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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-31 · Heft 2195 (31.3.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2195 (31.3.1925)
Date
1925-03-31
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Mi 1 JMen, DlenSkug ' 31. Marz 1SS8 W« «WM W, UB t« «»Was Kgm die SRttnomit Mt Mische« Semriadr« in fiitmcn. Kottno, 29. Mär;. (I. T. A.) Ter litmü'che Sejm hat nit {einer chv:stli^x-me-kra tischen Mehrheit LvS Gesetz »der bk Misch?« Gemeinvrn m erster mch zweiter LosuW angenommen. Wie gestern berichtet, ist das Gesetz gegen den Willen der jüdischen Seimfinltion und der gesamt«,: jüdischeu Bevölkenrng Litauens eingebrmht tvordsu. Es beschrankt die Autonomie der jüdischen G emeiaden i>n Litauen in empfindlicher Weis« und cnz'M insbesondere den Gomomden das Rech., die Steuer zwa-ttgsweise cir^utreiben. Re Schwenk««» der Radtt-Parlei. Bekgrnd, 30. März. (Tel.-Komp.) Im gesetzgebenden Ausschuß haben heute nachmittags die Angehörigen der R a d i e - P a r 1 e i für die Liste der Regierungsm e h r h e i t gostrrwmt unter der Bedingung, daß ihnen die Vizepräsidenten stelie im Ausschuß einHemumt Werde. Hierauf tourö« der frwher-c Stupschüna Präsident Ssukba Iovanodic zum Vorsitzenden und der Radic r a n e r Dr. Polic zum Vizepräsidenten des A>uSfchufses getvählt. Nach der Sitzung des gesetzge-benden Ausschusses trat das Präsidium des Opposrtionsbkocks zu einer Beratung zusammen, in der es wegen der Sondertaktik der Radie-Partöi zu stürmischen Auseinandersetzungen kam, worauf sich Dr. P o 11 e entschloß, die Dizepräsidentenschast rm gesetzgebenden Ausschuß wieder niederzulegeu. Trotzdem hält matt in Politischen Kreisen eine Annäherung zwischen den Kroaten und der Regierungsmehrheit für «wahrscheinlich. Sie ungarische SMsttton. Teilnahme <m dm Parlamentsverhandlu«Geu. Budapest, 30. MÜH. Me in der Opposition dertreienen Parteien, mit Ausnahme der SvA'ÄHemokmte«, haben boschlossen. ihre Haltung Zu ändern und an den Beratungen der Nationalversammlu ng wieder teil zunehm Mi. Die Sozialdemokraten harte« Nach wie vornan der Passivität sesti Ser Cireif im Mauer Xeniet. MMch-Ostr«,, 30. Mär», llsch-cho-flao. P«gburean.) Bon den 65 Fndnstrieunternehmungen im Revier (die DergwerkAunternehmunge« ausgenommen) wird bloß bei sechs Firme« gestreÄt. Bon der gesamten Arbeiterschaft der Metall- und der chomifchett Industrie streiken ungefähr 15 Pr^ent. In der Bergwerk s i n d u st r i e streikten vormittags 67L Prozent, nachmittags 723 Prozent. Bis auf zwei Fälle, wo Frcru-en von Bergleuten Arbeiter insultierten, di« aus den Gruiben die Rotstmchsarbeiten verrichteten, herrschte im Revier heute vollkömnwne . Meer in Senium. London, 30. März. BundesfinanzMmisttr Doktor Ahrer traf gest.rn abends in London ein und pflog dort gleich nach seiner Ankunft interne Be.sprechungen. Heute hat er im Schatzamt und in der Bank von England Besuche abgestattet. In den frühen Morgenstunde« hatte Dr. Ahrer Vorbesprechungen auf der Gesandtschaft, an denen auch Sir Henrh Strakosch teilnahm. Im Anschluß daran fand die zweistündige Unterredung mit dem Gouverneur der Bank von England Sir Montogu Norman in An- Wesenheit des österreichischen Gesandten statt» wobei die wirtschaftlichen und finanziellen Frage« Oesterreichs behandelt wurden. Es folgte in den ersten NachmittagSstunden eine weitere Kons, renz mit den Mitgliedern des Finanzkomitees, Sir Henry S t r a k os ch und Riemey « r. Unmittelbar darauf stattete der Finanzminister dem britischen Schatzkanzler Winston Churchill einen Besuch ab, der sich lebhaft für die österreichischen Fragen interessierte. Hierauf fanden noch weitere B.sprechungen mit Mr. Bark, Sir Ernest H a r v e y, Mr. H o ld e n und anderen statt. . __ Sr. Seidel wieder SoMchnlleheer. Das Professorenkollegium der katholisch-theologiqchen Fakultät der Universität Wien hat den Beschluß gefaßt, Bundeskanzler a. D. Dr. Seipel zu ersuchen, er anöge vom Wintersemester 1925-26 an seine Lehrtätigkeit an der Universität wieder ansnehmen. Von diesem Zeitpunkte an soll eine Neuregelung des theologischen Studiums im Sinn« einer Erweiterung um Mi Semest:r durchgosührt und dabei die Soziologie zu einem eigenen L-ehrgegenstande für die Theologen ausgestaltet werden. Dr. Sespei soll nun diese für die katholischen Theologen neue Disziplin lehren. Ueber Einladung der Bereinigung „Niederlande- Oesterreichs wird Dr. Seipel Ende April in mehrere» Städten Hollands Vorträge halte«. SerMieiemmsichud fonftitniert RA «nentoeat. Der Mietengesetzausschuß trat gestern nachmittags zusammen und setzte die Debatte über die Wahl des Obmannes fort. Der nächste zum Wort vorgemerkte Redner A'bg. Schönste iner ichrWichlojial) b*v« zichtete aus das Wort. Hierauf sprach der Sozialdemokrat Ri eg er his 7 Uhr abends. Er wird seine Rede in der A-tW« Sitzung sortfetzen. Zurrt Schatze «egen AjisteeMtfigen Bestes Schutz« und Deswfektfonsmiue! für Frauen Beseitigt übte Oe* rtlchc SKtaftlt «er SojisOeiwfraten lei len Inijfrarner 9emeinlemol!tn. Oalzturg, 30. März. Nach den bis halb 11 N-Hr vormittags vorliegenden inoffiziellen Berechnung n hüben bei den gestrigen Gemeindewahlcn im Lande Salzburg die Sozialdemokraten 71 Mandate verloren und 10 gewonnen, die Christtichsczialen. beziehungsweise die Wirtschaft-Partei (Vereinigung bürgerlicher Parteien) 68 Mandate gewönne« und 6 verloren, die Rational' fozialisten I Mandate gewonnen. Sie IlenterWreftwcn leim Tlrgermelstrr. ^Die Abschaffung der Lnstbarkeitsabgube ist auSgeschlosie«!^ Gestern erschien das Präsioirun des Verbandes österreichischer THeaterdnektorcir bei Bürgermeister Seid und ersuchte unter Hinweis auf die bekannten Beschwerden gegen die Lustbarkeitsabgabe um Veranstaltung einer Enquete, bei der die Frage der Lebensfähigkeit der Wiener Theater in ihrem ganzen Umfang zur Debatte gestellt werden soll. Bürgermeister Seitz antwortete, er könne nicht der» schweigen, daß durch die Sonntag veranstaltete Versammln n gd e » Bühnen verein 8, in der die grundsätzliche Frage der Lustbarkeitsabgabe überhaupt zur Diskussion gestellt worden ist, Schwierigkeiten entstanden seien. Eine Enguttt könne nicht den Zweck haben, zu erörtern, ob die Lustbarkeit sab gäbe abzu schaffen sei, denn dasei ausgeschlosse«. Erörtert könnten eventuell eine Vereinheitlichung der abgestuften Steuer, die Art der Einhcbung usw. werden. Die Vertreter des Direktorenverbands erwiderten, daß die Gesamtheit der am Theater interessierten Körperschaften die gegenwärtige Situation für unhaltbar erachtet. $ft Autoren gegen die Luftbarkeitsabgabe. Die Genossenschaft dramatischer Autoren und Komponisten hat in ihrer gestrigen außerordentlichen Generalversammlung einstimmig folgende Resolution gefaßt: „Die Genossenschaft protestiert auf das schärfste gegen die Handhabung der LustbarkeitSabgabe,, die insbesondere die Autoren mit voller Wacht trifft, uüd fordert die Gemeindeverwaltung auf» eine gerechte Regelung dieser Abgabe schleunigst durchzusühren." $n&t «etttnen SciftenleiRneiH*. Gestern nachmittags wurde der ermordete Schriftsteller HW Beitauer unter großer Beteiligung des Publikums im Krematorium der Stadt Wien beigesetzt. Das Bläsersextett der Staatsopcr stimmte einen Choral an. Redakteur Ernst Ely hielt die Trauerrede. Außerdem sprachen die Redakteure Koller und Olden. Gegen 6 Uhr war die Trauer» feiet zu Ende. Ne Wie«« Kultmgknieivde für de« Kere» Hajefsod. DaS DanEschrribe« des Londoner Direktoriums. Wir haben berichtet, daß der Borstand der Wiener Kultusgemvinde in seiner Plenarsitzung vom 15. d. einstimmig die Widmung eines Betrages von 20.000 Schilling für den Palästinaaufbaufonds beschlossen hat. Im Nauren des Direktoriums des Keren Hajefsod hat nun .Herr Berthold Feiwel an das Präsidium der Kultusgemeinde das folgende Schreiben gerichtet: The Erez Israel (Pale st ine) Foundation Fund Keren Hajefsod Ltd. Board ofDirectors. 78 Great Rusell Street London W. C. 1. 23. März 1925. An das Präsidium der Israelitischen Krütusgememde Wien. Sehr geehrtes Präsidium! Das Komitee des Koren Hafessod für Oesterreich hat uns den Betratst von 200 Millionen österreichische Kronen überwiesen, den Sie auf Grund des Beschlusses Ihrer Gemeinde vom 15. Mörz 1SW für den Keren Hafessad votiert und au-gvzahlr haben. Cs ist für das Direktorium des Keren Hajefsod eine besonders ehrenvolle Ausgabe, Ihnen für den Großherzigen - Beschluß zn danken. Wir betrachten es als eine Auszeichmmg für den Fond-, der seine Stärke und sein Wachstum der «MStteifeinwn Mitwirkung von Juden aller Länder dankt, daß nunmehr auch eine Gemeinde von der großen Tradition wie die Wiener Israelitische K n l t u sge me i nde durch eine so eindrucksvolle Kundgebung zur Erhöhung seines Prettiaes und seiner Leisürrrgssähigkeit beit-rägt. Es ist für die jüdische Gomeinschast der Stadt, in der einst Theodor Herzl gewirkt 'hat, sicherlich eine tiefe Genugtuung, wie es eine für uns ist, daß nach Jahrzehnten, während derer sich der große Gedanke der Begründung. eines nationalen jüdischen Heims in Palästina Nicht ohne beträchtliche Schwierigkeiten und nicht ohne innere Kämpfe durchzuringen hatte, jetzt in dieser idealen Atvfaabe eine einheitliche Plattform für alle Glieder nnirres Volkes geschaffen wurde. Für diese icgensrsiche Wirkung, die das neue jüdische Palästina in >der Diaspora nusstrah'.t, ist Ihr Beitrag zum Kerell .Hajessod ein Zeichen, das nicht nur von iins mit sreudi-grr Dankbarkeit gewürdigt wird, sondern das, wir find dessen sicher, von ungezählten andewn gewertet und für vie-!.' ei-.re E r rnn t i g n r: g und ein' Ansporn sein tvird. Wir nratherr vorr twu erfreulichen Beichluß Ihrer (&■> meinbe auch dein Präsidenten der Zionistische« ^rganisalwn, Hert» EhaiM Weidmann» Mittvilrmg» der sich Oege» fibefittbtte« SchweiMbildaftg Als l\m\t tu Bädern Angenehm riechend Nor in edefgrdflcn Origlnaitlaneheii soob'n zur Eröffnung der hebräischen Nntvsr« sktät nach Jerusalem begaben hat, und den es alt dem ersten Vorkämpfer der y brätsche« Untversttät m Ierust/ent. ebensowohl als dem »«fopterungsdollsten Arbeiter für derr Keren Hafessod, zweifellos im höchsten Mane erfreuen und befriedigen wird, daß Ihre Gemeinds den Beschluß einer Leistung für dm Keren Hafessod in so einsichrsvoli-er Form mit einer Begrüßung für die h.Vräifche Universität vevbunden hat. In cuiSgezeickneter Hochachtung B. Feiwek m p. für das Direktorimn des Keren Hchksiotz. Mr las AneKnlerwallrecht ln len lmyrffch» Mdtichen Oemelnlen. Mü»ch«n. 26. Mir,. <J. T. St.) I« VerAndun« mtt der Würzburger Tagung des Verbandes vayrisch-jüdischet Gomeinden veranstaltet die M ü n ch o n e r Z i o n i st i s ch e Organisation in München eine Kundgebimg für das gleiche, akUve und passive Wahlrecht aller Inden sowohl in die jüdischen Gemeinden als auch in den Landesverband. Die Versarnrnlung tvar außerordentlich stark besucht, die Kundgebung gestaltete sich sehr wirkungsvoll. Herr Rechts« amvalt Dr. Alfred Klee (Berlin) sprach unter lebhafter Zustimmung der Versammlung über diese Fragen. Die Versammlung wurde v^n dem Mitglied des Minchmr (Äemeindevorstvndes Dr. S t r a u ß geleitet. Jer Anklim VaMm» vom Standwnkte de» Richtiioniften nnd Rlchüiüien. Ein Vortrag des Professors Dr. Ehrmann. Die Gesellschaft der Freunde deS Palä?. stinaaufbaucs veranstaltete gestern im Zerenwniensaale der Hofburg einen Bortrag des Hofrates Prof. Dr. S. Ehrmann über dieses Thema. Lange vor der angesetzten Stunde mußte der Saal wegen Ueberfüllnng gesperrt werden. Nach einer warmen Begrüßungsansprache des Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Prof. Pick, führte der greise Gelehrte ungefähr folgendes ans: Jeder denkende Mensch muß sich angesichts einer Massenerscheinung, wie sie die zionistische Bewegung ist, die Frage, vorlegen, welchem inneren oder äußere« Drang sie ihre Ent- - stehung verdankt, wohin sie treibt und welchen Einfluß sic aus das sonstige Geschehen nehmen kann und wird. Die tiefe Wirkung, die Palästina auf das Denken nnd Fühlen von Millionen Übt, ist durch die materielle Geschtchtsaufsassung allein nicht erklärbar. Die Brennpunkte des wirtschaftlichen Geschehens unserer Zeit, London vnd New-York, können sich in Hinsicht auf die Beeinflussung der Geister mit diesem armen Lande nicht mesien. Es ist ein gewaltiger Gedanke, in der Nähe der heiligen Bergstadt, den gedrückten, ruhelosen Nachkommen des Bibelvolkes eine Heimstätte zu gründen, Um sein durch Jahrtausende aufreibenden Kampfes erblich übepcrregtes Nervensystem zu heilen, die nervösen Gehirnmenschen in Palästina zu Muskelmenschen zu erziehen. In dem nun folgend.« historischen Teil des Bortrages erklärte Prof. Ehrmann, wie aus dem jüdischen Volke der Hirten und Bauern die hastig lebende Masie von Händlern und Intellektuellen entstehen mutzte, und wie während der ganzen Zeit der Diaspora die Juden von der Sehnsucht nach der Scholle uUd nach landwirtschaftlicher Arbeit beseelt waren. Je schwieriger der Kampf ums Leben, um Geltung und Gleichberechtigung wurde, um so größer wurde die Bedeutung Palästinas als erwünschtes SiedlungSland. WaS im Bereich des reinen Wirtschaftslebens geschah, wiederholte sich in der Schichte der Intellektuellen. Die den Juden ungünstige Entwicklung führte dahin, daß allmählich ein Jntelllgenzproletariat entstand. In der Gegenwart schneiden am schlechtesten die Ostjuden ab, die im Vertrauen auf die Freizügigkeit der Vorkriegszeit sich dem Studium ergaben und nun in der eigenen Heimat Hindernis über Hindernis, in den Nachfolgestaaten. deren Angehörige sie nicht mehr sind, eine formakrechllich begründete Ablehnung erfahren. So muß eS höchst willkommen fein, daß sich ein Land findet, wo der Emigrant nicht als lästiger Freurdling angesehen wird, besonders, wenn es sich um Palästina handelt, wohin ihn so viele Gefühlsmomente ziehen. Der Vortragende legt dar, daß kein gerecht fühlender Mensch dem j ü d i s ch e n A u s b a u w e r k e i n P a l ä st i n a e n t g c g e ntreten könnte. Jetzt ist die Gelegenheit, gutzlruiachen, was seit den Tagen Titus', Bespasians und Hadrians an den Juden verbrochen Wurde. Mit wohlwollendem Interesse sollte diese merkwürdige historische Erscheinung begleitet Werden. Die bereits geleistete kolonisatorische Arbeit, die der Vortragende eingehend schilderte, ist, wie er ausführte, Gewähr dafür, daß diesem säkularen Unternehmen, welches an ehre Zeit anknüpft, die zwei Jahrtausende zurückliegt, Ep folg und Gedeihen beschieden sein mnß. Sehr lebendig schilderte der Vortragende das ganze Moderne jüdische Kolo« nifatjonswerk, die Siedlungsformen, die Wirksamkeit des Jüdischen Nationalfonds und des Keren Hajefsod» die Entwicklung der kulturellen Institute, der Bautätigkeit und der industriellen Unternehmungen. Er schloß mit den Worten: „Mit Bewunderung sieht man Jünglinge und Mädchen ihr bequemes Leben verlassen und Erwachsene ihre Karriere, um in harter Arbeit den Preis der Seelenruhe zu erringen, Altneuland zu neuem Leben zu et« wecke n. Wie nach langex WinterWit an den Wasserläufen die ersten Pflanzen aufschießen, so sprießt, von de« MM» .

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