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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-17 · Heft 2211 (17.4.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2211 (17.4.1925)
Date
1925-04-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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WM» _W*i, gtrffes Deshalb erfüllt uns große Befriedigung mit dieser Epoche der Nachkriegszeit, dawir sehen, daß SchH'rchte und ' Energien abermals Zielen -es Friedens und der Brüderlichkeit und insbesondere dem einen Ziele zustveben, die zerrissenen Bande -er Menschlichkeit wieder zu vereinigen und die Heyen der Menschen einander näher zu bringen. Ich will . damit fugen, -aß solche menschlichen Werke, ivie die Gründung der neuen hebräischen Univevsitat in ,-Erez Israel" (diese zwei Worte sprach der Redner hebräisch), im Nähmen , der allgemeinen Weltaufbauarbeit, auf welche unsere Welt so sehr angewiesen ist, von ursschatzbarvm Werte sind. Nach : lmeinom persönlichen Gefühl bietet die Gründung einer! neuen Universität, wo immer in der Welt,! unbegrenzte Möglichkeiten für den menschlichen Fortschritt.; Früher oder spater, allmählich oder in rascherem Tempo,; nimmt die Universität durch ihre FovschunMrbeit auf den Gebieten, denen sie sich widmet, ihren Anteil an dom Fort-! schreiten der verschiedenen Wissenszweige. Es scheint, daß die Universitäten überall in der Welt in der letzten Zeit ei »wenig lauer wurden in der Erfüllung ihrer ur- ^sprünglichen Aufgabe, Impulse und Anregung für , den Fortschritt der Wissenschaft und der Menschheit zu i bieten und mehr einer anderen Richtung — derSuche! nach dem Nützlichen zuneigen. Diese neue hebräische l Unidevsttät jedoch will vor ullem uck> über alles eine Hochschule -er Wisienschast!m alten, bewahrten Sinne stur. Im .Zusammenhänge mit dem Arvfgabenkreis und den Bestimmungen für den Arbeitskreis der hebräischen Universität, müssen wir der Tatsache Erwähnung tun, daß die . erste, bereits eröffnet« Abteilung, die Abteilung für Biologie und Chemie, Meier für die Menschheit 'wichtiger Wissenszweige ist. Diese AbtoAung widmet sich eifrig der Erforschung der in Eroz Iswel und seinen Mchbargebieten charakteristischen InistktionDrantheiten und legt die Ergebnisse ihrer Forschungen den öffentlichen Anstalten für Gesundheit^sslege sowie den 'Aerzteorgtmifotiouen vor, so daß von den Ergebnissen der Forschungsarbeit dieser ersten Abteilung der hebräischen 'Universität die gesamte BepöKerung Erez Israels, ohne Unterschied der Rasse, des Glaubens und der Nation sowie die ganze Menschheit großen Nutzen ziehen werden. Morgen wird der Grundstein des Instituts für Physik und Mathematik, gleichfalls eines internationalen menschlichen Wissenszweiges, gelegt werden und was das Institut für die j üdischen Wisseuschaften betrifft, das vor kurzem eröffnet wurde arnd als Zentrum zur Förderung des Iudentunrs der hebräischen und verwandten Sprachen, wie auch als Zentralstelle zur Erforschung Erez Israels dienen soll, so ist es diesem Institut bereits jetzt gelungen, sich die Dienste mehrerer berühmter Professoren aus den. verschiedensten Ländern zu sichern. Ans diesem Grunde wird uuch^ dieses Institut, obgleich es ursprünglich für jüdssche Schmer gegründet wurde, als ein internationales Institut für die Wissenschaft des Judentums, die mit der Geschichte der Religionen der Völker des Westens so enge verknüpft ist, betrachtet werden/ wie es auch der Herr Qberk om m rssär in seiner Rede anläßlich der Eröffnung des Instituts hevvorhob: „Das Studium der Vergangenheit ist äußerst wertvoll für die Gegenwart und auch für die Zukunft." Und auch Professor Mag ne s betonte in seiner Rede: Dieses Institut erfüllt den Dienst eines Arms in der achtarmigen Menorah, in der Reihe der acht Wissenschaften, die das, Licht in der Welt verbreiten und ihr den Weg weisen." Dies erinnert Mich an den bekannten Spruch: Ex Oriente lux! Aus dem Osten kommt das Licht! Und in der Tat, beim Anblick dieser Versammlung, dieser Vereinigung der Männer von Namen, scheint es mir, daß,^bezaubert van dem aus dem Osten aufswrgenden Licht, bewährte Politiker, Staatsmänuer und Gelehrte hievherkamen und sich um den Dkopusberg versammelten, um ihrer Verehrung und Wertschätzung für dieses wichtige Ereignis von universeller Bedeutung Ausdruck zu feifjert und terlzunehmen an der Siniweihu-üg der hebräischen Universität, der Krönung des Erziehungswerkes des Zionismus. Möge diese Universität ihr Licht auSbreiten auf alles Dunkel, das die Wissensgebiete, die auf dom Skopusberg gelehrt tverden, noch verhüllt! Möge diese hebräische Universität Segen und Nutzen bringen in Fülle über Erez Israel und die gpinze Weilt. Das sind die Wünsche, die ich der Universität namens der Polnischen Regierung entbiete!" Kn Allschlagauf Krasfiu. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 16. April. Die Polizei hat gestern in der Nähe der Sowjetbotschaft einen Russen immens Rein h a r t fostgenommen, der im Besitze eines N e v 0 lver's und dreier Photographien von Krassin war, und der eEärte, daß er von stinen Freunden beauftragt worden fei, Kr affin zu erschießen. Für die Ansj Mrmig der Lat sei -chm eine hohe Belohmmg «n Aus- Wiener Moraenzettun« 17. April 1028 Rk. SM \ i.ini nmmmmmrmrnMi iwwtniifi—i \\mm Die Regierungskrise in Frankreich. Herriot wird wieder Bürgermeister. (Eigrndienst der „Wiener Morgenzeituug".) Paris 16. April. Die Besprechungen PainleveS zur Bildung seines Kabinetts haben bisher noch zu keinem Ergebnis geführt. Die Hmtpsschwierigkeit bildet der E i n t r i t t B r t a n d S in die Regierung. Als feststehend gilt n-ur, daß Cai-llaux, der dar ihm angebotene Fiuanzportefeuille bereits akzeptiert -hat, in die Regierung eintri-tt. Caiklaux hatte heute nachmittags eine Besprechung mit dem Gouverneur der Bank von Frankreich, R ob ine au, der Mich Finanzminister de Monzic beiwohnt«, und begab sich sodann nach dem Elyste zum Präsidenten der Republik. Vor der sozialssti-sch-radikalen Gruppe der Kammer erklärte Ca iI la ux, die Lage des Staatsschatzes erscheine ihm ernst, er glaube jedoch, sie normal gestalten zu können durch eine sehr genaue Trennung der Frage des Staatsschatzes von jener des Budgets. Er ftagte, ob er auf die Unterstützung der Gruppe für das Werk der Wiederherstellung der Finanzen' rechnen könne. Die Gruppe sprach ihm einmütig ihr Vertrauen aus, worauf CaMaux erklärte, er sei grundsätzlich bereit, das Portefeuille der Finanzen zu übernehmen. Herriot wird einer Regierung Painleve nicht angehöron. Gr hat erklärt, daß er bereits in den nächsten Tagen nach Lyon ressen werde, um sein Amt als Bürgermeister, das er nie niedergelegt hat, wieder auszuüiben. Aerißenrrrgen Briands. Paris, 16. April. Nach feiner Rückkehr aus dorn Palais Elyste ver.handelle Painleve mit Bria « d, der. ihm im Kammerpräsidmm erwartete. Als Briand ettvas später das Gebäude verließ, erklärte er den Iournälisterz: Ich verhehle nicht, daß Painleve Mich gebeten hat, in das Ministerium einzutreterr. Ich persönlich wünsche, daß das Kabinett unter den gegenwärtigen Umständen so rasch älS rnöglich gebildet werde. Ich lehne auch den Gedanken, mit Painleve zu arbeiten, n i cht ab. Bevor ich jedoch endgültig annehme, müssen gewiss« Punkt«, -die sich besonders aus Programmfragen und auf die Zuteilung der Portefeuille - beziehen, geklart werden. Unter diesen Umständen glaube ich nicht, daß vor Ende dehei»- Ligen Abends die Miniftnkrrst gelöst werden kann. Sin ««»er Salllaur'. Paris, 16. April. (Tcl.-Comp.) Die Polizei verhaftete heute vor dem Quai d'Orsay einen Bankbeamten namens. D a m e s i n, der sich da'durch auffällig gemacht hatte, daß er alle ein- und ausgehenden Personen fragte r „Sind Sie Caillaux?" . . .. Bei der Verhaftung erklärte er ohne Zögern, <u habe Caillaux töten wollen. Tatsächlich wurde bet ihnr ein gÄadener Revolver gefunden. Sie Pariser Farzlfteu. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) : Paris, 16. April. Gestern fand in Paris eine Probe». mobölssierung der faszistischen „Iungpatriot e n" statt. Es handelte sich darum, dom nationalsstischerd Abgeordneten Taittinger die Abhaltung einer Versammllmg in der Vorstadt Sevres zu ermöglichen, deren Bewohner zum großen Teil kommunistisch, gesinnt sind. Uoberdie's hattendie Kommunisten angktün-' digt, daß sie Taittinger nicht würden reden lassen. Die Nationalisten boten uup die „Irmgpatriotcn" aus. In Automobilen wurden 386 betvaffnete junge Leute nach Ssvres gebracht, wo sie das Versammlungslokal umstellten. Angesichts dieser Vorbereitungen verzichteten die Kommunisten auf ihren Plan, -die Ver-- stntNÄung Mt stören, die auch ohne jeden Zwsscheufall verlief. Die „Wiener Morgenzridmg" beginnt in ihrer Aurgabe von Sonntog de« 19. Aprll mit der Veröffentlich««» von photographischen Aufnahmen der ll« iv ers itiitrfeier kn Fernsale«. Pronahs patriotische Verdienste. (Von unserem Budapcster Berichterstatter.) Vor dein berüchtigten Tvreky-Sena-t stand, wie bereits kurz gemeldet, der nicht minder 'berüchtigte Paul P r o u a Y, der ehemalige Chef des nach ihrn .benannten Pronay-Detachements, als Angeklagter. Nicht wegen der vielen Morde, Raubzüge, Erpressungen und sonstiger Verbrechen, die er und seine Leute Jahre hindurch in Budapest und in der Provinz a n I u d e n u n d A x bei t e rn begangen haben. Dafür hat ihn sein allergnädigster Freund und Komplice, der Reichsberweser Nikolaus v. H o r t h y, mit der dauernden Straflosigkeit belohnt. Angoklagt war Pronay wegen einer Verlsivmdung, die er in einem Schreiben gegen den General der Infanterie Paul N a g h begangen haben soll. Dafür gibt es keine Amnestie. Das Substrat der Klage interessiert alißevhalb Ungarns kaum jemanden. Hingegen verdient das Urteil und seine Begriindung die Ausulei'kfa'NikÄt der gesarnten gesrtteton Welt. Pronay wurde zu einer Gesanristrafe von drei Millionen ungarischer Kronen vevurterlt. In der Begründüng dieses Urteils wird nun 'darauf verwiesen, daß der Angeklagte vom Generalkonrmanda n ten urrd de's Offizierskorps Dinge behauptet 'habe, bk,- lucntt sie ct* ,wiesen -wären, geeignet erscheinen, das <8eneralkonunando und den gesarnten Offiziersstab der a l l g e m e i u c rr Veracht ung preiszugeben. Dafür gebührte dem Augeklagten eine schwere Strafe. Das Gericht habe jedoch auch die irn hohen Maße mildernden Umstünde in Betracht gezogen. Diese sind: „die hervorragenden Patrro- ''ischen Verdienste des angektagten Paull Pronah, die auch dem Gerichtshof bekannt dien und die höchste Anerkennung und Würdigung ver- 'lienen". Gegen dieses Urteil haben sowohl der Staaisanwait, als auch der Verteidiger Berarfung eingelegt. Das Urteil sst, rvie gesagt, irrelevant, «wie der ganze Prozeß; höchstens, daß er einiges Licht auf die Zustande in der Horthh-Armee wirst. Hingegen muß gegen die Begründung des Urteils die .Berufung an das ösfentttche l^ewssseu der ganzen Welt erhoberr werde»». In Budapest wagt es ein Gerichtshof noch inunei', ren ungesühnten Massenmord als zu belohueiides patriotisches Verdienst zu veMuden. Wenige Wochen» nachdem eines der verläßlichsten Mitglieder des Pronah- Detnche-ments, Julius Lederer, sich als der sadistlche Mörder des Lelchermeisters Kodelka bloßgcstM hat, und wenige Tage, nachdeni ein anderer Karneräd s.nd Helllers-tnecht Pvonays, Ladislaus Okoliesanyi, vorläufig wegen Aufreizung zum Mord an der Amaliv Lei rer der Staatsawvaltschast eingeliofert wurde,. Paul Pronay hat eigenhändig Md Mit Wse jemor Lcheror. QLalicfantzr und anderer ähMcher „Patrioten" hundertfach mehr und grausamere Morde und Raubmorde auf den- Gewissen. grausamere Morde und Raubmorde auf den- Gewissen, ohne der verdienten Strafe zugeführt 'worden zu sein, als diejenigen, wogen welcher Doderer und Okolicsänhischließ-- lich zuin großen Leidwesen -des SenaiÄpväsideniten Toreky in Haft genommen werden mußten. Dieser Tö r eky.-Se nat, der so - viel Verständnis für die blutigen, . patriotischen Berdienste des Dcasson^ - Mörders aufbringt» hat sich bisher als der Schrecken judi-! scher Prozeßparteien -betätigt, wenn sie das Unglück hatten, .selbst als Opfer solcher pakrtotsscher Mordgesollen in den Wirkungskreis seiner Iridikatur zn gcmten. Da wurden die Klager für das Wagnis, gegen die Gesiunung>?- genossen de's SenatSPrästdenten Töroky klagbar aufzntrewn, im Ha.ndumdrehen zu Angeklagten verwandelt aj&k danach behandelt. ‘ ___ Sndapeft vor den Wahle«. (Eiqendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 16. Aprrl. Der Termin für die haupsstädtifchen Wahlen sst en-digMtig auf 'den 14. Und 15/Mar feistgjefeht worden. Die diesbezügliche RegierirngSverordmmg wird Sonntag erscheinen. Die Vorbereitungen der Parteien für diese entscheidende Wahlschlacht, in welcher die vereinigten Oppositwnsparteieü alles versuchen werden, um das reaktionäre Woilffsche Regime zu stürzen, sind in vollstem Gange. Im westMichen stehsn sich zwei Wahlgruchpen gegenüber. Die Liste der vereinigten o p p ofitioinvlle'n de-mokrairschen Parteien umfaßt -die nationale demokratische Partei, die Kossuch- - artei, die domokratische Gruppe Szilagyr -und schließlich die sozialdemokratssche Partei. Die gegnerische KoaMon stützt sich auf die chrsstltche Kommunachartei, die chriMMiale. Partei und die Gruppe der Rassenschützler. In den dmrokra tischen Kreisen der Haupsstadt herrscht stfte Zuversicht, daß -die Lsste der vereinigten Opposition 56 bis 60 Prozent der Mandate und damit die Mehrheit fan, Budapester Genreinderat erringen wird. Die Opposition. entfaltet. eine fieberhafte Propaganda, -um alle Geg-' ner der Reaktion am Wahltag zur Urne zu bringen. Allein die sozialdomokratssche Partei hat im Wege der Gewerkschaften 10.000 Aitatoven für die haupsstädtsschen Wahlen ausgeboten. Ullgefähr ebenso groß ist die Zahl der'Wahlmacher, die die mit den SoziaDemokraten Verbündeten bürgerlichen Oppcisitionsparteien auf die Beine stellen. Man rechnet, daß -die Wolff-Partei am Wahltage höchstens 25 bis 30 Prozent der Mandate erlangen und damit die Führung der haupsstädtischen Angelegenheiten im Srn-ne des »Mlrsus" endgültig verlieren wird. Sorthp» Brmaltvvg. Budapest, 16. April. (U. T. K. B.) Die LungeA t u b e rk u lose, die in Ungarn geradezu als eine Dolks-». krank heit bezeichnet werden kann, ist in der iüngfftim Zeit in weiterem Amchn«n begriffen. In Budapest allein wurden im Vorjahre, trotz der nnzuilängilichen Schutzmöglichkeiteu, 134.000 Personen gegen Lungen schwtttdsucht beharchelt. In den K i n d e r a f y l e n find 13 Prozent der Kinder an. Tuberkulose gestorben Nach einem Berichte des Oberstadthaiuptmanms sind 10 Pro-, zent der Polizeiwachleute lu«gKMLy^«L Lß' jydt ii|g tzgM WtSffA tfktlttlt*# '

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