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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-17 · Heft 2211 (17.4.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2211 (17.4.1925)
Date
1925-04-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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^SeSe 1 _Men. ffoHfog_Merrer mvtatnmim«, ShedramL drei Tage nach der Hochzett. Mordversuch «ud Selbstmord. - Kuß und Revolver. — Re Lat elaes Wahnsinnigen? Gestern vormittags hat der 24jährige Poslbeainte Franz Klein, Mariahilferstraße 76, in seiner Wohmrug gegen seine Gattin, die 20jährige Stickerin Marie Klein, zwei Revolverschüffe abgefeuert, die die Frau am Kopf und am linken Arm trafen. Darnach richtete der Mann die Waffe gegen sich und jagte sich eine Kugel in den Kopf. Die Rettungsgesellschaft konnte Lei dem Manne nur mehr den Eintritt des Todes fcststellen. Die verletzte Frau ivurde irr das Sophienspital gebracht. Die Eheleute fal..: erst am vergangenen Sormtag geheiratet. Die Mutter des Mannes soll sich gegen die Che ausgesprochen haben. Der Todeskaurpf zwischen Mann und Krau. Aus den Aussagen der verletzten Frau geht die Möglichkeit hervor, daß der junge Gatte in einem Anfalle von Geistesstörung die Tat begangen hat. Mittwoch gegen 2 Uhr nachmittags holte Franz Klein seine junge Gattin mit einem Autvtaxi in den: Geschäfte ihrer Mutter in der Lindauergasie ab und das Paar fuhr in die Wohnung der Mutter des Klein in der Mariahilferistraße. Die Wohnung ivar aber versperrt. Das Ehepaar besuchte mehrere Gaststätten, trank da und dort und fuhr in bester Stimmung um halb 3 Uhr früh in einem Auto wieder zur Wohnung der Mutter des Klein. Vom Hausbesorger ließ er sich den Wohnungsschlüssel ausfolgen, da die Mutter, eine Hebamme, noch nicht zu Hause war. Beide gingen in die Wohnung und legten sich zu Bett. Früh gegen 7 Uhr wurden sie durch ein Läuten der Eingangsglocke der Wohnung aus dem Schlafe geweckt und die junge Frau, die vermutete, daß ihre Schwiegermutter vor der Türe stehe, wollte ans donr Bette aufstehen um zu öffnen. Ihr Gatte hieß ihr jedoch, noch liegen zu bleiben. Als sie sich umdrshte, beugte sich ihr Gatte über sie und gab ihr einen K u ß. Dabei spürte sie aber plötzlich, daß er ihr die Mündung eines Revolvers, den er unter dem Kopfpolster hervorgezogen 'hatte, ohne irgend einen vorausgegangenen Streit oder sonstigen Grund, an die Stirne setzte. Dabei rief er der Frau, die zuerst noch an einen Scherz glaubte, zu: Du kommst nicht mehr lebendig aus der Wohnung! Aus den Blicken des Gatten sah die zu Tode erschrockene Frau, daß es dem Klein mit seiner Drohung ernst sei und, um ihn zu beruhigen, sprach sie auf ihn ein. Eein ließ sich aber wicht beruhigen und ohne auf ihre Worte zu achten, sagte er förmlich geistesabwesend zu Hr, daß Jer Kampf gegen das Preistreibereigesetz. Der Wiener JndrrstriellenverbanL fordert die Abschaffung. Im Zusammenhang mit der von den'Handels- und Gewerbekammern eingÄetteten Mion zur Aufhebung des PrmS- Lreibereigefetzes, hat der Vorstand des Wiener Jndnstrielilenver-andes einen Beschluß gefaßt, in dem er unter anderem feststem, ,paß die Voraussetzungen, an welche das Preistreibereigesetz seine Geltungsdauer knüpft, seit geraumer Zeit weggefallen sind und das Gesetz seWst daher längst hätte außer Kraft gefetzt werden müssen. Wenn der Widersinn seines Fortbestandes durch lange Zeit nicht besonders, empfunden wurde, hat dies seinen Grund darin, Laß das Gesetz praktisch keine Anwendung mehr fand. Sott ungefähr einem halben Jahre hat sich dies jedoch insoferne geändert, als das Gesetz nicht als Preisrogulator auf der! ganzen Linie, sondern lediglich als Pressionsmittel in einzelnen Fäll an benutzt wurde. Mit besonderer Schärfe aber muß der Wiener Jndustriellenverband dagegen protestieren, daß ein gänzlich veraltetes, unbrauchbares Gesetz ausschließlich in Wien und hier wieder ausschließlich gegen Handel, Gewerbe und Industrie gehandhabt wird. Der Wiener Jndustriellenverband verlangt, daß Regierung und Parlament durch restlose Beseitigung aller mit der freien Wirtschaft in Widerspruch stehenden Gesetze und Verordnungen den Zustand wieder herbe iführen. der für den Wiederaufbau von Industrie und Gewerbe unerläßlich ist." Vereinheitlichung der Laubes- «ab Gemeindesteuern. Die Finanzkommission der Länderkonferenz hielt gestern vor- und nachmittags Sitzungen ab, in denen die Beratung über die Vereinheitlichung der Landes- und Gene sindeabgaben zu Ende geführt wurde. Die Kommission tritt morgen «au 10 Uhr vormittags wieder zusammen. Roch immer der Mietenansschntz. Gestern wurde wieder eine Sitzung des Mietenausschusses abgchalten. Tags zuvor waren nicht einmal die zur Beschlußfähigkeit nötigen dreizehn Abgeordneten der MchchettSParteien aufzutreiben gewesen. Gestern war der Ausschuß knapp beschlußfähig und Präsident M i k l a s setzte den aussichtslosen Versuch fort, die Konstituierung vorzunehmen. Der erste Redner, der christlichsoziale Heitzinger, verzichtete im Hinblick auf die fortgeschrittene Jahreszeit aufs Wort. Nach ihm sprach der Sozialdemokrat Pölzer bis 5 Uhr nachmittags. Heute wird die Obstrukiiouskomödie im Mietenausschuß weilergeyen. nun b c i d e g e m e i n s a m aus dem Leben scheidet: m ü ßten. Dabei fuchtelte er wie wild mit dem Revolver in der .Hand vor dem Gesichte seiner Gattin herum und als Frau Klein aus dem Bette springen wollte, um zu flüchten, versuchte er sie gewaltsam zurückzuhaltcn. Es entspann sich nun ein fürchterlicher Kamps zwischen den Ehegatten. Schließlich gealng es der Frau, den Mann auf einige Minuten zu beruhigen und um ihn abzulenken, bit sie ihn, ihr ein Glas Wasser zu holen. Er holte tatsächlich ein Mas Wasser, doch während sie trank, legte er neuerdings dre Waffe gegen sie an. Wieder tvarf er die Frau gewaltsam auf das Bett, eilte rasch zur Türe, drchte den innen steckenden Schlüssel noch einmal irrt Schloß um, zog ihn ab und steckte ihn zu sich. Dann kehrte er zur Gattin zurück, begann bitterlich zu weinen und befahl der Frau einletztesVater unser zu beten. Nnn riß sich die verzweifelte Frau los, flüchtete in die Küche und in diesem Augenblicke läutete es abermals vir der Eingangstüre und sie hörte, wie ihre Mutte r, sie vom Gang her mit ihrem Vornamen rief. Um Zeit zu gewinnen, bat sie ihren Mann abermals um ein Glas Wasser, doch er rief ihr zu: Es hilft dir nichts, du gehst mit mir ans dem Leben! Sie eilte nun in das Vorzimmer, er setzte ihr nach und feuerte in rascher Aufeinanderfolge drei Schüsse gegen die Gattin ab. Er traf sie nicht schwer am K o p s e und am Itatlcit Sinne. Sie kauerte sich nun zwischen dem Vorzimmevkasten und die Eingangstüre und stellte sich leblos. Der Miami legte nun die Waffe gegen sich an, jagte sich eine Kugel in den Kopf und brach leblos zusammen. Er hatte insgesamt fü nf S chüsse aus dem Tromnrolrevolver abgefeuert. Sie gab auch an, daß ihr Mairn wahrend des gestrigen Abends sehr aufgeräumt und guter Dinge war, daß er ihr aber in der letzten Zeit hie und da durch sein absonderliches Gebaren aufgefallen war. So hatte er ihr bereits einigomale erklärt, daß er d e r Sohn eines Grafen sei. Nähere Angaben wollte er aber auf keinen Fall machen. Auch die Mutter des Täters gab bei ihrer Einvernahme an, daß ihr Sohn in der letzten Zeitsehrniedergeschlagen, nervösund gereizt war. auch Schulden gemacht hatte und seit seiner Bokanntschast mit dom Mädchen manchmal ein ganz verändertes Wesen zur Schau getragen hat. Jnr März dieses Jahres hatte Franz Klein bereits e iu e nSelbstmordversu ch und auch im Vorjahre hatte er sich durch Leuchtgas zu vergiften versucht Me Verletzungen der Frau sind nicht schwerer Natur. Franz Klein war seit einiger Zeit als Untevbeamier im Postamts in der Zieglergasse in Stellung. Aufhebung des Bisnmrwauges im Verkehr mit Deutschland. Im DrmdeNanzleramit begannen gestern die in terminist eriellen Beratungen über die Erleichterungen im Reiseverkehr mit Deutschland. Es ist beabsichtigt, den Visum zwang aufzu heben. Zum Ueberschretten der deutschen Grenze und zur Einreise nach Oesterreich aus Deutschland würde also die Legitimierung durch einen gültigen Reisepaß, beziehungsweise für öffentliche Angestellte durch einen mit Lichtbild versehenen amitlichen Ausweis genügen. Den gestrigen Beratungen wohnte auch der österreichische Gesandte in Berlin, Riedl, bei. Die Besprechung hat zu dem Ergebnis geführt, daß sich die Regierung mit dem Vorschlag der deutschen Regierung grundsätzlich einverstanden erklärt hat und nur noch einige Einzelheiten der Regelung bedürfen; dies wird rn Verhandlungen geschehen, die ungesäumt «mit der deutschen Regierung ausgenommen werden sollen. Die Regierung behält sich vor, die mtt Deutschland abzuschließende Vereinbarung auch anderen Staaten zwecks Abschlusses gleichartiger Abmachungen zur löenutnis zu bringen. Mstblaer RMano der Arbeitslosigkeit. Am 15. d. wurden in Wien 77.0 57 unterstützte Arbeitslose gezählt (davon 24.759 weibliche). Der AribeitSlofeustand itt sonach in der ersten Monatshälfte April nur um 1032 Arbeitslose (davon 113 werbliche), znvückgsgangen. Am Soeben erschienen: Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des XIII. Zionisten - Kongresses vom 6. bis 18. August 1923 in Karlsbad Herausgegeben vom Zentralbureau der Zionistischen Organisation in London Halbleinen S10.—, Ganzleinen (Kunstdruckpapier) S 16.— cs. 600 Selten stark! I BI» Dokument zeitgenössischer. Jüdischer Geschichte 11! I Ein lebendiges Spiegelbild der zionistischen Bewegung t 1 Dm Protokoll des ersten Kongresses nach der BesiS« itgung des Palftstlnamondatcs durch den Völkerbund darf in keinem jüdischen Verein, darf in keiner jüdischen Bücherei fehlen Es enthalt: Eine stenographische Wiedergabe aller Verhandlungen de« Kongresses Eine systematische Zusammenstellung der Kongrcssbesclilüssc Den vollständigen Text des Organisatlousstatuies und de; Geschäftsordnung und Bin« Fülle von Belehrung Über eUe brennenden Fregca des Judentums Zu beziehen durch 506 Ri l*ttwit*Vorl«Oi Wlan, I. Plalschmarkt 1 OHMMMMagB3MngBgMMR|MHUSMUMHBBMMOaSE39nM(HnggOBM!0n . tt. ■Suftrtt 19tÖ ' VE-MMemstärksten ist der Arbeitslosenstand bei den Bauarbeiter» -Stücks g-qaugrn lmn 1244 auf 5549). Ein starkereS Steigenderi Arbeitslosigkeit ist bei den Angestellte« z» WM achten (um 1134 auf 11.904). Dies ist darauf MÄchHühMi^ daß regelmäßig bei Quartalsende mit Rücksicht auf den Wstwsi der Kündigungsfristen eine große Zahl von Entlassungen statt? findet. __ zum Ableben des Sadasoraer Rabbiners ln Rew-Rott. Eine Erkläimns Josef Rapaports. Wie noch erinnerlich, wurde im Zusammenhang mit dein anr 8. Dezember des Vorjahres in New-Aork erfolgten Ableben des Großrabbiners Isaak Friedmann aus Sadagora von einem Lemberger aütisemitischen Blättcheir eine sensationelle Mordgeschichte erfunden, die auch nach Wien spielte und schließlich zu einem Dementi der Wiener Polizeidirektion Anlaß gab. Der Freund des Verstorbenen, Herr Josef R a p a p o r t, der fälschlich des Mordes beschuldigt worden war, weilt gegenwärtig in Wien und sendet uns eine Erklärung, in der er unter anderem sagt: In der letzten Zeit wurden sämtliche europäische Zeitungen von einem polnischen Gassenblättchen mit der Erzählung einer angeblichen Raubmordaffäre an dem Großrabbiner von Sadagora angesteckt. Die Legende faßte Wurzel in Now-York und gipfelte in der Wiener P olizeidirekt io u. Diese jedenfalls schr interessante Sensation wurde von jeder einzelnen Zeitung mannigfaltig abgeändert. Während manche das Gerücht bloß mit schriftstellerischen Zugaben und Zitaten liebenswüvdrg-harmlos servierten, haben andere die teuflische Tragödie noch mit eigenen gepfefferten Zutaten versehen. Während manche in dieser Spiunwebge schichte einen ung-enannten Täter brandmarkten, haben andere unverzagt den Namen „Rapaport" herangezogen. Während manche Zeitschriften mit den ursprünglichen Paar Dollars des Polnischen Blättchens sich begnügten, boten andere das gewaltige Quantum von zirka 00.000 Dollar auf. Während einige Zeitungen kurzer Hand von einem großen Fang der Polizei redeten und eine brüderliche Konnexion Mischen der Wiener und New- Jorler Polizei konstatierten wie auch ein Resultat der Exhumierung der Großrabbinerleiche zu berichten wußten, haben andere bei ihren späteren kärglichen Deurentis sich mit meiner Einvernahme boi der New-?)ovlcc Polizei begnügt. Während eine ungarische Zeitung ein a-meta- Geschäft Zwischen mir und den behandelnden Aerztcn abgeschlossen haben will, zeigte eine rumänische Zeitung eine derartige Pfiffigkeit, daß sie die Falle nicht in Wien aufstellte, sondern in Czer nowitz, und den Raubvogel nicht ,/Rapaport" nannte, sondern einen bunten Rainen gab: „Friedmann". Sehr viel wurden in manchen Zeitschriften verschiedene ausländische Konsulate in New-York Macht, welche auf bfr amerikanische Negierung ihren exterritorialen Druck ausgeübt hätten; insbesondere die türkische Gesandtschaft (obzwar in Amerika momentan gar keine existiert. und die Türkei von der spanischen Gesandtschaft vertreten wird) sollte den armen Vereinigten Staaten schr nahcgetreten sein. Die Verspätung in der Ausgabe eines schlagfertigen, vernünftigen Dementis von den betreffenden Stellen in Wien hatte zur Folge, daß manche Zeitschriften in Europa als Nachzügler die Legende noch weiter verzierten. Als die wahrhaften Freünde des in. New-Aork verblichenen Gralidrabbis Isaak Friedmann im allgemeinen ' und ich überhaupt als Verwandter und intimer Freund den Widerhall aus Europa ausgefangen hatten, fänden wir cs nicht der Mühe für ivert, mit einem Dementi auf eine so spitzbübische Lächerlichkeit zu reagieren. Meine Zeit in New-Aor! erlaubte es mir nicht, mich aus der Ferne in eine Polemik mit den europäischen Zeitungen einzulassen. Erst jetzt, wo ich aus New-Aork rrach Wien gurückgekoMneir bin, konnte ich mir einen genauen Ueberblick über die gegen nrich geführte Zeitungskampagne verschaffen. Ich bitte die „Wiener Morgengeitung", meine Berichtigungen aller dieser Phantasien und Erfindungen abzudrucken. Es ist unwahr, daß der Großrabbiner Isaak Friedman» aus Sadagora in Neiv-Iork p l ö tz l i ch gestorben ist. Wahr ist es leider, daß die Lungenentzündung utid Herzschwäche, welche jedem gewöhnlichen Menschen sogar in einer kürzeren Frist als drei Tagen den Tod diktieren können, den ohnehin leidenden, abgezehrten Mann auch nicht verfchout haben. Unwahr ist, daß in New-AorA irgend ein Zweifel au seinem natürlichen Tode auftauchte, da nicht nur die sechs behandelnden Aerzte und Pvofessoren, sondern jeder von den Hunderten Leuten, die tvährend seiner Krankheit bei ihm verkehrt hatten, den Todeskampf infolge der erwähnten Kvanlkheiten beobachteten und auch die Konsilien der Aerzte, ebenso die Aeußerung des Kranken selbst noch drei Stunden vor seinen: Ableben archoren konnten. - Wahr ist es, daß der Verblichene sich in Amerika einige tausend Dollar verschafft hat, welche noch bis heute 'bei der Chatham and Phönix-Bank in New-Aork deponiert sind. Unwahr ist es, daß der Gvoßwbbiner irgend einen am deren Großrabbiner von seiner Geldgebarung unterrichtet hätte, und insbesondere, daß irgend ein Verdacht wegen der Höhe des zurückgebliebenen Geldes auf seine intimen Freunde gefallen lwäve. Wahr ist, daß ich meine Wohnung und mein Bureau in demselben Hause (276 Gast Broadway.Now-Norl) hatte, daß ich fites feinen Geldbositz rmteschräEe 'lüher-

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