Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2202 (7.4.1925)
- Date
- 1925-04-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4 Mm, Drrnstag LNenee Morstenzett««-._ 7. AprU 1828 «r. SA» Versammlung, die von ungefähr 700 Personen besucht war, versuchten die Ve rsammlungsteklnehmer, trotz des Ber- Kotes, einen Temoivstrationszng zu veranstalten. Die Demonstranten bewarfen in der Müiizgrabensiraße die Wache» die ihnen den Zutritt zur inneren Stadt der. wehrte, mit mitgebrachten Steinen, so daß die Wachmannschaft von der Seitenwasfe Gebrauch machen mutzte. Durch Steinwürfe wurden mehrereWachleute getroffen und verletzt. Gm Wachmann, der vom Pferde stürzte, erlitt gleichfalls Verletzungen. Auf seiten der Demonstranten, die schließlich zerstreut wurden, Lst eine Anzahl durch Säbelhiebe verletzt worden. Elf Prsonen wurden wegen Gewalttätigkeit verhaftet. Re heutige Arbettsloseudemouftrallo». Heute vormittags findet vor dem Nathans eine A r'beitslosenversammrung statt, an die sich ein Demonstrationszug über die Ringitraße bis zum Schwarzenbergplatz schließt. Die Abhaltung der BersamnÄung war zuerst von dev Poltzerdireklian verboten worden. Die Einbernfer hatten zunächst gegen das Verbot rekurriert, dann jedoch diesen Rekurs zurückgezogen und eine neuerliche Anzeige über die geplante VersamMung überreicht, in der sie bindende Zusicherung e n für einen ruhigen Verlauf gaben. Insbesondere wurde von der Teilnahme von Kriegsinvaliden A b stand genommen. Mit Rücksicht auf diese Erklärungen wurde nunmehr die V e r s a m m l u n g auf dom Rathausplatz. b e h ö r d l i ch g e st a t t e t. Sie passive Resistenz in den FondrspMern. Im Ministerium für soziale ■ Verwaltung wurden gestern nachmittags die Berhandlmngen mit den Angestellte nkategorien der Fondskrankonanstalten fortgesetzt. Minister Dr. Resch griff am Spätnachmittag ebenfalls in die Verhandlungen ein. In den Abendstunden wurde mit den tat Kollektivvertrag stehenden Arbeitern eine volle Uebereinstimmung erzielt. Die Verhandlungen mit den Beamten der Fondskran-kenan-stalten wurden wegen der vorgerückten Stunde unterbrochen und aus h e u t e vertagt. Eine Verteidigungsrede für Breitner Breitner nur ein Exekutivorgan seiner Partei. Die Auflehnung der Bevölkerung gegen die Steuerpolitik der Gemeinde Wien hat bereits, wie die letzte Protestversammlung des Bühnenvereins zeigte, auf die sozialdemokratische Anhängerschaft ü-bcrgegriffen. Dies scheint der Grund dafür zu sein, daß, der Präsident des Wiener Landtages, Dr. Danneberg, gestern vor der Konferenz der Dertrauensmänn.'r der Wiener sozialdemokratischen Partei eine Verteidigungsrede für Breitner hielt. Dr. D a n n e b e r g führt unter anderem aus: „In der Versammlung, die kürzlich der Bühnenverein abgehalten hat. erzählte ein Delegierter aus Berlin, daß dort die Lustbarkeitsabgabe abgebaut worden sei und bald ganz verschwinden werde. Er hat aber in der Versammlung nicht erzählt, daß dort zugleich die Hauszins st euer äufgebaut wurde und jetzt 24 Prozent des Vorkriegszinses in Gold beträgt. Würden wir in Wien von allen Mietern, wie es in Berlin geschieht, 24 Prozent des Friedenszinses als Steuer verlangen, so hätten wir eine Einnahme von nahezu 100 Millionen Goldkronen im Jahre und könnten dann sämtliche 18 Gemeind.steuern einschließlich der Fürsorgeabgabe und der Wohnbausteuer abschaffen. Tenn alle die Gemeindesteuern machen miteinander nur 100 Millionen Goldkronen aus. Eine wesentliche Aenderung des heutigen Systems ist nur möglich, wenn man zum System der Massensteuern der Vorkriegszeit zurückkehren will. Die Gemeinde muß die Frage der Steuerermäßigungen um so vorsichtiger prüfen, als die Steuerermäßigungen des Bundes ohnedies zur Hälfte auf Kosten der Gemeinde gehen, st) die Herabsetzung der Korperschaftssteuer, der allgemeinen Erwerbs st euer und der Einkommensteuer. Wenn im Goldbilanzengesetz keine Sich.rungen für einen Mindeststeuerertrag geschaffen werden, können hunderte Milliarden verloren gehen. Das große Defizit des heurigen Voranschlages kann aus den ^fa}{ca^^ftänbcn nur einmal gedeckt werden. Die Genteinde muß sich also bedeutende Einnahmen sichern." Schließlich ivendrte sich Dr. Danneberg gegen die Angriffe, denen Stadtrat Breitner Persönlich ausgesetzt fft, und erklärte, daß die Steuerpolitik dem W i l l e n d e r P a r t e i entspreche, als d.ren Exekutivorgan Breitner handelt. An das Referat Dr. Dannebevgs schloß sich eine lebhafte Debatte, worauf dann eine vom Referenten beantragte Resolution, die dem Stadtrat Breitner den Dan k der Wiener Konferenz ausspricht, angetiommen wurde. §reipMe der «emrind, Wien an der Hochschul« für Welthandel, Für das Studtemahr 1925*1926 werden an der Hochschule für Welthandel in Wien fünf Freiplätze an Hörer der ersten zwei Semester verliehen. Um diese Plätze können sich nach Wien ruständiae bedürftige Absolventen der Ghm, nasien, Realschulen und Staatsgetverbeschulen, die die Reise- Prüfung mit Erfolg abgelegt haben, bewerben. Di« Gesuchsind an die Abteilung 8 des Wiener Magistrates zu richten, jedoch bei der Hochschule für Welthandel. 18. Bez.. Felix-Mottl-Gasse 1, vom 1. bis 15. Juli IM einzureichen. Ditz Gesuche sind mit den ennpr?cl>endm HMyMstUM MchW», »Wichtig fürs PessachfestH Hagada Illustriert von Josef Budko HebriiKh t Pappband «. K 30.000, Oanzleinen ö. K 39.000 Hebrliseh «11 deatecfcer Uebeneitonl v. Dr. Max Gntnwald: Pappband ö. K 39.000, Ganzleinen & K 48.000 Unsere Magadah hat beim Jüdischen Publikum begeisterte Auf« nähme gefunden. Durch ihre Uebersetzung ins Deutsche ist sie nun auch weitesten Kreisen zugänglich geworden Die „Budko-Hagadah" Das Geschenkwerk für Pessach! Zu beziehen durch alle Buchhandlungen oder direkt durch L. LÖ W1T - VERLAG, Wien, L Flrfsdunarki I Sie Mckkeht des Sderrabbiners Sr. Shaies aus Srer Israel. Empfang im Südbahnhof. Der Präsident des Zionistischen Aktionskomitees. Herr Oberrabbiner Prof. Dr. H. P. C h a j e s, der der Eröffnung der hebräischen Universität beiwohnte, trifft morgen Mittwoch um halb 10 Uhr im Wiener Südbahnhof ein. Die Wiener Zionistische Organisation wird Gelegenheit nehmen, den Führer im Bahnhof zu erivarten. Die Mitglieder des Zionistischen Landeskomitees, des Parteirates, des Lolalkomitees, die Vertreter der Bezirkssekttonen, der Studentenschaft und Sonde werbände werden auf diesem Wege aufgofordert, an dem Empfang teilzunehmen. Treffpunkt vor dem Südbahnhof. Sie Deschlarmahme der »Stöbet" Sdnagoge in LSeffa nntgehoben. Wie fetaerzeit berichtet wurde, ist die im Jahre 1940 als erste Chorsynagoge in Rußland erbaute berühmte „B r o d e r" S y n a g o g e in Odessa über Beschluß 'des Zentralexekutivkomitees der ukrainischen SowjetvepMik beschlagnahmt und in einen jüdisch-proletarischen Klub u m g e w a n d e l t worden mit der Begründung, sie wäre „ein Nost zionistischer und konterrevolutionärer Propaganda". Vertreter des Zionistischen Zentratexekutidkomitees hatten in feierlichem Anstzug dem Avbeiterktab, dem die Synagoge zugewiesen wurde, den S^lüffel des Gotteshauses überreicht. Die kommunistischen Blatter priesen in schwungvollen Worten den ,-Sieg des Lichtes'über die Finsternis". Die Judenschaft von Odessa nahm jedoch diese geistesproletarrsche Tat nicht ruhig hin. Mehr als zehntausend Inden richteten eine Eingabe an das Zentralexekuiivkc'mitee der ukrainischen ScwjetrepuMk, in der sie forderten, daß die Synagoge ihrer Bestimmung wieder zugeführt werde. Das Zentralexekntivkomitee sah sich nun, wie I. T. A. berichtet, genötigt, zu entscheiden, daß der Arbeiterklub die Synagoge zu räumen und sie der jüdischen Gemeinde zu übergeben habe. Sie Serie der Katastrophe». Wieder ein Tornado in Amerika. Miami (Florida), 6. April. (Wofff.) Ein Tornado hat 7 5 Häuser in den der Stadt M i a m i benachbarten Ortschaften zerstört. Drei Personen wurden getötet, 23 verletzt. Erdbeben in Mexiko. Rew-Nort, 6. April. Die Umgebung von Guadeloupe in Mexiko ist von einem Erdbeben heimgesucht worden. Man spricht von Tausenden von Flüchtlingen und der Sachschade soll ungeheuer sein. Menschenopfer sind keine zu beklagen, da die Bevölkerung sich rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte. Ein neues schweres Eisenbahnunglück in Frankreich. Paris, 6. April. (Tel.-Komp.) In der Räche von Ehalons-fur-Marne ist gestern ein Zug der Linie Ehalvns-fur-Marne—Revmis mit einer freistehenden Lokomotive zusammengestvtzen, die kein Signal ausgesteckt hatte. Zwei Reisende livurden getötet und sieben verletzt. Drei Wagen sind entgleist. Der Weichensteller, der für diesen Unfall veranttvortlich ist, wurde verhaftet. Sin MalatlalnMnt in UesM. Belgrad, 6. April. (Avala.) Gestern wurde 'in Skoplfe , (Uesküb) das Institut für Malaria und tropische Krankheiten eröffnet. Die Anstalt umfaßt eine sero? ^bakteriologische, eine parasilologische und eine chemische Abteilung. sowie ausgedchnte Laboratorien. Ter Eröffnungsfeier wohnten der Minister für öffentliche Gesundheit, ein Vertreter des Völkerbundes, ein Vertreter der R o ck «f e l l e r - S t i f t u n g, ein Vertreter der tschecho-slowakischen Regierung, ein Vertreter der medizinischen Fakultät von Belgrad und die Negianälbehörden bei. 'rmmmmrnffttm ’ Wledrr ein SenWarrrfall in Slmiitz. Olmüß, 6. April. (Tfchecho-flow. Pvctzbureau.) Hier hat sich ein neuer Fall von Genickstarre ere'gnet. Der Soldat Leopold H o r a k des 2. Fliegerrogiments wurde am 1. d. mit Anzeichen von Genickstarre inS Divisionöfpital gebracht. Tie entsprechenden Konbuniazmaßnahmen sind durchgesührt worden. Wotznungraot. Eine Tragikomödie. Unsere Gerichte werden häufig mit Bagatellen überlastet, die Folge davon ist ein schleppender Rechtsgang in wirklich wichtigen Angelegenheiten. ES gibt aber auch andere Fälle, scheinbare Bagatellen für den außenstehenden Zuhörer, von denen aber nur zu oft daS Glück und der Friede ganzer Familien abhängen. Sie sind wie der Fluch der bösen Tat und ziehen immer wieder neue GevichtSaffären nach sich. Man muß nur einen Vormittag lang solchen Verhandlungen beim Mietsenat bergewohnt haben, im Bezirksgericht, hoch oben im vierten Stock, wo die Gcrichtssaalkiebitze gar nicht hinaufkommen, weil es ihnen zu wenig interessant erscheint und dort niemand zu Arrest- und Kerkerstrafen verdonnert wird. Und doch greifen die Entscheidungen gerade dieses Senates tief in das Leben des Betroffenen und seiner ganzen Familie, handelt es sich doch um — Wohnungen, oder besser gesagt, um Wohngelegenheiten. Milch, Eier, Fleisch und Zucker haben schon ihren Zauber verloren, eine Wohnung löst noch immer jene heilige Scheu des Unerreichbaren aus, das man nur in den kühnsten Träumen sein Eigen nennen darf, das aber, wenn man darnach greifen will, in weite Ferne entweicht. „Eine Wohnung" beißt dort der Schlachtruf der Streiter, manchmal nur ein Zimmer oder ein Kabinett. Meist ist es ein Hauptmieter, der mit eherenen. Ketten an einen Untermieter geschmiedet ist, und nun vom Kadi verlangt, daß er die lästigen Bande löse. Da prasseln die wüstesten Beschimpfungen aufeinander nieder, sämtliche Hausparteien fahren als Zeugen auf — die wichtigste ist immer die Hausbesorgerin —, und der Richter soll in diesem Wüste Recht sprechen und keinem wehe tun. Der Mieterschutz erstreckt sich nicht nur auf Haupt-, sondern auch auf Untermieter »und wer einmal in einer Wohnung drinnen ist, der ist nicht mehr so leicht herauszubringen. Es ist sein gutes Recht, sich hinter den Mieterschutzparagraphen zu verschanzen. Aber das Leben kann man, ihm wenigstens dafür sauer machen, wofür er trachtet, an seinen Quartiergebern reichlich Revanche zu nehmen. Gewöhnlich geht die Geschichte so an: Irgend eine durch die Verdienstverhältnisse verarmte Familie oder eine Witwe will ihren Lebensunterhalt durch Zimmervermieten bestreiten. Die „Zimmerfrau" wohnt selbst in einer elenden Kammer, oder schläft gar in der Küche und vermietet ihre zwei Zimmer an Zimmerherren — Frauen oder Familien werden nicht gerne genommen —, und will von dem Zins, dem Entgelt für die Bedienung und das Frühstück, leben. Wenn sie so rechnet, dann mutz sie selbstverständlich für ein Zimmer 600.000 bis 600.000 K. verlangen, um nur halbwegs ein Auskommen zu finden, ein Betrag, der für einen Mittelständler den Ruin bedeuten kann, den er aber doch zahlen muß, um nicht obdachlos zu werden. Das geht eine Zeitlang ganz schön, bis eS eines Tages doch zum Bruch kommt. Entweder findet die Vermieterin einen besser zahlenden Mieter und kündigt aus irgend einem nichtigen Grund, oder es kommt sonst zu einem Streit, der zur Kündigung führt. Der Gekündigte erhebt natürlich dagegen Einspruch und tut noch ein Üebriges, er läßt den Zins gerichtlich bestimmen. Das ist der Funke im Pulverfaß. Der bisher bezahlte Mietzins wird von der Schlichtungsftelle als viel zu hoch befunden und ein Preis zwischen 100.000 und 200.000 K. für zuläflig erklärt. Außerdem wird noch daS Kündigungsbegehren abgewiesen. Und nun kann die Hölle losgehen. Der Mieter besteht auf seinem Schein, denkt gar nicht ans Ausziehen und bezahlt pünktlich den festgesetzten Zins. Die Hausfrau, um ihre Einnahmsquelle gebracht, versucht nun auf alle mögliche Art, dem Mieter das Leben zu verbittern, und ihn zu irgendeiner Handlung herauSzufordern, die einen Kündigungsgrund beinhalten könnte. Wenn er schon umsonst wohnt, so soll er wenigstens büßen. Es wird nicht richtig aufgeräumt, daraufhin ruiniert er die Möbel und pfeift, wenn die anderen schlafen wollen. Im Hause werden die unmöglichsten Tratschereien angerichtet. und jeder neue Angriff löst natürlich einen ebenso starken, wenn nicht stärkeren Gegenangriff aus. Wegen den nichtigsten Gründen kündigt die Hausfrau und gibt den Gerichten Arbeit. Gewöhnlich ist immer derselbe Richter mit der Angelegenheit befaßt. Er kennt schon seine Pappenheimer, sucht zu vermitteln, muß aber schließlich doch die Kündigung abweisen. Oft gelingt eS ihm, die beiden Kämpen zu versöhnen, und sie versprechen, einander nichts mehr zu Leide zu tun. In einem Monat hat er wieder das Vergnügen ihres werten Besuches. Es ist natürlich nicht immer so, daß die Hausfrau der schuldige Teil ist, sehr oft ist der Untermieter eine wahre Plage für den Hauptvermieter. Er verunreinigt Zimmer und Möbel, stört die Mitbewohner, kurz tut, tvaS er imr kann, und dies alles nur aus Rache für die Kündigung. Diese aber ist die Folge der gerichtlichen Mietzinsbestimmung. Manchmal auch umgekehrt. Bei jeder dieser Verhandlungen teilen sich die als Zeugen geladenen HauSparleien in zwei Lager. Als Sieger verläßt gewöhnlich der Teil die Wahlstatt, der die allmächtige und allwiffende Hausbesorgerin zu seiner Kampfgenossin zählt. Da bringt eine Frau ein Lavoir und zeigt dem „Herr» fyis «ft der Zimmerherr hergerichtet hat. „Dan»