Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2215 (21.4.1925)
- Date
- 1925-04-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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«eA L m», Drensws „""."I'W.'II.-■■■'■! «MH... immmmmrnmm» «ach chttrn Besuch ibeian Mrnistevprastdenten Grabskr rit Gesellschaft -es tschecho-ftowcrkischen Gesandten Doktor Flieder Ln einem Automobil nach -er Wohnung des Sojmmarschalls begeben wollte und das Auto gerade an ekant elektrischen Sttaßenbalhnwagen vorbeiftchr, sprang ein junger ZettungSvcrkauf« t vom Straßenbahirwägen ab. Er wurde vom Automobil überfahren und war sofort tot. Die angesammelte Menschenmenge nahm gegen den Chauffeur eine drohende Haltung ein. Dr. Bencsch und Dr. Flieder fuhren sodann in einem anderen Automobil in das Palais des Mlmsterpvasidonten Zurück. Der Besuch beim Schmmarschall wurde auf morgen verschoben. Sie neue Jfirfei. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) «oufimttinopel, 20. April. 23 Führer der aufständischen Kurden, die vor einer Woche von einem Kriegsgericht Zum Tode verurteilt worden waren, sind in Diarbekir gehängt worden. Die Aufständischen zeigen in einigen Gebieten erhöhte Tätigkeit. Bei Silwan und Karawesch fanden einige Gefechte statt. Rohland will keine Regelung de« Waffen» Handels. Genf, 20. April. (Schweiz. Dep.-Ag.) Als Anffwort auf die Einladung zur Teilnahme an der Konferenz zur Regelung des internationalen Waffenhandels hat der russische Volkskommissar des Aeußern, Tschit.scherin, an das Völlerbundsekretariat ein Telegramm gerichtet, in den: mitgeteitt wird, daß die Sowjetunion bei der Prüfung einer Frage nicht Mitarbeiten wolle, die sie als eine Einmischung des Völkerbundes in die inneren Angelegenheiten Rußlands betrachte. Freiheit in Sowletraßland. Berlin, 20. April. (I. T. A.) Auf Befehl der staatspolitischen Verwaltung (früher Tscheka) wurde dieser Tage — wie aus Moskau telegraphiert wird — der 'bekannte sozialdemokratische Schriftsteller C e d e r b a u -m- I es ho Iw, ein Bruder des verstorbenen Menschewiken- Mhrers M a r t o w, samt Frau und ISjälhriyem Sohne verhaftet. Die staatspolitische Verwaltung ordnet« an, daß Cederbamn und seine Angehörigen für die Dauer von drei Jahren nach Minuisinsk, Gouvernement Jemsseisck in Sibirien, deportiert werden. Die Maßnahme hat um so mehr Ueberrofchung hervorgerusen, als Ceherbaum, der seit einigen Jahren in der Stadt Kaschin, Gouvernement Dwer, in administrativer Verbannung lebt, onfcmgs Mai seine Freiheit wieder erlangen sollte. In den letzten Wochen sind wieder mehrere junge jüdische Sozialisten unter der BeschuldLgiwg der Zugegehörigkeit zu der zioniftrsch-sozjaliftiischen Partei Zeiri Zion (linke Gruppe) verhaftet und deportiert worden. __ Abgeordneter Propper verortellt. Budapest, 2V. April. Der sozialde mokrati-- fche SlbgooÄ>nete Alexander Propper wurde honte wegen eines in der „Nepszava" unter dem Titel ,M a h lr c ch i s l e g L L i m i s m u s" veröffentlichten ÄrtMs Kn zweiter Jnstang ivegen Aufreizung 5 n m K l a s s e nhaß zu drei Tagen Gefängnis verurteilt. Mvtaia entschuldigt sich bei Wotawa.! Amtlich wird berichtet: Gestern fand ein« Unterredung zwischen Dr. Wotawa, dom Ofrnumit der großdeutfchm " Vvllspartei, und Außenminister Dr. Malaja statt. Gegenstand der Besprechung bildeten die angeblichen Aeußerungen Dr. Matajas in Zwischen Zeitungen. Dr. Wotawa beiklagte dabei nameMich den Eindruck, als oh Dr. Mataja | die Ueberzeugung von der Notwendigkeit! des Anschlusses Oefterr e i chs an Deutsch-, land als die Meinung nur eines Bruchteiles der österreichischen Bevölkerung dargestellt hätte und so den Umfang der Anschjlußbewegung > bagatellisiert hätte, während es doch notorisch fei,' daß die erdrückende Mehrheit der österreichischen Bevölkerung Anhänger des AnMußgedankssNs sei. Es sei auch klar, daß selbst der Inhalt der bestehenden Vertrüge eine Unmöglichkeit des Anschlusses nicht beinhalte. Hierauf «Märte Dr. Mataja. es sei ihm gar nicht eingefalllen, die Anschlußbeffvegung zu bagatellisieren, er habe lediglich konstatiert, daß diese Bewegung bestehe. Ueiber den Umfang der Bewegung habe er sich nicht geäußert. Die Bernevkung Dr. WotawaS darüber, welche Möglichkeiten die Sdaatsvertväge von Sa in t-Ge rmai n und von Genf bieten, sei vollständig richtig, und dies« Möglichkeiten seien ihm durchaus bewußt. Dr. Mataja gab der Hoffnung Ausdruck, daß mit dieser Erklärung di« Möglichkeit Vau Mißverständnissen beseitigt fei. - Sie Sehawbeweiang der ünbufttieanseftelttett Da der Kolleknvvertrag der Industrieangestellten mit 31, März abgelaufen ist. wird der Bund der Industrieangestellten in den nächsten Tagen die einzelnen Unternehmerovganisationen ersuchen, in Perhandbmgen zur Schaffung vonKollektivverträgen für die einzelnen Branchen einzutre-ten. Hierbei sollen Mi ndestge Halter, abgvstust nach Lebensjahren und Leistungsklassen, vereinbart werden. Auch die Auszahlung einos Uxlaubshe.itragetz ivird gefordert. Wiener Marnenzeltung. „RDHSTSPlELE“, 1, RlemergoMc 11 Donnerstag den 23. April 1025 um halb $ Uhr abends Fest-Akademie ra Ehra« de« Hern BERRHARD SCHARRER Mltwirkende: Die Damen: Hilda Dulitekafa, Nclly Fried- 9 l&nder-Reichlin, Miljam SchtiabM-foeflich, | Bise n. Vally Stein, Lea Weintraub*Qraf 9 Die Herren: Oberkantor Israel Aller, Richard 1 Dusditnsky, Emmerich Gera, Karl üim- 9 pcl, Oberkantor üerson Margulies, Konzert- 9 meister Jfoi. Zimbler und das Ensemble „CU1- 9 dene Pawe", Leiter: Regisseur LeoHalpern 9 Karienverkauf: BOcheritnb« Rath & Prtger, 9 II., Tabontraue 20a, und Abendkai«« sos 8 Sie Abstraktion int Mietenausschuß. Gestern nachmittags beendete Frau Freundlich im Mietenausschuß ihre am Freitag begonnene Obstrnkt i ons rede. Heut« wird wieder ein anderes sozialdemokratisches Ausschuhnritglied durch eine Dauerrede die Obmanniwahl derhinder. Lagesbericht. Karl Blume gestorben. Wieder ist der Tod eines der besten jüdischen Männer zn! beklagen. Karl Blume ist plötzlich an einer HerzlälMung gestorben. Mit beispielgebender Treue und Hing übe hat der Verblich one der Idee des bewußten Judentums godi>on>t und für de,r Ziomsnms gearbevtot. Seit dom Auftreten Herzls stand er in den zionistischen Reihen und hat bis in die letzten Tage als AusschußmitgliLd der Sektion Alsergrund überaus ersprießlich gewirkt. Bosandeve Verdienste hat sich Ka rl Mim re um die jüdischen Handlungsgehilfen evworben. Im alten Oesterreich wußte «r die jüdischen HaMulrgsgehi'lsen Wiens i und der ProvinzstMe Pt einer kräftigen Organisation zusammenzufassen. Späterhin gründete und leitete er die wirtschaftliche Organisation Mischer Angestellter (.Moja"), die dank seiner unermüdlichen und erfolgreichen Tätigkeit für die .jüdischen Becvmten aller Kategorien sehr segensreich wirft. Auch der Paläst in curufbaufonds verliert in Karl Blume einen der eifrigsten und unermüdlichsten Förderer. Ein Mann von lauterstem Chararter, ein schlichter, herzensguter, stets hilfs' bereiter Mrnsch, hatte der Verblichene zahlreiche persönliche Freunde, und die Nachricht von seinem plötzlichom Hinschoiden wird in weitesten Kreisen der Mischen Bevölkerung tiefes De- .daucrn erwecken. Karl B'lunte, der ein Alter von 57 Jahren erreichte, wird heute um halb 1>1 Uhr am Zentrckbfriedhos (erstes Tor) beerdigt. Jagd auf Flüchtlinge. LnndcShauPtmann Seitz läßt ausweiscn Die AuSwoksungSpraxis wird immer schärfer. Sinngemäß könnten nur Leute mlsgetviesen werden, wenn sie die Gastftoundschaft mißbrauchen, d. h. Politischen Unftig treiben oder sonst mit den Strafgesetzen m ärgerniserre-genden Konflikt komnurn. Solche Elnneute iverden bei uns verschieden behandelt. Di« roichsdeutschen Hakeickrouziler zrrm Beispiel erfreuen sich alles Schutzes und die Wucherer vlerben, tvenn ihr Vermögen eine gütvisse Höhe erreicht hat, unbchelligt. Sie könneic sichs richten. Dagegen trifft die Ausweisung mit vollster Schärf« arme Teufel und die Ausrede ist hier der Schutz de§ Arbeitsncar-ktes. Man könn>te ein<tvenden, daß eiben die gesetzlichen Bestimmungen so gefaßt sind, daß die Behörden keinen Unterschied machen können. Dann wäre die Abhilfe in einer Abändevmrg der bezüglichen Paragraphen zu suchen und es wäre dies Sache denjenigen Stellen, die sich mir der sozialen Frage zu beschäftigen haben. Jnteressanterweffe aber befindet sich mich dieLandesregierungWien unter dcu Stellen, die „den ArbestSmarkt schützen" und zu diesem Zweck an der Menschenjogd teilnehrnen. Da hat die Polizei einen polnischen Staatsbürger, Leon Merl, auSgewiosen. Im Krieg war in Ostgckltzien sein Elternhaus verwüstet worden und Mett, damals 14 Jahre alt, mußte mit sein«,, Eltern in die westliche Gastfreundschaft abwandern. 1817 fiel sei» Vater, Infanterist im 48. Infanterieregiment, ander Piave. Leon Merl studierte in Wien und vergaß, daß sich seine Staatsbürgerschaft geändert hatte. Er aptiette nicht, reist« iw Vorjahre nach Polen und wurde dort MNtgsweise ins Heer gesteckt. Merl enfflob nach Wien. Hier erwischt« -hu die Polizei. Er hat die Gesetze Oesterreick-s nicht verletzt, ist ckber lästiger Ausländer. Gr wunde ausgewiesen und reÄrrierte an die Laudesregieonng Wien. Der Landeshauptmann ist der soMdemolrattsche Bürgermeister Seitz, ein Mann, der von den sozialen Fragen immerhin ettoas nwhr verstehen sollte als ein berufsmäßiger Hakenlkrougler. Merls Ausweisung wurde also bestätigt. Die Zache kam nun vor den B e r w a s t u n g s g e r i ch t s h o s. Dies« Behörde schloß sich gerne dem Herrn Äeitz an. Mett bleibt iwi' das Gnadengesuch übrig,., St. AM 1926 Nr. 9016 Kalter «atheaa« Kerker die gerasalemet Berlin, 16. April. (I. T. A.) Frau GcheimvÄ Ra thena u, die Muter des durch Mordechand geMeMN ReichSministers Waller Rathenmr, hat die Werke ihres Sohnes, und zwar das Gesantttiverk fowre hi« VntzÄwerke in Erstdrucken, der Nationalblbliotlhek in Ier>- Han« Herzl» Misston in Wir«. Dir Jüdische Trlographenagontur mttdet: Der zum KatholiJismus übcrgetvetcne Hans H erzl. der vor kurzem in einer Londoner kacholifchen Zettschrift «gen da- Lebens« werk seines BaterS auftrat, ist soeben in Wien ciuge« trossen. Ueber den Zweck seiner Aufenthaltes verlautet nichts; in Wiener Missions kr eisen besteht die Absicht, feine Auüvesenhcit zu katholischer Propaganda zu benützen. Sine SrklSrang de« PMftimuunte« in 8alouM. Das PÄSstinaamt m Saloniki ersucht uns um Bervffeirtlichuug des folgenden Commuittigues: Die gthlreichen Whaln.zim, die in letzter Zeit den Weg über SalonN nehmen, um nach Palästina zu fahren, müssen zur KountuiS uchnron, daß sie cnff keine movalifche und nraterielle Stütze unsererseits werden rechnen können, solange sie nicht mit einem britischen Visum für Palästina und einer Dhendach Alisah eines verauttvorMchen und durch die Zionistische Orgaulßlsatiou an«rkalnuteu Palästinaamtes versähen sind. Besmrders gilt dies für die aus Polen kanrnrenden Chaluzim. Me, die diese JrvstrMion nicht cvjÄllcn und ohne diese Dokumente hier oukammep müssen «ihrem Schicksal überlasten werden. Palästinaa-mt in Salonik-i. Selbstmord eine« Mittelschlller«. Der Schüler der 4. Klasse der Bundcsrealschule in der« Ärottcnbachstraße, Erich Skalier, am 28. Juli 1910 geboren, hat sich Sonntag um 6 Uhr nachmittags in der Fürfanggasse nnt einem Armeercvolver durch Kopfschuß getötet. Nach Angabe der Eltern war er in der letzten Zeit nervös und zerfahren. Im laufenden Schuljahr hat er einen nicht besonders günstigen Lernerfolg ei^ielt. Es ist nicht ausgeschlossen^ daß ein verborgen gehaltener Liebeskummer für fa* Selbstmord ausschlaggebend war. Revoiverattentat auf der Wird«». Der Mann mit den blutigen Hände«. Gestern nachmittags hat sich auf der Wieden eure Bluttat abgespielt. In der Johann-Strauß-Gasse wurde ein Mann, den Passanten verfolgten, aufgehalten. Seine beiden Hände waren b l u t b e s l e ck t. ES wurde festgestellt, daß der Angehaltene der 28jährige Hutmachergehilfe Theodor Kasparek ist. Er hatte kurz vorher die 47jährige Prostituierte Amalie Langendorfer in ihrer Wohnung durch Revolverschüste verletzt. Kasparek war in die Wohnung gekommen, um von einer Freundin der Langendorser, der Prostituierten Anna Krätzl, die sich dort auszuhalten pflegte — er stand seit Jahren zu ihr in Beziehungen —; Abschied zu nehmen, da er m die Fremdenlegion wollte. Die Langendorfer war allein zu Hanse. Kasparek begann mit ihr ein Gespräch, das sich auch UM Gerüchtdrehte, welche die Kra tzl über ihn ausgestreut haben soll. Plötzlich geriet er in Wut, zog, ohne ein weiteres Wort zu sprechen, aus der Tasche seinen sechsschüssigen T):ommelrevolver und feuerte auf die zu Tode Erschrockene zwei Schüsse ab. Mit den Worten: „Ans mich schießt du'? Auf mich?!" sprang die Frau, die getroffen war, auf, eine Blutspur nach sich ziehend, und versuchte,-dem Kasparek die Schußwaffe zu entreißen. Dabei ging ein dritter Schuß los. Schließlich gelang es ihr, die Waffe an sich zu nehmen,' und auf ihre lauten Hilferufe ließ der Mann von ihr ab unb flüchtete auf die Straße, wo er dann festgenommon wurde. Die Langendorfer erklärte bei ihrer Einvernahme in, . Spital, daß ihr Kaspareks Vorhalten rätselhaft sei, da zwischen ihr und ihm nie etwas vorgefalleu ist. Kasparek selbst behauptet, daß. er nicht die Absicht gehabt hat, die Langendorfer zu töten, unb daß er in einem Anfalle von Wut einfach die Waffe gezogen und blindlings geschossen habe. _ Verhaftung eines falschen Aaron« entmann. In Bieli tz wurde vor Eigen Tagen 'der bevüchtlgw Hochstapler Wölf (Wilhelm) Gutmann, der auch wiederholt die Wiener Polizei'behörde beschäftigt «hat, verihastet und dem AreHsgericht in Tefchen o'mgeliefevt. Wölf Gutnmnu ist a>m 3. Sopwmber 1884 zu I a t u hincze bei Neusandez geboren und sein ganzes Loben fft aus Betrug und dnnklen Geschäften Ausammongesetzt. Gutmann, der sich mit Vorliebe Naphthagroßindustriellor nennt, ttxu ursprünglich Schreiber 'beim ifraeMschon Sparverein in Neusandoz. Im Jahre 1903 hat er dort Wege« Betruges eine Woche Arrest gefaßt. Während des KttegaS beßrßie er sich ntit LieferungAschiwindeileien, durch die er zu Geld geliangte, so daß «r sogar eine ZeAang Besitzer einer Billa in der Hintervrühl wurde. Hier trat er <ä& Wi lly Baron Gutma«« v. Gelse auf, geriet aber >bald wieder in Geldvettogenheiien, so daß er die Billa verkaufen rnußte. In dieser Zeit verübt« er auch einige Betrügereien au JiEieven. Unter dem Borgeben, fle heiraten zn wollen, lockt« Gutmann hierauf einer Beaimtin ihre Abfertigung vpn 70 MiMonen Kvonen und noch weitere 37,800.006 Kronen heraus. Auf die gleiche Woife dÄvog «r Ach mm Mite BsWÜn. m M AWltiMW.