Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2203 (8.4.1925)
- Date
- 1925-04-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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6t«tf _©tot. MiirwvH_ T« Zusammenhang mH dem Wechsel in -er Person Heß Oberkommissärs werden auch im Stande der hohen Verwaltungsbeamten Palästinas einschneidende Veränderungen vor sich gehen. Es gilt heute als ziemlich sicher» daß der gegenwärtige Gouverneur von Jerusalem, Sir Reginald Stores, seinen Posten verlassen wird. Sein Nachfolger ist noch nicht bestimmt, eS dürste wahrscheinlich ein Jude sei». Ueur Brücken über den Zordan «nd garmnk. EI?. Jerusalem, 6. April. Ter Bau L«r .zwei neuen Brücken über den Jordan und Jarmuk an der Grenze von Transjordamen und Palästina geh; der Bolltnduny entgegen. Ter Bau hat etwa acht Monate gedauert. veretatanns der anelündWen Preffevertreter in Srei Israel. Jerusalem, 6. April. Hier fand die GiündunaSver- .ammbung der Vereinigung der ausländischen Pressevertreter statt. In das vorläufige leitende Komitee wurden die Journalisten Pietruschka, Silberzweig-- Kaspi «und I. Brandes gew?'^^. Universitütsskiern. In Oesterreich. Montag den 6. d. fand in Wien um hakd 10 Ilhr abends im Lokale der Z. M. D. Jedidäa anläßlich der Eröffnung der hebräischen Universität ein Fcstkonc«nt statt. Di« Feier entsprang dsnt inneren Bedürfnis, int intimen Kreise der Berandung dieses Evc.ig.nis zu würdigen, obwohl in verschiedenen Kreisen der Studentenschaft Feierlichkeiten begangen worden waren. Die Festrede hielt Herr Emil Fichmann. Sodann sprachen der Präses des Jüdischen akademischen Landesverbandes Herr Kurt Offenberger und .Herr Benno Sendrowicz als Vorsitzender des S. B. der Mittelfchulvevbindungen. Die Feier verlief würdig und eindrucksvoll. * Der hmnomtare Verein zur Unterstützung arnlex Kurbedürftiger Kurfursorge widmete aus Anlaß der Eröffnung der hebräischen Universität dem Keren Hajeffod einen Betrag, welchen der Ausschuß mit einem überaus warm gehaltenen, an das Wiener Bureau des Keren Hajeffod gerichteten Schreiben einlbegleitete. rjr Aus Mödling wird uns berichtet: Dienstag den 31. März berief Präsident Dr. Moser eine Festsitzung des Ku l tu s ra 1 e s ein; Dr. Moser hielt bei dieser Gelegenheit eine längere, sehr wirkungsvoll« Rede über die Bedeutung der Jerusalemer Universität und schloß mit der Aufforderung, jeder Jude solle seine Verpflichtungen dem Keren -Hajeffod gegenüber v e r« doppeln. Ein in der Versammlung eingebrachter An. trag, die Kultusgemeinde möge aus oigenen Mitteln einen größeren Betrag dem Keren Hajeffod überweisen, wurde ohne Gegenistvmm« dem Finanzausschuß überwiesen. Am Mittwoch den 1. d. veranstaltete die zioniftis ch e Ortsgruppe eine Univevsiiätss«>!er, die schr gut besucht war. Obmann Dr. Ro seither und Dr. Justh vom Keren Hajeffod hielten instruktive Borträge. * Aus Wiener-Neustadt wird uns geschrieben: Samstag den 4. d. veranstaltete die zionist'sche Ortsgruppe Wiener-Neustadt einen Festabend, der die erfolgte Eröffnung der Universität Jerusalem zum Anlaß hatte. Nach Absinaung der .Hatikwah" durch einen Knabencbor unter der Leitung des Kapellmeisters Stein «begrüßte Dr. Leopold Bauer, der Obmann der Ortsgruppe, die Erschienenen und erteilte Dr. I u st h das Wert der F?strede, die tiefen Eindruck machte. Sodann brachten die Knaben Schenk, Kluger, Erwin und David Kohn Gedichte von Nosenftld, Zuckermann u. a. schr hübsch zum Bortrag. Nach der offiziellen Feier behandelt« Dr. Justh den Gesamtbereich der dsm Nationalfonds durch die Mandatepolitik Englands in der Bodenfrage gestellten Aufgaben sowie diejenigen des eigentlichen Aufbaufonds, des Keren Hajeffcd. Es darf mit Genugtuung festggstellt werden, daß als unmittelbare Wirkung des Bortrages zahlreiche und namhafte Keren-Hajessod- Zeichnungen und ^Barzahlungen für 1905 erfolgten, und zwar unter reger Beteiligung von Kwifen, die dem zionistiischen Werk bisher sehr fern standen. Dies ist um so höher anzuschlageu, als ja der seinerzeit von der Kultusgomeinde Wiener-Neustadt gefaßte Beschluß, sich als solche am Keren Hajeffcd nicht zu beteiligen, noch in allgemeiner Erinnerung ist. Atz Gäste konnten der Vorsteher der Kulturgemeinde Herr Gustav U n g e r, der Obmann der Union Herr Dr. S. Karpfen, Herr Prof. M. A. La n da u u. a. begrüßt werden. Bedauert wurde die A b- Wesenheit deS erst vor kurzem ins Amt eingeführten Herrn Oberrabbiners Heinrich Weiß, * Die Linzer Jüdische Kultusgemeinde veranstaltet«* am 81. Marz aus Anlaß der Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem eine Festfeier, bei welcher der Gemeinderabbiner Herr Dr. Kurrein di« Ansprache hielt. Nach dieser Feier gaben die Linzer Komitees deS Keren Kajemeth und Keren Hajeffod ein Bankett, an welchem sämtliche jüdischen Vereine der Stadt Linz teilnahmen. Di« Festrede wurde von Herrn Dr. Adolf M e nz e l gehalten. Auch die Linzer jüdische Jugend beging deu Tag der Universttätseröffnung durch eine Festverisammlung, bei welcher Frau Dr. RudoHin« Menzel sprach. _ Wiener Morstenzettrm-._ Ein Meeting in Warschau. In Warschau veranstaltete die Judenbeit am 1. d. ein« grandios« Kundgebung. Zehntausend« Juden nahmen an der Kundgebung unter freiem Himmel teil. Das jüdische Viertel Warschaus legte reichen Flag^enschmuck an und war festlich illuminiert. Zn den Fenstern hingen die Porträts Theodor Herzl'ö, Doktor Weizmanns, Lord Balfours und des Präsidenten der polnischen Republik W o j c i e ch o w s k i. Laut einer Verordnung des Unterrichtsministers hatten de jüdischen Kinder in den jüdischen und in den allgemeinen Schulen frei. Tem vom jüdischen Univevsitätskomitce veranstalteteu G o t t e s d i« n st wohnten Vertreter der Regierungunddie hohe katholische Geistlichkeit bei. Der jüdisch« ParlamentSklub hielt eine feierliche Situng ab, zu welcher Vertreter des ukrainischen P a r l a m e n t s k l u b s erschienen waren. Nach c'ner Festrede Dr. Leon Reichs drückten di« ukrainischen Vertreter ihre tiefe Sympathie für die erste jüdische Universität aus. D e r u k r a i n i s ch« S e j m k l u b sandte auch ein Begrüßungstelegram nt im Namen des ukrainischen Volkes nach Jerusalem ab. Der Verband der jüdischen Handwerker in Polen veranstaltete am 1. d. in Marschau eine Feier. Die zur Begrüßung einaelaufenen Telegramme seiner Filialvereine wird der Verband sammeln und, in ein« Adresse gebunden, der Universitätsbibliothek überreichen. Der Festtag in Zagreb. In Zagreb wurden große Festlichkeiten anläßlich der Eröffnung der Universität in Jerusalem am 1. d. veranstaltet. Vormittaas wurde unter großer Beteiligung aller jüdischen Korporationen und zahlreichen staatlichen, städtischen, militärischen und fremdländischen Vertretungen ein FesigrtleKdienst algehalten, bei welcher Gelegenheit di« Otervabbiner Dr. Schwarz und Dr. Marge! Festreden hielten. Nachher fand im Beisein dort AbordMngen aller jüdischen Korporationen und Vereine eine F e stfitzung des Gemelindevorstandes der Zagreber Kultusgemeinde statt, wobei der Genteindevorsteher Herr Dr. Hugo Kon eine Rede hielt, in tvelcher er die Bedeutung des Festtages hervorhcib. Einstimmig wurde die Summ« von 20.000 Dinar für die Eintragung der Zagreber Gemeinde in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds votiert und «ine hebräische Begrüßungsadress« nach Jerusalem abgesandt. Mends veranstaltet« der jüduschnationale akademisch« Verein Judäa eine festliche Akademie, wo>b«i der Präsident des Vereins Philipp Reiner in eindrucksvoller Begrüßungsrede der fcstilichsn Stimmung Ausdruck gab. Danach hielt vor einem dichtgedrängten, 1 1500 Personen zählenden PstMiKum Dr. Alexander Licht di« Festrede. Die Zuhörer, unter denen sich alle prominenten jüdischen Persönlichkeiten, Vertreter der politischen und militärischen Behörden, der Universität und der Hochschulen, der akademischen Vereinigungen und der Preffe sowie der allseits lebhaft begrüßte Zagreber englische Konsul befanden, dankten dem Redner mit stürmischem Beifall. Der ganze Festtag ist derart zu einer großen Manifestation des jüdischen nationalen Gedanken geworden. In Belgvad. In Belgrad fand am 1. d. ein Fostgotte'sdierst statt. Der Tempel war überfüllt. In Vertretung der Regierung waren der Kultusminister Mischa Trifunowitsch und der UntervichtSminister Sv. P r i b i 1 s ch e w i t s ch» für die Stadt der Vize'bürgermeister M. Bobitsch erschienen. Die Akademie der Wissenschaft entsandte den Professor Audra S t e f a n ö w i i s ch und di« Universität wurde durch den Rektor Pavle P o p o w i t s ch vertreten» der eine kurze Ansprache hielt. Die Festrede hielt der Arzt Tr. David Albala. Im Namen der Regierung sprach der Kultusminister Mischa Trifunowitsch. Alle jüdischen Geschäfte waren während des Gottesdienstes geschloffen. In Warasdin fand am 1. d. ein stark 'besuchter jüdischer Kulturabend statt, aus welchem die Herren I. Herzer, Vorsitzender der Zionistischen Organisation» und Oberrabblner Dr. R. Glück über di« Bedeutung 'der Universität sprachen. Ihnen schloffen sich dann die Herren Dr. Bla u, Präses der jüdischen Gomeinde, und Sekretär Dr. P u l g r a m in begeisternden Reden an. Eine Kundgebung in Antwerpen. In A n t w «r p e n fand am 1. i>. eilt« imposante Kundgebung der Judrnschaft statt. In einem mit den erniischen, belgischen und jüdischen Farben dekorierten Saal versammelten sich an 1200 Personen, darunter Vertreter der belgischen Regierung, der Bizekonsul der englischen Gesandtschaft. Herr Patterson, Prof. Dr. Niko GinSbürg als Vertreter der Universität in Gent, Profeffor Dr. Basch von der Pariser Sorbmne. das Z oni't-ische Landeskomitee, .Herr Halevh als Vertreter der jüdischen Gemeinde, Rabbiner Dr. Wiener für das Oberrabbinat, Rabbiner A m i e l für den Misrachi sowie Vertreter der gesamten Preffe. Die belgische Regierung, die Gemeinde Antwerpen, Pros. P h i l i p p s o h n (Jca) und viele andere hervorragende Persönlichkeiten sandten Begrüßungstelegramme. Den Vorsitz führte .Herr Jean Fischer. Der englische Vizekonsul, Herr Patterson, überbrachle die Grüße der englischenNegierung. UniversitätSProf-cffor Basch hielt die F e st r e d e, die mti großer Begeisterung ausgenommen wurde. Er legte in einer anderthalbstündlgen An.-prache dis Bchentnng der Feier dar »nd jagte y. g.r Stg.fegS _S. AM 1966 _ Skr. M» Universität in Jerusale m wird «Steine« N u m e r u S e l a u f u s g e b e n, sie wird jeden aufnehmen, der lernen will. Er gedachte in seiner Rede der großen Persönlichkeit H e r z l S und feierte sodann die Taten der heutigen Führer der zionistischen Id««. Prof. G i n s b u r g überbrachte die Grüße der b e l g ischenRegierung und erklärte, daß die Jerusalenver Universität nicht nur für di« Jttden, sondern für di« ganze Welt große Bedeutung besitze. Die Reden wurden ftanzösisch und flämisch gehalten. Die Vertreter des Misrachi und der Studentenschaft sprachen hebräisch. Um Mitternacht traf eine telegraphische Schillderung der Feier aus Jerusalem ein, die unter großer Begeisterung verlesen wurde. Die Bersantmktng sang die belgische, die englische und die zionist-' sche Hynme. Ein Meettng in Czernowitz« Aus Czernowitz wird uns berichtet: Am Vor» äbend der Univevsitätseröffnung, am 31. März, fand in der jüdischen Toynbeehalle ein F e st m e e t i n g statt, das von mohr als 2000 Personen besucht war. Die Bersamm l>uug, welche von ftievlicher Stimmung getragen war, wurden durch eine hebräische Rede des Herrn Mann eingeleitet. der nn Namen der jüdischen studierenden Jugend von E;ernowitz die Eröffnung der Universität begrüßte. Die Geschichte der Umvevsitätsgründung und ihr Programm entwickelte Dr. Dh. W e i ß e l b e r g e r in anschaulicher Darstellung. Hierauf sprachen Dr. Mayer Ebner über die Universität als geistiges Zentrum des Judentums, Doktor Salomon Kaßner über den Sieg deS Palästinvaufbaugedankens sowie der Präsident des Misrachi in Czernowit» »S. Goldfeld. Di« Frier machte großen Eindruck. Freunde «nd Feinde von gestern. Ehamberlain über die Friedensvertrüge. London, 7. April. Der Außenminister Chamber» la in hielt gestern abmds in Birmingham eine Rede, die erheblich« politisch« Tragweite besitzt, weil zum. erstenmal von einem im Ami befindlichen englischen Außenminister auf die Möglichkeit der Revision der Friedens- Verträge hingewiesen wurde. Chamlberlam erklärte, vor sechs Jahren fei der größte Friedensvertrag der Geschichte untcrfchrie-ben worden, und mau kann sich heute unter den Staatsmännern Europas tau bewezen, ohne zu fühlen, daß noch immer keine Agnoszierung des wahren Friedens vorhanden ist. Nachdem Chambevlain auseinandergefetzt . hatte, daß die Genfer Prcickolle zu weit gingen, fuhr er fort: „Wir. sind nicht in der Lage. Sicherheiten zu gewähren in der Form eines Bündnisse8 mit unseren Freunden von gestern, di« sich gegen unsere Gegner von gestern richten. Wir sind bomüht, den Einstuß von Ctttz- Land zu benützen, um für die Feinde von gestern einett gegenseitigen Pakt zusammenzubvingen, an dem auch wir uns beteilig«:. Wenn die Friedensverträge geändert werden müffen, werden sie im Laufe der Jahre geändert werden, wenn alle Paktteilnehmer der Auffaffung sind, daß Aeudevuingen, erwünscht erscheinen^ Los Wah'ergebnir kn Ulster. London, 7. April. (Tel.-Komp.) Bei den Ulster Wahlen hat die Regierung im ganzen acht Sitze verloren, darunter sieben in Belfast. Die Nationalisten haben Vier- Sitze gewonnen und die Republikaner vier verloren. Alle Minister Kabinetts James Craig wurden wieder gewählt. _—. ein fass Wer Deputierter als Mörder. Rom, 7. April. Der Staatsanwalt von Parma hak an die Kammer das Ansuchen gestellt, die Strafverfolgung deS faszistischen Ab,geordneten Barbiellini zu gestatten, der wegen moralischer Mitschuld an der E r m o rdung eines Kriegsinvaliden angeklagt worden ist. __ Die Wahlen kn Belgien. kEiqendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Brüssel, 7. April. Dar Ergebnis der Kamnterwablen ist folgendes: 81 Katholiken (bisher 80), 76 Sozialisten (bisher 68), 25 Liberale (bisher 33). 5 flämische Extremisten (bisber 4). 1 Kommunist (bisher 0). Es erhielten: Die Sozialisten 600.000 Stimmen, um 100.000 Stimuren oder 15 Prozent mchr als im Jahre 1921. Di« K a t h o l ik e n haben um 16.000 Stimmen mchr, die Liberalen um 7000 Stimmen weniger erhalten. Die Kommunisten, die sich zum ersten Male an den Wahlen beteiligten, erhielten 10.000 Stimmen. Amerika besteht auf seinem Schein. Di« Schulden Frankreichs an die Bereinigten Staaten. London, 7. April. (Reuter.) Nach einer Blattermeldung aus Washington tverd« der amerikanische Unterstaatssekretär des Schatzamtes Mittwoch nach England und Frankreich reisen, um die Frage zu prüfen, ob die gegenwärtigen finanziellen BerMtniffe eine Erörterung über die Vorschläge betreffend di« Regelung der Schulden Frankreichs und Italiens an Amerika angebracht erscheinen kaffen.