Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2210 (16.4.1925)
- Date
- 1925-04-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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TM« Weit, DomiWlag fraget fw Schuhe! mit eingebautem MBopson“-Oummi-Absatz «rt der Arbeit steht, die über dte Jahre der Iutzerch WMt Hmaus sind mb sich dennoch die Begeist« runtz n«d die Energie bewahrt haben, die wir unter vw jungen Generation «üvoffon. Ob es Ihnen Wohl Kücken wird? Ohne Zweifel gibt es sowchl Positive Momente, welche diese Frage bejahen, Äs mH GssichtÄPunikte, die Zweifel erwecken. Di« positive» Seiten -es ProdkemS stnd: a) ds- Überaus große Maß van Idealismus, der hier alle Schichten beseelt; b) das Vertraue« den Führern, das her einem Werkte, wie das -Ihrige, unerläßlich sst. Ich sehe hier weder Neid, noch Mißgunst gegen de» Führer der Orgattüsttkn, «och Intrigen und QuektrEereien gegen form; Autoritär, die geeignet wSven, die ganze Orgmttsttio» zu schivächen >und ihren Zusammenbruch «herboizufühurn; e) das gute Verhalten, der herrscheude« Kreist gegen Sie. Livst guten Beziehungen zu ihnen beobachtete ich nicht nur bei der Regierung hier in Evez Israel, sondern «rch i» London mü» auch im VMeröund. Dr. WeLzmaun sagte in seiner Ansprache an mich Wtt das Palüstinamanda't, baß es ein schwerer Gissen sei, den der VMerbund inicht leicht verdauen Lmn. Aber diese schwere Speise wurde dom Völkerbund ht guter Zubereitung serviert, mit Zutaten, die die Verdauung erleichtern, und diese sind: die Sympathien für das jüdische Volk, das daran goht, die Gvir »Klage.» für jciu Leben zu erneuern. Das sind die Seiten des Problems, die Ihrer Idee das Vertrauen in ihre Verwirklichung liefern. Aber es gibt Mich manches, das dieser Idee «tttgogerlzuhalten wäre. Zunächst widerspricht sie auf den ersten Blick dem -praMschen Verstand und der LobeMernuHt. Wie ist es möglich, einem alte», vertrockneten Baumstamm zarte, junge Ziveige auGupfroPftm? Die Geschichte kennt kein Beispiel dafür, daß sin BE zuvückgÄchrt -wäre, um ein wüstes, verlassenes Land neu zu beleben. Aber auf diesen Erywand ist zu erwidern: Nicht gesehen habe«, ist fcto Bewetz. Hoben wir, etwa schon, erlebt, daß eine «ote Sprache zu neuem Leben erwacht wäre? Bor dreißig bis vierzig Jahren noch Ware es kaum glaubwürdig ersthieuen, daß die hebräische Sprache noch strmcks im Laufe der Zeiten eine Sprache des täglichen Lebens und der Wisse«, schüft werden konnte, und doch ist dieses Wunder vor unseren Augen geschehen. Und das jüdische Volk in feiner Gesanräheit — läßt es sich. etwa in die uns geläufigen historischen Gesetze und Formeln eiuschachteln, Sie eröffnen eine Universität, die, vom pvaktischen GosichtÄpuiM und vom Stamdpunikt der -in unsere« Lobe» angenommenen Vernunft aus betrachtet, gleichfalls etwas „Ubertteuerliiches", Erzwungenes an sich hat. Sie sind hier in diesem Weinen Land und gründe^ bevor Sie noch den felsigen Boden ganz urbar gemacht, allerorten Straßen und Eisenbahnen gebaut, -Ihr Lelbsul geregelt und Bedingungen geschaffen haben, die Ihnen das Leben ruhiger gestalten könnten, eine Universität, und zwar keine BoMuniversität, die praktisches Wissen für das tägliche Leben unter dem Volk verbreiten soll» sondern just Laboratorien für wissenschaftliche Versuche und For- I Und auch diese Tatsache ist ein Zeugnis für Ihre große Klugheit in der BerfohguNg Ihres Ziele's und des Weges zu Hm, indem Sie gewde mit dem Höchsten, Wertvollste» und Schwierigsten beginnen. Je schwerer die Last ist, die Sie auf sich nehmen, desto mehr '.Kräfte und Energien zur Erreichung Ihrer Absichten und Verwirsüchnng Ihrer Ziele werden Sie in Ihrer eigenen MM finde». Ferner soll auf die Armut des Landes hingewiefen werden. Das Land ist klein, sein Boden ist steinig, unfruchtbar. Hat ein Volk, das auf solchem Boden zu noUötn Leben erstehen will, denn eine Zukunft? Ihre Lage ist in dieser Beziehung in der Tat vielleicht eilte bessere als die unserer Schweiz. Unser Land -ist klein, hat keinen Ausgang zum Meere, besitzt iteöne teuren Mineralien, keine Bergwerke, keilte Rohprodukte und auch keine Kohle für seine Industrie und ist dennoch zu einer hohen Entwicklungsstufe gelaugt, und dies ausschließlich wegen seines Wdenschonmatevials. Und voll dtestm Gesichtspunkt »Ns können Sie mit Vertrauen tot die Zukunft Aicken. Als dritte» Emlvand 'bringt fitan die Äraberftagc vor. Dr. Gluckoon sprach über dt« Ungteichheir der Kütturstust, die zwischen den beiden Völkern bestehe, und betonte, daß Sie nicht auf das Niveau der Araber heycchsinken, sie v-ielmehr zu sich empolcheben .wollen,.Es ist sehr gut möglich, daß die Araber über Sie genau so beuten. Auch in der Schweiz, loo drei NatloualMten uebeneinander leben, ist jede gelleigt, sich als die Creme des Staates uttd ihre Kultur als die höchststehende «auznstlhvu. Aber imnterhin «st das f r e u n d s ch ä f t l l ch e B e r- IfälUit**! 4g Öen Arabe rn, wie es di« RMer hier Wiener Moraenzeitung. 16. April 1828 Rr. Mid PaM-ve übernimmt die KabinettsWung SattMtzung. durch die Sozialiften. (Eigendienst der „Wiener Morgenzßlttmg".) Paris, 15. April. Painlcve hat die Bildung der Regierung übcmomlm«. Sr begab sich heute nachmittags nm 3 Uhr mich drm Ghsee, wo tt dem Prüsiventen der Republik feilten Diffchluß mit teilte. Eine Reche stMisttfcher Mtzeordneter hat Pawlcvc die Unterstützung feines Kabinetts durch die Sozialisten in Aussicht gestellt. Der Genevarlrat der sozialistischen Partei, von dem die endgültige Entscheidung über das Verhalten der Sozialisten abhänyt, hielt heute vormittag« und nachmittags Dauersitzungen ab. Er entschied sich schließlich einmütig für die Unterstützung Pa i nie v es. der Eintritt Brimdtz in eilt Kabinett Paiuleve gilt als wahrscheinlich. Painleve Hütte heute mittags mit B r i a n d eine lange Nlltevredung, die von halb 12 bis 2 Uhr dauerte. Nach dieser Unterredung erLärte Bviand aus die Frage, ob er deur neuen Kabinett angehöre» Werder ,MüM ich diese Frage bejahen, dann hatte es den Anschein, alS ob ich mein« Dienste anbote; würde ich sie verneinen, dann Mvö es allerdings zuviel gesagt." EMewx, mit dem Paiwteve ein telephonisches Gespräch hatte, wich um 7 Uhr abends in Paris eitttreffest. «MM - NnammiMer? Paris, 18. Npiil. ES brstAtzt fich. Sab P,i«»,b« die Absicht hat, Caillaux Vas Finanzportefenille zu Übertragen. Seffern«» des Srankenkursu in London. So,»»«. 18. NprS. ««, »I« «achriqi. datz Patnleve st, Regierungsbildung übernommen hat, hat sich der Frankerikurs gebessert. Das Pfund Ster» ling schloß avsttds «tt VSgegenüber SS,S8 Franken am Vormittag. Sie Sorbonne «leb« geöffnet. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 16. April. Der UntervichtSminsstev Foattwts Albert hat die Bttökkmrng dom so. Mtog, mit wslchsr die furssttscho Fakultät der Sorbonne geschlossen lv-uche, wieder rückgängig gemacht. Die Fakultät wird am 2V. d. wieder eröffnet wenden. Der Rücktritt Prostssor Seelles hat dich Maßuchrw eMchtert. «nch l« Belgien Schwierigkeiten. MgendieNst der „Wiener Morgenzsitung".) Brüssel, 16. April. Bander veil de -hat heute wegen der Bildung seine« Kabinetts Mit de» Führern der flänckschen KachoM» Md der Liberalen verhandelt. Die Beradüngen haben noch zu keinem Ergebnis geführt. In der llMgebung Bandewewe« wird versichert, daß dieser-den Mftrag zur Regierungsbildung tot dte Hönde des Körrigs zurück legen wich, wenn er davei nicht die Unterstützung anderer Parteien frltdet. Vandevvelde fft der Ansicht, daß die SvgiMsten, demn in der Kammer und im Senat 120 Stimme» zü einer sicheren Mhchoit sichle«, sich Nicht in die Lage Mac Donalds begaben dürfen, in welcher ihre Politik babü von der Zustimmung der Liberalen, bald von der der KathoMn abhängig wäre. In der Presse herrscht die Ansicht vor, daß es Bande melde nicht gelingen wird, 'bei den übrigen Parteien eine genügende UntersMtzung zu findest. Wie di« Krise dann gelöst werden könnte, ist vorläufig nicht übzu- Spfeibälle, Gutiirhischuh« und ötlmitllo Wären aller Art zü t#abrtksj)re!äen! «MM ijmsam darstellten und wie ich es auch an anderen Ovton devbachter ha'be, ein gutes Vorzeichen De die künftige Entwicklung der Dinge. Ich habe die Zuoersicht,!daß Sie «mit Ihrer Klugheit den Weg zur Verminderung der Gegeusntz« iNnd zur VctMÄhvung der Berührungspunkte, die eftr fruchtbates Bevsamnwulcben ermöglichen, finden loevden. Zum Schluß noch ein Wort über den Patriotismus. Es gibt ÄNon leichten und einen schweben Patruftis- Mus. Für dieje-nigen, die in einem Lände leben, dessen Boden reichliche Frucht gibt, * nw vvn den Menschen Keine größeren älpfer gefö-bdevt werkte-N. das Leben leicht Und ruhig hittftießt uttd «s keine Gegensätze zwischen den Massen und Religionen gibt, dört P ddr Püiriöt>isM»ls leicht. Schwer Äst der Patriotts>m.üß siir ein Land, wie das Ihrige, das noch Wüst und verlassen ist, nw der Boden vom Menschen viel Arbeit und Mühe so-rdert und uu-r geringe Frucht in Aussicht stellt, das von verschiedenen Stämmen und AngehövigeN verschiede>ner Religionen bcwoihut wird. Abdr je härter die Bedingungen, st größer die feinem Laude gebrachten Opfer sind, desto großer und in.niger wird die Liebe zu diesem feinem Lande der Armut und der Mühfal. Mahnt Euch nicht nähe der Erfüllung Eur^ «Foeals, glaubet nicht, daß Ihr Duer Ziel binnen brrrztm erreichen lvevdet. Nein! Groß« Ziele werden nicht leicht erreicht. Male werde» nteMäls in völlenr Mäße verwirklicht. Ihr Beruf ist, als vrmnleuchteuder Stern auf Mn Weg, als richtunggebende IM fite das Leben und das Tun der Menschen zü dienen. Das wird auch die Mission Eures nationalen Ideals fern Ihr werdet Euch inmrer auf halbem Wege stehend sehen; imnter neue Ziele werde,t vör Euch auftauchen, neue Aufgäben 'werden Euch erwachsen. Ihr Müßt äuch intmor aus Euch sebbst, ans EN-rem Mauben und Eurer Hoffnung neue Kräfte schöpfen, auf daß iIhr nicht evuiüdet, nicht erlahmt unb nicht Mrückschreckt vor Hilldernisseu, sondsrn stets wach, eifrig, den immer von neuem sich ergebenden Anforderungen des Abens gegenüber gewappnet bleibet! ettt Strlnrellkf M»uM«Wrr. Lsndon, 16. April. Das britische MnfsuM berichtet vo« der Auffindung eines sehr tuerivollen Steinvciliefs in Cihaldea,!wo Nebukadnezar einen Tempss des Monbgottes wieder errichtet hatte. Die Entdecklutg geschah ton großen Turnt des Tertchels des Motidgottes, welcher durch Köntg Ilvengur im Jahre 3600 vvr Christo Geburt AWu-t tvadden üvar. Das Relief gibt das Bildnis des KönW'llnd den GMlchriß der Königlichen Bautetl wieder. Das UniversitStsbankett i»3erusalem. Dvr Beginn der Bovlesnngen. cBon unserem Berichterstatter.) Jerusalem, S. April. Der Mbeud des Eröffnungstages vereinigte eine Kettte Zahl von Festgästen M einem Diner, bei wolchem die GEoteS der Regierungen ihre Glückwünsche aussprachdn. Das Ereignis des Abends war die Rede von Lord Al len Hy, die tot einer bis dahin nie echSrieü Wesse die Verdienste Gei q» m ünUs um die neide GestMuug Ser Geschichte PalästirMs hervochö'b. Lord Allen-'by erzählte die Geschichte des Feldzuges, der zur schlieMchen Ervberuug Palästinas durch die Engländer Mrte: „Ms ich das KöMUraUdv der «für Palästina besttUMte« Avlnce Übernchni, hatte ich Seine Erfahrung übte die Verhält^. Nisse int Osten. Meine Ausgabe war eine, die seit Jahchuuder^ ten viele Armeen angÄockt hat — vir Groiborung .IevusalÄtts — und unter meinen Truppen war Sein einziger ManU, VSr nicht bereit geioefen wäre, alles ftir dielst UnteruchilMnig gn opfern. In hartem Kampfe evZwaUg sich mctitc Armee den Wag nach Norden und eroberte Iertssalent. Damals wußte ich noch ivestig oder nichts vmn ZioUisnrus. Aber bald faßte ich mit ihm tot Berührung Mninen. Nicht lauge rwch der ErobevUUlg der heiligen S-tadt Vam Dr. Wetz mann und erlwtes Mr die Ehre in meinem Hanpiq-uartier zu wohnen. Sein Besuch toar für Mich die OfstwbärlMg des Glmrbens M eine Sach«: Er glMbte m den Zwniswns und bekchvtc alle, die «nt ihUt nt Berührnnig kamen, durch seinen cmsteckeuiden EitthWasinus. Unsere Position war danmls etwas prekär. Wir hatten wohl die Berge iwMich von Ierufailom, aber Samaria und Kavinel waren in den Händen des Feindes und schloßen uns den Weg nach Novden ab. Es bestand keine Hoffmuty eines mmlittelbaren Borrückens nach Norden. Wviynmm aber ging an die DUrchfichnrng seiner xiMistsschen PläNe. Bevor wir noch unseren EndevMg erktlUgen hatten, letzte er mitten unter Kanonendminer von Grundstein der Univeris^iiät. Sein Glaube infpirrerte uns und flößte uns Vertrauen ein, daß der Sihg unser war. Jetzt sehen wir, daß das Werk, für das er so vlSl Energie und Enithusiasmus aufgebracht hat, von Erfolg gekrönt ist." Es sprachen »och die Vertreter Oesterreichs, Italiens, Frankreichs, Amerikas, Deutschlands, Belgiens, Polens, Hollands. Am nächstoit Tag betzamten dt« wissenschaftlichen Borlcstlngen. Es sprachen Professor Fodor Gebräisch) Über tet* relative Phänomene in den Naturwissenschaften, Professor Edmutw L ä n d a u über PrvlbleMe der MMchvörie, Prvsessor B rodetzki über Geschichte der DtMnM Oevrässch), Professor Büchser Über Mische Geschichte, Professor Hörow i tz mv die Uvsprünge von „Tausendundeine Nacht", Pvostffor Kaplan über die Natur des Msschen SeMbewußbseins. Äiu Nachmittag des zweiten Tages fand die Grundstein» legnng des E i n stein --- I tt ft 11 u t e s für 'Mathematische Physik statt. Diese Felvr beschrä,tkte sich aus eine klein« Zahl gsladensr Gisste. Die einzettten Professoren, Vertreter der nraihoMatischeu und phhsikÄischeu Institute hielten Keine Ansprachen, worauf der Grundstein 'gelegt wurde» Der Pfcktz des Institutes ist vor tarn Chemischen Institut. Nach dieser Feier begaben sich die Gäste in das fünf DUmiteu von der Universität etttsernte RogierungSgebände Ms teilt DeWrge und hier sprachen nunmehr di« Vertreter von M Universitäten nutz IS Akademien. GS war ein Bttd bot un-vergeblicher Gchöichsit: Die Gelchrten ln ihren mjttÄaltVv«