes vermutlich drei Ursachen zusamtmngewi.vkt hätten, "ttb zwar eine ganz abnornte Gewichtsabnahme von mehr als 35 Kilogramm, eine starke Hastpsychose und eitle zu große Menge von Schlafmitteln, die Hoefle auf einmal zu sich genommen zu haben scheitrt. Die Leiche Hoefles wurde nach vovgenonunener Obdu-ktion zur Beerdigung freigegeben. Die Deerdigu«ng wurde für Freitag anberaumt. Das entstellte Interview. Budapest, 21. April. (U. T.-Ä.^B.) Der Berichter» statter «des „Magt-arorszag", Demeter, war vor einigen Tagen beim portugiesischen Geschäftsträger erschienen, um von ihm eilt Interview zu erhalten. Dieses wurde chm gcivährt. Der Geschäftsträger knüpfte daran die Bedingung, daß chm der Wortlaut vor der Druckleguttg vorgelegt iverde. Dieses Versprechen wurde jedoch von denr Berichterstatter nicht cingehalten. Ms der Journalist gestern albends wieder bei dem Geschäftsträger erschien, zeigte ihrn dieiser in einem französischen Wörterbuch >das Wort „Canaille" und sagte:''„Wissen Sie, was dieses Wort bedeutet? Nun, das sind Sie. Sie haben mir EMärungen in bett Mund gelegt, die ich niemals abgegeben habe. Scheren Sie sich!" Mit diesen Worten wies der Diplonrat dem Berichterstatter die Türe. Demeter ließ durch zivei Bevollmächtigte ritterliche Genugtuung fordern. Sas BodenvroAem kn ffrez Israel. Eine besondere Tagung dev Zionistischen Organisation Oesterdeichs. Das Zionistische LandesVomitee und die Landes' kmnmission des Keretr KajomeLH «berufon für Sonntag den 26. d. um halb 1V Uhr vormittags in den Ittgenieurutch Architckttenvevem, 1. Bez., Eschen, bachgasse 11, eine Tagung ein, dve der Beratung des Bodenproblems in Erez Arael gewidmet ist. Die Tagrutg wird «mit einer Ansprache des Präsidenten der Zionistischen Organ isa-tvon Dr. Jakob Ehrlich eröffnet werden. Referieren werden die Herren Adolf B o e h m, Oberbaurat Robert Stricker und Dr. Chcvim Tarta-- k o w e r. Nach den Referaten s«olgen die Debatte und Resolutionen. Zur aktiven Teilnahme sind bsvechtigt: Die Mtglioder des Laude'Skotmtees, des Parteivates, der Landesko«mmissi«o- «cit des Keren Kajemeth und deS Keren Hajessod, «die Ausschüsse der Bezirkssektionen und Sonderverbände, «die Kom- «missäre «des Kcretr Kajcmeth sowie diöjenvgsn Selbstkontingentler, die zumindest ein Viertel ihres Kontingettts angebracht ha'bett. Die Ausschüsse der Bezirkssektionen und Sonderverbände «haben bis iMusive Dienstag den 21. d. die Listen «ihrer Mitglieder dem Zionistischan Bureau zu überreichen. Zutritt rmr gegen Borweisu«ng der auf den Namen «des Bevechtigtetr lautenden Legitimation. Di«ese Legitinrati-onett sind ab Donnerstag den 23. d. in dem genannten Bureau, 1. Bezirk, Kämtnerstraße 26, evMtlich. Für die Landeskommission des Keren Kajemeth: Dr. Ch. Tavtakower. Molf Boohnl. Für das LaudeMntit-ee: Dr. Gelber. _ Dr. Ehrlich. Bot chast au» Doom. Wilhelms Kniegserklärung an den jüdischen Gott. Exkaiser Wilhelm hat das Bedürfnis» seinem besiegtett Volke wohl nicht den Frieden, aber doch eine neue Religion zu geben. Er geht von der These aus, daß die christkichc Religion und das heutige religiöse Leben resormbedürftig seien. Dies zeige wohl auch die Beobachtung der äußeren Umstände, aber Wilhelm begnügt sich nicht damit, was auch andere sehen, er ist nicht umsonst der von Gottes Gnaden entthronte Kaiser Wilhelm der Zweite, ihm sagt eine innere, göttliche Stimme, daß etwas geschehen müsse, um die christliche Religion christlich zu machen. Und Wilhelm, der jetzt viel freie Zeit hat, setzt sich hin, schreibt das nieder, was die innere Stimme ihm zuraunt, und sendet die Schrift dem Hofgeistttchen Dr. Vogel, der sich selbstverständlich beeilt, die prophetische Botschaft seines Herrn zu verkünden. " Worin gipfelt nun diese neueste Offenbarung in der Einsiedelei vott Doorn? Die erste Forderung der Wilhelminischen Reforntation ist: Vernichtungskrieg gegen Jahwe, den Gott der I u b e u! „Aus unserer Religion müssen Jahwe, der Gott der Juden, und alles, was uns in unserem Gottesglauben an Jahwe erinnert, entfernt, ausgemerzt werden,"

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