Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2211 (17.4.1925)
- Date
- 1925-04-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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-Wen, Freitag Meuee MordLnzeitunG N.WMM8 'M . SM «e «Mi«« gegen Stephan -aller. Budapest, 16. AM. Der JnksmlpMbilMtAULsfchnß /-es MckrttaLMaMMÄurg sollte sich heute mÄ einer Ainzütze des demokratffchon Whgsordneten Pakol's befassen, wonach der derM in Amerikä wollende Abgeordnete ttitb ,ShemaiKge Minister Stephan Haller (chrfftlichnatronal) im Jahre 1W4 wegen Vergebung einer Lieferung von SM Waggons Brennholz für das Kultusministerium zugunsten zweier privater Gesellschaften interveniert -und aus dem ZustLndekönmien des Geschäftes -materiellen Nutzen gezogen habe. Der Ausschuß war jedoch «beschlutzißrnfähig und mußte vertagt werden. rer ratschlag l« der rabatgaffe. (Eigendienst der „Wkencr Morgenzeitung".) Budapest, 16. April. Heute begann vor einem Dtvaf- 6nat unter Vorsitz des SenatZprosSdenten Langer der Prozeß gegen den GeMgeMMer Josef L ö b l. der angeSlagt ist. im Dezember des Jahres 19W den Infanteristen Match,as Tremmel in einem Wirtshaus erstochen zu halben. Josef Lölbl bekannte sich bei seiner Einvernahme als nichtschuldig. Er behauptet, daß er in einen Raushandol mit acht in das Wirtshaus eingcdvungenen Soldaten geraten sei, die ihn als Juden beschimpften. In der Rauferei wurde L öbl s0W von den Soldaten durch Hiebe und Bajonettstiche nicht unechMich verletzt. LM gibt weiter an, daß er kein Messer bei sich g. et ragen hatte, sondern daß jenes Messer, wlches man bei der Leibesvisitation in «seiner Tasche vovfand, ihm von dritter Hand in die Kleider gesteckt worden sei, um den Verdacht .der Täterschaft auts ihn zu lenken. Die cinvemommenen Zeugen »dachten über ihre Wahrnehmungen über den Totschlag an dem Soldaten Tremmel recht widersprechende Aussagen. Sela Kardos ermordet. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 16. April. Wie „Az Est" aus Miskolcz meldet, wurde heute vormittags der Leichnam des vor einigen Tagen von der Donau an das Ufer geschwemmten Eisenwaren-gvoß-- händllers Bella Kardos von den Gerichtsärzten obduziert. Die Aerzte stellten sch, daß Bola Kardos, entgegen der Behauptung der Budapester Qberstadthwuptinann>schast, keinesfalls durch Selbstmord geendet hat. Der Körper ist, wie durch die Obduktion einwandfrei ermittelt wurde, nicht lab endig in die Donau gelangt. Weder die Lunge, noch die .Bauchhöhle enthielten Wasser. Damit ist die Hypothese von einem Selbstmrovd des Bola Kardos hinfällig und es bestätigt sich die Annahme der Familie des Kaufmannes, wonach Bela Kardos ganz zweifellos einem Verbrechen zum Opfer gofallm ist. Ae Bombe« in der Arche. Eine Explosion bei dev Leichenfeier für Koster Georgiern. Sofia, 16. April. (Bulg. Tel.-Ag.) Als heute in der Kathedrale die Leichenfeier für den ermordeten Abgeordneten Koste Georgien, abgehalten wurde, explodierte eine Höllenmaschine. Zahlreiche Personen wurden getötet, beziehungsweise verwundet. Alle anwesenden Minister blieben wohlbehalten. Im übrigen sind Ruhe und Ordnung weiter nicht gestört worden. Re VMschen Zudeuordnlings-Antröge. Bon der preußischen Regierung abgelehnt. Berlin, 16. April. (I. T. A.) Wie schon mitgeteilt, Habein die Rechtsradikalen -im Preußischem Landtag eine Anfrage au die Regierung gerichtet, die in der Hauptsache auf ebne bürgerliche Entrechtung der Juden in Preußen hinausguig und unter anderem auch forderte, daß alle „seilt dom 1. >Aigust 1914 ziugewandexten Angehörigen der semitischen Rasse" ausgewiesen und deren Vermögen und Wohmmgen, «beschlagnähmt werden. Wie «der „Amtliche Preußische Pressedienst nunmehr mi.ttei'tt, hat der preußische Minister des Innern, Herr Severing, auf diese ,/Anfrage" eine Antwort erteilt, in der er im Einvernehinen mit den beteiligten Ministerien darauf hinweist, daß es allgemeinen Grundsätzen des Völkerrechtes widersprechen und unabsehbare außenpolitische Folgen nach sich zivheit würde, wenm alle einer bestimmten Rasse oder Volksgemeinschaft augehörenden Ausländer lediglich wegen dieser Zugehörigkeit ansgowiesen oder ausgesperrt würden, ohne daß in ihrer Person Gründe für die Ausweisung Vorlagen. Aus denselben Gründen könnten auch von Angehörigen der „semitischen Rasse" ordnungsmäßig in Besitz genommene Wohnungen nicht ohne weiteres beschlagnahmt worden. Ein großer Teil selbst der erst seit dem 1. August 1914 zugowanderten Personen habe die Wohnung zu einer Zeit rechtmäßig gemietet und bezogen!, als hierfür noch keinerlei Z'wangsbestimmungen gälten. Eine Beschlagnahme würde also gegen alle Rechtsgvundsätze verstoßen und zweifellos Repressalien gegenüber deutschen Reichsangehörigen im AtMmde zur Folge haben. Hinsichtlich der Forderung Mer Kreditversagung durch die Preußische Staatsbank oder sonstige StaaiSeinrichtungen an ÄuMuder weist der Minister darauf hin, daß die Staatsbank ArOÜudern nur m besonderen AuSnahmefällen Kredit gebe» AAAAAAAA Bequeme Teil* 1 Zahlungen! i (Erhältlich nur In Lfltfen mit diesem Schild f ^tllllllllllllllllHIl Zentrale t Wien, I. Llebtjtga«ie 5 llllimilllllllllllt^ I0uim Schlüsse wird gesagt: Weder die Reichsgewevbeordnung, noch andere veichSgesetzliche Vorschriften geben die Möglichkeit, Angehörige einer bestimmten Rasse vom Gewerbe oder Handelsbetriebe auszuschließen. Daher sei auch eine Entziehung erteilter Gewerbe- und Handelserlaubnisse aus rassenpolitischen Erwägungen nicht möglich. Der Not des preubisch-jildischen Landesverbandes. Berlin, IS. April. (I. T. A.) Außer dem «bereits be'kauntgegebenen Resultat des 1. Wahlkreises (Berlin) «sind bisher folgende Ergebnisse der ersten Wahlen zum Rate des preußischen Landesverbandes eingegangen: Wahlkreis 2 (Breslau)): Landesgerichtsdivektor i. R. Geheimer Justitzrat Leo Goldfeld; Rechtisanwalt Justizrat Georg Perser. Wahlkreis 3 Frankfurt a. M.): Justizrat Doktor Blau; Fritz Sondhoimer; Ersatzmann: Julius Goldschmidt. Wahlkreis 4 (Köln): Dr. Oskar Eliel; Ersatzlnann: R.-A. Dr. S. Klein. Wahlkreis 6 (Brandenburg, Pommern, Grenzmark): Benno Feld'berg., Stettin; erster Ersatzmann: Dr. Merzbach, Magdeburg; zweiter Ersatzmann: Dr. Max Hirsch, Halle. Wahlkreis 9 (Westfalen): Rechtsanwalt Doktor Katzenstein, Bielefeld; erster Ersatzmann: S. Großmaun; Gelsenkirchen; zweiter Ersatzmann: Direktor Baruch, Herford. Wahlkreis 10 (Rhein proviuz 1): Rabbiner Dr. Gschelbacher, Düsseldorf; erster Ersatzmann: Dr. Eschwege, Hamborn; zweiter Ersatzmann: Hermann Lehens, Wesel. Wahlkreis 11 (Rheinprovinz 2): Rechtsanwalt Dr. Herzfeld, Essen; erster Ersatzmann: Rechtsanwalt Dr. Max Cohn, Bonn; zweiter Ersatzmann: W. Meher- Mberti, Koblenz. Wahlkreis 42 (H esse n-N.assau): R.-A. Doktor Goldschmidt, Kassel; erster Ersatzmann: Justzzrat Moritz Marxhoimer, Wiesbaden; zweiter, Ersatzmann: Gemeinde- Utoster Levi Trepp, Wifsenhausen. '■* ■ Dar Mische Schulwesen i» Polen. Warschau, 15. April. (I. T. A.) In der brtzten Sitzung der Nationalitaten-Sektion beim Politischen Komitee referierte der UnterrichtAmiuvster, Herr Stanislav Grabski, über das Projekt betreffend >das jüdische Schulwesen. Es stützt sich hauptsächlich auf die Postnlate der Orthodoxen und sieht vor, daß in den jüdischen Schulen alle G e g e n st ä u d e in «der polnischen «Sprache gelehrt werden, mit Aufnahme der religiösen Fächer, die auf Wunsch der Ettern «in Jüdisch oder Hebräisch gelehrt ^werden können. Die Postulate «der anderen jüdischen Gruppen wurden in dem Projekt in keiner Weife berücksichtigt. Das Projekt rief eine Diskussion! hervor, die Beschlußfassung wurde ans die nächste Sitzung vertagt. Ae erschwer««» der Auslandsreise» l« Polen. Warschau, 15. April. „Rzeozpospolita" erfährt, daß die Regierung eine neue Verordnung vorbereite, laut welcher die Normalgebühren für einen Auslandspaß zur einmaligen Reise von 250 auf 750 Zloty erhöht werdeir. Gleichzeitig .soll den Staatsbeamten die Reise ins Ausland verboten werden. Hoesle im Sterbe». Berlin, 16. April. (Del.-Comp.) Der frühere ReichSpostminister Dr. Hoefle ist im Gefängn«is.se mit den Sterbesakramenten versehen worden. Das Befinden des schwer herzleidenden Mannes lhat sich während der Untersuchungshaft so bedrohlich verschlechtert, daß ernste Besorgnisse für sein Leben bestehen. Berfaffaugsfeier in Bagdad. Bor einigen Tagen hat Köirig F e i s a l von Irak, der Sohn ides entthronten Hussein, die neue Bevsassmvg von Bagdad aus unter großeil Foierlichkeiten m Kraft gesetzt. Der ,/Pch«r Älot>d" berichtet darüber: In Anwssenhe«it sämtlicher Minister und unter Vorsitz des englischen Hochkommissars Sir Henni Dobbs vollzog sich dieser Akt im Palast des Königs. Feisal Unterzeichnete das Dokuinent mit einer eigens für diese Gelegenheit von «den Engländern gespendeten go.ldenen Feder, die dann im sestlichen Rundgang ins M u s e u in von B a g d a d über» führt wurde, wo sie neben dem Dioritblock Ham-nrurabis uiid den anderen historischeu Keilschlisten von den Trümmerstätten der Urreiche Ur und Kisch »ic-ergelegt wurde. Awdevc Nota- «bilitäten ’bc.i «der Festlichkeit uxu-e» noch -der Emir Muhammad, einer der arabische» a»lfständriche» Fürsten, de? sich jetzt | in der Gefangenschaft Feisäls befindet; «dann Sir EKestt Kodoorie, ein Macher Mllionär, der vor langen Jahren als' armer «Knabe Bagdad verließ, um in Schanghai «und anderen Kolonien EnAands sein Glück zu suchen, was ihm auch vollauf gelang, so daß er jetzt als reicher Mann die Stätte feiner ein* stigen Not wieder .besuchte. (Kadoorie weilte, wie gemeldet, bei der Universitätsfeier >in Jerusalem. Er hat vor kurzem eine große Summe zur Errichtung einer höheren, jüdischen «und einer arabischen landwirtschasklichen Schule «in Srez Israel gestiftet.) Den größten Anklang bei dein Fest fand die neugegründete Militärkapelle, aus lauter Eingeborenen «bestchend, die vor 18 Monaten noch keine europäischen Musikinstrumente und Noten kannten und die jetzt unter Leitung eines cngjlischen Kapellmeisters prächtige Sousamärsche vorspielten., Nach den Festen freilich wird die nüchternste Prosastimmung zu Worte kourmen. Cs wird näMich die Ankunft Commandor Hilton Aoungs erwartet, der im Namen verschiedener englischer Finanzgrnppen die finanzielle Sanierung Iraks durchführen soll. Finanzielle Sanierung aber bedentet für das Volk die bisher unbekannte saure Pfliö^ des pünktlichen, regelmäßigen Steuerzahlens. Ar Kurdenaufftand. Angora, 16. April. (Havas.) Der Aufstand der Kurden ist nunmehr vollständig eingedämmt. Die Führer der AuiMubifchen sind verhaftet. Aarabab turn de» Stoliener» besetzt. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 16. Aprll. Es verlautet, daß italienische Truppen gestern nachmittags die strittige Oase Djarabub in der Ehrenaika bese tz«t haben. (Wir haben gestern mitgeteM, daß Italien in Kairo ein Mtimatwm übervoiD habe.) _ Sie amerikanischen Getreidebörsen. Chicago, 16. April. Die heutigen Getreidebörsen zeigten aus allen Märkten eine ausgesprochene flaue'Tendenz, die sich in Einbußen bis zu 10 Punkten zeigte. Auch Winnipeg «und besonders New-Aork machten von der allgemeinen Flarchiei-t keine Ausnahme. ' Sie Mualmordliige. / Kowno, 15. April. (I. T. A.) Die jüdische BbvÄkevumg .der Stadt Mariampol brachte die letzten Tage vor dem Pessach-Fsst in Angst vor Unruhen «zu. Ein zwölfjähriges christliches Mädchen, welches kurze Zeit verschwunden «war, erzählte, der Jude' Jsak Frank halbe es «in seiner Wohrm«ng el.nges«perrt'gehalten; : um ihr Glut zu Ritualzwecken a'bzuzapfen.^ Eines Teibes der christlichen BevAkerüng bemächtigte sich große Aufregung, die Polizei vemnstältete in dein Ha«use des krank zu Wett liegenden Frank eine./gvüMichö .U-utersuchung. Zum Schlüsse Wrte sich die Augelegenheiit irr der Weise auf, daß das Mädchen, lvvlches die Schmle geschwänzt hatte, und deshalb Strafe sürKetc, auf Anraten einer christlichen Arbeiterin und im Ednvevständnis .mit SchuMtleginnen die Blutlegende.vovschützte. Eine Untersuchung gegen die Urheber der. Klutlegende wurde. „R 33" durchgegange». Das mAisch« LenlwstsGff. Norwich, 16. April. (Reuter.) Das Le>nkl u ftschiss ,M33" riß sich van den Ankertauen kos und «flpg auf «das offene Meer hinaus. Nach einem Radiotelegramm ist an Bord alles in -Ordnung. ,M33" hatte 20 Passagiere an Bord, es wurde über die Nordsee abgetrieben. Das Luftschiffahrtsministeviuinr teilt «mit, «daß das Luftschiff einer drahtlosen Meldung zufolge sich 50 Meilen von Amsterdam ü b e r d e r N o r dsee «befindet. Man «glaubt nicht, daß es vor morgen früh wieder nach England zurückgelangen kann, da gegenivürtig der Sturm noch anda>uert. Der „R 33" führt Lebensmittel für zwei Tage mit. In Rotterdam hat das Aevodvvm eine drahtlose Meldung des ,>R 33" erhalten, die besagt, daß an Bpvd otfe£ wohl fei. Tausende Abonnenten haben wir bereits durch ein wertvolles und passendes Qeschenk erfreut und jeder Leser der «Wiener Morgenzeitung», der die Bezugs» gebühr für ein Jahr im vorhinein bezahlt»,erhalt gratis in drei eleganten Halbleinenbänden Oraeiz / Geschichte der luden .. .. A»a« der JahrweebQbr sind tür Versandepeae» noch & K 25.000 »u beaalit«i -