Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2215 (21.4.1925)
- Date
- 1925-04-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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OM 1 Wien» Dftnitta- Wiener Moraenzeitung. 21. April 19W Nr. 2816 Bediensteten der Kirche Auf dem Skopusberg. Ler Bortrag Lr. khajes'. iruSgeführt werden komtte. Dieser Verdacht wurde dadurch -bestärkt, daß der Sakristan einige Stunden vor dorn Attentat verschwunden war. Es gelang, ihn auSguforfchen und zu verhaften; er gestand, daß er einen jungen Manu in den Glockenturm der Kirche geführt habe. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß dieser junge Mann mit dom Attentat in Verbindung stand. Ts wurden auch einige andere an dom Attentat beteiligte Personen festgenommen. Unter ihnen soll sich a»rch, wie verlautet, eiu Priester befinden. Die Hausdurchsuchungen und Ber- Haftungen dauern fort. Unter andenm wurden die gesamte Leitung des Bauernbundes und zahlreiche Kommunnisten verhaftet. Einem Teil der-, selbe» konnte die Teilnahme an verschiedenen Derschwövungo» nachgewvessn werden. Die Behörden hoffen, daß es ihnen in kurzer Zeit möglich sein wird, alle Men der Ber- Moörungen aufzudecken. Die Zahl der Todesopfer ist bereits auf 200 Personen gestiqMch Eine gute Idee für Horthy. Paris, 30. April. Dc^ interalliierte MiliiLrlomi tee ist $eute unter dem Vorsitz von Marschall Fach zu. einer Sitzung zusammengetreten, um über das Ansuchen Bulgariens nach Erhöhung des MannschvstSbestvindes der bulgarischen Armee um 10.000 Mann zu beraten. Wie verlautet, dürfte die nrtevalliicrte Militär-' kommifsion eine günstige Erklärung abgebvn, da sich auch die Militärkommisston Ln Sofia in N^timmendem Sinn geäußert hat. Die Botschasterkanferentz, der die endgültige Eutschei-- duug znstcht, wird demnächst zusammentreten. Ob auch diese. Instanz dem Ansuchen Bulgariens zustimmen wird, ist noch zweifelhaft. In den diplomatischen Kreisen befürchtet man, daß sich Ungarin den Vorfall von Sofia zunutze machen werde. sei für den Horthy ein leichtes, sich durch seine Brachialleute ein ähnliches Attentat arrangieren zu lassen, am dann eine Verstärkung der Armee zu erpressen, Soziale Mmvfe in ßngiand? (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 20. April. Der Sekretär der GvubenarbeUcrtzewevkschlft Cook hat in einer Bergarbeiterve rs ammlung erklärt, daß England den^größten sozialen Kämpfen seiner Geschichte entgogensehen würde, wenn sie Regierung versuchen sollte, die Arbeitszeit zu erhöhen. Wenn Baldwindas Kapital und die Ar-, best erngeladen hat, Frieden zu schließen, so habe er gewissevmaßen den Wolf cingeladen, sich an die. Seite des Lammes zu stellen. Er habe nur .vergessen zu sagen, welches Schicksal in diesem.Falle das Lamm erwarte. In England werden noch in diesem Jahre große Anstrengungen gemacht werden, um das gegenwärtige Produktionss y st e m abzuändevn, __ Sie italienischen Finanzen. Rom, 19. April. (Stejani.) Finanzminister de Stefani hat den Generaldivoktor St ring her von der Banea d'Jtalra, den GEraMrektor Miraglia von der Banea di Napoli, den Generaldirektor Mor «mino von der Banea dr Siorlia sowie den Generaldiveiktor Pace des Schatzamtes in 'das Finanzministerium zu einer Konferenz eingeladen, in der die Lage des itälicwischeu Kredits und Währungswesens sowie die Mionen des Staatsschatzes und der Emissionsinstitute einer Prüftmg unterzogen wurden. Die Prüfung ergab die Solidität der wirtschaftlichen Situation des Landes sowohl ay und für sich als auch im Zusammenhang mit dem internationalen Verkehr, und mit der Weltlage. Hinsichtlich der Tätigkeit der Gmiffionsinskitnte und des Staatsschatzes wurde die Uebereinstimünmg der Standpunkte aller Anwesenden bezüglich einer bürgen Stellungnahme sestgestellt, die den Wünschen des Parlaments und dm Erklärungen der Regierung, wonach die Notwendigkeiten -der allgemeinen Wirtschaft mit der V e rbesserung des Notenumlaufes bestmöglich in Einklang gebracht werde» sollen, in geeigneter Weise zu entsprechen chatte. _ Sie franzSstsche Kammer. Paris, 19. April. Nach dem „Journal" beabsichtigt die Regierung, nach Erledigung der vorliegenden Interpellationen ei» weiteres Budgetproviforium für die Monate Mai und Juni im Parlament zu beantragen. Die. Kammer dürfte sich selbst bis zum 26. Mai oder bis zum 1, Juni vertage». Ser Prozeß gegen Gustav Lederer. Budapest, 20, April. (Tel.-Komp.) ,/A Reggel" zufolge dürfte die HauPtvevhaMung im Mordpvozetz gegen de» Oberleutnant Gustav L e d e rer scharr für die erste Woche des Mai anbevaumt ivevdsn. Die Militärantvaltschaft erhebt gegen Gustav Lederer die Anklage auf Raubmord wegen dorsäGicher Tötung des. Älchermeisters Franz Ko delka. Gegen den Mörder wird, das Todesurteil »ach vorangehender. Degradierung und Entlassung aus dem Verband der Honved. beantragt. 45 Zeugen find zur HcmPwevhaMung vorgeladen. Lkderev ist m der Gefängnfthaft vollkommen S»<B««-NSShrsSSN. Im Großen Konzerthausfaal hielt gestern abends der Präsident des Zionistischen Aktionskomitees Obcrrabbiner Dr» Chajes den Vortrag über feine Anteilnahme an den Unive rsitätsfti erlichketten in Jerusalem. Die Verfainmlung ivar überMt. Schön gegen 7 Uhr abends hatte der Zustrom de'S PMivums begonnen. MS der Präsident des Zionistischen LandeskomitceS für -Oesterreich, Herr Dr. Jakob Ehrlich, den Abend für eröffnet erklärte, waren Parkett und Logen so dicht besetzt, wie man dies selten m Wien sehen kann. Die Zuhörer folgten m «lautloser Spannung den Ausführungen Dr. Chcvfts', der seine Eindrücke bsi der großen Feier des jüdischen Volkes in schmuckloser, von innerer Bewegung zitternder Rede -darlegte. Erst nach Schluß feiner Ausführungen machte sich die Spannung in minutenlangem Beifall Luft. Der Präsident des Zionistischen Landeskomitees, Herr Dr. Jakob Ehrlich, begrüßte zunächst Dr. Chajes und darÄet ihm unter stürmischem Beifall für seine aufopfernde und so überaus wertvolle zionistische Arbeit. In zweistündig ger überaus fesselnder Rede schilderte dann Oberrabbiuer Dr. Chajes die Eindrücke seiner jüngsten Palästinarcise. Wir werden die Ausführungen morgen im Wortlaute veröffentlichen. Dr. Chases betonte, er spreche mit Absicht unvorbereitet, nichts Möge aus ihm sprechen als die Erirrnerung. Das größte Wunder an dem neuen Jischub in Erez Israel ist dies, daß es im Lande selbst nicht als Wunder aufgefaßt wird, sondern als ct-lvas ganz Natürliches. Das erste Erlebnis hatte man bereits auf dem Schiffe. Hundertzwanzig jugendlich^ Pioniere reisten mit, darunter vierzig Blau-Weiße aus Deutschland. Die Mitreisenden, Nichtjuden und Juden, staunten diese jungen Menschen an, die sich durch die Unbilden der stürmischen Reise aus ihrer fwhon Stimmung nicht bringen ließen und hebräische Lieder fangen. Dabei wußten diese jungen Leute, daß sie nicht in ein Land kommen, in welchem Milch und Honig fließt, sondern daß sie schwerste und entbehrungsreichste Arbeit zu leisten haben wenden. Chajes schilderte dann den Eindruck, welchen er in Kairo vor der Mumie des zweiten Ramses hatte- Wenn dieses markante Antlitz wieder hätte lebendig werden können und die an seinem Grabsärge defilierende neue jüdische Jugend hätte anblicken können, so wäre er tvohl nach dreitausend Jahren seit der Erbauung von Pithom und Ramses durch jüdische Knechte zur Ue'berzoügung gelangt, daß sich dieses' Dost nicht verßklaveu lasse. Der Weg nach Crez Israel führt auch an El-Arisch vorbei, eine ungeheure Sandfläche, die sich wie eine Schncelaudschaift ausnimmt, iiberragt vyn einer Paftnenwaldung. Es ist das Gebiet, welches die englische Regierung seinerzeit Theodor H e r z l als Kokmisationsland für die' Juden angeboten hat. Nun sind wir so glücklich, statt dieses „Nachtasyls", die jüdische Scholle biogen zu haben. Auf der Fahrt nach Jerusalem sicht man die Kolonie Kirjath-Anawim. Es liegen zwei Hügel nebeneinander, der eine ist neu in «Kultur gezogen,'er ist . - von Jude« .bewohnt. Der zwette..befindet sich in dem nämlichen Zustande, wie nach der Zerstörung des jüdischen Reiches. Der ist von Arabern besiedelt. In Jerusalem hat sich Dr. Chajes auf feiner diesmaligen Reift zunächst bloß zwei Tage aufgehalten, die von Konferenzen ausgefüllt waren. Dann begab er sich nach der jüdischen Stobt Tel-Aw iw, deren großartige Entwicklung er eingehend schilderte. Als Balfour während seiner AMvefenheit in Erez Israel anläßlich dar Universitätservtffnung Tol-Awiw besuchte, waren von den 35.000 Bewohnern 39.000 auf der Straße, um ihn zu begrüßen. Sehr eingehend -besprach Dr. Chajes die neue Industrie Palästinas. Die Entwicklu^rg des R u t he nb e r g-P r o j ek le s, weiches bereits in diesem Sommer noch mit Hilft des Jordan- Wassers ganz Palästina - elektrifizieren wird, die Rothschild-Mühlen, die K r e m e n e tz 1 y s ch e S i l i k a tfabrik und die von iZwei Wiener jüdischen Industriellen gegründete S p i r i t u s- und Hefefabrik. Sodann Wiederaufleben der Mischen Hilfstittigkett in Amerila. Neiv-Aork, 20. April. (I. T. A.) Die jetzt in Amerika :-weilende Abordnung der jüdischen WelthilfS-onfevenz, i-e- - stehend aus dom Präsidenten Dr. Leo M o tz k i n, dem QbermWner von PeteMurg Dr. Eisen sta d t und dem .preußischen La-ndtagSabgeordtteten Dr. O'Har Cohn, -teilte der' Pariser Exekutive der WelthilfLkonferonz mit; daß nach einer längeren Stagnation nunmehr ein Mederauflebe-n der jüdischen Hiilfstätigkeit in dvn Bereinigten Staaten deutlich zu mevke-n M. Dieser Tage fand in New- Nork eine Konferenz der Föderation ukrainischer Juden in - Anrerika statt, zu der Vertreter aus allen Teilen AiuerikaS erschienen waren. Den Vorsitz fi'chrte Herr Dr. A. Coro lu i k. Es wurde .beschlossen, 'daß die Föderation ihre Hilfstätigteit zugunsten der Juden in der Uiraine gen«einsam mit der WelthilssLonserenz führen solle. Im Nanierr dB. RabblyeOachandeS versprach Herr RMvMi Mavn führte Oberradbiner ChajeS seine Zuhörer durch die jüdischen Kolonien, schilderte das Menschenmaterial, die Arbeit und die , bisherigen Crftly«. Die letzte Kolonie, die er besucht«, war Benc-Derak. Sie ist erst vor neun Monaten vmr Juden aus Polen gegründet worden, die noch di-e polniifch-jüdifche Tracht, den Kafftm und die Stirnlocken, tragen und sich als Pioniere außerordentlich bewährt haben. Wenn man diese polnischen Juden bei der Landarbeit sieht, hat man nicht den Eindruck, daß sie erst vor einigen Monaten ihre Tätigkeit als Krämer und Händler aufgeigeben und die LobonSwcife des Schwerarbeiters begonnen hätten, sonder» als ob sie schon jahrelang im Lande an der Arbeit Nrären. Die Universitatsftier, deren Verlauf Dr. C h a j v 8 mit l eb e n s v o 11 c u I a t* den schilderte, wurde auch nicht durch einen Mißton gestört. Der Vortrag schloß mit folgenden, Worten: Ich sagte Ihnen zu Anfang, daß ich als Wissender nach Palästina gegangen bin. Gestatten Sie mir, daß ich Ihnen das Gestand nis mache, daß ich zu Anfang nicht die volle Wahrheit gesagt habe. Es hat noch manches gegeben, was mich, den Wissenden, sehr überrascht hat, nämlich, daß es noch - so viel Respekt vor dem Judentum in der Welt gibt.. Wir, die wir aus den Ländern kommen, wo man keine Zeitung öffnen kann, ohne etwas gegen die Juden zu lesen, oder nicht auf die Straßen gehen kann, ohne etwas gegen die Juden zu hören, die wir froh sein müssen, wenn man über die Juden nichts Böses spricht, wir kommen nun nach Palästina und die Vertreter der ganzen Welt kommen zu uns und sie haben nichts als Liebenswürdigkeit für uns. Ich habe geglaubt, daß es ein Traum ist. Es gibt plötzlich keinen Antisemitisrnus mehr, keine Menschen, die uns nicht verstehen, keinen Ritualmord, nichts, was an das.Mittelalter erinnert. Nichts von dem wir gemeint haben, es wäre nur gegen uns gerichtet, die wir für die Welt nichts bedeuten. Und alle diese Liebensivürdigkeiten, die ich mit eigenen Ohren gehört habe, von Menschen, denen wir gar nichts bedeuten können. Sie haben von uns in Palästina nichts zu erwarten, keine Konzessionen, Anleihen, Truppen. Und plötzlich hören wir ioie aus dem Münchhausen-Horn Töne, die wir Jahrhunderte lang nicht mehr gehört haben, und wir glauben, es sei ein Traum, das Gewissen der Völker iväre erwacht und oft Vas Unrecht, das sie uns in Jahrtausenden zugefügt haben, wird gut«!. gemacht. Ich erwachte aus diesem Traum, denn heute ist es kein Traum mehr, , es wird morgen Wirklichkeit sein. Wenn uns Palästina und unsere Arbeit, wenn uns die jahrzehntelangen Opfer unserer Besten nichts anderes gebracht hätten, dafür allein hätte es sich gelohnt, die Opfer zu bringen. Es gibt noch ein Gewissen in der Welt, es gibt noch Völker, d»» glauben, . . daß uns die Menschheit braucht, nicht wie Ramses der Zweite für Fronarbeiten, und diesen Glauben habe ich. von Palästina mitgebracht. Niemals habenivir uns vom Optimismus leiten lassen, aber wir wissen, wie man Schwierigkeiten überwindet und daß wir noch viel größere Schwierigkeiten zu. überwinden haben werden,, daß Rückschläge unvermeidlich sein werden, aber wir wissen auch, daß unsere Kraft ausreichen wird, alle Stürme zu überdailern. Dieses Bewußtsein mitgebracht zu haben, ist der höchste Gew im-' meiner Reift. Sine Kundgebung für Herbett Smnnel. Jerusalem, 20. Aprkl. Während «des Feiertagsgottesdftn-stes kam es.in Jevusälem in der Synagoge Churlba. fchel R a b d r Je hu d a Hachassid zu großen K»nd°- gebunge-n für Herkbevt Samuel. Als dieftr aus der Haphtorah den Satz Vvvlais: „M Wo ko jefchew sor" („Auf seinen Stuhl -soll sich kern Fremder schon"), standen alle Anwesenden nttt Oberradbiner Kuk und Chiefrabdi Hertz an der Spitze auf und wiederholten laut diesen «Satz. Qberrabdiwr Kuk wies auch in seiner Predigt auf die große Wichtigkeit hin, Samuel zu «bewegen, als H t g h C om Missio n er in Palästina zu verbleiben. -Beim Frühstück nach bent Gottesdienst dankte .Herbert Sa-nruel für die Kundgebung und stellte in Aus-. sicht, daß er auf ftden -Fall, also eventuell auch nicht als High Commissioner, in Palästina bleiben und für das nationale 'Heini arbeiten werde. g ol i s, das HilfSwerk zu stützen. W Wurden sofort 1500 Dollar telegraphisch überwiesen. Jur Pennshlvaniahotel fand dieser Tage eine Konftrelrz jüdischer Arbeitervertreter statt, die beschloß, in, nächster Zeit eine große .LlrbcitervESkonftrenz zugunsten dev Wiederaufnahme der HilfMtigjkeit für die Juden f« Europa, insbe.sandere in Rußland, ahzuhalte». Ansprachen hielten Herr Leo Motzkin und .Herr Dr. Oskar Cohn. Eine Reihe jüdischer Mbeitevführer. «konstituierte sich zu einem Komitee, welches die Aufgabe häbo» wird, eine Vereinigung der Tätigkeit der großen jüdischer Welt«, Hilfsorganisationen WelchilsSLonftventz, Ort und Öfc hexbeizuführen. Im tHotel Baltinrore fand eine Sitzung des Komitees -de'S ani-e-rikanisch-j'üdischen Kongresses unter dem Vorsitz des Dr. Stephen S. Wise. an der auch Vertreter des Kongresses aus den großen. Zentren teiluahmen, statt. Dft Konferenz 'beschäftigte sich musschließlrch mit dev HAfSavheA Attirtrtt'rtrt'-ho»r hgm «ötlmdendeL ÄjÜde» E» t&HWfthftL