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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-07 · Heft 2202 (7.4.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2202 (7.4.1925)
Date
1925-04-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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SrAe 9 Wim. dem großen geschichtlichen Ereignis in diesem Lande, wo jeder Stein Geschichte ist. Nicht die Hoftming auf eine prunkvolle Ansicht, sondern etwas, das unser Gewissen angeht, das Bewußtsein, daß hier eine große Epoche intellektuellen unmoralische» Dieder, aufbaueö bearnnt. Die kommenden Generationen werden an diesen Tag zurückdenien. Von diesem Hügel hat man einen Ausblick auf die Stelle, wo das 33t>Tf 'Israel das ihm verheißene Land betrat. Aus diesem Hügel lagerten die Römer unter dem Feldherru TituS und wollten Israel vernichten. Auf diesem seBeri Hügel aber beginnt heute eine neue Epcche des jüdischen Kwlturstvc-bens. Seit der Zerstörung Jerusalems durch di« Römer bis zur Befreiung des Landes von der türkischen Herrschaft durch die britische Armee unter der Führung des Feldmarschalls Lord Allenby haben di« Juden nicht aufgchört. nach ihrer alten Heimat gu streben. Di« Juden, die stets sehr viel zu der mervschFchen Zivilisation in allen Landern beigetragen haben, lebten nur Physisch in der Zerstreuung, im Geiste waren sie vereint. Tie Liebe zur Natron hat auch jetzt den Geist der Juden auf die Aufgabe konzentriert, die jWische Kultur wieder auszubauen. Wir stehen jetzt vor einem ganz neuen Experiment: Wir gehen daran, die Methoden westlicher Universitäten in ein asiatisches Land durch das Mittel einer östlichen Sprache zu verpflanze». Da's ist noch nie v e r su ch t w o r - e n. Dennoch, wenn ich die Zeichen der Zeit nicht -mißverstehe und wenn der Geist des indischen Bottes nicht erschöpft ist, dann muß dieses Experiment gslingen. Ich unterschätz« die Schwierigkeiten nicht, die der Verwirklichung entgegenstehen. Die erste Schwierigkeit ist die Sprache. Obwohl die hebräische Sprache niemals tot gewesen ist, war sie doch bis jetzt als Sprache »es praktischen Lebens nicht in Gebrauch. Eine ungeheure Wirkung hat die Uebersetzung der hebräischen Bibel aus die zesamt« englisch sprechende Welt gemacht. Eine Sprache, die scgar in der Uebertragung so viel Lebenskraft beweist, muß immer lebendig bleiben. Sie wird sich als Sprache der Laboratorien Pensa bewähren, wie sie als Sprache der Bibel schöpferisch Ltig war. Grundlos ist die Furcht, daß es der Universität an behvern fehlen wird. Juden, wie Berghso», Freud und Einstein, Repräsentanten detz Wischen Geistes, haben die WissenStebiete nach allen Richtungen hin befruchtet und u-mqeialtet. Die Universität ist eine hebräische Universität, und ihre Sprach« muß »ebräisch sein. Es ist aber sin Irrtum zu.glauben,daß die Araber ms dieser Universität nicht weitesten Nutzen ziehen werden. Kch hoffe, die Araber werden sich jener dunklen Zeiten erinnern, da die Zivilisation unter der Knut« der Barbaren lag, und da Juden und Araber sich gemeinsam bemüht haken, die ersten Strahlen des Lichtes in die Dunkelheit zu senden und sie zu durchbrechen. Wenn Juden >md Araber in der Aufklärung Europas damals zusammenrvbeiteten, warum soll jetzt in Palästina eine jüdrschrrabösche Zusammenarbeit nicht möglich sein? Wohl bestehen unvermeidliche Schwierigkeiten in den lieligionsuntevschiedon, aller ich hoffe, diese Unterschiede werden die großen Bestrebungen, die die Juden mit so großem Gelingen verfolgen, nicht unterbinden. Alle wissen, daß Lernen nicht trennt, sondern eint. TaS Studium verrinigt die Kräfte aller Menschen für die allgsmeinen Krrlturinteressen. Lord Balfour schloß mit dem Ausdrück des Glaubens, daß di« Universität großen Zielen «ntgegengeht, und daß die Menschen, die in ihr lehren undlernen werden, den Besten nicht nachstehen werden. Mit dieser Hoffnung und in diesem Geiste eröffne ich die Universität. Nach der Weiherede und der Ansprache deS britischen Oberrabbiners Dr. I. H. Hertz (die von der ,-Wiener Morgenzeitung" am 4. d. mitgeteilt wurden) hielt Chairn Nachuranu Bialik die Schlußrede: Wir wollen unser« Gefühle nicht übertreiben. Die Universität ist erst nur eine Gießform, die gefüllt werden muß. Dennoch ist der -heutig« Tag ein Festtag Gotteis und unseves Volkes. Die Augen von Million«« Jude» in de» Länder« der Diaspora sind heute mitHoffnungundDank hieher gerichtet. Ueberall sprechen heute die Juden -das Schehechojonu. Heute 'hat das Volk Israel auf dem historischen Berge Har-hazophim das erste Licht für di« Erneuerung seines Mistigen Lebens angezündet. Heute ist der Grundstein zu dem erhabenen Jerusalem gellegt worden. Die Juden waren Jahrtausende hindurch in Knechtschaft, hier aber, in ihrem geistigen Königreich, sind sie wieder steie, starte Bürger. Jnnechath der Grenzen dieses Reicheschuf die Judenheit jene geistigen Wert«, die Jahrtausende existiert haben und di« uns heute die Eröffnung dieser Universität ermöglichten. Msener M^raenzeskuirft. Das Bankett des UnivevsttiitskouriteeS. Am Abend des Eröffnungstages gab das Nnivevsitätskomitee den offiziellen Gästen ein Bankett. Unter den Teil nehmern befanden sich nebst Lord Balfour noch Mar^ schall Allenby und die Vertreter von neun Regierungen. Den Vorsitz führt« Rahum Sokvlow. Den ersten Toast hielt Marschall Allenby, der di« Führer-Persönlichkeit Weizmanns feierte. Sodann sprachen die offiziellen Vertreter der auswärtigen Staaten, darunter der Regierung«» Frankreichs, der Vereinigt«« Staat«» und „ Italiens, die all« die Politik der Ba>lsour-Deklaration billigten und ihre Sympathie für dü jüdische nationale Heimstätte auSdrücklen. Der Vertreter der Vereinigten Staaten erklärte, daß die Regierung und dos Volk Amerikas stets die jüdische Aufbauarbeit in Erez Israel tatkräftigst fördern werden. Der holländische Konsul Herr Hoofien sprach hebräisch. Hierauf sprachen die vier Oberrabbiner Europas, der britische Oberrabbiner Dr. Hertz, der französische Oberrabbiner Dr. Israel L e v i, der Wiener Oberrabbiner Prof. C b a i e s und der Warschauer Oberrabblner Prof. Samuel S ch o r. Dev Vertreter Aegyptens. Der Eröffnung der hebräischen Universität wohnt« auch, «wie schon berichtet, der Rektor der arabischen Universität zu Kairo, LutfallahSayed, bei. Er vertrat sowohl die ägyptische Regierung als auch die Universität zu Kairo. Die palästinensischarabische Exekutive hatte an König Fuad von Aegypten und an den ägyptischen Premier Siwar Pascha ein Telegramm mit dem Ersuchen gesandt, keinen Vertreter zur Jerusalemer UniversitätSfeier zu entsenden, da die Araber in Palästina die Universität boykottieren. König Fuad und feilte Regierung ignorierten jedoch diese Forderung. Die Verhaftungen von kommunistischen Agitatoren. London, 6. April. (Tel.-Komp.) In der heutigen Sitzung des Unterbauses fragte ein kommunistischer Abgeordneter, wie viele Personen während des Aufenthaltes Lord Balfours in.Palästina verhaftet Worden seien. Der Kolonienminister teilte darauf mit, daß 16 Personen, meist Kommunisten, verhaftet wurden. Grare Spende« für die UnlverWt. Das Exekutivkolnilee der Zionistischen Organisation in Amerika hielt am 1. d., dem Tage der Eröffnung der hebräischen Universität, eine Festsitzung ab und faßte den Beschluß, eine Million Dollar für di« hebräische Universität aufzubringen. Herr R o s e n b l a t t auS New-Aork überbrachte dem UmversitätSkomiiee einen Scheck auf 250.000 Dollar, Herr Wattenberg stiftete für dar Einstein-Institut 100.000 Dollar. Der Bankier Felix Marburg überwies 10.000 Dollar. Dem ,Zionist Record" in Jöhannisbuvg wird mitgeteilt, daß der dort verstorbene Isaak Soreson ein Siebentel seines Vermögens der hebräischen Universität in Jerusalem vermacht hat. Anläßlich der Eröffnung der Jerusalemer Universität hol das Repräsentantenkollegium der jüdischen Gemeinde in Danzig einstimmig beschlossen, dem Keren Hajessod einen Betrag von 3000 Danziger Gulden (120 Pfund Sterling) zuzuwenden. Herr Simon Rendi in Graz hat dem Keren Hajessod für die Universität den Betrag von 1000 Schilling übermittelt. Die Wiener Sowjetaesandtschnft schenkt hundert SMMnzr. Die I. T. A. meldet: Die Wiener jüdisch-akademischen Verbindungen luden zur Feier der Eröffnung der hebräischen Universität, die von ibnen am 1. d. veranstaltet wurde, auch den päpstlichen Nuntius und den sowjetrussischen Gesandten ein. Der erster« entschuldigte sein Fernbleiben und sandte Glückwünsche, während die sowjetrussische Gesandtschaft anwortete, sie könne wegen der Abwesenheit deS Gesandten Joffe nicht vertreten sein, doch übersende sie eine Million Krone» für die Universität in Jerusalem. (I. T. A.) Loa der UniverstKtrblbllothek in Jerusalem. Der Zeitungseinlauf. Di« Universitätsbibliothek Jerusalem ließ soeben ein Verzeichnis der bei ihr regelmäßig einlaufenden Zeitungen und Zeitschriften erscheinen. Di« Bibliothek erhält danach ständig insgesamt 524 Zeitungen und Zeitschrift t e n. Hiervon sind 219 jüdische Zeitschriften (67 m hebräischer, 49 in jiddischer und 2 in spaniolischer Sprache). 17 sind Zeitungen in arabischer Sprache; die übrigen 288 verteilen sich auf fast sämtliche europäischen Sprachen -und sind in der Hauptsache wissenschaftlichen Inhaltes. Gine Bibliothek des Er^iehunasdeparte» ments der Zionistischen Exekutive in Palästina. Das Erzivhungsdspartement der Palästinensischen Zionistischen'Exekutive besitzt eine eigen« Bibliothek, die gegen 2700 Bände zählt. Di« Bücher werden an Re 500 an den hebräischen Schulen angestellten Lehrer ausgeliehen. 7. AM 1928 Kr. «W Die jüdische Bevölkerung tum Sret Israel. Statistische Daten von Dr. Artur Ruppin. Im „Haarez" vom 16. März veröffentlicht Doktor Ruppin einen Artikel „Statistik der jüdischen Bevölkerung Erez Israels", dem folgende Daten zu entnehmen sind: Die hauptsächlichste Grundlage für die Berechnung der jüdischen Bevölkerung Palästinas bildet die von der Regierung vorgenommene Volkszählung vom 23. Oktober 1922, die unter Hinzurechnung der fast ausschließlich aus Beduinen sich zusammensetzenden Bevölkerung des Südkreises (Gaza und Berseba), über die keine, genauen Zahlen festzustellen waren und die schätzungsweise' mit 72.898 angenommen wurde, die Bevölkerungszahl Palästinas mit 757.182 angibt. Davon waren 83.794 Juden und 673.388 Nichtjuden. Von den 83.794 Juden wohnten am 33. Oktober 1922 68.622 in Städten, wo sie 25,97 Prozent der Gesamtbevölkerung bildeten, und 15.172 (3,8 Prozent) auf dem Lande. Der natürliche Zuwachs betrug im Jahre 1932 bei den Juden 1371 Seelen -- 16,4 Promille (Geburten 2349 — 28 Promille, Sterbefälle 978 — 1.1,7 Promille) und im Jahre 1923 1890 — 21,4 Promille (Geburten 3200 s= 36,2 Promille und Sterbefälle 1310 --- 14,8 Promille), während er bei Nichtjuden im Jahre 1922 24,7 Promille und im Jahre 1923 21,8 Promille betrug. Die Zahl der Geburten ist bei den Nichtjuden eine prozentuell viel höhere (44,5 und 49,1 Promille), ebenso aber auch die Zahl der Sterbesälle (19,8 Promille und 27,3 Promille). Die Zahl der jüdischen Einwanderer für die Zeit vom 24. Oktober bis 31. Dezember 1922 nimmt Dr. Ruppin nach Berücksichtigung der Wiederauswanderung mit 1345 an. Für das Jahr 1923 gibt die Regierungsstatistik die Zahl der eingewanderten Juden mit 7421 und die der ausgewanderten mit 3466 an, so daß der Ueberschuß der jüdischen Einwanderung über die Auswanderung 3955 beträgt, während bei den Nichtjuden ein Ueberschuß der Auswanderung von 911 vorliegt. (570 Einwanderer und 1481 Auswanderer). Die offiziellen Zahlen für das Jahr 1924 liegen noch. nicht vor. Laut den Angaben der palästinensischen Regierung sind vom 1. Jänner bis 31. Oktober 1924 in Palästina 10.107 Juden eingewandert. Im November und Dezember betrug laut der Statistik der Zionistischen Palästina-Exekutive die Zahl der Einwanderer 44 50. Somit ist die Zahl der jüd i schen E inw anderer für das Jahr 1924m it. 14.557 anzunehmey. Bezüglich der Auswanderung gibt es für, das Jahr 1924 amtliche Angaben nur für einige wenige Monate. Anscheinend zählte hierbei die Regierung auch viele Peisende ' mit, die nur für eine bestimmte Zeit das Land verlassen haben. Schätzungsweise nimmt Dr. Ruppin für das Jahr 1924 eine jüdische Auswanderung von 100 pro Monat und danach den Ueberschuß der Einwanderung mit 13.367 an. Für die Nichtjuden liegen für das Jahr 1924 keine verläßlichen Zahlen vor, aber ein etwa zu berücksichtigender Zuwachs der nichtjüdischen Bevölkerung durch Einwanderung kommt nicht in Betracht. Danach sehen die Zahlen für den 31. Dezember 1922 ,1923 und 1924 wie folgt aus: Juden Nicktjnden Stand am 23. Oktober 1822 . 83.794 673.388 Gerechneter natürlicher Zuwachs vom 28. Oktober bis 31 Dezember 1922 . 255 2.570 Ueberschuß der Einwanderung . . . . . . 1.345 — Stand am 31. Dezember 1922 . 85 894 676.958 Natürlicher Zuwachs im Jahie 1929 . . 1.899 12.518 Zurelvektive Abnahme durch Einrespektive Auswanderung ....... . . 4- 3.955 — 911 Stand am 81. Dezember 1928 ... 91.289 688.565 Natürlicher Zuwachs im Jabre 1924 (geschätzt nach den Zahlen für 1923) . . . . . . 1.950 14.990 Somit Stand am 81. Dezember 1924 . . 107.746 703.655 Zu der hier errechneten Zahl der jüdischen Einwohner von 107.746 dürften noch einige tausend hinzuzufügen sein, die als Touristen ins Land gekommen und dann mit Erlaubnis im Lande verblieben sind, so daß die Zahl der Inden für Ende 1924 mit 110.000 anzunehmen ist, was 13,55 Prozent der Gejamtbevölker u n g ergibt, gegenüber nur 11,77 Prozent am 33. Oktober 1928. Ueber die Verteilung der Juden auf die Städte und baS Land gibt es für Ende 1924 keine offiziellen Zahlen. ES sind nur mehr oder minder genaue Schätzungen möglich. Dr. Ruppin glaubt, schätzungsweise folgende Zahlen angeben zu können. Zahl der Juden am geschätzte Zabl für 93. Oktober 1932 31. Dezember 1921 Jerusalem. 88.971 88.000 Jaffa und Tel-Awiw. . . 20152 32.000 Haifa . .,,»»».. 6.880 8.000 TiberiaS »,«.»»»» 4.427 5.000 Saied.. 3.938 3.000 Hebron.. 480 500 Ändere Städte ..... 425 500 Kolonien.«.«>»«» 15.172 28.000 83.794 110.000 Fast die Hälfte der Zunahme der jüdischen Bevölkerung entfällt auf Jaffa und Tel-Awiw, die 29,09 Prozent der jiidischeu Gesamtbevölkerung aufweisen. (Gegen 27.000 Seelen entfallen auf Tel-Awiw und gegen 6000 auf Jaffa). Falls es bei den jetzigen Einwanderungszahlen von 3000 pro Monat bleibt und von diesen wie bisher zwei Drittel in Tel-Awiw sich niederlassen, dann werden Jaffa und Tel-Awiw Ende 1935 gegen 45.000 Juden zählen (35 Prozent der jüdischen Gesamtbevölkerung Palästinas) und so hie jüdische Bevölkerung Jerusalems übertreffen.

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