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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-16 · Heft 2210 (16.4.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2210 (16.4.1925)
Date
1925-04-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wiener Morileiszertuiia. T~ 16. April 1925 _ Sette a Ueberfall auf den Mutz von Butzarien. -er LelbjSger «ad ein Begleiter de» König» mnorvet. von den Banditen ermordet und beraubt Sofia, 15. April. Der König kehrte gestern vormittags in Begleitung -es Rittmeisters S tamatow, des Naturforschers Iltschew und eines Leibjägers im Auto von einem Besuch des königlichen Museums auf der L-auidstraße von Or'hanie nach Sofia zurück. Auf der Fahrt -überholte das Hoftmtomobil einen mit Reisenden besetzten Autobus, die den König erkauuten und begrüßten. Plötzlich geriet >das königliche Auto Ln einen Hinterhalt von Straßenraub««, die auf -beiden Seiten der Landstraße versteckt lagerten und das durchfahrende Auto beschossen. Der erste Schutz tötete den Leibjäger de's Königs, durch den zweiten wurde der Chaufeur im Gesicht verletzt. Der neben dem Chauffeur sitzende König -übernahm nun die Lenkung des Wagens. Der C-Hauffeur hatte, als er sich getroffen fühlte, das Auto zum Stehen bringen wollen; es fuhr auf der steilen Straßenstelle zurück und wurde durch Auffahren an eine Telegvaphonslaugo zertrümmert. Der König und die übrigen Insassen wurden heraüsgeschleudert. All das spielte sich in wenigen Sekunden ab. Die Begleiter des Königs setzten sich gegen die Banditen zur Wehr, während der König dem nachfahrenden Aiutoomnibus enigegeneilte. Er bestieg ihn, nahm den Ghauffeupsitz ein und lenkte den Wagen nach Ovhame zurück, In Orhanie alarmierte der König die Garnison ' und führte ein Detachement von etwa dreißig Soldaten nach der Ueberfallsstelle, wo inzwischen die Begleiter des Königs den Räubern standgehalten hatten, wobei Iltschew verwundet worden war. Schließlich mutzten Rittmeister Stamatow und der Chauffeur, >da ihnen die Munition ausgegangen war, retirieren, wobei sie Iltschew liegen ließ, der _ wurde. Als der König i.m Autoamnibus mit den Soldaten zur Ueberfallsstelle kam, beschossen die Räuber, im Glauben, es handle sich um ein Reisendenauto, die Insassen des Autoomnibus, die jedoch das Feuer erwiderten und einen Angriff auf die Banditen machten. Diese zogen sich, als sie, die Soldaten bemerkten, in die Wälder zurück, von Militär verfolgt. Der König fuhr inzwischen mit feinen Begleitern naH Sofia, wo er mittags wohlbehalten eintraf. In Sofia herrscht allgenreine Freude darüber, daß König Boris bei dom Ueberfall unversehrt geblieben ist. In der Früh fand in der Kathedrale ein Dankgottesdienst statt. Die Schulen, Aemter und alle Geschäfte sind heute geschlossen. Ministerpräsident Zankow erklärte, daß der Ueberfall auf -den König von einer 56 Mann starken Bande verübt wurde, die sich aus agrarkommumstischen Elementen zusammensetzte. Die Banditen hinterließen 'vor, ihrer hast:» gen Flucht zahlreiches Beweismateriäl, aus dem dieser Schluß auf ihre Herkunft gezogen werden kann. Die Verfolgung der Räuber wird fortgesetzt. ' * General Georgiew ermordet. Sofia, 15. April. Der Abgeordnete und General der Reserve K o st a G e o r g i c w, ein Mitglied der Partei des demokratischen Sgovor und einer -der Urheber des -Umsturzes am 9. Juni, wurde gestern abends um halb 9 Uhr vor seinem Wohnhaus auf offener Straße von einem unbekannten Täter ermordet, dem es gelang, zu entfliehen. r B8& gam _Wien, Dsmerstag__ ivch« Trachte» hielten ihre Ansprachen und cs war eine besondere Genugtuung für uns, zu sehen, -atz eine ganze Anzahl von JGttatm hebräische Begrützungs schreiben o«f Pergamentrollen gesandt hatten und daß eine nicht geringe Zahl von christlichen Gelehrten hebräische Ansprachen hielt. Hebräisch sprachen unter anderem: die Vertreter der ältesten Universität der Welt — Oxford — Me. Dandy, die Devbrober der Universitäten Aberdeen, Edinburgh, Groningen, Glasgow, Kowno, Manchester. Der Vertreter der Universität Kairo, stürmisch akklamiert, sprach arabisch. Do» deutsche» Universitäten war die Universität Frankfurt vevtretm. Die Violen Hunderte von Glückwmlschschvoiben solcher Universitäten und Akademien, die nicht durch ih« Mitglieder vertreten waren, konnten nicht verlesen werden, nur mit der Universität Königsberg — der Universität Kants — wurde eine Ausnahme gemacht, indem De herzlicher BegvütznngSbrief vorgelesen wurde. Sin besonderes Komitee ist jetzt damit beschäftigt, die vielen Hunderte von Adressen, Lelegrammeen, Briefen zu sichten und zu ordnen. Sie werden in einem besonderen Buche erscheinen, eine Erinnerung an die unvergeßlichen Festtage, die seht vorüber sind. Politische Rede». Die Tvinksprüche dev Konsuln in Jerusalem. Bei dem politischen Bankett, das am Abend nach der Univcrsitätseröffnung von der Zionistischen Exekutive den offiziellen Vertretern der auswärtigen Regierungen gegeben wurde, führte Präsident Sokolow den Vorsitz. Es wurde eine Reiche von Reden gehalten, denen große politische Bedeutung zukommt. Für heute seien nur die TrinLfprüche des deutschen, des österreichischen und des italienischen Vertreters Wiedergagoben. Der deutsche Konsul, Freiherr v. Rapp, führte aus: Namens der deutschen Regierung, die von jeher allen Angelegenheiten der Wissenschaft großes Interesse entgegengöbracht hat, wünsche ich der hebräischen Universität Glück und Gedeihen. Die Eröffnung dieser Universität bildet einen wertvollen Wendepunkt im Leben des nahen Orients, und Deutschland wird alles, was in seinen Kräften liegt, tun, diese Schwesic raust,alt auf dem Skopusberge zu fördern und zu unterstützen. Der Konsul zitierte sodann ein Gedicht Goethes und schloß mit diem Ausdruck der Zuversicht, daß die hebräische Universität nicht nur dom sich verjüngenden P a l ä st i n a, sondern auch Euro p a, das von ihr Großes, Schöpferisches erwarte, von stützen fein werde. - Der österreichische Konsul in Alexandrien, Dr. Strotz, der den Auftrag hatte, die österreichische Regierung bei der Eröffnungsfeier zu vertreten, sagte in seinem Trinkspruch: Es ist allgemein bekannt, welches Interesse und welche Liebe das ö st e r r e i chi s ch c Volk von jeher allen Geschehnissen im nahen Orient und besonders den Bestrebungen der Juden in ihrem Kolonisations-Werk in Palästina entigegenbringt. Zur Zeit des österreichischen Kaiser ums führte Kaiser Franz Joses den Titel eines Königs von Jerusalem, und auch die österreichische Republik, die an Stelle der Monarchie getreten ist, wandelt dieselben Pfade. Die österreichische Ropnbliik wünscht, diesem jungen Land ihr ganzes Interesse und ihre Unterstützung angedeihen zu lassen; seiner hebräischen Universität, welche ohne Zweifel allen Bewohnern des Landes zum Segen gereichen wird, wünscht sie das bieste Gedeihen. Die hebräische Universität, vivat, crescat, floreat! Die Rede des italienischen Konsuls lautete: Namens Seiner Majestät des Königs Viktor Ematt u e l, der mich mit der Aufgabe beehrte, ihn in diosein Lande zu vertreten, übermittle ich der Universität in Jerusalem am Tage ihrer Einweihung mit besonderer Freude die aufrichtigen Glückwünsche mit dem Wunsche für ihr ferneres Gedeihen. Dieser Gruß gilt dem neuen Zentrum für höhere Bildung, das soeben durch die Inden geschaffen wurde, die hiedurch von . nduem bewiesen, daß sie trotz der endlosen Verfolgungen und Zerstreuung während vieler Geschlechter ihren großen Wan zu vollenden vermochten, weil sie einig waren im Geiste und weil sie die Ideale ihres Stammes bewahrten. Die Inden wollten heutie der ganzen Welt beweisen, daß die Aufklärung die Grundlage für die Größe eines jeden Volkes ist, und indem sic ihr erhabenes Ideal verwirklichen wollen, bestimmen sie ihn: das Wissen als Grundstein. Diese Universität wird gleichfalls ein Zentrum der höheren Studien auf allen Gebieten des praktischen Wissens werden. Italien, das von jeher eine Stätte der Wissenschaft, der Kunst und die Mutter Großer im Geiste war, Italien, das in den Jahrtausenden seiner Geschichte die Juden mit Liebe behandelte, kann heute nicht anders als mit den Gefühlen der Liebe und ohne Mißgunst auf den Tempel der Wissenschaft blicken, der heute hier dank der Energie der Juden errichtet wird. Die italienische Regierung hegt den Wunsch, daß die Universität ein Leuchtturm dies Fortschrittes für die ganze Umgebung zum Wohle der - gefaulten Bevölkerung werde^ eine Quelle des Lichtes, das die Juden während der Jahrtausende ihrer Wanderung >im Westen in sich aufgesogen haben. Ich benütze diese Gelegenheit, Herrn Sokolow Dank zu sagen für die schönen Worte über seine Beziehungen zu mir sowohl in meiner Eigenschaft als Konsul wie auch als Faszist. Und ich löge Gewicht darauf, hier öffentlich und offiziell zu erklären, daß die faszistische Regierung im Gegensatz zu allen in der Welt verbreiteten Gerüchten völlig frei ist von jedem Antisemitismus. Barmat wird vom Reichstag einvernommen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 16. April. Der ReichstagsauZfchuß zur Untersuchung der Barmat-Affäre hat beschlossen, Freitag und Samstag dieser Woche Julius Barmat in öffentlicher Sitzung zu vernehmen. In der heutigen Sitzung wurden die Direktoren 'des Bristol- und des Zentralhotels in Berlin über die verschiedenen Gast mahl er, die Barmat veranstaltet hatte, einvernommen. Ihre Aussagen liefen daraus hinaus, daß Barmat sehr einfach gelobt habe. Brouav in Verruf. Budapest, 15. April. (Ung. Tel.--Korr.-Bur.) Der Streit zwischen dem Qberkommandanten der ungarischen Honved, General Nagy, und dem ehemaligen Oberstleutnant Pronay wegen eines Reservatbef-ehles, worin den Offizieren verboten wird, sich -in EHrenaffären einznsetzen, an denen Pronay beteiligt ist, hat ein gerichtliches Nachspiel gefunden. Nagy belangte Pronay vor einem Budapester ZivAgericht wegen Verleumdung, da Pronah dem Oberkammandanton Vovgeworfen hatte, daß er seinen eigenen Befehl als Deckmantel dafür benütze, um vor der ritterlichen Genugtuung auszukneifen. Das Gericht erkannte Pronah der Verleumdung sowohl des Obcrkommandanten wie auch de§ Offizierskorps der ungarischen Armee schuldig und verurteilte ihn zu drei Millionen Kronen Goldstrafe. In der Begründung des Urteils wird als erschwerend die Tatsache in Betracht gezogen, daß Pronay als ehemaliger Offizier den Ober» kammandanten und das Offizierskorps der Honved beleidigt habe, als mildernd die patriotischen Verdienste Pro nah s, Gogen das Urteil logton beide Parteien Berusiung ein. Sie Arlbergftrecke elettkisch. Das Spulerseekraftwerk, das den elektrischen Strom für die Strecke Landeck-Bludenz liefern soll, wird M i t t e M a i in Betrieb gesetzt. Schon E n d e A p r i l wird auf der Ostrampe der Arlbergbahn (L a n d e ck -- S t. A nton) der elektrischeTotalverkehr aufge n o m m e n. M i t t e M a i wird auf der Westrampe (von Langen bis B l u d e n z) ein elektrischer Probeverkehr eingeleitet und in der letzten Maiwoche wird der elektrischeBetriebaufder ganenStr ecke ausgenommen. Me mitteleuropäische Wirtschastrervertise de» Völkerbundes. Wie sich die österreichische Regierung die Wiederherstellung der Berkehrsfreiheit vorsttllt. Die ge>he immsvollen Andeutungen, in denen, sich Fmanzminister Dr. Ähre r und Dr. Seipel auf dom christlichsozialen Parteitag in Graz über den Schritt ergingen, den die österreichische Regierung nunmehr tun werde, „u.m ans der Enge des vorgezeichneten Wirts chaftsgeb ie tes herauszukom'men^, haben oinc harmlose Aufklärung in der gestrigen Sitzung des Hauptausschusses gefunden. Oesterreich wird, wie der Bundeskanzler mitteilte, den Rat des Völkerbundes ersuchen, einige wissenschaftliche Fachleute mit der Feststellung der Verhältnisse zu be-trauenunter denen Oesterreich und Europa zu leiden hat. Auf Grund dieses Berichtes soll der Völkerbund dann Mittel und Wege zur Abhilfe der Schwierigkeiten schaffen. Einen ähnlichen Vorschlag hat übrigens bereits im Februar der tschecho-flowakische Außenminister Dr. Benesch gemacht. Er regte damals die Einberufung einer Art mitteleuropäischer Wivts.chaftsKonferenz an, die sich mit -dem Abbau der Berkelhrsb e s ch r ä n k u n g e n befassen - sollte. Die österreichische Regierung scheint ihm, vielleicht sehr wider ihren Willenbei diesen seinen Gostrebungen aus halbem Wege entgegenzukommen. In der Sitzu,ng des Hauptausschusies führte Bundeskanzler Dr. Ramek über seinen Plan unter anderem folgendes aus: Die Regierung hat sich entschlosien, an den Rat des Völkerbundes das Ersuchen zu richten, die wirtschaftlichen und Verkehrsverhältnisse in unserem Teile Europas einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Die Regierung erachtet sich zu diesem Schritt legitimiert durch die ungünstigen Rückwirkungen, welche diese allgemeinen Verhältnisse auf die wirtschaftliche Lage Oesterreichs ausüben. Die Republik Oesterreich ist heute in der glücklichen Lage, seststellen zu können, daß die Krise der Staatsfinanzen überwunden ist. Oesterreich besitzt eilte stabile Währung und das Gleichgewicht im S-taatshaushalt ist hergestellt. Es steht aber heute vor anderen Schwierigkeiten. Wir vermögen nicht, unsere produktiven Kräfte frei zu entfalten, und die Folge hievon ist eine Armee von heute noch 170.000 Arbeitslosen. Diese Ziffer bedeutet eine so schwere Belastung .für Oesterreich, daß eine Abhilfe dagegen u n t e r a l l e n Umständen gefunden werden muß. Die Regierung erblickt aber die Ursache dieser Arbeitslosigkeit nicht in einer spezifisch österreichischen Erscheinung, sondern in der Neuordnung der kommerziellen und Berkehrsverhält« Der Scbekeldriwe hat begonnen! Kaufet daher den Schehel!

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