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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-05 · Heft 2200 (5.4.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2200 (5.4.1925)
Date
1925-04-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien. Sonntag Wiener Mnv-ei'elkiinft. 5. April 1925 Nr. 4er Italienische Krlesrmlniftrr znMgetteten. Rom, 4. April. Die Age»»zia Stefani Meldet: Kriegs- Minister General Di Giorgio ist zu r ü cktze tr e t e n. Das Portefeuille des Kriegsministeriums hat vorläufig Ministerpräsident Mussolini übernommen. Tie Verlautbarung der Demission des KriegSministers wird in den Blättern mit dem Bemerken kommentiert, daß Ministerpräsident Mussolini die Zusammenlegung des Kriegs- und des Mari ne- Ministeriums zu einem Ministerium der nationalen Verteidigung plane. Jedenfalls aber toerde er die Institution des Generalstabsche fs wieder aufleben lasten. Als solcher sei der gegenwärtige italienische Botschafter in Brasilien, General B a d o g l i o, ausersehen, der sich bereits auf dem Wege nach Italien befinde. Rekonstruktion der Kabinetts Pasic. Belgrad, 4. April. (Lschecho-stolvakisches Preßbureem.) Der Vizepräsident der Skupschttna Usonovic Hai seine Demission unterbreitet, da er nach der Rekonstruktion des .Kabinetts wieder das Baut e nministe ri n m übernehmen wird. Wie das Organ des Aröetts Ministers Pribicevic, ,Fdjec", meldet, erwartet mau in politischen Kreisen noch heute abends die Demission der Regierung. In der neuen Regierung soll wieder der geiresene Minister für Geset-ansgleichung, Dr. Milan Jrskic, seinen früheren Posten übernehmen. In das neue Kabinett sollen ferner der Mg. Radojevic a'S Berkehrsministcr und die Abgeordneten S i m o n o v i e und Welja Pribicevic an Stelle der nicht wiedergewählten Minister Trnkcvic und Surnrin treten. Blutige LusammenMe im Sftrauer Revier. In Orlau wird auf die Gendarmerie geschossen. — Zwei Tote, mehrere Verwundete. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Mähr.-Ostrau, 4. April. Ter von den Kommunisten inffenierte Streik im Ostrauer Revier hat sich nicht durchgefttzt. In der Metall- und chemischen Industrie kann er als beendet angesehen werden. In den drei Meiallindrsttriebetrieben in Freistadt und in der Srotimaucr Zellnlosefabrik wird in vollem A u sina ß'gearbeitet. In den Trzynietzer Eisenwerken arbeiteten heute früh 700 Arbeiter. Auf den Gruben hat sich die Zahl der Arbeitenden wiederum erhöht. Die Kommunisten versuchen nun mir allen Mitteln ihre verlorene Position zu retten. Dieses Verhalten hat bereits blutige Früchte getragen, da die kommunistische Agitation Menschenopfer kostete. Darüber berichtet das Tschecho-flcnvakische Preß- 'bureau: Die Bevgarbeitevsektion und die Metallarbeitergruppe des Internationalen Grwerkschaftrrvevbandes hatten für heitte um 9 Uhr vormittags ttn Gesamtrevier etwa vierzig öffentliche Bersaimmiungen angekündigt, auf deren Tagesordnung ein In formal io ns bericht Mer den Stand detz Arbeiterstreiks im Mährisch-tOstrau-rKarwiner Revier stehen sollte. Keine der angekündigten Versammlungen fand jedoch statt» sondern hie Arbiter erKärten gleich nach ihrem Zusammentreffen, daß sie zu einer Versammlung ziehen werden, und zwar die Arbeiter von Gvoß-Ostrau und Umgebung nach dom RvpublikpLatz in Mährisch-Ostrau, jene aus dem Ostrevier nach Orlau. Beim Arbeiterhaus in Orla u kamen mehr als 6000 Personen zusammen, die nach dem Republikplatz ziehen wollten. Äe wurden ermahnt, ausei nanderzugehen, leisteten jedoch der Aufforderung kein« Folge. Die Gendarmerie erhielt hierauf die Weisung, den Platz zu säuibern. Diese Maßnahme voltzog sich ohne Zwischenfälle. Erst an der Peripherie der Stadt Orlau begann eine 8 00 0 Personen zählende Volksmenge ans die Gendarmerie Steine zu werfen. Trotzdem machte die Gendarmerie von der Schutzwaffe keinen Gebrauch. Erst als aus der Menge mehr als fünfzehn Schüsse zegen die Gendarmen übgefouert wurden, schritten diese mit der Waffe ein. Hiebei wurden zwei Personen getötet, eine Person wurde schwer, vier leicht verletzt. Von der Gendarmerie erlitten ein Oberwachtmeister und vier Wachtmeister Verletzungen. In Mährisch-Ost ran wollten die Konmumisten die verbotene Volksversammlung abhalten, wurden aber ohne Zwischenfälle zerstreut. Hiebei wurde Abgeordneter Ä o u t n h wegen Aufwiegelung v e r h a s t e t, jedoch nach AuSweisleistung wieder aus freien Fuß gesetzt. Schilndnng eines Mischen Friedhofes in Bayern. AuS München wird uns berichtet: Auf dem jüdischen Friedhof in Königshofen wurde eine große Anzahl von Grabsteinen umgeworfen, aus mehreren Grabdenkmälern wurden die Marmorplatten herausgeschlagen und di« Trümmer aus dem Friedhof zerstreut. Die Erhebungen futö enigelcitet; bisher wurden die Täter nicht eruiert. Warnung an die ittdlscha Bevölkerung!!ti vielen Verkaufsstellen werden Im Vor« Jahre gebackene Maroth diverser Herkunft als frische (heurige) verkauft. Da diese Ma2zoth weder sowohl«chmeckend noch so koscher sind wie die frischen, warnen wir im Interesse des P. T. Publikums vor deren Ankauf. Decken Sie ihren Bedarf an Mazzoth noB 7V nur bei den Verkaufsstellen der Mazzothbäckerei H. STRUM II. Rokensternsasse 11 fei. 47-7-17 Garantiert frisch gebacken und verlässlich koscher, unter Aufsicht des weltberühmten Gaon Oberrabbiner Cha«m fizclrak Jernchem aus Alt s t a d t. “"S a Jedes Paket trügt die Stampiglie H. Strum Sie getvish Agenctz. Eine Jnterpelürtion der revisionistischen Zionisten an die Londoner Exekutive. Die unter der Führung Wladimir Jabotin skys stehende Gruppe der Zionisten-Revisionistsn, bereu Zentrale sich in Paris befindet/ hat im Hinblick auf die anfangs März von W e i z m a n n abgegebenen ErklärurMN über die. zivkünftrge Gestaltung der Iewich Agency an die Exekutive das nachfolgende Schreiben gerichtet: '.Y' 0c Zion istisch« Exekutive London. Geehrte Herren! Die beabsichtigte Umbildung der Je-wiG Agency erweist sich ungeachtet der Beschlüsse des 13. Zioniftenkongresses nnd jener des Aktionskomitees (Sitzung Juli 1924) nicht nur als Mißbildung, als Anlaß zu Diskussionen, sondern sie verursacht auch schmerzliche Krisen sowohl in der Organisation wie auch in ihren verfassungAnräßigen Körperschaften. Als Beispiel genügt es, ans Strickers Demisision als B izepr äsident des A. C. und die Vorgänge in der polnischen Föderation zu verweisen. Nach unserer Ansicht ist dies nur eine Folge davon, daß die Grnndzüge der beantragten Reorganisation bisher noch nicht fest Umrissen sind und in gebührender Klarheit davgelegt wurden, ilkrch den offiziellen Vorschlägen ist es absolut nicht klar, wie Pflichten und Rechte dieser neuen Institution beschaffen sein werden, die durch .Heranziehung von Nichtzionisten zu einer vom Zioni-, stischen Kongreß gewählten Exekutive gebildet werden soll und tvelche Vorteile für die zionistische Sache man sich aus der Verwirklichung des Planes erwartet. Die Bedercken und -Miselnden Worte, die in den zionisttschen Massen laut werde« nnd culf die bisher noch keine klare Antwort erteilt wurde, können im folgenden zusainmeiigefaßt werden: Wie aus den umlaufenden Darstellungen hervor geht, wird beabsichtigt, die Hälfte der Sitze in der Jewish Agency Nichrzionisten einzuräumen, die weder dem Kongresse noch sonst einer durch Volkswillen gebildeten Versammlung veranttvortlich fein sollen; weiters wird beabsichtigt, dieser Institution sowohl das Recht auf politische Vertretung als auch das der Kontrolle über die Mittel des Keren Hajess o d, also die fundamentalen Rechte der Zionistischen Organisation, zu übertragen, von denen das eine durch den 8 4 des Mandats, das andere dttrch Uebung und Gewohicheit festgelegt ist. Wenn diese Interpretation richtig ist, so wird der Kongreß dadurch einerseits des Rechtes, durch die Exekutive sein« politischen Meinungen der Mandatarmacht vorzutragen, beratlbt, andererseits aber auch des Rechtes aus Verwaltung der Geldmittel, die — be,i aller Achtung vor der Hilfe unserer nichtjionistischen Freunde — doch i n der Hauptsache durch Z i a n i st e n ausgebracht werveu. Eine bemerkenswerte Zahl von Männern in der zionistischen Brlvcgung beifürchtet, daß eine derartig« Zusammen« setznng eitle große Beeinträchtigung des Allsehens der Zionistischen Weltorganisation bei ihren Mitgliedern nach sich ziehen wird, was einem vollkommenen Zusammenbruch der Organisation gleichküure. Sie besürchien allch, daß hiedurch die. Reihen und Glieder der Sammler für den Keren Hajessod durch den Gedanken verzagt toerden, daß weiterhin tveder sie noch die Gesamtheit der Spender die von ihnen aufgebrachten Geldmittel durch ihre Vertreter weder verteilen, noch die Verioendnng überwachen können, sowie daß dies unvermeidlich die Energie der Sammler hemmen würde, zum großen Nachteile der finanziellen Ergebnisse. Die Anhänger des offiziellen Systems versuchen dies« Brfiirchtmlgcll mit der Versicherung zu begegnen» daß -de Reichen, die zum Eintritt in die Jewish Agency bereit sind, n«Sreichende Geldmittel für das AtvfbMwerk zur Verfügung stellen werden. Aber eine Frage, die bei dieser Versicherung natürlich sofort gestellt werden muß, Sst biS jetzt ohne klare, eindeuti-ge Antwort geblieben. Sie lautet: ,Ist von seiten der obertvähnten Vertreter der „reichen^ Leute irgend eilte verbindliche Zusage gemacht worden, ausreichende Geldmittel zur Verfügung zu halten?" Mit Rücksicht auf diese allgemeine Ungewißheit erlauben wir uns, Sie um eine authentische Aufklärung über diese Bedenken zu ersuchen, die so viel Erstaunen und Mißverständllisse gezeitigt haben. Wir verhehlen nicht, daß die Organisationen, in deren Namen wir sprechen, grundsätzlich sich gegen jedes Abweiche,: von den Prinzipien der Demokratie wenden. Wir glauben jedoch, daß eine gründliche Aufklärung über die noch unklaren Punkte des beantragten Schemas der Zusammensetzung der Jewish Agency dazu dierten würde, einen großen Teil der Bedenken zu bannen, jedenfalls aber die Atmosphäre von den Anspielungen und doppelzüngigen .Worten reinigen würde, welche sowohl den Anhängern als auch den Gegnern des offiziellen Schemas unerwünscht fein müssen. Wir darcken Ihnen daher im voraus für die Beanttvor- .timg folgender Frage»:: 1. Haben die Initiatoren dieses Planes die Absicht, der neuen, noch zu schaffenden Institution eine rein berat e u ö c Funktion außerhalb der Jewish Agency zu gewähren uui> die letztere weiterhin als identtfch mit der Zionistischen Organisation zu belasseil? Oder soll die neue - Institution die Bezeichnung als JeLvish Agency dem Namen und der Macht nach annehmen und die Zionistische Organisation ltui' einen Teil derselben bilden? 2. Wenn unsere erste Annahme richtig sein sollte, soll dann die ne-ne Institution nur berateuden Charakter in Altgelegenherten der Politik und des Budgets besitzen? Oder ist beabsichtigt, ihr d>e Beschlußfassung in einer der vorerlvähllten Kompetenzen zu übertragen? 3. Sollte jedoch die zweite Voraussetzung unserer alternnativen snb 1 gestellten Frage zutreffcn fl), h. sollte die neue Institution s-otvohl ryit dem Titel als auch mit den Machtbchugnissell der Jewish Agoncy ausgostattet werden), wird dann die Exekutive sich irgend «in Recht sichern, um selbstständig ihre eigenem Meimtugen und Beobachtungen hinsichtlich der Evsülluidg des Mandats der britischen Regierung Vorträgen zu können? 4. Im gleichen Falle (wenn die neue Institution Trägerin des Namens und der Rechte der Jewish Agency sein wird) kann der Kongreß außer dem bloßen Recht der Budgetdebatte sich auch den entsprechenden Einfluß muf die Verteilung und Berwendlmg der Mittel der Keren Hajessc^, sichern? 5. Wenn die Zionistische Organisation nach der beabsichtigten Zusammensetzung der Jewish Agency nicht mehr ihre politischen Vorrechte, die ihr durch Artikel 4 des Mandates, noch chre Budgetrechte ausüben wird, die ihr durch Hebung und Gewohnheit.gewahrt sind, und wenn spätechin die Zionistische Organisation keinen Einfluß aus jene exklusiven Organisationen ausülben kann, deren Vertreter den größeren Teil der mchtzionistischen Höilste der Jewish Agency bilden werden, was war« dann nach Ihrer Meinung die Rolle, die Funktiorr, die DaseinSberechtigunH der Zionistischen Organisation? 6. Hat di« Zionistische Exekutive irgend eine greifbare und förmliche Zusage von maßgebender Seite cchalten, daß die Heranzichrmg von Vertretern der reichen Schichten ihrerseits bogleitet wird, durch eine solche finanzielle Unterstützung unseres Kolvn-ifationswerkes, daß diese durch Umfang und Stetigkeit ein genügendes Gegengewicht bietet gegenüber derr Risken (an denen kein Zionist zlveiseli) der üeatbsichtigtv Umgestaltung? Wir verbleiben hochachtungsvoll Das Zeutralbureau der Zionisten» Revisionisten, fiitauen genta feine aationalea SRfabttQettett Das autonomiefeindliche Gesetz über die Mische» Gemeinden angenommen. — Die Nationalrate der Minder, heiteu abgelehnt. Kotvno, 3. April. (I. T. A.) Der litauische Sejm hat den Gesetzentwurf Letreffeud die jüdischen Geilleinden in Litauen, den die judenfeindliche christlich-demokratische Partei eingebracht hatte, in dritter Lesung angenommen. Auf diese Weise ist der letzte Rest der A u t o n o m i e r e ch t e der Juden in Litauen v e r n i töte t worden. Das angenommene Gesetz beraubt die jüdischerr Genleinden des Rechtes, zwangsweise Steuern zu erheben. Auch erlaubt das Gesetz die Existenz mehrerer Gemeinderl in einer Stadt; niemand kann gezwungen werden, einer Gemeinde anzugehören. Der Unterhalt für die Gemeindeverwaltung und die Institutionen kann nur durch freilvillige Speltden bestritten werden. In der gleiche» Sitzung l e h n t e der Sejur den von den jüdische n, Polnischen nnd deutschen Depu^ tierterl enigebrachten Gesetzentwurf über die Errichtung nationaler Räte der Minoritäten ab. Zum Protest verließen die Deputierten aller nationalen Minderheiten den Sitzungssaal. Frühjahrs-Neuheiten ÄVÄÄ » Schiffmann It. TaborstraSa 48 ▼«(•niian ckv»l«7p v« tjroi in tfattit

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