Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-04-12 · Heft 2207 (12.4.1925) · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2207 (12.4.1925)
Date
1925-04-12
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981292--22485-3009902
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 2207 Wien, Sonnte Jllusimr von Leinwand anhaftete, zu begnügen. Selbstver- MMich sind weite Schichten Volt diesen Genüssen <nisgefchlofsen. Aber wer es nur auf irgend eine Art möglich machen kann, hält mit und gibt den letzten Groschen ans, um nicht zurückzubl-evben. Der Begriff >des Sparens, des Zusammenlegens als Selbstzweck gewissermaßen, ist uns abhanden gekommen. Fast ohne Ausnahme leben jetzt auch die Mittelschichten von der Hand in den Mund, geben heute aus, was sie gestern verdient haben, und fragen nicht nach dem morgen. Wir haben es zu schmerzlich nahe erlebt, wie sich mühselig zufammengetragene Sparpfennige zu lächerlichen Werten verflüchtigten, unser Glaube an den Notgroschen ist zu tief, zu bitter enttäuscht worden. Der Gedanke des Sparens ist kompromittiert — alle Stras- und Mahnpredigten können dieses Erlebnis in bet Seele des Volkes nicht «Möschen. Den Genüsien der Tafel, den Lockungen von Putz und Vergnügen zu entsagen, ist für einen Menschenschlag, der eher liebenswürdig als stark ist, von vornherein schwer. Aber nun fchlt auch .der gute Wille. Die Jugend wird nicht zum Äraren erzogen, wer Geld zusammenlegt, tut es für einen bestimmten, nahen Zweck. Jeder gibt aus, so viel er besitzt, und bedauert, daß es nicht mehr ist. Wer sollte heute sparen? Der kleine Kaufmann, der 'da weiß, daß ein Umschlag der Konjunktur, eine Aonderung der Kroditverhältnisse ihn von heute aus morgen zum Bettler machen kann, der Angestellte, der sich klar darüber ist, daß der drohende „Abbau" seine Existenz in jedem Falle unhaltbar .macht, der Hand- und Kopfarbeiter, der mit Mühe sich und den Seinen Brot schafft, der vielleicht eimnal durch einen glücklichen Zufall so viel hat, sich einen frohen Tag machen zu können, aber auch mit dem Verzicht auf alles, was das Leben schöner und lichter macht, nicht einen Betrag aufbringen könnte, der für sein Alter, für Krankheit, für die Zukunft seiner Kinder von irgend welcher Bedeutung sein könnte? Wir wollen nicht mehr sparen, und cs wird langer Jahre der Ruhe U'Nd Sicherheit bedürfen, um diesen Willen wieder zu wecken. Mt der Schillingwährung allein, wie so mancher meint, -ist das Problem nicht zu .meistern. Auf den Rausch de's Sparens ist die Verachtung der „Psennigifuchsevin" gefolgt. Ob es jemals wieder anders kommt, läßt sich schwer Voraussagen. Vernünftiges Sichibescheiden und Vorsorgen mag wieder möglich werden, wenn auch die Gloriole des Kriegssparsinues einfür alle- 'Wa£ erloschen ist. Aber heute, das sicht fest, geht es uns noch lange nicht gut genug, uw sparen zu wollen. K. M. * Auszahlung der Kinderzuschüsse. Alle Personen, die einen ZuevkennungSbeschoid über Zuschüsse für Kinder besitzen, können sich die Beträge für die Zeit vom 1. Jänner bis 31. März am Dienstag den 21. d. oder am Mittwoch den 33. d. zwischen 8 und 12 Uhr in der Rechnungsabteilung des magistratischen Bezirksamtes ihres Wohnortes beheben. Dabei muß der Zucrkerrmmgsbescheid vorgewiesen werden. Mitteilungen aus dem Publikum. gegen Schmerzen rheumatischer, gichtischer ««d nervöser Art 1W, Die Schmerze» verschwinde» durch Einnekjmeu weniger Tabletten. Probepackung in allen Apothrlm. Möbelfabrik J. Spira Feine ->- Willi, III. MMliWM 1—2 Wc\inungseJnrJchtungen (Ecke Karl Schweighofergasse Wieder zu haben I Orig. fram. Zlgaretlanpapisr JOB Bureau: Ullen. Will. Skodagasie 11/2 Kultus- und Justiz-Tulure und Bürette erhalten Sie vorrätig oder nach Mass bei der bekannten Spezlalfirma RUDOLF GOLDSTEIN, 22ÜS^5 Grosses Lager feiner Stoffe für Massbestellungen Tal. 48-6 29 WIEN, II, TABORSTRASSE 94 «««-. 100» rTtlES-FMRIK- Telephon «M-23 OTl^SS Telephon 68-1*23 H. Macher & sonne, Wien, I.' . 6 EXPORT WA(H AUEN STAATEN Nou oröffnoto Filiale der 1V2 Flelschhauerfirma 1^3 Salomon Schabes Wien, il. Krumbiuniam I Stets frisches Rind* und Kalbfleisch, nur Prima Qualität, zu sehr mästigen Preisen Wiener Moraenzeitun«. •■■■■(■■■■RttRiiRmiRiiRmmRRmmnnBRMBn Teppichhaus Möbelhaus | S. SCHEIN I WIEN, I BAUERNMARKT 12-14 KEINE FILIALEN! ■ a m TEPPICHE Möbelstoffe Vorhänge Decken Holzu. Polstermöbel •a?- Messingu. Eisenmöbel K FAHRSCHEINE für alle in* und ausländischen Bahn- und Schiffslinien«, Oester reichliches Verkehr ibureau Wien, I. Frledrldishrassc 1, — Telephon 75-09 317S Mi ÄMIMiÄM Billigste EinVaufsquelle für Strumpfwaren und Wäsche JOSEF SINOER, II. Taborstrassa Nr. 25 Qegt. 1910 639 Tel. 45*5*45 Pr..™*a.rTales-Weberei Versand nach allen Staaten — Auf Wunsch Mustersendungen ABRAHAM SCHWARZ, Bratislava Kapuzln.rg.ssa Nr. a BabenSleschonüas in Ihrer Wohnung? Wenn nicht, dann wenden Sie sich an die Wiener städtischen Gaswerke. Diese übernehmen die Ausführung von Gaoanlagen für Wohnungen gogon Abstattung dov Kosten in zehn monatlichen Teilzahlungen. Auch Gd5C)6rät6 erhalten Sie gegen monatliche Teilzahlungen. Auskünfte erteilen und unverbindliche Anmeldungen übernehmen: Wiener städt. Gaswerke, Abt. II, VIII., Josefstädterstrasse 10—Geschäftsstelle Meidling, XH.,Theresienbadgasse 3. „Ntt Mensch" und „Ser neue HnnshM". Zwei Ausstellungen im Wiener Messepalast. Wie bereits berichtet, wird am 28. d. im Wiener Messe-. Palast die Hygieneausstellung eröffnet, die bis Ende Juni dauern wirb. In ihr wird die Sammlung des Dresdener Deutschen Hygienomuseums „Der Mensch" untevgchracht sein. Diese zerfällt in die Gruppen „Urgeschichte des Menschen ans der Erde", „R assenhygiene", „Der Körper des Menschen". Hieran rechen sich Darstellungen der Kennuub BererbnngSlchre und, in einem oberen Stochverk untergebracht und nur Erwachsenen zugänglich, jene der GöschlechtslkranGeiten. Den MittelpnM dieser aus Modellen, Präparaten, sinnvollen Gegenüberstellungen bestehenden Schau wird ein Pavillon bilden, in welchem durchleuchtete Spaltholzpräparate dem Besucher Einblick in die geheimsten Funktionen des menschlichen Körpers gewähren. An die Sammlung „Der Mensch" schließen sich im Messepalast zwei repräsentative Kollektivausstellungen an. Die Stadt Wien wird ihre neuartigen Institutionen aus dem Gebiete des Fürsorgewesens vorftchren. Durch die repräsentative Schau des Landes Niederösterreich werden das Gesundheitswesen auf dem flachen Lande und in den Industriebezirken, die Wasserversorgung und die neuartigen Wasserirastbauten gezeigt. In zwei Pavillons werden die „Au s l a nd sschau" und die „I n d u st r i e s ch a >u" untergebrächt sein. Für die Besucher der Ausstellung ist auch ein eigener Vortrags- und Kinosaal eingerichtet worden. Hier werden täglich popu-lärwissknschaftlich« Vorträge stattfinden u»rd eine Reihe 12. April 1926_Seite 9 in Oesterreich noch unbekannter Filme über wissenschaftliche r.hemen zur Vorführung gelangen. Zugleich mit der Hygicneausstcttung und der Ausstellung „Der Mensch" findet im Wiener Messepalast im Mai und Juni 1926 die Ausstellung „Dev neue Haushalt" statt, die von den Frauonorganisationen Oesterreichs ohne Unterschied der Parteistellung, veranstaltet wird. Alle Arten von Küchen werden im Betrieb zu sehen sein. Der Haus schneideret wird ein besonderer Ausstellungsraum gewidmet. Kostproben werden von der Güte der Nahrungsmittelindustrie überzeugen. An die Nahrungsmittelausstcllung wird sich die Ausstellung sämtlicher Reinigungsmittel anschließen. Der „gedeckte Tisch" tvird eine der großen Attraktionen der Ausstellung sein. Das „Kinderspielzeug" wird e-ine SpezialauSstellung Men, damit die Mütter sehen, wie man billiges Spielzeug selbst.Herstellen kann. In einem „Kinderwarteraum" im Messepalast werdelt die die Ausstellung besuchenden Mütter ihre kleinen Kinder übergeben können. Außerdem Wird allwöchentlich eine große Modeschau stattfinden. Im Kinosaal werden Borträge über die Reform der Hauswirtschaft abgchalten werden. Same». Bon A. P. Tschechow. -Fedor Petrowitsch, der Direktor dor N..er Gouver^ nementsschuleu, welcher sich zu den rechtschaffenen und' großmütigen Menschen zählte, empfing neulich in seinem Amtszimmer den Lehrer WvemenAij. ,Min, Herr Wveinenskij", sagte er. „Ihre Entlassung ist unver-moidläch. Mit einer Stimme wie der Ihrigen können Sie den Lchrerberuf nicht länger ausüben. Sagen Sie mal, wie ist cs denn eigentlich gekommen?" „Ich war erhitzt und habe ein Glas kaltes Mer gei trunken", ibispekte' der Lehrer. „Wie bedauerlich! Ein Mensch dient vierzehn Jahre lang und plötzlich so ein Unglück. Wegen einer Dummheit mutz man seine Karriere verlieren. Mas gedenken, Sie denn sitzt zu tun?" Der Lehrer gab keine Antwort. ' ,Ha>ben Sie Familie?" fragte der Direktor. „Eine Frau und zwei Kinder, Euer Gnaden", zischt-" der Lehrer. Eine Pause trat sin. Der Direktor stand von fsin-em Stuhl auf und durchschritt erregt das Zimmer von einem Ende zum anderen. ,M will mir gar nicht einfallen, was ich mit Ihnen tun soll", sagte er. : ,/Lehrer sein, können Sie nicht mchr, Vis zur Versetzung in den.Ruhestand 'haben Sie es noch nicht gebracht, Sie dem Schicksal überlassen, schickt sich nicht. Sie sind doch einer der Umsrigen, vierzehn Jahre lang 'haben Sie sich abgequält, darum ist es unsere Pflicht, .Ihnen zu helfen. Mer, wie soll man Ihnen helfen? Was kann ich für Sie tun? Versetzen Sie sich mal in meine Lage: was kann ich für Sie tun?" Wieder trat leine Pause ein. Der Direktor spazierte irr . Gedanken versunken, und Wremenskij, gedrückt durch seine trostlose Lage, saß auf einer Ecke des Sessels, ebenfalls nachdoukend. Plötzlich erstrahlte das'Gesicht des Direktors, er knipste sogar Mt den Fingern. ' ,M wundert mich nur, daß ich früher nicht daran dachte", sagte er schnell. „Hören Sie mal, was ich Ihnen bieten kann... nächste Woche geht der Schriftführer in unserem Schülorheim in Pension. Wenn Sie wollen-, können Sie seine Stelle übernehmen. Da 'haben wir's!" Wremenskij, .welcher eine derartig Gnade nicht erwartet hatte, erglänzte ebenfalls. „Ausgezeichnet", sagte der Direktor.,-Reichen Sie noch heute das Gesuch ein!" „Ms sich Wremenskij entfernt hatte, verspürte Fedot Petrowitsch eine Erleichterung, ja sogar ei>ne Genugtuung: vor chm torkelte nicht m-chr die gebongte Gestalt des lispelnden Pädagogen, und es war ihm angenehm, im Bewutztsem, daß er Wremenskij eine freie Stelle angeboten . hatte, daß er gewissenhäft und gerecht gehandelt hatte, wie es einem guten, vollkommen rechtschasfenen Menschen geziemte; aber diese gute Stimmung dauerte nicht lange. Als er . nach .Hause kam und sich zum Mittagstisch setztt. erinnerte ihn plötzlich seine Gattin NastaÄja Jwanowna: ,/Ach ja, beinahe hatte ich's vergessen! Gestern ^besuchte mich M-na Sergcjewna und bat für einen jungen Menschen. Cs heißt, daß bei euch im Schülerhenn eine Stelle frei wird..." ,>Ja, aber diese Stelle ist bereits einem anderen zugesagt", sagte der Direktor und verdüsterte sich. „Und du kennst doch mein Prinzip: aus Protektionsvucksichten vergebe ich keine Stellen." „Das Weiß ich, aber ich denke, für Nina Sergejewna kann man eine Ausnahme machen. Sie verehrt uns wie eigene Geschwister und wir haben ihr bis jetzt noch keinen einzigen Gefallen erwiesen. Du sollst gar nicht daran dem ken, Fedor Petrowitsch, sie abzuwei^sen! Mt deinen Ka« prizen wich du -sowohl sie. als auch Mich beleidigen.. ,^Wen will sie denn befürworten?"- „Den Povsuchin." „Welchen Polsuchm? Jenen, dev zu Neujahr lort TschatM) spielte? Diesen Gentleman? Um keinen Preist" Der Direktor hörte zu essen auf. „Um keinen Preis!" wiederholte er. „GM soll mich davor 'beüvahren!" „Aber tvarivm denn?" Lyoner Seidenbaus ^0R1'T2 KRÄusZ Jun , fhantung In Modeechptten . . . . MD V.SV WlEN l- Seldanmerocoln, schönst« Dasein« . . % KOIllinMiWie 7 ftltfUNHUKlif «•«««!• DchEoluaa . DM 9.M 51

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.