Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2205 (10.4.1925)
- Date
- 1925-04-10
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Die«, Freitag 1."1... ..' "1.-TmrnmmatmmmmmiammMmmm Der verliebte Bäckermeister der Operette erzählt, er beziehe von seinem Dichter Homer (!) frisch gebackene Liebes' yodichte und liefere ihm dafür altgebackene Striezel. Die neugebackene Liebesgeschichte von der großen Unbekannten, einer Kr die Zeit der Jazzband und Blues viel zu wohlerzogenen Dame, mundet beinahe wie ein altgebackeuer Striezel, der erst -durch die Kunst der Darsteller ein wenig aufgewärmt wird: Glanzend Herr Brod als Possenreißer, bildhübsch Frau Suchy als Generalin, eine reizende Friseuse im Tanagraffmnat Frau Kolbe, ergötzlich Herr Jmhoss in seinem zappeligen Humor, als Adnorist ansprechend Herr Abranow i e z, voll Liebreiz Frau Al d o r, ein imposanter Darsteller Herr Dalberg als Marschall. Er hat den aufdringlichen Applaus einer wohlorganisiertcn Clague wahrlich nicht nötig! ‘_ ' M, Aus de« Theatern. Heute Vleiben sämtliche Theater geschlossen. B u r g t b e a t e tv Morgen, T Uhr abends, „Wallenstdirrs Tod". Akademietheater. Morgen, */a8 llhr abends, „D e r Zerrissene". DolkSoper. Morgen „P a r s i f a l". Deutsches Volkstheater. Als nächste Erstovfführung das Schauspiel „Tobias Bundschuh" von K«l Hauptmann. Raimnrrd-Theater. Sonntag und Montag, 7,4 Uhr nachmtttagS, „Sechs Kinder suchen ein Osterei". Theater an der Wien. Sonntag nachmittags „W i e n e r B l u t", Montag nachmittags „DerZigeunerb a r o n". Johann-Strauß-Theater. Sonntag nachmittags „Rund um die Liebe". Montag nachmittags „Die Fledermaus". Gerichtssaal. „Die Gemeinde Wen stellt Trotteln als Schaffner an." Vor dem Bezirksgericht Fünshaus (B:ffrksrichter Tr. Vauecek) hatten sich kürzlich zwei Arbeiter, Joses Slave und August Kauba, wogen Ämtsehrenbeleidigung zu verantworten, begangen -dadurch, daß sie die Schaffner der Elektrischen im allgemeinen als Trotteln bezeichne delr und den Ausspruch taten: „die Gemeinde Wien stellr Trotteln als Schaffner an". Die Angeklagten wären aus einem J-Wagen am Gürtel in einen 18er-Wagen umgestiegen. Der Schaffner Joses Friedrichk-eir beanständete einen der Scheine, da die Fahrzeit abgelaufen sei und forderte dessen Besitzer auf, einen neuen Schein zu lösen. Darüber entwickelte sich eine Diskussion, in der die beiden Angeklagten erklärten, daß der Schaffner des I-Wagen falsch markiert habe. Dom fügten sie hinzu: „die Gemeinde Wien stellt lauter Trotteln als Schaffner an", „dieser Trottel" >usw. Da sie sich nicht berrchigen konnten, vcranlaßte id-er Schaffner die Intervention eines Wachmannes. Bei der Verhandlung gab der Schaffner als Zeuge an, daß er mit dem „Trottel" -nicht gemeint war, wohl aber bezog sich dieser auf den Schaffner vom J-Wagen. Richter (zu dem Beschuldigten): Die Schaffner sind zwar nicht gerade besonders höflich, aber ^Trotteln" davf man sie doch nicht nennen. Denken können Sie sich, was Sie wollen, aber sagen dürfen Sie so etwas -nicht. Urte^: je einen Schilling. Angriffe gegen das Wohnungsamt. Der Chauffeur Egon Franz Wolf-Epp inger, ein Sohn des verstorbenen Politlkers Dr. Siegmund Wols-Eppinger, halte sich gestern dein: Strafbezirksgericht 3 (Bezivksrichter Dr. Narz) wegen Beleidigung des Wohnungsamtes zu verantworten. Der Beschuldigte, der einen Teil seiner ziemlich geräumigen Wohnung ln der letzten Zerr infolge schlechter finanzieller Lage in Untermiete abgegeben hatte, sollte kürzlich nach einer von der Mietlommijfion bestätigten «Anforderung seine Wohuu-ng räumen. Äser den Räumungsaustrag erhielt, erschien er am 10. März im Wohnungsamte in der Bartensteingaße, um Einspruch gegen den Räumungsaustrag zu erheben. Hierbei erging er sich in hHtigen Ausfällen gegen das Wohnungsamt, erklärte, daß dieses Amt eine Bagage sei und daß schon zweimal seitens dieses Amtes eine Schiebung mit seiner Wohnung versucht worden sei. Diese Beschuldigung erhob der Angeklagte auch schriftlich in seinem Emspruch gegen -den Räumungsaustrag. Gestern erklärte der Angeklagte, daß ex bis vor zwei Jahren Beamter in einer Großbank war, dann abgebaut wurde und infolge mißlicher Verhältnisse einen Teil seiner .Wohnung weitervermieten mußte. Dies habe das Wohnungsamt über Anzeige des Untermieters zum Anlaß genommen, kerne Wohnung zur Gänze anzufordern. Schon einmal sei er mit seiner Frau nahe daran gewesen, obdachlos zu werden. Beide hatten damals einen Selbstmordversuch verübt, worauf die Wohnung ihnen belassen wurde. Jetzt sei zum zweitenmal die Wohnung angesordert worden und m seiner Aufregung über den erhaltenen Räumungsaustrag habe er die inknmimerten Ausdrucke gebraucht. Der als Zeuge vernommene Beamte des Wohnungsamtes, BsvwÄbungsoberkommissär Karl Tausches, gab an, oaß das Benehmen des Angeklagten unter den übrigen Parteien im Wohrrungscmue großes Aufsehen erregt hatte, daß die Partei«« gegen di« Beamten Stellung nahmen, weshcckb auch das Wohnungsamt diesen Vorfall nicht unbeachtet lassen -Sonnte. Der Zeuge erklärte, daß das Wohnungsamt vollkommen korrekt vorgegangen sei und daß der Räumun-gs- «ulstrag «Hohn sei. weil der Beschuldigte zweimal eine Schiebung urik seiner Wohnung versucht habe. Der Richter verurteilte den Angeklagten unter Anwendung äußerster Milde zu «stier Geldstrafe von zehn Schilling, eventuell zu 34 Stunden Arrest. Wohnungsschwindler. Vor eitlem Schöfsensenat unter Vorsitz des Hosrates Gold st ein hatte sich in zweitägiger Verhandlung der ehemalige Filialleiter Franz B u r e s ch wegen Betruges zu verantworten, begangen dadurch, daß er Wohnungssuchenden unter der Vorspiegelung, ihnen Wohnungen zu vyWcmen, Beträge in der Höhe von 50 Millionen Kronen herauÄockte. Zu seiner Verantwortung gab der Angeklagte an, daß «v Dm nicht um einen Betrug zu tun gewesen sei, sondern, daß es Hm tatsächlich dank seiner Beziehungen zum Wohnungsamt gelungen sei, Wohnungen zu verschaffen. Nach durchgefichrtom Beweisv ersah reu wurde Franz Buresch zu zehn Monate» einfachen Kerkers verurteilt. — Der 47jcchrtae Kack Greintetlner hatte sich gestern ebenfalls wegen Wohnnn<Mchw«del-S und Darieheusbetruges vor einen» Schöffensmat «ater Vorsitz des' Hofrares Dr. K a r n e r t zu verantworten. Der Schäden wird mit 50 Millionen beziffert. Steintellner wurde zu 18 Monaten schworen Kerkers vewrteOt. »fei»« Morae«l>tttu«s. W. Wr«1«L Sh. 3808 .....—. i i i i. ii « .. Film «ad Kino. „Montys Weltrekord." Montst Bants ist dvv Komiker der quirligen Beweglichkeit, dabei von einer unglaublichen Gutmütigkeit, die sich in seinen» breiten Gesicht widerspieaelt. Er ist der typische Lazzeroni, ein bißchen Spihbub, leicht euffammier-t, begeistert mir alles, was ihm momentan unterkommt, und eigentlich aar mcht grotesk, aber doch ein Grvteskkomiker vom reinsten Wasser. Grotesk sind aber eigentlich nur die un-au,HörNchen widrigen Schichalsfü-gungen, die ihn mit einer ^rtnäckigkeit verfolgen, die sie ansonsten nur seinem Kollegen Chaplin zuwenden. Windet sich dieser mit List und schlauer Grazie -aus den verrücktesten Situation-en heraus, so ist Monty sofort entsetzt und hilflos, möchte sich am liebsten flach auf den Bcd-en legen, um nichts mehr zu sehen und zu wissen, bis auf einmal >die Verzweiflung ihn überurannt, er nach allen Richtungen hin mit explosiveur Temperament offensiv losgcht und sich so rottet. Daß dabei die unmöglichsten Mittel tauglich werben, ist eben seine Force als KomÄer. In diesem Film spielt er einen guten Bauernknaben, den Sohn eines dörflichen Salamierzeimers, der einem R-use des ausMwanderten Onkels nach New-Dork folgt. Voll ficht man den Italiener nun einmal in den Bereinigten Staaten nicht an, und für den harmlosen Ankömmluug evstcht nun eine Zeit, in der sich Verfolgungen und Mißgeschicke mit einer unerhörten Hartnäckigkeit an seine Fersen haften. Wenn er sich nur umbrecht, tritt er irgend einem Verbrecherkönig aus die Zehen, dar darüber derart empört ist, daß er ihn mit einer Rachsucht verfolgt, gegen die die Vendetta seiner Heimat ein harmloses Kinderspiel ist. Aber nicht nur Menschen stellen sich ihm feindlich in den Weg, dessen Ziel natürlich eine Frau ist. Auch der tote Gegenstand. den der Motor zu einer rasenden Bestie voll Helimtücke und Gemeinheit macht, erklärt ihm den Krieg. Monty geht in eine Automobiffahrschnle. Das Auto rast durch Bretterwände, Häuser, verwandelt sich in einen irrsinnigen Sturmbock, in eine Elementarigewalt, die aus ihrem Rücken den zitternden Monty und seinen Lehrer sortschleppt. Sie Lehren wieder zu Fuß zurück und bringen in den Händen das mit, was noch von der Maschine übrig blieb: Eine Pneumatik und das Volant. Ein Beispiel für die umfassende Schilderungsgabe des Amerikaners. Man sicht hier nur das Resultat dieser Fahrt und weiß alles, braucht nicht mehr zu sehen. Dann ein riesiges Autorennen. Monty. der noch immer nicht fahren kann, sich aber auf die Theorie verlassen will, startet versehentlicherweise als Favorit, mit einem Lehrbuch über die Steuerung dieser boshaften Maschine in der Hand. mit. Etwas Rasenderes an Automobil-groteske wie hier wurde noch nie gezeigt. Im rasendsten Tempo nimmt der kleine Rennwagen die unüberwindlichsten Hindernisse, fährt zwischen zwei sich kreuzenden Straßenbahnen durch, geht als Sieger durch das Ziel, wird schließlich noch durch eine immense Explosion auf einen Baum geschleudert, bleibt betäubt auf einem Ast sitzen, das Volant noch immer in der Hand» und steuert weiter, bis man ihn endlich herunterholt und seiner Braut in die Arme legt. Eine Folge grotesküster Vorfälle haspelt sich mit einer unheimlichen Geschwindigkeit ab. Dabei ist alles hier mit liebenswürdigem und gutmütigem Hunwr durchttiänkt, der hauptsächlich auf maßlose Uebertreibung aufgebaut ist. Japan und der europäische Film. Ein Bericht aus Tokio meldet die erfreuliche Tatsache, daß der europäische Film in Japan Ein-gang gesunden hat. Japan besitzt nur eine minimale Eigenproduktion und das Programm der dortigen Lichtspieltheater besteht seit langem fast ausschließlich aus amerikanischen Filmen. Nun hat der in Tokio errichtete ' „W e st i"-Berleih vor einiger Zeit die ersten europäischen Filme ans den japanischen Markt gebracht und am 20. März fand die Uraufführung des Films „Larven und Fratzen" gleichzeitig in vier Theatern statt. Die Gesellschaft der Filmfreunde in Tokio sammelte in einem Buche alle Zeitlmgskritffen und Aussprüche prominenter Persönlichkeiten und übersandte dieises dem Haupt-davsteller Jacques Catelaiu als Ehrengabe. Ms nächster -europäischer Film dürfte voraussichtlich rin Werk deutscher Provenienz seine Uraufführung in Japan erleben., Ter deutschen Filmindustrie ist damit ein vielversprechendes Absatzgebiet eröffnet, da Japan ein großer FAmkonf-ument ist. Die Lichtspielthea-ter spielen dort ununterbrochen von 4 Uhr nachmittags bis 1 Uhr nachts und führen in dieser Zeit zwanzig Filme, darunter drei nach europäischen Begriffen „abendfüllende" aus. Einige Theaterbesitzer halben in der letzten Zeit, um die Konkurrenz zu schlagen, noch mehr als zwanzig Frlme in einer Vorstellung geführt, doch eine jüngst erlassene Polizerverordnung hat die Vorführung von mehr als zwanzig Filmen an einem Tage verboten. Romantische Verbrecher im Film. Ohne Zweifel, es gibt auch eine Romantik des Verbrechens. nur -ist diese schon lärrgst gestorben. Die bestialischen Entartungen unserer modernen Großverbrecher halben weiß Gott mit Romantik nicht das mindeste zu tun, eher noch das Banditenleben, das ein rumänischer Bandonführer hu vergangenen Jahre in der Gegend des Donaudeltas geführt hat. Ganze Bataillone mit Maschinengewehren unp Geschützen suchten dergebl-ich dieses Mannes habhaft zu werden, der, ein neuzeitlicher Pirat, die Donauschiffahrt unsicher machte. Auch den großen amerikanischen Verbrechern, deren Beuten in die Millionen gehen und die mit allen Errungenschaften der modernen Technik bei der Arbeit und ans der Flucht operieren, kann man noch einige Romafttik zugeste-hen. Der echte romantische Bandit über, der dem Reichen nahm und dem Armen gab, der. den hilifslosen Frauen stets als ritterlicher Beschützer gegenübertrat — den gibt es nicht mchr. Mit besonderem Interesse darf man der bcvorstchenden Premiere eines neuen Fox-Films enrgcgensehen. in dem der letzte „edle" Bandit, sein Schicksal und sein Ende, bchandelt wird. Es ist Dick Turpin, der um das Jahr 1785 ganz England durch seine kühnen Unternehmurlgen in Aufregung versetzte. Seine Festnahme wurde durch den Umstand unmöglich gemacht, daß die ganze Bevölkerung auf seiner Seite stand und ihn aus Dankbarkeit für viölc erwiesene Wohltaten vor den Haschern verlbara und beschützte. Zahlreiche galante Abenteuer weiß die alte Ghronik über Dick Turpin zu erzählen und nicht selten war es eine schöne Frau aus hohen Kreisen, die im Moment der höchsten Gefahr dein verführerischen Banditen zur Flucht verhalif. Die Geschichte von dem hochherzigen Banditen, der sein Handwerk aus Abenteuerlust, aber stren-q nach den Regeln der Ritterlichkeit ausge-übt hat. darf in unserem Zeitalter, dessen Verbrecher nichts weniger als hochherzig zu nennen sind, auf größtes Interesse rechnen. Eine Filmprämiieruna in Frankreich. Die srauzousche Vereinigung der Freunde d e s. K l n o s hat nach langer Beurtc-ilung einer großen Anzahl in- und ausländischer Filme dem Großwerke „Le miracle des lo-ups" („Das Wunder der Wölfe") ihr« große goldene Medaille für das Iahe 3924 zuerkamtt. Der Film wird in der nächsten Saison in Wien durch di« W est i-A.-G. hevausgebracht werden« Bolkswirt. Srmürrlch» Raaviproblem. (Bon unfevem Pariser Berichterstatter.) Die Einwirkungen der Jinanzkrise auf die fvanzöftfch-e Volkswirtschaft untersucht in einer trefflichen AbhaM-ung di« „Information Finaneiere", das iführende HandellS^ Matt Frankreichs. Die größte Gefahr, schreibt die „Jnfovma^ tion", liegt darin, daß das französische Kapital seit sieben Monaten di« Tendenz zeigt, an der wirtschaftlichen Entwicklung weniger .teilzunehmen. Die Schäden diesev Kapitalsstockung find handgreiflich. Die Geldknappheit erhöht den Zinsfuß und begünstigt die wirtschaftliche Stagnation. Die ipduftriellen und kommerziellen Werte erliegen vielfach dom Dmck. Die Preise steigen, der Geldkurs wird schwankend. Die französisch« Devise kann nur stabil tverdon, wenn alle Kapitalien leben-- kräftig werben und arbeiten. Wenn die Ausfuhr von Geldern nach dem Auslände um sich greifen oder anhaltcn sollte, fo war« die Stabilrsieruug des Franken immer schwieriger. Durchaus Optimist ist der frühere FruanAminister Loncheur, der in einem kommenden Kabinett zweifellos «ine führen-d« Rolle spielen wird. Wir haben auf einer Seite, sagt Louch-our, ein ins Gleichgewicht gebrachtes Budget, Staatsausgabeu, die ausschließlich durch Steuern beglichen werden, die zwar schwer, aber erträglich sind und die normale Entwicklung der Dolikswivtfchaft nicht hindern. Au-derevseits sehen wir, daß das französische Schatzamt in Schwierigkeiten ist, die sich mit einer Finanz« opeoaton, die sich auf die Einnahmen aus der Durchführung des Dawes-Pbanes stützt, leicht bchoben lassen würden. Die große innere schwebende Schuld Frankreichs bietet keinen Grund zur Beunruhigung. Vielleicht läßt sie sich konsolidieren. Es fragt sich nur, ob der Augenblick zu dieser Konsolidierung schon gekommen sei? ich glaübe das nicht. Man muß geduldig noch einige Zeit warten. Aber ich stelle fest, daß selbst im Jahre 1924, das politisch sehr bewegt war, das die Uebernahme der Macht durch das Kartell der Linken geschen hat, dev Betrag der neu Unterzeichneten Schatzsche-ine höher gewesen ist als der Betrag der zur Rückzahlung gelan-gten Scheine. Ebenso steht eS seit dem Beginn des Jahres 1925, und man kann Wohl sagen, daß trotz ihrem großen Umfang dies« schwebende Schuld dem französischen Finanzrninister keine Unruhe zu bereiten braucht. Es bleibt die Frage der Z a h I u n g s b i I a it z Frankreichs, Zunächst ist, sagt Louchour, die Handelsbilanz zu prüfen. Sie hat von 1919 bis 1928 ein deutliches Deffzit aufgewiessn, was der Hauptgrund des Sturzes dev französ-ischon Währung war. Im Jahre 1923 hat sie sich stark gebessert, und gegenwärtig weist sie einen Uelberschuß des Exportes über den Import auif. Außer diesen Wareübewegungerl bestehen aber auch echcbliche Kapitals-bewegun-gen. Einerseits muß Frankreich dom Ausland die Zinsen für die ihm geliehenen Summen bezahlen und in einigen Fällen sogar Äapitalsvückzahliuuigen leisten. Allererseits wird ein echeMcher Betrag fremder Kapitalien in Fvan/kreich durch die zahlreichen Besucher des Landes einigchührt. Man kann di« Höhe der jährlichen Einnahmen aus dieser Quelle nach allen Abzügen auf zwei bis drei Milliarden Fvaniken schätzen. Das bedeutet, da die Handelsbilanz schon einen -günstigen Uo'berschuß aufweist, einen ganz evhMichen positiven Ueberschuß in der Zahlungsbilanz. Diese beiden Elemente, das Gleichgewicht des Budgets und ein« günistige Zahlungsbilanz, müssen in zjiemlich kurzer Zeit zu einer erheblichen Verbesserung des Kurses des französischen Franken führen. Schließlich ist noch eine Tatsache zu erwähnen, auf die man nicht genug Gewicht lagt. Seit 1920 hat der svarrMijsche Staat nicht nur keinerlei Anleihen bei der Banqu« de France neu gemacht, sondern er hat sogar seine V e-vschuldun-g beim Notenmstitut um 5 Milliarden verringert. „Frankreichs Kredit ist un-erschüttert, Werl der französische Staat trotz de-m erheblichen Umfang seiner inneren Schuld seine Verpflichtungen restlos durch normale Budgetoinnahrnen begleicht, weil das Gleichgewicht der Ausgaben schon jetzt ausschließlich mit diesen normalen EinnahGkn hergestellt ist und weil im laufenden Jahre sogar dive Til-Mng der ffmeren Schuld begonnen werden kann." ' Wie aber diese Tilgung durchgeiführt werden soll, btmuf dreht sich der große Kampf in der französischen Politik! ' * Aus Paris, 9. d., meldet Tol.-Komp.: Die heute erschienoir« Wochenbilanz der Bank von Fr-ankreich läßt zum ersten Male seit drei Monaten -die tatsächliche Höhe des Bankuotenumlaufes klar erlkennen. Sie gibt die Notenzivkulation mit 43.004,762.185 Franken an, das sind um 2.100,896.650 Franken mehr als im letzten Ausweis arrgegeben waren. Dagegen ist der Posten der Vorschüsse an den Staat nur um 400 Millionen Franken gestiegen, also nicht um -den Mlliavdetibetva-g, von dem lgestern di/ Rede war. Kapitalserhöhungen. Die Vereinsmolkerer-A.-G. wird in ihrer Generalversamnrlung, welche für den 30. d. einberufen ist. das Aktienkapital von 600 Millionen auf 120 Millionen herabsetzen und dieses herabgesetzte Kapital dann durch eine N e u a u S g a b t von 480.000 Aktien h Nominale 1000 K. wieder auf 600 Millionen e r h ö h e n. — Die Wiener SchlosserwarenfabrikOtto Babsch LJoses Böhm A.-G. wird in der Generalversammlung am 25.. d. den Beschluß fassen, das Aktienkapital durch eine NeuauSgabo von A k t i e n zu erhöhen. Oesterreichifche Nationalbank — Feiertagsdienst. Samt^ liche Wiener Geschäftsabteilungen >ei»schließlich der beiden Druckereien sowie alle Zweiganstalten bleiben Aarsamstag den 11. d., PfinMamstag den 20. Mai uM> Donnerstag den 24. Dezember geschlossen. Die Hauptaustalt Wien wird jedoch an den genaltuten Tagen in der Zeit von 9 bis 18 Uhr vormittags «inen Schalter für W-echst'lzahlungen offen Hallen; bei den Zwviganstalten ist für die Mglick-kert von Wechfekinlösungen WM gesorgt,