Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-04-19 · Heft 2213 (19.4.1925) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2213 (19.4.1925)
Date
1925-04-19
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981298--22541-3009964
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

«e.M8 Wen, Sömtha Menrr Moraenzeliun«. 19. Wvi-l 1925 SeM- Sie Tragödie im Hanfe Tolstoi. Latlana Tolstoi am VortragSpult. KM anderer als Mexander M o i f f { wäre berufener gewesen, Gräfin Tatjana Tolstoi den Wienern vorzwstellen. Gr tat bte'S als Mensch, dem, wie er selbst sagte, Tolstoi dreifach leHendig ist» in seinen Büchern, auf der Bühne und in den Menschen. Er tat dies als Dienender an einem Werke, dem Tatjana Tolstoi ihr Leben gewidmet Hat, als Dienst an dem Andenken des großen Menschen rmd Dichter-. Gräfin Tatjana Tolstoi ist die älteste Tochter Deo Tolstois. Sie ist Malerin. Der russische Staat hat ihr eine Penston angeboten. Getreu dem Vermächtnis ihres Vaters, der wollte, daß sein Werk der Menschheit gehöre, nur ihr allein und daß nicht seine Familie daraus Einkünfte besiehe, Hat sie diese Pension abae lehnt. Sie lebt als Schöpferin und Hüterin des Tolstoi-Museums -i« Moskau, das Moifli das rührendste und schönste Museum nennt, das er je gesehen Hat, einen Tempel, den Kindesliebe und Derchrmvg dem Andenken -des Vaters errichtet haben, in letzter Derne... Und dann geleitet Moiffi eine vornehme Dame in weißen Haaren mit wundervollen großen, klaren und lebendigen Augen zum Lesepult — Gräfin Tatjana Tol st o i. Dieser Augenblick der Bewegung auf der schmucklosen Bühne entbehrte jeder Theatram, war erlesenste Huldigung rmd Verehrung -der Menschlichkeit. Tatjana Tolstoi beginnt deutsch; dann ins Französische übergehend, nennt sie ihre Mission: die vielbesprochene, dielentstellte Tragödie ihres Elternhauses wahrhaft darzustellen, jene Tragödie des Leidens, m der es keine Schuldigen gab und -die darum eine wahre Tragödie ist — eine schmerzliche Pflicht, die sie m stolzen Bewußtsein ihrer Berufung erfüllt. Das Haus ihrer Eltern -in JaSnaja Poljana -war ein Glashaus, in dom jeder aus und ein gehen konnte, fein einziger Schutz die Diskretion der Gäste. In diesem Hause vollzog sich neben der des Vaters die Tragödie der Mutter, Sophie Tolstoi, von der sie nur zwanzig Jahre trennen, -deren Freundin sie war und deren schmerzhafte Gestalt frei von der Entstellung durch die Ueberl-ieserung sie vor uns aufstehen läßt. Gogols Worte: „il n'y a de pire que la verite" („es gibt nichts Schlimmeres als die Wahrheit") sind die Leitworte für Tatjana Tolstoi. Getreu der Wahrheit erzählt sie die einzelnen Stationen de's Leidensweges ihrer beiden Eltern, eine LiebeSehc, der dreizhn Kinder entstammen, davon elf von der Mutier auf des Vaters Wunsch 'seWst genährt u-nd gepflegt — eine Seltenheit in jenen Zeiten. Sophie Tolstoi, die mit neunzchn iJahren heiratete, bemüht sich, ihrem Gatten auf seinem Woge zu folgen und seiner Auffassung vom Leiben zu entsprechen. Sie anerkennt seine unbedingte Ueberlegenhoit, und was ihr an Verständnis fehlt, ersetzt sie durch Liehe. Als -sich die Wandlung in Tolstois religiöser Auffassung vorbereitete, hielt sic es für eilte Krankheit, die vorübergehen werde. Er aber ruft Philosophie und Wissenschaft zu Hilfe. Das Bestehen -der sozialen undgeistigenUnterschiede ward ihm zum schmerzlichen Erlebnis, schuldig erschienen chm, die ei« untätiges Leben im Reichtum führten, unerträglich das Loben im Herrenhaus, wie er es mit den Seinen geführt hatte. Es beginnt die Vereinsamung der Gatten, die noch hoffon, sich wiedorzusindsn, eS beginnen Tolstois Versuche, sich anS feiner Familie zu lösen, die Kämpfe der Frau um das Glück ihrer Familie und die Kämpfe deö ManneS um das Heil feiner Seele. Sie lieht chn um seiner Leiden willen und er sie um chreö Mitleids. Das dauert mehr als zwanzig Jahve. Tatjana Tolstoi erzählt von einer furchtbaren Nacht deS Kampfes Leider Eltern, die «wicht die einzige war. Die Mutter litt; sie brach zusammen unter dem Tode eines Sohnes, chr. Mann suchte sie von ihrem Leide ah zum Leid der Mitmenschen zu lenken. Es gelang ihm nicht. Das Schicksal geht unaufhaltsam seinen Gang. Sophie Tolstoi geht so weit, die Schüler ihres.Gatten zu verdächtigen, daß sie sie vergiften wollten. Sie beschuldigt ihn wegen seines Testaments, daS er vor ihr goheiw-- hä'lt, und sucht in seinen Papieren. Es füllt schwer, diese verbitterte Frau noch sympathisch zu schon. Bei Tolstoi verdichtet sich der Wunsch, das Haus zu verlaffen, schon um seiner Frau willen, für die or seme Entfernung besser glaubt. Und endlich kommt es so weit. Dies ist der letzte M dev Tragödie. Gr flicht und liegt krank in einem Bahnwavterhaus, im Fieber ruft er die Worte: „Fliehen! Verfolgung!" Die Gestalt seiner Frau verfolgt ihn. Und er stirbt, nachdem sie an sein Totenbett geeilt ist. Seine letzten Worte lauten: „Wamm fragt .ihr so viel nach mir? Es gibt so viel andere Menschen!" Sophie Tolstoi überlebte ihren Gatten um . -neun Jahre. Dann starb sie wie auch er an einer Lungenentzündung. ES ivar eine Tragödie des Kampfes zwischen Geist und Materie. Die Frau, die sich von der Materie nicht lösen konnte, starb an Kummer und Unglück. Leo Tolstoi starb für das göttliche Teil in sich. g. k. I« refraudant als vrSnder. Dis Budapests Polizei verhaftete den Kassier der städtischen Markthallenkasse Ladislaus Kaiser, dev im Laufe des letzten Jahres Unterschlagungen im Betrage von Mitliarden Krons n begangen hat. Kaiser verstand es. den Abgang durch gefälschte Belege zu bemänteln. Er hat mit dom unterschlagenen Gelbe die DeVMvaren-A.'-G. „Perfecta" gegründet, die sich mit Ratengeschäften befaßte. Auch der zweite Direktor der „Perfecta". Eduard Bardos, wurde verhaftet. Kaiser verantwortete sich damit, baft er Aussicht gehabt habe, ein reicher Mann zu werden, worauf er das unterschlagene Geld zurückgezahlt hätte. Radio und Urheberrecht. Aus Paris wird uns berichtet: Die juridische Sektion des ersten internationalen ra die telegraphischen Kongresses befaßte sich mit der Frage des A u t o r e nrechtes der Künstle i, deren Werke ausgesenvet werden. Ta weder die Berner Konvention, noch deren Berliner Ergänzung über den Schutz etwas Bestimmtes für den Fall einer radiotcle-phomschen Aussendung festsetzt, faßte die Sektion eine Entschließung, in der es heißt, daß die radio-elektrische Transmission jedweder Art, ähnlich allen übrigen Reproduktionen von Kunstwerken, dem Autorenrecht unterliegt. Mitteilungen andern Publikum. Der Bund jüdischer Jangwanderer (Oritgr. Wien) g r a t ti 1 i e r t seiner Mödlinger Wanderichwesier JULIE NISWiTZKI zu ihrer Trauung mit Herrn RUDOLF SEIDEN <*en Schmerzen! rheumatischer, gichtischer I und nervöser Art w, | Ein Versuch überzeugt. — Provepackung in allen Möbelfabrik J. Spira Feine WlßD, III. “' ‘ _ 1—2 Wohnungseinrichtungen (Ecke Karl Schweighofergasse Wieder in haben I Orig. Iran. Ziiargiienpaplir JOB Bureau: Wien, Uill. SkodagassB 19/2 nur K 29. Billigste Einkaufsquelle kür Stmmpfwaren und Wäsche JOSEF SINGER, II. Taborstrasse Nr. 2S Oegr. 1910 63» Tel. 45-5-45 Die Judentragödie "112P gelangt NUR morgen Montag den 20. April rm Lehner-Kino, XIV. Marlahilferstr. 196 zur Aufführung Tales-Weberefi Erste Prassburger Versand nach allen Staaten — Auf Wunsch Mustersendungen ABRAHAM SOHWARZ, Bratislava Kapuzinergasse Nr. 2 Kultus- und Justiz-Tulure und Barette erhalten Sie vorrätig oder nach Mass hei der bekannten Spezialfirma RUDOLF GOLDSTEIN, iaiS«"""!!« Grosses Lager feinsr Stoffe für Massbestellungen Tel. 48-6 89 WIEN, II. TABORSTRASSE 54 o«ar. 1806 FAHRSCHEINE für alle in- und ausländischen Bahn- und Schiffsiinieri Qes ter ralt nlsches Verkehrsburesu Wien, L Frtcdridutrawe 1, -->» Telephon 75,0» 3tls i■■»■■■■*■*■*■!■■■■■■*■■■■*■■■■■■■■■■! „KUHSTSP1EIE", i„ Riemersasse H DoimeritAg den 23. April 1925 um halb 6 Uhr abends Fest-Akademie za Ehren des Herrn BERNHARD SCHARRER Mitwirkende: Die Damen: Hilda Duliizkaja, Nelly Fried* länderRei chlin, Miriam SchnöblHoeflich, Elsa u. Vally Stein, Lea WeintroubGraf Die Herren: Oberkantor Israel Alter, Richard Duschinsky, Emmerich Gara* Karl Gim« pel, Oberkantor Gerson Margulies, Konzertmeister Jos. Zimbler und das Ensemble „Gil« dene Pawe“, Leiter; Regisseur Leo Halpern Lyoner Seidenhaus Kartenverkaufs Bttdieritube ftaih t Präger, 11., Tafcoritraue 20 a, und Abendkana 506 ftWRaaWRRHRRRaRRaWaaRiRRlRRlRRR Sie Wohnungsnot in Wien. Mitteilungen des Stadtrates Weber. In einer gestern stattgefundenen Presiekonferenz machte Staotrat Weber über den Stand der Wohnungsfürsorge der Stadt Wien Mitteilung. Nach der Auffassung des Leiters des Wohnungsamtes wird zu Ende des Jahres 1927 nach Fertig stellung der im Wohnbauprogramm der Gemeinde vorgesehenen 25.000 Wohnungen die drückendste Wohnungsnot beseitigt sein. Es ist allerdings möglich, daß sich dieser Termin infolge schlechter Witternngsverhältnisse etwas hinausziehen wird. Als oberste Bedingung zur Linderung der Wohnungsnot be zeichnete Stadtrat Weber die Tatsache, daß das Wohnungsanfordernngsgesetz nicht verschlechtert werde. Am 31. März d. I. waren 22.052 Wohmmgsbedürftige in die Klasse 1 eingereiht. Davon waren 1233 in die Notstand 8 liste eingezeichnet, von denen wieder 420 diese Qualifikation wegen Bansälligkeit der Wohnung erhielten. Schließlich waren am 31. März d. I. noch 17.678 Parteien in die Klasse 2 eingereiht. Von den in dieser Gruppe Eingereihten wird in den yieisten Fällen nur eine Verbesserung ihrer Wohnungen angestrebt. Nach den Erhebun gen des Wohnungsamtes sind die 22.000 mit 1 qualifizierten Wohnungssuchenden größtenteils Untermieter. Sind diese Wohnungssuchenden einmal versorgt, was nach Fertigstellung deS Wohnhausbauprogrammes der Gemeinde der Fall sein wird, dann wird auch für die Untermieter aller Voraussicht nach eine wesentliche Erleichterung eintreten. Bis vor kurzem konnten die Wohnungssuchenden nur mittels der a n g e f 0 r de r t e n Wohnungen befriedigt werden. Im Jahre 1919 wurden 4914 Wohnungen und Wohn räume angefordert; diese Zahl stieg im Jahre 1920 auf 5975 und erreichte in den Jahren 1921 und 1922 mit 9383 und 9692 den höchsten Stand. Im Jahre 1923 sank infolge des neuen Anfordernngsgesetzes die Zahl der angeforderten Wohnungen und Wohnräume auf 6014 und im Jahre 1921 erfolgte ein weiterer Rückgang auf 5068. In den Jahren 1919 bis 1924 wurden vom Wohnungsamte insgesamt 41.048 angeforderte Wohnungen und Wohnräume zngewiesen. Von 1919 bis 1921 wurden durch Verwendung von Baracken und Kasernen zu Wohnzwecken, durch Adaptierungen und Bauten von Siedlungshäusern und Hoch Häusern 1507 Wohnungen erstellt. Im Jahre 1922 konnten dem Wohnungsmarkt 1749, im Jahre 1928 rund 1800 und im Jahre 1924 bereits 2696 neue Wohnungen auf diesem Wege zugeführt werden. Diese 7752 Wohnungen ergeben mit den seit dem Jahre 1919 angeforderten Wohnungen rund 48.743 Zuweisungen. Außerdem wurden durch den vom Wohnungsamt eingerichteten Wohnungstausch im Jahre 1924 bereits 6455 Tauschansuchen bewilligt, womit 10.990 Wohnungssuchende befriedigt werden konnten. Daneben wurden noch 2813 Umschreibungen von Wohnungen vorgenommen. Jetzt stehen wir, führte Stadtrat Weber aus, ln etiv iv neuen Epoche, in der Zeit der N e u b a u t e n. Die bis jetzt fertiggestellten Wonhhausbauten gehören, zu den Bauvorhaben ans den Jahren 1922 und 1923. Die Vollendung dieser Wohnhaüsbauten hat sich durch den harten Winter des Jahres 1923-24 und durch den feuchten Sommer 1924 stark verzögert. Von dem großen Bauprogramm sind bis jetzt erst tausend Wohnungen besiedelt. ES kommen daher noch 24.000 Wohnungen, von denen gegenwärtig rund 11.000 ini Bau sind, zur Zuweisung. Voraussichtlich werden bis zum Herbst 1925 mindestens 6000, wahrscheinlich 6000 neue Wohnungen in 27 großen Bauten fertiggestellt sein. Alles in allem können etwa 9000 bis 10.000 Familien noch im Jahre 1925 untergebracht werden. Vor allem aber werden noch in diesem Jahre alle Notstandsfälle und etwa 160 bis 200 Bewohner von Notwohnungen, weiter die im Asyl und bei der Poliezi untergevrachten Wohnungslosen und ungefähr 100 Familien, die jetzt in Stundenhotels wohnen, mit Wohnungen versorgl werden. Zum Schluffe seiner Ausführungen wendete sich Stadtrat Weber gegen das System der freiwilligen Delogier u n g e n, das jetzt eingerissen ist, um früher zu Wohnungen zu kommen. Solche Leute werden in Hinkunft keine Wohnungen mehr zugewiesen erhalten, sondern sie-werde" in Baracken untorgebracht werden. Wien, 10. Tlpril. * Das Wetter. In Oesterreich herrscht veränderliches, es Wetter, stellenweise sind in den Nordailven ergiebige revschläge gefallen. Die Voraussage lautet: Vorübergehend ziemlich heiter und wärmer. * Steigende Fleischpreise. Da infolge der Feiertage aus -den meisten J-mvortgometen, namentlich auS Polen, da§ gegentoärtiig m der Wiener Fle-Iischvsrsorgung eine dominierende Rotte spielt, die Fleischverladungen einen m-eMichen Ausfall aufwiesen insgesamt sind tvährend der Woche 56 Waggons mit 296 Tonnen, gegen 83 Waggons mit 438 Tonnen 4n der Vorwoche eingelangt —, so haben sämtliche Floischsovten 10 dis 20 Groschen pro Kilogramm im Preise angezogen. Der gestrige Verkehr in der Groß m arIthalle sta-nd int Zeichen des reduzierten Bedarfes, der sich erfahrungsgemäß nach den -Feier - tagen, die große Ausgaben verursachen, fühlbar macht. Gestern hatten folgende Detailpreise Ge-ltung: Rmdfle lisch vorderes um Zuwage 1,80 Ibis 8 Schilling, ohne S,2y bis 3,60 Schilling, hinteres mit Zuwege 3.— bis 3,60 Schilling, ohne 8,80 bis 4.40 Schilling. KMfleisch vorderes 8,40 bis 3,60 Schilling, hinteres 3,60 bis 4,60 Schilling, Schnitzel 6,40 bis 6,80 Schil li-ng. Der Naschmarkt wurde mit allen Gemüsesorden reich lich dotiert. Bei reger Käuferbetollign-ng zeigte» die Preise keine nennenswevten Veränderungen. Nur havarierte Ware wurde billiger abgegeben. Spinat wurde weniger gekauft, hingegen fanden italienische Fvichkavtafekl und die diversen Salabs-orten flotteren Absatz. Für GeflügÄ und Fische hat die Nachfrage merklich nachgelassen. Eier zu 14 bis 16 Groschen pro Stück je nach Größe und Bu-ter zu ü bis 9,80 Schilling pro Kilogramm je nach Qualität wurden aus allen Märkten in ansreiännden Mengen sellgeboten. MORITZ KRAUSZ Jun., WIEN I. Kehlmessers» 7 I Shaniung, 80 cm breit, in Modeschotten . . . . SeiaenmerDHln« 100 cm breit, schönste Dessins SeldenVoulaf ds, 95 cm breit, neueste Schöpfung s MO 0.90 MO 's s-\ 36

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.