Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2203 (8.4.1925)
- Date
- 1925-04-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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| Polent aO flroszyl Wien: Zum Abholen In der Expedition, BLTaborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle fTrafik) monatl. 5 Schilling. Strassenverkauf In Wien , durch die Kolporteure der : Firma 0 o 1 d schmied, 1.. Wollzelle 11 l Mit Postversand für Wien ‘ und Oesterreich monatlich 5 Schilling i ______! Tsch echo-Slowakei: Mon.K22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen: Mon. i 4Zloty. Deutschland: Mott. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Naehcahluntfea bei P r e I *■ erhellangen Vorbehalten Rr. 2203 >.-.— Wiener orgenzeiluim t pk-sls 20 a England: Mon. 4 Schilling, Hai I en: Monatl. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170Lei, Bulgarien: Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, n.Taborstr.l Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstras^e 6*8 (Druckerei lg. Steinmann) Me«, Mittwoch, 8. April 1925 Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Jahrgang Der Meilenstein. —y. Wien, 8. April. Kundgebungen der Sympathie sind der neuen jüdischen Universität aus allen Teilen der Welt zugegangen. Alle Nationen, deren kulturelle Erziehung sich m den europäischen Organisationslinien bewegt, haben durch Begrüßung oder durch die Abserckung besonderer Deputationen ihre Genugtuung darüber ausgedrückl, daß auf dem geweihten Boden Jerusalems eine Anstalt des Wissens und der Forschung ersteht als der erste sinnfällige Akt .des jüdischen Volkes, sich und seine Heimat durch unzerreißbare Fäden zu verbinden. Keine andere Tat hätte solche Empfindungen auslösen können und für uns ist es ein befreiendes Gefühl, daß wir in der Welt des Geistes richtig verstanden werden. Unsere Universität ist ein Politikum in dem höheren Sinne dieses Wortes. Sie zeigt, wie wir unser zivilisatorisches Werk -uffassen und wie sehr wir auf der Straße des Humanitätsideals verbleiben wollen, das eine Emanation des jüdischen Geistes ist und bleibt. In allen Adressen und Reden kehrt der Dank der Völker für dieses Geschenk des jüdischen Ethos wieder und wir hoffen, daß es nicht Wendungen der konventionellen Höflichkeit waren, wenn alle daran erinnern, daß das Licht der Lehre und des Gesetzes aus der kleinen Stadt am Jordan kam. Niemand kann die Bedeutung dieser Tat des jüdischen Volkes gering schätzen, das sich aus seiner Kraft, aus seinem idealen Empfinden heraus sein geistiges Zentrum baut und dort beginnt, wohin andere Völker erst nach einer mühevollen Entwicklung ihres politischen Lebens gelangen. . . Mit berechtigtem Stolz sieht das Judentum auf diese Anstalt. Sie ist berufen, die geistige Verbindung zwischen den über die ganze Welt zerstreuten Teilen der Nation herzustellen und allen das Bewußtsein ihrer unzerstörbaren Einheitlichkeit in Herz und Hirn zu legen. Sie ist der Ausdruck«,des politischen Willens der Nation, ihre Gleichwertigkeit und ihr gleiches.Recht nach allen Seiten hin zu sichern und fest in den Boden der eigenen Heimstätte zu verankern. Sie wird unserer Jugend, die der Wirrungen und Krisen Europas müde geworden ist, einen neuen Stützpunkt bieten, von dem aus sie sich eine neue Welt schafft, in der der Geist der Menschlichkeit und der Freiheit heimisch sein soll und in der der verworrene Lärm des europäischen Gezänkes abklingen wird. Wir wollen und können uns nicht abschließen. Wir wissen, daß zwischen uns und dem Kontinent, zwischen dem Judentum und allen Staaten und Völkern, in denen es als Minorität lebt, unlösbare geistige und wirtschaftliche Verbindungen laufen, die wir und niemand antasten kann. Die jüdischen Volksteite, die das Schicksal versprengt hat, denken nicht daran, auch nur irgend ein Recht aufzugeben, das aus ihrem historischen Sein, aus ihrer Mitarbeit an der Kultur fließt. Wir haben unser Bürgerrecht ehrlich erworben, wir haben alle Sorgen redlich mitgetragen, das Wohl der Stadt, in die uns Gott vertrieben, nach unserem besten Wollen gefördert. Das jüdische Volk hat auf. tausend Schlachtfeldern geblutet und für die kärgliche Duldung, die ihm zuteil wurde, tausendfach gezahlt. Das ist ein Rechtstitel, den niemand auslöschen kann und den wir mit gutem Gewissen dem Haß entgegenhalten, der aus tausend Winkeln gegen uns schreit. Wir Iverden es niemals dulden, daß aus der Tatsache des Völkerbundmandates oder der Universität irgend welche Vorwände hergeleitet werden, die Akte des antijüdischen Strebens zu rechtfertigen. Das historische Unrecht am jüdischen Volk ist nicht von denen aufgehoben worden, die es begangen haben. Wir selbst, das jüdische Volk, hat sich vor dreißig Jahren dazu entschlossen, den Weg der nationalen Befreiung zu gehen, die auch unsere geistige Erlösung bringen soll. Wir selbst haben die Grundlinien hiefür vorgezeichnet. Wir haben, uns bemüht, bei den Völkern für unser Ziel Verständnis zu finden, und haben es erreicht. Auf Initiative Englands hat die Gemeinschaft der Mehrheit der Nationen unser Streben anerkannt. Wir hoffen und wünschen, daß der von uns gezeigte Weg uns und den Völkern, mit denen wir eine so lange Strecke gemeinsam gegangen sind, zur politischen Entlastung von drückenden Komplikationen dienen werde. Balfour hat die Universität einen Meilenstein in der Geschichte genannt. Wir werden sein Wort bekräftigen. Valfours Besuch in Haifa. Sein Empfang im hebröischen Technikum. (Eigendienst per Radio.) R. Jerusalem, V. Apvil. Der Aufenthalt Lovd Balfours in Haifa war hauptsächlich dem Besuch des hebräischen Technikums gewidmet, welches vor kurzem von Sir Alfred Mond feierlich eröffnet worden war. Das hebräische Technikum in Haifa umfaßt gegenwärtig die Fakultäten -für Hoch- und Tiefbau, Chemie und Mafchinenbau, welche mit praktifcher Werkftättenarbeit verbunden sind. Das Technikum sieht seine Bestimmung vor allem in der Ausbildung von Werksingenieuren. Für weibliche Hörerinnen wird hauswirtschaftlicher Unterricht im Zusammenhang mit höherer Schulbildung erteilt. Dem Gaste wurde vom Lehrkörper und den Schülern ein festlicher Empfang bereitet. In Erwiderung auf eine Ansprache des Leiters des Technikums Prof. Dr. B i r a m sagte Lord Balfour, die Anstalt fei eine harmonische Ergänzung der Schwefterhochschule in Jerusalem. Diese werde in der Forschung wirken, während das Technikum in der Anwendung der Forschungsergebnisse zu arbeiten bestimmt sei. Diese Harmonie der Arbeit wird hoffentlich — fo schloß Lord Balfour — w e r t v o l l e E r g e V n i f f e zeitigen. . Lord Balfour verlaßt heute Haifa, um seinen Besuch beim französischen Oberkommissär von Syrien General S a r r a i l abzustatten. Die Grundsteinlegung der Kinstein-FMM. (Eigendienst der „Wiener Modenzeitung".) R. Jerusalem, 6. April. Die Grundsteinlegung zum physikalischen Institut der Jerusalemer Universität, welches den Namen Albert Einsteins tragen - wird, ging unter großem Gepränge vor sich. An der Feier, welche am Tage nach der Universitätseröffnung stattfand, nahmen Lord Balfour, der Oberkommissär Sir Herbert S a m u e l, Lord Allenb y, Professor W e i z m a n n, Nahum S okolow, Chaim Nachman B i a l i k, Achad H a a m teil. Sie fand in Anwesenheit des gesamten Senats der Jerusalemer Universität sowie von Vertretern von 5 2 U n i v e r s i t ä t e n und wissenschaftlichen Instituten der ganzen Welt statt. Im Namen der königlich britischen Akademie der Wissenschaften «öffnete Professor Schuster die Feier mit einer Ansprache. Sodann nahm der Oberkommissär von Erez Israel Sir Herbert Samuel die Grundsteinlegung vor und der Direktor des judaistischen Institutes der Jerusalemer Universität, Dr. M a g n e s, verlas die Urkunde der Grundsteinlegung, welche in hebräischer und englischer Sprache avgefatzt ist. Alle Anwesenden unterschrieben Re Rückkehr des Sberrabbiners Sr. Maies aus Sre; Israel. Denk Zionistische» Landeskomitee fstr Oesterreich ist gestern abends aus Bologna eine Meldung zugegangen, derzufolge Obcrrabbiner Dr. Chajes heute Mittwoch nicht, wie gestern gemeldet wurde, um halb 10 Uhr früh, sondern um Halb8 Uhrsrüh im Wiener Südbahnhof eintrifft. Die zionistischen Behörden, die Vertreter der zionistischen Bezirkssektionen, die Studentenschaft und Sonderverbände werden ihn feierlich enrpfangen. * Für den Bortrag des Oberrabbiners Prof. Dr. Chajes, welchen er unter dem Titel »Mein Bericht über Palästina" im Großen Konzerthaussaal am 20. d. hält, sind Karten im Zionistischen Bureau, 1. Bez., Kärntncrskratze 28, in sehr beschränkter Zahl vorhanden. (Telephonnummern 77-4-88 und 77-4-86.) das Pergament, welches sodann zwischen den Grundsteinen eingemauert wurde. Die eingelangten Adreffen und Begrüßungen der ausländischen Universitäten wurden im Regiernngsgebäude verlesen. Glückwunsch der südafrikanischen Regierung. R. Jerusalem, 6. April. Der Chef des Erziehungsdepartements der südafrikanischen Republik hat an das Univevsitätskomitee das folgende Begrüßungsschreiben gerichtet: ,/Jch beehre mich, für die liebenswürdige Einladung der Zionistischen Weltorganisation zur Eröffnungsfeier der hebräischen Universität in Jerusalem meinen verbindlichsten Dank auszusprechen und meinem aufrichtigsten Bedauern darüber Ausdruck zu geben, daß ich verhindert bin, persönlich an der Feier teilzunehmen. Das Bestreben der jüdischen Nation, im Lande ihrer Väter wieder ein jüdisches Land zu errichten, habe ich von jeher mit großem, liebevollem Interesse verfolgt, und ich sehe mit Vergnügen, daß die Bewegung bereits so 'weit fortgeschritten ist,-daß sie die Möglichkeit gefunden hat, die Universität in Jerusalem zu gründen. Ihr aufrichtiger K. S. Smith, Direktor des Erzichungsde- Partements." Das ÄogMßungsschreiben Frrthjof Nansens. R. Jerusalem, 6. April. Dr. Frichjaf Nansen hat an das 'Universitätskomitee ein Schreiben gerichtet, in dem es unter anderem heißt: „Ich hoffe und glaube, daß der Universität'in Jerusalem eine große, s eg en s r e i ch e Z uku nft harrt und ich wünsche Ihnen alles erdenkliche Glück und Gelingen zu diesem wichtigen, unschätzbaren Werk." Keine Panzerautomobile. (Eigendienst per Radio.) R. Jerusalem, 6. April. Gegenüber den zahl« reichen. Meldungen von der Entsendung; besonderer Truppen und Panzeräutomobile nach Palästina wird' offiziös erklärt,'daß es sich hiebei keineswegs um die Entsendung neuer Truppen nach Palästina handelt. Panzeräutomobile wurden überhaupt nicht dorthin entsandt, während das 9. Lance r r c g i m e n t aus Aegypten, wohin es seinerzeit während der Unruhen nach der Ermordung des Sirdar L e e S t a a ck aus Palästina transferiert worden war, jetzt nach Palästina einfach zurückverlegt worden ist. Die Nachfolge Sir Herbert Samuels. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitmig".) R. Jerusalem, 6. April. Die Mitte 1923 zu Ende gehende Amtsperiode des gegenwärtigen britischen Oberkommissärs für Palästina, Sir Herbert Samuel, wird, da Sir Samuel selbst eine Verlängerung seiner Amtszett nicht wünscht, nach Ablauf des Termins nicht Wetter erstreckt werden. Für die Nachfolgerschaft Sir Samuels werden die verschiedensten Namen genannt und an diese weitläufige Kombinationen geknüpft. Mit ziemlicher Sicherheit scheint bisher nur festzustehen, daß der Nachfolger Samuels kein Politiker und wohl auch kein Militär sein wird, sondern dem B e a m t e nst a n d e entnommen werden dürste. In diesem Zusammenhang hat die Version einige Wahrscheinlichkeit, daß der gegenwärtige Zivilsekretär der Palästinaregierung, Sir Gilbert C l a y t o n, für den Posten des Oberkommissärs ausersehen sei. Freilich reicht diese Kombination vorläufig über den Bereich der bloßen Mutmaßung nicht hinaus. Die britische Regierung hat bisher entscheidende Beratungen über die Neubesetzung der stelle des palästinensischen Oberkommissärs noch nicht gepflogen; überdies wird die Regierung, wie Sir Alfred Mond seinerzeit versicherte (von uns bereits gemeldet. — Die Red.), vor einer definitiven Entscheidung ihre Vorschläge der Jewish Agency zur Begutachtung vorlegen. Gute Gummimäntel zu sehr billigen Preisen bei KflDIl & Ffl6(l TI. Linke Wienzelle 40 (Im Hohl