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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-15 · Heft 2209 (15.4.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2209 (15.4.1925)
Date
1925-04-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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/ Bette 4 . \ Dien. Mittwoch * Aenrralftabrkonferenz der Banvstaatrn. MoSka», 14. April. (R. X. A.) Nachdem teitä das Pol«ischc und das sinnländische Ministere um des Leutzern den Soiräetgesandten die Tatfache der Rigaer Konferenz der Generalen Ls che ss offiziell bestätigt hatten, gab nunmehr auch der Generalsekretär des lettischen Außenministeriums dem russischen Geschäftsträger in Riga eine analoge Erklärung ab, wobei er betonte, daß die Konferenz der Sowjetunion keineswegs feindlich gewesen sei. Lettland strebe die Festigung der freundschaftlichen Beziehungen zur Sowjetunion und zu Deutschland an und werde Hn keiner diesen Ländern feindlich gesinnten Koalition teil- 'ahmen. )ie englischen und rusiischen Sewerlschaften. Der „Politischen Korrespondenz" wird aus London geschrieben: Die Konferenz zwischen den Vertretern der britischen und russischenTrade-Union-Be« w e g u n g wurde kürzlich beendet. Der Zweck der Konferenz war es, die Möglichkeiten einer Anpassung der russischen Trade Union? an die Amsterdamer Internationale zu studiere«». Das offizielle Communiqne über die Ergebnisse der Konferenz sagt, daß in allen wichtigen Punkten tu vieler Hinsicht ein Einvernehmen hergestellt wurde. Die gemeinsam gefaßten Ratschläge, die d e m Generalr a t unterbreitet werden würden, würden viel dazu beitragen, bestehende Mißverständnisse itt anderen Ländern zu beseitigen. Das zustande gekoinmene Uebereinkommcn tvird eine internationale Bewegung möglich machen. Irr Privathandel in Rußland. Moskau, 13. Älprrl. (Wofff.) R Y k o w, der heute in Leningrad eingetroffen ist, erklärte -nach einer Meldung der RMischeir Telegraphenagentur Pressevertretern gegenüber, daß der Privathandel noch lange Zeit eine bedeutende Rolle in der Wirtschaft der Sowjetunion spielen werde. In den letzten Monaten habe der Waren- «vmsatz sehr zugenommen. Weder der staatliche noch der genossenschaftliche Handel können ihr Kapital entsprechend dom Wachstum der Gesamtwirtschaft vergrößern. Die Beziehungen zwischen dam staatlichen und dom privaten .Handel müßten ausschließlich auf einer gesunden Konikur r e n z aufgebaut iverden. Eine administrative Behinderung des Privaikapitals sei unzulässig. Irr Acherwonetz in gtalie« kotiert. Rom, 14. 2lpr«l. Der italienische Botschafter in Moskau hat dort offiziell mitgeteilt, daß die italienische Regierung die Kotierung des Tscher- * wonetz an den italienischen Börsen gestattet hat. Ile kleine Entente. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Belgrad, 14. April. Entgegen den ZeitungSmeldungen über den Termin der wiederholt vertagten Bukarests Konferenz der Außenminister der kleinen Entente wird von maßgebender Stelle mrtge.teilt, daß bisher .weder der Dag des Beginnes der Konferenz noch auch die Tagesordnung feststehen. Die Frage der Beziehungen der kleinen Entente zm Sowjetrußland steht nicht auf dem Programm der Bukaroster Konferenz. Wenn auch unverbm-dliche Besprechungen zwischen den drei Außenministern über dieses Thema geführt werden sollten, so werden jedenfalls keine endgültigen Beschlüsse in dieser Richtung gefaßt werden. Nadir Mt «ach. Belgrad» 14. April. (Tschech.-slow. Preß.-Bur.) Nach einer Meldung aus Agram hat Stephan Ra d i c die Erklärung abgegeben, daßdie Kroaten nachgegeben haben, tveil die Mehrheit de's serbischen Volkes für die monarchistischen Staatsform eintrete und di« Kroften eine Verständigung mit dem .serbischen Volke hcvbeizuDhven wünschen. Radic sei überzeugt, daß sein Prozeß, falls es überhaupt dazu kommen sollte, mit seiner Freisprechung enden werde, da man ihm nichts Strafbares irachweffen könne. _ Sin Äirchenkampf in 3ofino. Ungvar, 14. April. (Tschech. Preß-Bur.) Heute vormittags kamen in Jasina ungefähr 200 orthodoxe Bürger zusammen und besetzten die in der Nähe des Bahnhofes befindliche u n i e r t e Kirche. Sie brachten auch Lebensmittel auf einige Tage mit, um in der Kirche nicht ausgehungert zu werden. Das Gerücht von der Besetzung der unierten Kirche durch die Orthodoxen verbreitete sich rasch in der Gemeinde. Eine Menge von Unitariern umringte die Kirche lutb forderte die Orthodoxen zumVerlafsender Kirche auf. Dank dem Eingreifen der Gendarmerie ist es bisher zu einem Blutvergießen nicht gekommen. Da aber die Befürchtung besteht, daß sich blutige Zusammenstöße ereignen könnten, wurde weitere Gendarmerieverstärkung verlangt. » WrrbetAbim«e«ie»IürdIe t .Staut nttgtntUmig"; fiHettet MoraenzsUurm. ein Bambenanschlag in MarmaroiMet. (Eigendirnst der „Wiener Alorgenzeitung".) Budapest, 14. April. Wi« „Az Est" aus Marmavossziget tneldct, wurde gegen das rumänische Kasino dieser Stadt ein Bombe nattentat versucht. In einem Saale des Kasinos fand man beim Aufräumen unter einem Sofa eine Bombe von 75 Millimeter Durchmesier. Die Bombe wurde in di« Artilleriekaserne gebracht und dort untersucht. Ihre Sprengladung war so stark, daß di« Bombe, falls sie explodiert lväre, das GMu.de des Kasinos unfehlbar in die Luft gesprengt hätte. Die rumänischen Behörden haben eine strenge Untersuchung eingeleitet, um den Personen auf die Spur zu lammen, die das Bombenattentat geplant 'hatten. Amnndsen ln Spitzbergen angekommen. (Eigendienft der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 14. April. Wie das berliner Tageblatt" aus Kopenhagen meldet, ist die A mnndsen - Expe d itio n mit ihren zwei Schiffen „Hobby" und „FraM" auf Spitzbergen angekcmmen. Das Tclegramm sagt nichts von den Eisvevhältnisson, aber aus der kurzen Zeit der Ueberfahrt ist zu. schließen, daß sich keine Eiss ch w i e r i g k e i t e n lDrfindei'. 8n der Wachau. Gin Hakenkreuzübcrfall auf Müder. An: Montag abends waren in Wien Gerüchte über einen von H a k e«k r e ul e t u in der Wachan verübten Uebersall ans Wiener Kinder itt Umlauf. Nach unseren Informationen ist tatsächlich ein solche Uebersall erfolgt, uttb zwar Montag nachnnttags bei der Ruin« Hoheneck nächst St. Pölten. Dort hatte»» sozialistische Mittelschüler aus Wien, die eine mehrtägige Ostersalirt veranstalteten, sich in harmloser Weise mit Spielen uu<b Blumensnchen vergnügt. Di« St. P öl teuer Hakenkrcuzler rückten geaeu diese „Mische Invasion" in einem geschlossenen Trupp a»is, den eine Radfahrrrpatrouitle eröffneie. Die Burschen drangen in die Wohn räume ein, in denen die Mtttelschüler untevgsbvacht waren, nahmen Hausdurchsuch-ungen vor und belästigten die Mädchen. Ein Gymnasiast wurde durch Schlüge und Fußtritt« mißhandelt. Schließlich kamen aus Dt. PÄtcn und Prinzeudorf sozialistisch« Arbeiterwehren heran, die durch einen Radfahrer hertbeigcholt wovden waren. In der Gsgeüd hatte dieser Uebersall große Erregung hevvovgerufen. Don allen Setten kamen Ausflügler. Dies bewog die Helden von St. Pölten, schleunigst albzugichen. * Bon anderer Seite wird uns berichtet: Eine Gruppe sozialistischer Mittelschüler hatte einen Ausflug auf die Ruin« Hoheneck unternommen und sich in kleinere Gruppen zerstreut. Die jungen Leute hatten für die Mädchen, die am Mssluge tettnahmen, es waren darunter Kinder im Alter von Id bis 18 Jahren, eine Scheune vom Gastwirt Schoberböck gemistet. Eine Gruppe Hakenkreuzler aus St. Pölten übenftel nun unter Führung eines gewissen Kurl Kratwall, St. Pölten, Herrenplatz 6 wohnh aft, die in der Scheune befindlichen Mädchen und belegte sie mit den unflätigsten Schimpfworten. Ein Mittelschüler wurde von der Bande sestaenommen und in ein Lokal eskortiert, wo von ihm die Erklärung erpreßt lvurde, daß die Hakenkreuzler zu dem Uebersall provoziert worden seien. Di- Behauptung, daß es sich hier um eine Störung der Besttzrechte der H»ckeickreuzler handelt, trifft nicht zu, da der Gastwirt Schodcrböck die HakeEveuzler schon vorher au» seinem Lokal hinausgewiesen hatte. Bo-N dem Uebevfalle erstatteten die Mittelschüler bei der Gendarmerie die Anzeige, die die Namen aller an dem Ucberfüll beteiligten Hrckenikrmrzler seiststellen konnte. Die Anzeige lautet ans wörtiliche und tätliche Bhrenlbeleidignng, HanssriedenSbrnch und Einlschränikung d«r persönllichen Freiheit. Der Uoberifall wird eilt gerichtliches Nachspiel haben. Sin begeisterter Patriot. Budapest, 14. April. (Tel.-Koinp.) Wie ,;ti Reggel" mittelst, erschien am 4. d. in Lequeitiv, dom Wohnsitz der königlichen Familie, der Landwirt Nikolaus Kovaes- Nagh aus Nyireghhaza, der eine Wette abgeschlossen hatte, zu Fuß von Nyiregyhaza bis Dequeitio zu lvanveru, um der königlichen Familie einen Besuch abznsdatten. Nikolaus KovacsMagh lhat den Fußmarsch aus Ungarn nach Spanien innerhalb fünfzig Tagen bewältigt. Gr wurde von der Königin Zita und dem jungen König Ott» sofort empfangen. Der legitimistische Landwirt ibeabsichtigt, auch die Rückreise nach Nyiregyhaza zu Fuß zurückzu legen. * Berichtigung. Herr Asvlf Böhm bittet uns, gu berichtlgett. daß es in seinem A::itil in Nr. v207 „Bodenpolitik nnd NatioMlfonds". Seite t, erster Absatz, richtig heißen mutz, „mn so höhere Forderungen stellen die a r a 6 t s ch e n (nicht europäischen") Eigner von Ntichbargründen. Ferner soll es in« ersten Absatz richtig heißen: „jode Beschränkun.i : -r.Boden- *&st**“ «W (Wta*w!*0. 15. AM 1986 8h. «M Tagesbericht. »re Sntnmefter Schachwetttampf. Oesterreich gegen Ungarn. Aus Budapest, 1L. d., wird berichtet: Unter großer Teilnahme der ungarische»« »md österreichischen Schachfrounde und auch zahlreicher Gäste aus der Tschecho-SloUvakei bogonn heute um 3 Uhr nachniittags in Budapest der S t a a t e n- Wettkampf Oe st e r r t i ch—U ngarn. Der Kampf geht auf 2o Brettern. Die schr meisterstark aufgestellte Wiener Mannschaft wurde von Dr. Rostanyi i»n Namen des Budapcfter Magistrats herzlichst begrüßt. Bei der Verlosung fialen ihr auf de,« uugradzaMigen Brettern die schwarzen, auf den gradzahligen die weißen Farben zu. Am ersten Brett ging Grün seid gegen den Vorkämpfer Ungarns tt. Balla (Maroezy weilt noch immer in Amerika) in die Verteidigung des Aljechil«-<JaMpieI«s, am zweiten Brett eröffnote Hans Km och gegen den OlymPiadenkämpfcr Doktor Bajda einen spanischen Angriff, am dritten Brctr verteidigt sich Prof. Becker gegen B a r a r z, der einen Zuckertort <r» öffnet hatte, mn vierten Brett spielte E»nm«rich K ö u i g die nämliche Eröfsirung gegen den Olympiadc«ttänrpfer H a v a s i, am fünfte«« Brett uchn« Hans M ü Iler ein ihm von S t e i «r c r augebrtenes Königsgambit a««, am sechsten Brett erösfnetc der Wiener Altmeister Reginald Wolf gegen Erdy einen rujisischen A»»gri-ff, cm« siebenten Brett verteidigt sich der Bor kämpfer der Wiener Arbeiter Meister Fischer gegen einen Zuckertort Balonyis, mn acht«,, Brett eröffnete Duhrm a n n uuregelinäßig gegen T vm o n ow i e z, aus den» nc»»nten Brett verteidigt sich Lolivene im Miechin-Jagdspiel ge>ge»< N e g y e s s y, am zch»«te»» Brett spielte Prof. Grober einen Zuckertort gegen Földes, am elften Brett ging Dr. Kondor in die Caro-«Ka»rn-Verteidigun!g gegen Elekes, a»n zwölften Brett kämpft Dr. Wotawa (Wiener D. Sch. V.l gegen die »rämliche Berteidiguitg Schwaigers, am dreizchnten Brett ging der Wiener Arbeitermeister S ch a r a gegen Szigcti in die sizi'lianische Verteidigung, mn vierzehn len Brett spielt Go dar ein abgelehntes Domengambit gegen Szavay, am f»u»fzch»»trn Brett verteidigt sich Eberl unregelmäßig gegen R e t i, an« sechzehnte»« Brett spielt Pros. K'lemann gegen die srzilimrische Berteidiguujg des Problomdichters Jako b, am siebenzchnten Brett lehnte Dr. Melle r ein Dalncngambit Sarkoezys ab, am achtzehnte»« Brett spie'ttc Generaldirektor B o u r q u o i ei-n Damenbauevnspiel gegen R e i t s z h c r, am. »«eunzchnten Brett Qitug Lanz gegen Dr. Z i m »n c r in die Caro-Karm-Verteidigung ujtb am zwanzigsten und letzten Brett oröffnete L a n b e unregÄinäßig,gegen Dr. Her z. In das Schiedsgericht »vubden Mvählt: Für U»»!garN Abonyi »»nid Havasi, 'für Oesterreich Grünfcld u»«b Km och. - .' Der hartnäckig gchührie Kan«ps w»wde nach sechsstürrdiger Dauer um 9 Uhr abends abgebrochen. Er blieb mit zehn gegen gelhn unentschieden. Fünfzig Fahre Budavest. Rückgang der jüdischen Bevölkerung? ' Aus Anlaß der fünfzigjährigen Wiederkehr der Bcrei»«lgung von Ofen, Altofen und Pest zur Landeshauptstadt. Brrda- Pest veröffentlicht der Direktor des Budapester Statistischen Amtes, Dr. Gustav Thirring, einen Ba»«d statlstischen Materials über die Entwicklung der rrngarisrhen Hauptstadt in« abgelaufe>«er« halben Jahrhundert. Sehr gründlich sind die konfessionellcu Verhältnisse Blldapests bearbeitet. Wir finden die sehr inter - essante Angabe, daß bei der Volkszählung im Jahre 1869 die römisch-katholische Kirche 196.000 Einwohner unter ihre Anhänger zählte, daß aber an zweiter Stelle damals das Jzrdentum mit 45.000 Ä««hängern rangierte, während die beide»« großen protestantischen Konfessio»«en nur mit 14.000 Seele»» vertreten waren. Im ersten Dezennium des 20. Jayryu»«derts stieg die Zahl der Reformierte«« auf das Doppelte, wogege,« die Juden sch aft mir etwa ein Viertel (23 Prozent) ihres Zuwachses im vorhergehenden Jahrzeh»«t erreichte. Ter Z«»- wachs der Juden im Jahre 1900 betrug noch rund 64.000 Köpfe, im Jah«:e 1910 nur mehr 37.000, und irn Jahre 1920 nur 13.000 Seelen. In Prozentsätzen betrug der Zuwachs im Zeitraum zwischei« 1869 und 1920 der Griechisch-Katholiken 1580 Prozent, derjenige der Reformierten 677 Prozent, der Unitarier 523 Prozent und derjenige der I u d e n 380 Proze»«t. In der ältesten jüdischen Gemeinde der vereinigten Hauptstadt, in Altofe»«, ging das Judentum sogar effektiv zurück, da es vor einem halben Jahrhundert 15.5 Prozent der dortigen Gesamtbcvölkernng auk-machte, heute aber nur «nehr 11 Prozent innehat. Bor dem Relnitz-Prozeß. Die Morde in den Wäldern von Szatmar. Aus Sza-kmar wird uns berichtet: Wie schon kündigt, beginnt am 37. d. vor dem hiesigen Gericht der Sensationsprozeß gegen iJaköb Reinitz, dem, wie 'bekannt, sechs Raubmorde zur Last gelegt werdeu. Man erwartet im Laufe der Verhandlung neue Sensationen. Bevichlevstatter der Bukaroster und ^der gvotzen rumänischen Blätter sowie ausländische .Journalisten sind bereits in Kalmar eingetroffen. R e i u i tz selbst steht ständig mit seinen Verteidigern in Berbittdullg und arbeitet an seiner Verteidigung. Seine Anmerkungen, Notizen, Gegenfragen nsw. füllen bereits 130 Bogen. Er steht der Verhandlung mit der größten Ruhe entgegen. Zu einem seiner Verteidig« sagte er: „Am 30. April bin tjfe -um Mittag, I

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