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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-10 · Heft 2205 (10.4.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2205 (10.4.1925)
Date
1925-04-10
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2805 Wiener MornenHettuna 10. April 1925 ©elfte B Wie», Freitag Daher -er Ruf aus Vrez Israel: M « hrLandfür die Nation! Je starker unser« Verwurzelung in Erez Israel wir-, desto stärker wird das Echo dieses Rufes in der Galuth werden. Dieser Ruf kommt heut« von zwei Stellen des Landes, vom Landarbeiter und vom Gelslesmenschen. Hoffentlich kommt er bald von unserer Universität, weivn sie zur Stätte des Geistes für unseren Bodenibeavbeiter geworden sein wird. Professor Hermann Scha-pira und A. D. Gordon werden in eines verschmelzen: Den Träger von Anv-Adam im Sinne Gordon. Eh. T. Wie«, 10. April. J^Eir-Andachten am Baffahfeft. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien veranstaltet am diesjährigen Paffabfeste Donnerstag d e n 16. d. um6 Uhr früh im Stadttempel, 1. Bez., S e 1 t e n st e t t e n- « «ff * ^und im Leo po ldstädter Tempel, 2' Tempelgasse 6, sowie um »/,v Uhr vormittags imOlympiasaal, 1. Bez., Rothr.«fse 9, anläßlich ber Ma-rir-Andachten feierliche Gottesdienste. , * Kiddusch Hachamoh. Am 8. d. um 7 Uhr fouB fand ans Veranlassung und unter Fühmng deS .Herrn Rabbiners M. Mayersohn mit behördlicher Bewilligung im Augarten ein Dankgottesdienst statt. Den Anlaß hierzu bot die Kiddusch Hachamoh (das Gebet anläßlich der periodischen Wiederkehr der Sonn« auf ihren ursprünglichen Ausgangspunkt, welche nach traditionell Mischer Auffassung all« 28 Jahre stattfindet). der ungünstigen Witterung strömten tausende religiöser „Men herber, um an diesem Gottesdienste teilzunehmen, darunter eine große Zahl von Rabbinern wie Großrabbiner Heschel (Kopyczpnce). Großrabbiner Fviedmann (Sadagora), Großr-ab'biner Horowitz (Krakau), Rabbiner Halberstamm'(So- ^^?^'^Einer Hager (Tlustp), Rabbiner Iemchem (Altstabt). Rabbiner Spiro (Sassow) und viele andere. Obcrkantor Frankel versah mit Chor die kantoralen Funktionen. * Die erste Probefahrt auf der elektrischen Stadtbahn. Die Dlrektion der städtischen Straßenbahnen veranstaltete gestern vormittags die erste Probefahrt ans der elektrischen Stadtbahn. An der Probefahrt nahmen Bizebüvgevmeister Emmerling und Funktionäre der StraßonbchMrektion teil. Es wurde die bereits vollständig fertiggestellte Strecke von der Station Alfer st ratze bis zur Station Meidlinger Hauptstraße befahren. Die Probefahrt wurde mit einem für den elektrischen St-adtbähnverklchr bestimmten Dreiwagenzug,. der aus einem Motor- und zwei Beiwagen besteht, unternommen. Alle Einvichtungen >bcr Strecke und der Wagen erwiesen sich als vollkommen betriebstüchtig. In der kommenden Woche werden bereits die Schnlsahvten mit den Bediensteten beginnen. * Eröffnung der Hygieneausstellung. Dienstag den 26. d. >m: halb 11 Uhr vormittags wird Bundespräsident D>r. Hainisch die Ausstellungen im Messepalast (Hhgieneansstelluug, verbunden mit der Sammlung „Der Mensch", Deutsches Hygienemuseum in Dresden, und „Der neue Haushalt", Ausstellung der österreichischou Frauenorganisationen) feierlich eröffnen. * Wiener Herbstmesse 1925. Die Leitung der Wiener Messe hat den Tcvnvin dev 9. Wiener internationale Messe (Herbstmesse) für die Zeit vom 6. bis 12. September 1923 bestimmt. Der in der Rotunde untevgsbrachte Teil der Messe (die technische Messe, die Musterschau landwirtschaftlicher Erzeugnisse und die Ausstellung für Nahrungs- und Genußmittel) wird um einen Tag länger, also bis einschließlich Sonntag den 13. September offen gehalten. * Das Wetter. Die Wetterlage dürste sich nun stärker ändern, so daß zunächst eine Verschlechterung zu erwarten ist, von der nicht vorausgesagt werde-n kann.'ab sie noch zu den Feiertagen anhalten wird. Die Voraussaglautet: In den westlichen und südlichen Alpenländern trüb, zeitweise Regen. Am Qstrande wechselnd bewölkt wahrscheinlich noch ziemlich heiter, kurzer leichter Regen nicht ausgeschlossen. Temperatur wenig verändert. * Steigende Vieh- und Fleifchpreise. Die Aussichten für die Fleischversorgung sind sehr ungünstig. Gegen alle Erwartungen sind die Vieh- und Flerschzufuhren wesentlich schwächer ausgefallen. Auf den gestrigen Viehmävkten m St. Marx, die unzulänglich beschickt wurden, sind die Preise auf allen Gebieten merklich in die Höhe gegangen. Auch in der Gvoßmarktahlle haben sich alle Fleischarten im Großhandel bis zu 20 Groschen pro Kilogramm verteuert. Diese Aufwärtsbewogungen dürften am Samstag auch im Detailhandel zur Auswirkung gelangen. — Ter Naschmarkt wurde mit allen Qualirätsgomüsesorten verschiedener Herkunft bedarfdeckend beliefert. Bei lebhaftem Verkehr notierten: Stengelspinat 0,50 bis, 0,80 -Schilling, Blätterspinat 0,90 bis 1J0 Shilling pro Kilogramm, heurige Kohlrüben 0,6o pro Stück, Spargel 7,50 Schilling pro Kilogramm, Gurken je nach Größe 3 bis 6 Schilling das Stück. Für Fische herrschte auf allen Märkten reg: Nachfrage. Karpfen notierten: 4 bis 4M Schlling, Weißfische 1,20 bis 1,60 Schilling pro Kilogramm. Eier zeigen steigende Tendenz bis 17 Groschen das Stück. Butter wurde viel -gekauft, Landbutter 6,80 bis 8,80 Schilling, Deebutter bis 9,80 Schilling Pro Kilogramm. * Verbesserung der Verbindung mit Berlin über Prag. DaS tschecho-slowakische Eisenbabnmintsterium teilt mit, daß der neue Sommerfahrplan gleichzeitig mit dem der übrigen europäischen Bahnen am 18. Juni in Kraft treten wird. Zwischen P r a g und Deutschland ist eine neue Verbindung vorgesehen, die eine Nachtschnellzugsverbindung über Tetschen mit direkten Wagen W t e n —G m ü n d—P r a g —B e r l i n und Wien—Prag—Leipzig vorsieht. Die Schnellzüge Prag—BudweiS werden nach L t n z und zurück geftihrt. Bei den Schnellzügen ab Prag-Wilson-Bahnhof wird ein direkter Wagen I. und 11. Klasse auf der Strecke W i e n-P r a g-L e i p z i g—V l i s s i n- (lüit und zurück verkehren. Zwischen Prag und Grado wird ein direkter Wagen HI. Klasse fahren. * Die Zollrevision an der polnischen Grenze. Zur Einbmumimn des Schmuggels von Luxusgegenständen durch aus dem Ausland zurückkchveude Personen haben die polnischen Zollbehörden beschlossen, die Geväcksuntersuchung mit doppelter Strenge vornehmen m lassen. Für di« aus dem Ausland mitgebrachten Gegenstände des persönlichen Gebrauches sollen sehr strenge Bestimmungen zur Anwendung gelangen. * Eine freu,de Fabrik verkauft. Bor etwa zwei Wochen hat der Kaufmann Paul Fleischer bei der Wirrschaftspolftzei die Anzeige erstattet, daß er durch zwei Kaufloute, Ernst Fanto aus Budapest und Max Szekely- Schlomm schwer< geschädigt worden sei. Die beide,, hatten ihm die in der Diefenbachergasse 3 befindliche Schokoladefabrik unter fälschen Bovspiegeluwgeu um den Betrag von 12.000 2. verkauft. Fleischer hatte im Vertrauen-auf die Versicherungen der beiden Kaufleute gleich 7000 S. und ipäler 500 S. aezaylr, hatte sich aber dann über,(engen müssen, daß er getäuscht worden sei. Die Bilanzen. Bücher und sonstigen Belege »raren gefMcht, nnd die Fabrik ivar nicht einmal Eigentum der beiden Verkäufer. Wahrer^ noch di« Wirtschastspolizn die Erhebungen b«Wch diÄer MchÄMvW, Ms. iwtit m toi Mitteilungen aur dem Publikum. wiMmm mm«! Bureau: Ml. (nit aiimtmuHff JWP >»/r ^Hydro8"-Handel8- und Nährmittel-A.-Ä. in Budapest bei der Wirtschafspolizei gegen Fanto u-nd Dzekely-Schromm eine zweite Betrugsanzeige bezüglich der Fabrik ein. Der Anzeige zufolge tvaren Fanto und Szekoly nur Beauftragte der ,Hydros"-'A.-G. und batten den Auftrag. mit den, ihnen zur Verfügung gestellten Gelds der .Hydros" die Fabrik M Übernehmen. Sie hatten aber nicht das mindeste Recht, die Fabrik auf eigene Rechnung zu verkaufen. Auf Grund der Anzeigen und der Erhebungen wurden nun Fanto und Szekely-Schlamm verhaftet rnid dem Landesgericht eingeliefert. * Di« „fltofc" und ihr Liebhaber. Die IngenieurSgattin Ilouka Groß zeigte dem Kommissacrate Iosemadt an, daß Ihre Wohnung kurz zuvor erbrochen und daraus Schmuck, Silber, Bargeld. Kleider und Wäsche im Werte von 7000 Schilling gestohlen worden seien. Durch die sofort eingrleiteten Erhebungen wurde festgestellt daß die bei Frau Groß bedienstet« 80sahriae Hausgehrffiu Therese Mesise und ihr LieLhaber, der 25jährige Schriftsetzer Alois Huber, den Diebstahl begangen haben. In der Wohnung Hubers wurden Teile der bei Frau Groß gemachten Beute gefunden. Als man das der Mesisc vorhielt, legte sie das Geständnis ab. daß sie den Diebstahl allein begangen habe. Es gelang auch, den größten Teil der Deute sicherzustellen. Die Mesisc und Huber wurden dem Landesgerichte emgeliefert. * Kokain. Gestern nachts wurde nächst der Kleinen Mohrengaffe die als Kokainistin bekannte 31jährige Handarbeiterin Anna Swoboda mit Zeichen einer schweren Kokainvergiftuna aufgefunden. lieber die Herkunft des Giftes verweigert sie jede Auskunft. * Di« Lebensmüden. Der 47fährige Steindruckergehüfe Rudolf W ä n k e hat sich in seiner Wohnung erhängt. — Hinter den Tribünen am Trabrennplatz -wurde der 34jäyviy-r Fleifchhauergehilfe Franz Weiß erschossen aufgefunden. Die Ursache der Tat ist unglückliche Liebe. — Der Glafermeister Franz Strnad versuchte sich in feiner Werkstatt« zu erhängen. Die Ursache ist Kränkung darüber, daß er eine größere Glaserarbeit nicht bekam. — Die Hilfsarbeitersgatt in Rosa BroßhamMer hat sich durch Einatmen von Leuchtgas zu vergiften versucht. — Der 33shrige Schuhmacher-gehilfe Karl H o l u b hat sich wegen häuslichen Zwistes durch Lysol zu vergiften versucht. — Der 28jährige städtische Lehrer Othmar DitteiH hat sich wegen finanzieller Verluste durch Leuchtgas zu vergiften versucht. * Artistenprüfung. Die nächsten Prüfungen finden Saiustag den 18. April 1925 um 8 Uhr nachmittags im Olympiasaale, Wien, 1. Bez., Rotgasse 5, statt. Der Besuch ist nur mit Anweisungskarten gegen einen Regiebeitrag von 2 S. (inklusive Jause), Logensitze 4 S., gestattet. Karten sind im Bureau der I. A. £>., Wien, 2. Bez., Praterstraße 43, erhältlich. Spende« «ad Sammlaagea der „Wiener Morgenzeitung". Für Jüdisches Blindenheim XlX (bisher 296.53 S.). A. W. 16.60 S. Für Mensa Iuöaica (bisher 680.52 S., 10 Zloty, 8 tschech. K., 10 Schilling, 100.50 Mark.) Dr. L. 100 S. Für jüdische Blinde (bisher 155.57 S., 90 tschech. K., 4-6 Dinar). Richard Lustig. St. Pölten 6 S., A. W. 16.60 S., Med. P. 3 S., Michael Kutscher, Bratislava 40 tsche ch. K. Für Sin alter Mann (bisher 7 S.) Dr. SinajSky 5 S., A. T. 2 S. Für Jüdisches MÜdchenblindenhei« H (bisher 104.60 S., 715 Dinar.) A. W. 16.60 S., B. H. 50 S., N. N. aus Mitrowica Sran 100 Dinar, Sammlung durch Julius Rosenstock, Paneevo 615 Dinar. vereine, BortrSge «nd Versammlungen. MiSrächiWien. Sonntag den 12. d., 7*11 Uhr vormittags, im MiSrachibureau, 2. Bez., Praterstraße 48, Bortrag M. D. Groß über die Jewish Agency und daS überlieferungstreue Judentum. Gäste Willkomm«,. * Berbarch jüdischer Ingenieure und Techniker Am 20. d., 7 Uhr abends, nndet im Lokale, 9. Bez.. Türkenstraße 9 (Jüdische Rede-- und Lesehalle), ein Vortrag deS Herm Architekten Im Hans Sobelsohn unter dem Titel r „Der jüdische Tec niker «nd Palästina" (Reiseeindrücke) statt. Bühne und Mnst. An gudenWk. „Gesellschaft- („Lohalties") von John Galsworthy, deutsch von Leon Schallt. — Theater in der Josefftadt. Mit diesen, Drama, das hundeotprozeutiges Dhea-ter ist, streitet der Dichter für die Juden. Es ist so gut gemeint iwtfo es ist so beschämend ... In seiner Menschenliebe, in seiner Achtung vor dem uralten Kuliurvolke, in seiner Empörung über das Unrecht, das ihm fortgesetzt widerfährt, meint es GalSworthh zu gut mit uns. Der Held der Tragödie (die etwa Henri Bernstein geschrieben haben könnte und der, feinsinnigen Autor der Komödie „Fenster", des Repertoirestückes der Staatsbühne, nur in wenigen Szenen erkennen läßt) ist ein neuer Reicher, ein junger jüdischer Geschäfts- und SportSmann, der in die besten Kreise -der en-glischün Gesellschaft Eingang gefunden hat. Levis fühlt jederl schiefetl Blick, weiß, das; der Korrekteste ihm gegenüber gelegentlich die gute Erziehnng vergißt, Takt, Vornehmheit der .Gesinnung vermissen lös;:, ja, die -dem Gentleman heilige Pflicht, das nackte Recht zu schützen, gröblich vevletzt. Levis weiß das alles, reagiert mit Temperament (und mit Envphas-e) Wtchm BMW MMü» gilt, öLMjt sich sofort auf den alten Adel seines Blutes, stellt mit Vorliebe fest, daß seine Ahnen höchste Kulturgüter verwalteten, alz die der Lords und hohen Militärs Mch Barbaren waren — aber i« dieser sertdalen Gesellschaft gelitten zu sein, in einem eMHwen Klüb verkchven zu dürfen, gcht Hm scheinbar doch über alles. Wie -sollen die Herren nnd Damen der Gesellschaft, in die er sich eingökauft hat, seine Stan-dreden über die Größe des Judentums, sein vielfach variiertes Bekenntnis „ich bin ein Jude und bin s-chr stolz darauf" ernst nehmen, wenn ihm so sehr daran gelegen ist, an ihrem Kartentisch zu sitzen, ihren Pferdesport mrtzmnachen, an ihrer Geselligkeit terlzunehmen? Ich bin sehr beschämt, wenn sich dieser HauSjud eines feudalen Klubs in die Mische Brust wirft und vom Autor mit großem Wohlwollen behandelt wird. Er schneidet mir zn gut ab- * Und darüber hinaus: Das Problem, das der gütige Dichter aufrollt, ist reichlich überholt. Ob der Jude in das, was man in verschiedenen Ländern .Dsselsschast" nomrt, als gleichwertig aufgeiwmmen wird, ist heute keine wel-tbowogende Frage, und die KonMte, die sich ergeben, wenn Stern in die Saxo- Borussia, MarM in den Jockeyklub oder Levis in den Golfklub geriet, sind nicht tragisch. Cs war nicht der Sinn der Emanzipation (der Entmündigung), daß man uns brüderlich in die Gesellschaft aufnimmt, die äußerlich durch die Fassade; Bierkomment, Bügelfalte, Einglas, Rennjavgon, Ghronkodex gekennzeichnet ist und deren innere nicht zu unterschätzenden Werte uns wesensfremd sind. Vor dreißig Jahren (ungefähr) waren solche Fragen der reibungslosen restlosen „An-stleichung" aktuell. Jetzt kräht kein Hahn danach. * Die Handlung des figurenveichen, packenden Stückes betrifft eine krimmailistische Angelegenheit. Levis wurde bestohlen. Der Dieb kann 'nur der Hcnlptmcmn a. D. Dancy sein, was Levis sofort mit außerordentlichem Scharfblick erkannte. Auch andere Herren der Gesellschaft, ein Generäl und ein Lord, mußten aus bestimmten Indizien gegen den Hauptmann Verdacht schöpfen, aber alle suchen ihn — eine umgekehrte Dreyfus- Affäre — gegen die Anschuldigung des Juden zu schützen, der auf seinenr Rechte be-stoht und durchsetzen will, daß es dem antisemitischen Hauptmann ebenso ergeht, wie es ihm, dem Juden, erginge, wenn er einen: Klubgenossen 100o Pfund aus dem versperrten Zimmer gestohlen hätte. Immer enger zieht der Autor seine dramatischen Schlin.gen um das Schicksal des Beschuldigten, bis sich fchlließlich die Anschul-dignng Levis als richtig erweist. Der Jude verzichtet großmütig auf Ersatzleistung und warnt Dancy edellnutig vor dem drohenden Haftbefehl (ich .bin beschämt), dom judenfernlichen Hauptmann aber, der nicht aus Gewinnsucht ein Dieb wurde, sondern einem Erpressivr ins Garn ging, wird nach auftegenden Schlußszenen Gelegenheit gegeben, sich, wie Oberst Redl, mit dem Armeerevolver selbst zu richtetr. * Max Reinhardt bleibt dem Boulevarddraana -nichts schuldig, sorgt für spannenden Ablauf der Begebenheiten und belebt die sieben Bill>er des Mends durch eine Fülle überaus scharf gezeichneter Gestalten. Eine prachtvolle Aufführung. Bemerkenswert echt Herr Rombcrg in der Rolle des bestolhlenen Inden. Dieser Levis, äußerlich soweit assimiliert, daß er beinahe so gcht und spricht wie die anderen (nur die Kleidung ist auffallender, selbstgefälliger), hat Rasse im Blut, steht in ewiger Fechterposrtion und -ist dabei ein nüchterner, kluger Mann, kein Nervenpin-kel. Bis inS.DetaA ist diese Figur des herzhafter:, oberflächlichen, gekräMen Westjuden meisterlich geglückt. Ein besonders ferner Zug, daß man diesem Levis anmerkt, er wisse nichts von den jüdischen Kultur- und Rass,owerten, auf die er sich beruft .., Einige englische Kavaliere, jeder ein Wesen für sich, in ihrer Gesamcheit durch bestimmte Aeußerlichkerten verbunden und erkennbar, werden von -den Herren Hartmann, Alten, Homolka, Rainer, Lovrie und Strobl ausgezerchuot dargvstellt. (Insbesondere Herr Strobl wartet mit der Charakterzeichnung eines wirklich dornchmen, bei äußerer Ruhe sehr bewegten, von Verantwortungsgefühl bedrückten Kavaliers auf, die bezwingend ist.) In einer Episode ist wieder der große Menschengsstalter R o m a n o w s k h zu bewundern, und bis auf Herrn Dan eg-ger, der aufdringlich ist, sind die Darsteller der übrigen Rollen durchaus hervorvagond, Otto A b e l e s. „Re große U«bÄa«nte." Erstaufführung im Johann-Strauß-Theater. Die Modelieferanten der Librettobranche, Julius Wilhelm und Gustav Beer, haben der alten „Donna Juanita-° ein neues Mäntelchen umgehängt und sie damit in di« Gatt:n eines frangösifchen RevolutionSgonerals verwandelt. Eine historische Operette mit Attentat auf Bonaparte und mrr Landgericht, in welcher sich zarte Fäden zwischen dem adelige« Bieomte und der bürgerlichen Generalin sPiMen und weniger zarte Bezichungen den Bäckermeister Mavboeuf, einen Schieber und Armeelieferanten^ mit feinem kleinen Mädelchen, einer Friseuse, verbinden. Herr Pauspertl» der musikalische Neubearbeiter, wagt sich nicht nur an „Donna Juanita". sondern auch an anderen Suppeschen Kunstbesitz. (Franz v. Suppe, der von belgsschen Ahnen stammende, i« Dalmatien geborene Wiener Tondichter, in dessen Musik sich Wiener mit italienischem Blut vermischt, hat ja mehr als SO Operetten, mehr als 180 Büh- »nnlnusiken und Ballette geschrieben.) In der Rekonstruktion spürt man um so stärker, daß die Suppesche Musik nicht immer aus der Quelle schöpft. Suppe ahmt Offenbach nach, ohne dessen Esprit uub Laszivität zu besitzen —> kein frecher Canea« rafft hier die Röcke, keine Parodie, keine ,stnusiquette" schnekdeck Grimassen , er schreibt wie Johann Strauß PoAaS Mid! Wrlzer, doch er ist kein Walz-evkönig. sondern nur ein tootyfo ■bo&jtM/S»» . . .

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