Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2203 (8.4.1925)
- Date
- 1925-04-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sk. ssvs Men, Mitkwochi Miene« MiroenAeltuna. 8. April im Seife 3 i IHIIIHIIBIIIIIIIIIIIIIfllllllllllflim|Blllllliailllflllll||aiflIlllllllll dm mährische d »n | nHArnvirF dm Paradies IJ/IlI/ JLtVs V/ T 1V#JL* parad i e s Die stärksten naiürlichen Kohlensäurebäder der Tschechoslowakei / Berühmfe Kaltwasserheilanstalt Modernste. INHALATORIUM Europa Ober 20.000 Kurgäste Heilt: Nasen- - Racficn- - Bronchial-Katarrhc Asthma- Herz- - Nerven- und Frauenkrankheiten Philharmonische Konzerte - Tennis und Spielplätze - Abendreunions - Jagd * Ausgänge und andere Zerstreuung Direkte Sdinelteugsverblndung ✓✓ Tsdi.-sl. Fahrpreisermässtgungen // Nächst gelegener tschech.-slow. Kurort / Prospekte / Wohnungen // Informationen: Badedirektion 10914!■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ I Smiotr Sanierungsmaßnahmen. ZDLe freiwillige Vermögensabgabe. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 7. April. Der Ministerrat hat den dont Finanzminister de Monzie ausgearbeiteten finanziellen Gesetzentwurf der Kammer vorgelegt, die auf Verlangen des Finanzministers den Entwurf an den Finanzausschuß verwies und 'beschloß, ihn morgen zu beraten. Der Finanzplan de Monzies, über den der Finanzminister heute int Ausschuß sein Exposes hält, sieht vor: eine Erhöhung des Banknoten Umlaufes von 41 auf ,45 Milliarden und der gesetzlichen Grenze der B o rschüsse der Bank von Frankreich an den Staat von 22 auf 26 Milliarden. Ferner wird eine unter Kontrolle durchzuführende freiwillige Zeichnung einer Anleihe aufgelegt, mit Optionsmaximum und Zwangsminimum. Die Anleihe, welche mit 3 Prozent verzinst wird, ist st e u e rpflichtig. Es sind weitgehende Erleichterungen in der Zahlung, die in 20 Vierteljahrsraten erfolgt, vorgesehen, die sich sogar auf Tratten mit höchstens einjähriger Laufzeit erstrecken, vorausgesetzt, daß sie mit drei Unterschriften versehen und von der Bank von Frankreich vidiert sind. Alle ein'kommensteuerpflichtigen Personen, die nicht mindestens ein Zehntel ihres Vermögens gezeichnet haben, werden einer außerordentlichen Besteuerung in der Höhe des durch die Zeichnung nicht gedeckten Bruchteiles dieses Zehntels unterworfen. Mit Ausnahme von Arbeitseinkommen werden keinerlei Befreiungen gewährt. Der Ertrag der Abgabe wird ausschließlich der A m o rtisierung der Schuld dienen. Durch die Einziehung der zur Zahlung der Abgabe erlegten Staatsschuldscheine wird das Budget um 600 Millionen jährlich verringert werden. Das Gerücht von einer Erhöhung des Zinsfußes der Bank von Frankreich von 7 auf 8 Prozent wird amtlich dementiert. Gemeindowahlvecht fitt* die Frauen. Paris, 7. April. (Havas.) Die Kammer hat den Frauen das aktive und passive Wahlrecht für Gemeindewahlen Anerkannt. Die Nadelstiche des Senats gegen Herriot. Paris, 7. April. (Havas.) Int Laufe der Beratung des Unterrichtsbudgets im Senat übte ein Senator Kritik an der Ernennung des Professors Scelle, die die jüngsten Unruhen im Quartier Latin hervorgerufen hat. Ueber seinen Antrag beschloß das Haus mit 138 gegen 134 Stimmen trotz des Widerspruches des Unterrichtsministers, zum Zeichen der Mißbilligung das Gehalt des Ministers um 100 Franken he rav zu setzen. Der Minister hatte nicht die Vertrauensfrage gestellt. Hie 8arres — hie Hindenburg. 8vas Gezanke unter: den deutschen Nationalisten. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitlmg".) Berlin, 7. April. Die Ausstellung des Dr. Jarrcs als gemeinsamen Kandidaten der deutschen Rechtsparteien für den zweiten Wahlgang der Präijtbentschaftswahlen, die gestern nach der Ablehnung der Kandidatur durch Hindenburg beschlossene Sache schien, hat inzwischen zu einem wüsten Gezänk zwischeu der deutschen Bolkspartei mtd den Deutsch-nationalen geführt, zu denen Herr Streseman n seine Volkspavteiler in der letzten Zeit hinübergelotst hat. Nun srondieren die D c u t schnati o- «ölen gegen den gefälligen Vermittler Stresemann und erklären, daß sie die K a n d i d a t u r H i n denb nt rgs für die Reichspräsidentenlvaihl fordern, da sein Name weit zugkräftiger sei als der des Dr. Jarres. Stresemann «ist aus begreiflichen außenpolitischen Gründerr entschiedeater Gegner einer Kandidatur Htndenib'urgs und aus sein dringendes Verlangen hat sich die deu tsch e Vo tk sParte i dem Beschluß des deutschnationalen Parteivorstandes nicht a n g e s ch l o f if c n. Wie verlautet, hat H i rt d e nburg, der mehr politischen Verstand besitzt als seine Freunde, endgültig die U e b c v n a h m e d e r Kandidatur a b g e l e h u t. Nun iist alb e r H e rr I a r r e s, tvel che r sich n och gestern vom Kölner Oberbürgermeister Dr. Adenauer ein WchlverhaltungSzeugnis aus^stelleit ließ, daß es ihn: nie eingefallen sei, das Rheinland an Frankreich zu, verschachern (was ja auch tatsächlich nicht sein Gedanke, sondern der seiner schwerindnstriellen Auftraggeber war), beleidigt, da nian ihn nicht für zugkräftig genug Mt; er beabsichtigt, v o n d e r K a n d i d a t u r z u r ü ck z u trete n. Auch fein Manager, der Vorsitzende des Wahlausschusses der Rechtsparteien, v. Löbell, will dieses sein Amt nie der legen. Es scheint also, daß die gemeinsame Kandidatur der Rechtsparteien nicht zustande koutimen dürfte; sie hat übrigens von seiten der bisher nach rechts orientierten b a h r i s ch e n V o l k s Pa v t c i aus k e i u e Unterstützung zn> rechnen, da der Laudesanssch-nß der bayrischen Volkspartei beschlossen hat, u u r e i n e K a nd -i d a t u r H i n d e n b u r g s z n u n t c x st it tz e it, und wenn diese nicht zustande kommt, den Wählern die Abst i nt m utt gi s r e i z it g e b e n. Diese Verhältnisse int Niechtsblock für die Präsidetttfchastswahl sestigen die Position des Kandidaten der Weimarer repitblikanischen Koalition Dr. Marx. Sachalin von Japan geräumt. Tokio, 7. April. (Rcuter.) Die Japaner haben Sa cha- T t it geräumt und die Verwaltung den Sowjetbc- Hörden übergeben. _ Sit Slndenlennnrnhen in Focsani. Eine Interpellation in der rumänischen Kammer. Bukarest, 7. April. (U. T. K. B.) In der Kammer brachte der jüdische Abgeordnete aus Beßarabielt Lerner die Studentenunruhen in Focsani zur Sprache, wo bekanntlich jüdische Gesch ästs l okal e g e rst ö r t wurden, und fragte die Regierung, weshalb sie nicht diesen Unruhen vorgebeugt hab>e und welche Maßnahmen sie zur Bestrafung der Unruhestifter getroffen habe. Unter lärmendem Protest und Zurufen der Rechten erklärte Redner, daß sich in Focsani pogvomartige Szenen abgespielt haben. Der I u st i z m i n i st e r-erklärte, in Focsani habe es b e d a u e r n s w e r t e Z w i s ch e n s ä 11 c gegeben, von einem Pogrom könne jedo>ch nicht gesprochen werden. Normale Berhültniffe lm Lftraner Revier. Volle Wiederaufnahme der Arbeit. Mährisch-Oftrau, 7. April. (Tschecho->slolväkiisches Preßbnveau.) Der Bergaribeiterstreik kt Ostratl-Karwiner Revier ist vollständig beendet. Die Arbeit wurde aus allen Gruben in vollem Umfang wieder anfgenontmen. Nur 3,4 Prozent der Belegschaft blieben der Arbeit fern. Hiebei handelt es sich um Aribeiter, die aus dem Lande wohnen und rticht rechtzeitig von der Beendigung des Streiks verständigt werden konnten. Gleichzeitig wurden auch das Alloholverbot und die verkürzte Polizeistunde in den Kaffee- und Gasthäusern a nfg ehob e «. A Set Kampf gegen den Rabbiner. Sozialdemokraten, Großdeutsche und Bauernbündler in einer Front. , Das Spiel, das vor zwei ^Jahren bei der Aktivierung des Wiener Stadtschulrates aufgeführt wurde, wird jetzt in Graz wiederholt. Bor zwei Jahren waren es die Wiener S o z i a l d e m o k r a t e n, die die jüdische Vertretung bekämpften. Sie mußten cs damals erleben, daß die Majorität des Nationalrates gegen sie entschied. Inzwischen ist die Entwicklung weiter geschritten. Im G r a z e r L a n dt a g haben sich die S o z i a l d e nt o k r a t e n, die G r o ßdeutschen utld die B a u e r n b ü n d l e r gestern zusammengetait, um den j ü d i s ch c tt Vertreter i nt Landesfchutrat zu streichen. Sie erzielten die Mhrheit und so ist die neue Front iboisammen. Heil Muchitsch und Schacherl! Tumulte «ach der sestrigen Arbeitrlofenversammlung. Zusammenstöße mit der Wache. Die gestrige A r b eitsl o se n versa mm lung vor dein Rathaus nahm zuerst eilten ruhigen Verlauf und e tt b c t e donlt st ü r m t s ch. Bis 11 Uhr waren mehrere tausend Personelt, darunter sehr viele Jugendliche und F r w u e it, zum Rathaus platz marschiert. Eitte starke Ordnergrnppe war altsgeboten, die nur Personen mit Arbeitslosenallsweis dnrchließ. Es waren auch ungefähr fü ns zig Hake n treu zler erschienen, die an der Versammlung teilltehmelt wolltett. Sie imtrben aber mit unfreundlichen Worten begrüßt. Die Arbeitslosen riefen: „Wir wollen mit den A r b e i t e r m ö r d e r it nichts zu tun haben!". Schließlich lnußten sie lvieder abzichelr. Alt drei Stellen wurden gleichzeitig Reden gehalten, die sich hauptsächlich gegen den Abbau der Unterst ü tz u u g und s ü r die E i n st e l l u n g v o rt Äl rb ei ts losen in Betriebe aussprachen. Nach Almahnte eitter R e s o l n t i o n begab sich eine Abordnung znm Bundeskanzler Dr. Ramek und züm Mini.stcr für soziale Verwaltung Dr. Res ch. 'Nach der Versamntlttng kam cs ztt Z w i s ch e lt-- fällen. Eine radikale-Gruppe schwenkte, statt im Sinne der Ordnerparole in der Richtnttg gegen die Bellaria zrt tltarschieren, gegen das B u r g t h e a t e r lmd znm / B it rt d e s k a n z l e r a m t ab. Ein Teil gelangie bis ztir M ölte r baste i. Wache v e r s P e r r t e den Weg und z o g s ch l i e ß l i ch b l a tt k. Eine starke 'Abteilirng B er i t t e n e r d r ä n g t e die Demonstranten gegen den Ring zttrück. Bei der B e l l a r i a nnd vor dent I u st i z P a l a st erltenertelt sich die T tt nt u X t f z c u e tt. An verschiedenen Stellen kam es znm Handgemenge zwischen Demonstranten und der Wache. Gegen die Wache wurden Steine nnd H o l z st ü ck c geschleudert. Es gab mehrfache Verletzungen, wie es heißt, auch auf Seite der Demonstrantelt. Die in der Nähe befindlichett Geschäftsläden wurden schleunigst gesperrt. Durch Steinwürfe wurden auch miehvere Spiegelscheiben zertrümmert. Insgesamt wurden 33 Personen von der Polizei angehalten. In den ersten Nachmittagsstnndelt war die Ruhe wieder herrgestellt. Die Grazer Vorfälle. Jllt Zusammenhang mit den vorgestrigen fonuuniiijtu scheu Ausschreitungen in Graz wurden gestevit vormittags die beideit kommunistischen Führer Anton K o ch und Albert P f n e r s l wegetr A n s r u h r s verhaftet und dem Landesgerichte eingeliesert, ebenso auch die anderen vorgestern vevi -hasteten Personen. Auch in Linz. Aus Linz wird genteldet: Die Arbeitslosett veran^ stalteten hier eine Demonstration. Nach einer Ansprache .ihres Sprechers vor dem Landlhause lbegab sich eilte Abovd- Ultng zur Landesregierung und überreichte die bekanntes Forderungen der Arbeitslosen. Georg Brandes in Wien. «Presseempfang. Georg B r a n d e s, der gestern früh int We-stbahnhof aus Berlin hier aukant, empfing nachmittags die Vertreter -der Wiener nnd ausländischen Presse zu ein« zwanglosen! Aussprache in seinem Zimmer im Hoteit Sacher. Der 83>jähvige Greis saß während -dieser Besprechung in einem Lehnstuhl und gab mit erstauMcher Frische ans alle an ihn gerichteten Fragen sofort Antwort. Cr äußerte sich gesprächsweise über Fragen der modernen Literatur u >n d P o >l i i i k. Auf dem Gebiete der Literatur und Kunst lehnte Brandes enitschieden die moderne, mystisch-expressionistische Richtung ab, weil sie nur einen bunten Mantel davstelle, der ledWch den Zweck habe, die Hohlheit und Leere der Ideen zu verdecken.. Die erste Aufgabe des Schriftstellers, sagte Brandes, sei, Klarheit zu schaffen. Was die moderne deutsche Literatur anlartg^e, so finde er sie viel zu abstrakt. Die Deutschen haben aus dem Kriege gar nichts gelernt. Ihre Schro'lib-- weise ist ungefähr die, deren ich mich als Sechzehnjähriger bedielrie, äußerte sich d-er Dichter. Ich Lrinuere zum Beispiel an Gerhart Hauptmanuder als ganz junger Mann mich bat, ein Gutachten über sein erstes Gedicht abzttgelben. Schon damals riet ich ihm, nicht so abstrakt zu schreiben. Doch leider blieben meine Ermahniungen fruchtlos. Die Dichter des jungen Deutschland sittd bis heute primitiv geblieben. Auf die Frage, wen er von den österreiMchelt Dichtern aut höchsten schätze, antwortete Brandes, SchMtzler und Beer-Hoffmann. Von den ältere-n Dichtern sage ihllt am besten L e n a u zu. Nun kam die Rede auf die Politik. Die Verst ü mm eluug Oesterreichs ist, so äußerte sich der greise Dichter, eine große Ungerechtigkeit. Bon den österreichischen Politikern wußte er nicht viel SchmeicheHaftes zu sagen. Die österreichische Politik steckt noch i-mmer in den Kinderschuhen. Der R'Nlnpsstaat Oesterreich ist eine glänzende Bestätigung der alten, fälschlich dem Schweden Axel O x e n st i e r lt a zugeschriebenen Wiaximen: „Du weißt nicht, mit wie wenig Verstand die Welt. regiert wird." Man hat ein blühendes a-nfstrelbendes Land, desseit Knlturschätze der ga-nzelv Menschheit zugute kametr, vernichtet und dafür e i lt l e b e n s n n s ä h i g e § Gebilde geschaffen. Der Vertrag von Sa'mt-Germain hat Oesterreich nichts gelasseit als die Arbe-iteloftgleit. Auf eilte Frage über seilte An>sichien übler S o w j -e trußland äußerte sich Brandes nicht sehr optimistisch. Der russische Bolschetvismns ist ein Experiment, -das Wohl keinen gültstigen Ansgang zeitigen tverde. Er für feine Person habe mit den Kommunisten böse Erfahrungen geltmcht. Sie haben vor fünf Jahretr ohne seine Zustimmung seilten Namen unter eilte ihrer Proklamationert gesetzt. Ebenso pessimistisch w-ie die Lage in Rußland beurteilt Brandes die Z lt k u rt f t E rt r o p a s. Ter Empfang währte ctlva eine halbe Stunde. -r- Hellte abends hält Georg Brandes tan Großen Konzerthanssaal feilten Vortrag über: „Das neue Europa". Wie wir erfahren, wird der Gelehrte eine.» Teil seiner An'Sführungen auch der j it dischelt Frage widmen. Es ist den Bomührmgen des Zwltistischett Landeskonlitees gelun* gell, für organisierte Z i o n i st e lt eilte Anzahl von Kartell zu diesent Vortrag z u h a l b e m Preise zusichern. Diese Karten sind h e u t e von 10 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags tut Zionistischen Bnrcan, 1. Be;., Kärntuevstraße 28, gegen Vorweisung der Miigi'.cdKgrte erhältlich.