Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-04-09 · Heft 2204 (9.4.1925) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2204 (9.4.1925)
Date
1925-04-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981289--22449-3009863
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Wien, Donnerstag «kr Wiener Moraenzeitung. 9. AM IMS fraget 794 Schuhel mit eingebautem ffBersofl“-Gtnmvii-Absat2 trittes <mS -er Organisation Mitglied des großen Aktionsilvmttees der Zionistischen Weltorganisation und Vizepräsident der Amerikanischen Zionistischen Föderation. Mr. David W. Simons aus Detroit erklärte, daß er der Universität 7600 Dollar schenke, außerdem ein Grundstück sür die Universitätsbibliothek aus eigenen Mitteln erwerben wolle. Mr. Samuel Untermeyer, -er Präsident de- <mt* rikanischen Keren Hajeffod, schenkte 4000 Pfund für die Ausgestaltung des Auditorium maximum der Universität und sandte ein entsprechendes Telegramm an die Universitätsleitung nach Jerusalem ab. Ae IlniversitStsfeier in Stefflm. Zu dem am 4. d. gebrachten Bericht über die Festfei-er m Brünn wird uns mrtgeteilt, baß die Versammlung vom Verband ziomstischer Akademiker unter Beteiligung der gesamten indischen Studentenschaft. der israelitischen Kultusgemeinde uiw der Erekutrve des jüdischen Dolksrates veranstaltet worden war. Wie schon berichtet, waren alle Brunner Hochschulen, mit Ausnahme der deutschen Technik, bei der Feier vertreten. Re Mcktehr der Lberrabbiners R. kbajes ans Srer Israel. Der Empfang im Südbahnhof. Der Wiener Qberrabbiner und Präsident des Zianistifchen Aktionskomitees, Prof. Dr. H. P. CHajes, -ist gestern um halb 8 Uhr früh in Wien eingetroffen. Er hatte sich vor vier Wochen nach Palästina begeben, um den gegenwärtigen Stand der Koloni fationsarbeiten zu prüfen und der Eröffnung der hebräischen Universität am Stopusberge boizuwchnen. Uumittekbar nach Beendigung des feierlichen Aktes der Untverfttätsevoffnung ist Qberrablmer Dr, Cha^es von «Jerufalem abgereist, um noch rechtzeitig vor Ärgmn der Pasfahfoiertage in Wien einzulangen. Eine starke Abordnung der Wiener Zionisten bereitete Hevm Dr. Chajes gestern früh im Südbahnho-f einen warmen Empfang. Es waren die Mitglieder des Zionistischen LandeLkomitees mit dem Präsidenten Dr. Ehrlich, den Vizepräsidenten Direktor EPler urch Dr. Goldh am an er sowie Generalsekretär Dr. N. M. Gelber zum Empfang erschienen. Ferner hatten sich di« Leiter des Keren Kajemeth und Keren Hafeffod, der Obmann des. Zionistischen ÄlMLomitees Oberrechnungsrat M. W e iner, die Mzepräsidentin des Zionistischen FrauenveveinS Frau RelbeAa Weiner, eine Vertretung der Studentenschaft und des M i s ra chi eiingesunden. Der Meine Robert Großmann überreichte mit einer Hebräischen Ansprache einen. Blumenstrauß. Einer unserer Mtarbeiter nahm Gelegenheit, Herrn Dr. Chafes über seine Eindrücke zu befragen. Herr Doktor Chajes erklärt«: ,Mas ich vom neuen Jifchuw gesehen habe,, das Tempo der Aufbauarbeit, di« Hingabe der Jugend, die Erfolge der jüngsten Zeit, ist so außevordentlich, daß es verantwortungslos wäre, die zahlreichen, von allen Seiten gestellten Fragen oberflächlich und in kurzem Gespräch zu erledigen." Präsüwnt Ehajes erWarte, er werde Gelegenheit nehmen, die OeffeiMchkeit ausführlich über das, was er gesehen und erlebt hat, zu informieren. Mr so viel müsse er .sofort sagen, daß die politische Situation äußerst günstig ist. Dr. Chajes stand bei seiner Ankunft in Wien noch ganz unter dem tiefen Eindruck, welchen die feierliche Eröffnung tac hebräischen Universität auf alle Teilnehmer des denkwürdigen Augenblicks gemacht hat. Insbesondere die Rede Sir Herbert Samuels bezeichnet Dr. ChafeS als sehr bedeutend, 8i« Rettglonenkongrrß sür de« intematioaalea Frieden. New-Aort, 7. April. (I. T. A.) Die von Andrew Carnegie begründete FviedenSunion der Kirche gibt bekannt, daß im August des Jahres 1928 in Genf ein Kongreß aller Religionen stattfinden lyird. Der Zweck dieses Kongresses wird es fein, die Kräfte und Einflüsse der führerrden Religionen der Welt zu vereinigen, um den internationalen Frieden zu sichern. ES wird ein Weltkomitee aus lausend Personen gebildet werden, in welchem die folgenden elf Konfessionen im Verhältnis, zu ihrer Stärke vertreten sein wecken: Christen (einschließend Protestanten, Römisch^Kacholffche, Unierte. Griechisch-Orthodoxe), Juden, Moharmrwdaner, Buddhisten, Anhänger des Konfuzius, Shintoiften, Taoisten, Hindus, Parsen, JainS und Sikhs. Jede dieser Konfessionen wird auf dem Kongreß durch einen Vizepräsidenten vertreten fein. Die praktische Tätigkeit der zu schaffenden WeltfriedenSvereinigung der Kirche 4vird von einem sechziggliedrigen Komitee, welches seinerseits einen sieSbengliedritzen engeren Rat wählen wird, geleitet tverden. Di« Mitglieder des zu schaffenden Komitees der Tausend" werden nicht allein durch die Kirchen ernannt tverden, sondern sie werden kaut ihrer Eignung gewählt werden. Rn kritisches Bertravensvotum für Herriot. Bor der DemiMon des KiMnettsV Parts, 8. April. (Tel.-Komp.) Mit knapper Rat ist es hentv nachmittags der Regierung gelungen, ein« Niederlage im Senat zu vermeiden. Es >vurde über das UnterrichtSbudget verhandelt. Die Budgetlcmmission hatte vorgeschlagen, den Sti-- pendienbeitrog in der Höhe von 50.000 Franken zu streichen. UnterrichtÄminister Francois-Albert erklärte aber, daß die Regierung die Wiederherstellung dieses Kredits fordern müsse. Herriot schloß sich dieser Erklärung an und stellte namens der Regierung die Vertrauensfrage. Der Antrag der Regierung wurde mit 142 gegen 140 Stimmen äugeno mmen.. Ein« Nachprüfung des Abstimmungsergebnisses evgalb» daß die Regierung nicht eine Mehrheit von zwei Stimmen, sondern nur von e in e r Stimme erhalten hat. Die Regierung beschloß daraus» heute abends um 9 Uhr einen Ministerrat albzuhalten, um sich über die Konsequenzen schlüssig zu iverden, die aus diesem AbstnnmungSergsbms zu ziehen seien. Irr parlanlcntarischen Kreisen hält man eine Demission der Regierung Herriot für nicht unwahrscheinlich, ba ein Teil der KabinettAmitgliioder es vorziehen dürfte, daß die Regierung bei einem untergeordueten Anlaß de.missioniert, um nicht durch eine Niederlage .bei einer wichtigen Frage das Prestige des Linkskartells im Lande zu erschüttern. Abends hatte Herrror mit dem Kannnerpräsidenren P a i n l e v e ein« Besprechung. Hmlptmlmn Sadoul srei gesprochen. Paris, 8. April. (Havas.) Der wetzen Desertion angeklagte Hauptmanu Sadoul ist vom Kriegsgericht O rle ans .freigsfpro.chen worden. Dadoul war tvegen Desertion verfolgt und in oontumaciam zum Tode verurteilt worden., weil er nach dem bolschewikischen Umsturz in Rußland geblieben war. Als er nach der Bestellung einer russischen Botschaft in Paris gusanvmen mit Krass in nach Frankreich zuvückkohrte, wurde er verhaftet und vor das Kriegsgericht gestellt. Bor diesem verantwortete er sich dahin, er halbe keinen Befehl erhalten, Rußland zu verlassen.) Russische Spionage in Kraulreich. . Paris, 8. April. (Havas.) .Heute wurde der russische Staatsangehörige Leziuski wegen Spionage verhaftet. Lezinski hatte einen Ingenieur der technischen Abteilung des Unterstaatsfekretariats für Lustschiffahrt aufgefovdert, ihm die Lustschiffahrt betreffende Dokumente zu liefern. Der Ingenieur ging darauf ein, verständigte aber sofort die Sicherhettspolizei, die Lezinski, der mehrere ihm von dem Ingenieur übergebene falsche Dokumente bei sich trug, verhaftete. Bei der in der Wohnung Lezinskis vorgenommenen Hausdurchsuchung wurden zahlreiche Schriftstücke in russischer Sprache gefunden, die einer Prüfung unterzogen werden. Sie «tosjefynraa de» Rolschrttismur. Starke Vermehrung der antibolschewikischen Vertretung im t Moskauer Sowjet. Moskau, 8. April. (Wolff.) Die Ergebnisse der heute abgeschlossenen Wahlen in den Sow je t von Moskau sind ■ folgende: 2554 Kommunisteu und 1306 Parteilose, -das sind 94 Prozent. Bei den vorigen Wahlen betrug die Zahl der Parteilosen 12,3 Prozent. Unter den Drilegierten befinden sich 933 Frauen. Las endgültige Wahlresultat in Belgien. Die Sozialdemokraten die stärkste Partei in der Kammer. Brüssel, 8. April. (Tel.-Komp.) Nach den nunmehr 'vollständig vorliegenden WahlrsfMateu ziehen di« Sozialdemokraten als stärkste Partei in 'die belgisch« Kammer ein. Gewählt tvucken 79 Sozialisten, 78 Kakholiken, 22 Liberale, 6 Frontkämpfer und •2 Komnmnilsten. Die Sozialisten gewinnen 11 Sitze, die Frontkämpfer 2 Sitze, die Liberalen verlieren 11 und die Katholiken 2 Mandat«. Die Kemmunisten sind zum erstenmal im.belgischen Parlament vertreten. Auch die Resultate der S e n a t s w a h l e n sind lberetts teilweise bekannt. Die Katholiken häbon bisher 41 Sitze evhalten gegenüber 42 im Jahre 1921, die Sozia- . listen 99 (33), die Liberalen 13 (18). Die Provinzräte worden evst in einigen Tagen ihre Senatoren nominieren und außerdem wird dann der Senat sich selbst durch weitere- 20 Senatoren ergänzen. Man sieht die folgende Zusammensetzung des Senats voraus: 71 Katholiken (früher 73), 59 (52) Sozialisten, 23 (28) Liberale. Lin Kabinett Bnn-bervelbe's In politischen Kreisen glaubt man, daß der Sozialist Banderveld« den Auftrag zur Regieruttgsbildu ug erhalten wird und Mt die Bildung einer s o z i a,l i st i f ch - l i h e r a l e n R e g i r r u n g s k o a l i- Spiclbälle, Gummischuhe und Gummiwaren aller Art zu Fabrikspreiseft! SPIRMANN & HOROWITZ Wien, II. Bez., Taborstrasse Nr. 11 b — Telephon Nr. 47-0-86 Hi«de«bmg kandidiert doch. Als gemeinsamer Knnvwnt der Rechts« Parteien. Berlin, 3. April. (Wolff.) Wie das Nachrichtenbureai, des Benins deutscher Zeitlrngsverleger erfährt, hat bei Reichsblock den Generalfeldmarschall v. Hindenbur^ als Kandidaten für die Rei ch s prasid euten wahl «ufgestellt. Hindenburg hat die Kandidatur äuge, nommen. Die bayrische Dolkspartei, die Wirtschaftspairtel, bayrische Bauernbund und die dculsch-haunoverianisch Partei haben sich dom Reichsblock angeschlossen. Lr. Mataja in Rom. Rom, 8. April. Der österreichische Bundesmiilisier beS Aeußern Dr. Mataja ist heute vormittags vom Papsi in Audienz empfangen worden und stattete sodann den, Kavdinalstaatssekretär Gasparri, nachnrittags dem Ministerpräsidenten Mussolini einen Besuch ab, in dessev Verlauf die die beiden Staatsmänner interessierenden Fragen einer eingehenden Erörterung unterzogen wurden. Ferner hatte Dr. Mataja eine Unterredung mit den- Staatsnttnister Contarini. Georg Brandes über dar neue kuropa. Vortrag im Großen Konzerthaussaal. Der Vortrag des berühmten dänischen Literarhistorikers und KvittikerS, -welcher gestern im Großen Konzertlhausisaal statffand, hatte «in zahlreiches PMÄum versammelt, unter welchem sich eine Reihe von Perlföntichkeiten der Wiener potlittischsn, Schriftsteller-, Kün-stler- und GeikchrteNwelt befand. Auch dev dänische Gesandte war anwesend. Georg Brandes wurde bei feinem Erscheinen im Saale lebhaft aMvmiert. Brandes laßt in Haltung, Sprechwe-ise «und Pointiemny feiner Rede keineswegs erkennen, das; er deretts im Patviarchenalter ftcht. Er. spricht lebhaft, äußert stine Gedanken sehr häufig in aphoristisch zugospitzter Fovm^ Das neue. .Europa — dies ist der Grumdtou feines Vortrages — ist eigsntttch das alte. Die Wende des Jahrhunderts wurde in der ganzen Welt mit «optimistischer Freude begrüßt in der Erwartung, daß die Welt den: goldenen Aitatter des Friedens « ntgege ngeh e. Das Kulturbewußtissin Europas erweckte große Hoffmuigen. Die Völker Europas hatten tatsächlich zu Beginn des zwanzigsten .Jcuhchundevts eine Kultur, aber sie hatten auch eine Presse. Wohl hat diese Presse nur ausnähmsweise zum Weltkrieg gehetzt, denn das haben in der Regel die Schriftsteller besorgt; sie war auch selten bestochen, aber ülbevall war sie vom Auswärtigen Amt abhängig, und um gefährlich zu werden, brauchte sie nur patriotisch zu sein. Patriotismus und Weltfrieden sind unvereinbar. So war es vor dem Msttkrieg und ,so ist es heute. Schuld cnmt Weltkrieg trug auch der Umfftand, daß >fast alle Völker politisch« Ziel« hatten, di« sich ohne- Kvieg nicht vevwiMichen ließen. Dazu kam, daß Völker, Religionen, Klassen sich immer mehr haßten und verachteten. Dieser Zustand ist auch nach dem Kriege geblieben. Die Gerekytigkeit ist ein Ideal, an das niemand glaubt. Die «wahre Universalität fehlt der Welt, wir ha>ben eine international« Nattlvwisfonschast, ferner allerlei Künste, die mchr oder tvsniger in Verfall geraten sind, das einzige aber, was bei uns uiniversell ist, ift die allgemein« Armut «wb die allgemeine Korruption. Der Nationalismus gibt der Zeit ihr Gepräge. Kein Volk ist so unterdrückt, daß es sich nicht für das erste der Erde hielte. Das politische Ideal der Bolksfveiheit, das noch im neunzchuten Jahrhundert herrschte, ist dahin, in einer Reihe von Ländern, wie in Ungarn, Spanien, Italien, Griechenland, ist an Stelle der Volksfreiheit die Diktatur getreten und in anderen Ländern nähert man sich ihr. Die herrschenden geistigen Mächte im westlichen Ellvopa, Nationalismus, römischer KakholizlÄmuS und ein recht flu-t-, wütiger Sozialismus fördern di« Herrschaft der Mittelrnäßigkoit, wozu noch kommt, daß als traurigste,Folge des. Weltkrieges di« Jugend nicht nur körperlich, sondern auch gvistig verkrüppelt wurde. Dadurch, daß di« M i t t e l nr ä ß i g k e i t ohne Intuition herrscht, werden nur die nächstli eg enden Ding« gesehen. Die sogenannte Sanierung Oesterreichs ist ein Beilspiel dafür. Um die finanzielle Rrkon* struttiion zu erreichen, mußte alles andere verabsänult werden. Die finanzielle Rekonstruktion ist erreicht, aber ökonomisch und sozial liegt alles im argen. Man eplaarbt Oesterreich auch nicht die SeWbe.stim>tMlng, di« das Resultat des Friedens sein sollte. Die Oefterreicher stoheu allerdings dem Anschluß an Deutschland sozusagen leidenschaftslos gegenüber. Der Anschluß an «di« Donauistaaten ist nicht Ntöglich, der Ausweg einer Annäherung an Ungarn könnte nur zustande kommen, weim beide Länder si« wünschen, tvas, wie di« Dinge liegen, lvenig Aussicht hat. Der Europa hchervschende Nationalismus gestaltet die Aussichten für die Zukunft recht tt-üib. Und «S scheint, daß dir Mtz« MMOWWM Mt auS «uvopäffchem Bode»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.