Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2200 (5.4.1925)
- Date
- 1925-04-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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o. Aprn ms Sette b Nr. 2200 Dirn, Gonniag Wiener Moimenzetlung.;ivK^ A.vi v. X. Favoritenftrche 98 traft 139 XX. Wallenfteiuftraße 16 T. SchSnbrunnerstraße 16 XXI. Haufttftraße 44 Zdealer Linsleumbodenbelag aus Granit und Zulaid mit unabtretbarer Musterung ....-.. ,.— ... .. Inland. Passive Resistenz in den Fondskrmüenanstalteo. Obwohl bei den im Ministerium für soziale Verwaltung gestern mit den Vertretern der Arbeiter der Fondsskrankenanstalten geführten Verhandlungen eine gewisse Annäherung erzielt worden war, glaubten die Unterhändler der Angestellten annehmen zu müssen, daß der den Vorsitz führende Ministerialrat WI c e l die Verhandlungen dilatorisch führe. Tie Unterhändler begaben sich daraufhin in das Eisen bahnerhe im, wo die Vertrauensleute versanrnielt waren und machten diesen von der Ergebni-slcsigkeir der Beratungen und dem Verhalten der Vertreter der RegierUlNg Mitteilung. Der Bericht des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft wurde mit ft ü r m i s ch e r E n trüstung zur Kenntnis genommen. Es wurde beschlossen, noch um 6 Uhr abends mit der passiven R e s i st e n z ,.e i n z u s e tz e n, an der sich sämtliche Angestellte der .Fondskranke nhänser beteiligten. Minister Dr. Ne sch hat Dr. W l c c k angewiesen, am Montag die Einigungsverhandlungen fortzusetzen. Was zur BekLmptung fter Arbeitslosigkeit getan Werften soll. Der Politischen Korrespondenz wird von maßgebender Seite mitgeteilt: In den Monaten Jänner, Februar und März d. I. wurden au die Arbeitslosenversicherung außerordentlich große finanzielle Anforderungen gestellt. Für die Auszahliungen in den ersten drei Monaten mußte der Bund etwa 330 Milliarden Kronen zur Verfügung stellen. Diese Summen sind bisher nur etwa zur Hälfte durch Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gedeckt. Die Regierung hat sich beniüht, für die kommende bessere Jahreszeit Arbeitsgelegenheit vorzubereiten. In den ersten drei Monaten.wurden aus der produktiven Aobeitslosenfürsorge namhafte finanzielle Beihilfen für 126 Arbeiten, die sonst nicht hätten durchgeführt werden können, bewilligt und so die baldige Ausnahme dieser Arbeiten ermöglicht. Diese Arbeiten beginnen größtenteils in 'den Monaten März, April und Mai; hierbei ist die Beschäftigung von 7000 Arbeitern in Aussicht genommen. Bezüglich einer großen Zahl von weiteren Arbeiten sind Verhandlungen noch im Zuge. Die Gemeinde Wien hat mitgeteilt, daß ihr Jnvrstitionsprogramm eine Beschäftigung bis zu Ssteseillaller «»>-!»«-» ünstlervorhängen Künstler, dreiteilig, bunt ....K 78 Madras, besondere Ausführung ..K 133 Madras, besondere vielfarbige Prima-Ausführung . . . K 145 Madras, dunkle Farben für Speisez., in Seide u. Garn, v. K 360 Jovvelbettvecken Doppelbelldecke, Etamin m. herrlichen Klöppdmotiven K 120 Doppelbelidecke, schönste Ausführung.K 170 Steppdecken Satin, Hochglanz .. Satin, geblümt . .. Silk, In, geblümt... 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Seit gestern früh stehen die Beamten der Pensions anstalt für Angestellte wegen Ablehnung ihrer Gehaltsforderungen durch die Verwaltung der Anstalt im Streit, weil ihnen die den Angestellten der übrigen Sozialversichcrungsinstitute gewährte Gehaltserhöhung nicht bewillig! wurde. Falls bis 'lUittc nächster Woche die Forderungen der Angestellten nicht erfüllt sind, beabsichtigt der Reichsvereiu der Sozialversicherungsangestcllten. um dcu Streik der Pensionsanstaltsangestllten zu unterstützen, in sämtlichen Krankenkassen und in der Arbeitcr-Unfallversicherungsanstalt den Streik erklären zu lassen, so das; auch dieAnszahluna der Krankengelder eingestellt würde. Sie Gewerbetreibenden wollen vor die öteurv aftmivistrationen ziehen. Fn einer beim Wimberger gegen die Uebcrbesteueruug abgehaltencn Massenversainmlung des Gewerbcbuudes erklärte Vorsitzender Gemeiuderat Elleud unter demonstrativem Beifall der Versammlung, es könne sehr leicht möglich sein, daß den Gewerbetreibenden einmal die G ed u l d reiße und ein allgemeiner Aufmarsch der Gewerbetreibenden vor den Sleneradministraiionen erfolge, um den dort amtierenden Herschaften einmal persönlich die Meinung zu sagen. ________ * Ein Riesenbrand im Klöstern«-nbirruer Wald. Gestern wütete durch mehrere Stunden im Klosterneuburger Stiftswalde ein großes Feuer, das etwa 600 Hektar Waldgrunid der nichtece. Der Schaden beträgt nahezu 100.000 Schilling. * Die Entwürfe für.1131 neue Wohnungen genehmigt.. Ter städtische Baureferem Stadtrat Siegel hat dem Gemeinderatsausschuß für technische Angelegenheiten gestern Entwürfe für neue Wohnhausbauten vorgelegt, die zusammen 1131 Wohnungen umfassen sollen. Tie Häuserblocks werden sich am Alsergrund, in Favoriten, Hictzi-ng, Ottakring, Döbling und Floridsdorf befinden. Der Ausschuß hat die Entwürfe genehmig!. * Das Ergebnis der Hausersammlung der Barmherzigen Brüder. Die vom bekannten Flügslhornisien Professor Doktor So starre durchgesührte Straßen- und Häusersammlung ergab den Betrag von 170.000 Schilling. * Zionistisches. Lokalkomitee. Nächste Schnug Tionsiag. halb 8 Uhr abends, hn Bureau, 1. Be;., Kärntnerstraße *28. * Schekelkommission, Nächste Sitzung Montag den 5. d., halb 8 Uhr abends, im Bureau, 1. Be;., Kärntnerstraße 28. Moser Hetz. ' seinem fünfzigsten Todestage (6. April 1875). Schon am Ausga ng des 18. Jahrhunde vis begannen eiiUQd'nc jüdische Intellektuelle sich mit der Frage der Wiederherstellung der jüdischen Nation zu 'beschäftigen. Die ersten Vorläufer des jüdischen -Wiederhevstellungsgedaukens gingen zumeist von der. Notwendigkeit aus, daß die. Juden zuerst eines territoriale n Sa>nl>melpuutets bedürfen, um sich alle Attribute einer politischen Nation auzueignen. In diesem Smne hat der amerikanische Jude Immanuel Noah seinen Judenstaatsptun ausgeavbeiter und /kurz darauf die Gründung des Judenistates Ararar in Angriff genommen. Sämtliche Vorläufer des Zionismus, die Noah' folgten, ließen sich ebenfalls rmbowußt von ähnlichen Gedanken und Motiven leiten. Erst eine kleine Gruppe jüdischer Studenten unter der Führung von Moritz Steinschneider und Be n e s ch hatin deutlicher Form die i Notwendigkeit der Wiederherstellung des jüdischen- Volkes auf eigener Scholle m Erez Israel anerkannt. Die damalige Politische Kwrüstellation und die Aktualität des orientalischen Problems schuf in England und Frankreich einen günstigen Boden. Es genügt, auf die starke propatästinenfische Bewegung in England sowie die Stimmenhervorragender französischer Schriftsteller in den Vierziger- und Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts hinzuweisen, die ausdrücklich - die einzig mögliche Lösung der orieniälifHen' Frage in der Gründung eines jüdischen „Pufferstaates" in Palästina sahen. Die B l n r a f f ä r e i n D a m askus hatte begreiflicherweise diese Stimmung verstärkt und müßte auch auf bedeutende Teile der damaligen jüdischen Intelligenz einwirken. Ein Am o n h m u s erließ einen flammenden Aufruf an die jüdische Oesfen-tlichkeit, in der erdie Juden anfforderie, die Fre'cheitsbelveguug der Balkanvölker nachznahm-en und gleich ihnen den allen Juldeustaatstin Palästina .-neu - zu -begründen.. - . . - - In dieser Atmosphäre, die bereits mit propamstiueriisischeu Stimmungen durchsetzt und von Fragen der Lösung verschiedener National itätenprobteme durchtrün-kr war, wuchs Mdses H e ß aus. Seine im Jahre 1862 erschienene Schrift „Rom und Ierusalem" war sicherlich keine revolutionäre Tat, sondern nur die Folge einer bereits von vielen Köpfen durchdachten Idee, der Moses Heß das hilstoriosophische Gewand gegeben. Hai. Im Jahre 1812 in Bonn geboren, hat Moses Heß im Hause feines Großvaters eine streng jüdische Erziehung ge-nossen. Mütterlicherseits einer pollnischen Rabbinerfamilie entstammend, hatte er Gelegenheit, in seinem Heim jüdische Tradition kennen zu lernen und wurde in ihrem Geiste erzogen. Sein Großvater, ein bedeutender Talmudgeleyrter, versäumte es nicht, seinen jungen Enkel, den späteren Vorkämpfer der sozial i st if ch c n Bewegung, mit allen geistigen Schätzen des Judentums, seinen Schriften und den. Idealen der jüdischen Sehnsucht üekanntzumachen. Tie von seinem Großvater geschildenen Bilder jüdischer staarlicher Vergangenheit blieben im Gedächtnis des jungen Heß haften. Späterhin, durch äußere Umstände an sein Judentunk erinnert, konnte seine Liebe zu den alten jüdischen Idealen desto stärker emportreten. Sein Verbleiben im Großetterulxluse sollte jedoch nicht astzu lange währen. In seinem 11. Lebensjahr wandte.sich Moses Heß allgemeinen Studien zu und um das Jahr 1830 inskribierte er an der Uuiversiuit zu Bonn, an der er jedock) seine Studien nicht vollendete. Die inzwischen immer stärker werdende r e v o l u t i o n ä r e Bewegung in doli Kreisen der damaligen Intellektuellen begann auch Moses Heß. zu beeinflussen. Im Einklang mit seinen philosophischen Ansichten — S Pinoza und H e g e l ivaren seine, geistigen Wegweiser — schrieb er seine erste Arbeit (18^7) „lieber die heilige Geschichte der Menschheit von einem Jünger Spinozas", in der er in «nwas wirrer Form seine Ansichten über die geistigen Entwicklungswege menschlicher Geschichte MN Ausdruck brachte. Mir feinem Werk „D ieeuroPä iftche Triarchie", in bem er die Vereinigung Englands,. Deutschlands und Frankreichs zwecks Bekämpfung der Reaktion voraeschtagen hatte, betrat er bereits den Weg der Politischen Schriftstellerei. In diesem Werke schlug er auch vor, daß die drei erwähnten Großmächte dorr Iude u eine, vollständige GlliBerechtigung erteilen sollen. Kurz darauf trat Heß der RcoaUion der oppositionellen „ckiheinischeu Zeitung" a'.s Redatnonsmiiglied bei. Seine Jel-gkrionellc Tätigkeir sollte aber nur kurze Zeit währen. Bort den Organen der danlaligcn Politischen Polizei als politisch verdächtig angesehen, mußte er nach Paris auslvaudern. Dort beschäftigte sich Heß mit sozialen imd tvirtschaftlichen Fragen, die ihn allmählich in das Lager der kommunistischen Gruppen brachten. Er stand volltommen unter dem Einfluß der Ideen Proudhoirs und bekannte sich zu dessen Forurel „Eigentum ist Diebstahl". Es ist daher kein Wunder, daß Heß in diesen Jahren geradezu füh die Anarchie eintrat. . Um diese Zeit versuchte Heß den von Marx, vertretenen Standpunkt, daß Judentum mit Händlergeist identisch sei und daher die Cmanizipation der Juden nur inr Wege der Befreiung der Gesellschaft von dem Händlergeist zu erlangen sei, zu bekämpfen, da er keiucslvegs zugeben konnte, daß Hänblergeift und Judentum ein und dasselbe seien. Schon in diesen Jahren hatte die Judenfrage in seinem Denken immer größeren Spielraum zu gewiu>nen vermocht, bis er. sich dann zu den Ideen emporrang, die er in seiner Schrift „R o m u n d I e r n s a l e m" nieberlegte. Den eigentlichen Anlaß zur Niederschrift dieser Arbeit gab die italienische Nalionalbewegrmg der Vierzigernud Fünft ,'ügerjahre des vorigen Jahrhunderls. Das wiedererlrachte Rom lenkte, die Ansmerksamkeit Heß' auf das Preblem der Wiedererwachung des einstigen Gegners von Rom — Jerusalem. In seiner Schrift erklärt er ausdrücklich: „Vor allem war es m eiueigenes B o l k, das jüdische, welches mich mehr und ruehr' zu fesseln ansing. Die Geister meiner unglücklichen Gesinnungsgenosseu. die niich in meiner Kindheit umschwebten, kamen wieder zum Vorschellt uub längst unterdrückte Gefühle ließen sich nicht mehr abwciseir. Der Schmerz, der zur Zeit von Damaskus ein vorübergehender war, wurde jetzt vorherrschende Geistesrichtung. 'Nicht mehr suchte ich die Stimme meines jüdischen Gewissens zu unterdrücken, im Gegenteil, ich verfolgte eifrig ihre Spuren." Aehnlich wie beim Ano-nymus aus dem Jahre 1810 harre auch in Heß die damaszenische Affäre das jüdische Gewissen wachgerufen und gezwungelt, über das Schicksal feines Volkes nachzudenken. Ein anderer Vorkämpfer des Sozialismus dagegen -7-- Lassale — hatte unter dem Eindrücke dieser Affäre den Satz geprägt „Du, Jüdcnvolt, bist -gurr .Vtnechi geboren". Die Wissenschaft des Juden'.uius und ihre geistigerl ' Vorkämpfer Krochmal, Rapvaport, Luzatto und die hebräi-