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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-09 · Heft 2204 (9.4.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2204 (9.4.1925)
Date
1925-04-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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[Polens20 flroszy j Wien: Zum Abholen in der Expedition, n.,Taborstr. 1-3. oder in einer Verschleisstellc (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Q o 1 d sch m i ed, 1., Wollzelle 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tsch echo-Slowakei: Mön. K22. Jugoslawien: Mon.Din. 60. Polen: Mon. 4 Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Wiehwhlunjeii bei Preiserhöhungen Vorbehalten Wiener Morgtlyeitung I Preis ao al England: Mon. 4 Schilling, Ital i e n: Monatl. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170Lei, Bulgarien: Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, n.Taborsir.l Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Nr. 2204 Wien. Donnerstag. 9. April 1925 7. Jahrgang J.A.Ba«ewiki Schnapse. Liköre Spezialität: Baczewski - Stanislauer Doppelt rektifiziert und destilliert Seit 1782 weltbekannt I I I. - — “ '' in den Kolonien. Mehr Land für die jüdische« Einwanderer. R. Haifa, 7. April. Nach dem Besuch des Technikums trat Lord Balfour eine Rundreise durch die nördlichen Kolonien an. Im Emekgebiet besuchte er zunächst Nahalal und Balfouria. Er wurde von berittenen jüdischen Bauernban derien feierlich eingeholt und nach Nahalal geleitet, wo ihn die Bevölkerung mit großen Ehren empfing. Balfour, der von Weizmann und Sokolow begleitet wurde, sprach seine Bewunderung über die hier geleistete Arbeit aus. Nahalal war noch vor drei Jahren ödestes Sumpfgebiet. Die Malaria und ihre Verbreiter, die Moskitofliegen, sind hier durch umsichtige Drainageavbeit vollkommen beseitigt worden. Lord Balfour würdigte in seiner Dankrede die Kulturtat der jüdische« Pioniere. Weder Araber noch Ausländer Wien dies vollbringen können. Nur der Enthusiasmus der jüdischen Jugend habe die Sanierung zustande gebracht. Es ist unsinniges Geschwätz, wenn behauptet wird, daß die jüdische Rasse ungeeignet für die Landwirtschaft sei. Nahalal und alles, tooäMfc lelÄiöc -SBibci* legung. Der Vertreter d er j ü dis ch e n A rb e i te rschaft habe Balfour ersucht, sich dafür einzusetzen, daß für die Wischen Einwanderer der Landerwerb erleichtert werde. Er sei bereit, das Seinigezu tun, um dieses berechtigte Verlangen zu erfüllen. Auch in Balfouria, der von der amerikanischen Zion Commonwealth vor drei Jahren gegründeten Mustersiedlmrg, wurde der Gast mit stürmischen Ovationen empfangen. Die Siedler, unter ihnen zahlreiche amerikanisch-jüdische Legionäre, hatten sich zu einer Festversammlung zusammeugefunven. Lord Balfour erklärte, er sei stolz darauf, daß diese musterhaft bewirtschaftete- Kolonie seinen Namen trage. Er dankte den amerikanischen Zionisten dafür, daß sie diese Kolonie ermöglicht hatten. Re Kinstein-Fakuliat. Eine Ansprache des Rektors von Kairo» (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) R. Jerusalem, 7. Wril. Nach der Feier der Grundsteinlegung zum physikalischen Institut, das den. Namen Einsteins trägt, begaben sich die Gäste in das Palais des Oberkommissärs Herbert Samuel. Hier brachten die Vertreter von 82 Universitäten ihre Glückwünsche dar. Die Begrüßungsansprachen der Universitäten von Oxford, Aberdeen, Glasgow, Winnipeg, Kowno, den vereinigten holländischen Universitäten und der Akademie zn Amsterdam wurden in hebräischer Sprache gehalten. Im Namen der Universität Aberdeen sprach Rev. G a r r o w D u «e a n, der die Ausgrabungen der Palestine Exploration Society leitet. Der Oberkommissär Sir Herbert Samuel verlas im Namen der Universität Oxford die hebräische Begrüßung. Die Uni. versität Cambridge war durch Lord Balfour, Sir Artur Schuster und den Gouverneur des Jerusalem- Jaffa-Distrikts General Sir Ronald Storrs vertreten. Lord Balfour erschien d r e i m a l auf der Estrade, um die Begrüßungen der Universitäten Cambridge und Edinburgh, deren Kanzler er ist, und. der britischen A k a d e m i e, deren Präsident er ist, zu verlesen. JedesmÄ wurden ihm große Ovationen bereitet. Besonderes Interesse brachten die anwesenden Fefd gaste der Begrüßung der arabischen Universität zu Kairo entgegen; sie wurde vom Rektor der Universität Kairo Lutfallah Sayed, der auch die ägyptische Regierung vertrat, verlesen. Lutfallah Sayed begann seine Ansprache in Englisch und s ch l o ß i n A r a b i s ch. Er erhielt reichen Applaus. Der Rektor der Universität Athen Prof. Z e n g h elis brachte die Sympathie des griechischen Volkes'.für das Aufbauwerk in Palästina zum Ausdruck und sagte, die hebräische Universität werde ein Zentrum der Wischen geistigen Welt werden. Prof. Charles Gide von der Pariser Sorbonne weckte große Begeisterung durch seine Ansprache, in der er seiner Bewunderung für die zwniftia scheu Ideale Ausdruck gab. Hierauf erschien Lord Balfour wieder auf der Estrade und verlas ein Telegramm der kanadischen Regierung, unterzeichnet vom Premier, in welchem der hebräische« Universität und dem Aufbauwerk in Palästina Grüße dau gebracht-Werden. Herr.Dr. I. L. M ag n e s, der den Vorsitz, führte, teilte miL daß 240 Begrützungstelegrämme, darunter von E i n sie i n, F r e u d und Prof. E l.l i o t der Harvard-Universität, eingelaufen seien. Am.3. April Hetzen einige Professoren airs« ländischer Universitäten die ersten vor, les ungen in der hebräischen Universität gehalten. Svationm für Einstein. Universitätsfeier in Buenos Aires. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Buenos Aires, 7. Alprll. Prof. Einstein, der gegentoäitti®,-. wie bekannt, zu längerem Aufenthalt in Argen- ' tinien wM, wurden bvi der aus Anlaß der Eröffnung der Universität Jewsakem im hiesigen Colisee-Theater abgchaltenen Feier g r o ß e O v a t i o n e n dargelbracht, als .er als Hauptredner die Feier oinleitete. Dem Abend wohnten die Mitglieder der Regierung, die Spitzen der Provinzial- und. Munizipal-- sowie der UnivevsiiätS* bchörden bei. per König von Jugoslawien besucht Ae» Israel. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Belgrad, 8. April. Der „Pravda" zufolge ist für de« Gommer ein Besuch des Königs Alexander in Jerusalem in. Aussicht genommen. In Begleitung des Königswird sich außer dem Hofstaat auch Minister des Aeußevn Dr. N i n c i c befinden. ' Stephen Wise schließt «ch der NanWschen Srganisation an. Der Präsident des amerikanisch-jüdischen Kongresses. New-Aork, 7. April. (I. T. A.) Nach der großen Kundgebung unter freiem Himmel, die am 1. d. aus Anlaß der Unidevsitätseröffnung iiV Jerusalem in New-Nork stattfand, wurde eine geschlossene Versammlung abgehalten, an der 9500 Personen teilnaymen. Der, Präsident des Amerikanisch-Jüdischen Kongresses, Rabbiner Dr. Stephen S. W i s e, der der Hauptredner war, eMärte, daß er sich der Zionistischen Organisation, ' die. er im Jahre 1021 zusammen mit Oberrichter B r a n d e i s mtb Richter M a ck verlassen hatte, wieder a nschließen werde. Dr. Wise war zur Zeit seines Aus- Das Volk der Freiheit. —y. SB i c it, 9. April. Eine Sklavenhorde fand plötzlich das Bewußtsein ihrer Menschenwürde und schüttelte die Ketten ab. Jahrhundertelang hatte sie in der Fron gelebt, so lange, daß die Erinnerung an den Beginn in das Dunkel der Sage geschwunden war. Sie wußte nichts mehr von Josef, der das Land vor dem Hunger gerettet hatte. Sie wußte nichts mehr von der Heimat, die irgendwo jenseits des Meeres in unerreichbarer Ferne lag. Sie wußte nichts mehr davon, daß die Ahnen einstmals als.freie Menschen, als Gäste in das Nilland gekommen waren. Im Meer der Knechtschaft war alles Untergängen. Die Peitsche des Vogtes war zur Gewohnit. geworden. Die Menschen von Gosen wußten nicht mehr, daß es jemals anders gewesen war. Es war ihre Bestimmung, der Inhalt ihres' Daseins, daß. sie Htejne.Mgen,,daß..M Wthom uH^Mgwses bauten,, dieweil der Äegypter im Krieg verblutete und den Ruhm des Pharao mehrte. Die einen verreckten im Sand der glühenden Wüste, die anderen brachen am Ufer des Nil unter den Lasten zusammen. Immer war der Aufseher mit seinem Stachelstock und dem Bluthund hinter ihnen gewesen. Der Vater, der Großvater, so weit die Erinnerung zurückreichte, kannten nichts anderes. Hub weil dem so war, hatten sie das Sehnen und Wünschen tief in der Seele begraben. Sie hatten nichts mehr zu erhoffen. Ruhmlos, ehrlos war die Vergangenheit. Was konnte die Zukunft bringen? Da sprach Moses zu ihnen. Seine Worte, die wie glühendes Erz auf die Seele fielen, weckten die begrabenen Toten. Die Sklaven standen auf. Sie erkannten ihren Wert als Menschen, als Juden. Sie warfen alles nieder, was zwischen ihnen und der Freiheit stand. Die Freiheit ist der Sinn dieses-Festes. Sie ist der höchste Besitz des Menschen, des-Volkes. Und es war das jüdische Volk, das zuerst den Begriff prägte und sich bewußt, mit klaren: Verständnis gegen eine ganze Welt stemmte. Es war das.jüdische Volk, das immer wieder das Wort von der Freiheit in die Lande hinausrief und den Verzweifelten, in der Erstarrung der Gewohnheit Gebundenen neue Hoffnung und Sehnsucht gab, das sie lehrte, den Wert dieses Lebens zu erkennen und sich kein Recht schmälern, zu lassen. Der Trotz des Rebellen, sein Stolz auf die gleiche Geltung aller Erdgeborenen,, leitet die Geschichte des jüdischen Volkes ein, und er tritt stark, mit deutlicher Betonung in. den furchtbaren Jahrhunderten der Verfolgung, des. Exils, hervor. Immer ist es, ein Sohn des Stammes Sem, der als erster ins Eisen der Fessel greift und den Müden zeigt, daß auch sie Söhne der Erde sind, die Gott allen Menschen gegeben, hat. Nur an eines dachte das jüdische Volk nicht: daß es auch ein Anrecht auf Eigenland, auf sein Land besitzt. Ihm erging es so wie den ägyptischen Sleinträgern und Nilwächtern. Sie hatten vergessen.. Es kam die Zeit, daß wir wieder an uns dachten und an die Heimat. Jahrhmkderte bitterster Qual. mußten wir durchleben, durch die schwarze Pest der Verbannung schreiten, ivir mußten, wie das der Pharao befohlen batte, die Söhne weggeben, die in den Mühlen d"r Fremder: Sklaven wurden Und es kam auch für uns der Tag, ar: den: wir zun: Bewußtsein erwachten, an dem sich d iS Moses-Wunder wiederholte. Wieder geht es der Heimat zu. Aber sie ist uns näher gekonnnen. Wir haben sie, sie uns errungen. Sie ist kein Lied n:ehr, wir haben sie auf den Boden dieser Erde gestellt und wir bahnen uns selbst der: Weg. Wir sind ihr bereits geistig verbunden. Eben in dieser: Tagen hat sich das jüdische Volk feine Hochschule eröffnet, die der Welt Zeugnis ablegt vor: der Urwerdrossenheit und der Zielsicherheit eines seir:es Schicksals bewußt gewordenen Volkes. Die ganze.Menschheit hat ihre Vertreter zu der Feier entsendet, und sie alle nahmen die Ueberzeugnng mit nach Hause, daß noch immer, heute mehr denn je, die Freiheit der Stern unseres Leber:s ist. Wir werden unser Geschick meistern und das Unsere dazu tun, daß auch aus dem Leben der anderer: Völker die Sklaverei verschwindet. Wir sind wieder ein freies Volk. Frühjahrs-Neuheiten ln Domen- und Herrenstoffen zu sehr.. Preisen bei l Schiffmann II. TaborstraSe 48 Teiaahon 47*1*70 ln «fM «n dntjll 2 C3B

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