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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-07 · Heft 2202 (7.4.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2202 (7.4.1925)
Date
1925-04-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Ihrepolitische Kraft ist an vier Fronten engagiert: Die große Auseinandersetzung mit den Londoner Konservativen um den Sicherheitsvertrag, die aktive Resistenz der Klerikalen. der Widerstand des Senats in der Budgetfrage und schließlich die m Frankreich immer sehr lebhaft sich äußernde Ungeduld der Vorgänger und Nachfolger der jeweiligen Minister. Das sind Momente, die die Lebensfreude des Kabinetts Herriot untergraben. Schon mußte der Finanzminister Clementel dem Groll des Luxembourg geopfert werden, und dem neuen Mann mußte Herriot die Konzession der Erhaltung des Geschäftsträgers beim Vatikan machen. Auf allen Punkten ist die Regsamkeit der rechtsgerichteten Opposition zum Angriff übergegangen. Nirgends ist die Verteidigungsnotwendigkeit für eine Regierung eine behagliche Position, am wenigsten aber in Frankreich, «dessen Temperament den dramatischen Dialog der Parlamentsdebatte schätzt und liebt. Die Ernennung de Monzies schien geeignet, die schwierigen Gruppen des Senates heranzuziehen und zu besänftigen. Sie ist aber ein schlimmes Symptom für. das Versagen der Sozialisten- .die einem Kampf guszu-, weichen bestrebt sind. ’ Sie wollen^ keinen Verfassungskonflikt. Werden sie Neuwahlen wollen? Herriot hat in einer am Sonntag gehaltenen Rede diese Eventualität an die Wand gemalt. Der Senat. hat daraufhin. seine große politische Debatte auf Mittwoch vertagt. Aber, inzwischen ist Millerand mit großem Vorsprung in einem Wahlkreis gewählt worden, der ihm sonst fremd war. 'Es hat ganz den Anschein, als ob sich Herriot nur mehr mit den Mitteln der Couloirtaktik an der Macht hält. .Er steht eine Vertrauenskrise durch. . Beunruhigung und Unsicherheit bedrücken den Besitz und der ist in Frankreich genau so wie in anderen Staaten nur so lange gouvernemental, als er ruhig schläft. Die Finanzverwaltung 'hat das Problem zu lösen, in der nächsten Zeit die Summe von 16 Milliarden Staatsscheinen zu schaffen.'De Mouzie-will das Geld auf dem Wege eiuer freiwilligen Abgabe . hereinbekommen. Aber das ist'der Punkt, wo der Patriotismus gewöhnlich bockig wird. Das Geld ist teuer geworden und die Kapitalisten werden es vorziehen,.ihre flüssigen Mittel nicht zu erschöpfen. Clementel wollte an die Notenpresse appellieren, verschwand jedoch zwischen ihren Walzen. Herriot steht einer Koalition gegenüber, die in solcher Zeit sehr rasch zu einer, fast unlösbaren Einheit zusammenwächst: Die Generäle, die-nationalistischen Schreier, die katholischen Pfarrer, die Industriellen und die Rentner. Das ist ein Gegner, über den schon viele Negierungen gestürzt sind. Herriots großer Erfolg, der Dawes-Plan, der Deutschland endlich zum Zahlen bringen soll, hat sich noch nicht auswirken können. Außenpolitisch steht das' Kabinett in einem schroffen Gegensatz zu dem englischen Verbündeten. Chamberlain hat . das Abrüstungsprotokoll in. den Papierkorb geworfen und die Gefahr der diplomatischen Isolierung, über die einmal Pvincare fiel, besteht wieder. Aber darin liegt, so paradox dies aüssieht, ein für Herriot günstiges Moment. Diese Isolierung bedroht den Geldwert und würde die Abhängigkeit vom fremden Kapital mit sich bringen. In dieser Situation muß jede Partei vor Neuwahlen zurü.ckscheuen, deren erste Wirkung in der Verflüchtigung des Weltvertrauens läge. Es sind sonnt aus diesem Punkt die' Voraussetzungen für ein Kompromiß gegeben, das Zwischen Herriot und seiner Opposition zu erzielen wäre.' Dle Entscheidung kann nicht mehr lange auf sich warten lassen. Die Kammer wird heute mit der Debatte über die Finanzvorschläge zur Vermeidung der Inflation beginnen und die Regierung ivird die Vertrauensfrage stellen. Hymne eröffnet, woraus ein Chor den Psalm 19 „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" zum Vortrag brachte. Abgeschloffen wurde die Feier mit der ,-Hatikwah. Präsident Weizmanrr hielt als Vorsitzender des Universitätskomitees die folgende Ansprache: „Wir sind heute aus einem Boden versammelt, der he iliger Erinnerungen voll ist. Manche der hier Anwesenden werden sich tvohl des Tages im Juli 1918 erinnern, da. wir den Grundstein zu diesem Gebäude gelegt chatten, Aeue Zeremonie war ein Beweis unseres' Glaubens au das Kommen glüMchever Tage. Unser Glaube hat sich als gerechtfertigt erwiesen, unsere Träume sind in das Studium der' Verwirklichung getreten. Die ersten Abteilungen der hebräischen .Universität haben heute ihre Tore den Lehreydelt und Lernenden geöffnet. Die Universität -hat.noch.erneu.. larigm. Weg bis zu ihrer VervoWmmnuW zu gehend Wir wollen nicht,, daß sitz eine Kopie der UniversitÄen - Unsere Universität soll ihren Ruhm darin suchen,' daß sie den Fonds des Wissens -der Menschheit vermehrt. Das Gebäude, wie es. heute ist, ist noch, der bescheidene Sitz dreier Fakultäten: der Chemie, der Mikrobiologie und der jüdisch-orientalischen Studien. Der Grundstein zu einem vierten Institut, für P h y s i k und Math c m a t i k, .welches die Namen B a lsour und Einstein tragen wird, wird morgen gelegt werden. Im Anschlüsse an diese. Institute entWt die Universität auch noch die N a t i o u albi b liothe k, jwelche mit ihren 90.900 Bänden den Instituten suWituiert ist. Das landwirtschaftliche Institut zu Tel-Awiw und die Te ch «ische H ochsch ule i it H.aisa werden sich m ihren Arbeiten an die Universität anlchnett. Unser Werk, wie es augenblicklich ist, kann im Vergleich zu den Leistungen der Universitäten in Europa, und.Amerika ein bescheidenes genannt werden. Im Verlaus der Zeiten wird jedoch die hebräische Universität sich ihrer Schwestern würdig zu erweisen trachten. Hebräisch wird die Sprache dieser Universitäten sein, sie lvird aber jeder Nation und jedem Bekenntnis offen stehen. Innerhalb der Mauern der Universität hört jeder politische Streit auf, alle Nationen werden sich hier zu der gemeinsamen! Aufgabe des Suchens nach der Wahrheit und der Wiederaufrichtung einer blühenden Zivilisation in Palästina, wie sie das Land einst besaß und . die ihn: seinen Platz in der Welt des Gedankens und der Forschung gab, zusa ut menfinden. Witt die Universität wahr sein gegen sich selbst wie gegen die jüdischen Traditionen, so darf sie nicht allein für die Juden, nicht allein auch für das Land Pa-, ilästina, sortdern ' ' für den ganzen erwachenden Orient, ja., für die ganze Menschheit da sein. Jedoch, wann die Universität der Ausdruck unseres Wesens sein soll, wenn sie das Mittel sein soll, durch welches wir unseren Blick aus die Welt richten, so muß die. Sprache der Universität he brä i sch sein. Denn Mischer Geist und hebräische Sprache find nie von einander zu trennen. Mit der feierlichen Eröffnung dieser Universität verkünden wir die Gemeinschaft des jüdischen Volkes mit den Völkern der Welt. Die Universität wird die lange Tradition der hebräischen Wisseuschast und der jüdischen Strebungen hiuaustragen auf das Kainpffeld um das Mysterium des Weltalls. Sie blickt zurück auf die Schulen der Propheten, aus die Akademien von. Iabueh, Nehardia, Pnmbedita, auf die Spanien, Italien, Frankreich und Bagdad geblüht haben. Unsere junge Institution erbittet sich auch Anregung und Führung von den großen und berühmten jüdischen Geistesarbeitern der Gegenwart in allen Ländern. Wir begrüßen bei dieser Feier. .den britischen Oberkommiffär für Palästina, Sir Herbert Samuel, den Befreier Palüstutas, Lord Allen Ly, die Repräsentanten zahlreicher Regierungen und Universitäten,- die zur Feier erschienen' sind. Unser besonderer Gruß gilt LordBalsour. Er ist nicht allein eine große Persönlichkeit in der Wellt des Denkens, nicht allein der Kanzler der großen historischen Universitär von Cambridge, er ist auch der Staatsutann, dessen Namen für ewige Zeiten verbunden sein .wird mit der großen Tat, die das Schicksal der Iuden in der Welt gewandelt hat, und. wofür diese Universität ein deutli^s Wahrzeichen ist. Die Univ ersität soll das Werk der Mischen ^»iWätte w Palästina krönen." : ^Der.- britische Öberkommissär für Palästina, ' " ' Sir Her*öert - Sarmttk, > über'brachEhie Wünsche der bMschen Regiernug. UUd der PallästinareKievung für das Gedeihen der hebräischM Mb-' - versität.'Erwe'vlas ein Begrüßungsschreiben i .des britischen Koloniemninisters Mr. Amery, in welchÄü esse die Einweihung des.neuen ^großen Lehrzentrums m Jerusalem..und glaube, daß die.Anstalt in der Verbreitung von- K u l.t «nt« d Zivi li s a t Io n ,auf dem Worische« Boden Palästinas großen Erfolg haben /wird. ] ' \ Dann fuhr Sir Herbert Samuel fort: Das Ereignis i.der Einweihung dieser Universität ist deEmürdig durch die Anwesenheit von Lord Balsour, der taufende Meilen gereift war, um Hei der Eröffnung da zu sein und seine tiefe Synrpathie für dieses Werk zu bezeigen. Es ist auch denkwürdig durch die Anwesenheit des FeldmarschaW Lord A'llenbh, dessen Sieg diese Feier erst möglich ' geimacht 'hat.' .Anwesend ist auch Dr. Werzma n n, der .den schöpferi-'- sche'n Geist der Universität verkörpert. Ferner sind hier Delegierte vieler Regierungen und Universitäten, die den langen Weg gemacht haben, um der Universität die Grüße ihrer Länder und Lehrstäiten zu entbieten. Ueberall in Palästina ist man mit Glauben und E n t h u s i a sm u s an der Arbeit. Die S üm p se u nd Sanddünen sind in blühettde Gärten verwandelt worden. Ern zuvückge'blieibenes Land wurde in einen fortschrittlichen Staat umgewande-lt. Den Männern, die dieses volllbracht haben, muß es gelingen, Feindschaft in Freundschaft zu verwandeln. In diesern Hause der.Weisheit wird, die alte Literatur mit der modernen Wissenschaft zusammengchen. Die Universilät; wird. für ganz Palästina und für die Menschheit Werte ' schaffen. Zu lange dauerte der Ruin der Indenheit. Eine Ruine kann malevisch schön sein, nieutand aber wünscht itt ihr' zu wohnen. Die Iudenheit will nicht mchr eine Ruine sein, sie gcht an den Aufbau ihrer Heimat: die Universität wird einer der herzlichsten Teile dieser Heimat sein. In jeder jüdischen Synagoge überall in der Welt brennt vor .der Dhoralade ein ständiges Licht. Diese unsterbliche Flamme ist stets ein Symbol der Mischen Hoffnungen geiwesett. Jetzt wächst diese kleine Flamme zu einem Feuer an, zu einem Licht, das . die ganze Welt erleuchten wird. Wir sind' glücklich die Wächter dieser Flamnte zn sein. Gesegnet, der du uns diese Zeit erleben ließest. Lovd Balsour, der die rote Robe des Rektors der Universität von C a ttt» hridge trug, sagte: Was hatte dieses große Auditorium von Mechchen aus allen Enden der Welt -zu^sammengeführt, Menschen, die eine verschiedene Sprache führen? Doch nur das Jntereffe an Frühjahrs-Neuheiten »%gm li Schiffmann II. Taborstraße 48 Telenhon 47*1« 78 ln gro* Sn 4«lafi 3

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