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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-22 · Heft 2216 (22.4.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2216 (22.4.1925)
Date
1925-04-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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OrihS SBttn, Mftwoch Der Bortrag khajes'. Brrtcht Wer die vindrilüe ln Sre» Urael. Wir geben int folgenden den Port rag, den Oberrabbmer Tr. Chases mn Dtontag abends im Großen Konzercha-ussaal unter stürinifchc'n Verfall der Massenversantin-lmtg gehalten hat. im Wortlaut wieder. Wäre ich em Nichtjude oder wäre ich ein Jude, der dom Kufibauwerk Palästinas fremd gegen» be-rsi-oht, es soll nämlich Inda« dieser Art gaben oder bis vor kurzem wenigstens gegeben haben, dann wäre meine Aufgabe heute eine recht leichte. Tenn wäre ich heute Nichtjude oder ein bisher für Palästina nicht interessierter Jude, der aber Angen hat, um zu scheu, und ein Herz, u>m zu fühlen, und hotvte über seinen ersten Besuch in Palästina zu berichten hätte, so könnte ich heute von Ihnen als Märchenerzähler dastehen. Ich würde Ihnen nätnlich die Merk würdigsten und unglaublichsten Dmge zu erzählen halben. Ich würde Ihnen erzählen können, daß cs ein Land gibt, Palästina, in dem die Juden tatsächlich hebräisch sprechen, in denn die Kinder, die dort aufwachsen, keine andere Sprache als hebräisch hören. Öaty unglaublich, ivenn man weiß, wie hier in unseren Ländern die armen Klebten in den Schtrlen sich plagen müssen, um eine ihnen ganz fremde und tote Sprache nicht zu verstehen, aber zu hören. Ganz unglaublich, wenil man bedenkt, daß diese Sprache zu einer Sprache der Gemeinschaft gemacht wurde, ohne joden äußeren Zwang. Man hätte Palästina aus' bauen können, ohne hobräisch zu sprechen. Ohne jeden äußeren Zwang, nur aus dem innersten Bedürfnis heraus, den Weg zucückzurindvn zu den Schöpfern unserer Kultur, und aus d? > Gedanken heraus, daß m<m die Sprache nicht als Zufälligkeii;u betrachten hat und daß es kein Zufall war, daß unsere ersten Menschen, Denker und Propheten diese Sprache gesprochen haben. Aus diesem Gedanken heraus »md ohne jeden äußeren Zwang hat man eine tot gesagte Sprach« wieder zu einer lobenden gemacht. Und noch andere Merkwürdigkeiten könnt« ich erzählen, daß es dort jüdische Bauern gibt, die nicht so wie zur Zeit der französischen Rsvolntton die königlichen Prinzen Hirten gespielt ha>ben, die wirklich Baner« sind »nd auch dies nicht aus einem äußeren Zwang heraus, sondern nur aus dem Bedürfnis, ihr Volk und ihr Land wieder zu einem natürlichen zu machen. Und ich könnte Ihnen er-Mlen, daß es >ort jüdische Gemeinden gi' große jüdische Städte, >tc von Inden regiert werden, und es gibt keine .Kämpfe und es ist eine tadellose Ordnung und eine Unterwerfmrg unter die Obrigkeit und die Städte entwickeln sich, wie kaum in unserem Kontinent. Wäre ich ein Nichtjude, der nicht alles mit eigenen Lugen gesehen hat, würde ich Ihnen sagen, ach was, das cttahlen die Zeitungen, das existiert nicht. Nun hin ich »Äer in der unbequemen Lage, denn ich gehöre ja zu den Wissen xn. feit Jahren und seit Jahrzehnten weiß ich doch, daß das Große und Unerhört? wie ein Märchen anmutendc Wirklichkeit ist. Ich habe es doch so oft -in unserer Stadt gesagt, ich kann -oute nicht ein Märchenerzähler sein. Um ganz objektiv sein ’iVL können und nichts aus mir sprechen zu lassen als die Erinnerungen an ,weine Reise, habe ich auch für den heMgen Tag nicht vorbereitet. Nichts Subjektiv es soll in nMner heutigen Rede eiwfließen. Das größte Wunder ist -für mich, daß das was -in Palästina geschieht, nicht mehr ein Wunder ist, sondern dort als ganz natürlich aufgesaßt wird, als ob es alltäglich wäre. Mein« Reise und der Eroberun-gsgug beginnt auf dom Schiffe. Ich habe meine Reise int Triest angetreten und auf dom Äloyddamlpfer, der mich nach Alexaitdricn führte, war der größte Teil der Mitreisenden jüdisch. Der größte Teil der Mitreisenden Juden ging nach Palästina. Einige wenige, die aus geschäftlichen oder anderen Gründen nach Aegypten gingen, schämten sich, das zuzugestehen, und tvenn sie es zugestanden haben, fügten sie hinzu, sie kommen recht bald nach Palästina. Es waren auch Nichtjuden, Engländer, die gleichfalls den Weg nach Palästina nahmen. Das Interessanteste war nicht di« Reisegesellschaft in den Klassen, sondern die auf dorn Schiff. Das Interessanteste waren ungefähr 120 junge Burschen und Mädchen, die mit uns nach Palästina gingen, nicht um dem Lande einen Besuch zu machen und nicht um an den Feierlichkeiten der Universität teilzunehmen, sondern um in Palästina zu leben und zu arbeiten. Darunter waren -10 Blau-Weiße aus Deutschland und .'.twa mehr als 60 aus Polen. Die «deutschen jungen Burschen und Mädchen haben eine gründliche Lehrzeit hinter sich, fast alle sind Elektrotechniker und Schlosser. Man sicht es den jungen Burschen und Mädchen nicht an. Es waren welche, die ihre Studien unterbrechen, nicht mußten, sondern wollten, die gegen den Willen ihrer Eltern Deutschland verließen, um in Palästina ihre Arbeit zu machen. Das gleiche gilt zum Teil von den jungen Burschen und Mädchen aus Polen, die alle sich der landwirtschaftlichen Arbeit widmen und sich dort für dies« ausbilden wollen, soioeit sie dies in ihrem Lande nicht tun konnten. Wer einmal eine Seereise gemacht hat, der wird wahrschvinlich wissen, wie die Pasiagieve der fünften Klasse, die Deckpassagier«,, ansschen. Es ist keine angenehme Reis«. A»n allerwenigsten auf dom Lurusdamipfer des „Lloyd". Da gibt es für die Deckpassagiere fei« Dach, fein« Verpflegung und kein Deck. Die Reife war zum Le» Dsmsch. Dfe Me Macht von Freitag M Sa-vrstag Wiener Moraenzeilrma. war recht ungemütlich und die Burschen und Mädchen gingen die ganze Nacht auf und ab. Sic hatten kein Bett, litten kein Dach und gingen die ganze Zeit herum. Tags darauf, tvenn mau zu ihnen kam, lachten und sangen sie, nichts war ihnen au.zu merken von den Strapazen der Reise, von einer inneren Luftigkeit waren sie erfüllt. Alle Mitreisenden, vor allem die nichtjüdischen, waren über dieses Schauspiel erstaunt, auch bat Klassenpasfagiercn war die Reise nicht gerade gemütlich und sie machten saure Gesichter. Die jungen Menschen sangen die merkwürdigsten Lieder, die ettgltschen und auch die jüdischen Herren und Damen standen dabei und sahen sich dieses Schauspiel an. Glauben diese jungen Menschen, oaß sie in ein Land kommen, das von Milch tmv Honig fließe, sie gingen ttach Palästina nach langjähriger Vorbereitung und wußten sehr genau, daß sie nach Palästina gehen, um schwere Arbeit zu leisten. Cie täuschten sich über die nächste. Zukunft »licht, und trotzdem, sie empfanden nichts als Luft iutb Freude. Wir kamen dann nach Kairo und ich benützte die wenigen Stunden, um das Museum zu besuchen und die neuen Bereicherungen zu besichtigen, bell weltberühmt gewordenen 'Tntankhalllen. Bor allein interessierte mich die Mumie unserealten Gegners RamseS des Zweiten. Wenn man dieses mavkallte Gesicht ansieht, so gl-audr I man, den Mann;n erkennen. Man nimmt an, daß es der | König war, für den die jüdischen Knechte in Aegypten die Städte geballt haben, von denen die Bibel spricht. .Es lebt ctlvas noch in dieser Mumie, dieses Gesicht, diese Ausdrucköformen, als ob er die jungen Jllden, die bei seinem GlaSsargo vorbeikounnen, mtit die er glaubte, für alle Zeiten zu seinen Sklaven gemacht zu haben, die jetzt so ganz anders sind,, füralle Zeile,l geknechtet hätte. Würde Ramses sprechen können, so müßte er jetzt, 3000 Jahre nach seinem Tode, beim Anblick der netten jüdischen Generation sagen, nein, dieses Volk kann nicht zn Sklaven grinacht werden. Gibt cs eine Jugend, die innerlich frei st, so ist es diese neujüdische Jugend. Rach dem klrrzcn Besuch bei Ramses bestiegett wir die Eisenbahn, die nach Jerusalem führt. Dus war die erste tatsächliche Ueberw-schung. Man bestieg in Kairo der, Schlafwagen und stie g in Jerusalem aus. Ich war tiicht in der glücklichen Lage, einen Schlafwagen zu haben, und nntßte wachen. Der Zug war übervoll, lauter Menschen, die nach Palästina gingett. Wir gingen denselben Weg, den unsere Bovfahret, vor 9000 Jahren gingen, natürlich in erheblich kürzerer Zett Wir kamen zunächst an Wa di - e l - A r i s ch vorbei. Mitten in der Nacht glaubte man, auf einem Schneefelde zu sein,, aber nicht.Schnee war es, sondern weißer Sand, und mitten auf diesem ungeheuren Felde ein Wald von Palmen. Es ist jenes Land, das Theodor Herzl von der englischen Regierung als Siedlungsland angeboten erhielt. Heute st es für «ns nur eine schöne Erinnerung. Der Zug geht weiter und ■ endlich kommen wir in unser Land. Stundenlang fährt man an wenig kul-tivierten Gebieten vorbei, von ganz wenigen Juden bewohnt. Der orste Mensch, den ich im Zuge traf, tvar ein Siedle r aus E k r o n, welchen ich im Kriege als Fbldvabbiner kennen-gelernt hatte. Jetzt ist er ein Bauer, wie ein Bauer gekleidet, ebenso seine Söhne, und der glücklichste. Mensch attf Erden. Endlich kommen wir zur ersten jüdischen Siedlung R echoboth. Allmählich nähern ivir uns Jerusalem. Berge, Berge, nichts als Berge. Aber bei genauerem Zusehen merkt man, daß vor langer Zeit hier Kulturen waren, und man glaubt daran, man muß daran glauben, daß menschliche Arbeit diese Berge wieder bepflanzen kann. Die ersten geglückten Bevsnche liegen bereits vor. Wir genießen den Ausblick crttf Kirjath Anawim. Man sieht zwei Berge, der eine von Inden ^besiedelt, auf dem anderen Hansen Araber. Lord Balfour , hat lhei seinem diesma-ligcn Besuche in Palästina dios« Kolonie alz erste besucht. Der jüdische Kolonist, der ihn begrüßte, betonte m seiner Ansprache, daß der Berg, auf dom sich die Mische Siedlung befindet, jüdische Kittturen besitze, der andere Berg, der von Arabern dcwichnt ist,-zeige dasselbe Bild wie nach der Zerstörung des judätzschen Reiches. Der von den Juden besiedelte Berg beweise klar, was jüdische Arbeit zu leisten imstande war. Und min kamen wie nach Jerusaleui. Ist die Stadt schön, ist. sie nicht schön? Mate kann darauf keind Antwort geben. Blickt ntan von der Eisenbahn auf die Stadt, so glaubt mail ein Chaos von Bergen «und Hänsertl zu sehen,' in welchem man sich ntmtöglich zurechtflnden kann. In der Umgebtrng der Stadl hat matt den Eindruck, hiev koitnten, hier mußten jene Menschen gewachsen sein» die wir als Propheten verehren. Der ganze heilige Emst, der in den Propheten lobt, lebt auch in den Bergen von Jerusalem. Es ist eine Schönheit ganz anderer Art. Als ich eine Stunde nach meiner Äickuttst auf dvnt Berge stand, von dem man Palästina sehen kann, sah ich die künftige Stadt und ich stand auf bief-eitt Berge, was ich trotz meiner Müdigkeit getan habe. Ich stand aus dem GfepuSberg«, wo die Universität steht. Und so sieht irran diese Stadt, die eine große Siedlung werd kann, - vielleicht im Zehnfachen dev heutigen Größe. Nichts wjrd mgn zu äudevu brauchen an deie _22. Astis mr>_M. mn merkttmtdigett Schö.tltel:, so viel Platz ist jetzt. Sie bauten eine -weite Stadt »nd sie bantett eine dritte Stadt am Ende des jüdischen Reiches. So viele Möglichkeiten gab es in dieser Stad:. :ic nie zn enge tvird. Eine neue Weit, zchtrfach grüßet. a:ö 7?-- henitge JeruMotn, kann entftchet, nn-d di« ersten An^ jätze dazu sieht man scktmt. Man baut die nouett Viertel der Stadt, aber nicht itt jenen Teilen, die man schonen muß, sondern wie ntan einst gebaut hat, als nran die zweite und die. dritte Stadt gebaut hat atu Ende des jüdischen Staates. tllings herum wird gebaut, ein Mertel um das andere, ieoes Jahr mehr. Und die alte Stadt wird in i h r e r ch a o t st f sfi v it Schönheit weiter bestehen. Ich habe bei mc-iitcuu ersten Besuch in Jettttfalein tmr zwei Tage Zeit gehabt, müh dort imtzufeihen. So weit diese zwei Tage nicht von Sitzuttge»« ousgesüllt üvarett, habe ich mich bemüht. archäologische Studien zu machen. Mr mich warett es Ettidecku-ngett. Die Archaologett Jerusalems wußten cs uäurlich früher. Knapp neben mement Hotel war ein -.trabisM südtscher Basar, hart rreben der Straße, die zun>. Tanpelberg hitraufführt. Dort -war »nein Hotel und in dieser Straße ist ein Teich gcba-tvt, der Teich des Königs Esokiah. So tvird er genannt, man weiß nicht, mit Recht oder mit Unrecht.: Der König Esekiah hat, als die Asstzrer die Stadt belagerten, alles Wasser dorthin gezogen und Teiche errichtet, und emec davon st dieser Teich. Angrenzend an der anderon Seite st ein cttglisches Hotel, eigentlich ein Durchhaus. Und ganz ohne, zu firchen — denn was hatte ich indiesem netten Haufe zn suchet» -- traf ich auf etwas, was mich fast so stark berührte, wie mein Besuch bei Rauches dom Zweiten. Mitten in diesem Hofe steht eine Laterne, eine Straßenllcrterne. Diese Straßenlaterne hat als Sockel einen Stein mit einer alten iaiemrschen .Jitschrift. Sie fiel mir auf ,md ich bemühte mich, sie zu lesen und fand, daß diese Inschrift der zahnten Logion attgchörte. Nicht des jüdischen Jeritfale-m, sondern des römischen. Die zehnte- Lcgiott kaut mit Veslpasian nach Palästina zur Belagerung Jerusalems »md bliob. dorr ztuttindest bis zttm Aarfang des dri-tteti Jahr«; httnderts. Das war jene Legion, die ün WappcNschiid ein Wildschwein führte. Und deshalb haben die Juden, als sie tticht über die Bedrückmtgen Roms fprccheti konnten, von den Römern als von den Wildschweinen" gesprochen.- Vielleicht wird der eine oder der andere sich an eine Goschichtc erinnern, die ün neuen Destantent erzählt wurde und die vmr cmorn französischen Philologen gedeutet totlrde. Es wird erzählt, Jesus hätte einett Besessenen gchM, in dom ein böser Geist hauste, trttd als er den bösen Gest frtvg, wie heißt du, antwortet er, mem diamc st ,<Logion", und davattf Vertrieb er ihn aus detn Dcsesseitcn und jagte ihn in ein Rudel Schiweine, Hier bcröen Sie ein Beispiel von der Art, wie die Judenvon den Römem gesprochen ha'ben. Nuu sah, wo die Kaserne der zehnten Legion w a r, die meinte, tmter ihren Trittenwäre alles zertreten gewesen, was jüdisch war. Sie hat nicht nur den Tempel zerstören geholfen, sic war dabei, als Aelia Capitolina, die römische Stadt, entstatrd. Nach einem Meitägigen Aufenthalt -in Jerusalem habe ich am Freitag den Weg nach Tel-Awkw genommen, nach der neuen jüdischen St-adt itr Palästitva. MS ich vor elf Jahren in Palästina war, zwei Mottate vor dem Kriege, da habe ich schon die Anfänge dieser Stadt gcf-chett, Gibt es ettvas, was uns einen Beweis gibt Kr die u n c r», schütterliche Energie unseres Volkes, so st es diese Stadt. Detm vor 19 Jahren war dort nichts weiter als ein Sa ndhüg-el zu sehen, und auf diesem Sande Lauten bte Jttden ihre erste Stadt nt Palästina. Natürlich hat man sie für verrückt angesehctt, genau so wie jette, die die hebräische Sprache und das hebräische Schulwevk in PMstina eingerichtet haben. Aber schon nach ernenn Jahre zahlte die Stadt etwa 4000 Seelen und sie sieht wie ein großer Bauplatz aus. Unaushovlich wird gebaut. Jetzt kommet: ungefähr 2000 bis 3000 Menschen im Monat. Ein Teil gcht aufs Land, ein fchr großer Teil der tteuen Einwohner, denn i-m letztett Jahre find «8 nicht nur junge Mettfchen, es sind auch ältere, wohcha'bende Bürger dar« unter, blevbt in den Städten. Der größere Teil dieser Bürger siedelt sich in Tel-^lwiw an und immer enstehen neue Häuser. In Tel-Awiw hat mau schon alles Wie in einer europäischen Stadt. Man hat elektrisches Licht, Wasserleitungen, fchr gut« Schulen, bequenre Wohnuttgen, und Hai man sie nicht, so dank man sie, und man hat auch Theater, Schauspiel nnd Oper. Der Bürgermeister, der seit Beginn der Siedt lung an 'der Spitze der Verwaltung steht und mtlstergültiM Ordnttttg hält, pflegt jeden Tag die Anzahl der Einwohner derschiedeir zu iietnten. Ich sah dort jene vollstätrdige und Muster-» «gültige Disziplin, die man bei der zivilisierten Welt sieht. Sie wissen, wie man darüber zu spotten pflegte, wenn die Jude« ein eigenes Land habett werden, so wird ein jeder ein Minst-er sein tmd feiner wird dem anderen geH>trchen wollen. W-'" haben uns nt diesen Ditt-gett, wie in Violen attderen, sehr getauscht. Ich habe eitter Sitzung des Gemeinderates bcigewohnt Und ha/be einen solchen Ertst dort gesehen, der mich in Sdautten versetzt hat. ES wurdet! sehr ernste Dinge besprochen (dort wäre« Sozialdemokraten, Orthodoxe und atrdece Grtbppetl,' jodet« Steuerzahler kann Bürgermester wcrdett) wie Bau von Schulen, Wasserleitungelt, Anlegung eines Hafens ufiv. Ich Hab« nichts bemerkt, was man Unordnung nennen Sann. Die Dinge sind mit Ruhe, Sachlichkeit und Gründlichkeit behatldelt wovdett, Kein Nichtjude in der Stadt hat diese tadellose Ordnung cingeführt. Nach «meiner Ankunft tvurde ich zu einem Empfattg des Bürgermeisters geladen. Bor dem Haufe stand stramm di« Stadttvache. Es war ein Bild, das einett unmilitärischen Mn« scheu wie mich durchaus 'befriedigen mußte. Vs waren kein« Menschen, die Waffen führe» wollken, sondern Menschen, die Ruhe und Ordnung haltcu.

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