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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-15 · Heft 2209 (15.4.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2209 (15.4.1925)
Date
1925-04-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Ne. 2809 Men, Mittwoch Wiener Moraenzettun«. 13. April ES Ssrn» .' Bekanntlich ist ein vermutlicher Mittäter des Reinitz» der dteuistnannA eimann in Miskolcz, verhaftet. Ueter -a- Borloben -es Reimann hat die Wiener Polizei Er. Hebungen o'mgeleitet und, wie wir bereits weiteten, ermittelt, daß sich Reimann seinerzeit auch in Wien anfge* halben hat. Er hat einer Wiener Verwandten im »Herbst 1921 39.000 tschech. Kronen gestohlen, ist nach Kaschau geflüchtet, wo er das gan-e Geld im Spiel verlor. Reimann tourte verhaftet, es gelang Hm, zu entkommen, zu Fuß ging et nach Wien und hier lebte er sechs Wochen vom Valutenschmuggel. Da das Geschäft schlecht ging, übevsicdelte er in ein Maffenquartier, wurde tvieder verhaftet autb wieder gelang es chm, zu flüchten. Nun ging er nach Ungarn und hier traf er wieder mit Reinitz zusammen. Sin Rundslug Wer Wie« mit dem Junkers- Fluszeus. Gestern vormittags fand eine offizielle Besichtigung des Junker's- Großflugzeuges statt, welches von der Münchener Vertretung der Europa U u i o n nach Wien-Aspern entsendet worden war. Die erschienenen Regicrungsvertreter, idarunter Vizekanzler Dr. Wader und Bnndesnttnffter Dr. Schürfst welche von Ing. Junkers jun. und Hofrat Deutel m oser der Oester* * reichifchen Luftverikehrs->A.-G. begrüßt wurden, machten sodann mit dem dveimotorigen GanzimetallflugMg, das für zwölf Personen Raum bietet, einen Rundflug über Wien. Gegen 2 Uhr nachmittags erschien der mit demselben Flugzeug nach Wien gekommene Oberbürgermeister von München Dr. K ü f n c r, der dann mit dem Flugzeug Wien wieder verließ. Ae Ankerbrotfabrik. Fritz Mendl .verhandlungSunfähig. Am nächsten Montag beginnt vor einem Schöffe,ifenat Unter Borsitz des Hofrates Dr. Schneeweiß der Prozeß gegen die A u k e r b r o t s a >b r >i k wegen Preistreiberei. Angekiagt sind der Besitzer der Fabrik Komnterzialrat Fritz Mendl und der GenevaldirMor Aptnr Fried. Das Gericht hat wegen Verhandlnngsnnsähigiketit des Herrn Fritz Mendl das Verfahren gegen ihn ansge schieden, so daß die Verhandlung nur gegen Generaldirektor Fried zur Durchsühmiig gelairgt. Rückkehr Gabor Reumann» nach Wie«. Schon vor einiger Zeit hat Generaldirektor Gabor /iifctuiuantt des Hauses Casttigtioni, der sich in Budapest aufhiolt, durch seinen Rechtsanwalt Dr. Preminger das Ansuchen um Bewilligung des freien Geleites zur Einreise nach O-osterreich gestellt. Dieses Ansuchen wurde vor einigen Tagen bewilligt und Gabor Reumann ist rmumehr »n Wien eiugetrojifen. Er wird hellte beim Untersuchungsrichter erfcheillen, um in der Ang-elegenheit des SpiriAlsexporffyndrkats, die bezüglich seiner Perfol: noch nicht erledigt ist, Aufklärungen zll geben. Wien, 1b. April.!|! Das Wetter. Gestern war cs in ganz Oesterreich trüb. In. den Vormittagsstunden gab es in Wren kupz dauernden Regen. Die Vorhersage 'lautet: Veränderlich. * Zum Ableben der Frau Blume Weber. Zu der anfangs März gemordeten Nachricht über das Ableben der Frau Blume Weber, die im Alter voll 86 Jahren m Wien gestorlbett ist, lvird uns geschrieben: Frau Weber, die Witwe nach dom Großkaufmann David Webber, entstaimmte einer alten jüdischen Patriziersamilie, dom Hause des üekanuteu Gelchrten Lewusch. Ihr Großvater war der bekaimte Rabbi Jehuda von Biala, welcher ein Alter von ü b er hu ndert Jahren erreichte. Rach den: Tode ihres Mannes machte Frau Blume Weber es sich zur Aufgabe, nächst aufopfernder Erziehung ihrer sietben Kinder sich in größtem Matze der Wohltätigkeit zu widmen. Sie besuchte regelmäßig jode Woche verschiedene Krankenhäuser, um den Kranken Trost und Erfrischungen pr bringen, stattete arme Bräute aus, forschte in diskreter Weife nach verschämten Armen lind unterstützte diese mit lauferrden Gäben, ddachdom sie ihren Zweitältesten und verheirateten Sohn im Kriege verloren hatte, trat sie mit voller Energie für alle Werke deS Friedens ein. Mit allem Enthusiasmus Motz sie sich der zionistischen Bewegung an, der sie eine treue und opferfreudige Anhängerin war. Mit Stolz wies sie barauf hin, daß ihr Baker iit den Achtzigevsahren seinen Le'tensabe»td in Jerusalem verbringen und dort beschließen tonnte. Ihre Kinder und Enkel erzog sie in gut jüdischem Geist und fiihrte auch sie dem Zioivismus zu. * Die Lebensmittelmärktc. .Ju der Gvoßnmrkthalle sind gestern ,nittelS Bahn 28 Waggons viverser Meischarten im Gewichte von 150 Tonnen eingvlangt. Bei ganz bomnglosem Berkchr sind vorläufig uennenswerte Preisveränderungen nicht eingetroten. — Der Raschmavkt war mit GärtnererzeMissen günstig versorgt. Airch vom Ausland st»ch größere Mengen Kochsalat, Frühkartoffeln wie auch Weiß- und Rotkraut eingelangt. Der Verkehr wickelte sich ziemlich lebhaft ab, wvbei PrelsveräNderuttigeu nicht zu verzeichuen waren. Auf allen arideren Marktgebieten hielt sich der Verkehr bei ausreichenden Zusichren in bescheidenen Grenzen. * Das Wohnbauprogramm der Gemeinde im Jahre 1926. Im Wiener Stadtibauamt wird au der Borbereitung des Wähnhausbauprogrammes für das Jahr. IM gearbeitet. Nach den Beschlüssen des Gemeindcrates müssen auch in; Jahre 1026 fünstausend neue Wohnnngen von der Gemeinde geballt werden Es dürfte noch im Herbste all vielen Baustellen •mit der Arbeit begon>nen werten. Der Gemeinderat hat auf Antrag des amtsfi'chreiiten Stadtrates Siegel einen Betrag von fünf Millionen Schilling für die Durchführung dieser Vorarbeiten bewilligt. Diese Ausgabe wird aus der ' item b edeckt. Mitteilvngen aus dem Publik««. Kultus- und Justiz-Um and Barette erhalten Sie vorrätig oder nach Mass bei der bekannten Speeiaifirma RUDOLF GOLDSTEIN, SSi"lh'r Groiiet tager feiner Stoffe für Maasbestellungen Tfi. 4B.a ga WIEN» II. TAftOftSTOASIB 84 Qaar. iejg Im VERLAG Dr. Josef FLESCH, PRAG, Soukenicka 5 1 eriekilitt dimnlchil: EIN! WERDENDE WELT RElSEEINDRÖCKE AUS PALÄSTINA von NUEO HBRRHANN 10495 Ein stattliche* Buch von ea. 180 Sollen, gut!n Halbleinen gebunden, mit seohsfarbiger Karte von Palästina Subskriptionspreis bis 19. Mai K tsch. 22.— Ab 19. Mai erhöht sieh der Preis auf K tsch. 28.— Bestellungen durch jede Buchhandlung oder direkt beim Verlag Wiadsr au Habon! Orig, irani. Zigarellespaplir JOB Bureau: UliEn, VIII. Ikodigisii 11/2 * Eine KinteÄeiche in der Donau. An der Stadtgreuze gegen Langenzersdorf wurde Montag aben-ds die Leiche eines neugeborenen Knaben, in weißes Tnch und grauen Barchent gehüllt, aus der Donau gezogen. . *' Die Leben-müden. Montag abends wollte sich die Hausgehilfin Mizzi R. mit Leuchtgas vergiften. — Die 21jährig: Hausgehilfin Marie F. hat sich durch Genuß von Brennftnrints zu vergiften versucht. — Der 48jährige Tapezierer Cdu>ard N. ver,uchte mach einem Zlvist in iciner Wohnung Selbstmord durch Leuchtgas. * „Billige" Wäsche. In deir UmrdeMnidern reiste in den letzten Wochen eim Mann herum, der als Neri roter Wiener Wäschefinmen ouftrat und Wäsche erstaunlich billigen Preisen anbot. Er konnte auch AtuMr zeigen, und, da vre Offerte wirklich sehr preiswerit erschienen, bekam der Mann viele Aufträge. Er hob auch einen anfehMcheir Teil des Preises als Anzahllung ein und stellte dmüber Mgvlvechte Quitt-ungen ans. Dann verschwand e.r aus dem betrssfenden Ort und damit war die Sache für ihn abgetau. Di» Besteller hatten das Nachsehen.' Schließlich wurde er am 12. d. in der Person des Lchährigen, vorbestraften Agenten Richard kalter verhaftet. - * Kardos' Leiche gefunden. Aus Budapest wird berichtet: Bor vier Wochen ist der Mistolozer Eisenlwareühändl'er Bola Kardos aus der Hauptstadt spurlos verschwunden. Am Sonntag wurde nun der Leichnam des Ävusmannes bei Raczalmas von der Donau an das Ufer gespült. Der Leichnam wies keine Spuren äußerer Derletzungen aus/ Sämtliche WertzgeHLNstände und ein großer Betrag von Bargeld fanden sich in den Kleidern des Toten vor. Es untevlieat keinem Zwvifal mchr, daß Kardos, vermutlich aus wirtschaftlichen Gründen, Selbstmord begangen hat. * Jüdischer Jugendgottesdienst. Die JsraeLitifche Kultusgameinte teilt mit: Der JuEidgottesdienst fiir die SMler und Schülerinnen der Volks-, Bürger- und Mittelschulen fmdet für den Rest des Schuljahres statt: In den Synagogen: 1. Bez., Seitenftettengasse 4; 2. Bez., Tompehagsse 3; 5. Bez.» Sieibenbrnnnenigasse 1a; 6. Bez., Schmalzhafgasse 3; 8. Beiz., Ne>udvagergasse 12; 9. Bez., Millner gaffe A; lg. Bez., Humboldt- -gaffe 27; 20. Bez., Kluckygaffe 11; 21. Bez.» HolMeistergasse 12; 18. Bez., Turnergasse 22; 16. Dez., Hubergasse 8; 18. Bez., Schopenhauorstraße 99, und 19. Bez., Dolmergasse L Termine: 18. April, 2. Mat, 16. Mai, 3 Uhr nachmittags; 6. Juni, halb 4 Uhr; 13 Juni, 3 Uhr, SchluMottesdienst. * Blitzschlag. Wie der ,-Dresdener Autzviaer" meldet, hat sich am Ostermontag in der Sächsischen Schweiz während eines Gewitters ein schweres Unglück ereignet. Aus der Feste Königstem schlu.g der Blitz in eine Gruppe van 30 Personen ein, tvobei drei Personen sofort getötet wurden; 23 Perfonen wurden, verletzt, darunter vier schtver. * Erdbeben auf Jamaika. Aus Kingston auf Jamaika wird gomÄdet, daß vorgestern nachnrittags ein Erdbeben verspürt wurde, daß vier SÄunden lang danorte. Die Bevölkerung floh -erschreckt auf die Straßen. Es scheint nur rrnbedeutender Sachschaden aulgerichtet worden zu sein. * Geographie uick Kreuzworträtsel. Seitdem die Krenzüvor-trätsel so modern sind, interessiert man sich viel mehr als sonst für geographische Namen. Deswegen ist eine amaisante Znsammenstelluna von solchen Namen interessant, die „Domenioa del Corriere" gibt. Ä heißt ein Fluß im französischen Departement Loir et Cher, Aa heißt je ein Fluß in der Schweiz, Belgien und Holland, Ai ein Fluß in Rußland; Aa heißen:schr viele deutsche Owe. Eu eine sranzösische Stadt. Ua ein Fluß in Venezuela. Ui einer in Sibirien. Uia eine Insel in Polpnesien. Uea eine in Nenkalledonien, Eua eine im Tonga-Archipel, Jie eine von den Rin-Kiu-Inseln, Jio eine Stadt in Guinea, Joa eine im modernen Griechenland. Aber auch die antike Geographie kannte solche Namen, die (letzt) das Entzücken der Kr-ouOvortglänbigen bilden: eS gab eine Stadt Aea in Kolchis, und das jetzige Tripolis hieß einmal Cca. Vereine. Bortrüge und Bersowmluugen. Z e i r e M i s r a ch i. Wien. Donnerstag (letzten P-fsachtag) findet eine Zusammenkunft der Zeirim, zu welcher auch die MiSrachchaluzim auf diesem Wege geladen werden, um S Uhr nachmittags im Restaurant Braten, 2. Bez.. Große Sverlgasse. statt. Sonntag, 10 Uhr vormittags, dringende AuSschußfltzuug. — G e s e N s ck a f t d e r F r e tl ti d e (O u ä k e r), 1. Bez., Singerstrabe 16/2. Heute um 7 Uhr abends frei zugänglicher Bortraa des Professors Dr. Elbert Russell (Swarthmore, Pa.), über „Mh reeent visit in Palestine". Jeder willkommen. —- Gremium österreichischer Handelsvertreter. Heute, 6 Uhr abends, Trefftag im Handelsmuseum, 9. Bez., Berggasse 16. 1. Stock. Madioprouramm. Mittwoch den 15. April. 9 Uhr: Marktbericht. — 1 Uhr 5 Min.: UraNiazeit. 1 Uhr 20 Min.: Wetterbericht. —' Halb 4 Uhr: Wiener Börse. 7- 4 Uhr: Nachrichtendienst. — 4 bis 5 Uhr; N a ch m t t t a g s k v n z e r t. Brüll r Marsch und kleiner Walzer; Strauß: Jllustrati-uen, Walzer; Offenbach r Die BerlobmtZ tei der Laterne; Saint-Saentz r Die Sündstut, Violinsolo; TS» selli: Nell* attesa (2. Serenade); Massenet; Manon, Wkmtafie; Dvokak: Menuettsuite; Sullivan: 7he Mikado, Selektion; Kronegger: Im Himmel spielt der Ziehrer; Gershwin: Virginia, TanzinteMezzo. — '/<6 bis V«7 Uhr r D i e Sagen vom Stephansturm. Otto Erich Deutsch. Anna Kainz-Schrötter. — V-7 Uhr: V 0 r t r a g. Obermedizinalrat Dr. I Aamberg: Erste Hilfe bei Blutungen. — */«8 oiS */|9 Uhrr E n g l i s ch e r S p r a ch k u r 8. — '/,9 Uhr: Kamin e r m u s i k. (Russischer Abend.) 1. Borodln: Stteichquartett A-vur; 2. Rachmamnow: Sonate für Cello und Klavier (Cello: Wilhelm Winkler, Klavier: Prof. Ifferliß); 8. Gesangsvorträge: Staatsopernsänger Wiedemann; MufforgSky: Trepak, Mufforgsky r Wiegenlied. MufforgSky: Hopak; 4. Glazounow r Streichquintett für 2 Violinen, Viola und 2 Celli. — 10 Übrr Heitere Abendmusik. Bühne und Kunst. Lao Schicksal der Bolksoper. Vorläufig wird gespielt. Die gestrigen Vechandlungen der interessierten Gruppe,, in der Volksoper brachten noch keine Klärung. Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Die Lage ist e r n st. Es wirb aber weiter verhandelt. Die Vorstellungen sinldett bis a-uf werteres statt. Ein Steuerzwischenfall in -er Bolksoper. piucipp nach Beginn der Nachmittagsvorstellung am Montag ereignete sich in der Bolksoper ein Zwischenfall. Ein Steuercxekutor wollte eine Schuld von ungefähr 13 Millionen Kronen sicherstellen. Das Mitigliüd Tisch verwehrte ocm Exekutor auch nach dem Vochalt ider Strafbarkeit seines Vorgehens den Zutritt zur Kasse mit den Worten: „U>nisere Mitglicidcr hungern, das Geld nruß auifgeteilt werden und gehört »licht der Bolksoperngejellfchoft!" Dem interverrierenden Direktor Siiedrh gelang es, den StenerexokUltor von seinem Vorhaben abzuibringen. Hierzu wivd aus dem Rathaus gemeldet: M-outag versuchre ein Beamter des Magistrats, die tägliche Gebühr ohne jede Cinbozichung eines Rückstandes von 35 Millionen Kronen und ohne Rücksichtnahme ans den großen Rückstand von 700 Millionen Kronen, einzuheben. Das Borgühen der Gemeinde hat durchaus der »nehrmouatigen Gepflogenheit und den ausdrücklichen Vereinbarungen mit der Direktion entsprochen. Es war auch das Geld bereits vorbereitet und die Quittung schon vom Kassier unterschrieben. Der Vorfall spielte sich im Sekretariat ab. Das Personal war also in voller Kenntnis dessen, daß die Gemeinde diese tägliche Einhebung vornehmen würde. Diese Taffache wurde ausdrücklich dem zum Zwecke der Einhebuny evschienenen Beamten von: Direktor Stiedry bestätigt. Dar Eingversen des Personals stellt sich also als ein Bruch der mit der Direktion getroffenen Vereinbarung dar. Dem Vernehmen nach streben die Musiker die S per r epl a n m ä ß i g an, da sie bereits durch a n d e rwertige Verträge gesichert sind. Ein Betviäbsrat der Musiker machte sogar die Aeußevnng, daß der Beamte den Musikern einen gwßen Gefallen getan hätte, wenn er das Geld beschlagnahmt haben würde. So wären die Musiker das Odium losgeworden, daß sie die anderen Arbeitsgruppen der Volksoprr im Stich lassen und die ganze Last der Verantwortuv' würde der Gemeinde zngefallen sein. Bnsoni, der Mchersammler. Busonis Bibliothek unter dem Hammer. Vor einigen Tagen fand in Bevlin die Versteigerung der Bibliochok des Virtuosen und Komponisten. Fer« ruccio Bus 0 u i statt. Diese Auktion war eines der gr ö ß t e n Ereignisse ihrer Art. Der Katalog umfaßt nicht weniger als 111 Seiten und unter den 1400 Nu>mmern mit 5000 Bänden fand sich Seltenstes und Schönstes. Dieser Künstler war ein echter Bücherfreund und hat sachkundig Kostbarikerterl aus den vevschiedensten Geistesgobieten zusammengetvagen. Ein Kosmopolit und eine Faust-Natur hat an der Zustandebringung dieser Bibliothv! zeitlebens gearbeitet. Seine Licblinige waren Cervantes und E. T. A. Hoffmann. Den „Don Quichotte" hatte er schon als Knabe verschlungen und Cervantes ist in der Sammlung mit 176 Bänden in sielten Sprachen Vertveten. Durch die ganze Wellt führten Busoni feine Künstlevfahrten, und überall suchte er mit außerodentlichem Finderglück nach vergriffenen Ausgaben und Kostlbarkeiten dieser beiden LiMmgsdichter. Ein erlesener AMick waren die auf hohen Regalen seines ArbeitSzimnrers geschlichteten 5000 Bände, jeder einzelne stilvoll im Gewände der Zeit gckleidct. In dem Berliner gastlichen Heim des Künstlers blie>b die Bibliothek, sein „Blumengarten", Unberufenen streng verschlossert. ES ist woder eine Bibliophilenbdbliothok noch eine Fachbibliochek, sondern die Bücherei eines großen, reichen, umfassenden Geistes., In dem Vorwort, welches Dr. Kapp zu dom Anktionslkatalvg schrieb, sind bemerkenswerte Angaben über die Persönlichkeit des allzu früh verstorbenen Künstlers enthalten. Das Vovivort schließt mit folgenden Sätze"'- „Wie die zauberische Persönlichkeit Busonis der Welt für immer entschwnuiten und nur noch einem engen Kreist auS seinem Schaffen fühlbar bleibt, so ist auch die ganz auf ihn eingestellte BibliotheS chne ihn der Vergänglichkeit golveiht. Mögen ihre Emzelstücke, nun in alle Winde zerstreut, den künftigen Eignern so viel Stunden stille»: Glückes und innerer Erhebung bereiten, wie einst ihrean Schöpfer, nrögen sie Uobermittler Bnsonischen Geistes und Mehrer seines Nachruhms fein." Gleichwohl wir es Freunde des Künstlers und der Wahrung des Andenkens an eine starke Persönlichkeit geben, die ge-! wünscht hätten, daß die BNiothvk Ferruccio Bnsvnis nicht unter den Hanune^ koimnt. 'sondern pietätvoll in tem Zustande belassen bleibt, i« wetcküm ll« vtckmi »urücklieA.

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