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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-21 · Heft 2215 (21.4.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2215 (21.4.1925)
Date
1925-04-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I Polen: 30 groszy 1 Wien: Zum Abholen in der Expedition, IL Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatf. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durdi die Kolporteure der Firma G o 1 d sch m ied, I, Woilzeüe 11 Mit Postversand für Wien tmd Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon.Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bei P r e 1 *• erhOhongen Vorbehalten Nr. 2215 raeem das mühelose Parketi*Glanzmittel Erhältlich in allen cinfchllftltfen Qefthaften Wiener orgenreitung I Preis 20 al England: Mon. 4 Schilling, 11allen: Monatl. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170 Lei, Bulgarien: Mon. 80 Lewa, Schwei2 und das übrige Ausland monatlich Fies. 5 Redaktion, Administration: Wien, H,Taborstr«! Telephone: 44-0-38,43-3-1# Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Wien. Dienstag. 21. April 1925 Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Fahrgang Die Augenzeugen. ° —y. SB t e tt, 21. April. Die meisten Gaste haben Jerusalem wieder verlassen. Im Lande geht das Leben wieder seinen normalen Gang. Das große Fest der Kultur ist vorbeigerauscht und fiir die Mehrheit der Einwohner steht es wohl nur mehr als eine glänzende Sonne in der Erinnerung. Für alle aber, für die jüdische und die arabische Bevölkerung, für die jüdische und nichtjüdische Welt außerhalb Erez Israels besteht nunmehr die Frage nach den Auswirkungen dieser Tage. Palästina war in den Mittelpunkt des Interesses getreten. Die lärmende Gegenagitation der europäischen Antijuden, die wieder einmal demokratisches Empfinden vorzutäuschen versucht halten, aber auch der ungestörte Verlauf der Feier hatten die allgemeine Aufmerksamkeit erregt. Dre -Spitzen der geistigen Welt waren nach Jerusalem, der Hauptstadt der Menschheit gekommen, Vertreter von Regierungen und von Akademien hatten Grüße und gute Wünsche überbracht. Ihre heimische Oeffentlichkeit mußte die Frage nach dem Wie und Weshalb stellen, und mit ihr wartet auch die jüdische Gesamtheit, die sich im Herzen um das Land ihrer Seele geschart hatte, auf die nächsten Folgen. Alle Persönlichkeiten, die den Skopusberg, die Hochschule in Haifa, die Städte und die Dörfer gesehen haben, müssen sich und den Ihren jetzt Rede stehen: Was geschieht dort im Land? Entspricht das, was dort geschaffen.und gebaut wird, dem Vertrauen, mit dem das zivilisierte Europa das Werk begleitet? Diese Frage hat vor allen und in erster Linie der Vertreter des Völkerbundes zu beantworten. Professor Rappard, der mit Lord Balfour die Inspektionsreise durch das ganze Land durchgeführt hat, ist Mitglied der permanenten Mandatskommission, die im übertragenen Wirkungskreis die Funktion der Kritik auszuüben hat. Sie wacht über die Ausführung des Mandates, sie-hat die Berichte entgegenzunehmen und für das Plenum des Völkerbundes beschlußreif zu machen. Es ist viel darüber gesprochen worden, daß dieser Kommission eine zwiefache Aufgabe gesetzt ist. Sie hat, wie es heißt, an die Juden und die Araber zu denken. Wir sind der Ansicht, daß dies nur in einem moralischen Sinn richtig ist. Zunächst hat sie über die Art zu befinden, in der die britische Regierung den Auftrag erfüllt, und sie hat zu untersuchen, ob dies den Forderungen des jüdischen Volkes bei der Aufrichtung der nationalen Heimstätte im vollen Umfange entspricht. Sie hat also auch die Forderungen, die von dieser Seite gestellt werden, zu würdigen und zu prüfen.- Selbstverständlich wollen wir keinen Einspruch dagegen erheben, wenn der zweite Teil des Mandatsvertrages, der von den Rechten der zweiten Nation und von den heiligen Stätten spricht, in Diskussion kommt. , Wir haben kein Urteil und keine Expertise zu scheuen. Die tausende Fremder, die sich von den Verhältnissen mit ihren eigenen Augen überzeugen konnten, werden dies jetzt zu bestätigen haben. Sie konnten durch die offenen Fenster in das Haus blicken, und traten sogar ein. Sie haben ihre Urteile untereinander austauschen und ergänzen können. Wir haben gewußt, daß wir Europa zu Gaste laden und daß wir uns einer scharfen, kritisch prüfenden Untersuchung aussetzen. Wir achten das Urteil, - aber wir haben keinen Grund, es zu fürchten. Nicht nur Balfour, der große und warmherzige Freund, der sein ureigenstes politisches Werk zu sehen kam — auch die fremden Professoren und Konsuln äußerten sich in enthusiastischer Weise. Sie standen vielleicht unter dem überstarken Eindruck des einzigartigen Festes, die jüdische Gastlichkeit nahm sie in uberquellender Freude auf, und so mag ihr Urteil um einige Grade zu heiß ausgefallen sein. Aber es bleibt, wenn man diese, Momente subtrahiert, noch immer viel des Günstigen übrig. Sie haben gesehen, daß das Volk ernst und in straffem Willen, in amerikanischem Tempo an der Arbeit ist. Sie haben gesehen und von den Arabern gehört, daß das jüdische Volk kein Recht der Landesgenossen, der Blutsbrüder kränkt, daß das jüdische Volk die den. anderen Religionen heiligen Orte respektiert. Das alles haben sie wahrgenonunen und vielleicht noch mehr: daß die wirtschaftliche Kraft des Landes wächst, Bor dem Bürgerkrieg in Bulgarien. Banden überschreiten die Grenzen. — Trnvvenaufmarsch. — Bauer«. ausstünde. Belgrad, 20. April. (Tel.-Komp.) Der Austnarsch der bulgarischen Emigrantcnbanden auf jugoslawischem Gebiet gegen die bulgarische Grenze nimmt seinen Fortgang. Die bulgarische Regierung hat unter dem Eindruck dieser Drohung Truppende r s ch i e b u tt g e n an die serbische Grenze, insbesondere gegen Zaribrod, vornehmemlassen. Die bulgarischen Truppen find in voller Kriegsausrüstung. Das Zentrum der bulgarischen Truppenzusammenziehungen befindet sich bei Bosiligrad. Die bei Zaribrod konzentrierten bulgarischen Emigrantenbanden stehen unter dem Kommando des gewesenen Stambuliiski-Ministers Alexander Obow. Ein anderer namhafter Emigrantensiihrer, Kosta Todorow, befindet sich in feinem Stab. Militärischer Terror. B e l g r a d, 20. April. Me die Blätter ans der Grenzstadt Zaribrod melden, überschreiten in der Umgebung dieser Stadt täglich zahlreiche bulgarische Bauern und Kommunisten die jugoslawische Grenze. Diese Flüchtlinge erzählen haarsträubende Dinge über das Wüten der militärischen Reaktion im Bulgarien. Aber auch . neutrale Reifende, t die aus Bulgarien ankommen, sagen aus, daß in Sofia bereits mehr als 40 0 Hinrichtungen vorgenommen worden sind. Diesen Erzählungen zufolge hört man in Sofia aus den Kasernen, in denen die militärischen Standgerichte arbeiten, den ganzen Tag das Gewehrgeknatter der Exekutionsabteilungen, die die Politischen Häftlinge erschießen. Die Zahl her allein in Sofia verhafteten Gegner der Regierung Zankow beläuft sich bereits auf mehrere Tausend. Die Regierung hat mehrere Dörfer in der Umgebung Sofias vollständig von Tr uppenz eruieren lassen. Kanonen und Maschinengewehrs sind auf diese Dörfer gerichtet, aus denen keine lebende Seele entkommen kann. Sogenannte „Untersuchu,ngskommandos" durchstreifen die Dörfer und fangen dort die Führer der Bauernbewegung zusammen. Ban dem Dorfe Branja soll es, Gerüchten zufolge, den Bauern gelungen sein, den Truppenkordon zu durchbrechen und das Militär zum Rückzug zu zwingen. Die aufständischen Bauern rücken gegen Sofia vor. Znntows Stellung bedroht. Belgrad, 20. April. Nach Aussagen der hiereiugc- 1 raffe ne politischen Flüchtlinge >ist die Situation, des Kabinetts Zankow trotz der vonihr ergriffenen drakonischen Maßnahmen, sehr tri t i f ch. Der Führer der Demokraten, Mallin ow, hat ans direkten Wunsch des' Königs Verhandlungen mit de-m Bauevubu-nd eingeleitet, um die Bauernzum Eintritt -m eine Koal-itionsregiemng zu bewegen. Die Bauern 'haben jedoch jedes Zusammenwirken mit den 'bürgerlichen Parteien m>it der Begründung aögelehnt, daß sie in einigen Tagen ohne hini die gesamte ^Regierungsmach t a u s i ch re>ißen. werden. daß es in nicht allzu ferner Zukunft wie ein Energiezentrmu tausend Impulse hinaussenden wird in die geistig starr gewordene Welt des Orients und daß es das Leven des - jüdischen Volkes in seinen heutigen Wohnstätten neu bestrahlen wird. Die fremden Gäste werdet: dies daheim berichten und sie werden, wenn sie aufrichtig sind, ihren Regierungen empfehlen müssen, dem werdenden Gemeinwesen des jüdischen Volkes mit Sympathie zur Seite zu treten und das Verhältnis des Judentums zu den Völkern, bei denen es wohnt, unter völlig neuen Ge- Jn den Dörfern macht sich unter den Bauern ein* fanatische Agitation -im Sinne eines agrarkommunistischen Aufstandes geltend. Die agrarlommunistiischen Agitatoren sprengen die Fabel ans, daß Stamibnllliskl nicht tot sei, sondern sich bloß versteckt halte und sich im entscheidenden Augenblick an die Spitze der Banernbewegung stellen werde. Die bulgarischen Flüchtlinge cqMlen 'weiter, daß Zankow nicht einmal -mehr auf die unbedingte Unterstützung des Bürgertums rechnen könne, weil die gemäßigten Elemente des ewigen Bürgerkrieges müde sind unb die, Regierung solchen Männern anvevtraMN möchten, die geeignet wären,, die drohende Bauernrevofit«- tion friedlich zum Stillstand zu bringen. Vorläufig herrscht jedoch in Sofia die rücksichtsloseste Militärdiktatur. Die eigentliche Macht liegt -nicht mehr in den Händen ded M-misterpräsidenten Zankow, sondern in den Handel;des Stadtkommandanten, Generals' Lazarow. 20 Kilogramm Melinl ' Sofia, 20. April. (Tek.-KomP.) Gestern Ivurdc m.. den Anfräutnungsarbelten -in den Ruinen der Kathedrast begonnen. Dabei wurden zwei fast gänzlich zerx stückelte Leichen vovgefnnden. ' Der bei der Explosion schwer verwundete GenerckUk Sitf chedu ist heute seinen Verletzungen erlegen. Heute wurde das. Mitglied - des Zentralansschnfses der bulgarischen kommunistischen Partes Marko Friedmaun, verhaftet. Wie die Untersuchung -nunmehr festgestellt hat, bestand die Sprengladung -der in der Kuppel der Kathedrale angebrachten Bomlbe aus Perd-it oder Melinit. Es sind -zirka 20 Kilogramm dieses Sprengmittels zur Bertv-endung gelangt. Die Bombe wurde Mittelst elektrischer Zündung zur Explosion gebracht. Der Leiter der Bombenverschwörung eruiert und erschossen. Sofia, 20. April. Der Polizei ist es gelungen, das Versteck des Hauptverschwörers Minkow, der die Höllenmaschine in der Kathedrale niedergelegt hatte, ausfindig zu machen. Minkow, der bei fein-er Verhaftung Widerstand leistete, wurde durch einen Schutz getötet. M i 'N I o w, -der ehemals als Offizier der Gen-ietruppö angehört. hatte, 'war die Seele der Verschwörung. Als Eh-* der Abteilung für die Vorbereitung von Attentaten des geheimen kommunistischen Komitees hatte M i n k o -w die Instruktionen betreffend die Handhabung von Explosivstoffen verfaßt, die heimlich an die Terroristen verteilt worden waren und jüngst von der Polizei beschlagnahmt wurden. - Außer M i nko w gehörte noch ein Hanptmann Jank o w dem geheimen Mi'litärko.miteo an. Die Höllenmaschine, die mit Melinit gefüllt war, wurde mittelst einer Zündschnur zur Explosion gebracht. Sofort nach dem Attentat war uran der Ueberq zeugung, daß dieses nicht ohne Mithilfe von sichtspunkten zu betrachten. Vielleicht wird es möglich sein, dem vielen Haß, der uns umznngelt, ein wenig Terrain abzugraben. Wir hoffen allerdings nicht darauf, weil wir ja wissen, daß diese Stimmung aus Lügen erzeugt ist und dunkeln Politischen Zwecken dient. Aber wir hoffen, daß der Völkerbund nun, mehr als im Dezember des Vorjahres, einen ausführlichen Bericht über die jüdische Arbeit erhalten wird, die in ihrer Gänze eine Widerlegung der Lügenpropaganda ist, die von den Gegnern aller Kultur und allen Friedens betrieben wird. Frühjahrs-Neuheiten SMMB Mi Schiffmann II. Taborstraße 48 Teleuhon 47»l«7ß 8n gros 6* detail

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