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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-07 · Heft 2202 (7.4.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2202 (7.4.1925)
Date
1925-04-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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' Nr. 2263 Wien, Dienstag Lord Balfour in Haifa. (Eigendionst per SRofoio.) R. Jerusalem, V. April. Lord Balfour ist in Begleitung des Präsidenten -er Zionistischen Weltorganisation Pros. W e i zmann und des Vorsitzenden der Zionistischen Exekutive Nahum So.kolow von Jerusalem nach dem nördlichen Palästina abgereist, um dann auf Einladung des französischen Oberkommissärs General S a rr a i l Syrien zu besuchen. Aus seiner Reise machte Lord Balfour in Benjamina Station, wo er von der Bevölkerung enthusiastisch begrüßt wurde. In Haifa wurde dem Gast ein glänzender Empfang bereitet. In einer Ansprache erklärte Lord Balfour, er hege das feste Vertrauen, daß Araber und Juden har- Monifch zusammenarbeiten werden. Davon hänge die Zukunft Palästinas ab. Er sei überzeugt, daß man der Zukunft mit ungetrübter Hoffnung entgegen f e h e n k ö n n e. De Monzies Vorschläge. , Paris, 6. April. (Havas.) Finanz-minister de Monzie referierte im Mmisterrat über das Gesetz zur B esif e rung der finanziellen Lage sowie Mer dm Stand des Staatsschatzes. Wie verlautet, soll die Bank von Frankreich zur Ausgabe n e u e r B a n k n o t en im Betrage von vier Milliarden Franken ermächtigt .und gleichzeitig mit der Erhöhung des Notenumlaufes die Notenausgabe mit 45 Milliarden begrenzt -werden. Der Minister plane weiters die Einführung einer außervrdeniklichen freiwilligen Vermögenssteuer, die grundsätzlich zehn Prozent 'des Vermögens betragen soll. Der gezeichnete Betrag würde mit vier Prozent verzinst werden. Die hiefür aus-gegebenen Schatzscheine werden zum Marktkurs mit einem kleinen Aufgeld in Zahlung genommen werden. Der Ertrag dieser außerordentlichen Steuer soll in eine Kasse zur Am-ortistevung der Schuld eingeizahlt werden. Für den Fall der ErfolgloWkeit dieser Aktion sowie der Nichtannahme «seiner Entwürfe fasse der Minister eine Ver in ö g e n s a lb g a b e ins Auge. Schon morgen werde er von der Kammer die Eröffnung der Debatte über diese Entwürfe verlangen und wegen ihrer Annahme die Vertrauensfrage stellen. ,Mberte" zufolge bestehen Meiunitgsverschiedenheiten zwischen de Monzie und Her riot u-nd sei Herriot vor allem gegen jede Erhöhung des BanknoteuuMa-uses. Dabei behauptet das Blatt, daß der Banknotenumsanf Frankreichs schon seit M>o.naten h ö h e r sei als offiziell zugegeben werde. In den letzten Monaten seien Banknoten für zwei bis drei Milliarden neu ausgegeben worden, ohne daß dies in der Bilanz der Bank dorr Frankreich -ersichtlich gewesen wäre. Wenn also de Monzie die Erhöhung des B-anknotenumlaufe's um vier Milliarden Vorschläge, so wolle er damit nur eine bestehende Tatsache anerken-nen. , Millerands Einzug in den Senat. ' Paris, 6. April. (Tol.-Koimp.) Als Millerand heute vormittags im »Senat erschien, um die Angelobung zu leisten, wurde er von seinen politischen Freunden mit einer Ovation begrüßt, welche die Linke mit den Rufen: ,Kerr Renegat! Es lebe -die Republik!" quittierte. Millerand begab sich, -nachdem er die Ängelolbung geleistet hatte, zu der Gruppe der republikanischen Union, der er als Mit- Aied beitritt. Poincare schüttelte seinem -neuen Kollegen mit größter Wärme die Hand, was unter den Senatoren einige Belustigung erregte, da allgemein bekannt ist, daß Mille rand und Poincare erbitterte Feinde find und schon he-nte die Frage erörtert wird, wer von den j&cibeit Rivalen die Führung der nationalistiichen Opposition i-m Senat übernehmen wird. Ne Wahlen in Belgien. Große Niederlage der Liberalen. Brüssel, 6. April. (Belg. Tel.°Ag.) Es scheint bis jetzt festznstehen, daß die Sozialisten sieben bis zehn-, die Katholiken zwei bis drei Mandate, die F r o u d i st e n ciu und die Kom Nl u n i st -e n ein Mandat g e w i u n e n. Die liberale Partei dürfte sine große Niederlage erleiden. Nach -den bisher bekannten E-rge-buiss-en -der Kammertvahlen wird in politischen Kreisen die folgeu-de Zn-sant-ntensetzung -der belgischen Kammer angenommen: 7 3 Sozialisten, 22 Katholiken, 26 Liberale, 6 Angehörige anderer Parteien. Sollte diese Schätzung gutreffeu, dann hätte -keine der Parteien die absolute Mehrheit von 94 Sitzen erlangt. Re Ulfter-Wahlen. Belfast, 6. April. (Wolfs.) Das Ergebnis der Wahlen ln Nordirland steht noch nicht genau fest. Nach den bisherigen Ergebnissen scheint die Negierung zwei Sitze m Belfast an die unabhängigen Unioniste n und eilten Sitz an die Arbeiterpartei verloren zu haben. Die Zusammensetzung des Unterhauses von Nordirland dürfte danach folgende sein: Regier»tngsunionisten 14, Nationalisten 3, unabhängige Uniouisten 2 Mandate, Arbeiterpartei und Republikaner je 1 Sitz. Wiener wroraenzeirrrna. eupt « ’Crffrtv -er Sr-Schah gestorben. Re deutsche Brststbeatenwa-k. Mer Kandidaten für -en zweiten Wahlgang. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) Berlin, 6. April. Die Rechtsparteien, welche sich krauipf- Haft um einen populären Kandidaten für die Reichspräsidentschaft umsahen, 'den sie dem Kandidaten der Weimarer Koalition Dr. M a r x entgcgenstellen könnten, sind, wie bereits berichtet, auf Hin denbürg gekommen. Dieser hat jedoch abg-e lehnt. So muß es -Mn bei Jarres bleiben, welcher M i t t w o ch als Kandidat der Rechtsparteien ausgestellt werden wird. Dies verbessert die Position von Dr. Marx ganz entschieden, da der Strohmann der Schwerindustrie, Jarres, alles eher als populär ist. Außer Jarres und Marx wird für den am 26. fix stattfindenden zweiten Mahlgang für die Reichspräsidentschaft dem deutschen Dolle der Kommunist Thälmann und der tapfere Schwede Ludendorfs präsentiert, welcher es sich nicht nehmen -läßt, sich neuerlich eine Wahlblamage zu holen. Ler Kommuniftmstreik im Sftraaer Revier zusammengebrochen. Mährisch-Ostrau, 6. April. (Tfchecho-slowak. Preßburcau.) Die Nachricht, daß das Kladnocr Revier-dem Streik nicht beitritt, hat das Schicksal des Streiks besiegelt. Ihre Wirkung bei den Belegschaften trat im östlichen Teile des Revieres, der gleich zu Beginn des Streiks die größte Zahl der Streikenden answies, beim nachmittägigen Schichtwechsel in dem weiteren Sinken des Prozentsatzes der Ausständigen deutlich zutage. In der Metall- und che mischen Industrie ist der Streik ausnahmslos b e e n d e t. Die großen Eisen- -w e r k e irr T r z y n i e tz und in Karlshütte nahmen den Betrieb vollständig wieder an f. Ein Versuch der K o nt nt u n i st e u, irr Trzhuietz eine Versammlung abzuha'lten, -um die Arbeiter an der Wiederaufnahme der Arbeit zu hinder n, ist mißlu -nge n. Die Nachricht von der Arbeitseinstellung in den Witkowitzer Werk e n ist unrichtig; es wird vollgearbeit et. Im ganzen Revier herrscht vollkom m e n e R u h c. Der Streik ist auch bereits offiziell als beendet erklärt. Das kommunistische Organ „Dcknicky Dennik" ließ nachmittags eine Sonderausgabe erscheinen, worinkonstatiert wird, daß der Streik mißlungen sei, und erklärt wird, daß der Arbeiterschaft damit nicht gedient wäre, wenn sie den Streik fortsetze. Nachmittags fand in Lazy eine Konferenz der Vertrauensmänner der kommunistischen Arbeiterschaft statt, welche beschloß, den" Streik zu beenden und morgen die Arbeit i n v ol-l c m Umsan g w i eheraufzu nehmen. Das ..Leichengesetz" vom rumstnische» Senat angenommen^ Bukarest, 6. April. (I. T. A.) Der rumänische Senat hat di-e Gesetzesvorlage über die Versorgung der medizinischen Fakultätcit mit Leichnamen zu S-ezierziv ecken. angenommen. Die letzte Bestimmung des Gesetzentwurfes lautet bekanntlich, daß die Zulassung jüdischer Studierender zum Sez i-e r e n davon abhängig ist, daß von den jüdischen Gentcitlden eine entsprechende Anzahl j ü d i s ch e r L e i ch e n zur Wer-fügung gestellt wird. Das Gesetz gelangt demnächst vor die Kammer, aber auch dort schein-t die Annahme desfelbert g-e>sichert. Die jüdischen Gemeinden Rumäniens /hatten bekanntlichgegen die Einbringung einer solchen Gssetzesvorlage interveniert mrd sich bereit erklärt, auch ohne Gesetz die nötige Anzahl Leichen be-izüstellen. ' Re Unterdrückung der Preste in Ftatien. Rom, 6. April. In -e'mer Reihe von italienischen Städten -fandert gestern P r o t e st v e r s a m m l u n g e n der vereinigtett Oppositiolt gegen die U n t e r d r ü ck u nt g d c x -Pres s e statt. Jtt Genua wurde eine Resolution auge-nontrnetr, worin erklärt ivivd, -daß vor Wiederherstellung der Preßfreiheit weder eine Rückkehr der Opposition in die Kammer noch eilte Teiltt-a-hlne an den Wahlen möglich fei .Bei einer Versammlung in -R o m ereigneten sich beim Kolosseum kleinere Zusammenstöße. Die Abgeordneteir A m e n d o l a -und B e n c i v e -n g a solvie einige sie begleitende Io-urttalisten lvurden bedroht, wehrten sich jedoch kräftig. Später wurde Alneltdola abermals ü b e r f a l l e n, doch wurden die F a s z i st e n Volt einer fta-rken Bedeckutlg zerstreut. Dkehreve vpn ihnen wltrden v e rhaf t e t. Eitt Angehöriger der Miliz wurde schwer verletzt. Re Hungersnot in der Ukraine. Berlin, 6. April. (I. T. A.) Nach den letzten hier ei-ltgetroffelten Meldltngelr ntmntt die H u u g e r s n o t tu der Ukraine immer mehr zu. Das nkrainische Rote Kreuz iueldet als Foilge der Hlrngers'not massenhafte Skorbltterkrankimgen ilt den Distriktett O d e s s a, C h e r s o u ttnb Nikolaje w. Auch die offizielle folvjetrltssische Presse bringt ständig Meldungert über die Ausbreitltttg der Hungersnot. Die in Charkow erscheiuen-de Zcituilg „Der Kolttmunist" teilt mit, daß in «den Gouvernements Charkow, Odessa, Donez, Podolien und Wolhynien 750.000 h ll n g e r n d e Kinder registriert word-ert sind. In allell diesen Gonverltements ist der größte Teil der jüdischen Bevölkernrtg in der Ilkraine konzelttriert. Es ist darum erklärlich, daß die Illdett und die jüdischen Kntder uutee der Hungersnot besonders zu leiden habell. Der in Rußland weilende Vertreter des Exekutivkomitees der Jüdischen Welthilsskonferellz teilt mit, die Not unter der jüdischen Bevölkerung der Ukraiire übersteige jetzt diejenige in den iJahren der großen Hurtgersnot. Rom, 6. April. In San Remo ist der gelveserck Schah von Persien, M e h m e d A l i, im Alter von 52 Jahren einem .Herzschlag erlegen. Seine Deiche wird nach Teheran überfü-hrt ^werden. grievrnrverhandlungen zwischen Jngosimien «ad der »Urkei. Jugoslawien anerkennt nicht den Lausannex Frieden. Belgrad, 6. April. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Lutfi T a h i r B e i, der diplomatische Vertreter der Angoraregiernng, erschien beim Vertreter des Ministers des Aenßern, Markovic, und ersuchte, di-e jugoslawische Regierung möge eine Delegation nach Konstantinopel ent" senden, wo ein Friedens vertrag zwischen beiden Staaten besprochert werden könnte. Jugoslawien hat nämlich aus prinzipiellen Gründen den L a u s a n n e r B e rt r a g n i ch t unterzeichnet. Markovie gab Lutfi Tahir Bei eine beruhigende Erklärung. Es ist wahrscheinlich, daß Verhandlungen zwischen den beiden Staaten demnächst aufgenoniuren werden. K« jugoslawischer Konzentrationskabinettt Belgrad, 6. April. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Der König empfing Pawel R a d i e abermals in Audiertz. Es handelte sich um die Möglichkeit der Bildung eines Konzentration s k a b i n e t t s. Die Schwenkung der kroatischen Frankrsten. Belgrad, 6. April. (Tschecho-slow. Preßbureau.) Wie -in parlia-mentarischen Kreisen verlautet, ist es der Regierung gelungen, die kroatische Rechtspartei, die vor dent Krieg als Frank-Parte i bekannt war, für fi>en E i n t r i 11 t u d i c radikale Part ei zu gewinnen. Dieser -völlige Frontwechsel der extremen föderalistischen Partei wird von der Fvauk-Pavtei mit dem Ernst der europäischen Lage begründet, die einen Zusammenschluß aller Patrioten erfordere. Im Sommer soll der staatsrechtliche Akt.der K r önungdesKänigspaares zugleich mit der DaiussM feier der Gründung des kroatischen Reiches unter König Tomislaw in A g r a m vollzogen werden, während die kirchliche Zevemo-nie entsprechend der serbischen Tra-ditivn im Kloster Zica bei Kvajewo stattfi-nden würde. Gelegentlich der Krvmrng soll ein neuer und zugleich höchster Orden, der Orden des Königs Tomislaw, gestiftet werden. Der „heilige Krieg" gegen Serbse». Die B-rchwld-Lügc. Belgrad, 6. April. (Tel.^KontP.) . Das. Seraije'woer TagUlatt „Becerue Posta" teilt Mit, daß es. im Gefrtz. der stenographischen OriginalProtoko11e der Gerichtsverhandlung gegen die Mörder des Erzherzogs Ferdinand gelangt sei. Das Pro-to-koll umfaßt tausend mit der Maschine geschriebene Seiten. Die in der letzten Nnmmer des Blattes auszugsweise wiedergegebene Aussage des Attentäters Princip widerspricht entschieden dem Verdachte, daß das amtliche Serbien an den Vorbereitnngen zu der Mordtat irgendwie beteiligt gewesen wäre. Die „Veeerne Posta" hat das Origimlprotokoll der jugoslawischen Regierung 31tr Verfügung gestellt. Heererminifter Vaugoin aus Urlaub. Heeresminister Vaugo i-n ist seit einigen Wochen un^ Päßlich und darum erholungsbedürftig. Nunnrchr wurde in 'Anbetracht seiner zeittmeiligen Verhinderung der Ackerbau" minister B u ch i n ge r mit seiner. Stell v e r t x e t u n 0 i m Heere s m i n i ste r i u m betraut. Eine türkische Gesandtschaft in Wien. In der nächsten Zeit wird die türkische Republik, die bisher durch die schweizerische Gesandtschaft vertreten war, in Wien wieder eine eigene Gesandtschaft errichten. Eine türkische Konsularvertretung besteht bereits und amtiert 4. Bez., Prrnz-Eugsn-Straße 40. Die Wühlerzahl in Wim. Zunahme um 43.000 Wahlberechtigte. Das Ergebnis der gesetzlich vorgeschriebenen Revisi-oU der Wählerliste zu Anfang jeden Jahres santt dem anschließenden Re'klamationsverfahren ergab für Wien: Im die neue Wählerliste wurden 649.314 weibliche und 534.420 männliche, zusammen daher 1,183.734 Personen aufgenommen. Die letzte Wähleranfnahnte fand anläßlich der Wahlen für den Nationalra-t und die Wiener Gemeindevertretung i-m Jahre 1923 statt. Damals'wurden 622.926 weibliche und 517.397 -männliche, zusammen also 1,140.323 Wahlberechtigte gezählt. Es hat demnach die Zahl der Wahlberechtigten in einem Jahve nur mehr als d r e i n n d v i e r z i gtansend zugen ommen. Kommmiftrurummel in Srar. Zahlreich« »e,letzte. Graz, 6. April. Die koutmunistische Partei hatte für heute nachmittags eine A rb eit s losend e-rsamm-' l uug in der Indnstrie'halle angezeigt, der sich ein Demon-l strationszug durch die innere Stadt an schließen sollte. Dieser Zug wurde von der Polizeidirektiou verboten. Nach tev

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