Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2214 (20.4.1925)
- Date
- 1925-04-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Skr. 9214 Mett, Mon^«g gffeitfg MoearUzeltE. M «pr« KW «MS «Smbls droht schon wieder. Budapest, 19. April. Die hauptstädtischen Kommuncklwahlen wurden, wie schon «ngekündigt, für den 14. und 16. Mai anbevcmmt. Abg. Gömbös richtete tn dieser ÄnHelegenheit ein offenes Schreiben an den Ministerpräsidenten, worin er anführt, daß ans der Liste des demokratischen Mocks von 120 Kandidaten 102 Juden sind, und 'daran ein« scharfe Kritik knüpft. Gömbös fordert dann die Auflösung der ko.mmutt a len Bürgerpartei, an deren Spitze sich 'bekanntlich der Regierungskommisiär für die Hauptstadt befindet, für den auch Ministerpräsident Graf Bethlen eingetreten ist. Dazu wird mitgeteilt, daß der demokratische Klub feine KandidatenKste noch gar nicht aufgestellt hat. Berhaftmmrn von gonrnMrn in Konftantinopel. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung*.) Konftantinopel, 19. April. Der Chefredakteur deS ,/Lanin" Heffein Djahid Bei ist verhaftet worden, weil er Zeitungsartikels veröffentlichte, die angelblich die öffentliche Ruhe und Ordnung gefährdet haben. Er wurde unter starkem Geleit nach Angora überführt. Außer ihm sind noch drei andere Redakteure verhaftet worden. Ae Hanptftadt der Burgenlander. In -Matterburg (ehemalls Mattersdovf) fand gostern auf dem Marktplatz eine Massenversammlung statt, in welcher beschlossen 'wurde, die Erhebung Matterburgs $um Regierungssitz des Burgenlandes zu verlangen. Gerichtssaal. Ser Prozeß gegen die Ankerbrotsabrik. Heute Beginn. Wie angekilttdigt, begann heute vormittags vor dem Schöffenssnal unter dem Vorsitze des HosrateS Dr. Scho erweis die DerihaiMuug in dom Preistreibereipro-; e s s e gegen Funktionäre der Aukerbroffabvkk. Die Anklageschrift bringt zunächst 'die Vorgeschichte der Brotpreisfestsetzung. Seil dem Jahre IW hatten wir die sogononmen Richtpreise. Sie erlangten ihren ainltlichon CharMer, wenn die amtliche Preisprü'fuuig gegen den Vorschlag leiteirder Persönlichkeiten der Wiener Brot-' erzenHnnig keme Einwendung erhob. Das Bundeskanzleramt hat am 4. August b. I. die kollektive Festsetzung der B-rotpreise verboten, als neuerliche Erhöhungen vorgenommen worden waren. Ms die Ankevbrotwerke am 20. August die Erhöhungen aus 6000 K. pro Laib anikündigten, hat die Wirtschatfspolizvi eine genaue Kalkulation gefordert. Unter Zugrundelegung der Erzeugung für die Zeit von 10. bis 17. August 1984 hÄtzen die Ankerbrotwerke estl« VorLaMulatvom eingeb rächt. Darauish'u hat die WirtischastSpol'izei eine Besichtigung des Betriebes veranlaßt, wobei sich, wie die Anklage behauptet, ergab, daß der Preis für «men Laib Brot nm mindestens 271 K. zu hoch angeffetzt war. Rur durch die persönliche Einwirkung eines RegierungSmitgliedes auf Gen-evaldirektor Fried sei es damals gelungen, eme Herabsetzung um 100 K., also auf 7900 K. pro Laib zu. erwirken. Am 16. Septonlber 1904 hat die Wirtschaft spolMi die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet, worauf gegen Präsidenten Men dl und Gkneraldlräktor Fried .di« Boruntersuchun>g wegen Verbrechens 'der Preistreiberei einigeleitet wurde. Seither wurden in der AnkerbrotfabrA «och zlvoimal Erhöhungen vovgenommen, zuerst aus 8800 K. und dann auf 8700 K. Die Anklage stützt sich auf das Gutachten der Sachverständigen, die zu dem Schluffe kamen, daß pro Laib Brot neben dem kaufmännisch znzMlligenden Reingewinn von 231 Kronen ein weiterer nicht gerechtfertigt, also übermäßiger Gewinn von 1266 Kronen gesordert lvorden sei. Der Generaldirektor konnte dieses Gutachten, wie die Anklage erklärt, nicht widerlegen. Daraus kam es zu der seinerzeit ganz überraschend wirkenden Verhängung der Untersuchungshaft über den Beschuldigten Fried. Ms Gründe wurden Wucht-, Verabredungs- und Wiederholuugsgesahr angegeben. Nach 1L Tagen wurde Fried wieder aus der Haft entlassen. Handelskannnerrat Friedrich Mendl, bästreitot die konkrete Mitwirkung bei der Preisfestsetzung im Betrieb der Ankerbrotsabrik. Rur eine Preiserhöhung, die auf 8000 K. (am 20. August 1924). habe auch er bewilligt, doch habe er auch damals nur einen Rat gegeben, die Sache durch Professor L. (die Änklageschviif: nennt den Namen nicht) noch einmal durchkatkuiierrl! wissen Ti>' Anklag-'schrt^ niern't. das? die Kalkulation durch Professor T. nur eine Scheinprüfnng gewesen sei. Der Pvofeisor habe vielmehr» direkt den Auftrag erhallen, ein Gutachter! herzustellen, das in der Berechtigung der Kalkulation des Unternehmens ausklingen solle. Artur Fried und, soweit er ein-e gewisse BerantwoMichkeit zugi'bt, Fritz Menol, bestreiten, die Unangenr es s enheit der Preise für den in Frage kommenden Zeitraum, indem sie sich darauf berufen, daß die von der Fabrik verlangten Preise nach kaufmännischen Grundsätzen errechnet wurden. Hingegen behauptet die Anklage, die ungeheuren Gewinne ließen sich nur mit der Unangemessenheit der Preise erklären. Die gerichtlichen Sachverständigen haben auch für die erste Berrielbsperiooe der Aktienge-selllschaft (1. Mai 1928 bis 91. Dezember 1929) einen Reingewinn von mindestens 78 Milliarden Kronen' evmittelt. Bei einem ErzsugniSquantum von drei Millionen Laib Brot im Monat und einem Uebergewmn von mindestes 1000 K. pro Laib würde sich für einen. Monat ein Betrag von drei Millavden und für den von der Anklage erfaßten Zeitraum von 3 0 M i l l i a r d e n a n U o L e r,g e w i n n ergeben. Die Anklage schließt: Durch die BevfchluMn der Beschuldigten sind daher die öffentlichen Interessen besonders schwer geschädigt worden. Absatz 8 ß 8 des Preistreitzerelgesetzes vom 9. März 1921.) Die Verhandlung findet im großen Schwurgerichtssaäl statt. Die Anklage wird durch Mrat Dr. Winterst o i n vertreten, Verteidiger sind Dr. Edmund Benedikt und Dr. Mrovlag. Mitteilungen aus Vem Publikum. wiodorsn habenl B n r e a u: Orlo.franz.Zloaretfßflpapier JUD Wien,Qin.Skodayasse 19/2 Df e Juden tragöd IW gelangt NUR heute Montag den 20, April 1925 lm Latiner» Kino, XIV. Marlahllferstr. 196 rttk Aufführung «a «ahlfieg der Senate^vpofittoa. Paris, 19. April. (Wolfs.) iFm DePurtMM M a y e tt n e fand heiwte die Ersatzwahl für de« der «Pwblikanischen Linken angehörende« verstorbenen. Alters- Präsidenten des Senats, Denis, statt. Das Mandat ist in den Händen der Opposition geblieben. Es wurde der Kandidat der national-rspublikan ischen Liga mit 385 Stimmen gewählt. Der Kandidat der Wniken erhielt 366 Stimme«. Oesterreich schlägt Frankreich 4:0 (3:0). Mibltlonrmatch Sesterreichs. —!lor Oesterreich Aigner (Simmering) Rainer Blum (Vienna) (Vienna) Kur» Resch Nietsch (Simmering) (Wacker) (Rapid) Cutti Gschweidl F.Swatosch Wieler Fischer (Amateure) (Vienna) (Köln) (Amateure) (Vienna) o Sentnberg Groß Nicolas Lieb Liminiana (Club FrancaiS) (Straßburg) iRed Star) (Btschwilla) (BelAbböeS) Bonnardel HugueS Dauphin (Red Star) (F. C. Lyon) (Stade Star) Canthelon Lienert (Olympique) (C. A. S. G.) Cattenet (Olympique) Frankreich Vor 25.000 Zuschauern konnte die österreichische Auswahlmannschaft gestern in P a ri s über Frankreichs Nationalelf einen eindrucksvollen Sieg erringen, wobei die gezeigte Ueberlegenheit noch größer war als das Resultat andeutet. Die Franzosen, die eine anerkennenswert faire Spielweise an den Tag legten, sind zwar körperlich gut ausgebildete und ziemlich rasche Spieler. Ihre technischen Fähigkeiten sind auch ziemlich entwickelt. Taktisch jedoch und in bezug auff raffinierte Spielkultur konnten sie sich den Oesierreichern niemals gewachsen zeigen. Ihre Angriffe waren nie so recht gefährlich. Die Oesterreicher hatten namentlich im Angriffsteil eine ausgeglichene und technisch überragende Kampfeinheit, in der nur Wieser infolge Indisposition eln wenig abfiel. Der vom Berbandskapitän Hugo Meisl gewählte Mittelstürmer Swatosch zeigte sich von der besten Seite. Er wurde allen Anforderungen eines Angriffsdirigenten gerecht und zeigte seine alte Schießkunst. Fischer, der auf dem linken Flügel tätig war, brachte zahlreiche Angriffe ins Rollen. Gschweidl und Cutti boten Meisterstücke technischer Fußballkunst. Die Deckung entsprach allen Erwartungen. Gegen Schluß siel sie etwas ab. Me Verteidiger erledigten ihr Pensum in gewohnt sicherer Manier. Aigner zeigte sich vollkommen teamreif und hielt auch einen Elfer. Bei den Franzosen gefiel am besten der Mittelstürmer NikolaS Gern Nachbar, der Elsässer Groß, siel durch Schnelligkeit und Energie aus. Auch der linke Läufer B o n n a r d e l zog sich gut aus der Affäre. Die übrige Hintermannschaft spielte unsicher, nur der Tormann Cottenet hielt, was möglich war. Der italienische Schiedsrichter Scamoni konnte dem objektiven Publikum keineswegs gefallen. Besonders in der Beurteilung der Off-stde-RegÄn erwies er sich als unsicher. Das Match war ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges. Die Leistung der Oesterreicher wurde allgemein anerkannt. Schon in der 11. Minute fiel das erste Goal. Swatosch hatte den Ball schußgerecht zugespiett bekommen und jagte ihn unhaltbar ins Netz. Oesterreich führte 1:0. Das Publikum demonstrierte gegen den Schiedsrichter, da es der Ansicht war, der Treffer sei aus Offsttze-Poisition erzielst worden. Nach diesem Erfolg der Gegner waren die Franzosen sehr eingeschüchtert und konnten sich zu keiner planmäßigen Aktion zusammenfinden, so daß ein weiterer Treffer der Oefterrekcher unmittelbar bevorstand. 'das zweite Goal fiel in der 33. Minute durch Wiüfer, der aus klarer Off-frde- Position gestartet war. Auch diesmal tobte das Publikum gegen den Schiedsrichter, allerdings mit mehr Recht als 10 Minuten vorher. Kaum war der Ball von der Mittelauflage weggestoßen, als die Gäste wieder von ihm Besitz ergriffen. Wieder mußten die Franzosen zusehen. wie die Oesterreicher fußballspielten. Allerdings waren die Aktionen der Gäste diesmal weniger aufs Goalschießen eingestellt, sondern hauptsächlich darum, guten Fußball zu demonstrieren. Das -ritte Gaal war ein Meisterstück von Swatosch, der nach kurzem Dribbling das Leder mit überlegener Ruhe und mit großer Sicherheit unhaltbar ins Netz jagte. Mit diesem Trefferstand gab sich Oesterreich vorläufig zufrieden und ließ auch die heimische Mannschaft zu Wort kommen. Die französischen Stürmer, besondors Nicolas, kamen emigemale WM Schuß, konnten aber nichts ausrichten. Auch wem die chlktzen: Svatosch (2), Wirser. Cutti. Franzosen im Angriff waren, konnte man doch nie den Eindruck gewinnen, daß einander gleichwertige Gegner gegenüberständon, sondern das DechAdnis der Franzosen zu ihren Gästen war immer wie das von Schülern zu ihren Lehrern. Mit 3:0 ging S in die Pause. Nach der Pause waren die Oesterreicher bestrebt, schönen Fußball vorzufirhren. Der Ball wanderte mit mathenratischer Genauigkeit von Mann zu Mann, so daß die Gegner in den meisten Fällen nur das Nachsehen hatten. Doch die Franzosen kamen auf und zeigten etwas wie eine starke Viertelstunde. In diesem Zeitraum bekamen die österreichischen Verteidiger und bekam auch Aigner ziemlich viel Arbeit. Die Hintermannschaft erwies sich aber allen Aufgaben als gewachsen und konnte jede Gefahr sicher abwehren. Die Aufgabe war allerdings nicht sehr schwer, da die Schüsse dev Franzosen meist von ziemlicher Distanz kamen und ohne viel Schwierigkeiten abgewehrt werden konnten. In der 37. Minute wären die Franzosen auf billige Art beinahe z« einem Ehrentreffer gekommerr. Blum beging mehr aus Unachtsamkeit als in Bedrängnis ein Hands im Strafraume, das der Schiedsrichter durch einen Elfer ahndete. Der französische Mittelstünner Nicolas übernahm es, die Verwertung dieser Riesenchancc zu versuchen. Die Aufregung war aber doch zu groß und er schoß den Ball dem Tormann Aigner direkt in die Hände. Nun wurden die Oesterreicher, die schon vorher mehrere Korner erzielt hatten, ernstlich offensiv und die Folge davon war, daß schon eine Minute später Cutti durchging und mit unhaltbaren» Schuß da§ vierte Goal erzielte. Damit war aber anscheinend dle Goalwnt der Oestereicher erschöpft und die restliche Spielzeit war nur mehr ein harmloses Geplänkel. Sportplatz Hohe Warte! Sonntag den 26. April 1925 N halb 3 Uhr: Meisterschaft Hakoah-Admira halb 5 Uhr: 8187 Slavia ..„—Amateure Karlen Vorverkauf: Wr. Amateur-Sportverein, I., Lillent. 1, Mezzanin; Stadion, II., Franzensbrückenstr. 24: Hakoah, II., Schlffamtsg. 15; Pohl, VI., Mariahllferstraase 5; Baitaxe, VII., Mariahilferstr. 128; Vienna. IX,, Hotel Union; Admira, XXI., Anton-Bosck-Qasse 9; Frisch, XXI.. Am Spitz 9. Wiener Mannschaften in Budapest. Hakoah—F. X. C. OsO. Die Blau-Weißen übermüdet. — Phänomenale Leistung Fabians. (Von unserem Spezialberichterstatter.) Der Hakoah wurde diesmal in Budapest nur ein halber Erfolg zuteil, was einerseits wohl auf die Uebermüdnng durch die Polenreise, andererseits aus die ganz unmöglichen Ptatzverhältnisse zurückzuführen ist. Der F. T. C.-Platz, dessen prächtige Anlage am Kontinent wohl seinesgleichen sucht, besitzt ein Spielfeld, welches mit einer Sand wüste zu vergleichen ist. Für jede auswärtige Mannschaft von Haus aus ein schweres Hindernis. Die Blau-Weißen konten ihre Form, die sie gegen Slavia und zum Teil auch in Polen gezeigt haben, nicht erreichen. Speziell der Sturm spielte ganz unzulänglich und saß dem One-Back-System, welches die F. T. C.-Berteidiger forcierten, immer wieder auf. In der Halvesreihe konnten nur Gurt mann und Pollak, welcher übrigens auch in der zweiten Hälfte als Verteidiger sehr gute Arbeit verrichtete, voll und ganz beftiedigen, während Fried gänzlich indisponiert war. Einen glänzenden Tag hatte diesmal Scheuer, der vor der Pause dem gegnerischen Sturm fast allein standhielt, da auch G r ü n f e l d n i ch t auf der H ö h e war. Eine Prachtleittung bot diesmal Fahian, welcher nun feine Schwächeperiove übertvunden zu haben scheint. Der F. T. C. setzte alles daran, uni sich für die vont Wiener Sportklub erlittene schwere Niederlage zu rehabilitieren, waS ihm auch zum Teil gelang. Die ganze Mannfchnsi spielte mit kolossaler Ambition, und wenn es emer veroierit, yervorgehoben zu werden, so ist es der Linksaußen Kohut, welcher derzeit der unbestritten beste FlügelstnLN.er